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Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996 | Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996
Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

4.11-4.20. Ausstellung: Brauer, Zunft und Gaffel

4.11. Erstes Siegel der Brauergaffel. Um 1396.

Moderner Wachsabguß nach dem Verbundbrief-Original. Durchmesser 28mm. HAStK.

Moderner Wachsabguß nach dem Verbundbrief-Original. Durchmesser 28mm. HAStK.

Als rechtsfähige Korporation brauchte die Brauergaffel ein Siegel. Das heute verlorene Typar ist wohl, zusammen mit dem ganz ähnlich gestalteten Siegel des Fischamtes, erst zur Besiegelung des Verbundbriefes neu geschaffen worden. Das Brauersiegel ist mit 28 mm Durchmesser das kleinste der 22 Gaffelsiegel. Es zeigt innerhalb eines komplizierten Fünfpaß Maßwerkes einen Wappenschild mit 2 gekreuzten Malzschaufeln und darüber einem korbartigen Gegenstand, der bisher nicht sicher gedeutet ist, aber gewiß beim Brauen eine Rolle gespielt hat (Würzebehälter?). Die Umschrift in gotischer Schrift lautet: "S(egil) ampts der bruwer tzo colen" (Siegel der Zunft der Brauer zu Köln). Wachsabdrücke von diesem Stempel sind zuletzt wahrscheinlich 1595 gefertigt worden. Bald darauf muß sich das Brauamt das neue Siegel mit der Figur seines Patrons Petrus von Mailand zugelegt haben (Nr. 5.13), das 1608 zuerst belegt ist.

Lit.:Schäfke, Siegel. - Die Abb. bei Ewald, Rhein. Siegel 5 Tf. 12 Nr. 2, und Schwering S. 162 zeigen Abdrücke nach einer modernen Nachbildung.

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4.12. Gesetzessammlung aus dem Besitz des Brauer-Ratsherrn Adolf Neurath. 1605.

374 Bl. beschrieben. - HAStK, VuV V 50, hier BI.l. (ohne Abbildung)

Die für "Aloff Newrath, Brewer" (ob von ihm selbst?) hergestellte Handschrift enthält u.a. Abschriften der stadtkölnischen Statuten von 1437, von Morgensprachen, Verbund- und Transfixbrief, Stadtrecht und Bürgerfreiheit, Bürgermeisterlisten und andere für einen Ratsherrn unentbehrliche Texte. Adolf Newrath war Ratsherr 1607, 1610, 1613, 1616, 1619 und 1622.

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4.13. Die Brauergaffel wählt ihren letzten Ratsherrn. 8.5.1793.

Aufzeichnung. - HAStK, Zunft A 199, BI.135-146. (ohne Abbildung)

Das Brauamt stimmt unmittelbar nach dem im Amt erfolgten Tod des Brauer-Ratsherrn Cristian Schult über seinen Nachfolger ab. Von den 166 Gaffelmitgliedern waren 25 nicht anwesend und 3, nämlich der Bannerherr und die beiden Amtsmeister, nicht wahlberechtigt. Die Wahlberechtigten gaben ihre Stimme nach Anciennität ab. Angetreten waren 6 Bewerber. Gewählt wurde "per majora" Johann Peter Böcker jun., auf den 119 Stimmen fielen; 17 Stimmen erhielt Wilhelm Engels, 2 Adolf Liesen und je 1 Peter Frörath, Theodor Rolshoven und Hauptmann Johann Wolff. Peter Boecker jun. war, zuerst Ersatz für Schult 1793, noch einmal regulär Juni 1795 - Juni 1796 der letzte von der Brauergaffel gewählte Ratsherr vor dem Ende der 1396 mit dem Verbundbrief begründeten Verfassung.

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4.14. Wahl des Schlüsselmeisters der Brauergaffel. 13.6.1784.

Aufzeichnung. - HAStK, Zunft A 199 Bl. 129. (ohne Abbildung)

Nach den Bestimmungen des Transfixbriefes von 1513 wählte die Brauergaffel Johann Siegen (auch Sieger) zum Schlüsselmeister, der nach dem Adreßbuch von 1797 Brauer am Kleinen Griechenmarkt war. Er hatte einen der 23 Schlüssel zu dem Schrank mit den 23 Schlössern in der Mittwochsrentkammer zu verwahren, in dem das große Stadtsiegel lag.

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4.15. Schlüssel der Brauergaffel zum großen Stadtsiegel. 9.8.1785.

Schlüssel, Stahl u. Messing, vergoldet, 90 mm; schlüsselförmiges Futteral rotes Leder, mit vergoldeten Punzen verziert, weißes Seidenfutter. - KSM Inv.Nr. H.M. 1888/3A. Foto RBA 84597.

Stahl u. Messing, vergoldet, 90 mm; schlüsselförmiges Futteral rotes Leder, mit vergoldeten Punzen verziert, weißes Seidenfutter. - KSM Inv.Nr. H.M. 1888/3A. Foto RBA 84597.

Der Schlüssel zum Hängeschloß der Brauergaffel ist 1785 für den neugewählten Schlüsselherrn Johann Sieger angefertigt worden und trägt vorn die eingeschlagene Inschrift: "SCHLISEL ZUM STATSIGEL l.S.", hinten: "BRAUER ZUNFT 1785 DEN 9. AUGUS". Das Futteral ist ähnlich beschriftet: "SCHLISEL ZUM STAT SIGEL I.S.; BRAEER ZUNFT 1785 D.9.AUG.". l.S. sind die Initialen Johann Siegers.

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4.16. Hängeschloß der Brauergaffel für den Stadtsiegelschrank nach dem Original von 1784.

Fotoattrappe. Eisen, Messing, teilvergoldet. Ohne Bügel 70x81 mm. - KSM, lnv.Nr.H.M. 1888/9a. Foto RBA 84598; L 3044/15.

Fotoattrappe. Eisen, Messing, teilvergoldet. Ohne Bügel 70x81 mm. - KSM, lnv.Nr.H.M. 1888/9a. Foto RBA 84598; L 3044/15.

Das teilvergoldete Schloßschild zeigte die bekannten Brauerembleme: Malzschaufeln und Maischegabel, Hopfenranke und Gerstenhalme. Auf der Rückseite des Schildes war eingraviert: "Schlüssel Herr Johann Siegen er Wählet den 9ten August 1785".

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4.17. Die wehrhaften Brauer bewachen die Stadtmauer. 18.9.1568.

Aufz. - HAStK, Militaria 45, BI.1 r-3v, hier 1 v-

Aufz. - HAStK, Militaria 45, BI.1 r-3v, hier 1 v-

Nach der auf den Gaffeln basierenden städtischen Wachtordnung, die vermutlich seit Ende des 14.Jahrhunderts bestand und erst 1583 durch eine neue Ordnung aufgrund von Kolonellschaften (Bezirken) abgelöst wurde, war dem Brauamt für den Verteidigungsfall die Mauer am Kartäuserwall, und zwar vom Turm östlich bis zum dritten Turm westlich der Ulrepforte zur Bewachung zugewiesen. Die Brauer müssen 16 Mann stellen, je 3 sollen die vier Türme und 4 Mann die Ulrepforte besetzt halten. Ein Teil dieses Mauerstücks mit dem Ulrepfortendenkmal und dem 2.und 3.Turm sowie die Ulrepforte stehen noch heute!

Lit.: Heinzen, Zunftkämpfe S.116 und Plan im Anhang. - Abb.: Schwering, Handwerk S. 133.

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4.18. Ein Biden(Zwei)händer der Kölner Brauergaffel. 17.Jahrhundert.

Foto nach dem Original, ca. 180 cm. - London, Tower, Waffensammlung. (ohne Abbildung)

Der mächtige Zweihänder ist die einzige Waffe, die sich, soweit bekannt, von der Rüstkammer der Brauer im Gaffelhaus erhalten hat. Sie wurde vor einigen Jahren durch M.L.Schwering, Köln, identifiziert. Auf der Klinge ist das Kölner Brauerwappen: 3 Kronen, darunter gekreuzte Malzschaufeln und Maischegabel, eingeätzt. Nach dem ältesten Rechnungsbuch der Zunft hatte der Schwertfeger ab und zu die "Schlachswerder und Spissen zu rienigen", was 1592 5 Gulden 6 Albus kostete.

Abb.: Schwering, Handwerk S. 128 und S.132 (mit falschem Text).

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4.19. Arnold Colyns, Köln 1582:

a) Aufmarsch der Kölner Zünfte zur Schlacht.
b) Die Kölner Zünfte in der Schlacht vor Neuss.

Fotos nach Gemälden, Öl auf Leinwand, 190x313 bzw. 190x230 cm. - KSM Inv.Nr. 1987/501 bzw. 1973/294. Fotos: RDA 205 830 bzw. 5888. (ohne Abbildung)

Die beiden riesigen Gemälde gehören zu einer Folge von Darstellungen der wehrhaften Kölner Gaffeln, die aus dem Buntwörter-Gaffelhaus stammt und später in dem nach ihnen benannten Schlachtensaal des Rathaus hing. Auf diesen beiden phantasievollen Gemälden ist jeweils auch das große Banner der Brauer mit den gekreuzten Malzschaufeln und der Maischegabel zu sehen.

Lit.: Schäfke, Name der Freiheit 5.33.a S.429 mit Abb.S.454, und 5.33.b S.429 mit Abb. S.455

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4.20. Fahnenhalter aus dem Zunfthaus der Brauer. 17.Jahrhundert.

Holz, farbig gefaßt, 116 cm. - KSTM, lnv.Nr. 1972/22 (alt 3266a). Foto RBA L2239/44 - (Foto). (ohne Abbildung)

Wahrscheinlich diente der Fahnenhalter in Form eines muskulösen Männerarmes zur Aufnahme des Zunftbanners. Ein ähnlicher Arm hat sich aus dem Faßbinderzunfthaus erhalten.

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