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Wie alles begann - Die Entwicklung des Kölschbieres

Im Köln von heute spielen die Brauer eine nicht unerhebliche Rolle und das Kölsch-Bier ist das Nationalgetränk. Das ist jedoch noch gar nicht lange so, denn noch vor ca. 40 Jahren war unser obergäriges Kölsch eher ein "Nischenprodukt" wie man im modernen Marketing-Jargon sagen würde. Untergäriges Pils war der "Mainstream" und davon wurde Anfang der 60er Jahre in Köln auch reichlich produziert. Es ist schon erstaunlich in wie kurzer Zeit sich der Geschmack änderte und sich eine ganze Region anpaßte. Denn wenn man heute an Bier in Köln und Umgebung denkt, fällt einem natürlich sofort das obergärige, helle Kölsch ein. Favoriten wie die untergärige Sorten: Bräu, Pilsener, Export, Märzen, Bockbier, Lager, und Luxusvarianten wie Brillant und Kristall sind inzwischen völlig vom Markt verschwunden. Dazu kamen noch zahlreiche auswärtige Biere. Besonders beliebt waren so renommierte Marken wie Dortmunder Union, Bitburger Simonbräu, Weihenstephan, Münchener Löwenbräu, Würzburger Hofbräu haben heute ein Exotenstatus. Führte in den 60er Jahren fast jede Gaststätte die etwas auf sich hielt neben ihrem Kölsch auch noch eine Pilsmarke, so sind diese heute auf ein Minimum geschrumpft. Denn auch die Pilstrinker fanden allmählich den Geschmack am obergärigen Kölsch und so verschwanden die Untergärigen so langsam aus dem gastronomischen Blickfeld. Das Verhältnis vom Obergärigen zum Untergärigen kehrte sich komplett um. War es einmal 80:20 für das Pils gewesen, so ist es heute in Köln und seinem Umland umgekehrt.

Für die einzelnen Kölner Brauereien war das teilweise ein schwieriger Umdenkprozeß, man mußte sich nämlich sowohl in den Rohstoffen als auch in der Brautechnik enorm umstellen. Ehemals kleine Hausbrauereien vergrößerten sich im Laufe weniger Jahrzehnte um ein vielfaches ihrer Braukapazität. Das erforderte außer unternehmerischen Fähigkeiten auch viel neues Kapital, um die ständigen Erweiterungen zu finanzieren. Das mußte erst einmal verdient werden und da konnten nicht alle mithalten und so verschwanden auch einige wenige wieder von der Bildfläche oder wurden in Gasstätten umgewandelt.

Das war auch mit Rückschlägen verbunden doch im Endeffekt sind heute alle mit der neuen Marktsituation sehr zufrieden. Der Wandel im Trinkverhalten der Kölner fand dann in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts statt. Ausgelöst wurde er durch den allgemeinen Trend zu einem leichteren Bier und dem Weitblick und der Initiative des damaligen Präsidenten des Kölner Brauerei Verbandes Hans Sion, der diesen Trend rechtzeitig erkannte und seine Kollegen überzeugen konnte, anstatt in die "untergärige" Konkurrenz mit den restlichen deutschen Bieren aus den Großbrauereien einzusteigen lieber ein eigenes, in Tradition und Bevölkerung verwurzeltes obergäriges Bier zu brauen. Diesem Mann verdanken vor allem unser heute in ganz Deutschland bewundertes obergäriges Bier – unser Kölsch. Und die positive Entwicklung des Kölsch reicht heute sogar bis in die Bundeshauptstadt Berlin, wo man die rheinische Bier-Spezialität wohl zu schätzen weiß und deshalb auch eifrig konsumiert. (FM)  

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