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Brauhaus "Zur deutschen Schweiz"

Brau- & Brennerei von H. J. Zaudig
Brau- & Brennerei von H. J. Zaudig

Am Ende der Schildergasse und in der äußersten Nord/Ostecke des Neumarktes lag die Brau- & Brennerei von H. J. Zaudig, ein Haus das weniger wegen seinem Bier, wohl aber wegen seiner guten Schnäpse. Hier gab es keine Brautradition im Hause, wohl aber in der Umgebung. Denn nur ein paar Häuser weiter, in Richtung zum Rhein hin, befand sich bis zu seinem Abriß im Jahre 1927 das Zunfthaus der Brauer und im anschließenden Teil der Krebsgasse hatte es früher auch eine Roßmalzmühle gegeben.

Der Nachbar am Neumarkt war die "Bleche Botz", zuerst von 1640 bis 1898 Kloster, dann ein Gefängnis und danach die Paketpostannahme. Ab 1908 war hier das furchteinflößende Gebäude des kaiserlichen Polizeipräsidiums. Die erste Brauerei wurde 1859 von Conrad Strung gegründet, der hier bis 1865 braute. Dann war Ruhe bis 1872, als Hermann Joseph Zaudig seine Brau- & Brennerei eröffnete. Der klangvolle Name "Zur deutschen Schweiz" stammte von einer Likörspezialität des Hauses, dem Schweizer Kräuter-Bitter, den die Brennerei mit viel Erfolg verkaufte. Diese Kombination von Brau- und Brennerei war in Köln relativ oft anzutreffen, so stellten u. a. Hubert Esser, Conrad Vogel und heute noch die Gebr. Sünner gleichzeitig beide Produkte her. Meistens blieb die Brauerei dabei auf der Strecke. Am Neumarkt aber, in einer so exponierten Lage, war es der Bau des Polizeipräsidiums, der dem Brauhaus mit seinem von den Kölnern so geschätzten schönen Biergarten ein Ende bereitete.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die ganze Straße dem Erdboden gleichgemacht, das Polizeipräsidium zog an den Waidmarkt und an seine Stelle trat ein Bürohochhaus mit einem Groß-Kaufhaus im Erdgeschoß. Zwar werden die "Straßen-Cafés" immer beliebter, doch statt Kölsch und Korn gibt es nun hautsächlich Pizza und Cola auf der Schildergasse. - Tempora mutantur! (FM)

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