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Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996 | Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996
Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

3.31. - 3.40. Ausstellung: Bier in Köln vor 1800

3.31. Erneutes Verbot des Brauens von untergärigem, Dollem, Knupp- und Kräuterbier. 4.11.1709.

Druck. - HASTK, Edikte 4, BI.130. (ohne Abbildung)

Der Rat hat festgestellt, daß trotz aller uralten Gesetze "das also genanntes Unterhäufft-, dolle und Knup-Bier von allerhand Kräuter-Saamen und mehr andern schädlichen Ingredientzien von einigen Eingesessenen, absonderlich aber qualificirten Meisteren am Bräw-Ambt" immer wieder gebraut und verzapft werde. Per Ratsedikt verbietet er den Brauern "nochmahlen und zum Uberfluß" unter Androhung strengster Strafen, gemäß ihrem Brauereid anderes Bier, "als was von guten gemengten Früchten als Gersten, Waitzen und Speitzen gemacht mit Uberhäuffts-Heffen angesetzet und ohne Zusatz allerhand Ingredientzien" zu brauen und teurer als 2 Albus die Maß (ca. 1,3 l) zu verkaufen.

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3.32. Die Dollbierhütten am Bayenturm. Um 1745.

J.Wilh. Weber, Handzeichnung Tinte, aquarelliert, 260x530 mm. - HASTK, Plankammer 1/938.

J.Wilh. Weber, Handzeichnung Tinte, aquarelliert, 260x530 mm. - HASTK, Plankammer 1/938.

Der Plan zeigt die Stadtgrenze vor dem Stadtgraben zwischen Bayenturm und Severinstor mit rot eingetragenen Grenzsteinen. Unmittelbar jenseits der Grenze vor dem Bayenturm, also auf kurkölnischem Gelände, wohin der Arm des Rates nicht reichte, stehen außer einer Anzahl von Körben und Bütten insgesamt sieben hölzerne "Hütten", die als Dollbierhütten bekannt sind. Das starke, süßliche, billige "Dollbier" hatte seinen Namen vom Zustand der Konsumenten bei ihrer Rückkehr in die Stadt.

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3.33. Verbot des Auslaufens zum Dollbier nach Nippes und anderswo im "Ausland". 23.4.1755.

Druck. - HASTK, Edikte 6, BI.248. (ohne Abbildung)

Der Rat läßt an allen Toren "ein für allemahl" anschlagen: Die Kölner Brauer und die städtischen Finanzen werden geschädigt wegen des "häuffigen Auslauffens nach denen also genanten Nippes, Pest-Haus, Mauenheim, Pollerkopff oben Beyen, und in denen Hütten oder Bracken daselbst, wie auch in dem so genanten Judenbüchel, unter S.Cunibertithurm, am Klettenberg oder Horngan, Melathen und anderen nebst der Statt gelegenen bekanten Häuseren und Dollen-Biers-Zäpfferen", wobei "gedachten schädlichen dollen und ungewöhnlichen Geträncks halber in vielen Weegen grobe Excessen, Sünden und Laster begangen werden". Erneut wird dies streng verboten, Zuwiderhandelnde sollen mit 1 Goldgulden oder, falls unvermögend, mit Turmhaft bestraft werden. Ratsbediensteten wird Verlust ihres Postens angedroht. Zahlreiche ähnliche Edikte liegen seit mindestens 1672 vor, ohne viel geholfen zu haben. 1688-98 wurde noch die Kesselskaul, 1691 der Wingert bei St. Kunibert genannt, wo Bürger und Einwohner, besonders aber "einige hiesiger Statt Bedienten täglich sich ... häuffig einfinden und das dolle Hier sauffen".

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3.34. Hamburger Hopfenbier als Delikatesse in Köln. Nach 1.8.1393.

Hamburger Hopfenbier als Delikatesse in Köln. Nach 1.8.1393.
Aufzeichnung, lat. - HASTK, Rechn. 1385C Bl. 7. - Druck: Quellen 6,41 (fälschlich zu 1391).
(ohne Abbildung)

Das rheinaufwärts importierte Hamburger Hopfenbier galt als Delikatesse, die sicherlich ihren Preis hatte: Als der erzbischöfliche Siegler und Grutpächter Hermann von Goch 1393 im Gefängnis saß, hat er sich die Mitbringsel seiner Freunde penibel notiert. Ein gewisser Weyer brachte ihm eine Quart (ca. 1,3 l) Südwein (Malmasie) und 2 Quart Hamburger Bier (duas quartas cervisie Homburgensis) mit.

Lit.: lrsigler, Haushalt S.656.

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3.35. Schlechte Weinjahre - "alles Land voll Bier'. 1435.

Kölner Jahrbücher Rec. D (um 1450). - HASTK, CuD 1 5 Bi. 49v. - Druck-. Chron.d.dt.Städte 13, S. 170.

Kölner Jahrbücher Rec. D (um 1450). - HASTK, CuD 1 5 Bi. 49v. - Druck-. Chron.d.dt.Städte 13, S. 170.

Um 1450 beschrieb ein Kölner Chronist, wie 1435 schädlicher Maifrost alle Weingärten im Rheinland erfrieren ließ, so daß der Wein in Köln unerhört teuer wurde und kaum erhältlich war. Die Folge: "in dem selven Jair voirten de Nederlender dat Beyr in dat Overlant, also man den Wyn nederwart pleit zo doyn. ... ind sy machden alle Lant Beirs vol". 50 Jahre später übernahm die 1499 gedruckte Koelhoffsche Chronik den Bericht über die Folgen der katastrophalen Weinernte fast wörtlich.  

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3.36. "Zeichen" für in die Stadt Köln eingeführtes "uyslendisch" Bier. Um 1550.

Papier. - HASTK, Rentkammern, Mühlenzettel. (ohne Abbildung)

Unter den Bierakziseeinnahmen spielte die Einfuhrakzise nur eine untergeordnete Rolle. "Zeichen", Belege für gezahlte Einfuhrakzise, sind nur vereinzelt erhalten geblieben, u.a. für Bier aus Unna. Fremde Biere durften nur an bestimmten Toren eingeführt werden, wo Akzise entrichtet werden mußte, nämlich Biere von Köln rheinabwärts an der Neu- und Mühlengassenpforte, Biere aus Deutz und von oberhalb an der Salzgassenpforte. Nur wenige Zeichen über an der "Multengass" gezahlte Akzise für "uyslendisch Biers" haben sich, in einer Spitztüte archiviert, erhalten.

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3.37. Tagelohn am Bau anno 1374: Wein für den Meister, Bier für den Jungen.

Aufzeichnung, Pergament. - HASTK, HUA Kopiar 1 Bl. 52f. - Druck: Stein 2,46 S.41f - (Foto). (ohne Abbildung)

Nach der städtischen Tagelohnordnung erhalten Zimmerleute, Steinmetzen und Dachdecker im Sommer täglich 8 Schilling ohne Kost, oder 6 Schilling und eine Suppe, oder 4 Schilling und die Kost: morgens, mittags und nachmittags eine halbe Quart (ca. 0,7 l) Wein, Käse und Brot. Ein "junger Knecht" dagegen bekommt mit Kost 20 Pfennig (= 1 1/2 Schilling), "und den sal man Bier geyven" statt Wein, wohl auch wegen des niedrigeren Alkoholgehaltes.

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3.38. Nur ehrbare Leute dürfen Bier ausschenken. 22.9.1486.

Aufzeichnung. - HASTK, Ratsmemoriale 3, Bl. 189. - Druck.- Stein 2,459 S. 595f. (ohne Abbildung)

Der Rat beschließt, daß nur Leute von gutem Ruf Bier ausschenken dürfen. Die Rentmeister und Bierherren sollen deshalb alle Keutebierwirte überprüfen. Nur wenn sie sich als ehrbar erweisen, als Eheleute einen festen Wohnsitz haben und die Nachbarn ihre Ehrbarkeit beglaubigen, dürfen sie weiterhin Bier zapfen. Die Polizeistunde ist einzuhalten: Für jeden, der nach 9 Uhr abends noch beim Biertrinken angetroffen wird, muß der Wirt 5 Mark (ca. 1 Gulden) Strafe zahlen.

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3.39. Spielbanken in Bierhäusern werden ausgehoben. 1601

Aufzeichnung. - HASTK, Ratsprotokolle 51 Bi. 88. - (Foto). (ohne Abbildung)

Der Rat beschließt, die Brauer und Bierzapfer zu bestrafen, die an Sonn- und Feiertagen vor dem Ende des Hochamtes Glücksspiele zulassen und Bier verkaufen. Auch in den kirchlichen Immunitäten sollen die Spieler verhaftet werden. Eine Ratskommission soll überlegen, wie gegen die Spielbanken (spilbancen, litzbancen) in den Bierhäusern vorgegangen werden kann.

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3.40. Wirte in Lebensgefahr. Vor 28.5.1764.

Supplik.- HASTK, Zu,nft A 207, S. 527-534 - (Foto). (ohne Abbildung)

Das Brauamt bittet den Rat, bei Übertretung der Polizeistunde um 10 Uhr schärfer vorzugehen, denn wegen der Größe der Stadt könne man bei Schlägereien nur schwer Hilfe erreichen, so daß der "Wirth in dieser Zeit, dahe er zur Wacht hinschicket undt ehe selbige kombt, sich in die größeste Gefahr setzet, daß ihm entweder der Kopff eingeschlagen, oder doch solche Unordnungen in seinem Hauß angerichtet werden, wodurch ihme die Krüche, Stühle und Bäncke entzweygeschlagen und verbrochen, forter Fraw undt Kinder in nachtrucklichen Schrecken versetzet werden".

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