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Köln und sein Bier (1396-1946)

Paar um 1589

In dem zweiten Weltkriege, der Köln an den Rand des Abgrundes brachte, ist die Politik, die von dem Großen Kurfürsten über Friedrich II. und Bismarck zu Adolf Hitler führte, zusammengebrochen und hat unter ihren Trümmern auch das begraben, was im Osten vordem im Mittelalter vom Westen und Südwesten aus im Geiste und in der Arbeit des Friedens geschaffen wurde. Mit dem kläglichen, aber- im tieferen, inneren Sinne nicht einmal tragischen Ende des preußischen Staates hat auch die von den Vertretern der kleindeutschen Lösung und ihren Nachfahren betriebene Verfälschung und innere Umdeutung des Reichsgedankens ihr Ende gefunden. Die uns vom Sieger vorgeschriebene, wenn auch erst in ihren Grundzügen sich ausprägende Wirtschaftspolitik aber bringt das Ende der dem Imperialismus folgenden großkapitalistischen Expansions- und Konzernpolitik und kündigt dadurch einen Wirtschaftsstil an, der Antrieb und Ausprägung stärker als bisher vom rein Menschlichen und Sozialen her erhält. Dieser in seinem Wesen und in seinen Folgen mehr geistige als machtpolitische Umbruch bedeutet aber für Köln und das Rheinland, dessen geistige Zentrale Köln war und bleiben wird, die Wiedergewinnung seiner inneren Freiheit zur Gestaltung und Wirkung im deutschen und westeuropäischen Raum, nachdem der Strom seiner Kraft mehr als 125 Jahre einseitig nach dem Osten gelenkt wurde.

Er bedeutet ferner für Köln und das mit ihm in seiner Tradition verbundene Land die Rückbesinnung auf das Wesen seines demokratischen Lebensstils, das stärker noch als im Formalen des Verfassungsrechts, im Soziologischen und Ethischen wurzelt, nicht zuletzt aber auch in der Realität der Wirtschaft die stärkere Betonung des Handwerks und des industriellen Mittelbetriebes, zu denen auch das gesamte Kölner Brauereigewerbe in seinen verschiedenen Ausprägungen rechnet. Steht so die 550. Wiederkehr des Tages der Errichtung des Verbundbriefs als der demokratischen Magna Charta der Stadt Köln im Zeichen schwerwiegendster und bedeutendster geistiger, politischer und wirtschaftlicher Vorgänge, die Denken und Fühlen aller Kölner Bürger in gleicher Weise in ihren Bann ziehen, so hat das Braugewerbe in Köln darüber hinaus das Recht, mit besonderem Stolz darauf hinzuweisen, daß die Petrus-Bruderschaft der Brauer die einzige Korporation ist, die reichs-städtische und handwerkliche Tradition seit den Tagen des Hochmittelalters bis zur Gegenwart in ununterbrochenem lebendigem Fluß weiterleitet.

Die Geschichte der Cölner Brauer-Corporation beginnt aber nicht erst mit dem Verbundbrief, den sie als eine der 22 Gaffeln, d.h. der politischen Zünfte, die fortan das Stadtregiment trugen "myt denghenen, dye zo uns verbunden synt" unterschrieben hat. Eine annähernde Bestimmung oder Zeit, wann sich in Köln die Bierbereitung neben der Hauswirtschaft zum selbständigen Gewerbe entwickelte, kann derzeit nicht gegeben werden. Das Recht der Bürger, im Hause für den Eigengebrauch Bier herzustellen, bestand auch nach Errichtung des Brauamtes weiter, aber die Brauer, die als Lohnwerker dieses Bier in den Bürgerhäusern bereiteten, waren nicht zunftpflichtig. Die ersten machtpolitischen Regungen der Kölner Zünfte wurden bereits zu Anfang des 13. Jahrhunderts spürbar, wo es zu Zusammenstößen mit dem landesherrlich patrizischen Kollegium der Schöffen kam. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts aber war der Einfluß der Zünfte bereits so gewachsen, daß der in den kommenden Jahren uns als Domgründer wieder näher tretende Erzbischof Konrad von Hochstaden auf sie Rücksicht nehmen und sie bei einer notwendig gewordenen Umbildung des Schöffenkollegiums berücksichtigen mußte. Unter den damals, es war im Jahre 1259, aus den Reihen der Zunftmeister ernannten Schöffen befand sich auch "der Bruwer Bodo".

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Wenn seine Ernennung nun das Vorhandensein eines selbständigen Braugewerbes in der Stadt auch außer Frage steht, so beweist sie andererseits noch nicht das Vorhandensein einer eigenen Brauerzunft. Dennoch dürfen wir annehmen, daß eine solche vorhanden oder doch zumindest in ihrer Bildung abgeschlossen war, wenn wir unsern Blick wieder auf die Petrus-Bruderschaft richten. Die mit dem Humanismus einsetzende Aufspaltung des Menschen als geistig-sozialer Einheit, der Europa seinen gewaltigen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt, aber auch seine innere Zerrissenheit und periodisch wiederkehrenden Fieberanfälle verdankt, war dem Mittelalter noch völlig fremd. Die Vertretung wirtschaftlicher und politischer Interessen war ihm losgelöst vom rein Menschlichen, und das bedeutet im Mittelalter zugleich vom Religiösen, nicht denkbar. Der auf Berufsehre und Wahrung der Berufsbelange abzielende zünftlerische ist daher in vorreformatorischer Zeit mit dem auf charakterliche Erziehung und soziale Hilfeleistung abzielenden Bruderschaftsgedanken organisch untrennbar verbunden.

Bei der Petrus-Bruderschaft erhebt sich nun von selbst die Frage, wie kamen die Kölner Brauer dazu, den heiligen Petrus von Mailand, dessen fest die Kirche am 29. April mit einer Eigenmesse begeht, der aber weder zu dem Braugewerbe noch zu der Stadt Köln im allgemeinen irgendwelche Beziehungen hat, zu ihrem Bruderschaftspatron zu wählen? Dieser Heilige ist um 1205 in Verona geboren worden und wurde ein Schüler des heiligen Dominikus, in dessen Orden er eintrat. Als Prior der Dominikaner in Como und Inquisitor für Oberitalien entfaltete er eine eifrige Tätigkeit gegen die Sekte der Waldenser, die ihn 1252 auf einer Reise von Como nach Mailand umbringen ließen. Bereits ein Jahr später - ein seltener Fall in der Kirchengeschichte - wurde er heilig gesprochen.

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Wie die Franziskaner, so sind auch die Dominikaner ein Orden der großen Städte, und ihre darum aus innerer Notwendigkeit von Italien ausgehende Geschichte bildet eine Parallele zu der stürmischen und technischwirtschaftlichen Entwicklung des 13. Jahrhunderts. Diese Entwicklung mit ihren starken Tendenzen zum technischen Fortschritt, zu einer immer spezialisierteren Arbeitsteilung im Produktionsprozeß und zur Ausbildung großer freier Märkte glich in seinen Hauptzügen stark dem 19. Jahrhundert, und wie dieses führte es auch zu einem Wachsen und einer Vermehrung der Städte, die ihrerseits etwa gleich geartete soziale Probleme zeitigten, wie die, mit denen sich unsere Zeit auseinanderzusetzen hat.

In die Seelsorge teilten sich damals die Orden, die Stifter und der niedere Pfarrklerus. Die alten Orden nach der Augustiner- und Benediktinerregel, letztere am liebsten draußen in stillen Tälern hausend, waren mehr nach innen als nach außen gerichtet, die Benediktiner auf Grund ihrer Abteiverfassung und Gebundenheit an das Eintrittskloster auch zu wenig wendig, um den neuen Anforderungen einer sozialen Stadtseelsorge Genüge tun zu können. Die Stiftskirchen und ihre Kanoniker waren andererseits zu sehr in Aristokratie und Feudalismus, zum Teil auch in die Politik verstrickt. als daß sie soziologisch und psychologisch den Weg zur Betreuung der breiten städtischen Volksschichten hätten finden können. Die Probleme der Stadt und ihres neuen Sozialgefüges gebaren die Orden der Franziskaner und Dominikaner, die möglichst in die Zentren der Städte ihre großen, vielfach einschiffigen Hallenkirchen für die Volkspredigt bauten und dem neuen Götzen Mammon die Fehde ansagten, da sie arm mit den Armen sein wollten.

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Im Jahre 1221 kamen die ersten Dominikaner nach Köln und ließen sich, unterstützt durch persönliche Beziehungen zum Stift St. Andreas, unweit des Domes in der Stolkgasse nieder. Das neue Kloster, an der Stelle der heutigen Hauptpost gelegen, weihten sie dem heiligen Kreuz. Bald gewann diese fromme Stätte eine besondere Bedeutung durch die Wirksamkeit des Albert von Lauingen, den die Nachwelt Albertus Magnus nennt. Dieser machte hier von 1229 bis 1234 seine Studien und kam 1248, nachdem er bereits in Paris gelehrt hatte, wieder nach Köln zurück, um hier das "studium generale" seines Ordens einzurichten. Vier Jahre später tritt er bereits als hochgeachteter Schiedsrichter zwischen der Stadt Köln und ihrem Erzbischof Konrad von Hochstaden auf; es war im gleichen Jahr, in dem Petrus von Mailand den Märtyrertod starb. Kurz nach seiner Heiligsprechung machte der Kölner Konvent der Dominikaner den neuen Heiligen des Ordens zum zweiten Patron von Kirche und Kloster.

Heiligenverehrung ist Heldenverehrung. Heldenruhm aber leuchtet am strahlendsten auf, wenn er frisch ist. Nachdem das Kölner Dominikanerkloster den neuen Heiligen zum zweiten Patron erwählt hatte, mußte ihm daran gelegen sein, demselben in der Bürgerschaft einen Kreis von Verehrern zu gewinnen, dessen menschliche Achtung und soziale Stellung in der Stadt dem Heiligen selbst zur Zierde gereichte. Das konnte nach damaliger Sitte am besten in der Form der Bruderschaft geschehen. Daß es die Brauer waren, die diese Bruderschaft errichteten, beweist, daß ihre Vereinigung in der Stadt guten Ruf und hohe Achtung genoß, so daß sie mit dem durch den Lesemeister Albert berühmt gewordenen Konvent der Dominikaner eine engere Verbindung eingehen konnten und die Dominikaner sie ihrerseits als Herolde des eben hell aufstrahlenden Ruhmes des neuen Heiligen nehmen konnten. Es beweist aber auch, daß die Brauer bis dahin noch keine Bruderschaft besaßen, daß ihre korporative Organisation also noch nicht zu einem völligen Abschluß gekommen war. Die Interessen des jungen Klosters und des neuen Brauamts fanden also in der Verehrung des heiligen Petrus ihren gemeinsamen Brennpunkt und ihre zeitgemäße Form.

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Diese Erwägungen finden ihre Stütze auch wiederum im weltlichen Geschehen. Da im Jahre 1238 Erzbischof Konrad von Hochstaden sich von Kaiser Friedrich II. ein Privileg erwirkte, das ihm die Erhebung einer Biersteuer gestattete, so muß um diese Zeit bereits ein selbständiges Brauereigewerbe größeren Umfanges in der Stadt bestanden haben, so daß sich seine steuerliche Erfassung lohnte, und in einem zweiten Schiedsspruch, den Albertus Magnus im Jahre 12S8 ebenfalls zwischen der Stadt Köln und ihrem Erzbischof Konrad von Hochstaden fällte, wurde bestimmt, daß diese Biersteuer auf zehn Jahre je zur Hälfte dem Erzbischof und der Stadt zufallen sollte.

In einer Zeit, die den Kaffee und Tee noch nicht kannte, spielten naturgemäß Wein und Bier als Haustrunk eine wesentlich größere Rolle als heute. Die Abzweigung des Brauens von der Hauswirtschaft und seine Verselbständigung im Handwerk lag ganz im Zuge der Arbeitsteilung und der technisch-sozialen Entwicklung des 12. und 13. Jahrhunderts. Vielleicht hängt auch der Anschluß der Brauer an den Konvent der Dominikaner damit zusammen, daß dort Naturwissenschaft und Chemie im Zusammenhang mit der Wirksamkeit des Albertus Magnus eine besondere Pflege gefunden hatten, also Dinge, die auch zu dem Brauerhandwerk gewisse innere Beziehungen hatten.

Aus der Bedeutung des Bieres für den Konsum ergaben sich für den Erzbischof als Landes- und Stadtherrn und später auch für die Reichsstadt Köln eine Reihe von Interessen dem Gewerbe und dem Gemeinwesen gegenüber. Das erste dieser Interessen, das zugleich eine Verpflichtung in sich barg, bestand darin, darauf zu achten, daß nur gesundes und reines Bier zu einem angemessenen Preise zum Verkauf gelangte. Da das Bier damals in erster Linie Lebens- und nur in minderem Maße Genußmittel war, ging die Obrigkeit darauf aus, den Alkoholgehalt desselben nicht zu hoch ansteigen zu lassen. Die verhältnismäßig leichte Erfaßbarkeit und Meßbarkeit des Produktes aber ließ das Bier von Anfang an zu einer ergiebigen Abgabenquelle für den öffentlichen Haushalt werden. Die allgemeinen Grundsätze der mittelalterlichen Gewerbepolitik erfuhren dabei hinsichtlich des Brauereigewerbes eine besondere Ausprägung, die der Eigenart des technischen Betriebes und der wirtschaftlichen Produktionsbedingungen entsprach.

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Der ursprüngliche Ausgangsrohstoff für das Bier war der Honig, aus dem der sogenannte Meth hergestellt wurde. Mit dem Anwachsen der Städte konnte aber der Honig dem steigenden Bedarf nicht mehr genügen, und an seine Stelle trat, wenn sich einzelne Meth-Brauereien auch noch bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts als Spezialbetriebe erhielten, das Gerstenmalz. Um das Bier schmackhaft, bekömmlich und vor allem einigermaßen haltbar zu machen, wurde es mit einem Zusatz von Kräutern, Gruit genannt, versehen, an dessen Stelle seit dem 13. Jahrhundert in steigendem Maße der bereits seit dem 8. Jahrhundert bekannte Hopfen trat. Die Zusammensetzung der Gruit, die zeitlichem und örtlichem Wandel des Geschmacks unterworfen war, galt - wie heute noch gewisse Liköre und Duftstoffe - als Fabrikationsgeheimnis, dessen – vielleicht in Verfolgung alter Überlieferungen - auch Frauen teilhaftig waren. Im kölnischen Gebiet war die Herstellung der Gruit ein Monopol des Erzbischofs, an dem in der Stadt Köln seit dem Jahre 1258 auch die Stadtverwaltung Anteil hatte und das durch Verpachtung fiskalisch nutzbar gemacht wurde. Um das Geheimnis der Zusammensetzung zu sichern, wurde die Gruit nur mit Malz vermischt an die Brauer abgegeben. Das Gruitmonopol, das der Stadt Köln schon aus politischen Gründen ein Dorn im Auge war, stellte sich seit dem Aufkommen des Hopfens auch der betrieblich-technischen Entwicklung des Brauereigewerbes hindernd in den Weg, da die Monopolinhaber, namentlich der Erzbischof, die Verwendung des Hopfens zugunsten der Gruit zu unterdrücken versuchten'. Trotzdem setzte sich der Hopfen allmählich mit dem Recht des Besseren durch, und die Beseitigung des Gruitmonopols erfolgte schließlich auf gütlichem Wege dadurch, daß die Brauerzunft die Gruitgerechtigkeit am 11. November 1461 von der Stadt pachtete und der Erzbischof seine Rechte an der Gruit der Stadt Köln im Jahre 1500 gegen eine Rente abtrat.

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Die Verhältnisse im Brauereigewerbe waren vom 13. bis zum l5. Jahrhundert sowohl in technisch-betrieblicher wie auch in wirtschaftlich-finanzieller Hinsicht flüssig. Gewisse Aufschlüsse geben die verschiedenen Verordnungen und Verhandlungen über die auf dem Bier liegenden steuerlichen Abgaben. Die sich aus dem Gruitmonopol herleitende Belastung machte nur einen Teil dieser Abgaben aus. Auf Grund der aus dem Abkommen von 1500 an den Erzbischof zu zahlenden Jahresrente wurde das Gruitgeld auch noch erhoben, als der Gebrauch der Gruit selbst lange aus der Übung gekommen war; es betrug gegen das Ende der reichsstädtischen Zeit 2 Stüber vom Sack Malz. Neben dem Gruitgeld wurden aber auch die Malz- und die Büttensteuer als Bierpfennig erhoben. Bereits 1212 gestattete Kaiser Otto IV. der Stadt Köln, zum Ausbau ihrer Festungswerke einen Mahl- und Braupfennig zu erheben, doch bleibt die Frage, inwieweit damals schon neben der Hauswirtschaft ein selbständiges Braugewerbe in Köln vorhanden war, offen. Diese vom Malter Malz erhobene Akzise blieb eine rein städtische Abgabe, deren Höhe durch die städtischen Finanzen und die allgemeine Wirtschaftslage bestimmt wurde, woraus sich häufig Spannungen zwischen dem Rat und dem Brauamt ergaben. An der Büttensteuer, in die sie sich zur Hälfte mit dem Erzbischof teilen mußte, war die Stadt von vornherein weniger interessiert. Ihr fiskalischer Wert lag darin, daß durch sie auch die schwach fermentierten Dünnbiere steuerlich erfaßt wurden. Um eine genaue Unterlage für die von der Stadt aus-geübte Güte- und Preiskontrolle und die Steuergrundlagen zu haben, veranstaltete der Rat im Sommer 1408 ein Probebrauen, wobei als Vergleichsmaße das Ohm zu 168 Quart genommen wurde.

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Von zwei Malter Gerstenmalz mit Gruitzusatz erhielt man 6 Ohm und 56 Quart Dünnbier. Diese kosteten 14 Mark und 4 1/2 Schilling. Bei einem Verkaufspreis von 2 Denaren für das Quart ergab sich demnach eine Einnahme von 19 Mark, l Schilling, 4 Denaren und folglich ein Überschuß von 4 Mark, 8 Schilling, 10 Denaren. Von der besseren Qualität, dem sogenannten Dickbier, erhielt man von 4 Malter Gerstenmalz 7 Ohm und 56 Quart. Bei einem Verkaufspreis von 4 Denaren ergab sich eine Einnahme von 34 Mark, 2 Schilling, 8 Denaren. Bei 24 Mark, 9 Schilling Kosten betrug also der Überschuß 9 Mark, 5 Schilling, 8 Denare.

Das Hopfenbier hatte sich inzwischen endgültig durchgesetzt und wurde ebenfalls in die Probe einbezogen. Von 4 Malter Gerstenmalz mit Hopfen und Gruitzusatz wurden 6 Ohm Hopfenbier gebraut, was einer Einnahme von 42 Mark entsprach. Da die Kosten für das Hopfenbier 24 Mark und 9 Schilling betrugen, so ergab sich in diesem Falle ein Überschuß von 17 Mark und 3 Schilling.

Bei diesem Probebrauen ist von der Keute, dem aus Weizen- und Hafermalz hergestellten Bier, noch keine Rede. Die Stadt hatte der Einführung dieses neuen Fabrikats zunächst auch ablehnend gegenübergestanden. Das aus Getreidemalz und Hopfen hergestellte Bier, das sich auch zum Versand eignete und namentlich von Norddeutschland aus in größerem Umfange exportiert wurde, erwies sich aber den bisherigen Bieren überlegen, und so mußte der Rat seine Herstellung schließlich genehmigen, wenn er dem Schmuggel nicht Tür und Tor öffnen wollte. Die Beweggründe für den Widerstand des Rates scheinen weniger auf ethischem als auf wirtschaftlichem Gebiet gelegen zu haben, vor allem fürchtete er von der Ausdehnung der Keutebrauerei ein Ansteigen des Getreide- bzw. Brotpreises. Deshalb nahm er auch Gelegenheit, bei Teuerungen am Fruchtmarkt die Herstellung der Keute zu verbieten, so in den Jahren 1457 und 1482.

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Da der Rat die Keutebrauerei nicht unterbinden konnte, so suchte er dieselbe wenigstens dadurch einzuschränken, daß er das Brauen von Keute in der Hauswirtschaft verbot. Dieses Verbot und die gütemäßige Überlegenheit des neuen Bieres kamen dem Gewerbe sehr zugute, was sich vor allem in einer starken Zunahme der Zahl der Brauereien äußerte, die von 20 im Jahre 1418 auf rund 60 um das Jahr 1500 anstieg.

Wie bei dem Verbot des Keutebrauens im Bereich der Hauswirtschaft, so begegneten sich auch die Interessen des Brauereigewerbes und der Stadtverwaltung bei dem Bestreben des Rates, die Einfuhr auswärtigen Bieres zu unterbinden. Freilich gelang es dem Rat auch hier nicht, seine Wünsche ganz durchzusetzen und die Einfuhr völlig abzuschnüren. Das zeigen einmal die immer erneut eingeschärften Verbote der Einfuhr fremder Biere als auch die Zugeständnisse, zu denen sich der Rat gezwungen sah.. Der Hauswirtschaft kam man entgegen, indem man den Bürgern erlaubte, mit besonderer Genehmigung fremdes Bier für den eigenen Hausbedarf einzuführen. Die gleiche Freiheit genossen die Angehörigen der Universität für sich und ihr Gesinde, wobei ihnen außerdem noch das ihnen sowie den Fürsten und Geistlichen zustehende Privileg der Steuerfreiheit zugute kam. Da die Privilegierten sich nicht immer im Rahmen des ihnen Erlaubten hielten und die Steuerhinterziehung einen starken Anreiz bot, so waren diese Bestimmungen eine Quelle dauernder Sorge für die Stadt und das Brauamt. Namentlich die Nachbarstädte Deutz und Mülheim waren Ausgangspunkte des Schwarzhandels mit fremdem Bier, der lohnend gewesen sein muß, da ein beim Schmuggel ertappter Bergischer Bauer 1485 erklärte, er hätte gehofft, die gepischten Krüge mit Keute hätten ihm ein Fuder Wein eingebracht. Auch die Umgehung des Einfuhrverbotes durch Ausschänken des Bieres auf Schiffen und in unmittelbarer Nähe der Stadt, wie z. B. in Melaten, bekämpfte der Rat, wenn es nötig war, selbst mit gewaltsamer Unterdrückung.

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In der mehr oder weniger scharfen Handhabung des Einfuhrverbotes hatte der Rat übrigens anderseits ein Mittel in der Hand, die Beachtung der Güte- und Preisvorschriften durch die Kölner Brauer zu gewährleisten und er wußte dieses Mittel beim Auftreten berechtigter Klagen seitens der Bürgerschaft auch praktisch anzuwenden.

Um allen Angehörigen des Gewerbes die Vorteile der verschiedenen Biersorten zuzuwenden, wurde unter den Brauern ein Turnus eingeführt, der je nach den Zeitumständen ein, drei oder sechs Jahre betrug, wobei die Dünnbierbrauer die eine, die Dickbier- bzw. Keute- und Hopfenbrauer die andere Gruppe bildeten. Die Teilung geschah erst auf halb und halb, dann aber drängten im 15. Jahrhundert die Brauer durchweg nach dem besseren Erzeugnis. So standen am Ende des 15. Jahrhunderts 41 Keute bzw. Hopfenbrauern nur noch l 8 Dünnbierbrauer gegenüber.

Das Braugewerbe umfaßte von jeher neben dem eigentlichen Brauen als wesentlichen Bestandteil der Produktion auch die Herstellung des Malzes, das nicht nur in der eigenen Brauerei Verwendung fand, sondern auch an die ländlichen kleinen Brauer der Umgebung und die selber brauenden Bürger zum Verkauf gelangte. Der behördlich vorgeschriebene Malzverbrauch zu den verschiedenen Biersorten ließ das Malz auch zum Träger der städtischen Akzise werden. Im Gegensatz zur Gruit war der Hopfen abgabefrei. Um ein ungeordnetes gegenseitiges Überbieten der Brauer zu verhindern, bestand aber die Regelung, daß den zeitigen Amtsmeistern das Ankaufsrecht auf den ersten Hopfen zustand. Erst wenn sie durch Ankauf von einem oder zwei Säcken das Geschäft eröffnet hatten, durften die übrigen Amtsgenossen kaufen, denen wiederum am Markt der Vorrang vor den Nicht-Einheimischen zustand. Um aber anderseits einen besonderen Anreiz für die zeitige Beschickung des Kölner Hopfenmarktes zu schaffen, erhielt der erste Einbringer des Hopfens eine auf Vorder- und Rückseite mit dem Brauerwappen bestickte Kogel, d. h. einen kurzen Umhängemantel mit einer Kapuze und später, als die Kogeln aus der Mode gekommen waren, eine silberne, innen vergoldete sogenannte Hopfenbell im Gewicht von 19 Lot, welch letzterer Brauch sich bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit hielt. Entsprechend der höheren Qualität des Rohstoffes und des Produktes war das Getreidemalz für die Hopfen- und Keutebrauer von Anfang an erheblich höher belastet als das Gerstenmalz. So zahlten die Keutebrauer 1494 vom Sack Malz 6 Mark Akzise, während die Dünnbierbrauer nur 1 Mark 8 Schilling zu geben brauchten. Um welche Beträge es sich hierbei für die Stadtkasse handelte, erhellt aus einer gleichzeitigen Angabe, wonach die Keutebrauer 8268 Sack Malz im Jahr verbrauchten, was 49 608 Mark Akzise entsprach.

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Berufsehre und geschäftlicher Vorteil auf Seiten der Brauer, fiskalisches Interesse auf seiften der Stadt trafen sich in dem Bestreben, die Malzherstellung und den Malzverkauf innerhalb des Brauamts zu monopolisieren. Doch gelang auch dies nur unvollkommen, da Bürger und Geistliche das Verbot immer wieder durchbrachen. Was die geistlichen Anstalten für beide Geschlechter anging, so suchte der Rat hinsichtlich der Herstellung und des Verbrauchs von Bier für dieselben die gleichen wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen wie für die Bürger, auch hinsichtlich der Akzise und des Brauens innerhalb der eigenen Hauswirtschaft. Doch waren von altersher sechs Klöster im Besitz ordentlicher Brauereien, deren Erzeugungsquoten allerdings vom Rate festgelegt wurden.

Es waren dies die Frauenklöster An St. Agatha, der Weißen Frauen am Blaubach, das Mauritius Kloster am Mauritiussteinweg, das Kloster Mariengarten am Mariengartenkloster, das Kloster St. Maximin auf der Maximinenstraße und das Machabäerkloster in der Machabäerstraße. Aber trotz aller Bemühungen des Rates blieb die geistliche Konkurrenz eine der ewigen Klagen des Brauamtes. Durch die Erhebung einer höheren Einfuhrsteuer suchte der Rat etwaige Sondervorteile des auswärtigen, nach Köln meist aus oder über Westfalen kommenden Bieres auszugleichen.

Im ganzen gesehen ergibt sich die Tendenz zur Steigerung der Biersteuer. Namentlich nach dem Dreißigjährigen Kriege, in der Köln seine westeuropäische Schlüsselstellung im System der europäischen Handelswege verlor, mußte der Rat auf die regelmäßig fließenden Bierabgaben besonderen Wert legen, einem Streben, dem die fortgesetzten Beschwerden der Brauer über zu hohe Besteuerung des Bieres entgegenstehen.

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Brauen und Mälzen brachten die Angehörigen des Brauamtes von jeher, namentlich aber seit dem Aufkommen der Keute im 15. Jahrhundert, von selbst in engste Verbindung mit dem Fruchthandel. Es lag daher nahe, daß die Brauer versuchten, in diesen Handel mit einzudringen. Der Ankauf von Gerste zur Malzherstellung blieb den Brauereien auch bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit unverkümmert. Die Stadt unterstützte auch aus fiskalischem Interesse das Bestreben der Brauer nach einer Monopolstellung im Malzhandel. Mit dem Aufkommen der Keute suchten die Brauer auch in den Kornhandel einzudringen. Das hier für die unter ähnlichen Bedingungen arbeitenden Bäcker seit dem 15. Jahrhundert geltende Handelsverbot konnten die Brauer aber nur zeitweise durchbrechen. Seit dem 16. Jahrhundert war ihnen der Einkauf von Korn nur noch für den eigenen Hausbedarf und den ihres Gesindes erlaubt, eine Regelung, die der Rat um so eher treffen konnte, als das Gerstenbier allmählich dem Weizenbier wieder den Rang ablief. Auch der Gerstenhandel wurde auf den Kauf für den eigenen Betrieb und den Handel von Brauer zu Brauer eingeschränkt. Zur größeren Sicherung der Braumalzsteuer wurde der 1572 an der Westecke des Filzengrabens errichteten neuen Malzmühle, die vom Wasser des Duffesbach angetrieben wurde, ein Mahlmonopol für Braumalz zugestanden, ein Recht, das namentlich bei Wasserknappheit, zu viel Beschwerden Anlaß gab.

Seit der Aufstellung des Verbundbriefes im Jahre 1396 muß man in Köln streng zwischen der Gaffel, d. h. der politischen Zunft, und dem Amt, d. h. der Wirtschaftszunft, unterscheiden. Die Zahl der Gaffeln als der staatsrechtlichen Träger der Reichsstadt lag mit 22 unabänderlich fest, die Zahl der Wirtschaftszünfte dagegen war nicht festgelegt und paßte sich den wechselnden wirtschaftlichen Verhältnissen an. Bereits bei der Errichtung der Verfassung von 1396 vermochten die schwächer besetzten Ämter, wie z. B. die Glaswörter, Wappensticker, Korbmacher u.a., es nicht, eigene Gaffeln zu bilden, sondern schlossen sich mit verwandten Gewerben zusammen. Da die Ausübung der Bürgerrechte an das Eingeschriebensein bei einer Gaffel gebunden war, so mußten auch die keinem zunftpflichtigen Gewerbe zugehörigen Bürger einer Gaffel "beigeschworen" sein. Bei den Brauern fielen, solange der Verbundbrief in Geltung war, Gaffel und Amt zusammen. Hierzu mag in erster Linie beigetragen haben, daß im 14. und 15. Jahrhundert das Brauerhandwerk sich technisch und wirtschaftlich in dauernder Fortentwicklung befand, es lag aber auch wohl mit darin begründet, daß der Betrieb dieses Handwerks auf Grund der notwendigen umfangreichen Einrichtung und des erforderlichen Betriebskapitals bei den Angehörigen desselben einen gewissen Wohlstand voraussetzte, der ihnen bei der Eigenart ihres Gewerbes die Angliederung fremder Gewerbezweige nicht als erwünscht erscheinen ließ. In diesem Umstand lag aber andererseits für nicht zunftpflichtige wohlhabende Bürger ein Anreiz, sich der Brauergaffel als "Beigeschworene" anzuschließen, so daß zeitweilig die Zahl der "beigeschworenen" Bürger die der eigentlichen Amtsgenossen übertraf.

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Die innere Unruhe des Gewerbes war auch mit der Grund, daß das Brauamt erst 1497 zu einem eigenen Amtsbrief gelangte. Aber auch dieser Brief hatte in erster Linie formalen Wert, er sollte dem Gewerbe "gleichs andern Ampten" eine rechtliche Grundlage geben, im übrigen aber ließ er dem Amte seine guten alten Gewohnheiten und Gesetze, "welche In Ihrs Ampts Boich clerlich geschreyben stunden", mit der Möglichkeit, sie von Ratswegen, wenn nötig, aus gegebener Veranlassung zu ändern.

Die Vermögensanforderungen, die Ausübung des Gewerbes an den selbständigen Meister stellte, enthielten in sich selber bereits einen Schutz vor einer zu starken Übersetzung des Gewerbes, daneben aber besaß das Brauamt das Recht der Konzessionierung neuer Brauhäuser. Aus diesen Gründen ist es in Köln auch nie zu einer formellen Schließung der Zunft gekommen. Nach vierjähriger Lehr- und zweijähriger Gesellenzeit konnte sich der junge Brauer nach Erreichung eines Mindestalters von 22 Jahren selbständig machen, wenn er die dem Amte schuldigen Gebühren und Zechen sowie das Meisteressen bezahlt hatte und ein zünftiges Brauhaus geerbt, gekauft oder auf mindestens 6 Jahre gemietet hatte, es sei denn, daß das Brauamt ihm die Errichtung eines neuen Brauerhauses gestattete. In diesem Falle blieb das Braurecht als Realberechtigung für die Folge an diesem Hause haften. Dieses Recht war für das Brauamt sehr wichtig in seinem Kampfe gegen die Überschreitung ihrer Privilegien durch die Geistlichkeit und die Klöster, vor allem aber im Kampf gegen die Übertretung ihrer Gerechtsame durch die Schankwirte, die das allgemeine bürgerliche Recht zum Brauen des Haustrunkes immer wieder zu unerlaubten Geschäften und zur Schädigung des zünftigen Braugewerbes nutzten.

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Der Umstand, daß der Brauergaffel keine anderen Wirtschaftszünfte angeschlossen waren, förderte im Innern die Harmonie der Interessen und stärkte ihre Stoßkraft und ihr Ansehen nach außen. Die Zunft, deren Hauptorgane die beiden jährlich und in der Regel am Tage vor Dreikönigen gewählten Amtsmeister und der auf Lebenszeit gewählte Bannerherr waren, erfaßte entsprechend den verschiedenen in ihr vereinten Zielsetzungen die Zunftgenossen in dreifacher Form. Als Brauamt vertrat sie die wirtschaftlichen Belange des Gewerbes nach außen und regelte die auf die Ausübung des Gewerbes bezüglichen Fragen im Innern. Als Petrus-Bruderschaft erfüllte sie religiös-ethische und sozial-karitative Aufgaben, als Gaffel endlich nahm sie im Rahmen der Stadt-Republik politische und militärische Interessen wahr, wachte über die Standesehre und diente der Pflege männlicher Geselligkeit. Der Rat seinerseits übte das der Stadt zustehende Aufsichtsrecht durch alle vier Jahre am Johannisabend gewählte Bierherren aus, die auf die für sie geltende Dienstanweisung, die sogenannte Bierherrenrolle, vereidigt wurden. Das Ansehen und die Wohlhabenheit der Brauer spiegelte sich auch wider in der Größe und Schönheit ihres Zunfthauses. Von einem ersten Hauskauf der Brauer hören wir im Jahre 1430, wo die Gaffel das in der Nähe des Rheins gelegene Haus der Eheleute Heinrich von Zülpich, genannt "Slackhuyss" erwarb, das sie 1494 wieder verkaufte, um das in der Schildergasse an der Stelle der heutigen Kaufhalle gelegene Haus Mirweiler an sich zu bringen, in dem sie am 25. Juni 1505 bei Gelegenheit des Reichstages den Besuch Kaiser Maximilians empfangen konnte. Auf dem Gelände des zwischen der Schildergasse und der heutigen Brüderstraße gelegenes, Hofes wurde im Jahre 1612 ein Neubau errichtet, dessen Hauptzweck die Aufnahme des großen Zunftsaales war. Derselbe war im Stil der niederländischen Spätrenaissance gehalten. Seine prächtig verzierte Balkendecke ruhte auf zwei achtseitigen Eichenpfosten mit reich profilierten Kopfbändern, die den Unterzug der Decke aufnahmen. Nach der Auflösung der Zünfte wurde das Haus im Jahre 1799 zum französischen Domäneneigentum erklärt und am 23. November 1808 von Napoleon I. in dem Dekret von Burgas neben anderen Gebäuden der Stadt Köln geschenkt, um deren dringendstem Bedarf an Räumen für die neue Kommunalverwaltung zu genügen. Das Haus diente im 19. Jahrhundert dann mannigfachen Zwecken. Von 1809 bis 1822 war es Volksschule, dann nahm es bis 1833 die von Aegidius Mengelberg geleitete Zeichenschule auf. Von 1833 bis l862 wurde das Haus wieder das Heim der Volksschule der Pfarre St. Peter und war gleichzeitig seit 1843 Probelokal des Kölner Männer-Gesang-Vereins. In diese Zeit fällt auch die Anlage der Brüderstraße, die als private Spekulation im Jahre 1844 gebaut wurde. Am 5. Juni 1862 wurde das Haus versteigert und erbrachte die Summe von 23 350 Taler. Der neue Eigentümer Ernst Leybold zog es, nachdem es kurze Zeit an Franz Stollwerk vermietet war, zu seiner Fabrik für physikalischen Apparatebau. Nach der Verlegung der Firma C. Leybold Nachfolger wurde das Haus im Jahre 1928 abgebrochen. Die Zerstörung dieses ehrwürdigen Baudenkmals, von dem es in den Kunstdenkmälern der Stadt Köln heißt, daß es nicht nur ein verhältnismäßig gut erhaltenes Beispiel eines Kölner Zunftsaales, sondern in seiner Übereinstimmung zwischen Außenseiten und innerer Konstruktion besonders lehrreiches und eindrucksvolles Beispiel des Kölner Profanbaues überhaupt war, ist kein Blatt des Ruhmes für die damaligen verantwortlichen Männer der Stadtverwaltung. Von dem ehemaligen Inventar sind lediglich im Besitz der Stadt erhalten vier Porträts der Bannerherren Peter Oeckhoven (1610-1612), Christian Lommeder (1672-1679,) Johann Mültgens (1686-1700) und Gerhard Wimmar Wahlers (1782-1783), ferner ein geschnitzter Holzarm als Fahnenhalter, sechs barocke Fensterscheiben mit Schmuckwappen, eine gußeiserne Kaminplatte und ein Holzrelief des hl. Petrus von Mailand aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.

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Neben ihrem weltlichen Heim besaß die Brauer-Corporation als St. Petrus-Bruderschaft ihr geistliches in der Klosterkirche der Dominikaner, wo ihrem Patron ein eigenes Chörchen gewidmet war, das eine der Bruderschaft gehörige Statue des Heiligen schmückte. Außer dieser Statue besaß das Dominikanerkloster, in welchem auch Reliquien des hl. Petrus Martyr verehrt wurden, noch eine Abbildung des Heiligen auf einem ihm 1474 aus Anlaß des guten Ausganges des Burgundischen Krieges von Kaiser Friedrich III. geschenkten Altarbilde, das der Rosenkranzkönigin gewidmet, auch den hl. Dominikus und den hl. Petrus von Mailand zeigt. Die Bruderschaft feierte das Fest des Heiligen von altersher mit Hochamt und Prozession, bei der die Statue des Heiligen von Meistern des Amtes herumgetragen wurde. Bis 1741 fand am Abend ein Bruderschaftsessen statt, später nur noch eine einfache Zusammenkunft, bei der jedem Bruder ein Reichstaler verehrt wurde.

 

Nach der Säkularisation des Klosters der Dominikaner im Jahre 1803 wurde das Gemälde der Rosenkranzkönigin und die Statue des hl. Petrus von Mailand mitsamt der Bruderschaft in die Andreaskirche übertragen, in der diese nun bis zur Gegenwart beheimatet ist. Die alle Stürme der Zeit und auch den Untergang des Zunftwesens überdauernde Bruderschaft hielt die Feier des Patronatsfestes durch Abhaltung eines kirchlichen Hochamtes bei und fand sich am Nachmittag desselben zu einem gemeinsamen Ausflug zusammen, der seit dem Aufkommen der Eisenbahnen meist in das Siebengebirge führte. So verbindet die Korporation der Brauer, deren Entstehung wir etwa für das Jahr 1255 ansetzen können, das Mittelalter mit der Gegenwart und dient so als Wegweiser in eine von erst wenigen Sternen der Erkenntnis und Hoffnung erhellte Zukunft.

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Als die in den Gaffeln vereinten Bürger der Stadt Köln im Jahre 1396 die neue demokratische Verfassung der damals größten und volkreichsten Stadt des Reiches schufen, bewiesen sie einen politischen Scharf- und Weitblick sowie zugleich eine Mäßigung und Hingabe an das Ganze und gemeine Beste, wie wir solches vereint nur selten in der Geschichte finden. Es ist daher innerlich berechtigt, daß diese Verfassung allen Stürmen der Zeit standhielt, bis mit der Französischen Revolution Reich und Reichsstadt Köln ihr Ende fanden und einem neuen Zeitalter weichen mußten, das im äußeren Bereich von Technik und Wirtschaft geformt und gestaltet, im inneren Wesen aber, was die einzelnen und die Völker anging, vom Willen zur Macht getragen wurde und dessen Krise wir eben in diesen Tagen durchleben. Wir stehen in Köln auf uraltem demokratischen Boden, und die Demokratie sucht und muß nach inneren Kräften suchen, um die sozialen Gebilde neu zu beleben und zu gestalten. Bei diesem Suche können wir, noch zu sehr befangen im Mechanischen und Zahlenmäßigen, von den Meistern des Verbundbriefes Wesentliches lernen, vor allem, daß bei aller Notwendigkeit und Bedeutung des Organisatorischen nicht die Form das Entscheidende ist. Der Geist ist es, der lebendig macht. Nicht die heilig gesprochene Ichsucht und der Wille zur Macht, die letztlich beide nur der Angst vor dem Urgrund und dem Ende der Dinge entspringen, dürfen der Demokratie von morgen ihr Siegel aufdrücken; sie würden nur zu einer neuen Vergötzung der Zahl führen. Eine an den ewigen Werten unserer Kultur orientierte und sich darum der inneren Stärke des Geistes und ihrer Verantwortung bewußte Demokratie ist im Gegenteil die immerwährende Frage an das eigene Gewissen, inwieweit der andere auch recht hat. Diese wahre demokratische Haltung aber kann nur wachsen auf dem Boden einer ethischen, zutiefst religiösen Grundhaltung des Menschen. Das ist der innere Grund, warum die alten Zünfte zugleich alle Bruderschaften waren. Daß sie es waren, ist wiederum das äußere Symbol, daß für sie das wirtschaftlich-soziale und das geistig-kulturelle Leben ein unteilbares Ganze waren, nicht mechanisch funktionierend, sondern von innen nach außen sich organisch entfaltend.

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Diese Tradition der alten Zünfte hat in Köln, wenn auch nicht überall so sichtbar hervortretend wie bei der Petrus-Bruderschaft der Brauer geistig bis zur Gegenwart fortgewirkt. Es zeigt sich dies deutlich, wenn man die Herkunft und die soziologische Struktur der Kreise untersucht, die in Köln hochkapitalistische Formen entwickelt haben und anderseits die Bedeutung, die dem Handwerk und dem aus ihm erwachsenen industriellen Klein- und Mittelbetrieb, etwa im Vergleich mit den Ruhrstädten, zukommt. Aus dieser Tradition und der wirtschaftlichen Realität der Zeit erwachsen aber auch in den kommenden Jahren für die Kölner Wirtschaft und ihre führenden Männer Aufgaben und Verpflichtungen, die mehr als im rein Ökonomischen im Geistigen und Soziologischen liegen.

Bei der Auflösung der Zünfte zählte die Brauergaffel 110 Mitglieder, von denen aber nur 70 aktive Braumeister waren. Von 1500 bis 1800 hatte sich die Zahl der Brauereien bei gleichbleibender Einwohnerzahl der Stadt nur um ein Sechstel vermehrt, obwohl das Brauen als hauswirtschaftliche Verrichtung so gut wie ausgestorben und auch der Bierzapf zur Ausnahme geworden war. Aber seit dem 16. Jahrhundert war der Branntwein als neues Getränk hinzugekommen, dem sich namentlich die unteren Volksschichten stark zuwandten. Da die Brennerei von der Stadt aus sozialpolitischen Rücksichten zunftfrei gelassen wurde, so fanden hier die Heckenwirte ein lohnenderes Feld, so daß am Ende des 18. Jahrhunderts die Zahl der Branntweinbrennereien auf 90 gestiegen war. Betrieblich bewegte sich das Gewerbe seit dem 16. Jahrhundert in den gleichen Bahnen. Eine technische Fortentwicklung, wie sie von der Einführung der seit dem 15. Jahrhundert bekannten und seit dem 16. Jahrhundert sich ausbreitenden Untergärung hätte ausgehen können, wurde von der Stadt im vollen Einvernehmen mit dem Brauamt unterbunden. Das Verbot der Unterhefe - auch Kölnischer Knupp genannt und seit 1603 streng betont - will den Anschein erwecken, als ob dasselbe hauptsächlich aus moralischen Gründen erfolgt sei. Wenn nun auch das obergärige Bier der Geschmacksrichtung eines großen Teiles der Bürgerschaft entsprechen mochte und die Untergärung mehr auf das Blut und etwas stärker berauschend wirkte, so erscheint doch das mit Verlust der Amtsgerechtigkeit bedrohte Verbot in Anlehnung er gleichzeitigen Ausdehnung der Branntweinbrennerei hierdurch allein nicht gerechtfertigt. Neben dem sozial-ethischen war es denn auch ein sehr wichtiger technischer Grund, der das Brauamt, freilich unausgesprochen, zu seiner Stellungnahme veranlaßte und der darin bestand, daß die niedrige Lage und das milde Klima Kölns die ordnungsgemäße Durchführung der Untergärung unmöglich machte. In der Aufsicht des Brauamts nicht mehr unterstehenden Nachbarschaft, vor allem in Nippes, Riehl und am Toten Juden, ließen sich freilich eine Anzahl Brauer nieder, die diese technischen und moralischen Bedenken nicht hatten und untergäriges Bier ausschenkten und trotz des immer wieder in den Ratsverordnungen erneuerten Verbots aus der Stadt starken Zulauf hatten.

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Daß es vor allem technisch-betriebliche Schwierigkeiten waren, die der Einführung der Untergärung im Wege standen, erhellt daraus, daß dieselbe auch nach der Aufhebung der Zünfte in Köln keinen Eingang fand. Schon die obergärigen Brauereien mußten ihre Keller tief in die Erde graben, um sie im Sommer kühl zu halten. Brauen konnten sie nur im Herbst, Winter und Frühjahr, da die natürliche Kellertemperatur im Sommer nur eben ausreichte, um das fertige Bier lagern zu lassen, nicht aber um frisch gebrautes Bier wegen der dabei entstehenden Wärme vergären zu lassen. Trotzdem wurde das Bier infolge der langen Lagerung am Ende des Sommers säuerlich. Solange der Grad der Säuerung gering war, wurde das Bier wegen seiner erfrischenden Wirkung als "Stecken-Alt" gern getrunken, wurde es aber infolge Fehleinschätzung des Absatzes zu sauer, dann mußte es fort geschüttet werden, und es entstanden unter Umständen für die Brauereien große Verluste.

Der erste im Jahre 1830 von dem bayrischen Juden Rothschild unternommene Versuch, die untergärige Brauart in Köln einzuführen, schlug fehl. Nach sechsjährigem Bestehen wurde die in der Severinstraße liegende Brauerei in eine Zuckerfabrik umgewandelt. Erst die zu Anfang 1850 eingeführte Kellerkühlung durch größere Eismassen, die im Winter in besonderen Kellern neben oder zwischen den Lagerkellern aufgehäuft wurden, bahnte der Untergärung endgültig den Weg. Dieses neue Verfahren wurde aber erst möglich auf der Grundlage der neuen Verkehrstechnik, da in eisarmen Jahren Eis zu Schiff von Norwegen herangebracht werden mußte. Die Schwierigkeit der Eisbeschaffung wurde noch gesteigert durch die geringe Entwicklung der Isolierung der Keller, so daß das Eis in heißen Sommern schnell schmolz.

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Aus dem Zusammenhang zwischen Kühltechnik und Untergärung zog eine Zeitlang das in der nahen Eifel gelegene Niedermendig Nutzen, dessen durch unterirdische Steinbrüche entstandenen Felsenkeller der künstlichen Eiskühlung nicht bedurften. Seit dem Anfang der 1840er Jahre entwickelte sich hier ein Brauereizentrum, das in den 1870er Jahren bis zu 25 Betrieben anwuchs, dann aber durch die Eismaschine wieder langsam zerfiel. Im Jahre 1875 wurde von Barmen aus die erste Eisfabrik in Köln gegründet. Die Einführung der Eismaschine und die Entwicklung eines besseren Wärmeschutzes der Keller glichen die Nachteile der Lage und des Klimas aus, räumten der Entwicklung der untergärigen Großbrauereien die letzten Hemmungen aus dem Wege und erschütterten die Bedeutung der Felsenkeller, da die Brauereien ihre Sitze wieder in ihre Großabsatzgebiete, die Städte, zurück verlegen konnten.

Ende der 1880er Jahre fand man dann auch die richtige Form, um die Kellerkühlung durch Eis den obergärigen Brauereien dienstbar zu machen. Nachdem sich die von den untergärigen Betrieben angewandten Verfahren als unbrauchbar erwiesen hatten, da die durch sie erzeugte Abkühlung der Keller für die Obergärung viel zu stark war, kam man darauf, unter der Kellerdecke Schalen anzubringen, die nach Bedarf mit Eis gefüllt werden konnten und die richtige Temperatur ergaben. Dadurch erhielten nun auch die obergärigen Brauereien die Möglichkeit, das ganze Jahr hindurch zu brauen, was wiederum eine erhebliche Senkung der Produktionskosten so wie eine bessere Ausnutzung des stehenden und umlaufenden Kapitals zur Folge hatte.

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Die Aufhebung der Zünfte hatte nach dem Zwischenspiel der französischen Herrschaft zunächst eine starke Vermehrung der Brauereien zur Folge, deren Zahl 1822 auf 109, 1835 auf 113, 1846 auf 125 anstieg. Mit der zunehmenden Bevölkerungszahl wuchs die Zahl der Brauereien langsam weiter und erreichte im Jahre 1870 mit 135 in Betrieb befindlichen Unternehmen ihren Höhepunkt. Es handelte sich bei dieser Entwicklung noch fast ausschließlich um die handwerkliche obergärige Brauerei. Die untergärige, zum Großbetrieb drängende Brauerei war seit dem Ende der 1850er Jahre lediglich durch die Ehemann‘sche Brauerei in der Thürmchensgasse vertreten, die einen Zweigbetrieb in Niedermendig führte und im Jahre 1872, nachdem sie bis dahin reines Familienunternehmen war, in die Köln-Niedermendiger Aktien-Brauerei umgewandelt wurde.

Die zum Teil günstigeren und billigeren Erzeugungsmöglichkeiten der näheren Umgebung, die Entwicklung der auf der Dampfkraft beruhenden und Massentransporte ermöglichenden Verkehrsmittel und die Schaffung eines einheitlichen deutschen Binnenmarktes seit der Gründung des Zollvereins im Jahre 1834 ließen seit den 1840er Jahren - 1840 wurde auf dem Perlenpfuhl 15 die erste bayrische Bierstube gegründet - auch wieder in größerem Umfange die Einfuhr fremder Biersorten und das Emporkommen eines nicht mehr mit der Produktion verbundenen Gastwirtsgewerbes zu. Im Wettbewerb überwog zunächst das Bier aus der näheren Umgebung. Die Zufuhr bayrischen Bieres, das mit dem Schiff von Bamberg, Kulmbach und Würzburg auf dem Main und Rhein herunterkam, betrug 1848 erst 2200 Hektoliter. Diese dem Brauereigewerbe abträgliche Entwicklung kommt in einem Absinken der Produktion von 120 000 hl im Jahre 1835 und auf 86 000 hl im Jahre 1849 zum Ausdruck.

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Das für die gesamtdeutsche Entwicklung so bedeutungsvolle Jahr 1870 stellt auch einen Markstein in der Entwicklung des Kölner Brauereiwesens dar. Um diese Zeit beginnt das Zurücktreten des Bieres als Haustrunk vor dem Kaffee spürbar zu werden, und wenn sich diese Bedarfsverminderung in den Zahlen der Erzeugung und des Verbrauchs nicht stärker widerspiegelt, so liegt das an der steigenden Zahl der Bevölkerung und an dem wachsenden Wohlstand, der seinerseits ein stärkeres alle Kreise der Bevölkerung umfassendes geselliges Leben zur Folge hatte. Trotz der zunehmenden Einfuhr fremder Biere stieg die Produktion der Kölner Brauereien von ca.160 000 hl im Jahre 1870 auf ca.550 000 hl im Jahre 1900 und nach der Eingemeindung von Kalk und Mülheim auf ca. 700 000 hl im Jahre 1914 an.

Die Technik hatte der Untergärung das Rüstzeug geliefert, um einen erfolgverheißenden Kampf gegen die Obergärung beginnen zu können und zugleich zerschnitt sie das uralte Band zwischen Malzbereitung und Brauerei. In der ersten Hälfte der 1870er Jahre entstanden die ersten Malzfabriken in Köln, die zahlenmäßig schnell bis auf 15 im Jahre 1896 anwuchsen, dann aber ebenso schnell dem Gesetz der Konzentration verfielen. Die Abtrennung der Mälzerei bedeutete einen Einnahmeausfall, der besonders die handwerklichen Brauereien hart traf, ebenso wie die um die gleiche Zeit erfolgende Verdrängung der Brauhefe durch die aus Holland eingeführte Preßhefe.

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Der Vorstoß der Untergärung gegen die Obergärung bedeutete unter den Kölner Verhältnissen zugleich den Kampf der Industrie gegen das Handwerk, des Großbetriebes gegen die Hausbrauerei sowie betrieblich gesehen die Verdrängung des Einzel- und Familienunternehmens durch die Aktiengesellschaft. Der Umwandlung der alten Ehemann'schen Brauerei in eine Aktienbrauerei im Jahre 1872 folgt 1874 die Gründung der sehr bedeutenden Rheinischen Brauereigesellschaft an der Alteburg. Es folgten u. a. weiterhin 1878 die Feldschlößchen-Brauerei in Nippes von Hennig & Naumann, die Vergrößerung der Sünner‘schen Brauerei in Deutz und die Verlegung des Brauereibetriebes derselben nach Kalk, 1888 die Kalker Brauerei AG, vormals Jos. Bardenheuer, um 1890 die Vergrößerung der Brauerei Winter aus der Schildergasse und Verlegung des Brauereibetriebes derselben nach Lindenthal, 1891 die Bergische Löwen-Brauerei in Höhenhaus, 1899 die Germania-Brauerei in Mülheim, 1900 die Hirsch-Brauerei und 1908 die Balsam-Brauerei AG in Mülheim. Das Aufsteigen der untergärigen Großbrauereien ging zusammen mit der Eingemeindungspolitik der Stadt Köln und der raschen Zunahme der städtischen Bevölkerung. Die obergärigen Hausbrauereien waren weder in ihren Persönlichkeiten noch in den sachlichen Verhältnissen stark, wendig und anpassungsfähig genug, um sich diese Entwicklung zunutze zu machen. Sie vermochten zu einem guten Teile nicht einmal den gegen sie gerichteten Stoß aufzufangen und fielen mit ihren guten altbekannten Gastwirtschaften den Großbrauereien als Beute anheim. Während im Jahre 1875 noch 110 Hausbrauereien vorhanden waren, fiel ihre Zahl 1885 auf 89 und 1895 auf 67. Im Jahre 1900 waren es noch rund 55 und diese Zahl hielt sich dann bis zum ersten Weltkriege, denn inzwischen hatte die Technik von sich aus in den Kleinmaschinen, vor allem im Elektromotor, die Heilmittel für die Wunden gefunden, die sie selbst geschlagen hatte.

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Die Hausbrauereien, die den Ansturm der Großbrauereien überstanden, benutzten die Vorteile der technischen Umgestaltung und die Senkung ihrer Erzeugungskosten in klarer Erkenntnis des für sie Notwendigen und in dem seit jeher dem Handwerker eigenem Streben nach Wertarbeit zur Verbesserung der Güte ihres Bieres. Ihr Streben fand starken Widerhall in den Kreisen der eingesessenen Bürgerschaft, die an den alten Hausbrauereien mit Liebe hing. In den Schankzimmern der Kölner Brauereien mit den Eigenarten ihrer Einrichtung und Bedienung spiegelt sich zu einem guten Teil der Charakter des kölnischen Volkstums wider, nicht zuletzt auch die demokratische Tradition der Stadt. Sie waren und sind bis heute im besten Sinne klassenlose Gaststätten, in denen der Akademiker, der Kaufmann, der Fabrikant, der Handwerker und der Arbeiter am gleichen Tisch fröhlich zusammensitzen und miteinander plaudern und trinken. In ihnen war und ist ein Teil jener Stimmung geborgen, die der Kölner Genöglichkeit nennt und die auch den Fremden meist sofort in ihren Bann zieht.

 

Die obergärige Hausbrauerei braute im wesentlichen nur für den Ausschank des eigenen Gastzimmers. Auch bei der Belieferung von Gastwirtschaften mußte sich dieser Absatz auf Grund der Eigenschaften des obergärigen Bieres immer in verhältnismäßig engen Grenzen halten. Umgekehrt war die untergärige Großbrauerei von vornherein grundsätzlich auf den Absatz nach außen hin angewiesen. In ihrer Frühzeit gingen die untergärigen Brauereien in Verfolgung alter Kölner Handelsüberlieferungen auch auf die Ausfuhr ihres Erzeugnisses nach den westeuropäischen Ländern aus und erzielten einen nicht unbeträchtlichen Absatz nach Belgien und Holland, der im Jahre 1865 mit 10263 hl seinen Höhepunkt erreichte. Der Wettbewerb der Eifel-Brauereien machte diesen hoffnungsvollen Anfängen bald wieder ein Ende, und im Jahre 1878 betrug die Ausfuhr nach den beiden Nachbarländern nur noch 671 hl. Es wäre vielleicht möglich gewesen, das Geschäft zu halten und auszubauen, aber die Kölner Großbrauereien nahmen den Verlust nicht wichtig, weil sie in Köln und in der ländlichen Umgebung durch die infolge der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung gesteigerten Absatzmöglichkeit leicht Ersatz fanden. Von 1900 bis 1913 stieg die Zahl der Einwohner in Köln von 372000 auf 544 000. Obschon der in Köln erheblich über dem Reichsdurchschnitt liegende Verbrauch auf den Kopf der Bevölkerung in diesen Jahren von 218 auf 154 l. Bier sank, stieg der Kölner Gesamtkonsum nach einer vorübergehenden Senkung von 813 000 auf 839 000 hl an. Die Großbrauereien suchten die Ausweitung des Verbrauchs durch Verbilligung des Bierpreises zu fördern und trieben damit im Gegensatz zu den Hausbrauereien eine kurzsichtige Absatzpolitik, denn sie verkannten den Gang ihrer Entwicklung und zugleich die Veränderung in der wirtschaftlichen Lage.

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Die günstige Entwicklung der Großbrauereien beruhte ursprünglich auf ihrer technischen Überlegenheit, durch die sie sich auf Kosten der obergärigen Brauereien, die sie in Köln zu einem erheblichen Teile und in der Umgebung der Stadt fast ganz zum Erliegen brachten, ausdehnen konnten. Inzwischen aber hatten die Hausbrauereien auch den Anschluß an die neue Technik gefunden und außerdem eine Bevorzugung in der steuerlichen Belastung erhalten. Sie hatten es auch verstanden, den fortgeschrittenen ästhetischen Anforderungen ihrer Gäste zu genügen und waren so in ihrem verminderten Bestand krisenfest geworden. Das Bestreben der Großbrauereien, die Absatzvermehrung durch Preisherabsetzung zu fördern, war auch nur solange berechtigt, als die eingesessenen anspruchsvolleren Kreise mehr Wein als Bier tranken. Das änderte sich aber mit der schnellen, neben der natürlichen Vermehrung stark auf Zuwanderung beruhenden Zunahme der Bevölkerung, durch welche auch die Oberschicht eine Veränderung ihrer inneren Struktur erfuhr, die sich im vorliegenden Falle in der Bevorzugung des Bieres ausdrückte. Aber diese neuen Biertrinker verlangten nach Qualitätsbier und weiterhin nach einer landschaftlich bunten Bierkarte. Abgesehen von vielversprechenden Anfängen der Alteburger Brauerei, die wirtschaftlich nicht fruchtbar wurden. hatten aber die Kölner Brauereien die Entwicklung eines Qualitäts-Markenbieres versäumt, mit dem sie nun den eigenen Markt hätten behaupten und, gestützt auf das Verlangen der verwöhnteren Biertrinker nach landschaftlichen Spezialbieren, fremde Märkte hätten erobern und zumindest ihr stehendes Kapital besser hätten ausnützen können. Eine weitere Erschwerung erfuhr endlich die Absatzpolitik der Großbrauereien durch die in Köln seit dem 1. Mai 1890 eingeführte Konzessionspflicht für Gaststätten. Die Neuerrichtung oder die Übertragung einer Wirtschaft wurde von der Bejahung der Bedürfnisfrage abhängig gemacht, neue Konzessionen aber infolgedessen nur in beschränktem Umfange erteilt. Die Folge war eine starke Wertsteigerung der bestehenden Wirtschaften, die allerdings durch die Erhöhung der städtischen Umsatzsteuer und die Einführung der städtischen Wertzuwachssteuer im Jahre 1905 abgeschwächt wurde, die Brauereien aber doch vielfach zur Vernachlässigung der gebotenen Vorsicht bei Kreditgewährungen veranlaßte. Kreditgewährungen waren aber inzwischen zu einem Hauptkampfmittel in der Absatzpolitik der Brauereien geworden. Seit der Jahrhundertwende sehen sich diese, abgesehen von der auswärtigen Konkurrenz nicht nur einem ständig schärfer werdenden gegenseitigen Wettbewerb gegenüber, sondern auch dem wachsenden Druck der obergärigen Brauereien ausgesetzt. Nach der Einführung der Konzessionierung mußten die Brauereien darauf bedacht sein, möglichst viele Wirtschaften zur Sicherung ihres Absatzes an sich zu binden, was im allgemeinen nur auf dem Wege der Kreditgewährung geschehen konnte. Da sich der Kampf um den Absatz mangels einer größeren Ausfuhr fast ausschließlich im Kölner Raum abspielte, wurde mit der zunehmenden Verschärfung desselben für die Darlehensgewährung weniger die hypothekarische Sicherheit als die Höhe des Bierverbrauchs ausschlaggebend. Was das Verhältnis zwischen Ober- und Untergärung anging, so kehrten sich die Verhältnisse vor dem ersten Weltkrieg schließlich soweit um, daß ein Teil der Großbrauereien dazu überging, auch obergäriges Bier herzustellen, wobei sich ein zusätzlicher Leerlauf ihrer Betriebsanlagen ergab. Die Folge war, daß von den 8 Kölner Aktienbrauereien in der Zeit vor 1914 fast die Hälfte jahrelang und von den 5 Aktienbrauereien der Umgegend zwei sozusagen während ihres ganzen Bestehens vor dem ersten Weltkrieg keine Dividende zahlten. Gegenüber dem Reichsdurchschnitt weisen in Köln in der Zeit von 1900 bis 1914 die Dividenden der Großbrauereien ein Minus von 4 bis 7 Prozent auf. Trotz der mangelnden Rentabilität kam es aber nicht zur Zusammenlegung von Brauereien, wiederum im Gegensatz zum Reich, wo die Betriebskonzentration in durchlaufender Entwicklung erhebliche Fortschritte machte.

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Ein durch die Eigenschaften des Erzeugnisses auf die untergärigen Brauereien beschränkter Versuch, dem Bier als Haustrunk neue Möglichkeiten zu erschließen, war die Einführung des Flaschenbieres, das in Köln seit etwa 1875 aufkam. Der Vertrieb erfolgte meist durch Bierverleger, deren Zahl im Jahre 1900 auf 94 und 1913 auf 111 gestiegen war.

 

Jeder moderne Krieg muß sich durch die Einbeziehung der Ernährungswirtschaft in das Kriegsgeschehen und in die Kriegswirtschaft, die Unterdrückung jeglicher Luxus- und Genußmittel-Industrien und den Rückgriff auf alle nicht kriegswichtig eingesetzten Metallbestände für das Brauereiwesen höchst ungünstig auswirken. Er muß auch aus der Eigenart der kapitalistischen Bindungen und Verflechtungen die kleinen und mittleren Betriebe härter treffen als die großen. Das wurde schon im ersten Weltkriege deutlich. Während die Zahl der Brauereien in Deutschland im Zuge der technisch-wirtschaftlichen Betriebskonzentration von 1890-1913 von 18 492 auf 10 388 zurückging, fiel sie in dem Jahrzehnt von 1913-1924 infolge des Krieges und der diesem folgenden Geldentwertung von 10 388 auf 4921, in Köln allein war nach den Angaben des Zollamtes ein Rückgang von 70 auf 34 Betriebe zu verzeichnen. Die Kölner Bierproduktion sank von 635 000 hl im Jahre 1913 auf 420 500 hl im Jahre 1922. Der Anteil der Hausbrauereien betrug aber nur noch 97 500 hl von dieser Summe, während er 1913 noch rund 235 000 hl betrug. Keine der obergärigen Brauereien erreichte am Ende der Inflation eine Jahreserzeugung von 10 000 hl. während unter den 10 untergärigen Brauereien nur noch eine war, deren Jahreserzeugung unter 20 000 hl lag. Wieder drohte den handwerklichen Brauereien in Köln der völlige Untergang. Während der Anteil des obergärigen Bieres am Gesamtverbrauch im Jahre 1913 für das norddeutsche Brausteuergebiet 1o Prozent ausmachte, kam er in Köln auf 41 Prozent und sank bis 1922 auf 6,7 Prozent. Von den 53 bei Kriegsausbruch vorhandenen Hausbrauereien bestanden 1923 noch 22; vier kapitalkräftigere hatten sich auf die untergärige Brauweise umgestellt. Die infolge der kriegswirtschaftlichen Verordnungen eingetretene Bierverdünnung beeinflußte die Güte und den Geschmack des obergärigen Bieres infolge seines geringen Kohlensäuregehaltes ungleich mehr, als dies bei dem untergärigen Bier der Fall war. Die Folge war, daß die Gäste sich von dem obergärigen Bier abwandten, ohne daß diese Verbrauchsquote im wesentlichen den einheimischen Großbrauereien zufiel. Zum zweiten Male rächte sich die Vernachlässigung der Qualität und des Exportes durch die Großbrauereien. Die Inhaber der stillgelegten Hausbrauereien und ein Teil der Wirte, die sich in der Geldentwertung von den Brauereidarlehen hatten freimachen können, wandten sich dem Ausschank auswärtiger Spezialbiere zu, die von den Verbrauchern ohne Rücksicht auf ihren höheren Preis bevorzugt wurden.

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Kriegswirtschaft und Geldentwertung nahmen aber den Großbrauereien auch die Möglichkeit, den Wettbewerb untereinander in den alten Formen auszutragen. Dieser Umstand und der von 1913 bis 1922 von 154 auf 88 Liter fallende Verbrauch an Bier auf den Kopf der Bevölkerung brachte in Köln die 1900 gestoppte Betriebskonzentration wieder in Fluß. Bei gleichzeitiger Steigerung der Erzeugung im Jahresdurchschnitt von 30430 auf 39300 hl ging die Zahl der Großbrauereien in Köln um 4 zurück; die Rheinische Brauereigesellschaft Alteburg wurde stillgelegt, die Bergische Löwen-Brauerei und die Germania-Brauerei gingen in der Balsam-Brauerei, und die Mülheim-Niedermendiger Aktien-Brauerei in der Adler-Brauerei auf.

Die Gesundung der Währung, mit der gleichzeitig eine politische Beruhigung einherging, festigte die Verhältnisse im Brauereiwesen in Köln, insoweit wenigstens, als es sich um die Zahl der Betriebe handelte. Die Zahl der Hausbrauereien blieb unverändert und von den Großbrauereien ging nur noch die Adler-Brauerei im Jahre 1931 in der Hirsch-Brauerei auf, die im Jahre 1938 den Namen Dom-Brauerei annahm. Im wesentlichen blieb auch der Charakter der untergärigen Brauereien als aus dem Handwerk hervorgegangener industrieller Mittelbetriebe erhalten. Nur die Dom-Brauerei ging in den Besitz des Funke-Konzerns über.

Mit der Aufhebung der die Güte des Bieres stark mindernden kriegswirtschaftlichen Verordnungen begannen auch die untergärigen Großbrauereien auf der Grundlage der Pilsener Geschmacksrichtung ein von der Qualität her gehaltvolles Bier zu brauen. Es gelang ihnen aber nicht, in nennenswertem Umfange entferntere Märkte zu erobern, während sich durch das Verlangen der Kölner Verbraucher nach Güte und Abwechslung die fremden Markenbiere in Köln behaupteten und vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges rund die Hälfte des gesamten Kölner Bierbedarfs befriedigten, obschon die Produktionskapazität der Kölner Brauereien bei weitem nicht ausgenutzt war.

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Einer Großstadt wie Köln wird man aus Gründen der Herkunft der Bevölkerung und des großstädtischen Lebensstiles die Einführung größerer Mengen auswärtiger, und zum Teil auch ausländischer Markenbiere zugestehen müssen, aber ein Anteil, der die Hälfte des Gesamtverbrauches ausmacht, muß aus volkswirtschaftlichen und sozial-politischen Gründen als ungesund erscheinen, im Lichte der Zukunft. gesehen namentlich in einem durch zwei verlorene Kriege verarmten Lande.

Diese für das Kölner Braugewerbe, vor allem für die untergärigen Großbrauereien ungünstige Entwicklung beruht nach wie vor auf den im 19. Jahrhundert gemachten Fehlern in der Absatzpolitik. Bereits im Jahre 1900 stand einer Kölner Eigenerzeugung von 531090 hl eine Einfuhr von 278 610 hl gegenüber, und im letzten Friedensjahr 1913 betrug die Eigenproduktion 634 600 hl gegenüber 205 000 hl Einfuhr. Nach dem ersten Weltkrieg machte die Einfuhr fremder Biere schon 1/3 des gesamten Kölner Verbrauchs aus, von dem wiederum 1/4 aus der näheren Umgebung, der Rest aus Bayern, Westfalen, Böhmen und England kam.

Die deutsche Biererzeugung sank in der Zeit von 1913-1924 von 69 200 000 hl auf 38 150 000 hl. Dieser Rückgang war nicht nur in den kriegswirtschaftlichen Verhältnissen begründet, sondern auch in der stärkeren Abkehr von alkoholischen Getränken überhaupt, der Hingabe der Jugend an den Sport, und der aus innen- und außenpolitischen Gründen erfolgenden Verbreiterung des Weinkonsums. Der Zwang, in der Kriegszeit versäumte Reparaturen nachzuholen, und die gesteigerten Anforderungen der Gäste an Aufmachung und Ausstattung führten auch diejenigen Wirte bald wieder in die Abhängigkeit der Brauereien, die sich in der Geldentwertung davon freigemacht hatten. Nach den Jahren 1925 bis 1929, die eine Zeit der Ruhe und des Aufstiegs anzukündigen schienen und in denen die deutsche Biererzeugung auf 58 078 000 hl anstieg, folgte die Weltkrise, welche die deutsche Biererzeugung wieder auf 33 570000 hl im Jahre 1932 sinken ließ und den Kampf um den Absatz in einer Weise verschärfte, der volkswirtschaftlich und sozial-ethisch zu den bedenklichsten Folgeerscheinungen führte. Die allgemeine Krise wurde für das Braugewerbe noch verschärft durch steuerliche Maßnahmen. Bis zum Jahre 1906 war die Besteuerung des Bieres in Preußen einfach und erträglich; sie betrug seit dem 1. Januar 1834 2 Mark je Zentner Malz. Im Jahre 1906 wurde dann nach bayerischem Vorbilde eine Staffelung der Steuer nach der Höhe des Malzverbrauches eingeführt, um die kleinen Brauereien in ihrem Bestand zu schützen, und zugleich für Biere untergäriger Brauart ein Surrogatverbot erlassen. Bei der starken Stellung, die sich um diese Zeit die Kölner Hausbrauereien, gestützt auf die Volksgunst, bereits aus eigener Kraft geschaffen hatten, konnten die Großbrauereien, da die Hausbrauereien von der Steuererhöhung so gut wie gar nicht betroffen wurden, eine Bierpreiserhöhung nicht durchsetzen, sondern mußten Steuer und erhöhte Gestehungskosten selber tragen, wodurch ihre Liquidität etwa um 1/3 herabgesetzt wurde.

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Im Jahre 1909 wurde eine allgemeine Biersteuererhöhung um je 2 Mark für den Zentner Malz durchgeführt, die scharfe Staffelung der Steuer aber durch die Art des Zuschlages zugleich gemildert. Neben der Staatssteuer gab es in Köln seit dem 1. September 1894 eine solche der Stadtgemeinde, die vom Fertigprodukt in zwei Stufen nach der Höhe des Alkoholgehaltes erhoben wurde. Bis zum Jahre 1921 diente diese Steuer aber nicht allein der Füllung des Stadtsäckels, sondern zugleich dem Schutz der einheimischen Brauereien, da die Steuersätze für nach Köln eingeführtes Bier erheblich höher waren. Die Großbrauereien gedachten nun die Steuererhöhung vom Jahre 1909 zu benutzen, um nicht nur die neue Steuer, sondern auch die Gemeindebiersteuer, die inzwischen ebenfalls eingeführten Getreidezölle und die notwendig gewordenen Lohnerhöhungen hereinzuholen. Sie verlangten daher eine Erhöhung des Bierpreises um 4 Mark. Wiederum widersprachen die Haustrauer einer Erhöhung des Bierpreises. Daß ihre Stellungnahme nicht ganz unberechtigt war, ergab sich daraus, daß, als man sich auf eine Erhöhung des Preises um 3 Mark geeinigt hatte, der Verbrauch an Bier in Köln um 10 bis 20 Prozent zurückging.

Die Gemeindebiersteuer wurde im Jahre 1921 durch eine Schankkonzessionssteuer ergänzt, die bei Neukonzessionierungen und Wirtschaftsübertragungen voll, bei Erweiterung einer beschränkten Konzession halb erhoben wurde. Diese Steuer wirkte sich für die Brauereien im wesentlichen günstig aus, da sie den Wirtewechsel eindämmte und dazu beitrug, überhöhte Preise für Wirtschaften auf den echten Wert zurückzuführen.

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Da die Brausteuer im Kriege durch die starke Bierverdünnung unergiebig wurde, wurde die bisherige staatliche Brausteuer durch eine am 1. Oktober 1918 in Kraft getretene Reichsbiersteuer ersetzt, die unter Beibehaltung der Staffelung und des Surrogatverbotes für untergärige Brauereien vom Fertigfabrikat nach dem Stammwürzegehalt erhoben wurde. Das neue Steuergesetz brachte ferner eine Sonderbegünstigung der kleinen Hausbrauereien unter 1000 hl und eine Kontingentierung des Braurechts nach der Durchschnittsproduktion 1912 und 1913, deren Überschreitung mit stark erhöhten Steuersätzen bedacht wurde.

Die Finanznot des Reiches führte zu einer mit Wirkung vom 15. April 1931 vorgenommenen starken Biersteuererhöhung, die aber ihr Ziel nicht erreichte, da durch die Arbeitslosigkeit der Bierverbrauch im Inlande und durch die Weltkrise die Bierausfuhr ganz erheblich zurückgingen, so kam es bald zu einer Absatzkrise, die zu einer starken Verminderung und stellenweise zu einem völligen Verlust der Rentabilität führte. Der Kampf um das eigene Leben führte naturgemäß zu einem verschärften Wettbewerb, um durch Neuerwerbung von Kunden den Absatzrückgang auszugleichen. Dabei wurden seitens der Brauereien Preisvergünstigungen, Nebenleistungen, Kredite und Darlehen zu Bedingungen und in einem Ausmaß angeboten, die wirtschaftlich nicht mehr vertretbar waren und die Wirtschaftsmoral untergruben.

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Die Brauereiverbände versuchten durch Kartellverträge die schlimmsten Auswüchse des Wettbewerbs zu beseitigen, aber ihre Bemühungen scheiterten meist an den Außenseitern. In Köln, wo der Wettbewerb von jeher stark war, gehen die Bemühungen um die Bildung eines Kartells bis auf den Anfang unseres Jahrhunderts zurück. Die Verbandsbildung im deutschen Braugewerbe begann mit der Gründung des "Deutschen Brauer-Verbandes" in Frankfurt am Main im Jahre 1871, dessen Aufgabe die Wahrnehmung der Interessen des Gewerbes in allgemeinen Fragen der Gesetzgebung und Wirtschaft den Behörden gegenüber war. Die weitere Entwicklung ging dann von der Sozialpolitik aus. Die Verdrängung der Hausbrauerei durch den Großbetrieb und innerhalb dessen der Ersatz der gelernten Brauer durch ungelernte Arbeiter, das Fortbestehen von patriarchalischen aber überlebten Formen eines Gesindeverhältnisses, das seinen inneren Sinn verloren hatte, sowie der Versuch, die Kosten des sich verschärfenden Wettbewerbs durch Senkung der Löhne wieder auszugleichen, führte um die Mitte der 1880er Jahre zu der Gründung des "Allgemeinen deutschen Brauer-Verbandes", der zunächst auf die gelernten Brauer beschränkt, 1892 auf alle Brauereiarbeiter ausgedehnt und 1893 den "Freien Gewerkschaften" angeschlossen wurde. 1911 wurde der Verband auch auf die Mühlenarbeiter ausgedehnt und führte seitdem den Namen Brauerei- und Mühlenarbeiter-Verband.

Die Verbandsbildung gab den Arbeitern neben dem Streik die viel gefährlichere Waffe des Boykotts in die Hand, und 1892 machten sie in Köln zum ersten Male Gebrauch davon. Die Folge war, daß sich die Brauereien noch im gleichen Jahre zu dem Verein der Brauereien von Köln und Umgebung gegen Verrufserklärung e.V. zusammenschlossen. der, nachdem mit der Ausdehnung der sozialen Fronten im Jahre l904 der "Boykottschutzverband Rheinisch-Westfälischer Brauereien" mit dem Sitz in Dortmund, entstanden war, 1906 wieder aufgelöst wurde. 1904 wurde für Köln der erste Tarifvertrag abgeschlossen, aber auch auf diesem Gebiete drängten die Verhältnisse über den lokalen Rahmen hinaus und 1910 schlossen Brauer- und Boykottverband einen Tarif ab, der von Hamm bis Köln Geltung hatte.

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Mit der Verschärfung des Wettbewerbs drängte sich der Gedanke auf, die Auswüchse dieses Kampfes durch gemeinschaftliche Vereinbarungen über die Bekämpfung ungesunder Kreditverhältnisse und unlauteren Wettbewerbs sowie die Regulierung der Preise zu beschneiden. Es kam daher seit der Jahrhundertwende allenthalben zu lokalen Brauereivereinigungen, die zum Teil, wie der 1902 gegründete Verein der Brauereien von Köln und Umgegend zur Wahrnehmung gemeinschaftlicher Interessen e.V. kartellähnlichen Charakter hatten. Die Erreichung der Ziele, die sich der Kölner Verein gesetzt hatte, scheiterte aber, namentlich in der Hauptfrage des Wettbewerbs, an dem Verhalten der auswärtigen, auf Kölner Gebiet gleichfalls Interessen verfechtender Brauereien, vor allem aus dem Bergischen und Westfalen. So kam es im Jahre 1906 zur Auflösung des Vereins, und ein im gleichen Jahre noch unternommener Versuch, eine Erhöhung und Regelung der Bierpreise in der Form der GmbH. durchzusetzen, scheiterte an dem Widerstand der Hausbrauereien. Erst die Biersteuererhöhung des Jahres 1909 brachte wieder eine Belebung des Verbandsgedankens, zugleich aber auch das Ende des lokalen Gemeinschaftsgedankens, denn neben den Verein der Brauereien von Köln und Umgegend e.V. traten nun die Vereinigung der Hausbrauereien von Köln und Umgegend" und der "Verein der Landbrauereien der Kölner Umgegend e. V. Diese lokalen Organisationen, die kurz vor dem ersten Weltkrieg durch den Verband Rheinisch-Westfälischer Brauereien GmbH regional ergänzt wurden, bestanden bis 1934, in welchem durch die Gesetze über den vorläufigen Aufbau der gewerblichen Wirtschaft, des Handwerks und des Reichsnährstandes eine völlige Umstellung des Verbandswesens eingeleitet wurde. Diese Neuordnung umfaßte auch erstmalig eine Marktordnung, die zuletzt noch von dem Verband Rheinisch-Westfälischer Brauereien GmbH durch einen auf der Grundlage der Freiwilligkeit beruhenden, erstmalig am 23. April 1931 abgeschlossenen und dann jährlich erneuerten Kartellvertrag ohne durchschlagenden Erfolg versucht worden war.

Das 1934 im Sinne einer staatlich gelenkten Wirtschaft geschaffene, gleichzeitig der Lenkung und Vertretung des Brauereigewerbes dienende System befindet sich z. Zt. in einer den neuen staatlichen, politischen und wirtschaftlichen deutschen Verhältnissen entsprechenden Umstellung Es war gekennzeichnet durch eine das Brauereigewerbe unter mehrfachen Gesichtspunkten erfassende Dreiteilung.

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Alle Brauereien, die fabrikmäßig Bier herstellten, wurden in der "Wirtschaftsgruppe Brauerei", alle kleinen handwerksmäßig arbeitenden Brauereien aber in dem "Reichsinnungsverband für das Brauer- und Mälzerhandwerk" organisatorisch erfaßt und dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt. Die Frage der Abgrenzung zwischen Industrie und Handwerk gelangte nicht zu einer endgültigen Entscheidung, beide Organisationen hatten jedoch die Berufsbetreuung ihrer Mitglieder wahrzunehmen, wobei ihnen aber jede marktregelnde und sozial-politische Betätigung verwehrt war. Dem zwischenzeitig in "Kölner Brauerei-Verband e.V." umbenannten "Verein der Brauereien von Köln und Umgegend e.V." wurde innerhalb der Wirtschaftsgruppe Brauerei, welche die Rechtsnatur eines rechtsfähigen Vereins des Privatrechtes zur Wahrnehmung der beruflichen Interessen seiner Mitglieder hatte, die Rolle einer Ortsobmannschaft innerhalb einer Rheinischen Bezirksgruppe zugeteilt. Nach Kriegsende wurde die Wirtschaftsgruppe Brauerei aufgelöst und in der britischen Zone durch provinzielle Brauereiverbände auf demokratischer Grundlage mit freiwilliger Mitgliedschaft ersetzt. So entstand zum ersten Male in der Brauerei-Organisation ein ausschließlich Rheinischer Brauerei-Verband, in den 1946 der Kölner Brauerei-Verband e.V. als die organisatorische Zusammenfassung aller handwerklichen und industriellen Brauereien des Regierungsbezirkes Köln eingegliedert wurde. Daneben befindet sich eine Innung der handwerklichen Betriebe zur Vertretung der besonderen Belange der obergärigen Hausbrauereien auf überregionaler Grundlage in der Neubildung.

Im Gegensatz zu der privatwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftsgruppe Brauerei wurde das Braugewerbe aber auch als Be- und Verarbeiter landwirtschaftlicher Erzeugnisse in der "Hauptvereinigung der Deutschen Brauwirtschaft" seitens des Reichsnährstandes erfaßt, deren Aufgabe darin bestand, auf dem Gebiete der Brauwirtschaft die volkswirtschaftlichen Belange zu wahren. Auf Grund dieser Zielsetzung erhielt sie den Charakter einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes und wurde mit staatlichen Hoheitsrechten ausgestattet. Räumlich wurde die Hauptvereinigung in fünf Brauwirtschaftsverbände unterteilt, deren Umfang nach den besonderen regionalen Verhältnissen des Braugewerbes bestimmt wurde, und deren einer das Gebiet Westdeutschland umfaßte. Der Hauptzweck der Hauptvereinigung war, auf dem Wege der Selbstverwaltung ohne Kartell zu einer Marktordnung zu kommen. Nachdem sie im landwirtschaftlichen Sektor die Hopfenanbaufläche und den Hopfenpreis auf den Bedarf abgestimmt und Mindestpreise zum Schutze des Anbaus von Braugerste festgesetzt hatte, schritt sie im Oktober 1935 zur Regelung des Wettbewerbs im Braugewerbe selbst, und zwar mit dem Ziel, denselben allmählich dem Einfluß des Kapitals, durch dessen Mißbrauch die Auswüchse in der Absatzpolitik vornehmlich entstanden waren, zu entziehen. Durch den Schutz der zwischen den Brauereien und den Gastwirten abgeschlossenen Verträge sowie die Einführung der Genehmigungspflicht für neue Bierlieferungsverträge seitens des zuständigen Brauwirtschaftsverbandes erstrebte die Hauptvereinigung eine gesunde Regelung des Darlehns- und Kreditwesens, der Pacht- und Mietverhältnisse sowie der Bierlieferungsverträge und konnte diese auch zu einem guten Teil verwirklichen. Mit dem Ende des Krieges erreichte auch die Hauptvereinigung der Deutschen Brauwirtschaft als zentrale Institution naturgemäß ihr Ende. Die Brauwirtschaftsverbände blieben in der britischen Zone vorerst bestehen, wurden aber ebenfalls auf die Provinzen begrenzt. Auf die weitere organisatorische Gliederung und Vertretung des Brauereigewerbes dürfte vor allem die sich erst in den Anfängen abzeichnende staatliche Neugliederung Deutschlands von Einfluß sein, ebenso bestimmend werden die Grundsätze sein, nach denen die deutsche Wirtschaftspolitik, sei es zentral oder in den neuen Ländern, ausgerichtet werden wird und nicht zuletzt auch die Frage, wie sich in Zukunft die Höhe der Realeinkommen und die Möglichkeit der Kapitalneubildung gestalten wird.

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Das Statistische Reichsamt hat in einer Veröffentlichung von 1928 das Braugewerbe als ein in solcher Reinheit im deutschen Wirtschaftsleben nicht mehr vorkommendes Musterbeispiel dafür bezeichnet, wie sich ein uraltes Handwerk ganz aus sich heraus zu einer bedeutenden Industrie entwickelt hat. Nirgendwo wird dies aber so deutlich wie in Köln, wo Industrie und Handwerk im Brauereiwesen bis zur Gegenwart nebeneinander bestehen und sich beide in einer stolzen Tradition geistig miteinander verbunden fühlen. In dieser Tradition besitzt das Gewerbe aber auch einen geistigen Schatz, von dem es in der Unsicherheit des Heute zehren, und aus dem es Mut für das Morgen gewinnen kann. Die vor uns liegende Entwicklung wird vielfach den Charakter des Sprunghaften, vielleicht sogar des in sich Widerspruchsvollen tragen, da der Bruch, der durch die Gegenwart geht, zu stark ist und das Anknüpfen an die unmittelbare Vergangenheit weder möglich, noch zulässig, ja nicht einmal erwünscht ist.

In einer solchen Lage ist es notwendig, die Brückenbogen von der Vergangenheit zur Zukunft beherzt hoch und weit zu schlagen, den Blick aufwärts und vorwärts zu richten, nicht aber hinab auf die Wirrnisse des Tages. Wenn wir aus den hinter uns liegenden Jahren eine Erkenntnis gewinnen können, dann ist es die, daß das rein Menschliche, wenn es nicht entarten soll, gebunden bleiben muß an den Vorrang des Geistigen. Geist aber ist Ordnung und innere Ausgeglichenheit der Kräfte. Das Mittelalter, aus dem die Schöpfer und Meister des Kölner Verbundbriefes hervorgingen, wußte um diese Ordnung, es kannte aber noch nicht die Vielgestaltigkeit des Lebens durch die Technik. Die Gegenwart hat diese Vielgestaltigkeit, aber sie ringt um die Kraft zur Ordnung dieser die Sinne verwirrenden Lebensfülle. Es geht darum, den Menschen wieder frei zu machen von der Sklaverei der Götzen, die er selber geschaffen hat, und unter diesem Gesichtspunkte erhält auch das Ringen um die künftige Gestalt unserer Wirtschaft seinen tieferen Sinn. Der vom Willen zur Macht getragene Übermensch gehört zu den Toten des letzten Krieges; er fiel nicht in der Schlacht, die stürzenden Ruinen erschlugen ihn. Nun müssen sich Geist und Stoff wieder zusammenfinden in der Ordnung der aufbauenden Kräfte. Dabei kommt es auf die Art des Stoffes zunächst nicht an. Ob Goldschmied oder Grobschmied, ob Bauer oder Brauer, das bleibt an sich gleich. Das so vielfältig in das menschliche Zusammenleben verflochtene Braugewerbe ist aber von alters her an das Ringen um die Ordnung, um das Maß und die Zahl, gewöhnt und seine Verantwortlichkeit vor dem Kommenden ist darum auch nicht geringer als die irgendeines anderen Berufes. Für das Kölner Brauerhandwerk gilt es darüber hinaus noch, die sich hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Gewerbes ergebenden, Fragen in Zusammenhang zu bringen mit den aus der Geschichte der Stadt und der Besonderheit ihres sozialen Lebens hervorgehenden.

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Wenn es heute gilt, von einer großkapitalistischen Konzernpolitik zu einem die Würde des Menschen als Maß und Ziel des Wirtschaftens nehmenden Wirtschaftsstil zu kommen, so ist Köln wohl mit der beste Boden für eine solche neue Kultur und die lebendige Verbindung von Handwerk, Klein- und Mittelindustrie, wie sie hier im Brauereigewerbe besteht, ist wohl geeignet, den ehrlich Suchenden auf neue Wege zu führen. Auch die Frage, inwieweit der Staat als Vertreter der Gemeinschaft berufen ist, hemmend nach der einen, fördernd nach der andern Seite einzugreifen und vor allem, inwieweit er, weniger noch aus wirtschaftlicher als aus sozialer Notwendigkeit verpflichtet ist, das für die geistige Erneuerung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau so wichtige Handwerk unter seinen besonderen Schutz zu stellen, kann und muß in Köln besonders eingehend erörtert werden. Als verarmtes Volk werden wir endlich auch die Forderungen der Sozialpolitik, die wir an eine Zukunft zu stellen haben, deren Lebensstil von dem geistigen Adel und der seelischen Würde des Menschen bestimmt ist, mehr im Geistigen als im Materiellen suchen müssen. Diese neue Sozialpolitik wird in ihrem Wesen und in ihren Mitteln nicht mehr in so starkem Maße vom Großbetrieb ausgehen können wie bisher, sie wird auch für den Mittel- und Kleinbetrieb soziale Forderungen stellen, die wir heute erst in ihren Umrissen erkennen, von deren richtiger und gerechter Erfüllung aber vielleicht die Zukunft unseres Volkes und mehr abhängen wird.

(Von Dr. Joseph Klersch - Herausgegeben vom Kölner Brauerei-Verband e.V. zur 550 Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft am 26. September 1946).

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