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Brauhaus "Im roten Ochsen"

Brauhaus "Im roten Ochsen"
Brauhaus "Im roten Ochsen"

Direkt hinter der alten Stadtmauer am Rhein lag am Thurnmarkt das Brauhaus "lm roten Ochsen", an derselben Stelle, wo sich auch heute noch eine Gaststätte gleichen Namens befindet. Der nördliche Teil der Straße, wo heute das Hotel Maritim steht, war begrenzt durch den Knit-(Kreide) Markt und der südliche Teil durch den Holzmarkt. Zum Rhein hin bildete Am Leystapel die Begrenzung. Die Zeiten, in denen hier im Hotel "Heilig Geist" Goethe und andere Geistesgrößen logierten, änderten sich, als die Großmarkthalle an den Heumarkt verlegt wurde. In der Straße hatten zur reichsstädtischen Zeit noch weitere zwei Brauhäuser existiert, das Brauhaus "Zum Hufeisen" im Haus Nr. 54 und "Zum wilden Mann am Thornmarkt" im Haus Nr. 18.

Dieses Altstadt-Bräues hatte keine spektakuläre Vergangenheit, war aber immer ein zünftiges Brauhaus gewesen. So war es auch in der Liste der Brauhäuser, die 1798 durch Napoleon in die Gewerbefreiheit entlassen wurde. sein letzter "zünftiger" Brauer hieß Johann Georg Vogel. Ab 1838, zu Beginn der preußischen Zeit, führte Josef Much bis 1849 und nach seinem Tode die Witwe Lucia Much bis 1852 die Brauerei. Dann übernahm Franz Schnitzler bis 1863 und gab an Hubert Strauß im Jahre 1867 ab. Ihm folgt Balthasar Reinold bis 1874 und nach seinem Tode seine Witwe bis 1875. An dieser Stelle seien einmal die tapferen Brauersfrauen lobend erwähnt, die- mal kürzer mal länger- nach dem Tode ihrer Ehegatten die Leitung der Brauereien übernahmen und sie oftmals mit Hilfe treuer Braumeister in die nächste Generation retteten.

Dann übernahm die Brauerfamilie Basten das Brauhaus "lm roten Ochsen".  Zuerst der Vater Peter Wilhelm Basten bis 1880 und danach sein Sohn Peter Michael Basten bis 1883. Dieser wechselte dann im Rheinviertel mehrfach seine Unternehmen. Zuerst erwarb er den "Halben Mond" auf dem Rothenberg und später (1886) das Brauhaus "Zum Rothenberg"  in der gleichnamigen Straße (bis 1892). Nach der Familie Basten übernahm die Brauerfamilie Baum den Betrieb "Em ruhde Ooß" am Thurnmarkt 11-13. Nachdem zuerst der Vater Mathias Baum, der zuvor das Brauhaus Getz ("Em halve Mond") an der Thieboldsgasse geführt hatte, bis 1912 die Brauerei leitete, übernahm sein Sohn Peter Baum für ein Jahre das Brauhaus.

Seit den gewaltigen Veränderungen im Markthallenviertel nach der Jahrhundertwende ging dort der Verkehr durch die vielen Baumaßnahmen zunächst stark zurück, so daß der Sohn Peter nach dem 1912 erfolgten Tode seines Vater das ehemalige "Stavenbräu" von Odenthal am Eigelstein kaufte und zu einer echt Kölnischen Hausbrauerei, dem "Kölschen Boor" ausgestaltete. Das Brauhaus am Thurnmarkt übernahm dann 1913 der Brauer Wilhelm Creischer, der das inzwischen wieder florierende Haus am Rheinufer aber nur als Absatzstätte für sein Bier aus der Barbarossa-Brauerei benutzen wollte.

Die Rohstoffschwierigkeiten im Ersten Weltkrieg taten ein übriges und so wurde die alte Hausbrauerei im Jahre 1916 geschlossen. Sie bestand aber als Gaststätte im Markthallenviertel weiter und besaß als Brauhaus nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört und nachdem es in den 60er Jahren wieder aufgebaut worden war, existierte hier eine Zeit lang ein etwas "gemischtes Publikum". Nach der Sanierung des Viertels, dem Ausbau der Rheinpromenade und dem Bau des Hotels Maritim hat sich die Gegend wieder erholt und etwas von dem alten Glanz zurückgewonnen. (FM)

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