Kölner Brauerei-Verband e.V., Cäcilienkloster 10, 50676 Köln
Druckversion der Seite: Die Kölner 'Bier-Herren' und das Reinheitsgebot von 1412 - Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Die Kölner "Bier-Herren" und das Reinheitsgebot von 1412

Bierprüfer

von Heinrich von Loesch

Der bayerische Herzog Wilhelm IV. erließ am 23. April 1516 ein Reinheitsgebot für das Brauen von Bier: "Es soll allein Gerste, Hopfen und Wasser gebraucht werden". Die deutschen Brauer übernahmen alle dieses Reinheitsgebot und verpflichteten sich, stets daran festzuhalten.

Unser Kölsch erfüllt natürlich ebenso alle diese strengen Kriterien und gilt auch sonst als eines der besten Biere im Lande. Reinheit und Natürlichkeit sind oberstes Gebot. Das aber nicht nur erst seit dem Jahre 1516. Bereits hundert Jahre früher, im Jahre 1412, erließ der Rat der Stadt Köln eine offizielle Verordnung, nach der die Kölner Hopfenbrauer nur bestes Gerstenmalz verwenden durften. Auch die Menge Bier, die von diesem Malz gebraut werden durfte, wurde genau festgelegt. Hatte man vorher in und um Köln ausschließlich mit der "Gruit", einer Kräutermixtur gewürzt, so begann jetzt der Siegeszug des Hopfens in den Kölner Sudhäusern. Die Kölner Ratsanordnung von 1412 legte bereits ausdrücklich diese Zutaten für Kölsches Bier fest, wie sie auch heute noch im deutschen Reinheitsgebot festgeschrieben sind: Hopfen, Malz, Wasser, Hefe - und sonst gar nichts.

Wer kontrollierte nun diese Ratsverordnungen, wer überprüfte die Qualität des Kölner Bieres ? - Es waren die Bierherren. Wer sie waren und welche Aufgaben sie hatten, erfahren wir aus den alten Zunftordnungen und in den Schriften des Chronisten Wilhelm Scheben. Die Bierherren, auch Bierkieser genannt, wurden vom Rat eingesetzt und mit 40 Goldgulden pro Jahr entlohnt. Sie kontrollierten die Bierqualität, überwachten den Hopfen- und Malzhandel, verhängten Strafen bei Vergehen im Brau- und Schankwesen und überprüften die städtische Malzmühle. Sie waren unabhängig und nicht der Zunft unterstellt. Es waren zwölf unbescholtene Bürger, die immer nur für zwei Jahre vom Rat ernannt wurden.

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Auch der Chronist Hermann von Weinsberg wie er im berühmten "Buch Weinsberg" schreibt, im Jahre 1543 Bierherr in Köln. Er mußte sich deshalb mit den Statuten der Brauer vertraut machen mußte. (Weinsberg hatte das Amt zu dieser Zeit sehr wahrscheinlich angenommen, da er von seinem Posten als Verwalter der Cronenburse aus Ärger zurückgetreten war, weil er dauernd Streit mit den Studenten wegen der Menge und der Qualität des Essens ständig in Streit lag. Er überlieferte uns auch eine konkrete Beschreibung dieses Amtes. Da der Mensch nun einmal schwach ist, galt auch im alten Köln: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Hier nun die Aufzeichnungen nach Scheben: "In unseren Zunftnotizen werden auch öfters die "Bierherren" erwähnt. Es fragt sich nun: wer waren diese "Bierherren"; welche Pflichten hatten sie; waren sie Angestellte oder bekleideten sie einen Ehrenposten? Aus dem vorhandenen Material und aus weiteren Kombinationen können wir uns über ihre Stellung ziemliche Klarheit verschaffen. In einer im Jahre 1742 bei Rommerskirchen in Köln gedruckten Schrift heißt es, daß mehrere "Officia" zum Besten des Gemeinwesens eingeführt seien, und diese Ämter von den Gebrauchs- wie Zunftherren teils als Inspektoren, teils als Deputierte ausgeübt wurden. So hätten z.B. die Ratsmitglieder, "um unzulässigen Inconvenienzen vorzubeugen, dem Pferde-, Vieh-, Fleischmarkt, sowie dem Holz-, Kohlen-, Wein- und Bierkauf, qua Deputati, also von Zeit zu Zeit vorzustehen.

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"Wir haben bereits früher gesehen, wie ein Herr Ochsenhülb als Bierherr in Sachen des Gerstenkaufs den Brauern sehr "behülflich" gewesen sei; dann ferner, wie die Herren Ochsenhülb und Peter van Raide mit den Amtsmeistern der Brauer auf dem Zunfthause wegen der Malzsäcke und Bierahmen (Maßeinheiten) konferiert habe". Wir dürfen aber aus diesen Ausführungen nicht den Schluß ziehen, daß die Bierherren immer nur zum Schutze der Brauer, sondern vielmehr zur Wahrung der Interessen des Fiskus und des Publikums dagewesen sind, wozu denn auch die Stellung, die sie der Gemeinde gegenüber einnahmen, geeignet erscheinen mußte. So werden aus dem Jahre 1590 erlassene Sanktionen gegenüber verschiedenen Brauern für falsche Maße in Höhe von 10 Goldgulden erwähnt, was zu dieser Zeit gewaltige Summen für einen einfachen Brauer waren. Die Bierherren scheinen auch ihren Einfluß beim Hopfenkauf geltend gemacht zu haben. Bei den späteren Eintragungen werden die Bierherren denn auch immer ehrerbietig "unsere Herren" genannt. So z.B. bei einer "Spesenabrechnung" im Jahre 1754: Am 20. September haben "unsere Herren", beide Amtsmeister, auch einige Ratsbeigeordnete und Amtsbrüder beim Hopfenkauf 9 Reichstaler 26 Albus erhalten. Daß unter der Bezeichnung "unsere Herren" nicht die Amtsmeister gemeint waren, wird durch diese Notiz klargestellt, indem dort Amtsbrüder, Amtsmeister und "unsere Herren", also die Bierherren, als ganz getrennt aufgeführt werden, woraus sich also eine Überwachung des Brauereigewerbes durch die Bierherren erblickt werden kann.

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Das Kölner Reinheitsgebot von 1412 (im Wortlaut)

Aus dem Jahre 1412, in dem bereits das erste Kölner Reinheitsgebot für die in der Stadt Köln gebrauten Biere erlassen wurde, stammt ein Magistratserlass, in dem bereits 21 qualifizierte und zur Zunft gehörende Brauereien aufgeführt sind. Das war lange vor dem heute noch gültigen allgemeinen Reinheitsgebot des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern aus dem Jahre 1516. Aus dem Jahre 1412, in dem bereits das erste Kölner Reinheitsgebot für die in der Stadt Köln gebrauten Biere erlassen wurde, stammt ein Magistratserlass, in dem bereits 21 qualifizierte und zur Zunft gehörende Brauereien aufgeführt sind. Das war lange vor dem heute noch gültigen allgemeinen Reinheitsgebot des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern aus dem Jahre 1516. (Brauer 1412. - S.65) - 251. 1412 Juli 8. Der Kölner Bürger Sibert vom Ochsen erklärt, die Grutgerechtigkeit (gruis) von dem Erzbischof auf 8 Jahre gepachtet zu haben um jährlich 340 Kaufmannsgulden. (z 34 ff. 48'-50' Abschrift von c. 1466 in den Akten des Grutprozesses von c. 1461-1466.)

Wir geben bekannt, daß unsere Herren vom Rat mit den 44 Beisitzern folgendes beschlossen haben:

1. Güte und Preis des Bieres - Daß die Hopfenbrauer von einem jeglichen Malter guten Malz gleich Gerstenmalz nun fortan nicht mehr brauen sollen als 2 1/2 Tonnen Hopfenbiers und die Quarte für 6 d. wovon sie doch früher nicht mehr als von einem Malter Malz zwei Tonnen gebraut haben; daß die Brauer mit ihren Knechten zu den Heiligen geschworen haben, das so zu halten.

2. Neue Malzsteuer - Von jedem Malter wie jeglicher Brauer in einer Woche verbraut, soll er einen halben Gulden unseren (Rats)Herren davon des Samstags auf die Stadtkasse abliefern auf Grund ihres Pachtrechts.

3. Verwendung dieser Steuer - Weiter haben die Ratsherren und Beisitzer der Stadtkasse befohlen, dass sie das Geld aufheben und in besondere Kiste legen und daß es auch auf ihren Eid fortan zu keinem anderen Zweck benutzen als es allein an die Nachtwächter zum Entgelt zu geben.

4. Letzte Erhebung d. alten Wachtsteuer - Weiter ist beschlossen, dass man zu St. Remigius das Wachgeld, das man für diese in den Pfarreien und unter den Gemeinden benötigt, aufheben soll, damit man den Wächtern vierteljährlich ihr Geld auszahlt. Und das andere, übrig bleibende Geld soll man fortan den Beisitzern auf die Stadtkasse wieder liefern in urber der Wächter vurs. Actum et concordatum anno quadringentesimo duodeeimo. (1412)

Bearbeitet von Heinrich von Loesch - Zweiter Band spezieller Teil - Bonn, P. Hanstein Verlag , 1907.

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