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Cölner Brauer-Corporation

Fahne Brauer-Bruderschaft mit Köln-Wappen

1. St. Petrus von Mailand und die Brauerbruderschaft

von Prof. Dr. Wolfgang Schmitz

2. Brauer, Bier und Bruderschaft St. Petrus von Mailand
Patron der Kölner Brauer

Altarbild

Wo gibt es eine Handwerkervereinigung, die eine Tradition über Jahrhunderte hinweg nachweisen kann? Wo gibt es eine Bruderschaft, die sich seit mehreren hundert Jahren regelmäßig zum alljährlichen Patronatsfest versammelt? Die "St. Peter von Mailand Bruderschaft" nimmt dieses Prädikat für sich in Anspruch. Seit 1803 nennt sie sich auch "Cölner Brauer Corporation". Warum? - Das soll der folgende Bericht erläutern.

Seit jeher hat der Mensch versucht, sich das Leben zu erleichtern und angenehmer zu gestalten. Zu den angenehmen Dingen des Lebens gehört auch ein gutes Glas Bier. Im Rheinland, und speziell in der Stadt Köln, nennt man dieses Getränk Kölsch. Einfach Kölsch. wie die Sprache, die man hier spricht. Kölsch wie Karneval und Klüngel, Kölsch wie Kappes und Köbes, Kölsch aber auch wie Kirche und katholisch. Diese Mischung ist die Basis für eine Lebensart, welche die Menschen dieser Region miteinander verbindet. Das Kölsch ist so eine Art Bindemittel und Lebenselixier. Sein Geheimnis ist einfach zu ergründen: Aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser schaffen die Kölner Brauer ein herzhaftes, erfrischendes und belebendes Getränk: köstliches Kölsch.

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Doch wenden wir uns der Geschichte des Brauens im Rheinland und insbesondere der Geschichte der Bruderschaft zu. Das Bierbrauen zur Römerzeit kann relativ kurz behandelt werden. Die Römer, bis zum Jahre 355 n. Chr. Kolonialherren am Rhein, hatten mit Bier nicht viel im Sinn. Sie bevorzugten den Wein. Den übelriechenden Trunk aus Getreide und Wasser" - so von Plinius 79 n.Chr. genannt - überließen sie ihren germanischen und gallischen Hilfstruppen.

Dem römischen Historiker Plinius verdanken wir auch die Überlieferung des Namens "Cervesia" für ein schäumendes Getränk aus Getreide und Wasser, das aber seiner Meinung nach hauptsächlich der weiblichen Kosmetik dienen sollte, um die Haut rein und glatt zu erhalten. Vielleicht erklärt diese Erwähnung den heute noch gebräuchlichen Kalauer, wonach man sich "schöntrinken" kann. So tranken die Römer jahrhundertelang ihren Wein am Rhein, das heimische Bier führte ein Schattendasein. Doch wie so oft, nahm die Geschichte noch eine unerwartete Wendung. Heute trinken viele der seit Jahren in Köln lebenden Italiener Seite an Seite mit ihren Kölner Nachbarn abends an der Theke ihr Kölsch - späte Genugtuung für die Nachfahren der alten Germanen.

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Der Siegeszug des Bieres - damit auch der Braukunst - begann im frühen Mittelalter, als Hausgewerbe. Zum Brauen und Backen benötigte man große Feuerstellen. Sie waren meistens in einem gemeinsamen Brau- und Backhaus untergebracht. Die Herstellung von Bier und Brot war eine Familienangelegenheit.

Das älteste schriftliche Zeugnis über das Brauen im Rheinland stammt aus der Zeit Karls des Großen. Dieser weitblickende, erste christliche, deutsche Kaiser hielt die Herstellung eines guten Bieres für so wichtig, daß er in seinem Gesetzeswerk "Capitulare caroli magni de villis", welches die Wirtschaftsordnung seines Reiches regelte, festlegte, daß seine Hofverwalter für eine ausreichende Belieferung seiner königlichen Pfalz mit Malz zu sorgen hatten. Außerdem sollten besonders spezialisierte Brauer stets zur Verfügung stehen.

Ein wahrhaft weiser Mann, dieser Kaiser Karl! Denn diese Anordnung besagte nicht mehr und nicht weniger, als daß neben der Verwendung von guten Rohstoffen sich auch kundige Handwerker hauptberuflich mit Bierbrauen zu beschäftigen hatten. Eine für die Brauer historische Entscheidung, denn hier beginnt die jahrhundertelange Tradition eines Gewerbes, über dessen Kölner Repräsentanten, die St. Peter von Mailand Bruderschaft an dieser Stelle zu berichten ist.

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Die Ausbreitung des Christentums und das damit verbundene Anwachsen der Zahl der Klöster im Rheinland förderte nicht nur den Glauben. Auch das Brauhandwerk erlebte einen ersten starken Aufschwung.

Bier war ein Lebensmittel für alle Stände, kirchliche und weltliche. Eine Gemeinsamkeit zwischen Mönchen und Brauern erwuchs. Sie übten das gleiche Handwerk aus und fühlten sich dem gleichen Glauben verpflichtet. Aus diesen gemeinsamen Quellen entstand auch die St. Peter von Mailand Bruderschaft. Kölner Mönche und Brauer schlossen sich unter dem Patronat des heiligen Petrus von Mailand, eines Dominikaners, zu einer Vereinigung zusammen, die Brauer stellten sich und ihr Handwerk unter den Schutz dieses Heiligen. Die Dominikaner, benannt nach dem hl. Dominikus, ihrem Ordensgründer, kamen 1221 nach Köln. Ihr Kloster "zum Heiligen Kreuz" wird erstmals im Jahre 1233 als "conventus sanctae crocis in stolkengaszen" erwähnt. Der große Kirchenlehrer und Staatsmann Albertus Magnus, ebenfalls ein Dominikaner, erbaut die zum Kloster gehörende Kirche. Hier leben und lehren so berühmte Ordensbrüder wie Antonius Senensis und Thomas von Aquin. Hier wird der Kölner Dom konzipiert, der erste botanische Garten der Welt in Betrieb genommen und das Studium generale, die Vorstufe der Kölner Universität eingerichtet.

Auch Petrus von Mailand ist Dominikaner. Er wird am 6. April 1205 in Verona geboren, tritt schon als junger Mann in den Orden ein. Nach seinem Studium beginnt eine beachtliche Karriere. Er wird ein berühmter Prediger und später Prior. Schon zu se i Lebzeiten ist er bekannt als Eiferer für den wahren Glauben, als Streiter für die Einheit der Kirche. Auf einer Missionsreise zur Bekehrung von Glaubensabtrünnigen nach Mailand wird er 1252 in Farga bei Como ermordet. Sein Tod ist äußerst spektakulär und erregt großes Aufsehen und Betroffenheit in der ganzen christlichen Welt. Bereits ein Jahr nach seiner Ermordung - 1253 wird er von Papst Innozenz IV heiliggesprochen.

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Es spricht vieles dafür, daß dieser populäre St. Peter von Mailand schon kurz nach seiner Heiligsprechung von der damals stark aufstrebenden Kölner Brauerzunft zum Schutzpatron erwählt wurde. Die heutige St. Peter von Mailand Bruderschaft gibt das Jahr 1396, die Unterzeichnung des Verbundbriefes, eine ordnungspolitische Maßnahme der Zünfte gegen den Adel, als Gründungsjahr an. Da die Bruderschaft jedoch ihre Wurzeln im religiösen Umfeld hat, ist anzunehmen, daß ihre Gründung bedeutend früher stattgefunden hat. Die Kölner Brauer verstanden sich im Mittelalter immer als Streiter für die heilige katholische Kirche, der sie auch in Zeiten größter Bedrängnis treu und fest zur Seite standen.

Die Geschichte der Kölner Brauer bewegt sich in einem magischen Dreieck, das von folgenden drei Punkten gebildet wird: - der Verbundenheit mit dem Glauben. Sichtbarer Ausdruck ist die Bruderschaft. - Handwerk und Handel in Form der Zünfte. - dem politische Arm in Gestalt der Gaffel, einer Vereinigung, die zwei Ratsherren stellte und somit die Spitzen der Stadt mit wählte, die beiden Bürgermeister. Die 22 Gaffeln, politische Vertretungen von Handwerk und Handel, übernahmen ab 1396, nach der Unterzeichnung des Verbundbriefes, der den Zünften eine Beteiligung an der demokratischen Willensbildung ermöglichte, die Macht.

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Diese Dreifaltigkeit von Kirche, Handwerk/Handel und Politik bildet auch heute noch in Köln eine Konstellation, die überregional häufig als Kölner Klüngel bezeichnet wird. Doch der Klüngel ist viel vielschichtiger, man wird ihm mit dieser Vereinfachung nicht gerecht. Die Notwendigkeit, gemeinsam Interessen zu vertreten, war auch eines der Fundamente der Handwerks-Bruderschaften. Man brauchte den Schutz der Heiligen und die Nähe zum Glauben. Man suchte und fand Heilige, die entweder durch ihre Lebensgeschichte oder ihr vorbildliches Verhalten einer Bruderschaft Schutz und Ansehen verliehen. Der Hl. Josef z.B. war als Zimmermann natürlich prädestiniert als Patron dieser Berufsgruppe. Der hl. Sebastian war durch die Art seines Märtyrertodes - er wurde mit Pfeil und Bogen erschossen der Schutzpatron der Schützen-Bruderschaften, St. Nikolaus der Schutzheilige der Rheinschiffer und St. Crispian der Heilige der Schuster.

Um die Bedeutung des kirchlichen Beistands im öffentlichen Leben des Mittelalters zu verstehen, muß man wissen, daß keine wichtige politische, gesellschaftliche oder handwerkliche Veranstaltung stattfand, der nicht eine feierliche kirchliche Prozession und anschließendem Hochamt mit sakramentalem Segen vorausgegangen war.

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Amtshandlungen waren nicht rechtskräftig, wenn sie nicht mit einer kirchlich beglaubigten Eidesleistung verbunden waren. Zunftangelegenheiten, wie Wahl oder Einführung des Bannerherrn, Meisteressen, Aufnahme oder Lossprechung von Gesellen, alle für die Zünfte wichtigen Ereignisse, wurden selbstverständlich mit einem Gottesdienst eröffnet.

Diese Zeremonien waren in der Zunftordnung genau festgelegt: Zum Beispiel, wie die einzelnen Finger bei der Eidesleistung zu halten waren, und welche religiöse Symbolbedeutung jeder Finger hatte. So bedeutete der Daumen Gott Vater, der Zeigefinger den Heiligen Geist. Aus alten Zunftbüchern weiß man auch die Preise, welche die einzelnen Eide kosteten. So hat der neue Amtsmeister Engel Hoekkeshoven im Jahre 1589 vor der Bruderschaft seinen Amtseid geleistet. Dafür mußte er vier Goldgulden zahlen. Wenn man bedenkt, daß ein Handwerker im Schnitt einen Jahresverdienst von 35 Gulden hatte, eine ganz schöne "Bearbeitungsgebühr".

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Es gab eine stattliche Anzahl kirchlicher und weltlicher Feste im Laufe eines Jahres für die Kölner Brauer. Alle wurden intensiv mit großer Anteilnahme gefeiert. Das größte weltliche war wohl der Holzfahrtag, das Marsiliusfest.

Die Zünfte zogen in Reih und Glied mit Pfeil und Bogen, zu Fuß und zu Pferd hinaus zum Ossendorfer Wäldchen. Hier wurden Scheiterhaufen errichtet und Freudenfeuer abgebrannt. Waren die Zünfte auch einzeln hinausgezogen, so kehrte man abends spät in Fünferreihen gemeinsam durch das Eigelsteinstor zurück in die Stadt. Dort zog man sich in die einzelnen Zunfthäuser zurück und zechte die ganze Nacht. Ursprünglich hatte man am Holzfahrtag das Holz für den jährlichen Betrieb seines Handwerks geschlagen und eingefahren. In alten Rechnungsbüchern der Bruderschaft aus dem Jahre 1596 finden wir eine Aufstellung, laut welcher an diesem Holzfahrtag für Holz, Lebensmittel, Lohn für den Koch und Wein für die 120 Mitglieder sowie Bewirtung von Gästen insgesamt 193 Goldgulden bezahlt wurden.

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Ein weiteres hohes Fest war die Petri-Kettenfeier, im Volksmund "Peter VinkelsTag" genannt. Es war ein Fest, das man heute Straßenfest nennen würde. Man traf sich am Abend, zündete Teertonnen und Scheiterhaufen an, tanzte und sprang durch die Flammen. Die Nachbarschaft saß zusammen, aß und trank unter freiem Himmel die Nacht hindurch. Auch hier feierte die Bruderschaft kräftig mit. Sie war nicht nur für die Herstellung des Bieres verantwortlich Man kann den Eindruck gewinnen, sie sei auch für Absatz und Verzehr zuständig gewesen.

Die Feste der St. Peter von Mailand Bruderschaft waren "Kreuzerfindung" am 3. Mai "Kreuzerhöhung" am 14. September und - als Höhepunkt des Jahres der "St. Peter von Mailand Tag" am 29. April. Man zog in feierlicher Prozession zur Heilig-Kreuz-Kirche in der Stolkgasse. Voran die Statue St. Peters. Dort feierte man das Hochamt mit sakramentalem Segen vor dem Altarbild, das Kaiser Ferdinand III. 1475 den Dominikanern gestiftet hatte und auf dem sich das erste sichtbare Zeugnis der Bruderschaft befindet, das Bildnis St. Peters mit Widmung. Heute findet sich das Altarbild in St. Andreas.

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Am 11. Oktober 1693 stiftete die Witwe des Bannerherrn und Ratsmitgliedes Johann Pulheim, Ursula, geborene Hermanni, eine Summe von 300 Reichstalern. Zweck der Stiftung war eine Aufwertung des Patronatsfestes.

Dies bedeutete im Einzelnen: Feierliches Hochamt wie bisher, aber zusätzlich Chorgesang, Die Anwesenheit des gesamten Dominikaner-Konvents, sakramentaler Segen und Fürbitte für die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft. Außerdem - nach dem Gottesdienst - ein Festmahl und Wein für alle. Die Stiftungssumme wurde bei der Freitagsrentkammer, der Stadtkasse, hinterlegt. Sie ging in der Franzosenzeit verloren, wie so vieles in dieser Zeit.

Im Laufe der Jahre verflachte dieser gute Festbrauch immer mehr, so daß man im Jahre 1746 dazu überging, den damals immerhin 126 Mitgliedern statt des Bruderschafts-Essens die Summe von zwei Reichstalern in bar auszuzahlen. Diesem unwürdigen Treiben machte die Französische Besetzung Kölns im Jahre 1794 und die Auflösung der Zünfte im Jahre 1798 ein Ende. Das jährliche Patronatsfest mit Hochamt blieb allerdings bestehen. Die St. Peter von Mailand Bruderschaft überlebte als einzige der vielen Handwerker-Vereinigungen der Stadt Köln die Abschaffung der Zünfte mit einher gehender Einführung der Gewerbefreiheit durch die Franzosen. Man nahm den St. Peter etwas in den Hintergrund und nannte sich "Cölner Brauer Corporation". Man muß sich eben zu helfen wissen.

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Doch rund um die Bruderschaft änderte sich das Leben gewaltig. Die Klöster wurden aufgelöst, der Kirchenbesitz eingezogen. Das Dominikanerkloster in der Stolkgasse erlitt das gleiche Schicksal. Es wurde zur Artellerie-Kaseme. Heute befindet sich an diesem Platz die Hauptpost. Die Patronatsmesse wurde ab 1803 in bescheidenem Rahmen in St. Andreas wieder gefeiert. Nach den Franzosen überahmen die Preußen das Regiment am Rhein. Das Klima wurde wieder freundlicher, die Bruderschaft konnte wieder Tritt fassen und tat das auch. 1816 werden für die verstorbenen Mitglieder feierliche Exequien eingeführt.

Eine glückliche Schicksalsfügung bescherte der St. Peter von Mailand Bruderschaft einen Mann, der sich unschätzbare Verdienste um die Sache der Kölner Brauer erwarb, Wilhelm Scheben, geb. am 22. April 1312. Er war der Sohn einer Urkölner Familie, welche am Maria-Ablaß-Platz die Traditionsbrauerei "Auf Rom" besaß. Wilhelm Scheben war Kölner Brauer mit Leib und Seele. 1842, mit 30 Jahren übernahm er von seinem Vater, Johannes Scheben, die Brauerei "Auf Rom" an der Würfelpforte, Die Würfel- oder verständlicher - Wurfpfeilporte war ein altes Walltor. Es befand sich an der Stelle' wo heute der Börsenplatz ist. 1843 heiratete Wilhelm Scheben Clara Loosen, mit der er bis zu seinem Tod im Jahre eine glückliche Ehe führte. 1849 wurde er Präses (Vorsitzender) der St. Peter von Mailand Bruderschaft, 1869 in Personalunion auch Präfekt und Rendant.

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Seine ganze Liebe galt der Kölner Brauer-Historie. Aus seiner Feder stammen die zwei Standardwerke über die Zunft der Kölner Brauer (1875 und 1880), die Geschichte der St. Peter von Mailand Bruderschaft (1868/66) und die der 400 Jahre alten Brauerei "Auf Rom" (1868). Alle, die jemals über Kölner i Bier geschrieben haben, wissen, was sie Wilhelm Scheben zu verdanken haben. Als 1872 die Würfelpforte dem wachsenden Stadtverkehr weichen mußte, und auch die alte Brauerei verschwand, zog sich Scheben zurück, um sich seinen historischen Studien und seinem Landtagsmandat zu widmen. Für die Bruderschaft hatte er zuvor im Jahre 1869 für alte Stiftung zur festlichen Feier der Patronatsmesse am 29. April erneuert und erzbischöflich beglaubigen lassen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Statuten der Bruderschaft neu gefaßt und verabschiedet. Im Jahre starb dieser Chronist der Kölner Brauer. Die Bruderschaft ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Sein wahrscheinlich wertvollstes Werk ist die Geschichte des Zunfthauses.

Das Zunfthaus der Brauer befand sich bei seinem Erwerb im Jahre 1494 auf der Schildergasse und hieß Haus Mirweiler. 1613 wurde es renoviert. Es erhielt einen neuen Giebel. Es war ein solide eingerichtetes Haus mit schönen Stuckdecken und einem bemerkenswerten Kamin. Zu seinen Gästen gehörte auch der deutsche Kaiser Maximilian I., der im Jahre 1505 während des Reichstags hier zu Gast war. Das Zunfthaus wurde nach wechselvollem Schicksal 1929 abgerissen. Vorher diente es noch als Soldatenwohnheim, Lagerhaus, Kunstgewerbeschule, Domizil des Kölner Männergesangvereins, Cafehaus, Beetsaal und Schule. Sic transit gloria mundi.

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Was ist geblieben aus den Zeiten der mittelalterlichen Brauerherrlichkeit? An materiellen Überresten hat der 2. Weltkrieg nicht so viel übrig gelassen. Das Stadtmuseum bewahrt verschiedene Kleinode, wie das Petrus von Mailand-Holzrelief, das Brauersiegel, das Brauamtsschild und eine kostbare Kaminplatte mit dem Brauerwappen darauf. Ein Besuch am Sonntagmorgen mit anschließendem Frühschoppen lohnt sich da allemal.

Das ideelle Erbe konnte keine Kriegseinwirkung zerstören: Eine Tradition, die gepflegt und gelebt wird, das Interesse der Bürger dieser Stadt an der Geschichte und den Geschichten über das Kölschbrauen und die Brauer und, letztendlich eine florierende Bierlandschaft.

 

20 Kölschbrauer stellen ebenso viele Marken her. Eine wahrhaft paradiesische Vielfalt. Die Qualität der angebotenen Biere gilt in der ganzen Region als ausgezeichnet. Die vielen Gasthäuser, Kneipen und Restaurants zeugen von einer zufriedenen Kundschaft. Und was macht die St. Peter von Mailand Bruderschaft nach 735 Jahren? Sie feiert nach wie vor ihr Patronatsfest am 29. April mit einem Gottesdienst in St. Andreas. Ferner treffen sich die Mitglieder monatlich zum anregenden Gespräch beim Kölsch über Kölsch. Ein fruchtbarer Meinungsaustausch in geselliger Runde! Und - um es noch einmal zu erwähnen die Kölner Brauer waren ja nicht nur in der Herstellung des Kölsch-Bieres führend, sondern auch in seinem Verzehr. An dieser Tradition hat sich auch nach über 700 Jahren wenig geändert. (FM)

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2.1 Petrus von Mailand, Patron der Kölner Brauer

Der Patron, nach dem die Kölner Bruderschaft der Bierbrauer ihren Namen hat, Petrus von Mailand (auch Petrus Martyr oder Petrus v. Verona), war ein schon zeitgenössisch weithin berühmter Dominikaner. Nach der Überlieferung um 1205 oder 1206 in Verona geboren, stammte er aus einer Familie mit Namen Rosino, die sich den Albigensern angeschlossen hatte, jener Ketzerbewegung in Südfrankreich und Norditalien, die in der Tradition der Neumanichaer mit der Lehre eines strengen Dualismus zwischen Gott und dem Weltschöpfer Teufel in scharfem Gegensatz zur katholischen Kirche stand und von ihr heftig bekämpft wurde. Dennoch besuchte Petrus eine katholische Schule und fand hier den Weg zur Kirche in solcher Tiefe, daß er sich zum Theologiestudium entschloß.

Dabei begegnete er 1221 in Bologna dem neuen Orden der Dominikaner. Der hatte sich, von Dominikus Guzman gegründet, die Bekehrung der Abgefallenen und die seelsorgerische Betreuung der Bevölkerung in den anwachsenden Städten zur Aufgabe gemacht. Eine gute wissenschaftliche Ausbildung war als Fundament der Verkündigung für diesen Predigerorden (Ordo predicatorum) Voraussetzung. Es waren diese Wesenszüge, die Petrus so begeisterten, daß er sich anschloß. Vielleicht wurde er noch vom Ordensvater Dominikus (+1221), der damals in Bologna lebte, in den Orden aufgenommen. Petrus machte im Orden schnell Karriere: Sein ausgesprochenes Rednertalent machte ihn weithin berühmt, er wurde Prior in Como, 1232 päpstlicher Gesandter in Mailand und 1240 Prior in Asti. 1251 erhielt er die Aufgabe eines päpstlichen Großinquisitors in Norditalien. Seine Bekehrungstätigkeit, bei der er weniger auf Strafen als auf Überzeugung gesetzt haben soll, machte ihn den Albigensern so verhaßt, daß sie ihn bereits am 6. April 1252 durch gedungene Mörder zusammen mit einem Gefährten auf dem Wege von Como nach Mailand umbringen ließen.

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Die Mordtat erweckte weites Aufsehen, und schon ein Jahr später, am 25. März 1253, sprach ihn Papst Innozenz IV. in der Stadt Perugia heilig. Petrus wurde zunächst in der Kirche S. Simpliciano in Mailand aufgebahrt, dann aber in die Kirche S. Eustorgio überführt, in der er in einem prachtvollen Hochgrab, von Giovanni di Balduccio gestaltet (1336-1339), seine letzte Ruhe fand. Eine Kopie des Hochgrabes des Petrus Martyr befindet sich heute ebenfalls im Londoner Victoria & Albert Museum. Die Vita des Petrus Martyr fand weiteste Verbreitung und wurde z.B. in die berühmte Legendensammlung "Legenda aurea" (geschrieben 1263-1273) seines Ordensbruders Jacobus von Voragine (um 1230-1298) aufgenommen, der ihn vielleicht noch persönlich gekannt haben könnte und der 36 Wunder des Heiligen überlieferte.

So nimmt es nicht wunder, daß der allgemein verehrte Heilige zum begehrten Fürsprecher wurde: Petrus Martyr ist Patron der Städte Como, Cremona, der Lombardei und des Herzogtums Modena. Er wird als Patron der Wöchnerinnen, der Dominikaner und der Inquisition verehrt. Er ist die Zuflucht bei Kopfleiden und Kopfschmerzen, gegen Blitz und Sturm (in Rom und Piacenza wurden an seinem Fest Olivenzweige geweiht, die vor den Gefahren des Gewitters bewahren), und Garant für das Gedeihen der Feldfrüchte. Als Patron von Wallfahrtstätten mit Brunnen und Heilwasser wird er in Friesach, Graz, Lienz und Wien verehrt. An seinem Festtag werden Weidenzweige ins geweihte Wasser getaucht und bewirken Heilung; ebenso dienen gesegnete Petrus Martyr-Kreuzlein aus gesteckten Zweigen gegen Unwetter, Zauberei und Feldungeziefer (in Selztal, Mitterndorf und Werfenau).

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2.2 Die St. Peter von Mailand Bruderschaft –
Cölner Brauer-Corporation

Es erstaunt nicht, daß sich schon bald Bruderschaften an mehreren Orten unter den Schutz dieses so bekannten Heiligen stellten. Petrus von Mailand Bruderschaften speziell für bestimmte Berufszweige gab es z.B. in Palma de Mallorca (für die Schuster), im katalonischen Manresa (für die Weber), in Rieti (wo sie zur exklusiven Gemeinschaft der reichen Kaufleute wurde) und in Köln (für die Brauer). Wie lange die Kölner Bruderschaft besteht, ist nicht mehr genau festzustellen.. Scheben vermutete, daß die Corporation bis in die Zeit der Heiligsprechung des Petrus von Mailand 1253 zurückzuführen ist; bezeugt sah er sie nach seinen Forschungen erst bei der Neukonstituierung des Stadtregiments durch den Verbundbrief 1396.

Danach formierten sich die Brauer politisch in der entsprechenden Gaffel, wirtschaftlich-standespolitisch in der Zunft und geistlich in der Bruderschaft. Ihren geistlichen Mittelpunkt hatte die Bruderschaft bei einem Patron aus dem Dominikanerorden naheliegend - in der Heilig-Kreuz-Kirche der Kölner Dominikaner. Neuere Forschungen eröffnen die Perspektive, daß die Bruderschaft ursprünglich allen Berufszweigen offenstand und erst im späteren 15. Jh., als die Dominikaner in Köln mit Jakob Sprenger die Rosenkranzbruderschaft propagierten, zur Bruderschaft eines speziellen Berufszweiges wurde. Den ersten bekannten Beleg für die Existenz der Bruderschaft an Hl. Kreuz haben wir in einem (z.Zt. verschollenen) Einblattdruck aus dem Ende des 1 5.Jhs.

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Etwa um die gleiche Zeit wird die spätgotische Holzfigur des Petrus von Mailand datiert, die sich heute im Kloster St. Andreas befindet und die vermutlich aus der Heilig-Kreuz-Kirche stammt. Dort war dem Patron der Kölner Brauer Petrus von Mailand ein eigenes Chörchen mit Altar gewidmet, das diese Statue des Heiligen geschmückt haben könnte. Ihren Mittelpunkt fanden die Brauer in ihrem Zunfthaus, dem Haus Mirweiler in der Schildergasse, das sie 1494 erwarben. Dort hing ein Zyklus von drei Gemälden aus der Zeit um 1530. Es ist der früheste Beleg für eine Beziehung der Brauer zu ihrem Patron. Zu sehen ist er auf den seitlichen Bildern (im Zweiten Weltkrieg verbrannt) mit den Stadtpatronen St. Kunibert, St. Ursula und den Heiligen Drei Königen. Auf dem Mittelbild, einer Kreuzigung, ist neben dem Stadtwappen das der Brauerzunft abgebildet.

Ebenfalls im Brauerzunfthaus befand sich als Teil der Wandtäfelung ein Relief des Petrus von Mailand (heute im Kölnischen Stadtmuseum), das ins 16. Jh. zu datieren ist. Die Verbindung der Brauer zu Petrus von Mailand wird auch deutlich im ältesten erhaltenen Rechnungsbuch bzw. Zunftprotokollbuch des Brauamtes, das Scheben seinerzeit gerettet hat. Hier sind Ende des 16. Jahrhunderts Ausgaben für die Reparatur der Petrus von Mailand-Statue und für Kerzen zu seinen Ehren belegt. Wenig später, um 1608, als Peter Oeckhoven Bannerherr war und eine Erneuerung der Zunft vornahm, wurde statt des alten Siegels, das mutmaßlich um 1595 zum letzten Male bezeugt ist, im neuen Siegel der Schutzheilige Petrus von Mailand abgebildet. 1660 wurde schließlich auf einem reich geschmückten Kalenderblatt bei den Patronen der Brauer u.a. Petrus von Mailand abgebildet.

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Von den verschiedenen Aspekten des Zusammenlebens und Zusammenhalts der Brauer wie der Vertretung der Standesinteressen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht, der Pflicht zur gegenseitigen Unterstützung in Notfällen, der Pflege geselligen Kontakts unter den Mitgliedern charakterisiert die Bruderschaft vor allem der religiöse: Gleichgesinnte fanden sich hier zusammen, um in der Verehrung des Petrus Martyr als Schutzpatron und der Feier seines Festtages die: Fürbitte für die Lebenden und das Gedächtnis der Verstorbener der Bruderschaft in der hl. Messe zu begehen. Sie feierten das Fest des Petrus Martyr von alters her mit einem Hochamt und einer Prozession, bei der die oben erwähnte, im Zusammenhang mit der Ausstellungsvorbereitung wiederentdeckte Statue des Heiligen von den Meistern des Amts getragen wurde. Bis 1741 klang das Fest abends mit einem Bruderschaftsessen aus.1603 wurde die Satzung erneuert und dabei den Mitgliedern die Teilnahme an den religiösen Gebräuchen streng.

1693 richtete die Witwe des Bannerherrn und Ratsmitgliedes Johann Pulheim aufgrund einer testamentarischen Verfügung ihres verstorbenen Schwiegervaters, Heinrich Pulheim, eine Stiftung für ein feierliches Hochamt am Petrus von Mailand-Fest und den 4 Quatembertagen ein, die, nachdem sie in der Franzosenzeit erloschen war, von Wilhelm Scheben und seiner Frau 1869 erneuert wurde. Während die Zünfte in der Franzosenzeit untergingen, blieb die Bruderschaft, dem Zeitgeist gemäß als Kölner Brauer Corporation konstituiert, weiter erhalten. Nach der Aufhebung des Dominikanerklosters in der Stolkgasse 1802 siedelte sie in die Pfarrkirche St. Andreas über, die manches Ausstattungsstück der Dominikaner übernahm und so auch für dem berühmten Rosenkranzaltar eine neue Stätte gewährte. In dieser Kirche werden seitdem kontinuierlich die jährlichen Messen am Festtag des Petrus Martyr begangen. Hier wurde 1895 eine eigene Petrus von Mailand-Kapelle eingerichtet und von der Bruderschaft ein Marmoraltar und ein prächtiges Glasfenster gestiftet.

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1911 schenkte die Bruderschaft u.a. ein Petrus Martyr-Reliquiar an die Kirche. Nach dem Ende der Franzosenherrschaft lebte 1816 auch der alte Name der Petrus von Mailand Bruderschaft wieder auf. Im 19. Jh. verdankt sie ihrem langjährigen Präses Wilhelm Scheben viele neue Erkenntnisse ihrer Geschichte. Die Statuten des 19. Jahrhunderts zeigen die zeitgemäße Erneuerung der Bruderschaft. Dieses Reglement ist bis heute gültig. (Abdruck bei W. Scheben, Bankrolle der ehemaligen Brauerzunft in Köln. Köln 1880, S.61-62). 1896 wurde das 500jährige Jubiläum festlich begangen.

Noch heute versammeln sich die rund 90 Bruderschaftsmitglieder, die sich aus den "unbescholtenen" und (im Zeitalter der Ökomene) christlichen Brauern und Mälzern beider Konfessionen rekrutieren, die leitend in Kölner Brauereibetrieben tätig sind, zu den Fest- und Gedenkmessen in der Kirche St. Andreas. Dort ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein Dominikanerkonvent tätig, der die geistliche Betreuung der Bruderschaft übernahm, so daß hier an alte Traditionen angeknüpft werden konnte. 1996 feierte man hier auch anläßlich des 600-jährigen Bestehens der Bruderschaft ein feierliches Hochamt mit Chor und Orchester, an dem neben den Kölner Brauern auch die Spitzen der Kölner Gesellschaft regen Anteil nahmen. Das Jubiläum war der Höhepunkt in der Bruderschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Auch das Gesellige kommt dabei nicht zu kurz, und monatlich einmal treffen sich die Mitglieder zur Pflege des geselligen Lebens und des Meinungsaustauschs in einem der Kölner Brauhäuser.

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2.3 Der Erforscher der Bruderschaft und der Kölner Braukultur: Wilhelm Scheben (1812-1895)

Derjenige, der sich um die Erforschung der Bruderschaft und ihre Erneuerung im 19. Jh. besonders verdient gemacht hat, war Wilhelm Scheben. Er wurde just am 29.4., dem Fest des Petrus Martyr,1 812 in Köln als Sohn eines Branntweinbrenners geboren. Wie seine beiden Brüder ging auch Wilhelm ins Braugewerbe. 1841 kaufte er zusammen mit seiner Braut Gasthaus und Brauerei "auf Rome", die in unmittelbarer Nähe seines Elternhauses im Stadttorgebäude der Würfelpforte in der Nachbarschaft der Maria-Ablaß-Kapelle lagen. Scheben wurde 1843 Mitglied der Kölner Brauerbruderschaft. Offenbar aus dieser Zeit datiert sein Interesse an der Geschichte und Tradition dieser Bruderschaft, das 1 864 in seinem Buch "Die Brauerzunft und die Petri Mailand-Bruderschaft zu Köln", 1875 "Das Zunfthaus und die Zunft der Brauer in Köln" und 1880 "Die Zunft der Brauer in Köln" ihren Ausdruck fand. 1868 beschäftigte sich sein Buch "Das Haus Rome an der Wurpelportzen" mit seinem eigenen Brauhaus.

Scheben war kein gelernter Historiker, verfügte aber über eine gute Schulbildung, die er auf dem katholischen Gymnasium erhalten hatte. Dazu fußen seine Schriften auf einer genauen Kenntnis von zahllosen Originaldokumenten, die er einsah oder gar erst zusammentrug und damit vor dem Untergang rettete. 1849 wurde er Vorsitzender der Vereinigung und war auch in zahlreichen anderen Gremien und Gesellschaften zur Förderung kultureller, kirchlicher und sozialer Belange tätig.1865 wurde er Präfekt und Schatzmeister der Bruderschaft.1 869 erneuerten er und seine Frau anläßlich ihrer Silbernen Hochzeit die Stiftung für eine alljährliche Patronatsmesse der Brauerbruderschaft. 1872 verkaufte Scheben sein Brauhaus "auf Rome", das die Stadt Köln noch im selben Jahr aus verkehrstechnischen Gründen abreißen ließ.

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Die Gründe für Wilhelm Schebens Entschluß sind nicht überliefert. Vielleicht haben diese Pläne der Stadt fördernd gewirkt, vielleicht waren es aber auch wirtschaftliche Motive, da damals auswärtige Biere besonders Dortmunder, Münchner und Pilsener Brauart in Köln zunehmend Eingang fanden und die heimischen kleinen Brauereien zurückdrängten, so daß viele schließen mußten. Scheben ging nicht aufs Altenteil, sondern nutzte die freie Zeit des Rentiers, um als Abgeordneter der Zentrumspartei für die Wahlweise Cochem und Mayen in den Preußischen Landtag einzuziehen (ab 1873), ein Mandat, das er bis zu seinem Tode behielt. 1885 focht er in einer Versammlung von 320 rheinischen und westfälischen Brauern im Fränkischen Hof in Köln gegen die Pläne einer Aktiengesellschaft in Köln, die sich von der Ausbeutung des Maltose-Herstellungsverfahrens großen Gewinn versprach. Scheben wandte sich entschieden gegen die Anwendung aller Surrogate zur Herstellung von Bier und verfocht das Reinheitsgebot aus Wasser, Hefe, Hopfen und Malz. Obwohl das Preußische Abgeordnetenhaus ein Verbot verwarf, gab es doch eine interne Absprache unter den Brauern, die Verwendung von Maltose unter eine hohe Konventionalstrafe stellte.

1893 beging Scheben die 50-Jahrfeier seiner Mitgliedschaft in der Petrus von Mailand-Bruderschaft im Isabellen-Saal des Gürzenich. Dabei wurde dem Jubilar als Geste des Dankes eine von seinem Freund Toni Avenarius künstlerisch gestaltete Urkunde überreicht. Scheben konnte auf ein Lebenswerk zurückblicken, bei dem sich eine Tätigkeit als engagierter Praktiker und Vertreter handfester Standesinteressen mit der des kenntnisreichen Fachhistorikers und Heimatforschers verband. Bis zuletzt für die Erforschung der Kölner Geschichte tätig, starb Scheben am 14.April 1895. Seinen Nachlaß mit wertvollen Originaldokumenten zur Geschichte des Kölner Brauwesens vermachte er testamentarisch der Stadt Köln.

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3. St. Petrus von Mailand Bruderschaft Cölner Brauer-Corporation

Fahne Brauer Patron

Es erstaunt nicht, dass sich schon bald Bruderschaften an mehreren Orten unter den Schutz dieses so bekannten Heiligen stellten. Petrus von Mailand Bruderschaften speziell für bestimmte Berufszweige gab es z.B. in Palma de Mallorca (für die Schuster), im katalonischen Manresa (für die Weber), in Rieti (wo sie zur exklusiven Gemeinschaft der reichen Kaufleute wurde) und in Köln (für die Brauer).

Wie lange die Kölner Bruderschaft besteht, ist nicht mehr genau festzustellen.. Scheben vermutete, daß die Corporation bis in die Zeit der Heiligsprechung des Petrus von Mailand 1253 zurückzuführen ist; bezeugt sah er sie nach seinen Forschungen erst bei der Neukonstituierung des Stadtregiments durch den Verbundbrief 1396: Danach formierten sich die Brauer politisch in der entsprechenden Gaffel, wirtschaftlich-standespolitisch in der Zunft und geistlich in der Bruderschaft. Ihren geistlichen Mittelpunkt hatte die Bruderschaft bei einem Patron aus dem Dominikanerorden naheliegend - in der Heilig-Kreuz-Kirche der Kölner Dominikaner.

Neuere Forschungen eröffnen die Perspektive, daß die Bruderschaft ursprünglich allen Berufszweigen offen stand und erst im späteren 15. Jh., als die Dominikaner in Köln mit Jakob Sprenger die Rosenkranzbruderschaft propagierten, zur Bruderschaft eines speziellen Berufszweiges wurde. Den ersten bekannten Beleg für die Existenz der Bruderschaft an Hl. Kreuz haben wir in einem (z.Zt. verschollenen) Einblattdruck aus dem Ende des 1 5.Jhs. Etwa um die gleiche Zeit wird die spätgotische Holzfigur des Petrus von Mailand datiert, die sich heute im Kloster St. Andreas befindet und die vermutlich aus der Heilig-Kreuz-Kirche stammt. Dort war dem Patron der Kölner Brauer Petrus von Mailand ein eigenes Chörchen mit Altar gewidmet, das diese Statue des Heiligen geschmückt haben könnte.

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Ihren Mittelpunkt fanden die Brauer in ihrem Zunfthaus, dem Haus Mirweiler in der Schildergasse, das sie 1494 erwarben. Dort hing ein Zyklus von drei Gemälden aus der Zeit um 1530. Es ist der früheste Beleg für eine Beziehung der Brauer zu ihrem Patron. Zu sehen ist er auf den seitlichen Bildern (im Zweiten Weltkrieg verbrannt) mit den Stadtpatronen St. Kunibert, St. Ursula und den Heiligen Drei Königen. Auf dem Mittelbild, einer Kreuzigung, ist neben dem Stadtwappen das der Brauerzunft abgebildet.

Ebenfalls im Brauerzunfthaus befand sich als Teil der Wandtäfelung ein Relief des Petrus von Mailand (heute im Kölnischen Stadtmuseum), das ins 16. Jh. zu datieren ist. Die Verbindung der Brauer zu Petrus von Mailand wird auch deutlich im ältesten erhaltenen Rechnungsbuch bzw. Zunftprotokollbuch des Brauamtes, das Scheben seinerzeit gerettet hat. Hier sind Ende des 16. Jahrhunderts Ausgaben für die Reparatur der Petrus von Mailand-Statue und für Kerzen zu seinen Ehren belegt. Wenig später, um 1608, als Peter Oeckhoven Bannerherr war und eine Erneuerung der Zunft vornahm, wurde statt des alten Siegels, das mutmaßlich um 1595 zum letzten Male bezeugt ist, im neuen Siegel der Schutzheilige Petrus von Mailand abgebildet. 1660 wurde schließlich auf einem reich geschmückten Kalenderblatt bei den Patronen der Brauer u.a. Petrus von Mailand abgebildet.

Von den verschiedenen Aspekten des Zusammenlebens und Zusammenhalts der Brauer wie der Vertretung der Standesinteressen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht, der Pflicht zur gegenseitigen Unterstützung in Notfällen, der Pflege geselligen Kontakts unter den Mitgliedern charakterisiert die Bruderschaft vor allem der religiöse: Gleichgesinnte fanden sich hier zusammen, um in der Verehrung des Petrus Martyr als Schutzpatron und der Feier seines Festtages die: Fürbitte für die Lebenden und das Gedächtnis der Verstorbener der Bruderschaft in der hl. Messe zu begehen. Sie feierten das Fest des Petrus Martyr von alters her mit einem Hochamt und einer Prozession, bei der die oben erwähnte, im Zusammenhang mit der Ausstellungsvorbereitung wieder entdeckte Statue des Heiligen von den Meistern des Amts getragen wurde. Bis 1741 klang das Fest abends mit einem Bruderschaftsessen aus.1603 wurde die Satzung erneuert und dabei den Mitgliedern die Teilnahme an den religiösen Gebräuchen streng.

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1693 richtete die Witwe des Bannerherrn und Ratsmitgliedes Johann Pulheim aufgrund einer testamentarischen Verfügung ihres verstorbenen Schwiegervaters, Heinrich Pulheim, eine Stiftung für ein feierliches Hochamt am Petrus von Mailand-Fest und den 4 Quatembertagen ein, die, nachdem sie in der Franzosenzeit erloschen war, von Wilhelm Scheben und seiner Frau 1869 erneuert wurde. Während die Zünfte in der Franzosenzeit untergingen, blieb die Bruderschaft, dem Zeitgeist gemäß als Kölner Brauer Corporation konstituiert, weiter erhalten. Nach der Aufhebung des Dominikanerklosters in der Stolkgasse 1802 siedelte sie in die Pfarrkirche St. Andreas über, die manches Ausstattungsstück der Dominikaner übernahm und so auch für dem berühmten Rosenkranzaltar eine neue Stätte gewährte.

In dieser Kirche werden seitdem kontinuierlich die jährlichen Messen am Festtag des Petrus Martyr begangen. Hier wurde 1895 eine eigene Petrus von Mailand-Kapelle eingerichtet und von der Bruderschaft ein Marmoraltar und ein prächtiges Glasfenster gestiftet. 1911 schenkte die Bruderschaft u.a. ein Petrus Martyr-Reliquiar an die Kirche. Nach dem Ende der Franzosenherrschaft lebte 1816 auch der alte Name der Petrus von Mailand Bruderschaft wieder auf. Im 19. Jh. verdankt sie ihrem langjährigen Präses Wilhelm Scheben viele neue Erkenntnisse ihrer Geschichte. Die Statuten des 19. Jahrhunderts zeigen die zeitgemäße Erneuerung der Bruderschaft. Dieses Reglement ist bis heute gültig. (Abdruck bei W. Scheben, Bankrolle der ehemaligen Brauerzunft in Köln. Köln 1880, S.61-62). 1896 wurde das 500jährige Jubiläum festlich begangen.

 

Noch heute versammeln sich die rund 90 Bruderschaftsmitglieder, die sich aus den "unbescholtenen" und (im Zeitalter der Ökumene) christlichen Brauern und Mälzern beider Konfessionen rekrutieren, die leitend in Kölner Brauereibetrieben tätig sind, zu den Fest- und Gedenkmessen in der Kirche St. Andreas. Dort ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein Dominikanerkonvent tätig, der die geistliche Betreuung der Bruderschaft übernahm, so daß hier an alte Traditionen angeknüpft werden konnte. 1996 feierte man hier auch anlässlich des 600-jährigen Bestehens der Bruderschaft ein feierliches Hochamt mit Chor und Orchester, an dem neben den Kölner Brauern auch die Spitzen der Kölner Gesellschaft regen Anteil nahmen. Das Jubiläum war der Höhepunkt in der Bruderschaftsgeschichte des 20.Jahrhunderts. Auch das Gesellige kommt dabei nicht zu kurz, und monatlich einmal treffen sich die Mitglieder zur Pflege des geselligen Lebens und des Meinungsaustauschs in einem der Kölner Brauhäuser. (FM)

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4. Die Vorgeschichte der Kölner Brauerbruderschaft

Da wir keine Gründungsurkunden der Kölner Brauerbruderschaft besitzen, können wir ihre Entstehung nur aus der allgemeinen Geschichte des handwerklichen Korporationswesens des deutschen Mittelalters erschließen. Seit Beginn der deutschen, also karolingischen Stadt, faßte der Herr der Stadt die einzelnen Handwerke zu Ämtern zusammen, mit Ministerialen oder Beamten an der Spitze. Erzeugung und Verkauf der Ware wurden so kontrolliert und die Steuern "ämterweise" entrichtet. Der einzelne Handwerker trat also nicht freiwillig seinem Amte bei, sondern war von seiner jeweiligen Regierung zur Einheit erfaßt.

Das führte bei zunehmendem Handelsverkehr unter den Städten dazu, daß sich diese Handwerker untereinander verständigen mußten, um sich gegen das Unterangebot der Konkurrenz zu schützen. Diese bestand aus den "Hofhandwerkern", die entweder ganz im Dienst des Stadtherrn, einer Kirche oder eines Klosters als Unfreie vom öffentlichen Markt ausgeschlossen waren, weil sie zum Hausgesinde ihrer Herrschaft gehörten und nur zu deren Nutzen ihren Überschuß verkaufen durften, sowie aus den ortsfremden Handwerkern und Händlern. So kam es im Kampf gegen diese Konkurrenz zu "Einungen" - Innungen oder Gilden - oder es wurde "ziemlich", sich in Zünften zusammenzuschließen. Wenn auch diese Verbände sich in ihrer Struktur im Laufe der Entwicklung immer mehr anglichen, so lassen ihre verschiedenen Bezeichnungen dennoch ihre verschiedenen Ziele zur Zeit ihrer Gründung erschließen.

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Die "Franternitas" - Bruderschaften sind älter. Ihre ältesten entstammten einer Zeit, als die Mitglieder eines Handwerks zwar bereits von "Staatswegen" eine Einheit darstellten, sich aber noch nicht zu gewerblichen Zwecken eigenen Rechten "einen" durften. So stand bei ihrem Zusammenschluß gemeinsamer Wirtschaftsinteressen das religiöse Ziel im Vordergrund, auch wenn sie sich praktisch später oft kaum von den reinen Wirtschaftsverbänden unterschieden, die alle nebenbei einen religiösen Charakter trugen. Wenn auch die Stadt Kö1n eine reichere Vergangenheit als irgendeine deutsche Stadt verzeichnet und ihre städtischen Organisationen unvergleichlich freier gestaltet waren, so daß unabhängige Handwerker von Anfang an bestanden, so enthob das doch die Handwerker nicht von der Notwendigkeit, sich zu gleichen Verbindungen zu einen.

Zweck der Bruderschaft war also auch hier in erster Linie gemeinsamer Gottesdienst am Patronatsfest sowie am Todestage eines Mitglieds, die Erhaltung ihres eigenen dem Patron geweihten Altares, die Patronsfahne, bestimmte Gebete und Unterstützung der Mitglieder in Tagen der Krankheit und Not als selbstverständliche Form des Zusammenschlusses des mittelalterlichen Menschen. Hand in Hand mit diesem ging aber auch geselliges Beisammensein, sowie gemeinsame Vertretung ihrer Wirtschaftsinteressen zusammen.

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Entstehung der Brauer-Bruderschaft liegt historisch weitgehend im Dunkeln. Doch lassen sich einige gute Gründe nennen, die ihren Erfolg und die Dauer ihres Bestehens erklären. Dem schnellen Emporblühen der mittelalterlichen Städte vermochten die Zünfte und Innungen nicht Schritt zu halten. War der Meister durch sie geschützt, so war der Geselle gewissermaßen vogelfrei. Er wohnte beim Meister im Hause gegen kärglichen Lohn und konnte nicht heiraten. Von den Innungen und Zünften war er als voll stimmberechtigtes Glied ausgeschlossen. So lieh die Kirche diesen vielen Handwerkern und Kaufleuten die Hand und schloß sie zu Bruderschaften zusammen. Diese verbanden aber noch viel mehr als die Innungen und Zünfte. Denn sie vereinten Weltliches mit Religiösem, geselliges Beisammensein mit besonderen Gebeten für die Lebenden und besonders für die Verstorbenen.

Die Bruderschaft der Brauer wurde in Köln unter dem Schutze der damals mächtigen Dominikaner im Jahre 1396 gegründet und wählte sich Petrus von Verona zu ihrem Patron, der gerade im Kampf gegen die Waldenser von diesen getötet worden war. Der Patron der Kölner Brauerbruderschaft, läßt aber den Rückschluß zu, daß ihre Gründung nicht allzu lange nach seiner Heiligsprechung, bereits im Jahre 1253 anzusetzen ist. Petrus von Verona wurde auf dem Wege von Como nach Mailand, im Jahre 1252, als Opfer seines Kampfes um den Glauben an Gott erstochen. (Petrus von Mailand)

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Das war aber sicher nicht nur alleine der Anlaß, den neuen Heiligen zu erwählen. War doch Petrus von Verona der erste Inquisitor, der, wie Davidsohn, schreibt, "ein Mann, der völlig zum geistigen Führer und Herrscher geeignet", der die Caritas offen zu Florenz gepredigt und das Protektorat zweier Krankenhäuser übernommen hatte. Überdies war er auch der Begründer der ersten Gebetsbruderschaft, der Laudesi, die sich durch die Jahrhunderte behauptet hatte. So konnte Petrus von Verona als Führer und Patron im Rahmen der Zünfte und Innungen erscheinen. Und daraus ergab sich ein doppelter Nutzen; erstens Geselligkeit und Zusammenschluß der Ungeschützten zur gegenseitigen Unterstützung und Caritas, und zweitens ein inneres, sittliches, religiöses Erstarken durch Gebet, im Kampf gegen die geistigen Gefahren der Zeit. So steht dieses Programm als Voraussetzung jedes Gedankens einer Bruderschaft. Daran rütteln, oder diese Grundsätze ändern, hieße die Bruderschaft von innen heraus aufheben und zerstören.

700 Jahre besteht daher die Kölner Brauerbruderschaft unter dem Schutze der Dominikaner in Köln. Als beim Einzuge Napoleons diese innerhalb zweier Stunden das Kloster zu Kasernenzwecken räumen mußten, wurden alle Reliquien, Fahnen und Bilder in das benachbarte Stift St. Andreas übertragen. Der Weltklerus übernahm dann in ihrer Vertretung die Pflichten für die Korporation, die auch dort Bild und Altar erhielt. Mit der Übertragung der Kirche St. Andreas an die Dominikaner nach dem Weltkriege 1939 - 1945 lag es daher in der Zeitentwicklung, daß die Kölner Brauer sich an diese wandten, um das alte Protektorat wieder zu übernehmen. Mit Stolz auf ihre Vergangenheit sieht daher die Kölner Brauerbruderschaft auch heute noch ihre vornehmliche Aufgabe neben der Pflege von Geselligkeit in der Wahrung alter christlicher Tradition.

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5. Brauer-Krippe in der Patronatskirche

Nach dem großen Anklang, den die Aufstellung der "Brauer-Krippe" in St. Andreas im Jahre 2001 fand, wird sie jetzt alle Jahre wieder ihren Platz in der Dominikaner-Kirche St. Andreas finden. Sie ist eine Stiftung aller Kölschbrauer und entstand aus dem Zusammenwirken einer Idee des "Kölsch"-Historikers Franz MATHAR und den volksnahen Skulpturen der Bildhauerein Hildegard NEUNKIRCHEN aus Unkel am Rhein. Der Standort in der Kirche St. Andreas ist kein Zufall, denn in dieser Kirche feiert die Brauerbruderschaft alljährlich zweimal einen feierlichen Gottesdienst: einmal am 29. April dem Namensfest des Patrons der Kölschbrauer, St. PETRUS VON MAILAND und eine weitere Messe im November jeden Jahres, bei der die Brauer der Toten ihrer Bruderschaft gedenken.

St. Andreas ist die Kirche des Konvents der Kölner Dominikaner-Mönche, deren bekanntestes Mitglied, nach ihrem Begründer, dem heiligen DOMINIKUS, der heilige ALBERTUS MAGNUS ist, der auch in der Kirche St. Andreas seine letzte Ruhe gefunden hat. Seinen Schrein kann man heute in der Krypta der Kirche besichtigen. Die Dominikaner begleiten die Kölner Brauerbruderschaft bereits seit vielen hundert Jahren und daher war es selbstverständlich, dass diese "Handwerker"-Krippe in ihrer Kirche einen würdigen Platz erhielt. Die große Aufmerksamkeit, welche diese Krippe erregt, liegt darin begründet, dass statt der Hirten, die einzelnen Berufsgruppen des Brauer-Handwerks dem neugeborenen Jesuskind ihre Reverenz erweisen.

Wenn auch so manches Handwerk heute von modernen Maschinen erledigt wird, so fühlen sich die Kölschbrauer auch heute noch den alten Handwerksidealen verpflichtet. Die gelungenen Figuren der Bildhauerin Hildegard NEUNKIRCHEN, die sich in der Darstellung der einzelnen Typen an den Menschen unserer Region orientiert, zeigen noch einmal alle Facetten eines uralten Handwerks, das zwar die Methoden, aber nicht den guten Geist seiner Tradition verändert hat.

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Wir möchten Ihnen an dieser Stelle ein paar Fakten aufführen, die zum Verständnis und zur Beschreibung der Krippe im Allgemeinen nützlich sind. Das Wort Krippe stammt aus dem Althochdeutschen und hieß dort "krippa". Das bedeutete ursprünglich Flechtwerk oder Geflochtenes und bezeichnete die Behälter im Stall, in denen die Haustiere ihr Futter fanden. Und somit sind wir schon mitten im Stall von Bethlehem, in dem nach dem Lukas-Evangelium in der Heiligen Nacht unser Heiland als Christuskind zur Welt kam. Um ihn herum seine Familie, die Gottesmutter Maria und der Heilige Joseph, im Hintergrund die Stalltiere, Ochs und Esel nebst ihren Hütern, den Hirten. Das Ereignis der Gottesgeburt unter solch schwierigen Umständen beflügelt seitdem die fromme Phantasie der Gläubigen, dies auch in Form von volksnahen Figuren nachzustellen. Der Anblick einer Krippe erlaubte es, die Geburt des Herrn in der Heiligen Nacht noch intensiver miterleben zu können. So entstanden die vielen Krippen, die fromme Menschen in der Weihnachtszeit in ihren Kirchen und Häusern aufstellen.

Die Legende sagt, daß der Heilige Franz von Assisi im Jahre 1223 als erster die Idee einer figürlichen Darstellung der Geburt Christi verwirklichte. Die ersten Krippen entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien und Spanien, den klassischen katholischen Ländern. Von dort verbreiteten sie sich über Süddeutschland im ganzen deutschsprachigen Raum. Vor allem in den süddeutschen Kirchen und Klöstern findet man daher auch heute noch viele wunderschöne Krippen, die einen so recht in weihnachtliche Stimmung versetzten können. Darunter sind auch Krippen, deren Motive Menschen und Umgebung des jeweiligen Landes darstellen. So findet sich der Stall von Bethlehem sowohl im italienischen Neapel, im Südtiroler Brixen, im verschneiten Schwarzwald aber auch in den Ländern Südamerikas.

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In Köln waren Ursprung und Mittelpunkt der Krippenverehrung in der Kirche St. Maria im Capitol, einem vornehmen Stift adeliger Damen, wo sich auch die erste Darstellung einer Krippenszene auf den geschnitzten Reliefplatten der Holztüren zum Kircheninnern befindet, die etwa um das Jahr 1065 entstand. Die frommen Nonnen von St. Maria im Kapitol widmeten sich mit besonderer Liebe dieser Form des Weihnachtsgedankens. Auch der Erzbischof las in dieser Kirche die mitternächtliche Christmette, ehe er danach in feierlicher Prozession zum Hochamt in den Dom pilgerte. Die Dreikönigsverehrung in der Domstadt Köln - ja auch ein Teil der Weihnachtsgeschichte - weist auf den Stellenwert dieses Ereignisses für die Christenheit hin. Die Reliquien der drei Heiligen Könige Caspar, Melchior und Balthasar ruhen in ihrem goldenen Schrein in der Kölner Kathedrale, vielfältige und oft hoch künstlerische Darstellungen der Geburt Christi sind in Köln an zahlreichen Stellen anzutreffen.

Immer wieder hat man im Laufe der Jahrhunderte die Darstellung der Geburtsszene im Stall von Bethlehem in das alltägliche Leben und Umfeld der entsprechenden Zeit zu stellen versucht, um damit einen Bezug zur Gegenwart zu schaffen. So findet man Krippen in den verschiedensten Umgebungen und Menschen aller Nationalitäten und Rassen um das Jesuskind versammelt. Aus diesem Gedanken heraus ist auch die "Kölner Brauer-Krippe" entstanden mit Figuren der einzelnen Traditions-Berufe des Braugewerbes. Ein ganzes Handwerk mit allen seinen Berufs-Facetten findet sich hier zur Anbetung des neugeborenen Gotteskindes ein und bringt ihm seine Gaben dar. Diese neue, sehr "kölsche Krippe" steht auf dem Altar im linken Seitenschiff von St. Andreas, der Patronatskirche der Kölner Brauer-Bruderschaft, St. Peter von Mailand, die in ihrer ganzen Tradition seit vielen Jahrhunderten dem katholischen Glauben und seinen Institutionen verbunden ist. Die aus dunkelbraunem Ton modellierte Krippe zeigt, wie die Brauer, die Mälzer und andere verwandte Handwerker vor ca. 130 -150 Jahren in vielen kleinen rheinischen Hausbrauereien mit einfachen Geräten in mühsamer Handarbeit das köstliche Getränk herstellten. Aber auch in Klöstern wurde der Gerstensaft gebraut, war als wichtiges Nahrungsmittel sowie als "Fasten-Trunk" sehr beliebt.

In unserer Zeit versorgt eine hochtechnisierte Produktion die Kölner und ihre Gäste mit dem für unsere Region so typischen obergärigen Gerstensaft, dem Kölsch. Doch die traditionellen handwerklichen Tugenden der Brauer sind auch heute noch für alle Mitglieder dieses Gewerbes gültig. Die Symbiose dieser Werte macht dann auch im Endeffekt den Charakter und die Besonderheit der Figuren aus, die in einer Weihnachtskrippe dem Jesuskind huldigen.

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5.1 Die Figuren

Die Krippenfiguren teilen sich in zwei Gruppen. Da ist zuerst die Verkündigungsgruppe: der Engel bringt Maria die frohe Botschaft. Diese Gruppe steht schon seit Beginn der Adventszeit in der sonst noch leeren Krippe. Dann folgt kurz vor der Christnacht die Heilige Familie mit den Brauhandwerkern, welche die Krippe komplettieren. Die Figuren sind Unikate, die im Auftrag der Kölschbrauer von der Bildhauerin Hildegard Neunkirchen aus Unkel am Rhein entworfen und von Hand modelliert wurden. Nach dem Brennen blieben sie unbehandelt, um ihren bodenständigen Charakter zu bewahren. Dargestellt sind im Einzelnen:

  1. Die Heilige Familie: Maria und Joseph mit dem Kind in der Krippe, vor einem mit Hopfen bewachsenen Torbogen, der das Wappen der Kölner St. Peter von Mailand Brauerbruderschaft trägt.
  2. Ein Brauerlehrling sitzt auf einem hohen Fass und verkündet das große Ereignis der Geburt des Jesuskindes.
  3. Ein junges Mädchen kniet in unmittelbarer Nähe der Krippe und schenkt dem Jesuskind einen frisch gepflückten Hopfenstrauß.
  4. Der "Heilige Petrus von Mailand", ein berühmter Dominikaner, der als Märtyrer und Schutzpatron der Kölner Brauer verehrt wird, kommt ebenfalls zur Anbetung an die Krippe um seine Reverenz zu erweisen.
  5. Ein Mälzer mit seiner großen Holzschaufel bei der Arbeit. Er wendet das Gerstenmalz, das zum Darren (Trocknen) auf der Malztenne ausgebreitet wird. Ein zweiter Mälzer bringt das fertige Malz im Sack in die Brauerei.
  6. Eine Pflückerin beim "Hopfenzupfen", einer Tätigkeit, die früher in der vortechnischen Zeit einmal üblich war. Sie lieferte den würzigen Hopfen, eine unabdingbare Zutat zum Bierbrauen. Heute übernehmen moderne Erntemaschinen diese Tätigkeit.
  7. Zwei Bierbrauer bei der Arbeit am Maischbottich. Sie lassen das geschrotete Malz im Braukessel quellen, um es später zur "Würze" zu verkochen. Anschließend wird es dann vergoren, gelagert, gefiltert und abgefüllt.
  8. Der Schröter, ein ausgestorbener Beruf, sorgte dafür, daß die Bierfässer transportiert wurden. Das fertige Fassbier wurde mit einem Handwagen von Haus zu Haus gebracht.
  9. Böttcher und Kupferschmiede stehen ebenfalls zur Anbetung vor der Krippe. Diese Handwerker stellten das "Braugeschirr" her und waren in alter Zeit wichtige Zulieferer im Braugewerbe.
  10. Doch was wäre eine echte Hausbrauerei, wenn es den "Kölschen Köbes" nicht gäbe? Sein "Kranz" mit den köstlichen "Kölsch-Stangen" erfreuen des Menschen Herz. Auch darf deshalb bei der Anbetung des Christkindes nicht fehlen.
  11. Der Fassbinder, der die kleinen und großen "Pittermännchen" herstellt, ist für jede handwerkliche Hausbrauerei auch heute noch unentbehrlich.

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6. Ausflug nach Barlassina

von Dr. ERHARD SCHLIETER

Von Como im Norden Mailands sind es etwa 40 km Entfernung in das Herz der lombardischen Metropole. Auf der Hälfte der Strecke liegt Seveso und Barlassina und eine Örtlichkeit, die nur aus wenigen verstreuten Häusern besteht, nämlich Farga. Im Mittelelter hieß die Lokalität Faroa; sie wurde nach einem Schloß mit herrschaftlicher Villa so benannt. Am 6. April 1252 wanderten der Dominikaner Petrus und sein Mitbruder Dominikus (Fra Domenico) von Como nach Mailand. Noch in Como hatte Petrus fast scherzhaft gesagt: "Wenn wir in Malland zu müde sind, schlafen wir eine Nacht außerhalb der Stadtmauern in der Kirche San Simpliciano". Die beiden Dominikaner ahnten nicht, daß die Häretiker, die Petrus in seinen Predigten in Ober- und Mittelitalien in seiner Eigenschaft als Großinquisitor (seit 1251) bekehren sollte, einen Komplott gegen sie geschmiedet hatten. Sie hatten zwei Männer als Mörder gedungen und 40 pavesische Gold-Pfunde als Lohn ausgemacht. Der Hauptmörder hieß Carino ("Liebchen") und eigentlich Pietro da Balsamo. Sein Gefährte war Albertino Porso aus Lentate: Albertino da Lentate mit Spitznamen Migniffo.

Der Schädel des Pietro da Verona wurde nach einem Überfall im Wald von Barlassina mit einem Krumm-Säbel gespalten. Zusätzlich tötete ihn der Mörder mit einem Dolch durch einen Stich in die Brust. Vor dem Tod malte der spätere Heilige noch mit letzter Kraft das Wort "Credo" mit seinem Finger und seinem Blut in den Sand der Straße. Das Credo hatte Pietro seit seiner Jugend begleitet. Er benutzte es auch als Argument gegen seine ketzerischen Eltern, als sie sich nach seiner Ausbildung in einer katholischen Schule erkundigten. Beispielsweise wurde die Szene, in der das Credo die Feuerprobe bei einem Treffen mit Heiden übersteht in der Kapelle des Hl. Dominikus in der S. Pietro Martire Kirche in Seveso in einem Fresko (17. Jh.) dargestellt.

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Übrigens starb Fra Domenico nach schweren Verletzungen sieben Tage später. Noch am selben Abend wurde der Leichnam des Petrus nach Mailand geschafft. Da die Stadttore schon geschlossen waren, verblieb de! Körper des Toten für eine Nacht in der Kirche San Simpliciano vor den Toren Mailands. Diese Kirche wurde nach dem Freund und Berater des Hl. Ambrosius von Mailand benannt. Er hat nichts mit dem Hl. Simplicianus zu tun, der sich zu den, Quattro Coronati" (hl. Viergekrönten) unter Diokletian gesellt hatte. In der heutigen Kirche San Simpliciano wird leider nicht an St. Peter und seinen dortigen Kurzaufenthalt erinnert.

In der Nähe des Ortes der Ermordung von Petrus, und zwar am Rande der Stadt Seveso, die vor einigen Jahren durch einen Umweltskandal von sich reden machte, steht das wichtige theologische Seminar der Diözese Mailand, das seinen Namen trägt: Il Seminario di San Pietro Martire. Verehrer des Hl. Petrus von Mailand haben die Kirche des Seminars in ihre Pilgerreise aufgenommen. Das Gebäude ist höchstens 2 km vom Ort der Ermordung des Heiligen entfernt. In der Literatur über die Kirche und das Seminar wird das Gebäude ganz gerne so geschildert, als ob es auf dem Ort der Ermordung stünde. Nach einigen Fragen durfte uns der Küster immerhin zur eigentlichen San Pietro Kapelle in der Nähe des Friedhofes von Barlassina geleiten.

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Die Kirche in Seveso entstand nach dem Entwurf des Mailänder Architekten Girolamo Quadrio, der auch Dombaumeister (1659 – 1677) in Mailand war, in der Zeit von 1662 bis 1685. Die Familie Arese hatte den Bau der Kirche ermöglicht. Nach dem Tode des Architekten im Jahre 1679 übernahm sein Sohn Gian Battista die Fertigstellung. Der Sohn hatte auch schon vorher an dem Bau geholfen. Der Stil des Baus ist eine klassische Mundart des Barocks und erinnert an architektonische Lösungen aus Paris und Umgebung. Ursprünglich sollte die Kirche mit rechteckigem Grundriß zwei Glockentürme haben. Aus finanziellen Gründen wurde bei ein und einem halben Glockentürmen aufgehört. Die Hälfte des zweiten Turmes versteckt sich in der Fassade. Im Innenraum zieren zwei Kuppeln mit Fresken das Langhaus, nur eine der Kuppeln über dem Hauptaltar ist von außen zu sehen. Zwei Seitenkapellen (rechts die des Hl. Dominikus, links die der Madonna des Rosenkranzes) fallen ins Auge. Der Hauptaltar ist in der Form eines monumentalen Mausoleums aus kostbaren Marmorsäulen angelegt.

In einer Art von Krypta von der Rückseite des Altars wird als Reliquie der mörderische Säbel, mit dem Petrus der Kopf gespalten wurde, aufbewahrt. Darunter sind einige menschliche Knochen zu sehen. Es sind sterbliche Überreste des Mörders Carino da Balsamo, der sich nach dem Mord bekehrte und Dominikaner in Forli wurde. Er wurde sogar wegen seiner guten Führung selig gesprochen. Über den Reliquien ist ein Gemälde von Vanni Rossi (1952), das den Heiligen mit gespaltenem Schädel zeigt, zu sehen. Die wichtigsten Gemälde der Kirche im Presbyterium stammen von Agostino Santagostino und Gian Battista Costa. Sie sind 1670 datiert. Das linke Gemälde (6,04 m x 3,74 m) zeigt den Heiligen bei einer seiner Predigten. Wie auch in Sant' Eustorgio in Mailand ist die Wolke über ihm dargestellt. Ein Ketzer hatte ihn spöttisch um die Wolke gebeten, da die Sonne zu heiß schien. Die Wolke kam. Auf der rechten Seite kämpft auf dem Gemälde mit den gleichen Maßen Petrus gegen die Häretiker, versehen mit einem Kreuz. Es wird vermutet, daß es sich um eine tatsächliche Begebenheit in Florenz (1244) handelt. Mehrere Fresken und Gemälde anonymer Meister, die unter anderem Petrus Martyr zeigen, sind in der Kirche zu besichtigen.

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Für den Verehrer von Petrus ist in Mailand der Besuch der Kirche S. Eustorgio sehr wichtig. Sein Grab von dem Bildhauer Balduccio da Pisa 1340 mit der Darstellung von acht Tugenden als Kariatiden und acht Reliefs mit Szenen aus seinem Leben ist seit 1736 in der Portinari-Kapelle, die der Renaissance-Architekt Michelozzo Michelozzi 1462 für die Bankiersfamilie an die Kirche angebaut hat. Fresken von Vincenzo Foppa aus Brescia vom Ende des 15. Jahrhunderts schmücken die Kapelle. Abgeschlossen in einem Seitenraum steht seit 1736 der Kopf von Petrus Martyr in einem Silberschrein von Diego Lepori aus dem 17. Jahrhundert. Die Reliquie ist so von allen Seiten sichtbar. Unbedingt sollte auch das Petrus Martyr Gemälde von Christoforo Bossi ebenda besichtigt werden.

Übrigens gestand uns der Pfarrer von S. Eustorgio bei einem Mittagessen in seiner Wohnung, daß er Mitglied des Kölner Domkapitels ist. Immerhin entführten die Kölner die Reliquien der Heiligen Drei Könige aus seiner Kirche. So mag die Auszeichnung als Domkapitular ein kleiner Wiedergutmachungsversuch sein. In dem Mailänder Museum der Brera finden sich Gemälde, die Petrus Martyr darstellen (z.B. Gentile da Fabriano). Für Verehrer ist auch die Gemäldegalerie des Sforza-Kastells, die Kirche Santa Maria delle Grazie mit einem Fresko von Giovanni Donato Montorfano und der Kopie eines Tiziagemäldes zu empfehlen.

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