1. zum Inhalt
Sie sind hier: Kölsch-Bibliothek > Ausstellung: Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396-1996 > 6. Vom Familien-Bräues zur Aktienbrauerei
Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996 | Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996
Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

6. Vom Familien-Bräues zur Aktienbrauerei

1. Ende einer Ära - Aufhebung des Zunftzwanges durch die Franzosen

Das Brauhaus "Zur Zweipann" trug seinen Namen wegen der zwei Sudpfannen, die es besaß.
Das Brauhaus "Zur Zweipann" trug seinen Namen wegen der zwei Sudpfannen, die es besaß.

Mit der Französischen Revolution und der gleichzeitigen Verbreitung der neuen Ideen von Einheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, begann auch für die Stadt Köln und das Rheinland eine neue Zeit. Als die Revolutionstruppen im Jahre 1794 kampflos in Köln einmarschierten, wurden sie vom größten Teil der Bevölkerung freudig begrüßt. Das änderte sich aber schnell, als man merkte, daß diese Soldaten keine idealistisch Gesinnten Befreier, sondern in ihrer Mehrzahl eher egoistische Okkupanten waren. Trotzdem waren die Neuerungen, die sie einführten, ein für das in 400 Jahren dahindämmernde reichsstädtische Köln ein heilsamer Schock.
Besonders drei ihrer Maßnahmen sollten sich für Wirtschaft und Handel als wahre Lokomotiven erweisen:

  1. Die im Jahre 1798 verfügte Aufhebung der Zünfte und Einführung der Gewerbefreiheit -
  2. Die im Jahre 1802 durchgeführte Säkularisation, die Übernahme des katholischen Kircheneigentums durch die Regierung -
  3. Die Einführung des französischen Rechtssystems, des "code civil" im Jahre 1804, der für eine weitgehende Rechtssicherheit sorgte und später auch in Teilen von Preußen übernommen wurde.

Im Jahre 1815 übernahmen nach dem Niedergang der Napoleonischen Ära die Preußen die Macht am Rhein und nun begann eine stürmische Zeit für Wirtschaft und Handel. Zwar entwickelte sich die neue Zeit für das Braugewerbe erst langsam und allmählich, Köln zählte 1827 etwa 110 kleine Haus-Brauereien mit durchschnittlich zwei Beschäftigten (Meister und Brauer-Bursch), die "Wieß" und "Brung" (ungefiltertes Obergäriges) brauten. Erste industrielle Brauversuche machte bereits im Jahre 1838 der Brauer Thomas Ehemann mit einer "untergärigen Baierischen Bierbrauerei" in der Thürmchensgasse 19, nahe dem Rheinufer. Diese Brauerei ging später (1873) in der Cöln-Niedermendiger Actien-Brauerei auf.

nach oben

2. Aufbruch in ein neues Zeitalter - die industrielle Revolution

Doch die industrielle Revolution stand schon in den Startlöchern und die für das Brauwesen wichtigen geistigen Väter, Louis Pasteur (1854) mit seinen Erkenntnissen über den Gärungsablauf, Carl von Linde, Erfinder der künstlichen Kühlung (1873) und Emil Christian Hansen, dem es gelang, eine Bier-Hefe zu züchten, welche die Herstellung immer gleicher Bier-Qualität garantierte (1883), waren bereits geboren oder hatten ihre Erfindungen schon gemacht. Mitentscheidend für das Gelingen des industriellen Umbaus der Brauereien waren aber vor allem Großunternehmer wie Gabriel Sedlmayr jr. (Spatenbräu, München), die Brauer-Dynastie Jacobsen (Carlsberg, Kopenhagen), und Anton Dreher, Wien, der als erster ein modernes untergäriges Massenbier braute und dessen Brau-Imperium als das größte der Welt galt. Alle diese Wirschaftspioniere waren miteinander bekannt und befreundet, ein bereits damals funktionierendes Europa (WEU) ohne Euro-Bürokratie.

Um das Jahr 1850 begann es dann richtig. Die Stadt Köln zählte damals in ihren noch durch die mittelalterlichen Befestigungen eingeengten Mauern 100.000 Einwohner und etwa 120 Brauereien. Der gewonnene Krieg 1870/71 gegen Frankreich und die damit verbundene Reichsgründung lösten einen wahren Gründungs-Boom aus. Der brachte auch das Brauergewerbe in Schwung. Den ersten industriellen Schub gab die Einführung der von James Watt erfundenen Dampfmaschine als Energiequelle in den Produktionsablauf. Gabriel Sedlmayr jr. Besitzer der Spaten-Brauerei in München und Förderer Carl von Lindes, blieb diese Tat vorbehalten. Der zweite Schub entstand durch die von Linde erfundene und 1873 erstmals vorgestellte Kühlmaschine, die eine ganzjährige industrielle Herstellung von großen Mengen Bier erlaubte. Das rapide Anwachsen der Stadt und der ständige Zuzug von Arbeitskräften für die neugegründeten Fabriken erforderte auch die Fabrikation großer Mengen an Bier, um den Feierabend-Durst der Menschen zu löschen. Gebraut wurden nun vor allem, dem Mode-Geschmack entsprechend, untergärige Biere wie Pilsener, Münchner Helles, Export und sogenanntes Lager-Bier. Die Erfindung und der Ausbau des Eisenbahnnetzes in ganz Deutschland erlaubte es außerdem, Bier in alle Teile des Landes, selbst über große Entfernungen hinweg zu verschicken.

nach oben

3. Die Aktienbrauereien - mehr Bier mit modernen Mitteln

Die Hirschbrauerei in Köln Bayenthal war der Vorgänger der heutigen Dom-Brauerei.
Die Hirschbrauerei in Köln Bayenthal war der Vorgänger der heutigen Dom-Brauerei.

Doch bevor die nun technisch möglichen und dringend benötigten Brauereien geschaffen werden konnten, mußte das hierzu nötige Kapital besorgt werden. Es wurde Fremdkapital in Form von Aktien bereitgestellt, das es auch vor allem branchenfremden Finanzkreisen erlaubte, sich am Wachstum und dem damit entstehenden Profit zu beteiligen. In Köln entstand damals die bis heute andauernde Marktstruktur, kleine und mittlere Farnilien-Betriebe und große als Aktien-Gesellschaft geführte Industrie-Betriebe. In neuester Zeit verwischen sich zwar die Formen, aber das Grundmuster ist im allgemeinen noch heute so gültig.

Diese wirtschaftliche Entwicklung hatte nätürlich nicht nur Vorteile, die Nachteile spürten die unterkapitalisierten Klein-Betriebe, die traditionellen obergärigen Hausbrauereien bald mit aller Härte. Ein Brauhaus-Sterben begann, dem viele jahrhundertealte Hausbrauereien zum Opfer fielen. Berühmte Namen wie die Brauhäuser "Zum Holz", "Zur Rübe" und "Zum Esel" verschwanden aus der Kölner Brau-Landschaft. Bis zur Jahrhundertwende verringerte sich die Zahl der Hausbrauereien um die Hälfte. Dafür entstanden immer mehr industrielle Brau-Betriebe, die nach modernen Fabrikationsmethoden große Mengen an untergärigem Bier herstellten.

Ein typisches Beispiel einer solchen Neugründung war die "Cölner Actien Brauerei in Alteburg am Rhein". Wer heute den Bayenthalgürtel in Richtung Rheinufer fährt, ahnt nicht, daß hier rechter Hand vor 70 Jahren Kölns erste und größte industrielle Brauerei stand. Optischer Mittelpunkt war die auf dem Gelände gelegene "Alteburger Mühle", eine Windmühle, deren Turm-Torso heute noch zu sehen ist (An der Alteburger Mühle Nr. 6). Im Mittelalter war diese Gegend Kirchenland von St.Severin und ging nach der Französischen Revolution in private Hände über. Zuerst als "Gut Alteburg" und "Englischer Park" genutzt, erwarb 1813 Ludwig Böcking das Gut und errichtete hier den ersten industriellen Betrieb, eine Knochenmühle und Kalkbrennerei. 1845 kaufte dann Paul Joseph Hagen das Grundstück. Er besaß schon mehrere andere Grundstücke weiter südlich, unter anderem den Gutshof, den er nach seiner Tochter "Marienburg" nennt. Das Grundstück an der Alteburger Mühle wurde fortan auch industriell genutzt.

nach oben

Hier gründete im Jahre 1873 die Cölner Actien-Bier-Brauerei einen Braubetrieb für untergäriges helles Tafelbier, hochfeines Lagerbier, dunkles Export-Bier, aber auch (in kleinen Mengen) für obergäriges Kölsch-Bier. Das in unmittelbarer Nähe am Rhein gelegene Wasserwerk lieferte das Brauwasser und war wohl auch ausschlaggebend für die Standortwahl. Der Zeitzeuge Wilhelm Scheben schreibt im Jahre 1880 über das Unternehmen: "Die bedeutendste Brauerei im Kölner Bezirk ist die Rheinische Brauerei-Gesellschaft Alteburg bei Köln (wie sie ab 1876 firmierte). Dieselbe entrichtete im Jahre 1878/79 an Brausteuer 48.592 M; sie liefert ein gesuchtes Fabrikat und steht, was ihre Betriebseinrichtungen betrifft, auf der Höhe der Gewerbe-Entwicklung". Die Steuersumme galt für einem Ausstoß von etwa 50.000 hl und entsprach somit einer Mark für 100 l was wiederum einem Pfennig pro Liter und 0,3 Pfennig pro Glas Kölsch bedeutete. Die Betriebsanlagen der Brauerei brannten im Jahre 1892 fast vollständig ab, wurden bis zum Jahre 1894 wiederhergestellt und durch eine moderne Malzfabrik komplettiert. In der Zeit um die Jahrhundertwende bis zum Ende des 1.Weltkrieg florierte die Rheinische Brauerei-Gesellschaft Alteburg. Dann, bedingt durch Krieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten, übernahm ab 1918 die Hirsch-Brauerei AG (heute Dom-Brauerei) im benachbarten Bayenthal das Unternehmen. Im Jahre 1920 wurde der Braubetrieb eingestellt, 1927 wurden die Gebäude abgerissen und durch eine Villenbebauung ersetzt.

Ein anderes Beispiel wirtschaftlicher Entwicklung war der Versuch kleiner, aber innovativer Hausbrauer, in die Phalanx der kapitalstarken Großen einzudringen, war die "Germania-Brauerei von Joseph Stauff" auf der Bonner Straße 324. Brauereien und Brauhäuser waren speziell in der Stadt Köln und ihrem Umland ständige Spekulations- und Handelsobjekte. In manchen Brauhäusern wechselten die Besitzer schneller als die Köbesse. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis um die Jahrhundertwende. Viele träumten damals vom schnellen Reichtum und riskierten finanziell Kopf und Kragen. Allerdings war auch der unternehmerische Einsatz gewaltig. Die sogenannten "Gründerjahre" produzierten viele heute noch weitbekannte Unternehmen. Es wurde geplant und gebaut in nie dagewesenen Dimensionen. Die Kölner Brauerfamilie Stauff ist für den Trend dieser Zeit geradezu ein Parade-Beispiel. Ihre "Wirtschafts-Story" begann im Schatten von Maria Lyskirchen auf dem Holzmarkt Nr.19. Hier am Rheinufer übernahm der Brauer Joseph Stauff im Jahre 1857 eine kleine Hausbrauerei von einer Witwe Schüller. Dieses Unternehmen muß ihm in kurzer Zeit so viel Gewinn eingebracht haben, daß er schon nach zwei Jahren eine weitere Brauerei nebst einem Doppelhaus auf der Severinstr. 199 erwerben konnte. Die Hausbrauerei auf dem Holzmarkt lief inzwischen lustig weiter und wurde 1861 von Quirin Stauff übernommen und bis 1865 von diesem weitergeführt. Dann hatte auch Quirin Stauff genug verdient, um eine neue Brauerei auf der Severinstr. 66 zu kaufen. Der hafennahe Holzmarkt hatte sich als wahre Goldgrube für die Stauffs erwiesen. Nun wurde auf der verkehrsreichen, gewinnträchtigen Severinstraße gebraut. Man wollte ganz nach oben. Joseph Stauff, der Gründer blieb mit seiner Brauerei bis zum Jahre 1888 im Hause Severinstr. 199. Doch zwischenzeitlich, im Rausch der Gründerjahre zog es auch ihn noch hinaus in die Vororte. Hier gab es billiges Bauland und Platz in Hülle und Fülle. Auch die Lage für seine neue Dampfbrauerei, die er im Jahre 1878 an der Bonner Straße Nr. 324 im Vorort Arnoldshöhe erbaute, war vielversprechend.

nach oben

An der belebten Hauptstraße Köln-Bonn war immer etwas los. Hier kehrten die Fuhrleute, die ihre Fracht in die Stadt gebracht hatten, ein. Hier löschten die "Kappesbure" aus dem Vorgebirge ihren Durst, wenn sie ihre Ware in Köln losgeworden waren, und an Sonn- und Feiertagen pilgerten die Kölner in Scharen über die schattige Allee hinaus aus dem Severins-Viertel am "Dude Jüdd" vorbei ins Grüne. Hier konnten die Städter an schönen Sommerabenden im Biergarten sitzen oder im großen Saal Billard und Karten spielen.

Hier war, wie man heute sagen würde, immer der "Bär los" und Joseph Stauff braute sein Bier dazu. Im Jahre 1888 zog sich Joseph Stauff nach dreißigjähriger Tätigkeit aus seiner Brauerei in der Severinstraße zurück. Ein Jahr danach, im Jahre 1889, übernahm sein Sohn Heinrich auch die Brauerei an der Bonner Straße.

Heinrich Stauff, nun schon die zweite Brauergeneration, legte jetzt erst richtig los. Er modernisierte und vergrößerte, baute ein neues Haupthaus direkt an der Straße und nannte das Unternehmen in vaterländischem Stolz "Germania Brauerei von Heinr. Stauff". Die "Germania" brachte es zwar zu einem gewissen Ansehen, doch den großen Durchbruch erreichte sie nie. So schloß sie denn auch bereits nach nur sechzehn Betriebsjahren und wurde 1905 von der Konkurrenz, der Adler/Hirsch-Brauerei sang- und klanglos geschluckt. So wie der Germania ging es in jener Zeit vielen Neugründungen. Aber auch die "großen" hatten ihre Sorgen und es entstand ein ständiges Kommen und Gehen auf dem Kölner Biermarkt, das durch Fusionen noch intensiviert wurde.

Foto-Kollage der Brauerei Heinrich Reissdorf mit Belegschaft aus dem Jahr 1902.
Foto-Kollage der Brauerei Heinrich Reissdorf mit Belegschaft aus dem Jahr 1902.
Kleinere Bestellungen werden im Kölschen Brauhaus direkt und mit der Hand gezapft
Kleinere Bestellungen werden im Kölschen Brauhaus direkt und mit der Hand gezapft

nach oben

4. Die Bier-Flaschen schaffen den großen Durchbruch.

Nun hätten alle Erfindungen und Modernisierungen wenig genützt, wenn es nicht gelungen wäre, den Fluß des nun in Strömen fließenden Bieres so zu kanalisieren, daß er auch jedermann erreichen konnte. Hatte man früher sein Bier in der benachbarten Kneipe getrunken oder mit der offenen Kanne zum schnellen Verzehr ins Haus geholt, so bot sich mit der industriellen Massenfertigung von Bierflaschen die Möglichkeit, Bier portionsweise und zeitlich unabhängig zuhause zu konsumieren.

Mundgeblasene Bier-Flaschen hatte es schon (in Belgien und Holland bereits seit Mitte des 18. Jahrh.) gegeben, die meist verkorkt oder versiegelt waren. Doch sie waren schon durch den hohen Herstellungs-Preis nur begrenzt einsetzbar und auch die Verschlußtechnik war aufwendig und selten perfekt. Zwei Erfindungen sorgten für die Lösung beider Probleme. Im Jahre 1875 erfand der Berliner Karl Dietrich den Bügelverschluß mit Porzellan-Kappe und Gummi-Dichtung, der eine optimale Lösung darstellte und teilweise heute noch in Gebrauch ist (z.B. Maximilian-Kölsch). Flaschen hatte man bereits von 1886-1889 in Pittsburgh/USA in einem halbautomatischen Verfahren hergestellt. In USA wurde auch der vollautomatische Owens-Rundläufer mit 15 Flaschen-Blasstationen erfunden (1898). Diese Automaten wurden knapp zehn Jahre später (1908) bei Apollinaris in Sinzig in Betrieb genommen. Die Gerresheimer Glashütte gründete zur selben Zeit in Berlin die "Euro-Flaschen-Fabrik", die eine Jahresproduktion von 140 Millionen Bierflaschen angab. Wie wichtig das Thema Flaschen-Bier in dieser Zeit war, dokumentiert sich in der Tatsache, daß der spätere Reichskanzler Stresemann seine Doktorarbeit über dieses Thema schrieb.

nach oben

In einigen Kölner Brauereien werden auch heute noch traditionelle Holzfässer abgefüllt.
In einigen Kölner Brauereien werden auch heute noch traditionelle Holzfässer abgefüllt.

Die flächendeckende Einführung der maschinell gefertigten Bierflaschen führte nach kurzen Anfangsschwierigkeiten, die Verbraucher konnten sich nur sehr schwer an das Flaschenpfand gewöhnen, zu einer enormen Steigerung der Bier-Produktion. Um dem Mißbrauch durch Fremdabfüllung minderwertigen oder gepanschten Bieres vorzubeugen, gingen die Brauereien dazu über, ihre Firmen- und Markennamen ins Glas prägen zu lassen. Dieser Tatsache und dem Fleiß vieler Sammler verdanken wir heute einen genauen Überblick über das Bier-Angebot jener Anfangszeit.

An den Hausbrauern ging diese Entwicklung weitgehend vorbei, weil sie nach wie vor nur in Fässern abfüllten, wie das heute in Köln nur noch die Obergärige Hausbrauerei Päffgen praktiziert. Ansonsten hat sich die Bierflasche als Haupt-Produktträger auf der ganzen Linie durchgesetzt. Das Gefälle zwischen den beiden Anbietern, private Klein- und Mittelbetriebe und Konzern-Brauereien, blieb davon unberührt. Was passierte denn sonst noch Wichtiges in den Jahren der industriellen Revolution im Köln vor der Jahrhundertwende? Im Jahre 1858 wurde im Gasthof Firmenich in der Altstadt zum ersten Mal der später berühmt gewordene "Rheinische Suurbrode" im "Krüstchen" serviert. Der historischen Wahrheit zu Liebe muß gesagt werden, daß es sich dabei um "Trap-Trap", Pferdefleisch gehandelt hat. Betrüblich anzumerken, daß 1862 das Brauer-Zunfthaus auf der Schildergasse verkauft und später (1927) abgerissen wurde. Der Brauer, Chronist und Reformator der St. Peter von Mailand Bruderschaft ' Wilhelm Scheben, verstarb im Jahre 1895 nach langem segensreichen Wirken für die Brauer und ihre Bruderschaft.

nach oben

Brauerei-Gründungen um 1900

 

CHRONOLOGISCHE LISTE DER KÖLNER AKTIENBRAUEREIEN:

  1. Bergische Löwenbrauerei AG, Höhenhaus 1890
  2. Balsam Brauerei AG, Mülheim 1908
  3. Mülheim-Niedermendiger Actien-Brauerei, 1887
  4. Adler Brauerei Actien Gesellschaft, Ehrenfeld 1896
  5. Cölner Aktien Bier-Brauerei, Alteburg b.Cöln 1873
  6. Cöln-Niedermendiger Actien-Brauerei, Cöln 1873
  7. Hitdorfer Brauerei M.Friede jun. AG, Cöln 1904
  8. Germania-Brauerei AG, Mülheim 1899
  9. Kalker Brauerei-Adien Gesellschaft, Kalk 1888
  10. Hirsch-Brauerei Cöln AG, Bayenthal 1900
  11. Kölner Union-Brauerei AG (später Hubertus), 1913
  12. Wicküler-Küpper Brauerei AG, Köln 1964
     

MITTELSTÄNDISCHE BRAUEREI-GRÜNDUNGEN UM 1900:

  1. Joh. Barth Bierbrauerei u. Malzfabrik, Höhenberg 1884
  2. Colonia-Brauerei GmbH, Nippes 1899
  3. Friedr. Winter GmbH (später Richmodis-Bräu), 1891
  4. Feldschlößchen-Brauerei von Hennig & Naumann, Vorstadt Nippes 1878
  5. Aposteln-Bräu Pet. los. Früh, Köln (Aposteinstr. 19) 1895
  6. Pet. los. Früh, Cöln (Am Hof 12) 1904
  7. Ernst Günther, Berl. Weißbier-Brauerei, Cöln 1896
  8. Hansa-Brauerei August Thelen, Cöln 1891
  9. Brauerei los. Heckmanns, Sülz 1878
  10. Gürzenich-Bräu, Heinr. Hilgers, Cöln 1909
  11. Brauerei Gebr. Päffgen, Cöln 1883
  12. Brauerei Heinrich Reissdorf, Cöln 1894
  13. Obergärige Brauerei in der Gaffel GmbH, Cöln (Eigeistein) 1899
  14. Brauerei Chr. Sünner sen., Kalk 1860
  15. Rhenania-Brauerei GmbH, Ehrenfeld 1900
  16. Cölner Bürgerbräu (später Gereonsbräu), Cöln (Friesenstr.) 1894
  17. Brauerei Peter Zündorf ( später Brauerei Sester), Ehrenfeld 1896
     

nach oben

Werbeplakat "echt Kölsch"

Werbeplakat für "echt Kölsch"

Dieses Werbeplakat für "echt Kölsch" zeigt auf seiner rechten Seite die Abbildungen der Brauhäuser aller Mitglieder der Werbegemeinschaft.

(Windhoff, ca. 1930)

nach oben

Literaturnachweis

  • Decker, Hermann - Köln vor 60 Jahren/Altkölnische Wirtshäuser - Rheinland-Verlag, Köln, 1922 -
  • Ditgen, Peter - Köln auf alten Ansichtskarten - Kölnisches Stadtmuseum, 1995 -
  • Fuchs, Peter - Chronik zur Geschichte der Stadt Köln/Band 2 - Greven Verlag, Köln, 1991 -
  • Hagspiel, Wolfram - Stadtspuren/ Köln: Marienburg - Band 1 - J.P.Bachem Verlag, Köln 1996 -
  • Jackson, Michael - Das große Buch vom Bier -Hallwag Verlag, Bern und Stuttgart, 1977 -
  • Klersch, Stockhausen, Vinz, Berg - Köln und sein Bier 1346/1946, Kölner Brauerei-Verband, Köln, 1946 -
  • Mathar, Franz - Erste Kölner Bierzeitung - 16/6 Die Kölner Aktienbrauereien, 23/6 Am Tag als die Germania........ 29/8 Die Cölner Actien-Brauerei, Alteburg am Rhein - Hausbrauerei Päffgen, 1985-95 -
  • Mathar, Franz - Spiegel, Rudolf - Kölsche Bier und Brauhäuser, Greven, Köln, 1989 -
  • Wirges, Helmut - Biergeschichte zwischen Rhein und Erft - Bienen-Verlag, Frechen-Bachem, 1994 -

nach oben