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Brauerei "Hahnenbräu"

Brauerei "Hahnenbräu"

Der Straßendurchbruch vom Neumarkt zum Hahnentor in den 30er Jahren half zwar den Durchgangsverkehr flüssiger zu gestalten, war aber das Ende der alten Hahnenstraße und somit auch des "Hahnenbräu". Denn in dieser ehemals wichtigsten Torstraße des alten Köln lag, wenn man vom altehrwürdigen Hahnentor her das Stadtinnere betritt, gleich rechts - Nr. 43 - ein Brauhaus, dem man in der sonst unschönen modernen Häuserflucht schon von weitem seine alte gediegene Behäbigkeit ansah: das bei Kölnern und Auswärtigen seit langen Jahrzehnten beliebte "Hahnenbräu". Das Haus befand sich im oberen Teil der Hahnenstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen hier die Hahnentor-Lichtspiele, das erste Kölner Großkino nach 1945, welches 1986 abgerissen wurde um dem neuen Hauptgebäude der Stadtsparkasse Platz zu machen.

Die alte Hahnenstraße verlief vom Anfang der Straße Am Rinkenpfuhl schräg hinüber in Richtung der Hahnentorburg. Hier lagen ebenfalls die Brauhäuser "St. Peter", "lm wilden Mann", "Zum Tolles" (zum Zollhaus) und "Zum Kaiser". Das letztere, Nr. 43, nannte sich später "Hahnenbräu". Es war ein Doppelhaus mit zwei schönen Giebeln und einem spitzen Dach. Den geschnitzten Kranbalken schmückte eine Mannsfigur mit einem malerisch drapierten Mantel. Das breit gelagerte Haus mit seinem Doppelgiebel stammte aus dem 18. Jahrhundert, seine Braugeschichte war allerdings bedeutend älter. Seit dem 14. Jahrhundert lag hier der Besitz der Familie Hardefust.

Die alte Hahnenstraße war eine wichtige Ausfallstraße zur Hahnenpforte, dem Tor nach Westen in Richtung Aachen, Lüttich und Brüssel. Aber auch zum Friedhof Melaten, zu dem - am "Hahnenbräu" vorbei - bis Ende des letzten Jahrhunderts die meisten Leichenzüge gingen. Deshalb nannte man das Brauhaus im Volksmund auch den "Leichenbräu". Denn anschließend an die Beerdigungen wurde hier auf dem Rückweg vom Melaten-Friedhof nach alter Väter Sitte "das Fell versoffen".

Gegründet wurde die Brauerei im Jahre 1822. Im Jahre 1815 hat Michael Joseph Frantzen seine gegenüber gelegene, seit 1560 bestehende Bierbrauerei hierhin verlegt, die im Jahre 1838 von Franz Conzen übernommen wurde. Dieser führte die Brauerei bis zum Jahre 1872. Dann übernahm sein Sohn Ambrosius Conzen den Betrieb und braute hier bis 1895. Ambrosius Conzen war viele Jahre lang Vorsitzender der ehrwürdigen St. Peter von Malland Brauer-Bruderschaft. Ihm folgten von 1895 bis 1905 der Brauer Matthias Heinrich Abels und von 1905 bis 1918 Peter Josef Maaßen. Seit 1918 war Paul Peter Besitzer des "Hahnenbräu", den er nach erfolgtem durchgreifendem Umbau im alten Sinne, aber in moderner Form weiterführte. Das Haus war besonders bei den großen Kölner Vereinen ebenso angesehen wie beliebt. Sein Bier und seine Küche waren als ganz vorzüglich bekannt. Seit der Jahrhundertwende besaß das Brauhaus auch einen schönen Biergarten. Der letzte Brauer des alten "Hahnenbräu" hieß Paul Peter. Im Jahre 1934 wurde der Braubetrieb eingestellt und das Haus wegen der Verbreiterung der Hahnenstraße abgerissen. Der "Hahnenbräu" übersiedelte bis zu seiner Zerstörung im Jahre 1944 zum Rudolfplatz.

1952 wurde er auch am Rudolfplatz wiedereröffnet und existierte hier als Gaststätte noch bis 1958. Heute befindet sich dort ein Fast-Food-Restaurant. Vom "Halven Hahn" zum "Big Mäc" - was für eine gastronomische Karriere. (FM)

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