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Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996 | Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996
Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

7.E. Ausstellung: Das Brauhauspersonal -
Wirt, Köbes und Zappes

7.25. August Sander: Portrait eines Kölner Gastwirts

Fotografie um 1925: August Sander: Portrait eines Kölner Gastwirts

Fotografie. Um 1925. © SK Stiftung Kultur, Die Photograph. Sammlung - August Sander Archiv, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2001

Am Bild des Wirtes, der sich im Sonntagsanzug in "Chefpose" hat fotografieren lassen, wird sehr deutlich, daß er vor allem der Chef des Hauses war. Damit ist er keine typische Erscheinung der 'Kölschen Weetschaft'. Natürlich gab es aber auch bekanntere Vertreter seines Metiers.

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7.26. Anton Hubert Scheben ("Schäbens Tünn") vor dem ausgebrannten Kloster Knechtsteden.

Foto des Ölgemäldes eines unbekannten Malers, ehemals in der "Zweipann". Um 1870. - Rh BA, Nr.41 947

Foto des Ölgemäldes eines unbekannten Malers, ehemals in der "Zweipann". Um 1870. - Rh BA, Nr.41 947

"Schäbens Tünn", ein Neffe des Reorganisators der Petrus-von-Mailand-Bruderschaft Wilhelm Scheben, der das Brauhaus "Zur Zweipann" auf der Breiten Straße führte, war nicht nur als Wirt beliebt (und großzügig!), sondern hat sich auch Verdienste um die Erhaltung des Klosters Knechtsteden erworben, das sein Großonkel, der ehemalige Knechtstedener Kanoniker Winand Kayser, 1810 gekauft hatte, um es wieder aufzubauen. Theodor Töller, der "reinliche Dores", führte das "Haus Töller" in der Weyerstraße 96, dem nur wenige Jahre eine Brauerei angeschlossen war, in sehr persönlicher Art. Allerdings trieb er seinen Hang zur Sauberkeit und vor allem zur Ordnungsliebe oft so weit, daß er ihm nicht nur seinen Spitznamen verdankte, sondern auch den einen oder anderen Schabernack, den ihm die Gäste spielten. Die juxige "Urkunde" wurde ihm 1894 zusammen mit einer Schnupftabakdose überreicht; daß uns heute ihr Ausstellungsdatum mit dem antisemitischen Zungenschlag besonders unangenehm berührt, hat man vor 100 Jahren noch nicht geahnt.

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7.27. Theodor ("Dores") Töller. "Urkunde für Dores Töller" vorm Stammtisch "Schött noch ens op", vom 9.11.1894.

Foto nach Original im Besitz des Hauses Töller. (ohne Abbildung)

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7.28. Der erste Kölner Köbes? (um 1180)

HAStK, - Schreinskarte Niederich 8 - (Reproduktion des Ausschnittes, III, 14 und 15). - Druck: Hoeniger II, III 14-15, S.120. (ohne Abbildung)

Auf dieser Schreinskarte, einer Art mittelalterlichem Grundbuchblatt, ist verzeichnet, daß der Bierschenk Burkhard ein Haus bei der Kirche St. Maximin je zur Hälfte dem Stift Mariengraden und dem Gerhard minutor schenkt. Hinter diesem "Burkardus dator cervisie" mag sich ein Schankwirt, vielleicht sogar der erste bekannte Kölner Köbes verbergen.

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7.29. Der Zappjung.

Postkarte um 1905: Der Zappjung

Postkarte. Um 1905. Entwurf: R.Schüler, Köln-Verlag von Hoursch & Bechstedt, Köln - (Kölner Eigenarten, No.8). Sammlung Dr. Erhard Schlieter 

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7.30. Köbes und Zappjung.

Postkarte. Um 1904. Verlag von J.G.Schmitz'sche Buchh., Köln. Sammlung Dr. Erhard Schlieter
(ohne Abbildung)

In Kölner Brauhausgaststuben wird man vom "Köbes" bedient; der "Zappes" zapft und gibt an den "Köbes" weiter oder schenkt direkt aus. Der Anlaß zur Benennung aller Brauhaus-"Kellner" mit der rheinischen Kurzform des Vornamens Jakob ist unklar. Daß der "Köbes" und der "Zappes" eines Ursprungs sind, zeigt sich schon an der bis auf die Geldtasche gleichen Kleidung. Der Zweizeiler "Doh maachen se mem Pilsener ´su n Gedöns; Kölsch Wieß! gelt Mechel, das ´get Schöns!" ist als Werbung für das starker auswärtiger Konkurrenz ausgesetzte Kölner Bier zu verstehen.

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7.31. Hans Schwartz: "Bürger von Köln, wahret Eure Rechte...."

Postkarte 1926: Hans Schwartz: "Bürger von Köln, wahret Eure Rechte...."

Postkarte. 1926. Sammlung Heinrich Becker, Köln.

Mit der Postkarte von Hans Schwartz wandten sich die Kölner Brauereien öffentlich gegen die Gefahr einer Erhöhung der Getränkesteuer durch die Kommune. Der dort dargestellte Köbes trägt in einer Hand den "Kranz", den man schon länger benutzte. Gleichzeitig transportiert er drei "Stangen" auf der offenen rechten Handfläche, was selbst nach dem 1.Weltkrieg noch üblich war. (vgl.Nr.7.24.)

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7.32. Willy Key: Albert, der Köbes.

Federzeichnung als Buchillustration. - In: Heinz Magka. Das Haus Töller. Köln 1937, S.37 UStBK -Sign.: 1 K 169 (ohne Abbildung)

Köbes Albert ist hier mit einem "Kranz" voller "Stangen" (Kölschgläser) abgebildet. Das Tablett mit Schnapsgläsern, das er zusätzlich trägt, ist eher ungewöhnlich.

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7.33. Köbes-Zeichnung mit einem \/ierzeiler in Kölsch.

In: August Hoursch. Kölsche Krätzcher. - Feldausgabe. Köln 1942. S.36. - UStBK. - Sign.: RhL/v231/58. (ohne Abbildung)

Selbst in den Kölschen Krätzchen wurde der Köbes verewigt. Der anonyme Vierzeiler, der schon auf der Postkarte mit dem 'Zappjung' steht, wurde für diese unsignierte Köbes-Zeichnung passend abgewandelt.

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7.34. Der Elferrat der Ehrengarde, als Köbese verkleidet.

Foto. 1950. Ehrengarde-Archiv, Köln.

Foto. 1950. Ehrengarde-Archiv, Köln.

Das Auftreten des Elferrats der Ehrengarde im Jahre 1950, also unmittelbar nach dem 2.Weltkriege, als "Köbese" macht noch einmal deutlich, wie volkstürmlich diese Figur in Köln ist und wie sehr sie als "typisch kölsch" empfunden wird. Das Foto entstand im Brauhaus Töller, wo diese traditionelle Karnevalsgesellschaft damals tagte. 

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7.35. Friedrich Pollads: Das Unwesen der Kellnerinnenwirtschaften in Köln.
2. Aufl. Köln 1891

UStBK.-Sign.: RhKG 144² (ohne Abbildung)

Zwar kannten die Brauhäuser bis in die jüngere Vergangenheit ausschließlich männliche Köbesse, aber in etlichen Bier und Weinlokalen arbeiteten auch im 19.Jahrhundert schon Kellnerinnen. Diese mehrfach aufgelegte Schrift moralischer" Art verfolgte das Ziel, dem Einsatz weiblicher Bedienungen entgegenzusteuern, weil sie generell als "Animierdamen" angesehen wurden. Die Überzeugung vom allgemeinen kulturellen Niedergang verband sich hier mit dem Vorwurf an alle in der Gastronomie tätigen Frauen, ihre (ausschließlich männlichen) Gäste finanziell und moralisch in den Untergang zu führen. Die Rolle, die die männlichen Gäste wie der Alkohol dabei spielten, wurde bezeichnenderweise nicht thematisiert.

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