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Brauhaus "Zur Kloog"

Brauhaus "Zur Kloog"
Brauhaus "Zur Kloog"

Am linken Rheinufer lagen, genau wie heute noch, die Gasthäuser im Schatten von St. Martin, mitten im Herzen der Kölner Altstadt dicht an dicht. Hier lagen nebeneinander auch zwei Kölsche Wirtschaften von ältester Tradition und größter Beliebtheit. Die eine, "Zur Kloog", wurde 1589, die andere, "Em Zuckerpuckel", 1651 erbaut. Eine schöne Rokokotür mit Oberlicht schmückte die Fassade des "Zuckerpuckel". Hier verkehrten "bessere Bürger" ebenso wie die Deutzer Kürassiere. Den Namen erhielt das Lokal von einer Köchin, die hier kochte und eine etwas "hohe Schulter"' hatte. Nebenan, im Brauhaus "Zur Kloog", was in der altkölschen Sprache Feuerzange bedeutet, verkehrten die Kölner Originale. Der "Maler Bock" mit dem obligatorischen "Feldblumenstrauß" in der Hand, der "Orgels-Palm" und das "Fleuten-Arnöldchen". Der Maler Bock pflegte z. B. mit seinem Blumenstrauß zum Namenstag einer vermögenden Dame anzutreten, sich ohne Einladung an den Tisch zu setzen und nach erfolgter Stärkung samt Blumen wieder zu verschwinden.

Mutter Sülzen, die Wirtin des "Zur Kloog" und seine Gönnerin, lachte nachsichtig, wenn der Maler Bock mal wieder das "Bürgerpack" und die Polizei, mit der er öfters in Konflikt geriet, laut beschimpfte. Das Brauhaus "Zur Kloog", früher auch "Zur Klugten" genannt, erscheint schon in den städtischen Steuerlisten des Jahres 1589 als Brauhaus "Zur Clucht" in der Wehrgasse. In der Häuserliste von 1630 wird es als die große und die kleine "Klogn" genannt. Am 5. Oktober 1760 erwarb der Brauer Joh. Peter Schmitz die Brauerei "Zur großen Klucht". Er ist der erste Brauer, der für dieses Haus benannt ist. Wilhelm Scheben nennt Johannes Schneider als letzten zünftigen Braumeister für das Jahr 1798. Interessant ist zu wissen, daß die Gemahlin unseres großen Dichters Schiller, Charlotte, mit Tochter Karoline, von Juli bis September 1819 "Zur Kloog" wohnte. Ein Relief im Inneren des Hauses und eine Gedenktafel an der Außenseite zeugten von dieser Zeit. Der Grund des Aufenthalts: Ihr Sohn Ernst tat als Landgerichtsassessor am Kölner Appellhof Dienst.

Die berühmte Wirtin, Mutter Sülzen, war die Witwe Anna Maria Sülzen. Sie leitete das Brauhaus von 1838 bis 1840. Ihr Nachfolger war Sohn Tilmann Sülzen bis zum Jahre 1849. Dann folgten in kurzen Abständen Jacob Frings bis 1852, Jakob Münzel bis 1855, Gottfried Jobs bis 1859, Anton Thelen bis 1861, Heinrich Anton Jobs bis 1867 und Heinrich Ludwig bis 1869.

Ab 1869 übernahm dann Otto Oedenkoven die Traditionsbrauerei und führte sie über fünfunddreißig Jahre bis 1904. Er schuf nicht nur eine der beliebtesten Hausbrauereien der Stadt, er installierte im Brauhaus "Zur Kloog" eine reiche Sammlung altkölnischer Gebrauchsgegenstände sowie eine große Bildersammlung, die das alte Köln veranschaulichte. Im Jahre 1924 wurde die Brauerei eingestellt. Der letzte Brauer war Peter Oedenkoven, dann war Schluß mit Kölschbrauen. Die Gaststätte bestand aber weiter bis 1943. Verschwunden ist diese Idylle in der Nachkriegszeit. Bei der Neugestaltung der Kölner Altstadt hatte man kein Gespür für die wirklichen Attraktionen wie die gemütlichen Brauhäuser, die besonders in den 20er und 30er Jahren die Gäste ans Rheinufer zogen. Heute werden hier Biere aus aller Herren Länder serviert, auch Kölsch. (FM)

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