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Brauhaus "Im St. Peter"

Brauhaus "Im St. Peter"
Brauhaus "Im St. Peter"

Eine weitere altehrwürdige Kölner Straße der Stadt, welche durch die Zerstörungen des Bombenkrieges völlig ihre Bedeutung verloren hat, ist die ehemals bedeutende Sternengasse. Auch beim Wiederaufbau geriet sie mehr oder weniger ins Abseits. Durch den Bau der Nord-Süd-Fahrt wurde sie nicht nur halbiert, die abgetrennte Hälfte wurde auch umbenannt. Aus einer Straße von historischem Weltniveau wurde ein Rumpfgäßchen. Einst war die Sternengasse im wahrsten Sinne des Wortes eine Straße der Stars. Hier verlebte die französische Königin Maria von Medici ihre letzten Lebensjahre, der Maler Peter Paul Rubens seine ersten. Hier wohnte vorübergehend Goethe. Der Dichterfürst residierte im 1900 abgebrochenen Haus der berühmten Kaufmanns Familie Jabach (Nr. 25/25a) Er pries sein Domizil in "Dichtung und Wahrheit", und war "überwältigt von den Eindrücken". Immerhin schmückten den Saal im Erdgeschoß Sterngewölbe, und das Altarbild in der Hauskapelle war ein echter Dürer. Im Hause Nr. 22 wurde der Maler Wilhelm Leibl, Sohn des Domkapellmeisters Carl Leibl, geboren. In diesem Haus gab Beethoven als Siebenjähriger ein Konzert.

Die erste Nachricht über Brauen in der Sternengasse findet man in einem Ratserlaß aus dem Jahre 1412. Unter den 21 Zunftbrauereien findet sich auch das Brauhaus "Zu den Bretzen", das spätere "Im St. Peter". Sich vorzustellen, daß es in der Sternengasse einmal sechs Brauhäuser gab, fällt einem heute schwer, wenn man von der Hohe Pforte in Richtung Fleischmengergasse geht.

Die Brauerei "Im St. Peter" war in einem Doppelhaus mit zwei Stufengiebeln etabliert. Der Name "St. Pitter" stammte von der nahegelegenen Pfarrkirche St. Peter. Zuvor hieß das Haus eine Zeitlang "Zum roten Ochsen". Die Brauerei wurde 1838 zum ersten Mal im Brauereiregister genannt. Der Brauer hieß Johann Michael Tinner und er begann das alte Brauhaus zu modernisieren. Das trieb solche kuriosen Blüten, daß man zu Kühlzwecken auf dem Dach der Brauerei einen Weiher anlegte, auf dem die Gäste Kahn fahren konnten. Doch die Modernisierung schien seine Möglichkeiten erschöpft zu haben, denn 1839 übernahm Franz Reimann die Brauerei bis 1841. Dann folgte Gerhard Klever bis 1844 und Heinrich Schulte bis 1849.

Von 1849-1857 betrieb Johann Jakob Wieland die Brauerei, von 1857-1863 Jean Maaßen. Dann brachte der Brauer Friedrich Schieffer für fast zwanzig Jahre bis 1882 wieder etwas "Ruhe ins Schiff". Auch sein Nachfolger Wilhelm Felten gab dem Unternehmen bis 1901 weitere Stabilität. Er benannte das Brauhaus "Im St. Peter" und hatte in der Stadt bei Gästen und Kollegen einen ausgezeichneten Ruf. Das neue Jahr hundert brachte auch neue Konstellationen, die Brauerei nannte sich von 1901 bis 1904 St. Peter Brauerei AG, dann wieder bis 1907 Brauerei Friedrich Wilhelm Müller und anschließend bis 1911 St. Peter-Brauerei mbH. Innerhalb von knapp 100 Jahren versuchten zwölf Brauer ihr Glück mit mehr oder weniger Erfolg "lm St. Peter". Der letzte - Franz Althoven - gab 1928 die Bierbrauerei auf. Danach war das obergärige Brauhaus nur noch Gaststätte, wenn auch eine beliebte. Mit dem Glanz der Sternengasse verschwanden auch einige Sterne am Kölner Bierhimmel. - Schade ! (FM)

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