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Zeigen, wat de Butter kost! "Kölsch Geld"

Das Geld hat zu allen Zeiten im Leben der Menschen eine große Rolle gespielt. Das wissen wir aus vielen Sprichwörtern und Volksweisheiten. Das ist und war auch besonders in Köln so, da die Stadt schon seit der Römerzeit einer der wichtigsten Geld und Handelsplätze im Europa nördlich der Alpen war und heute sicherlich noch ist. Grund genug, der Geschichte des Geldes hier am Rhein einmal nachzugehen.

Die ersten, welche die Macht am Rhein ausübten, waren die Kelten, die zwischen Osteuropa und dem heutigen Ostfrankreich siedelten. Ihnen folgten am Rheinufer die Stämme der germanischen Ubier, die den Mittelrhein besiedelten. Sie prägten bereits Bronzemünzen, von denen einige beim Bau des Hotels Excelsior im Jahre 1909 gefunden wurden. (Gerd Biegel: "Geld aus Köln", Stadtsparkasse 1979). Diese wahrscheinlich im hiesigen Raum geprägten Geldstücke können als die ersten Kölner Zahlungsmittel angesehen werden.

Als die Römer 50 n. Chr. Köln zu ihrer Stadt machten, waren es die in der Colonia Agrippina geprägten Münzen, die mit den entsprechenden Kaiserbildnissen versehen als Währung galten. Außer in Köln wurden nur noch im römischen Trier Münzen geprägt. Das weltläufige römische Geldsystem kannte sowohl Gold und Silber, als auch Kupfermünzen. Die erste in Köln geprägte römische Münze ist die Goldmünze des römischen Kaisers Postumus (263 n. Chr.).

Im 5. Jahrhundert verdrängten die germanischen Franken die Römer und mit ihnen ihr raffiniertes Geldgefüge. Es dauerte Jahrhunderte, bis in Köln wieder Geld geprägt wurde, und zwar nur in Gold. Das berühmteste Stück ist ein Goldstück mit dem Bild des Frankenkönigs Theudebert (534 548 n. Chr.). Diese Prägung zeigte zwar weniger die handwerkliche Eleganz römischer Münzen, dafür aber mehr Macht und Selbstbewusstsein der fränkischen Könige. Köln auf dem Sprung von der Antike ins Mittelalter. Kaiser Karl der Große schaffte die im Laufe der Jahrhunderte heruntergewirtschaftete Goldwährung ab und forcierte die bereits von seinem Vater eingeführte Silberwährung. Er benötigte in seinem großräumigen Reich mehr und mehr kleinere Zahlungsmittel. Seinem ausgeprägten Organisationstalent und Ordnungssinn entsprach auch eine genaue Festlegung von Wert und Volumen des Geldes. Ein Pfund Silber sollte 240 sogenannte Pfennige beinhalten nicht mehr und nicht weniger. Also quasi "Auf den Pfennig genau".

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Den umfangreichen Aufzeichnungen aus seiner Zeit entnehmen wir zwar noch nicht "wat de Butter kost", aber immerhin schon was 10 kg Roggenbrot kosten, nämlich 1 Silberpfennig; ein Schwein je nach Größe zwischen 4 und 12 Pfennig (Bernd Sprenger: "Zwei Jahrtausende Kölner Geldgeschichte", Die Bank 10/88). Die Mönche des Kaisers führten über fast alles Buch. So wissen wir auch, dass ein Landarbeiter 1/2 Pfennig pro Tag verdiente, also den Wert von 5 kg Brot. Da zu jener Zeit Brot und Bier aus demselben Rohstoff hergestellt wurden, ist anzunehmen, dass der eine oder andere Sack Korn auch zu flüssigem Brot wurde.

Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert wurden in Köln Silberpfennige geprägt. Sie waren als "Denarius Coloniensis" eine von Osteuropa bis in den Mittelmeerraum gültige Währung. Die Kölner Münzstätte sie stand auf dem Heumarkt war die wichtigste im ganzen deutschen Reich. Um beim Sprichwort zu bleiben: "(Kölsch) Geld regiert(e) die Welt". Im 12. und 13. Jahrhundert wurden nun auch kleinere Münzen hergestellt. 1/2 und 1/4 Pfennige wurden im immer stärker wachsenden städtischen Alltagshandel notwendig. 1 kg Brot kostete 1/4 Pfennig.

Die Schlacht von Worringen im Jahre 1288 wurde zwar gewonnen, das Münzrecht der Stadt ging dagegen verloren. Die Kölner Erzbischöfe aus der Stadt vertrieben prägten ihre eigenen Münzen nun in Deutz und Bonn. Gold war wieder "in". Die Gulden sie hatten den Wert von 20 Pfennigen wogen 4 g Gold.

1474 erhielt Köln vom deutschen Kaiser Friedrich 111. das Münzrecht zurück. Im Verein mit anderen rheinischen Fürsten und Erzbischöfen brachte die Stadt den Rheinischen Gulden in Umlauf. Er war die wichtigste Zahlungseinheit im Spätmittelalter in Deutschland und diente hauptsächlich zur Zahlung von großen Rechnungsbeträgen zu vergleichen etwa mit unserem heutigen 500 DM-Schein.

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Der Anstieg des Handels erforderte immer größere Mengen an Goldmünzen, doch die Kölner Prägungen gingen vom 16. 18. Jahrhundert ständig zurück. Man prägte Silbertaler und Kleinmünzen, sogenannte Albusstücke. Silbermünzen zu 8, 4 und 2 Albus. Für ein Pfund Fleisch oder 1 kg Brot zahlte man 2 Albus.

Doch noch einmal geriet Köln in die Schlagzeilen der Finanzwelt. 1706 wurde hier das erste deutsche Papiergeld herausgebracht. Der Kurfürst von der Pfalz, der Herzog von Jülich-Berg, immer etwas knapp bei Kasse ("Wer den Pfennig nicht ehrt, ..."), gründete in Köln eine Notenbank; die "Banco di gyro d'affraneatione", ein Unternehmen, das 50 Jahre später lediglich ein Drittel der Einlagen zurückzahlte ("Papier ist geduldig").

Eine Besonderheit des Kölner Münzwesen waren die Ratszeichen, d.h. Münzen, welche an die Ratsherren als Aufwandsentschädigung ausgegeben wurden. Pro Münze erhielt man 2 Liter Ratswein. "Diät(en)wein" könnte man sagen. 1793 wurde die letzte Kölner Münze geprägt: eine kleine Kupfermünze - sozusagen der "letzte Heller". 1797 wurde die Münzstätte von den französischen Revolutionstruppen geschlossen. Sie hatten 1789 ebenfalls Papiergeld eingeführt, die Assignaten. Die machten so manchen Kölner zum armen Mann.

Nach dem Sturz Napoleons und den folgenden Befreiungskriegen kam die Stadt Köln zu Preußen. Keine Liebesheirat, wie viele Kölner Bürger meinten, Die Preußen brachten ihre deutsche Währung mit: den Taler, der 3 Mark wert war, und die Mark zu 100 Pfennig.

In A.C. Greven's "Illustrierter Führer durch Köln und Umgegend" aus dem Jahre 1888 finden wir einige interessante Preise aus dieser Zeit. So kostete zum Beispiel:

  • Eintritt in Zoo und Flora je 1 Mark, Kinder und Soldaten natürlich die Hälfte,
  • Dombesteigung ebenfalls 1 Mark
  • Hohenstaufenbad, Rathaus- und Gürzenichbesichtigung je 50 Pfennig,
  • Besichtigung von Castan's Panoptikum (Schreckenskammer) - kostete 50 Pfennig,
  • Eisenbahnfahrt vom Centralbahnhof zum Bahnhof Deutz 40 Pfennig,
  • Dampferfahrt zum beliebten Ausflugsort Marienburg hin und zurück 35 Pfennig.

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Auch die leiblichen Genüsse des Lebens waren auch damals nicht gerade billig. Auf einer Speisenkarte der Bierbrauerei PÄFFGEN finden sich folgende Preise:

  • Halven Hahn 10 Pfg
  • Schnittchen Schinken 20 Pfg
  • Sauerbraten 40 Pfg
  • Rohes Beefsteak mit Ei 50 Pfg
  • Hämmchen mit Sauerkraut und Kartoffelpüree 70 Pfg

Im Hotel Fränkischer Hof, Komödienstraße 34/36, kostete

  • Logis mit Frühstück MK 2,75.

In der Kölschen Wirtschaft kostete

  • das Glas Wieß, wie damals Kölsch allgemein hieß, im Durchschnitt 10 Pfg.

Im privaten Postverkehr innerhalb Kölns kostete

  • ein normaler Brief 2 Pfg. Porto,
  • Einschreiben 10 Pfg.

Für 2 Mark konnte man zu 3 Personen mit der Pferdekutsehe durch die Innenstadt und nach Deutz fahren (inklusive Brückenzoll).

Zu den teuren Dingen des Lebens gehörte eine Konzertkarte im Gürzenich, denn die kostete stolze 5 Mark (Galerie 2 Mark).

Dem Kaiserreich folgte die Republik mit Inflation und astronomischen Geldsummen. In dieser Zeit (1923) gab es auch das letzte "Kölner (Not-) Geld"; eine Banknote im Wert von hundert Billionen Mark. Unterzeichnet war das Notgeld vom damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer, gedruckt wurde es bei J. P. Bachem. Ein Jahr später wurde das Inflationsgeld zum Kurs von einer Billion für eine Rentenmark eingetauscht. Wenn man bedenkt, dass man für ein Glas Kölsch Millionen zahlte, lernt man die heutige Stabilität zu schätzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch einmal einen tiefen Einschnitt in unseren Geldbeutel. Die Währungsreform am 20. Juni 1948 befreite uns von der Reichsmark und brachte uns die heute weltweit begehrte D-Mark. Der Umtauschkurs war damals DM 6,50 für RM 100,-. Wieder einmal für viele Kölner ein schlechtes Geschäft.

Ob man nun Flüh, Nüsele, Pinke Pinke, Knöpp, Moos, Asche, Mäuse oder in Alternativ-Deutsch - Knete sagt, gemeint ist immer das Geld, das zwar allein nicht glücklich macht, aber doch sehr beruhigt. Wenn Sie also beim nächsten Mal ihren Deckel bezahlen wollen, denken Sie einmal an die Zeit, wo man dafür Millionen bezahlen musste, und bestellen Sie sich zum Abschied noch ein Kölsch für den Heimweg. Prost! (FM)

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