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Brauhaus "Zum Schloß Bensberg"

Brauhaus "Zum Schloß Bensberg"
Brauhaus "Zum Schloß Bensberg"

Eines der leider ebenfalls vergessenen Brauhäuser war das obergä(h)rige Brauhaus "Zum Schloß Bensberg" am Heumarkt. Das Brauhaus muß so bekannt gewesen sein, daß es der Maler Josef Stolzen es als Hintergrund zu seinem bekannten Bild mit dem galoppierenden Bierwagen auf dem Heumarkt wählte. Das Haus hieß ursprünglich "Zum Lintlaer" und danach "zum Craynboym". Es gehörte zur Pfarre St. Martin. In den Zunftakten wurde zum Ende der reichsstädtischen Zeit Johann Joseph Müller als letzter zünftiger Brauer genannt. Hier erscheint auch zum ersten Male der Brauhausname "Zum Schloß Bensberg", wobei es sich bei dem Namensgeber um das große kurfürstliche Schloß im benachbarten Bensberg handelte. Im Brauerregister wird es im Jahre 1838 von dem Brauer Heinrich Hagen betrieben, der hier bis 1840 blieb. Ihm folgte Joseph Schuhmacher bis 1849.

Anschließend braute hier Wilhelm Kleefisch aus der bekannten Kölner Brauerfamilie. Er betrieb das Brauhaus am Heumarkt dreiundzwanzig Jahre bis 1872. Dann braute Joseph Strunk von 1872 bis 1879 im "Zum Schloß Bensberg". Theodor Schneider blieb nur ein Jahr. Als letzter Brauer im obergährigen Brauhaus "Zum Schloß Bensberg" machte Arnold Nießen im Jahre 1881 "das Licht aus". Wieder hatte, wie so oft in dieser Zeit, eines der bekannten Kölner Brauhäuser aufgegeben. Doch seine exponierte Lage half ihm wieder schnell auf die Beine. Das frühere Brauhaus wurde nun zu einem anspruchsvollen Hotel-Restaurant umfunktioniert, da der Rheintourismus, besonders hier in Ufernähe an der alten Schiffsbrücke, als aufblühender Wirtschaftsfaktor immer interessanter wurde. Die Rheindampfer legten ganz in der Nähe an und spülten rhein- und weinselige Gäste fast bis vor die Theke. Im ehemaligen Brauhaus aß und trank man jetzt von weiß gedeckten Tischen und an den Wänden zierten exotische Jagdtrophäen "stilvoll" das Lokal. Auch sonst war es nicht typisch "kölsch", sondern eher dem Geschmack der Touristen angepaßt. Die Köbesse wurden durch "Ober" ersetzt. Der Heumarkt als Endhaltestelle der rechtsrheinischen Vorortbahnen sorgte für zusätzliche Kundschaft. In den 20er und 30er Jahren trank man hier statt Kölsch lieber Dortmunder Union Bier, dem allgemeinen Geschmack entsprechend. Das Haus geriet in den Besitz einer großen Dortmunder Brauerei.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus durch Brandbomben zerstört, nach 1945 in einen größeren Gebäudekomplex integriert. Im Keller etablierte sich wieder eine ganz besondere Art "Erlebnisgastronomie", die eine Zeitlang die Nachtschwärmer und ihre Beute anlockte. Heute ist es hier ruhig geworden und im benachbarten Steakhaus sieht man Familien und Touristen-Gruppen beim Essen. Die Neugestaltung des Heumarkt, die jetzt zum Abschluß kommt, wird hoffentlich die Attraktivität und den gastronomischen Standard dieser Gegend wieder beleben. (FM)

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