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Brauerei Heinrich Kolter

Brauerei Heinrich Kolter

Gegenüber dem vielbesungenen Dreikönigenpförtchen, durch das einst Gebeine der drei Weisen aus dem Morgenlande in die Stadt Köln gebracht worden sein sollen, befindet sich der Marienplatz. Im Schatten der Kirche St Maria im Kapitol hat sich bis heute eine die Oase erhalten, die etwas von der idyllischen Atmosphäre ausstrahlt, die zu Zeiten der Existenz des Brauhauses "Heinrich Kolter Wwe." hier geherrscht hat. Über die Gebäude am Platz weiß man, dank der alten Katasterbücher der Stadt Köln genau Bescheid. So zum Beispiel, daß am Marienplatz um 1200 ein Haus stand, welches damals von Wolbero Wolprumen an Walter von Aachen verkauft worden ist. Später hieß es "Zur neuen Türe" und kam Ende des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Familie "Zum Horne". Im Jahre 1425 hat Beylgin, die Witwe des Frank vom Horne, das Haus an die Stadt Köln verkauft. Die Stadt verkaufte das Haus aber 1543 wieder an einen gewissen Pfingsthoven aus Mainz, der 1549 noch das anstoßende Haus "Jülich" am Mühlenbach hinzu erwarb.

Dort befand sich das alte Brauhaus am Marienplatz. Es besaß einen Treppenturm und einen Obergeschoßsaal mit reich verzierter Stuckdecke. Seine Geschichte reicht bis in das Jahr 1425. In Keussens "Topographie der Stadt Köln" finden wir an dieser Stelle ein Gruithaus, also ein Haus, in dem die Bierwürze hergestellt wurde. Sehr wahrscheinlich war dies das Ursprungshaus der späteren Brauerei.

Am Mühlenbach, dort also, wo der Duffesbach den Rhein erreichte, siedelten im Mittelalter hochherrschaftliche Kölner von Einfluß und Rang. Außerdem unterhielten auswärtige Klöster hier ihre Stadthöfe, wie den Marienstadter und den Himmeroder Hof. Auch die Familie Overstolz hatte hier einen Besitz. Der Chronist Ernst Weyden beschreibt für die napoleonische Zeit einen auffälligen Kontrast am Mühlenbach: "Auf der einen Seite, zur alten Römermauer hin, noch das mittelalterliche Köln mit uralten Häusern und Häuschen", auf der anderen Seite "Wohlstand verkündende Wohnungen von Kaufherren". In der Mitte dazwischen der Duffesbach, damals noch in einer offenen, gemauerten Rinne, als "Kloake der ganzen Nachbarschaft".

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In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das alte Haus am Marienplatz abgerissen und ein neues gebaut. Im Jahre 1865 errichtete Jean Maaßen in demselben eine Bierbrauerei und Wirtschaft, die er zehn Jahre lang bis 1875 betrieb. Nach ihm übernahm der Brauer Hermann Wirtz die Brauerei bis 1879. Die nächsten Jahre bis 1887 braute Hans Hermann Fink hier Bier und nach ihm der Brauer Moemesheim bis 1892. Dann wurde das Brauhaus von Heinrich Kolter übernommen. Die Bierbrauerei Heinrich Kolter am Marienplatz 24 und am Mühlenbach 49-51, war damals wegen ihres guten Kölschs und ihrer vorzüglichen Speisen stadtbekannt.

Seit 1906, nach dem Tode Heinrich Kolters, führte seine Witwe den Betrieb bis zur Zerstörung des Hauses im Jahre 1944. Das waren achtunddreißig Jahre beste Kölner Brauhaus-Tradition. Ihr Schwiegersohn Joseph Maier hatte die ganze Brauerei modernisiert, neue Eismaschinen und eiserne Tanks aufgestellt sowie das Sudhaus neu eingerichtet, um auch auswärtige Kunden bedienen zu können. Das Innere des Brauhauses, welches die beiden Häuser am Marienplatz und am Mühlenbach verband befand sich ein gemütliches Kölner Brauhaus mit allen Accessoires, die ein solches Ambiente erforderte.

Nach dem Kriege verlegte die letzte Eigentümerin, die Witwe Heinrich Kolter, die Brauerei auf die Ehrenstraße und übernahm dort das bekannte Brauhaus "Zum Kaiser". Am Mühlenbach und am Marienplatz stehen heute moderne Wohnbauten. Der ehemals idyllische Platz ist etwas nüchterner geworden und wäre da nicht das benachbarte Dreikönigspförtchen, er wäre bestimmt nicht mehr wiederzuerkennen. Keine Spur mehr vom hochherrschaftlichem Glanz und der alten Brauerherrlichkeit. (FM)

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