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Der Altar der Kölner Brauer

Altarbild

Am 29. April 2003 feierte die St. Petrus von Mailand Bruderschaft – Cölner Brauer-Corporation ihr alljährliches Patronatsfest. Nach einer feierlichen Messe in St. Andreas trafen sich die Mitglieder und ihre Gäste im Brauhaus PÄFFGEN zum traditionellen Bruderschafts-Mahl, in dessen Verlauf der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, Herr Dr. Werner Schäfke einen Vortrag hielt, der hier im folgenden dokumentiert ist:

An den prunkvollen Renaissance-Säulen aus Halbedelstein und vergoldetem Metall am Rande des Gemäldes hängen zwei Wappen. Links das Wappen der Stadt Köln in spätgotischem Zuschnitt des Schildes mit allerdings nur sechs statt der heute vorgeschriebenen elf Hermelinschwänze, die auf die elftausend Jungfrauen der hl. Ursula verweisen. Rechts werden drei typische Werkzeuge der Brauer, zwei Malzschaufeln und eine Maischgabe! symmetrisch zum Wappen zusammengestellt. Ähnlich sind sie auch schon auf dem Siegel der Kölner Brauergaffel zu sehen, das am Verbundbrief hängt und für die Kölner Brauer im Jahre 1396 ihre Verpflichtung auf den Verbundbrief besiegelt.

Daraus hat man frühzeitig erschlossen, dass das Gemälde von der Gaffel der Brauer finanziert worden ist. Zwei weitere Gemälde, die ebenfalls frühzeitig in die Sammlung" Ferdinand Franz Wallrafs gelangt sind, gehören dazu. Sie zeigen einmal die Heiligen Drei Könige zum anderen den heiligen Kunibert, Ursula und Petrus Martyr, den Patron der Bruderschaft der Brauer. Auch diese Gemälde zeigten links, bzw. rechts die gleichen prunkvollen Säulen wie die Kreuzigung Christi. Allerdings stehen die Heiligen auf einem kostbaren, jeweils anders ornamentierten Marmorboden vor einer in Schulterhöhe gespannten Tapisserie. In der Kreuzigungsszene dagegen haben wir einen freien Durchblick auf die bergige Landschaft, auf deren Boden Maria und Johannes stehen.

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Da die beiden im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff 1943 zerstörten Heiligendarstellungen das gleiche Format wie die Kreuzigung hatten, kann es sich nicht um ein Triptychon gehandelt haben. Dann wären die beiden Seitentafeln nur halb so breit wie die Kreuzigung gewesen, um den Altar schließen zu können. Dann hätte man auch Holztafeln in Auftrag gegeben. Leinwandbilder begegnen uns in der Kölner Malerei bei Heiligenlegenden, die aus vielen Szenen bestehen und bei Gemälden für nicht direkt kirchlichen Bedarf. So war es auch hier.

Alles spricht dafür, dass die drei Gemälde — vielleicht waren es ursprünglich noch mehr - für das Gaffelhaus der Brauer bestimmt waren, das sich von der Schildergasse bis zur Brückenstraße ausdehnte. Hier hatte man anlässlich des Kölner Reichstages des Jahres 1505 sogar den Kaiser Maximilian I. bewirten dürfen. Für den Neubau des Jahres 1612-stellte die Stadt auf "Anregung" des Bürgermeisters und Bannerherrn der Brauer Peter Oeckhoven sogar das Bauholz kostenlos zur Verfügung. Fast zwei Jahrhunderte diente der eindrucksvolle Bau in bester Lage der Brauergaffel als Repräsentationsbau. Ein großer Saal im Obergeschoss, von mächtigen Holzpfeilern getragen, sah festliche, aber auch aufgeregte Versammlungen, welche die entsprechenden politischen Ereignisse verlangten.

Die Gemälde blickten von oberhalb einer schweren Holzvertäfelung darauf herab. Man spürt, dass sie für eine hohe Anbringung konzipiert worden sind. Entstanden sind sie lange nach dem Fest für Kaiser Maximilian, lange vor dem Neubau des 17. Jahrhunderts. Sie werden auf die Zeit 1540/50 datiert. Kleidung und vergleichbare Gemälde sprechen dafür. Und auch die Situation in der Stadt und im Erzbistum lassen uns die Entscheidungen der Brauer verstehen.

Kölns Erzbischof Hermann von Wied (1515-1547) beginnt seit 1541 protestantische Ratgeber an seinen Hof zu ziehen. 1542 holt er Martin Bucer, Prediger und Reformator, nach Bonn und bemüht sich, die Reformation im Erzbistum einzuführen. Das hätte das Gleichgewicht der Konfession im Reich aber auch die Selbstständigkeit Kölns gefährdet. Eine protestantische Fürstendynastie hätte auch Köln reformiert und zum Herrschaftssitz gemacht. So betont man nun in Köln das Verbleiben in der katholischen Kirche und die Treue zum katholischen Kaiser. Erzbischof Hermann von Wied wird schließlich gezwungen abzudanken, in dieser für Köln gefährlichen Zeit haben sich auch die Brauer ihren katholischen Glauben mitsamt seiner Heiligenverehrung prächtig und demonstrativ vor Augen geführt – und wir haben auch heute noch unsere Freude daran.

(Geschaffen wurde der Altar in Köln um 1540/50 und ist heute im Besitz des Wallraf-Richartz-Museums)

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