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Brauerei "Em ruude Bräues"

Brauerei "Em ruude Bräues"

Eine der wichtigsten Klosterkirchen in Köln war das hochvornehme Damenstift St. Maria im Kapitol. Von der Stiefmutter Karl Martells (689-741) gegründet, wurde die Klosteranlage immer weiter ausgebaut. Hier lebten seit den Zeiten des Erzbischofs Bruno, er "regierte" von 953 bis 965, Benediktinerinnen. Ursprünglich wurde das Kloster wegen der weißen Gewänder der adeligen Nonnen allgemein "Zu den Veelen bei den Weißen Frauen" genannt. Die "Veelen" waren die weißen Schleier, welche die Nonnen trugen. Seit etwa 1840 trägt das Brauhaus seinen späteren Namen "Em rude Bräues".

Das Haus "Zu den Veelen" ist geschichtlich bis zum Jahre 1272 zurückzuverfolgen. Als Brauhaus datiert die älteste urkundliche Nachricht, die wir kennen - das "Bruwehuys zo der Veelen by den Wyssenvrauwen" - aus dem Jahre 1379. Hier wird in einer Urkunde das Brauhaus "Zu den Veelen" erwähnt. In der Biersteuerliste von 1412 findet man ebenfalls den Namen des Brauhauses "Zu den Veelen" auf dem Blaubach.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts, bevor die Zünfte durch Napoleon aufgelöst wurden, war Johann Wolf, Brauer und Bürgerhauptmann, Besitzer des Brauhauses. Im Jahre 1838 findet man im Brauerregister Jacob Küchenberg, der hier bis 1844 braute. Im selben Jahr, bei der Übernahme des Betriebes gab der damalige Brauer Peter Joseph Barden ihm den Namen "Zum roten Brauhaus", später "Em rude Bräues". Von ihm kaufte Peter Josef Busbach das Brauhaus, der es bis 1865 leitete. Nach seinem Tode übernahm seine Witwe die Brauerei und führte sie fast zwanzig Jahre bis zum Jahre 1888. Heinrich Welter, bis 1905 und Peter Unkel jun. bis 1911waren die folgenden Eigentümer.

Seit 1795 haben 9 Bierbrauer das Brauhaus inne gehabt, zuletzt, seit 1911, Jean Pütz, dessen Witwe seit dessen Tode den Betrieb in alter Weise weiterführte, da sie, wie ihr Mann, den größten Wert darauf legte, den Charakter des Kölschen Bräues zu erhalten. 1924 übernahm die Familie Jean Pütz die Brauerei und führte sie bis zur Schließung im Jahre 1942. Der Sohn des letzten Braumeisters heißt ebenfalls Jean Pütz und ist vielen aus dem Fernsehen bekannt. Er hat zwar auch Bier gebraut, aber nur in seiner TV-Sendung "Hobbythek". Leider verlor die Gegend am Blaubach nach der Zerstörung im letzten Kriege und dem folgenden Wiederaufbau total ihren Charakter. Auch vom Haus "Em rude Bräues" blieb keine Spur. Ein Grund mehr für diese Zeilen. Nur ein paar Häuser entfernt, am Blaubach 4, wohnte auch der Chronist und Ratsherr Hermann von Weinsberg, der im 16. Jahrhundert die Situation speziell in diesem Stadtteil detailgetreu beschrieben hat. Die Inneneinrichtung war einfach, aber gediegen, was dem Brauhaus einen soliden bürgerlichen Kundenstamm bescherte. (FM)

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