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Beichtstuhl, Baas & Biermarken:
Im kölschen Brauhaus ist vieles anders

Historisch gesehen ist das Kölsche Brauhaus seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Der Ausschank erfolgte durchweg in den Brauereien selbst, bzw. in den mit ihnen verbundenen Braustuben. Es hatte einen Eingang zur Straßenseite, durch den man in einen Hausflur ging, der manchmal auch Durchgang zur Brauerei war und wo die Fässer aufgebockt waren aus denen gezapft wurde. Rechts zur Straße hin war gewöhnlich die Gaststube, die einen gewölbten Glasalkoven hatte, in dem der Brauherr mit seiner Frau saß und die Köbesse überwachte. Die Brauküchen lagen meist nach hinten heraus zum Garten hin. (Vogts, das Kölner Wohnhaus)

Wenn der Reiseschriftsteller Johann Haselberg in seinem Lobspruch auf Köln aus dem Jahre 1531 behauptet, dass allein Rheinufer 42 Bier- und Weinwirtschaften gelegen hätten und in der Stadt "noch viel hundert", so muss ihm eine arge Übertreibung unterlaufen sein. Denn Brauereien gab es zu dieser Zeit 60-70 und diese waren über die ganze Stadt verteilt. Die Einrichtung dieser Stuben war karg und ein wenig von dieser Kargheit hat sich bis heute im Stil der Brauhäuser erhalten.

Die Gaststube lag im Vorderhaus zur Straße hin, hatte einen Fußboden aus Eichenbohlen und eine Balkendecke, die bei den ja nach Geldbeutel bemalt oder geschnitzt war. Bei den einfacheren Häusern blieben die Balken unbehandelt. In den Fensternischen waren gegenüberliegende Bänke angebracht. Die Wände waren mannshoch holzvertäfelt und an eine der Wände befand sich ein offener Kamin, der innen gekachelt war oder eine gusseiserne Takenplatte aufwies. Dort hing zur Winterzeit, wenn der Kamin geheizt wurde ein Kessel mit heißem Wasser. Die Simse der Wandvertäfelung waren mit allerlei Tellern und Krügen dekoriert. Von der Decke herab hing ein Kerzenleuchter, den man rauf und runter ziehen konnte. Meistens gab es auch ein Zwischengeschoss mit einem Hängestübchen, von dem man Einblick in die Gaststube hatte. An der Seite führte eine Treppe nach oben in den restlichen Teil des Hauses, der teilweise vergittert war. Um die tragende Säule in der Mitte des Raumes war unten eine kommodenähnliche Ablage gebaut, sonst gab es im Raum nur einfache Tische und Stühle. Die Fenster waren bleiverglast und von außen durch Läden zu verschließen.

Das Bier wurde in Pinten ausgeschenkt und der Wirt oder die Schenkmagd stiegen den in den Keller um einen Krug Bier vom großen Fass zu zapfen und dem Gast auf den Tisch zu stellen. Am Tisch trank man aus irdenen Bechern, denn die teuren Gläser konnten sich nur die reichen Gäste leisten. Im Sommer saß man bei besonderen Anlässen im Freien und dann wurde auch gesungen und getanzt. Der zünftige Brauer zeigte durch einen über der Tür hängenden aus Weiden geflochtenen Hopfenkorb an, dass er einen frischen Sud Bier im Ausschank hatte. Denn das leichtverderbliche Bier dieser Zeit wurde am besten gleich verzehrt. Nicht umsonst sagt man noch heute, wenn einer eine unattraktive Sache anbietet: "Er preist etwas an wie sauer Bier". (FM)

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