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Sikaru hieß das Bier der Sumerer vor 6000 Jahren

Sikaru hieß das Bier der Sumerer vor 6000 Jahren

Wenn der normale Kölschfreund abends genüsslich sein Bier trinkt, ist ihm meistens jedoch nicht bewusst, daß die Wurzeln der Braukunst bist weit in die Urgeschichte der Menschheit zurückreichen. Bierbrauen steht am Beginn der menschlichen Zivilisation, und so kann es auch nicht verwundern, daß es auch schon sehr früh ein Wort für dieses den Menschen erfreuende Getränk gab.

Bei den Sumerern, welche vor 6000 Jahren im Zweistromland Mesopotamien (dem heutigen Irak) zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris lebten, findet sich das erste schriftliche Zeugnis über das Bier. Die in einem Stadtstaat lebenden Sumerer waren die Erfinder der Keilschrift, die uns überliefert, wie dieses Urvolk lebte und arbeitete. Zu den zukunftsweisenden Erfindungen dieses Volkes gehören unter anderem das Dezimal-System, die Wocheneinteilung, die Astronomie, das Rad, die Gesetze und leider auch die Steuern und die Hypotheken.

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Auf Grund der Überlieferung durch Dokumente in Keilschrift wissen wir heute, daß die Sumerer das Getränk aus in Wasser vergorenem Getreide "Sikaru" nannten. Man ließ Brotfladen aus gemälzter Gerste in Wasser gären. Nach einigen Tagen trank man dieses Gebräu mit Strohhalmen aus großen Krügen. Dieser Trank "Sikaru" war der Vorläufer unseres heutigen Bieres, denn er erfrischte und berauschte. Fast 2000 Jahre später, mittlerweile herrschten die Babylonier in Mesopotamien, hatten diese die Herstellungsmethoden weiterentwickelt. Man verwendete Datteln und Honig, um das Getränk noch zu verbessern, mehr Zucker, mehr Alkohol, ein erstes "Starkbier" entstand, "Shecar" genannt. Auch wurde der soziale Standpunkt, den das Getränk einnehmen sollte, genau festgelegt. Im berühmten Gesetzeswerk des Hammurabi (1792 - 1749 v.Chr.) war die Menge des Verzehrs von Bier genau geregelt - Promillegrenze vor 4000 Jahren.

Wie wir aus dem Alten Testament wissen, eroberte der sagenumwobene Babylonierkönig Nebukadnezar II. Jerusalem (587 v.Chr.) und führte das Volk Israel in die berühmte Babylonische Gefangenschaft. Hier lernten sie das berauschende "Shecar" kennen und nannten es hebräisch "Shikar", was bedeutete, sich in einen Rauschzustand versetzen. Das Wort hebräische Wort "Shikar" wanderte mit den aus Jerusalem vertriebenen Juden nach Mittel- und Osteuropa und wurde ins Jiddische, eine Mischsprache aus Hebräisch und Mittelhochdeutsch, übernommen. Auch in der deutschen Umgangssprache gibt es heute noch viele jiddische Lehnworte wie: Zores, Zaster, mies, malochen, Massel, meschugge und viele andere mehr. Das jiddische Lehnwort "schicker", was betrunken sein bedeutet, geht eindeutig auf das hebräische Wort für Bier "Shikar" zurück. So ergibt sich kurioserweise eine Wort-Kette, von der wir sagen können, daß sie 5000 Jahre alt ist. Also, wenn Sie beim nächsten Mal hören, daß der Kollege X oder Y mal "schicker" war, sagen Sie ihm, daß dies nichts Besonderes sei, das sei schon seit dem Jahre 4000 v. Chr. - also seit 6000 Jahren - hin und wieder einmal vorgekommen. (FM)

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