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Trinkt Kölner Bier
Quer durch Kölner Brauhäuser (1929)

Sonderbeilage des Kölner Tageblattes am Sonntag den 15. Dezember 1929

Werbeplakat der Werbegemeinschaft Kölner Hausbrauereien

bearbeitet von Dr. Johannes Krudewig

Als die Wahrzeichen Kölns zählt man gemeinhin drei Dinge auf: seinen Dom, sein Wasser und seinen Karneval. Es gab aber immer Leute, die fügten diesen drei Wahrzeichen ein viertes hinzu: das obergärige Bier, "et kölsch Weiß". Diese Leute darf man unbedingt Kenner nennen. Denn wo man immer in früheren Zeiten kölsch Weiß verzapfte, da waren auch kölsche Sitte und Eigenart zu Hause. In früheren, sagten wir. Denn es vollzog sich an den Stätten, den ehemaligen, wo der Fußboden mit weißem Sand bestreut war, und der herbe Hopfentrank an gescheuerten Tischen von "Köbessen" herbei geschleppt wurde, wo der Wirt hinter der Theke saß und "Häufchen machte" schon vor dem Kriege eine gewisse Wandlung, die manches Typische entfernte. Dies damals schon leider. Die Nachkriegszeit dann schien dem vierten Wahrzeichen Kölns ganz der Garaus machen zu wollen: eine Kölner Hausbrauerei nach der anderen stellte den Betrieb ein, wurde Opfer der Zeit und des Zeitgeschmacks. Einige Jahre hindurch. Dann konnte man feststellen, daß wie wirkliche Kölner Eigenart sich überhaupt nie unterkriegen lassen wird, auch ihre "süffige Verkörperung", das kölsche Weiß, wieder mehr auftauchte, nach und nach. – Ebenso wie die obergärigen Brauhäuser haben sich auch die Kölner Großbrauereien von den niederwerfenden Schädigungen durch den Krieg wieder erholt, und stehen finanziell wieder neu erstarkt da. Da sie aber von der einheimischen Bevölkerung vielfach ablehnend behandelt werden, ist es am Platze, auch auf sie hinzuweisen. In einem zwanglosen Rundgange durch die heutigen Kölner Brauereien wollen wir dieselben im Folgenden kennen und schätzen lernen.

Brauerei Abels "Zum jungen Raben"

Nachdem die nachweisbar älteste Brauerei Kölns, die "Zum Hirsch" in der Cäcilienstraße 32, aus dem Jahre 1243, nicht mehr selbst braut, ist heute das älteste Brauhaus Kölns das "Zum jungen Raben" auf dem Blaubach 38 (Besitzer Carl Abels). Seit dem Jahre 1271 wurde dort ununterbrochen Bier gebraut, doch hieß das Haus bis Anno 1747 "Zum Löwen". Das heutige Besitztum bestand im Mittelalter aus zwei Gebäuden; das westlich gelegene gehörte dem Patriziergeschlecht "Hardefust", und führte den Namen "Zum Hardefust". Im Jahre 1784 wurde es mit der nebenan liegenden Brauerei vereinigt. Eine Zeitlang war, laut noch vorhandenen Urkunden das Haus "Zum Löwen" zu 7/8 in den Händen verschiedener Klöster, doch fiel es später wieder in weltlichen Besitz zurück. Das Eigentumsrecht an diesem Hause wechselte seit dem fünfzehnten Jahrhundert fortwährend. So geht aus dem damaligen Schreinsbüchern unter anderem hervor, daß im Jahre 1695 der "Löwe" für 1600 kölnische Thaler an den kurpfälzischen Kammerrat Heinrich Salm verkauft wurde. In der Kölner Chronik finden wir das Haus "Hardefust" bereits im Jahre 1271 erwähnt, mit dem Bemerken, daß die Patrizierfamilie Winzen einen Erbzins (Hypothek) zu jener Zeit auf die Besitzung gehabt habe. In dem Hause gegenüber, das heute die Nummer 67 trägt, befand sich nun ebenfalls eine Brauerei, die schon im Jahre 1290 die Gegend mit Bier versorgte. Dieselbe hieß "Zum Rabenstein"; Eigentümer dieses Brauhauses waren 1359 Anselm von Düren, und 1588 Johann von Worringen. Um diese Zeit von 1690 herum erwarb die Familie Lempertz das Besitztum. Der alte Brauer Lempertz riß im Jahre 1746 das baufällige Brauhaus und das Wirtschaftsgebäude nieder, und ließ an deren Stelle einen Neubau aufführen, der während der Franzosenzeit die Nummer 6885 bekam. Sein ältester Sohn Georg war durch Einheirat Besitzer der gegenüber liegenden Brauerei "Zum Löwen" geworden; seinem jüngeren Sohn, Hermann, der ebenfalls Brauer war, übertrug er den "Rabenstein", der aber fortab den Namen "Zum alten Rabenstein" erhielt, während der Bruder den "Löwen" in "Zum jungen Raben" umtaufte. Während nun nach dem Tode der Eheleute Hermann Lempertz der alte Rabe ganz einging, hob sich der junge Rabe mächtig unter den kölschen Wirtschaften hervor. Der neue Besitzer, den man 1762 zum ersten Amtsmeister der Brauerzunft wählte, baute an Stelle der beiden alten Häuser ein neues, sieben Fenster breites Vorderhaus, welches heute noch dasteht. Das 1480 erbaute Hinterhaus, das ursprünglich die Brauerei in sich barg, ließ er stehen. In der Nacht zum 15. Mai 1863 entstand hier ein Brand, der keinen größeren Schaden anrichtete und auch nicht auf das Vorderhaus übergriff. Heute ist der "Junge Rabe" mit seinem ausgezeichneten Kölsch eine der typischsten und beliebtesten Kölner Kneipen.

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St. Andreas-Bräu, Komödienstraße 12

Eine beliebte Kölner Kneipe ist die von Peter Langen geführte Gaststube "St. Andreas" in der Komödienstraße 12. Langen braut zwar nicht selbst, kennt aber die besten Kölner Quellen und bringt stets ein ausgezeichnetes, tadellos gepflegtes "Kölsch" zum Ausstoß. Auch die Leistungen der Küche sind ganz hervorragend, so daß es in den gastlichen Räumen, die vor der Wirtschaftsführung durch Langen das Beamtenkasino der Deutschen Bank bildeten, selten ein Stuhl frei ist.

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Die Adler-Brauerei in Köln-Ehrenfeld

Eine der ältesten Großbrauereien Kölns ist die Adler-Brauerei, zugleich eine der ältesten Aktienbrauereien Deutschlands. Sie war früher im Privatbesitz und wurde unter der Firma: Köln-Niedermendiger Aktienbrauerei im Jahre 1872 mit Sitz in Köln gegründet. Im Jahre 1895 nahm die Gesellschaft die jetzige Firma an. Sie hatte zwei Brauereibetriebe, einen in Köln, in der Thürmchensgasse gelegenen, da, wo jetzt das Verwaltungsgebäude des Rheinischen Braunkohlen-Syndikats steht, und einen in der alten Brauergemeinde Niedermendig in der Nähe des Laacher Sees. Der am Rhein gelegene Betrieb wurde im Jahre 1895 verkauft und die in Köln-Ehrenfeld, Subbelratherstraße 144/146 gelegene Adler-Brauerei des Brauereibesitzers Quirin Lieven, dessen Betrieb und Kundschaft auf die Adler-Brauerei überging, erworben. Kurz darauf wurde noch die daneben liegende Mälzerei der Gebr. Löltgen, Subbelratherstr. 144, dazu erworben. Im Jahre 1906/1907 nach dem Erwerb der in der Roßstraße 14/16 gelegenem, dem Kommerzienrat Wahlen gehörendem Rhenania-Brauerei wurden umfangreiche Um- und Neubauten vorgenommen und die sämtlichen Maschinen und Keller erneuert. Die in der Kriegszeit notwendig gewordene Metallablieferung brachte den Niedermendiger Betrieb zum Erliegen und von da ab erfolgte die Bedienung der gesamten Kundschaft in Niedermendig von Köln aus. Im Jahre 1918 wurde die Bonner Aktienbrauerei in Bonn angegliedert, deren Betrieb durch die Kriegsfolgen gleichfalls zum Erliegen kam. Die Adler Brauerei ist auf das modernste eingerichtet. Sie besitzt eine eigene Brunnenanlage, zwei Dampfmaschinen mit zusammen 400 PS, 2 eigene Lichtmaschinen, große neue Gär- und Lagertanks aus Aluminium, hat einen umfangreichen Auto- und Fuhrpark, außerdem eine eigene Mälzerei, in der sich das nötige Malz selbst herstellt, und eine eigene Eisfabrik. Die Biere der Adler-Brauerei werden wegen ihrer Güte überall gerne getrunken, insbesondere das Doppel-Adler Brillant hat sich in der letzten Zeit außerordentlich gut eingeführt. Der Betrieb bringt den Aktionären der Gesellschaft eine angemessene Dividende, die in den letzten Jahren zwischen 8 und 10 % betragen hat. Die Belegschaft beträgt circa 70, außerdem sind noch 20 Beamte beschäftigt.

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Das Apostelnbräu

In Lindenthal, an der Dürener Straße 112, liegt das Apostelnbräu in den Gebäulichkeiten des ehemaligen Kölner Brauhauses Servatius Krings, der seine Brauerei in den 80er Jahren von der Ehrenstraße nach seinen in Lindenthal liegenden Kellereien mit schönen Gartenanlagen verlegt hatte. Das vom Brauer Bädorf gegründete und einst von Kirch geführte Stammhaus liegt an der Apostelnstraße und ist heute noch der Hauptausschank der Brauerei, deren Besitzer heute R .Berg ist. Einen anderen Ausschank hat sie in dem schönen Barockhaus "Zur Meerkatz", später Schallenberg-Sistig, in der Matthiasstraße 21, errichtet.

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Brauhaus Bröhl – An Lyskirchen 3/5

In altem gutem Rufe steht das Kölner Brauhaus für Obergärung bei Bröhl "An Lyskirchen" Nr.3, wo in den 90er Jahren das beste Kölsch gebraut wurde. Das Haus hat eine uralte Geschichte: Ursprünglich stand an seiner Stelle das Pfarrhaus von St. Maria Lyskirchen, welches von den Pfarrgenossen im Jahre 1335 nach Übereinkunft mit dem Pfarrer Simone und mit Genehmigung des Probates Werner von St. Georg an Johann, den Sohn des Johann von Vlatten, verkauft worden ist, der es 1337 beim Bäcker Hermann von Vischenich für sechs Mark in Erbleihe gegeben hat. Im Jahre 1786 wird beurkundet, daß das Haus mit Hofstatt berechtigt ist an einem Ausgange zur Witschgasse hin. Nach dem Kölner Adreßbuch von 1797 wohnte hier der Branntweinbrenner Gottfried Arnoldsweiler; damals hatte das Haus die Nr.212. Von 1818 bis 1856 betrieb in dem Hause Johann Johnen eine Bierbrauerei, die im Jahre 1858 von Jakob Münzel übernommen worden ist. Ihm folgten als Bierbrauer und Wirte 1876-1883 J. Jos. Esser, 1884-1886 Ferdinand Lipp, 1887 Jakob Krips und seit 188 Arnold H. Zündorf. Im Jahre 1891 trat Peter Bröhl aus Lülsdorf als Braumeister bei Zündorf ein. Damals gehörte das etwa 1830 erbaute Haus noch den Geschwistern Münzel, die 1875 auch das Nebenhaus Nr.5 angekauft hatten. 1898 übernahm Bröhl selbst das Brauhaus, das er 1911 ankaufte. Nach seinem noch im selben Jahre erfolgten Tode führte seine Witwe Kath. Bröhl die Wirtschaft bis 1928 weiter. Am 15.November 1928 haben die Eheleute August Küppers, denen von früheren Unternehmen her der Ruf tüchtiger, fleißiger und sauberer Wirtsleute zur Seite steht, die Wirtschaft übernommen und führen sie nunmehr wieder als altes obergäriges kölsches Bräues. In diese alte Kölner Brauhaus kommen nur die Kenner, welche ihre Schritte eigens hierhin lenken. Schon beim Eintreten umfängt uns ein anheimelnder Zauber mit seinem verlockend würzigen Duft des Kölschen Bieres. Der Hausflur ist gleich links zu einer stets von Standesherren umlagerten Stehschänke ausgebaut, hinter welcher der etwas brüske Wirt seine dafür um so muntere, stets freundliche Frau ihres kredenzenden Amtes walten. Gern ist auch die Besichtigung der 1919 modern eingerichteten Hausbrauerei gestattet, die heuer wieder von dem alten Bröhlschen Braumeister Heinrich Humann geleitet wird. Schmunzelnd zeigt er das Sudhaus mit seinen vier Gärbottichen, deren jeder 85 Hektoliter faßt, ferner den Malzspeicher, die Schrotmühle und den etwa 500 Hektoliter fassenden uralten, in Unkeler Blausteinen gemauerten Keller.

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Der Barbarossa-Bräu von W. Creischer

In diesem Jahre hat ein gut renommiertes Kölner Brauhaus, das von Wilhelm Creischer am Barbarossa-Platz, seine Pforten wieder geöffnet, nachdem es infolge der üblen Kriegseinwirkungen seit 1920 geschlossen war. Ursprünglich Brauerei und Wirtschaft in Wahn von 1878 bis 1910, ist das Kölner Haus am 1.Januar 1907 von dem jetzt 77 Jahre alten Wilhelm Creischer gegründet worden; seit 1920 an die Städtische Sparkasse vermietet, ist der Brauerei- und Wirtschaftsbetrieb bei einem schönen, blanken Glas Kölsch am 10. August 1929 wieder eröffnet worden.

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Im Dombräues, Unter Taschenmacher 5

Im Dombräues, Unter Taschenmacher 5, zwischen Rathaus und Dom, ist unter dem jetzigen Inhaber, Brauereibesitzer Georg Risch, der die Witwe seines Vorgängers Johann Sion geheiratet hat, neues frisches Leben eingekehrt. Dieser hatte das im vorigen Jahrhundert entstandene Brauhaus nach mehrfachem Wechsel von dem früheren Inhaber Betten übernommen. Vor diesem hatte lange Jahre der bekannte Brauer Jüsgen die Brauerei betrieben als Nachfolger des früheren Stadtverordneten Billstein, der seinerzeit in der Maximiliansgasse (Friedrich-Wilhelm-Straße) das bekannte Hotel Billstein geführt hatte, ehedem ebenfalls ein Brauhaus. Der jetzige Inhaber Risch, ein tüchtiger Fachmann, der auch eine gute Küche führt, betreibt die im Innern schmuck und gediegen ausgestattete Dombrauerei im echten alten Kölner Stile.

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Die Aktienbrauerei Dormagen

Die Aktienbrauerei Dormagen ist in Köln durch elf eigene Häuser mit Wirtschaften vertreten. Sie wurde gegründet in den 70er Jahren von der Familie Liessem. Am 1. Dezember 1884 ging das Unternehmen an die Firma Gebr. Becker u. Cie. über, die am 8. Oktober 1898 in eine Aktiengesellschaft mit einem Aktienkapital von einer Million Mark umgewandelt worden ist. Sie ist die einzige Großbrauerei in dem früheren Landkreise Neuß. Die in Dormagen gelegene weitläufige Brauerei ist auf das modernste eingerichtet mit Dampfmaschine, einem Dieselmotor, zwei Eismaschinen und eigenem elektrischem Licht und ebensolchem Antrieb. Nach außen präsentiert sich der Umfang des Unternehmens durch einen besonderen Eisenbahnanschluß und einen großen Auto-Park. Hergestellt werden anerkannt hochfeine Qualitätsbiere, als besondere Spezialität Dormagener Export, ferner Pilsener und Malzbiere, wodurch sich der Konsum der Dormagener Bier andauernd hebt.

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Der Cölner Hofbräu P.J.Früh

Am Hof 12, gegenüber dem Heinzelmännchen-Brunnen, liegt das neuere Brauhaus P.J. Früh, Cölner Hofbräu, das um die Wende des 19.Jahrhunderts an Stelle des ehemaligen Schützenliesel-Restaurants errichtet worden ist. In dem stilvoll eingerichteten Gastraume des Hauses, das weniger von Kölnern, aber bei der günstigen Verkehrslage in der Nähe des Bahnhofes, um so mehr von "Auswärtigen" besucht wird, entwickelt sich den ganzen Tag über einem Glas Kölsch ein sehr reger Verkehr.

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Brauhaus "In der Gaffel"

Das obergärige Brauhaus" In der Gaffel" von den Gebr. Becker, auf dem Eigelstein 41, führte in früheren Jahrhunderten den Namen "Zur alten Gans". Im Jahre 1671 wurde Christine von Kreps, Witwe des Bürgermeisters von Mülheim, an dasselbe angeschreint; diese verkaufte 1675 mit hypothekarischer Belastung an die Eheleute Dr. jur. Arnold Judendunck und Christine Wiertz. Hierdurch kam das Haus in die Hände eines vornehmen und reichen Patriziers, dem wohl das alte, noch aus gotischer Zeit stammende Gebäude nicht mehr genügte; er ließ dasselbe niederreißen und an seine Stelle im Jahre 1684 einen stattlichen Neubau, das jetzt noch stehende Haus, errichten. Die Jahreszahl 1684 fand sich bei dem Umbau im Jahre 1908 in den Stuckverzierungen eines Deckenbalkens und konnte damals leider nicht erhalten bleiben. Seit dem Jahre 1822 wird in diesem Hause Bierbrauerei betrieben, die der jetzige Betreiber Becker von dem Brauer Gentzen übernommen und 1918 in den prächtigen Zustand hat umbauen lassen; sie offenbart jetzt den Charakter eines alten Zunfthauses, und hat deshalb den Namen "In der Gaffel" erhalten. Heute wird hier ein mit den neuzeitlichen Brauerei-Einrichtungen hergestelltes süffiges hochprozentiges Glas Kölsch verabreicht, das einem bei bestens zubereiteten Speisen so zunftgerecht schmeckt, wie anno 1505 dem Kaiser Maximilian im Festsaale der altehrwürdigen Brauer-Gaffel.

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Das Hahnen-Bräu

An einer der wichtigsten Torstraßen des alten Köln, an der Hahnenstraße, liegt, wenn man vom altehrwürdigen Hahnentor her das Stadtinnere betritt, gleich rechts Nr.43 ein Brauhaus, dem man in der sonst unschönen modernen Häuserflucht schon von weitem seine alte gediegene Behäbigkeit ansieht, das bei Kölnern und Auswärtigen seit langen Jahrzehnten beliebte "Hahnen-Bräu". Daß es seine Geschichte, seine Chronik hat, zeigt schon das Äußere dieses breit gelagerten Hauses mit seinen Doppelgiebeln des 18. Jahrhunderts. Allerdings ist seine Geschichte bedeutend älter, als die Kunstsprache seiner Giebel bekundet. Bis in die älteste Zeit der Hahnenstraße muß man zurückgreifen, um Licht in die Vergangenheit dieses uralten, stattlichen Anwesens zu bringen. Seit dem 14. Jahrhundert lag hier der Besitz der Familie Hardefust. Im Jahre 1815 hat Michael Joseph Frantzen seine gegenüber gelegene, seit 1560 bestehende Bierbrauerei hierhin verlegt, die im Jahre 1837 von Franz Conzen übernommen worden ist. Dessen Sohn Ambrosius führte den Betrieb von 1878-1893 fort. Ihm folgten von 1896-1905 Matthias Abels und 1905 bis 1919 Josef Maaßen. Seit 1918 ist Paul Peter Besitzer des "Hahnenbräues", das er nach erfolgtem durchgreifendem Umbau im alten Sinne, aber in moderner Form weiterführt. Das Haus ist besonders bei den großen Kölner Verbänden und Vereinen ebenso angesehen wie beliebt. Seine Küche ist als ganz vorzüglich bekannt.

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Das Brauhaus Heinrich Getz

Eines der bekanntesten und beliebtesten Kölner Brauhäuser ist das Brauhaus für Obergärung "Zum halben Mond" von Heinrich Getz in der Thieboldsgasse Nr.75. Weder durch bevorzugte Lage noch durch Altertümlichkeit des Hauses hat es seine Beliebtheit errungen, sondern lediglich durch Vorzüglichkeit des echt obergärigen kölschen Bieres, welches hier seit langem gebraut wird. Dazu hat auch dieses Haus seine lange Geschichte: Vom Jahre 1251 bis 1798 stand hier das ehemalige Soeten-Haus, benannt nach seinem ersten nachweisbaren Besitzer. Seit 1335 ist in diesem Hause Brauerei betrieben worden, die zeitweise wieder einging, aber 1705 wieder als "Brauhaus zum halben Mond" auflebte und bis heute bestehen geblieben ist. Der Neubau des jetzigen Vorderhauses stammt von dem Architekten Robert Perthel. Seit 1821 hat das Brauhaus seine Inhaber 13 Mal gewechselt; von 1919 an war Heinrich Getz Besitzer und Brauer im "Halben Mond". Da er unheilbar erkrankt ist, hat in diesem Jahre Gatzweiler aus Neuß das Brauhaus übernommen, das er in der althergebrachten Weise weiterzuführen gewillt ist.

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Die Hirschbrauerei

Die Hirschbrauerei in Köln-Bayenthal, Tacitusstraße 15, ist aus der Zusammenfassung von zwei kleineren Brauereien durch die Gebrüder Steingröver am Ende des vorigen Jahrhunderts hervorgegangen. Um 1900 erfolgte der Neubau der jetzigen Brauerei, die seit 1920 einen weiteren Ausbau erfahren hat. Die seit 1900 um das 8fache gestiegene Produktionsfähigkeit beträgt 200.000 hl., die Lagerfähigkeit 50.000 hl. Gebraut wird ein untergäriges Bier nach Dortmunder Art; Spezialbiere sind: Goldexport, Pilsener und Hirsch-Urquell. Vor dem Kriege bestand das Geschäft mehr im Verkauf von Flaschenbier, heute überwiegt der Faßverkauf nicht nur in Köln, sondern im ganzen Rheinland. Von den Rohmaterialien werden das Malz aus Sachsen und Thüringen, der Hopfen aus Bayern bezogen. Die innere Brauereieinrichtung ist vollständig neu, die Gärkeller-Anlage ist sogar mit Luftkühlung versehen. Von Interesse ist, das die jährlich von der Hirschbrauerei gezahlten Steuern das fünffache des ausgeschütteten Reingewinnes betragen. Von den von der Hirschbrauerei belieferten Restaurants ist für die Kölner das bekannte "Salzrümpchen" besonders hervorzuheben. Es hat eine ganz interessante Vergangenheit. Schon im Jahre1241 finden wir das Haus "Salzrump" erwähnt, während es erst im Jahre 1589 als Brauhaus bezeichnet steht. Ob nun der sonderbare Name "Salzrümpchen" von der früher sehr beliebten Fischdelikatesse der "Rümpcher" herrührt, oder ob man durch das an der Ecke der Römerquelle gelegene Salzlager, das "Salzrump" genannt wurde, zu der Bezeichnung des Wirtshauses gekommen ist, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Im Jahre 1241 war das Kloster von St. Mauritius Eigentümerin des Hauses, worin zu seiner Zeit eine Bäckerei betrieben wurde, die noch Anno 1313 daselbst bestanden hat. Im Jahre 1487 teilte man die Besitzung in zwei Teile, wovon aber nur die Hälfte als Backhaus weiter benutzt wurde. Nach hundert Jahren, 1589, erwarb der Brauer Michael Herrmann aus Speyer dieses Backhaus für tausend Thaler und baute es zu Brauerei um. Seitdem wurde dort ununterbrochen Bier gebraut, bis vor einiger Zeit die Hirschbrauerei in Bayenthal das Haus ankaufte und dem Wirtschaftsbetrieb nun mit eigenem Bräu beliefert.

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Brauhaus "Im Kaiser"

Der Anno 1831 gegründete "Kaiser", die alte kölsche Hausbrauerei mit Wirtschaft in der Ehrenstraße, die im Volksmunde "Drecklige Kaiser" genannt wurde, ist auch wieder da. Von dem alten Zustande, der dem Lokal den Namen einbrachte, ist nichts mehr zu sehen. Heute bevölkern keine Hühner mehr, wie damals die Wirtschaftsräume. In den 80er Jahren führte Hubert Arnold Zündorf den alten dreckigen Kaiser vor seinen Neubau. Des historischen Wertes wegen wird mancher Ehrenfelder die rechte Ecke des Einganges, wo damals die Gründung der Stadt Ehrenfeld bei einem Glas Kölsch beschlossen wurde, ehrfurchtsvoll betrachten. Ein dort angebrachter Rötel-Druck bezeichnet heute die Stelle. Hier wurde Heimatsinn und kölsche Art gepflegt, die in alter Weise weiter gepflegt werden. Den Bestrebungen der neuen Zeit, in Kriegs- und Nachkriegszeit wieder zu seinem Recht zu verhelfen, wird diese Wirtschaft dienen. Bei einem Glas echten Kölsch, welches in eigener Hausbrauerei nach Friedensrezept hergestellt ist, wird der Heimatsinn und die echte kölsche Eigenart im Kaiser wieder Wurzeln fassen und neu aufleben.

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Die Kalker Brauerei A.G.

Die unter der Firma "Kalker Brauerei Aktiengesellschaft, vorm. Jos. Bardenheuer, Köln Kalk" bestehende Brauerei wurde Anfang der 70er Jahre gegründet. Das Unternehmen war in der ersten Zeit nach der Gründung unter dem Namen "Brauerei zum Heidelberger Faß" in Privatbesitz und lange Jahre Eigentum des verstorbenen Kommerzienrats Jos. Bardenheuer, Köln-Kalk. Im Jahre 1888 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und stand bis zum Tode des Kommerzienrats Jos. Bardenheuer im Jahre 1914 unter dessen fachmännischer und umsichtiger Leitung. Seitdem ist der Sohn des Genannten, Bernhard Bardenheuer, alleiniger Vorstand. Die Brauerei ist in den letzten Jahren entsprechend der fortgeschrittenen Technik mit allen modernen technischen Errungenschaften ausgestattet worden. Insbesondere wurden große Anlagen zur Schaffung eines neuen Gärkellers sowie der Lagerkeller bewältigt. Die Brauerei ist ferner mit einer großen pneumatischen Mälzerei ausgestattet, die sie in Stand setz, ihr Malz selbst herzustellen. Treu dem Grundsatz, beim Einkauf der Rohmaterialien sich nur die allerfeinsten am Markt liegenden Produkte zu sichern, ist die Kalker Brauerei AG in der Lage, ein erstklassiges Erzeugnis zu liefern, das sich allseitiger und steigender Beliebtheit erfreut. Die Biere kommen in einer Reihe erstklassiger Lokale zum Ausschank und haben stets jeglichen Wettbewerb, auch mit auswärtigen Bieren, zur Zufriedenheit ihrer Abnehmer ausgehalten.

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Die Kölner Union-Brauerei

Die Kölner Union-Brauerei wurde im Jahre 1921 gegründet durch Fusion der drei alteingesessenen Privatbrauereien Gebr. Balchem, B. Immerndorf und C. Schmitz, deren Entstehung im einzelnen immer wieder zurückgreift bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das von diesen Brauereien hergestellte Produkt hat naturgemäß mit der Verbesserungen der Betriebseinrichtungen im Streben nach Veredlung seine Art und seinen Charakter fortwähren verbessert und verändert. Mit dem Fortschritt der Technik und Wissenschaft auf dem Gebiete des Brauwesens haben diese Gründerfirmen im Laufe der Zeit ihre Entwicklung genommen zu bedeutenden Unternehmungen. Als Folge des Weltkrieges waren im deutschen Brauereigewerbe durch die veränderte schlechte Wirtschaftslage Zusammenlegungs-Bestrebungen eine allgemeine Erscheinung. Somit erfolgte auch der Zusammenschluss der vorgenannten drei Brauereibetriebe von denen dann zwei aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wurden und nur der dritte als gemeinsamer Betrieb alle Errungenschaften der Neuzeit auf brautechnischem Gebiete zuzuführen, so dass er auf Grund seiner neuzeitlichen Einrichtungen in der Lage ist, allen Anforderungen zu genügen, die an ein qualitativ gutes Bier gestellt werden können.

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Die Kölner Brauhaus GmbH (SESTER)

Das Kölner Brauhaus, Köln-Ehrenfeld, Vogelsanger Str.17, wurde im Jahre 1896 als Vereinsbrauerei gegründet und Ende 1918 von dem heutigen Inhaber, Sester, übernommen. Dieser hat von Anfang an sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, alle technischen Neuerungen eines modernen Brauereibetriebes für die Brauerei nutzbar zu machen. Hier soll nur kurz hingewiesen werden auf das neue Sudhaus der Firma Goeggl AG in München, den Lagerkeller mit den neuesten Lagertanks, die Anlage für die Flaschenbier-Abfüllung, die zurzeit im Bau befindliche Kühlanlage von Linde AG in Wiesbaden, und nicht zuletzt auf den Fuhrpark, welcher den Betrieb nach außen hin zu repräsentieren hat. Jedem Kölner sind die Gespanne und Kraftwagen in den blauweißen Farben mit der Reklame für die Qualitätsbiere "Sester Kristall" und "Sester Pils" bekannt. Durch die vorzügliche Beschaffenheit dieser Spezialbiere und durch die weitschauende Geschäftsführung hat sich der Ausstoß der Brauerei erheblich vergrößert; diese setzt heute außer in Köln mit näherer und weiterer Umgebung ihre Produkte ab bis in die Eifel (Depot in Kall), auf dem Westerwald, in Bonn mit Siegkreis und am Niederrhein bis Kleve. Neben der Belieferung vieler Kölner Gaststätten nur das alte Bierhaus "Zur Griechenpforte", die Braustube auf der Venloer Straße in Ehrenfeld und der Hubertushof auf dem Marsilstein genannt seien. Diese Vergrößerung des Ausstoßes ist eine logische Folge der Herstellung des Qualitätsbieres "Sester Kristall", welches heute allen auswärtigen hellen Bieren ebenbürtig ist.

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Zum Kölschen Boor

Das am Eigelstein 121-123 gelegene Brauhaus Zum Kölschen Boor, Besitzer Peter Baum, zeitiger Präsident der Peter von Mailand Brauer-Corporation, erfreut sich einer großen Beliebtheit unter den Kölner Biertrinkern. Die Brauerfamilie Baum hatte im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts die Wirtschaft "Em rude Ohs" am Thurnmarkt 11-13, nachdem der Vater Matthias Baum zuvor die heutige Brauerei "Im halben Mond" von Getz-Gatzweiler in der Thieboldsgasse 75 geführt hatte. Nach dessen 1912 erfolgtem Tode erwarb sein Sohn Peter das ehemalige "Stavenbräu" von Odenthal am Eigelstein und gestaltete es zu einer echt kölschen Hausbrauerei um. Der Kölsche Boor zählt zu den populärsten Gaststätten Kölns und wird von allen Schichten der Bevölkerung besucht. Auch zahlreiche Sportfreunde haben bei Peter Baum ihren Stammtisch.

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Das Brauhaus Kolter

Die Bierbrauerei Wwe. Heinrich Kolter (Inhaber Josef Meier) am Marienplatz 24, ist nicht nur wegen ihres guten Glases Kölsch und ihrer vorzüglichen Speise bekannt, sondern auch deshalb bemerkenswert, weil an ihrer Stelle von 1425 bis 1543 das ehemalige Gruthaus der Stadt Köln gestanden hat, über welches oben Krudewig in seinem Aufsatz über "Kölner Brauhäuser" eingehend berichtet hat. Hier stand um 1200 ein Haus, welches damals von Wolbero Wolprumen an Walter von Aachen verkauft worden ist. Später hieß es "Zur neuen Türe" und kam Ende des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Familie "Zum Horne". Im Jahre 1425 hat Beylgin, Wwe. des Frank vom Horne, das Haus an die Stadt Köln verkauft, die in demselben Haus ihr Gruthaus einrichtete, es aber 1543 wieder an einen gewissen Pfingsthoven aus Mainz verkaufte, der 1549 noch das anstoßende Haus "Jülich" am Mühlenbach hinzu erwarb. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Haus am Marienplatz neu gebaut. Im Jahre 1863 errichtete Jean Maaßen in demselben eine Bierbrauerei und Wirtschaft, die nach einigen sonstigen Besitzveränderungen im Jahre 1892 von Heinrich Kolter übernommen wurde. Seit 1906 führte seine Witwe den Betrieb, bis nach ihrem Tode seit einigen Jahren ihr Schwiegersohn Joseph Maier der Inhaber ist. Dieser hat jüngst die ganze Brauerei modernisiert, neue Eismaschinen und eiserne Tanks aufgestellt sowie das Sudhaus neu eingerichtet, um auch auswärtige Kunden bedienen zu können.

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Zur Malzmühle

Eine besondere Eigenart weist das Brauhaus "Zur Malzmühle, Jakob Koch" am Heumarkt 6 (Besitzer Frau Witwe Gottfried Joseph Schwarz) auf; es ist die einzige Malzbierbrauerei in Köln. Neben echtem obergärigem hellen Kölsch stellt die Brauerei nach einem besonders geschätzten Verfahren Koch‘sches Malzextrakt-Bier her, das besonders von ärztlicher Seite hoffenden und stillenden Frauen sowie Blutarmen als wertvolles Nähr- und Kräftigungsmittel empfohlen wird. Das Koch‘sche Malzextrakt hat sich seit Jahrzehnten einen Ruf weit über Kölns Weichbild hinaus erworben. Ursprünglich lag im Mittelalter an der Stelle dieses Hauses ein Klosterhof der Abtei Wesel, verbunden mit einer Klosterbrauerei; später stand hier ein Patrizierhaus "Im Gruve". Das jetzige Haus mit hübscher Freitreppe und der Jahreszahl 1744 ist von den damaligen Besitzern, dem Ehepaar Anton Maria Mosetti und Maria Katharina Brentano, errichtet worden. In den ersten Jahren nach ihrer Gründung hat die Kölner Handelskammer in diesem Hause ihre Sitzungen abgehalten. Im Jahre 1848 wurde es von Hubert Koch erworben; er betrieb in demselben bis in die 80er Jahre seine Malzbierbrauerei, die sein Sohn Jakob Koch übernahm und 1913 an Gottfried Josef Schwarz senior verkaufte. Dessen Witwe ist die jetzige Inhaberin des Hauses und der Brauerei.

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Zum Prinz Eugen

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts tauften die Gebrüder Joosten das Brauhaus "Prinz Eugen" in der Sternengasse 30, dessen Besitzer Jean Lehmacher ist. Neben einem vorzüglichen Glas Kölsch gibt es hier auch sonst gute Atzung. (Die Sternengasse war in früherer Zeit eine der belebtesten und beliebtesten Straßen Kölns, wo zeitweise gleich mehrere bekannte Brauereien befanden)

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Das Brauhaus Heinrich Reissdorf

Das obergärige Brauhaus Heinrich Reissdorf an der Severinstraße 51, ist im Jahre 1894 als offene Handelsgesellschaft gegründet worden. Vor dem Kriege braute es nur obergäriges Kölsch, später eine Art Pilsener Bier, neuerdings aber wieder nur obergäriges Kölsch, das in der zu gehörigen Wirtschaft zum Ausschank gelangt und in Fässern an Restaurants abgegeben wird. Das Bier erfreut sich großer Beliebtheit.

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Em rude Bräues

Das bei der Bürgerschaft seit vielen Generationen bekannte und beliebte Kölner Brauhaus "Em rude Bräues" am Blaubach. Inhaberin Wwe. Jean Pütz hat 1926 sein 500jähriges Bestehen als Brauhaus gefeiert und führt, ursprünglich "Zur Velen" genannt, seit etwa 80 Jahren seinen heutigen Namen "Em rude Bräues". Die älteste urkundliche Nachricht über das "Bruwehuys zo der Velen by den Wyssenvrauwen" stammt aus dem Jahre 1426, wenn auch aus derselben hervorgeht, daß das Brauhaus wohl noch einige Jahre älter ist; jedoch läßt sich dies urkundlich nicht nachweisen. Nachdem dieses "Velen-Brauhaus" über vier Jahrhunderte bereits bestanden hatte, legte ihm im Jahre 1847 bei der Übernahme des Betriebes der damalige Bierbrauer Peter Joseph Baden den Namen zum roten Brauhaus, später em rude Bräues bei. Das Haus "Zur Velen" ist geschichtlich bis zum Jahre 1272 zurück zu verfolgen. Seit 1795 haben 11 Bierbrauer das Brauhaus inne gehabt, zuletzt, seit 1911, Jean Pütz, dessen Witwe seit dessen Tode den Betrieb in alter Weise weiterführt, da sie, wie ihr Mann, den größten Wert darauf legt, den Charakter des kölschen Bräues zu erhalten.

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Die Schreckenskammer

Ein altes Kölner Brauhaus typischer Art ist auch die "Schreckenskammer" in der Johannisstr. 42. Ihr jetziger Inhaber ist Johann Krips, der ein ausgezeichnetes Glas Kölsch zu brauen versteht.

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Brauerei Gebr. Sünner

Zu den ältesten Brauereien von Köln-Deutz-Kalk zählt die Brauerei und Brennerei Gebrüder Sünner, die seit rund hundert Jahren im Besitz derselben Familie ist. Sie wurde 1830 gegründet von Christian Sünner in dem heute noch stark besuchten Stammhaus an der Deutzer Freiheitsstraße 3, gegenüber der ehemaligen Schiffbrücke. Im Jahre 1859 wurde die Brauerei nebst der Brennerei nach Kalk verlegt und im Laufe der Jahre zu einem der größten Unternehmen dieser Art in Köln ausgebaut. Mit der neuen Brauerei ist das stattliche Garten Restaurant "Zur Zeche" verbunden, das heute noch zu den gediegensten Gaststätten des industriellen Vorortes Kalk zu rechnen ist. Die Brauerei wird nächstes Jahr ihr 100jähriges Jubiläum festlich begehen.

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Das Turmbräu

Wiedererstanden ist in seiner alten Herrlichkeit das Turmbräu von Franz Dünwald in der Herzogstraße, Ecke Perlenpfuhl. An der Stelle des jetzigen Hauses standen um 1200 zwei Steinhäuser. Hier wohnte Theodor Sligen, braxator (Brauer), der 1277 das Anwesen von Henricus Jocus (Koch) in Erbpacht nahm, es 1278 niederlegte und an seiner Stelle ein Brauhaus mit Zubehör errichtete, in diesem Jahre, also vor 650 Jahren. Nach seinem Erstbesitzer hieß das Haus "zom Siven", bis, zum ersten Male in einer Urkunde vom Jahre 1455 auch die Bezeichnung "zo deme Toren" (zum Turme) vorkommt. Die Familie Dünwald stammt, wie ihr Name schon besagt, aus Dünwald und ist seit 1588 in den Listen der Kölner Brauerzunft nachweisbar. In der französischen Zeit war das Haus mit der Nummer 5059 im Besitz des Kaufmannes Eickel, der in Brabanter Spitzen handelte. Seit 1822 bis 1907 bestand hier ein vornehmes Weinrestaurant unter wechselnden Inhabern, seit 1876 unter Johann Heuser und dann unter Illert und Vollmer. Im Jahre 1907 erwarb Franz Dünwald das Haus und schenkte hier nach erfolgreichem Umbau "Echt Kölsch an althistorischer Stätte". Nach längerer Unterbrechung infolge der Beschlagnahmung durch die feindliche Besatzung und nachfolgender Scherereien hat Dünwald den Betrieb des "Turmbräues" in diesem Jahre wieder aufgenommen.

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Em Birbäumche

Das vor einigen Jahren wiedererstandene Ursula-Bräu "Em Birbäumche", Ursulastraße 5/7, (Besitzer Lambert Gatzweiler) kann auf eine lange, wechselreiche Geschichte zurückblicken: In Schebens Schrift: "Die Zunft der Brauer" steht eine in die Pfarrakte eingetragene Notiz, wonach die Jungfrauen Barbara und Sybilla Lommeder den Patres der Societas Jesu zu Köln "je taufend Kölnische Dahler, so gemelte Patres sollen empfangen von unserem Brauhaus bei St.Ursula gelegen vermachen". Der Vater dieser lobesamen Jungfrauen, Christian Lommeder, ist in diesem Hause Ursulastraße 5/7 geboren. Allerdings lag das Stammhaus des "Birrebäumchens" an anderer Stelle, an der Ecke Eigelstein und Mariminenstraße. Dieses Haus, "Meilach-Haus" genannt, hieß schon im 13. Jahrhundert "Zum Birrebaum" und gehörte einem altkölnischen Patriziergeschlecht. Die in ihm betriebene Brauerei zählt unter den im 15.Jahrhundert bestehenden 21 zunftmäßigen Brauereien an fünfter Stelle. Dieses alte Stammhaus des Ursulabräus wurde 1868 niedergelegt und der damalige Besitzer des Brauhauses Ursulastraße 5/7, Bardenheuer, der spätere Kommerzienrat, erwarb das Steinbild, das jetzt links am dem Eingang angebracht ist. Lange träumte er aber hofwärts. Erst 1914 erhielt es diesen Ehrenplatz. Nach Bardenheuer wurde der bekannte Brauereibesitzer Winter Eigentümer des Bräus; dessen Nachfolger in den 80er Jahren "d`r ahle Vogel". Als der hinten "en d´r Thek", noch seine "Häufcher machte" (damals gab es noch keine Registrierkasse !), war das Lokal nur halb so groß, die Fenster klein, der Boden mit Sand bestreut und die Wände verräuchert. "En ahle kölsch Kneip", wie sie so der Erinnerung aller Kölner vorschwebt. Nach dem Tode des ahlen Vogel" ging der Betrieb in die Hände seiner Kinder über. Sein jüngster Sohn, seines Zeichens Maler, verewigte sich in den heute noch vorhandenen schönen Wandmalereien. Nach dem Tode der Witwe Vogel erwarb der jetzige Besitzer Lambert Gatzweiler im Jahre 1909 das Bräu käuflich und machte aus ihm das, was es heute ist. Im Jahre 1912 nahm er eine bedeutende Erweiterung des Betriebes vor, durch Umbau und Überdachung des Hofes. Im Jahre 1922 vernichtete ein Brand, verursacht durch die Fahrlässigkeit von belgischen Besatzungstruppen, das ehemalige "Ursulabräu". Der durch den Brand notwendige Neubau von Architekt Fuß gab Veranlassung zu einer vollständigen Umgestaltung des ganzen heutigen Betriebes. Von allen Liebhabern und Verehrern eines guten Glases Kölsch ist die Gaststätte "Em Birbäumche" bevorzugt; aber auch der Feinschmecker im Gaumen kommt auf seine Rechnung. Das "Birbäumche" hält auf eine vorzügliche Speisekarte und neben ihr steht eine Likörkarte, die an Reichhaltigkeit und Güte nichts zu wünschen übrig läßt.

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Das Brauhaus F. Winter

Das Brauhaus Friedrich Winter in Köln-Lindenthal, Classen-Kappelmann-Straße 26-28, ist gegründet worden von Friedrich Winter, der zunächst 1874 das Ursulabräu (jetzt Birbäumche) übernahm und 1877 das Stammhaus Winter in der Schildergasse kaufte. Im selben Jahre erwarb er in Köln-Lindenthal große Lagerkeller in der Classen-Kappelmann-Straße, wo er dann 1887 eine jetzt mit neuzeitlichen Einrichtungen versehene Großbrauerei erbaute, die wiederholt Vergrößerungen und Erneuerungen erfuhr. Nach dem Tode des Gründers 1913 übernahm der älteste Sohn Paul Joseph Winter den Braueibetrieb, der unter seiner Leitung einen weiteren Aufschwung nahm. Ein Musterbetrieb ersten Ranges.

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Die Brauerei Zensen

Zensens Brauerei, Eintrachtstraße 94, war bei den alten Kölnern sehr bekannt unter dem Namen Matthias Dorn. Hier war Hauptstützpunkt des damaligen Verkehrs zwischen der Stadt und dem Gereonsbahnhof für Früh- und Abendschoppen. Nachdem die Brauerei verschiedene Besitzer gehabt hat, übernahm Josef Zensen, langjähriger Braumeister, 1919, das Haus; es gelang ihm in kurzer Zeit, demselben seinen alten guten Ruf wieder zu verschaffen. Durch Krankheit sah sich Zensen gezwungen, auf einen Nachfolger bedacht zu sein. Er wurde von seinen Freunden auf Ferd. Wirz, einen guten Bekannten der Kölner als langjähriger Besitzer und Gründer des Andreas-Bräues in der Komödienstraße 12, der durch den Krieg aus Köln verschlagen war, aufmerksam gemacht. Die Herren wurden bald einig, und so ist wieder ein alter Brauerstamm ins Haus Eintrachtstraße 94 eingezogen. Ein alter Kölner hat sich wieder in seiner Heimat eingefunden.

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Das Alter des Bierbrauens

Bereits im grauen Altertum wurde dem Bierbrauen eine hohe Bedeutung beigemessen. Das Bier wurde als Nahrungs-, nicht als bloßes Genußmittel, hoch eingeschätzt. An Hand authentischer Quellen ist festzustellen, daß in altbabylonischer Zeit im Euphrat- und Tigristal schon vor 8000 Jahren Bier gebraut wurde, zu dessen besonderer Würze "ein rankendes Schlinggewächs", der Hopfen, verwendet wurde. Damit war der Wunsch der ungemein fleißigen Bevölkerung, ein gesundes, kräftigendes und durstlöschendes Getränk zu bekommen, erreicht. Das Bier fand nun seinen Weg zu den indogermanischen Völkern, Armeniern und sogar bis in die Steppen Kaukasiens. Nicht zuletzt übernahmen die Ägypter von den Babyloniern die Bierbereitung schon in verbesserter Weise, eine Schrift aus dem 11.Jh. v. Chr. gibt uns eine genaue Schilderung der ägyptischen Bierbrauerei, welche sich fortwähren verbesserte. Der griechische Schriftsteller Herodot - 5.Jh.v:Chr. - sagt, daß die Ägypter sich Wein aus Gerste bereiteten; denn Reben habe es in diesem Lande nicht gegeben. Der römische Legat Dio Cassius erwähnt ebenfalls den Gerstenwein der Ägypter und sagt besonders, wenn sie diesen Gerstenwein zu sich genommen haben, sind sie lustig, singen und tanzen. Die alten Germanen brauten ebenfalls vor Chr. Geburt Bier aus Gerste, Hafer und Hirse; daß es sich um richtiges Bier handelt, wissen wir aus Aufzeichnungen römischer Schriftsteller. Allmählich entwickelte sich die germanische Bierbrauereien auch zu den Formen der Steinbrauerei, bei denen anstatt Holzgefäßen, wo eben angängig, Steingefäße in Benutzung kamen, wie eine solche Brauerei als die letzte noch bis vor dem Weltkriege in Klagenfurt, Hauptstadt von Kärnten, in Betrieb war. In Germanien wurde das Bier mit der zunehmenden Kultur immer mehr als wichtiges Nähr- und Genußmittel geschätzt und von den Ländern und Städten das Bierbrauen gefördert, so besonders in Goslar und Jena. Gleichzeitig ging man aber auch dazu über, wenn auch in milder Form, daß man, um Bier brauen zu dürfen, die Genehmigung, nachsuchen mußte. Die Genehmigung (genannt Gant), bedingte in vielen Städten auch eine Abgabe von 4 Pfg. pro Eimer. Der tatkräftige Förderer des Bierbrauens war "Karl der Große"; er schätzte das Bier sehr hoch als Nahrungsmittel ein und war immer sehr darauf bedacht, daß bei seinen Heerzügen seine Soldaten genügend Bier und Brot vorfanden. Als er 773 nach Italien gegen den Lombardenkönig Desiderius zog, ritten Boten durch die zu passierenden Gebiete voraus, welche der Bevölkerung mitteilten, sie sollte dafür sorgen, daß die Soldaten genügend Bier und Brot vorfänden; betreffend anderer Nahrungsmittel wurde nichts bestimmt. Wilhelm Greischer, Köln

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