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Das historische Banner der Brauergaffel von 1582

Wer einen Rundgang durch das Kölner Stadtmuseum unternimmt, kann dort fünf großformatige Ölgemälde, auf denen Schlachtenszenen zu bewundern sind, finden. Diese Bilder stammen ursprünglich aus dem Zunfthaus der Buntwörter, wie die Gerber im Mittelalter genannt wurden. Nach dem Abbruch des Zunfthauses hat der berühmte Kölner Kunstsammler Franz Wallraf die Bilder zu Anfang des 19. Jahrhundert erworben und so der Nachwelt erhalten. Aus dem alten Wallraf-Richartz-Museum kamen sie 1915 in den so genannten Schlachtensaal des Kölner Rathauses und nach dem Kriege in das Kölner Stadtmuseum. Auf einem der Bilder, "Auszug aus dem Neugassentor", das leider verschollen ist, fand sich die Jahreszahl 1582. Der Maler war Arnold Colyns, da sich auf dem Bild "Kölner Feldlager" eine Signatur "Cholijn" befindet. Noch 1928 hatte man irrtümlich angenommen, dass es sich hier um eine Darstellung der Schlacht von Worringen in der Version des 16. Jahrhunderts handeln würde, da auf drei Bildern der Kölner Schlüsselwagen zu sehen ist. Heute aber ist sicher, dass die Bilder die Belagerung von Neuss im Jahre 1475 darstellen, da auf zwei Bildern eindeutig das Panorama der Stadt Neuss zu erkennen ist. Der Künstler hat allerdings wohl auch Motive aus der Schlacht von Worringen mit verwandt.

Die Schlacht um Neuss ist das letzte wichtige Ereignis der Kölner Stadtgeschichte, das auch für die Geschichte des Deutschen Reiches von Bedeutung war. Die damaligen Kontrahenten waren der deutsche Kaiser Friedrich III. und der Herzog von Burgund, Karl der Kühne. Es ging um Zölle und die Absetzung des Erzbischofs Ruprecht von der Pfalz, der sich an Karl den Kühnen um Beistand gewandt hatte.

So rückte Karl der Kühne mit einem gewaltigen Heer von 50.000(!) Rittern und Söldnern gegen Neuss, und da die Stadt sich nicht ergab, begann er mit der Belagerung. Die Kölner Bürger kamen vorerst als Einzige der Stadt Neuss zu Hilfe und entsandten 2000 Mann als Entsatz, die Neuss gegenüber auf der rechten Rheinseite lagerten. 500 von ihnen durchbrachen den Belagerungsring, um den Eingeschlossenen Hilfe zu bringen. Jeder von ihnen trug dabei einen Sack mit zehn Pfund Salpeter zur Herstellung von Schießpulver mit sich. Dadurch wurde eine wirksame Verteidigung erst möglich.

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Der heldenhafte Widerstand der Neusser und die Hilfe der Kölner Bürger erregten im ganzen Reich Bewunderung. Karl dem Kühnen wurde der Reichskrieg erklärt. Aber es dauerte noch den ganzen Winter bis sich ein Reichsheer unter der Führung des brandenburgischen Kurfürsten Albrecht Achilles gesammelt hatte und im März 1475 erschien der Kaiser selbst in Köln. Als im Juni das Heer gegen Neuss vorrückte, kam es zum Friedensschluss. Karl der Kühne musste abrücken, Friedrich III., ein äußerst geschickter Politiker, erreichte sogar die Verlobung seines Sohnes Maximilian mit der einzigen Tochter Karls, Maria von Burgund, die 1477 mit großer Pracht im Kölner Gürzenich gefeiert wurde. Auch später besuchte der Kaiser Maximilian als König 1505 das Gaffelhaus der Brauer auf der Schildergasse, wo er einen ganzen Tag lang getafelt und gezecht haben soll.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Beteiligten in Köln, besonders die Vertreter der Handwerker und Kaufleute, die Gaffeln, stolz auf ihre Heldentaten waren. Auch hundert Jahre später werden wohl noch bei jeder Zusammenkunft die Kriegserlebnisse erzählt worden sein. So sind die Bilder 1582 vom Gaffelherrn der Buntwörter für die Ausschmückung des Gaffelhauses in Auftrag gegeben worden. Das Bild "Das Kölner Entsatzheer vor Neuss" wird von dem Banner der Stadt Köln beherrscht. Das Wappen zeigt die drei goldenen Kronen auf rotem und sechs schwarze Lilien auf weißem Grund. Auf allen Bildern findet man im Vordergrund an beherrschenden Stelle das Banner der Buntwörter-Gaffel. Das ist nicht weiter verwunderlich, da die Buntwörter-Gaffel die Bilder auch bezahlt hatte. Aber auch die Banner anderer Gaffeln sind auf den Bildern zu erkennen. So kann man auf dem Bild "Aufmarsch zur Schlacht" hinter dem Gaffelbanner der Schmiede auch das Banner der Kölner Brauergaffel erkennen. Es zeigt auf rotem Grund in Gold die gekreuzten Malzschaufeln und die Maischegabel darüber. Auch auf dem Bild "Schlacht vor der Kulisse der Stadt Neuss" ist rechts neben dem Buntwörter-Banner eine Hälfte des Brauer-Wappens zu erkennen. (AM)

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