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Das Gaffel-Haus der Brauer in der Schildergasse

Das Gaffel-Haus der Brauer in der Schildergasse

... Vorher erwarben sie im Jahre 1430 ihr erstes Zunfthaus und, das "SlackLuyss", dicht am Rhein. Dann aber zogen sie wischen 1494 und 1496 in das neuerworbene Haus "Mirweiler" um, das sich in der Tiefe bis zur Brüderstraße erstreckte. Hier bewirteten die Brauer am 23. Juni 1505 sogar einmal per Zufall den Kaiser Maximilian I. aufs beste, der hier auf seinem Weg zum Rathaus wegen eines Unwetters Schutz suchen mußte. Während der reichsstädtischen Zeit spielte sich hier ihr Zunftleben ab.

Nach Auflösung der Zunft wurde das Haus französisches Nationaleigentum. 1802/04 war es das erste protestantische Gotteshaus in Köln. Nachdem es durch kaiserliches (napoleonisches) Dekret im November 1808 der Stadt geschenkt worden war, diente es als Volksschule, ab 1822 als Zeichenschule und 1843 bis 1862 als Heim des Kölner Männer-Gesang-Vereins. Daraufhin richtete die Firma C. Leybold Nachf. hier Lagerräume ein. Im Frühjahr 1928 wurde das Haus zum Zweck eines Neubaus niedergelegt, wobei einzelne Bauteile zur späteren Wiederverwendung aufbewahrt worden sind.

Das Zunfthaus war ebenso einfach wie gediegen eingerichtet - großer Prunk war die Sache der Brauer nicht. Als "monumentalstes Beispiel der typischen Dekorationsweise" solcher Versammlungshäuser wird die alte stucküberzogene Balkendecke im Obergeschoß (von 1613) erwähnt, außerdem ein "Prachtkamin" aus Kacheln, der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Paris verbracht worden ist. Erhalten geblieben (und im Kölnischen Stadtmuseum an der Zeughausstraße: ein Fahnenhalter, sechs barocke Wappenscheiben, eine gußeiserne Kaminplatte und ein Holzrelief des Schutzheiligen St. Petrus von Mailand. Im Urteil der Kunsthistoriker heißt es über das Brauerzunfthaus: Es bot nicht nur ein verhältnismäßig guterhaltenes Beispiel eines Kölner Zunftsaales, sondern ein in seiner Übereinstimmung zwischen Außenseiten und innerer Konstruktion besonders lehrreiches und eindrückliches Beispiel des Kölner Profanbaues überhaupt...

Das Zunfthaus wurde 1612 erweitert - der große Zunftsaal wird im Renaissance-Stil umgebaut. 1430 hatten die Brauer ihr erstes Zunfthaus erworben, das "Slackuyss" direkt am Rhein. Acht Jahre später wurde erstmals eine gesicherte Mitgliederzahl der Zunft genannt: Es waren 21 organisierte Brauer, die im Drei-Jahres-Rhythmus zwei verschiedene Arten von Bier brauten, das Gruitbier und das Gerstenbier.

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Mit wachsender Prosperität des Brauwesens stieg die Zahl der Zunftmitglieder -um das Jahr 1500 gab es schon 70 Brauereien in Köln. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hatte die Brauerzunft 1496 das "Haus Mirweiler" auf der Schildergasse erworben. Unter dem Brauerwappen mit Maischgabel und Malzschippe wird hier jeweils am Dreikönigstag die Wahl der beiden Zunft- oder Gaffelmeister durchgeführt. Gegenüber den Gewählten hat sich jedes Mitglied des "ehrbaren Amtes der Brauer" gebührlich zu verhalten, wer den nötigen Respekt vermissen lässt, "unbekümmert ob es ein Meister, Bruder oder Beigeschworener sei" (so steht es im Zunftbrief von 1497), hat eine Geldstrafe zu zahlen. Das 1612/13 umgebaute Haus zeugt trotz seiner schlichten Ausstattung vom Berufsstolz der Brauer: Im großen Zunftsaal im ersten Stockwerk (dessen ornamentierte Balkendecke gerühmt wird) stehen einfache Holztische und Holzbänke, nur der mit Delfter Platten geschmückte Kachelofen verleiht dem Raum einen repräsentativen Charakter. Die Wände sind mit dem Bild des Zunftheiligen Peter von Mailand und den Porträts der Bannerherren geschmückt.

Als Wandschmuck dienten vor allem die dekorativen Schilde. Denn jeder, der bei einer Zunft eingeschworen war, erhielt einen Schild, auf dem sein Vor- und Zuname verzeichnet war, weshalb auch die wirklichen Zunftgenossen "Schildbröder" genannt wurden. Diese Schilder hingen im Zunftsaal, dem Alter der Zunftzugehörigkeit nach geordnet, neben einander. Hatte sich jemand unwürdig benommen oder war straffällig geworden, so wurde er vor die Zunft geladen und sein Schild "in feierlicher Weise abgehangen" und öffentlich zerbrochen. Es war dies die größte Schande die einem Bürger widerfahren konnte. Nach der Reformation führte zum Beispiel der Übertritt zum Protestantismus zum Ausschluss aus der Zunft. Gleichzeitig verlor er seine Bürgerrechte und alle Freiheiten, Privilegien und wurde aus jedem Bürgerverband ausgestoßen.

Außer an allen hohen kirchlichen Feiertagen, bei den verschiedenen Wahlakten und am St. Petri-Mailand-Tage fanden noch verschiedene andere "Gelage" auf dem Zunfthause statt, wozu dann das Amt "etwas zum Trunk", d.h. einen kleinen Imbiss, bestehend aus "Weck, Kies, Brot Hering" gab, der Wein aber von jedem selbst bezahlt werden musste. – im großen Saal auf der 1. Etage fanden die Treffen der Brauerzunft statt, wie Versammlungen der St. Petrus von Mailand Bruderschaft, Lossprechungen, Meisteressen und andere Feste. (FM)

 

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