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Cölner Hofbräu P. Josef Früh KG (Früh Kölsch)

Brauerei Cölner Hofbräu von Peter Josef Früh

(Aus: Das Buch der alten Firmen der Stadt Köln im Jahre 1932 - Herausgeber Walter Gerlach, Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig)

Die sogenannten Hausbrauereien waren Brauereien, die ihr Bier in der Hauptsache oder ausschließlich im eigenen Hause zum Ausschank bringen, sind ebenso wie das von ihnen erzeugte obergärige, stark gemälzte und gehopfte Bier von jeher eine besondere Eigentümlichkeit Kölns und seiner Umgebung gewesen. Dem Kölner gilt sein "Kölsch" sozusagen als ein Symbol der alten Stadt; das Brauhaus seines Viertels ist ihm eine Art gesellschaftlichen Mittelpunktes, eine weitgeschätzte Pflegestätte Kölner Gemütlichkeit, all der man keine Standesunterschiede kennt. Die Güte des Bieres in dem von ihm bevorzugten Brauhaus ist fast sein persönlicher Stolz, und mit einer aus der Liebe zu seiner Vaterstadt geborenen Eifersucht wacht er darüber, daß sein Lieblingsbrauhaus sich im Inneren wie im Äußeren nicht wesentlich verändert, daß es "Altkölsch" bleibt, genau wie sein Bier.

Unter diesen Umständen war es geradezu ein Wagestück, daß der frühere Besitzer des Apostelnbräues in der Apostelnstraße, Herr Joseph Früh im November 1905 "Am Hof" und an der Stelle des niedergelegten Gebäudes der Schützenliesel ein neu erbautes Kölner Brauhaus eröffnete. Zwar ging dem Herrn Früh, dem Sohn einer alten Brauerfamilie, als Fachmann ein so vorzüglicher Ruf voraus, daß man hinsichtlich der Güte des in einem Neubau zum Ausschank kommenden Bieres keine Befürchtungen zu hegen brauchte. Aber es entstand die mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit in der Stadt erörterte Frage, ob in einem derartigen Neubau überhaupt eine Stätte gewohnter Gemütlichkeit und ein so behagliches, an Altväterzeiten erinnerndes Milieu entstehen könne wie in den alten Brauhäusern.

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Herr Früh aber hatte sein Wagnis, gestützt auf bauliche und architektonische Kapazitäten, unternehmen dürfen, von denen der Architekt, Herr Regierungsbaumeister Schmitz, Köln einen Gastraum schuf, der trotz seiner bis dahin in Kölner Brauhäusern noch nicht erlebten Ausmessungen, durch geschickte Gliederung und besonders durch Einbeziehung eines auf ein Säulen ruhenden, lichtspendenden Hochganges sowie durch Schaffung von lauschigen Winkeln und Nischen ein ungemein trauliches Gepräge erhielt, das verstärkt wurde durch dunkle Tönung der Wände, einen hohen Kachelofen, entsprechendes Mobiliar und dann noch besonders durch den von Professor Georg Grasegger, Köln, geschaffenen, figürlichen Schmuck von humoristisch-künstlerischen Werten sowie durch die von Herrn Schulte, Lehrer der Kölner Gewerbeschule, gemalten Bilder mit Typen Kölner Biertrinker.

Es war derart ein Raum entstanden, der durch Thekeneinbau nach dem Flur hin, durch den "Köbes" mit blauem Wams und blauer Schürze usw. alle typischen Merkmale eines Kölner Brauhauses und dabei die Stimmungsreize eines solchen in noch verstärktem Maße aufwies, der dabei aber durch Raumeinteilung, Belichtung, Lüftung usw. allen berechtigten modernen Ansprüchen vollauf genügte. Das Wagnis des Herrn Früh war so nach allgemeinem Stadturteil durchaus gelungen, und da dessen Bier auch in gleichbleibender Vorzüglichkeit zum Ausschank gelangte, wurde sein neues Brauhaus bald eine Wallfahrtsstätte für Kölner Biertrinker. Die äußeren Werte des Hauses erhöhten sich noch, als nach Verschwinden der Sporergasse und Schaffung der Stollwerck-Passage im Jahre 1907 ein vornehmer und breiter Verbindungsweg vom "Hof" zur nahen Hohe Straße entstand. Die Nähe dieser Straße, des Domes und des Bahnhofes machte dann das Brauhaus Früh bald Zum beliebten Treffpunkte für auswärtige Besucher Kölns, zu einer weit bekannten Anfangs- und Endstation für Wanderungen und Geschäftswege in der Stadt.

Das Brauhaus Früh, das von der Witwe des im Jahre 1915 verstorbenen Gründers ganz in dessen Geist weitergeleitet wurde, hat siegreich die für die Kölner Hausbrauereien so schwierigen Kriegsjahre überwunden und sieht heute wieder, wie in Friedenszeiten, täglich Gästescharen die Räume füllen. Nach dem Tode der Frau Früh, 1930, wird es im selben Stile und im Sinne der verstorbenen Eheleute Früh weitergeführt.

 

 

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