Kölner Brauerei-Verband e.V., Cäcilienkloster 10, 50676 Köln
Druckversion der Seite: Brauhaus "Zum Salzrümpchen" - Dienstag, 17. September 2019
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Brauhaus "Zum Salzrümpchen"

Brauhaus "Zum Salzrümpchen"
Brauhaus "Zum Salzrümpchen"

Dieser Teil der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Domes, war einer der kulturellen Mittelpunkte des mittelalterlichen Köln. Hier spürt man noch heute den "Genius loci" - diesen unbestimmbaren Geist, der einen Ort umgibt, an dem in früheren Zeiten einmal Wichtiges gedacht und gemacht worden ist. Er vermittelt den Menschen ein Gefühl von der Historie und den Personen, die daran beteiligt waren. Denn wo heute die Hauptverwaltung des größten deutschen Senders, des Westdeutschen Rundfunks steht, wo gegenüber im Museum für Angewandte Kunst alte und neue Designer ihre Werke zeigen, hier war schon vor sehr langer Zeit der Geist von Wissenschaft und Kunst zuhause. An dieser Stelle lernten die Studenten der alten Universität von 1388 die Juristerei. Daher auch der Name "An der Rechtschule". Gegenüber, in der Laurentianer Burse, bereiteten sie sich auf das Studium vor. Hier lebte und lehrte der große Kirchenlehrer Dun Scotus und in unserer Zeit entwickelte Adolf Kolping, der Gesellenvater, seine katholische Sozialphilosophie.

In Bursen und Konventen wohnten Lehrer und Studenten gemeinsam. Doch sie haben nicht immer nur studiert, hier flossen bestimmt hin und wieder auch Bier und Wein. Wo heute das Hotel Königshof steht, befand sich bis zum teilweisen Abriß des Klosters das Kloster-Bräues der Franziskaner, genannt das "München-Brauhaus".

Im Jahre 1241 wird das Haus "Salzrump"- gelegen an der Römergasse - erstmals genannt. als es durch Johann von der Lintgassen vom Kloster St. Mauritius abgekauft wurde. 1286 ist vom "Salzrump" die Rede, als von einem "Bachaus", gelegen oberhalb der Mühle (ultra pistrinum). 1296 wird vom "Salzrump" gesagt: Nahe bei der Kirche Maria zum Oertchen gelegen, sei er von Klein St. Martin an Johann Bischof in Erbleihe abgegeben worden. Im Jahre 1313 finden wir ihn wiederum als "Bäckerei Salzrump". Nach wiederholtem Besitzerwechsel wurde 1487 das Anwesen in zwei Häuser geteilt. Eines der Häuser wurde im Jahre 1589 von dem Brauer Michael Hermann aus Speyer für 1000 Goldtaler gekauft, der darin eine Brauerei betrieb. Sie nannte sich "Brauhaus zum Salzrump" und bestand über Jahrhunderte hinweg. Über die Herkunft des Namens "Zum Salzrümpchen", der heute noch in einem Lokal am Salierring fortlebt, gibt es verschiedene Darstellungen. Am wahrscheinlichsten ist der Hinweis auf das nahegelegene Salzmagazin in der Römergasse. Der letzte zünftige Brauer, der auch gleichzeitig Hauptmann der Bürgerwehr war, hieß Petrus Fuhrath.

Im Jahre 1838, also nachdem die Preußen in Köln das Regiment übernommen hatten, braute hier der Brauer Peter Wilhelm Lauvenberg. Ihm folgte ein Jahr später der Bierbrauer Anton Werners. Dieser betrieb die Brauerei fast dreißig Jahre bis 1867. Dann übergab er sie an seinen Sohn Johann Jacob Werners. Auch dieser führte den Braubetrieb lange Jahre erfolgreich bis 1896 - das Bier vom "Zum Salzrümpchen" war bekannt und beliebt. Nach seinem Tode übernahmen ihn seine Erben, welchen die Brauerei aber nicht so am Herzen gelegen haben kann. Denn im Jahre 1898 wurde der Braubetrieb eingestellt und die Hirsch-Brauerei Cöln aus Bayenthal eröffnete hier eine Brauereigaststätte, die sowohl einen Spezialbier-Ausschank als auch ein Restaurant beherbergte. Vor allem Geschäftsleute der nahen Einkaufsstraßen pflegten hier ihr Bier zu trinken. Das Haus war in ganz Köln bekannt und beliebt, besonders in den 20er Jahren verkehrte hier viel Sportprominenz, besonders die Schwimmer und die Turner.

Auch dieses alte Kölner Brauhaus wurde im Zweiten Weltkrieg ein Opfer der Bomben. Wo früher einmal Genuß und Geselligkeit gewohnt hatten, blieben nur noch rauchende Trümmer. Nach dem Krieg wurde das "Zum Salzrümpchen" nicht mehr aufgebaut. Der WDR erwarb das Grundstück zur Errichtung eines Erweiterungsbaus für sein Funkhaus am Wallrafplatz. In doppelstöckigen Kellern befinden sich die Studios für die täglichen Sendungen. Viel Stahl und Glas - alles etwas unterkühlt. Viel neue Kultur rumdherum: Museen, Galerien, antike Möbel und Graphiken, ansonsten Büros und Geschäfte. In der Cafeteria des Museums kann man im wunderschönen Innenhof blicken und bei einem Glas Kölsch die Stille genießen. Das hätten die Studenten der alten Studieranstalt bestimmt auch gemocht, ebenso wie die Franziskaner Mönche, die hier ja selbst einmal ein eigenes kleines Brauhaus in ihrem benachbarten Kloster um die Ecke hatten, an der Stelle, wo die Herren Wallraf und Richartz, Namensgeber des Museums, heute hoheitsvoll vom Sockel blicken. (FM)

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