Kölner Brauerei-Verband e.V., Cäcilienkloster 10, 50676 Köln
Druckversion der Seite: Historie: Richmodisbräu Köln (Richmodis Kölsch) - Montag, 3. August 2020
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Richmodisbräu Köln (Richmodis Kölsch)

Brauerei Richmodis

Das Brauhaus "Zum Thurm" lag in der Herzogstraße und gehörte zur benachbarten Pfarre St. Kolumba. Hier ist es auch im Schreinsbuch zu finden. Die erste Eintragung über die Existenz eines Brauhauses in der Herzogstraße findet sich im Jahre 1277. In normale Sprache übersetzt ergibt sich folgender Sachverhalt: 1277 erwirbt der Brauer Theodor de Sligen das Brauhaus auf der Herzogstraße an der Ecke zum Perlenpfubl, gegenüber der Steitzeuggasse, von einem Henricus Koch in Erbpacht. Da wir wissen, daß das Braurecht immer an das Haus (die Immobilie) und nicht an die Person gebunden war, ist es sehr wahrscheinlich, daß hier bereits vorher ein Brauhaus bestand. 1283 erwirbt Thilmann de Sligen, Sohn Theodor de Sligens, das Brauhaus. 1296 Schenkung des Anwesens durch Thilmann de Sligen an das Hl. GeistHaus, Hospital und Pilgerherberge am Domhof.

Die Witwe Elisabeth de Sligen, wiederverheiratet mit dem Kürschner Johann de Cleve, bestätigt 1305 die Schenkung. 1319 nimmt Winand, der Brauer "Vom roten Löwen", das Brauhaus in Erbpacht. Das Haus führt aber weiterhin den Namen Theodor de Sligens. 1420 taucht zum ersten Mal für das Brauhaus (domus braxatoris) Theodor de Sligens der Hausname "Zum Turm" auf.1455, wird Reynart von Villke als Pächter genannt. Eigentümer und Vergeber der Erbleihe ist nach wie vor das Hl.-Geist-Haus. 1491 Jacob von Brügge ist jetzt Besitzer des Brauhauses "Zum Turm". 1563 wird das Brauhaus "Zum Turm" im Buche des berühmten Köiner Chronisten Hermann von Weinsberg erwähnt. Soweit die detalllierten Aufzeichnungen in den Schreinsbüchern der Pfarre St. Kolumba. Wiedererstanden ist in seiner alten Herrlichkeit das Turmbräu von Franz Dünwald in der Herzogstraße, Ecke Perlenpfuhl. An der Stelle des jetzigen Hauses standen um 1200 zwei Steinhäuser. Hier wohnte Theodor Sligen, braxator (Brauer), der 1277 das Anwesen von Henricus Jocus (Koch) in Erbpacht nahm, es 1278 niederlegte und an seiner Stelle ein Brauhaus mit Zubehör errichtete. Nach seinem Erstbesitzer hieß das Haus "zom Siven", bis, zum ersten Male in einer Urkunde vom Jahre 1455, auch die Bezeichnung 2zo deme Toren" (zum Turme) vorkam. Die Familie Dünwald stammte, wie ihr Name schon besagt, aus Dünwald und ist seit 1588 in den Listen der Kölner Brauerzunft nachweisbar.

Später bescherte uns Wilhelm Scheben in seiner Geschichte der Zunft der Brauer recht interessante Angaben bezüglich der Familie Dünwald 1587: "Ich habe gefunden, daß die meisten, welche sich im Laufe der Zeit dem Brauergewerbe zugewandt haben, vom Lande herstammten und bald bei ihrer Aufnahme auch nur der Vorname mit dem Geburtsort eingeschrieben wurde. Später fiel das Wörtchen "van" weg und der Ortsname wurde Familienname. So hat "Rultger Duinwalt sein Amt und Broderschaff gewonnen op St. Antonius Dag 1588". Unter den Brauern von 1592 bis 1595 finden sich die Namen von Ludtwich und Hefrmann Duinwald (1587, Josep Duinwaldt (1593), Geudert und Joist Duinwaldt (1587). In der französischen Zeit war das Haus mit der Nummer 5059 im Besitz des Kaufmannes Eickel, der mit Brabanter Spitzen handelte. Die "Brauerei`' verschwand für mehr als ein Jahrhundert aus der Herzogstraße.

Im Jahre 1907 erwarb Franz Dünwald das Haus und schenkte hier nach erfolgreichem Umbau "Echt Kölsch an althistorischer Stätte". In einer für damalige Verhältnisse modernen Brauerei braute Franz Dünwald bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918. Dann ruhte der Braubetrieb bis zum Jahre 1924. Nach längerer Unterbrechung infolge der Beschlagnahmung durch die feindliche Besatzung und nachfolgender Scherereien hatte dann der Brauer Carl Errens den Betrieb des "Turmbräues" im Jahre 1924 wieder aufgenommen. Ob er hier auch braute ist ungewiß, da bereits im selben Jahre Franz Dünwald den "Thurmbräu" wieder übernahm und auch bis 1930 als GmbH führte. Dann kam der Großbrauer Friedrich Winter von schräg gegenüber aus dem berühmten Brauhaus Winter auf der Schildergasse und "schluckte" die Brauerei. Vier Jahre war Stillstand in der Herzogstraße, bis die Brauerei Winter hier im Jahre 1943 den Richmodis-Bräu gründete. Die Brauerei überstand einigermaßen intakt den zweiten Weltkrieg und produzierte - unter verschiedenen Eigentümern - weiter hier in der Kölner Innenstadt ihr Richmodis Kölsch. Die Brauerei wurde 1996 samt Verwaltung nach Porz ausgelagert. Im Jahre 1998 übernahm die Gaffel-Brauerei das Unternehmen.

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Der Name Richmodis stammt aus einer alten Kölner Sage:

Im 14. Jahrhundert lebte in Köln am Neumarkt der Adelige Mengis von Aducht mit seiner Gattin Richmodis. Als die Pest nach Köln kam und Tausende hinwegraffte, starb auch, nachdem sie nur drei Tage zu Bett gelegen hatte, die junge schöne Richmodis von Adocht. Man brachte sie zum benachbarten Friedhof von St. Aposteln. Da der Rat Angst vor weiterer Ansteckung hatte, wurde die Verstorbene noch in der Nacht ohne Totenwache und Seelenamt sofort beerdigt. Der Totengräber jedoch hatte bemerkt, daß die Tote noch zwei wertvolle Ringe am Finger trug und um den Hals eine wertvolle Kette. In der Nacht versuchte er deshalb, mit einem Spießgesellen Richmodis im Grabe zu berauben. Beide schlichen sich heimlich im Schutze der Dunkelheit auf den Friedhof von St. Aposteln und öffneten den Sarg. Bei dem Versuch, der Toten den Ring vom Finger zu drehen, erwachte die Scheintote, stieß einen tiefen Seufzer aus und richtete sich auf. Die beiden dreisten Diebe erschraken darüber so sehr, daß sie sich Hals über Kopf vom Gottesacker machten. Als die wiederbelebte Richmodis den Ernst ihrer Lage erkannte, lief sie mit wehendem Totenhemd vom Friedhof nach Hause.

Dort klopfte sie gegen die verriegelte Pforte und bat um Einlaß. Da der herbeigeeilte Knecht glaubte, der Geist seiner verstorbenen Herrin stehe vor der Haustür, rannte er ins Haus und weckte seinen Herrn. Doch dieser, der ja seine tote Frau im Sarg gesehen hatte, wollte - genau wie sein Gesinde - nicht glauben, was seine Frau da vor der Tür rief: Sie sei nicht tot, sondern lebendig begraben worden. Als dann noch die Pferde im Stall laut zu wiehern anfingen, sagte der ungläubige Ehemann: "Eher kommen meine beiden Rösser die Treppe hinauf, als daß vor der Tür meine noch lebendige Gattin ist." Doch kaum hatte er das gesagt, als die beiden Schimmel schon die Treppe hinauf polterten, in sein Zimmer eindrangen und ihre Köpfe wiehernd zum Fenster hinausstreckten. Nun schaute auch Mengis von Aducht hinaus auf die Straße und sah seine bleiche Frau vor der Tür weinend im Mondlicht stehen. Da löste sich die Furcht und ihn übermannte plötzliche Freude. Er stürzte auf die Straße und schloß seine geliebte Richmodis in die Arme. Das alles geschah der Sage nach im Jahre 1357. Das Ehepaar lebte gemeinsam noch viele Jahre und hatte eine Schar von Kindern.

An das Ereignis erinnert heute noch am Neumarkt die Nachbildung eines Kölner Hausturms, aus dessen Fenstern zwei Schimmel ihre Köpfe stecken, genau wie auf dem Markenzeichen des Richmodis-Kölsch. (FM)

 

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