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Im Biergarten: Sommer, Sonne, Kölsch und mehr!

Biergarten

Wenn die Sommer-Sonne lacht, sind sie der Renner: die Biergärten in Köln und Umgebung. Ob mit dem Fahrrad, der Bahn oder auf des Schusters Rappen - kein Weg zum "Freiluftsitz" mit Himmelsblick und Kölsch-Genuß ist den wahren Fans zu weit... Wenn die anderen Freizeit haben und die Temperaturen steigen, müssen Gastronomie und Gastronomen besonders fit sein: Denn nach einer Umfrage der CMA (Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) gehen dann 50 Prozent der Befragten häufiger "aus" als in der kühleren Jahreszeit. Und in Köln sind es sogar 60 Prozent der Menschen, die sich öfter als sonst rund um's Kölsch in den Brauhäusern, "Weetschaften" und wohl vor allem Biergärten drängen. Denn daß die Open-Air-Lokale sich ungebrochener Beliebtheit erfreuen, davon kann man sich bei jedem Sonnenstrahl erneut selbst überzeugen.

Das Angebot der Gastronomie ist so vielfältig wie das an einzelnen Kölsch-Marken: Es reicht von einfachen Sitzgelegenheiten über prächtige Gartenausschänke bis hin zu romantisch-rustikalen Ausflugsbiergärten mit Blick auf Vater Rhein. Jedoch sind Ausstattung und Komfort nicht immer die entscheidenden Kriterien. Der Reiz der Biergärten liegt wohl mehr in der Ruhe und Harmonie, die die Besucher besonders gerne genießen: Da spielen Kinder unter schattenspendenden Bäumen, da sitzen überzeugte Nichtraucher Schulter an Schulter mit Rauchern und der Handwerker prostet dem Angestellten zu. Typisch Köln, typisch Kölsch.

Kein Wunder also, daß da so manche(r) etwas länger bleibt als vorgesehen - und die Ausrede: "Ich wollt‘ eigentlich ja nur ein Kölsch trinken" ist schon für viele der Beginn einer wunderbaren Freundschaft geworden. Na denn, hoffentlich ist das Wetter-Glück den Biergartenfans hold, prost Köln, prost Kölsch...

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Kühles KÖLSCH unter Kastanien

In den letzten Monaten geisterte immer wieder das Thema Biergärten durch die bundesdeutschen Medien. Da war von einem Skandal Urteil die Rede (Schließung bereits 21.30 Uhr), da gab es Demonstrationen für und gegen die Biergärten und da wurde von bayerisch patriotischen Politikern parlamentarische Eingaben gemacht. Was ist nun eigentlich so ein Biergarten und was macht ihn hierzulande so beliebt?

Fangen wir bei der Historie an. Der Biergarten ist eine bayerische Erfindung, und so paradox das klingt, heißt er in München und Umgebung "Keller". Der Begriff stammt aus der Zeit, als die großen Münchener Brauer im Frühling und Sommer (wegen der Brandgefahr) nicht brauen durften. Das im Märzen gebraute, stark gehopfte Bier wurde in den Vorstädten in Kellern gelagert, um dort im kühlen Erdreich in Ruhe zu reifen. Man bepflanzte die "Keller" mit Kastanienbäumen, deren große Blätter reichlich Schatten spendeten, und schon war der Biergarten geboren. Hier konnte man nun im Sommer unter schattigen Bäumen frisches Bier im Freien genießen. Dazu eine mitgebrachte Brotzeit, denn im Biergarten durften die Brauer als kleine Konzession an die konkurrierenden Wirte keine Speisen verkaufen.

Doch der Münchner ging nicht in den Garten, er ging zum "Keller", obwohl er im Garten saß. Hier heißen deshalb heute auch die bekannten Biergärten der großen Brauereien seit jeher die "Bier-Keller". Ihre Beliebtheit ist so groß, dass zum "Biergartengehen" als die fünfte Münchner Jahreszeit bezeichnet wird.

Das war vor etwa 200 Jahren. Mit der Zeit fand diese Einrichtung ihre Freunde im ganzen deutschsprachigen Gebiet. Besonders in Berlin (Ja, ja die "Preußen") finden sich schon bald eifrige Nachahmer, die ihre "Molle" an der frischen Luft tranken. Auch in Köln entstanden meist neben oder hinter den Brauereien schattige Biergärten. Im Brauhaus PÄFFGFN gibt es schon seit vielen Jahren einen Biergarten. Auch hier spenden die großen Kastanienbäume kühlen Schatten. Doch im Gegensatz zu den Bayern, die ihre "Maß" untergäriges Märzenbier schätzen, lieben die Kölner ihr obergäriges Kölsch. Dazu isst man in Köln einen "Halven Hahn" (für Touristen: Roggenbrötchen mit Holländer Käse).

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Auch in der Bierstadt Köln sind die Biergärten mittlerweile eine feste Institution im gastronomischen Kaleidoskop geworden. Seit die Sommer länger und heißer geworden sind und der Trend mehr ins Freie geht, sind auch die Möglichkeiten für die Außengastronomie besser und vielfältiger. Heute verfügt die Stadt Köln über mehr als 1000 Gaststätten mit Terrassen, Biergärten und begrünten Innenhöfen 400 mehr als in Düsseldorf!!! Den Münchnern hat Köln die späte "flexible" Sperrstunde voraus (zwischen 23 und 1 Uhr). Doch die entscheidende Rolle im Biergartengeschäft spielt wie seit alter Zeit Petrus mit seiner Wettergestaltung. Ohne ihn läuft nix! Wie sieht er nun ans, der typische Biergarten Gänger" Ist es der ältere Rentnertyp mit Dackel und Zigarre, der verträumte Student mit Fahrrad Lind Freundin, der hemdsärmelige Businesstyp oder der smarte "Yuppy", trendy mit Handy. Alles falsch, es sind alle zusammen. Die Größe der Gärten schwankt zwischen 2500 und 500 Plätzen. Auch die Konzeption der einzelnen ist sehr unterschiedlich. Da gibt es die gemütlich traditionellen und Hinterhof mit Köbes und Kies, die mit dem imposanten Rheinblick, die ländlich sittlichen mit Blick auf die Pferdekoppel und die Szene-Gärten mit Pänz und Promis.

Doch auch einige neue Irrwege im Biergarten-Kosmos zeichnen sich ab. Zum Beispiel ein Biergarten mit Open-Air-Kino! Ein Ort, wo man normalerweise sonst kommunikativ zusammen isst und trinkt, jetzt als überdimensionale TV-Glotze mit Fast-Food-Kultur? Open-Air? - Ja! - Kino mit Fastfood? - Nein! Dann doch lieber Cinedom! Außerdem Biergärten mit Pseudo-Kunst aus Moniereisen sind nicht das Gelbe vom Ei. Kunst? Ja! - (gute) Eisenplastiken? Ja! Aber dann doch lieber Museum Ludwig.

Doch getreu dem alten kölschen Sprichwort: "Jedem Tierchen sein Plaisierchen", soll jeder in seinem Biergarten glücklich werden. Und zu diesem Glück gehört selbstverständlich ein kühles Kölsch, und das unter Kastanien. Alle sind willkommen beim beliebtesten Sommervergnügen der Kölner. Ob frisch verliebt oder Junge Familie, alter Bock oder scheues Reh, mitten im Leben oder leicht daneben, alle haben hier ihren Platz. Das soll auch so bleiben. (FM)

 

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