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Brauhaus "Zum Bart"

Brauhaus "Zum Bart"
Brauhaus "Zum Bart"

Seit dem Mittelalter reichte der Immunbezirk des Kölner Erzbischofs, die "Hacht", von "Unter Fettenhennen" im Westen, bis zur Straße "Auf dem Brand". Zwischen Domchor und Rheinufer lag der erzbischöfliche Tier- und Krautgarten - also ein Klein-Zoo mit Gemüseabteilung. Dahinter, zum Rhein hin, begann dann wieder das pralle städtische Leben. Grenze zwischen erzbischöflichem exterritorialem Herrschaftsgebiet und dem Teil, der dem Rat der Stadt unterstand, war die Straße "Auf dem Brand". Hier, In dieser kleinsten und engsten Gasse der Stadt, stand eine der ältesten und bedeutendsten Kölner Hausbrauereien. Der Name der Straße "Auf dem Brand" bleibt weitgehend im Dunkeln, die Deutungen sind vage und unbestimmt. Mal werden Brandkatastrophen als Ursprung genannt, mal der Umstand, daß hier die Äpfel aus dem nahen erzbischöflichen Obstgarten zu Schnaps gebrannt wurden. Beide Deutungen sind historisch nicht belegt, aber doch denkbar.

Schon 1412 erscheint das Brauhaus "Zum Bart" in der Liste der 21 Zunftbrauereien, welche Biersteuer zahlten. In der reichsstädtischen Zeit ist das Brauhaus zeitweilig ins Gerede gekommen, denn damals hieß es noch "Schapellenhaus", was so viel wie Kapellenhaus heißt. Den Ärger gab es im Jahre 1598, als der Brauer Zapp aus dem Brauhaus auszog und in die Thieboldsgasse übersiedeln wollte, um dort eine neue Brauerei zu eröffnen. Da aber das Braurecht juristisch an das Haus und nicht an den Brauer vergeben war, verstieß er damit gegen das Gesetz. Er erhielt deshalb auch prompt eine Strafe von zwanzig Goldgulden, was eine für damalige Zeit ungeheure Summe war. Auch der Name des letzten Zunftbrauers vor dem Ende der Zünfte ist bekannt: Es war der Brauer Anton Jonen, der 1798 als Meister im "Zum Bart" genannt ist. Die Franzosen unter Napoleon hatten bekanntlich das alte Zunftsystem abgeschafft und die Gewerbefreiheit eingeführt. Allerdings hat sich in Köln bis heute eine gewisse Art von Brauerzunft erhalten, die unsichtbar und ohne großes Aufheben die Brauerszene beherrscht. Man könnte es eine Art "Brauer-Klüngel" nennen - in kollegialer Form natürlich. 1838 steht als Besitzer des Brauhauses "Zum Bart" im Brauer-Register der Name des Brauers Johann Peter Maaßen und nach seinem Tode der seiner Ehefrau Anna Barbara. Sie führten den "Zum Bart" bis 1844. Dann folgte der Brauer Joseph Frings bis 1852 und nach diesem in kurzen Abständen bis 1863 die Brauer Gottfried Jobs und Christian Richter.

Die Familie Joosten führte - in verschiedenen Gesellschaftsformen - das Brauhaus dann bis 1881. Die Gebrüder Joosten übernahmen später den "Prinz Eugenius" in der Sternengasse. Dazwischen betrieben in kurzen Abständen die Brauer Hymanns und Rommerskirchen die Brauerei. von 1887 bis 1903 übernahm sie der rührige Brauer Heinrich Kappes. Er richtete im Vorderhaus die "Altkölnische Bierstube" ein, die durch ihre tausend Altertümchen und Kuriositäten in der Kölner Gastronomie eine Art Berühmtheit erlangte. Neben Statuen und Krügen waren es vor allem die Bilder, die dem ganzen Haus eine bestimmte Atmosphäre gaben. Leider übernahm der letzte Besitzer, August Klöters, diese Raritätensammlung nicht. So verlor die Altstadt eine ihrer Attraktionen. Der Braubetrieb wurde im Jahre 1917 eingestellt. Das Brauhaus bestand dann nur als Gaststätte weiter bis 1932. Das Brauhaus "Zum Bart" besaß eine sechs Fenster breite Fassade mit einem Doppelportal im klassizistischen Stil, das aber wegen der Enge der Gasse nie so richtig zur Geltung kam.

Apropos Attraktionen: Vor dem Zweiten Weltkrieg war die benachbarte Kammachergasse Kölns "Bordellgasse Nummer eins". Im Schatten des Domes unter den Augen des Erzbischofs war damals hier die Sünde der Unzucht zu Hause. Das Viertel unterhalb der Kathedrale hatte deshalb nicht den besten Ruf. Krieg und Zerstörung schufen dann allerdings eine völlig neue Sauberkeit in dieser Gegend. Heute befindet sich an der Stelle des Brauhauses "Zum Bart" die Einfahrt zur Garage des Hotels Mondial. Der einstige Charakter dieser früher so quirligen Altstadtgasse ist allerdings nie mehr zurückgekehrt." Altstadt ist heute mehr ein kölsches "Disneyland" geworden, in dem nur garantiert saubere Unterhaltung geboten wird. (FM)

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