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Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996 | Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

Zeugen Kölner Brau-Kultur 1396 - 1996
Begleitbuch der Ausstellung zur 600-Jahrfeier der St. Peter von Mailand Bruderschaft

3.11. - 3.20. Ausstellung: Bier in Köln vor 1800

3.11. Der Kölner Rat läßt Grutbier und Hopfenbier probebrauen. Nach 24.6.1408.

Eintrag (um 1435). - HASTK, Ratsmemoriale 1, Bl.137r. - Druck: Loesch 2,250, S.63f - (Foto).

Eintrag (um 1435). - HASTK, Ratsmemoriale 1, Bl.137r. - Druck: Loesch 2,250, S.63f - (Foto).

Zur Berechnung der Gewinnspannen und der möglichen Akzisenbelastung ließ der Rat zur Probe brauen. Bei der ersten Biersorte sollten 2 Malter Malz 7 Ohm à 168 Quart ergeben, wobei nur "dat beste Gerstenmalz" verwendet wurde, während die Brauer zu einem Drittel Hafer und Dinkel hinzufügten. Hierbei kann es sich nur um Grutbier handeln. Die Hopfenbierbrauer (Hoppenbruwer) sollen aus 4 Malter Malz 6 Ohm, also stärkeres Bier, brauen, wobei außer Hopfen auch noch Grut Verwendung fand. Die Hopfenbierbrauerei ist hier erstmals in Köln belegt.

Lit.: Scheben, Zunfthaus S.107f

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3.12. Die Hopfenbrauer sollen das Bier nicht zu dünn brauen. 1412.

Eintrag. - HASTK, Ratsmemoriale 1 Bl. 64. - Druck: Loesch 2,252, S.65 - (Foto). (ohne Abbildung)

Anläßlich der Festsetzung einer neuen Malzsteuer von 1/2 Gulden je Malter zur Finanzierung der Nachtwachen haben die Hopfenbrauer geschworen, das Bier nicht noch weiter zu verdünnen bzw. zu verteuern: Sie sollen nicht mehr als 2 1/2 Tonnen je Malter gutem Gerstenmalz brauen, wobei die Quart (ca. 1,3 l) 6 Pfennig kosten soll. Früher hätten sie sogar nur 2 Tonnen aus 1 Malter hergestellt. Demnach dürfte schon seit Ende des 14. jhs., in Köln Hopfenbier gebraut worden sein.

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3.13. 4 der 21 Brauhäuser in Köln brauen Hopfenbier. 1.11.1438.

Eintrag. - HASK, Ratsmemoriale 1 li. 162-163. - Druck: Loesch 1,263 S.71-74 - (Foto). (ohne Abbildung)

Nachdem es wegen Getreideteuerung längere Zeit nur schlechtes Bier (snoeden Drank van Biere) gab, ordnet der Rat, gemeinsam mit dem Brauamt, das Kölner Brauereiwesen neu: 21 Brauhäuser bzw. Brauer gehören dem Brauamt an. 10 unter werden ausgelost, die nun ein Jahr lang Dünnbier, und 11, die Dickbier brauen sollen. Letztere haben auftragsgemäß 4 unter sich ausgelost, die Hopfenbier brauen sollen. Nach einem Jahr wird getauscht, doch soll es immer mindestens 10 Dünnbierbrauer geben. (Dünn- und Dickbier sind unterschiedliche Keutebier-Qualitäten). Alle Brauer sollen gutes Bier brauen und "stetlich, gut, kalt Bier" führen.

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3.14. Rotbier (= Hopfenbier) statt Keutebier. 21.8.1482

Aufz. - HASTK., Zunft A 217 Bl. 5-51.- Teildruck: Kuske 2,880 S. 462f. (ohne Abbildung)

Per öffentlicher Bekanntmachung (Morgensprache) verbieten der Rat und die Vierundvierziger, weder Keute- noch Gelbbier (Keute off Geelbiere) zu brauen oder einzufahren, bei 100 Gulden Strafe, ersatzweise 1/2 Haft. Beschlagnahmtes Keutebier erhalten die Armen in den Hospitälern. Stattdessen sollen die Brauer "guyt bestendich Roitbier van Gerstenmaiß", die Quart (ca. 1,3 l) für 3 bzw. 2 Heller brauen (= Hopfenbier). Wie aus anderen Quellen bekannt ist, geschah dies wegen Getreideteuerung; das helle Keutebier verbraucht wegen seines hohen Weizenanteils viel Brotgetreide, das dunklere Hopfen- oder Rotbier wurde dagegen nur aus Gerstenmalz gebraut.

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3.15. Der früheste Beleg für Keutebrauerei in Köln. Um 1438/39?

Aufz.. - HASTK, Ratsmemoriale 1 Bl. 137'-137A. - Druck: Loesch 1,256 S. 67f., 5 - (Foto). (ohne Abbildung)

Die Keutebrauer müssen schwören, von 2 Malter Weizen und 5 Malter Hafer (Even) 5 Malter Malz zu bereiten und davon 10 Heringstonnen (Tonnen bestimmter Größe) Keutebier und nicht mehr zu brauen. Hohle Spelze dürfen nicht gemälzt werden. Die Eidesformel für die Keutebrauer ist den Eiden der Dünnbier-, Dickbier-, Hopfen- und Klosterbrauern vom 6.5.1429, die im Ratsmemorialbuch erst um 1435 eingetragen worden sind, nachträglich hinzugefügt worden, vermutlich erst nach der Teuerung 1437/38.

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3.16. Ein Keutebierrezept nach exakten Vorgaben aus dem Eid des Musterbrauers. Um 1514.

Aufz. - HASTK, Handel 79 Bl. 5r. (ohne Abbildung)

Der Brauer (Stalenbruwer), der im Auftrag des Rates 3-Heller-Keutebier als Muster für die anderen Brauer brauen soll, muß schwören, aus 11 Malter gestrichener Frucht, die in 5 1/2 Säcken zur Malzmühle gebracht werden und aus 5 Malter Weizen, 3 Malter gemälzter Gerste und 3 Malter Hafer bestehen müssen, sowie aus 2 Malter Hopfen 30 Ohm (je ca. 137l) "gueder, bestendiger Keuten" zu brauen, "daemit der gemeyne Man verwairt sy und eyn guet Benoigen inne have" 2 Ohm darf er als Füll- und Trankbier behalten, 28 Ohm werden verkauft oder verzapft, wobei für jede Ohm 6 Albus Akzise zu entrichten sind. Die Quart (ca. 1,3 l) soll 3 Heller kosten.

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3.17. Die Kölner sind dem Keutebiertrunk zugeneigt. 12.6.1486

Eintrag. - HASTK, VuV V 126A, Bl. 76r-v. - Teildruck: Kuske 2,1013, S.513. (ohne Abbildung)

Anscheinend befürchtete der Rat wegen des beliebten, aber verbotenen Keutebieres Unruhen, jedenfalls läßt er per Morgensprache trotz Brotgetreidemangel wieder die Einfuhr auswärtiger (Keute-) Biere zu, denn er habe gemerkt und eingesehen, daß die Gemeinde "gemeyntichen zo dem Drancke der Keuten geneygt synt".

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3.18. Kölner Keutebier und westfälischer Schinken für Kaiser Maximilian I.
Nach 24.4. und 1.5.1510.

Einträge. - HASTK, Rechn. 98, Bl. 366 u. 366v. - Druck (nur betr.Bier:) Merlo, Ausgabebuch S. 111

Einträge. - HASTK, Rechn. 98, Bl. 366 u. 366v. - Druck (nur betr.Bier:) Merlo, Ausgabebuch S. 111

Um ihn für sich einzunehmen, verehrt die Stadt Köln Kaiser Maximilian ca. 13,7 hl Keutebier, das er sicherlich bei seinem Aufenthalt im Brauerzunfthaus im Jahre 1505 (Nr. 4.23.) kennengelernt hatte. Außerdem 3 Zentner westfälischen Schinken, wie die Ausgabenrechnung der Mittwochrentkammer beweisen: "Bier Key(serlicher) Ma(ieste)t zo Ausberch geschickt: Item gegeven vur etlich KewtenBier, dat Key(serlicher) Ma(ieste)t zo Ausberg geschickt ind geschenckt ist worden, 15 Gulden Item gegeven, die Vasse zo bynden ind dat Bier an den Ryn zo furen ind zo Schiffe zo stellen XVI Mark. ... Westphelische Schyncken Key-(serlicher) Ma(iestet) zo Ausberg geschickt: Item gegeven vur drie Zyntner westfeischen Schyncken, die Key(serlicher) Ma(iestet) zo Ausberg geschickt ind geschenckt synt worden, 45 Mark" Rechnet man die Quart besseren Biers für 4 Heller, konnte man für 15 Gulden (16 Gulden kostete damals ein Pferd) etwa 10 Ohm (ca. 13,7 hl) Keutebier kaufen.

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3.19. Brauer und Biertrinker finanzieren wesentlich den Bau der Kölner Stadtmauer. 16.3.1212.

Ausf., lat., Pergament, Majestätssiegel. - HASTK, HUA 1/55. - Druck: Quellen 2,36 S.41 f. (ohne Abbildung)

Kaiser Otto IV. erlaubt der Stadt Köln, drei Jahre lang zugunsten des Stadtmauerbaues eine Mahl- und Brausteuer zu erheben. Wahrscheinlich wurde diese Steuer nach Ablauf der 3 Jahre weiter erhoben; seit 1238 erhielt der Bischof nach einem Schiedsspruch eine Hälfte der Steuer, die er ganz beansprucht hatte. Sie ist später bis 1 798 vom fertigen Gebräu als Büttenakzise, also als Biersteuer, erhoben worden.

3.20. Kölner Brauer Wilhelm von Rheindorf pachtet die Malzmühle bei St. Agatha. 1.5.1435.

Ausf., Pergament. - HASTK, HUA 1/11094. - Reg.: Loesch 1,260 S.70. (ohne Abbildung)

Wilhelm von Rheindorf (Ryndorp), der Brauer "zorne lueden" in der Weberstraße, und seine Frau Styna pachten von der Stadt Köln die Roßmühle bei St.Agatha, die als Malzmühle dient, auf 4 Jahre für jährlich 22 rhein. Gulden. Malz durfte zur Sicherung korrekter Akzisezahlungen nur auf bestimmten Mühlen von besonders vereidigten Müllern gemahlen werden. Das erste Siegel ist das Siegel Wilhelms, es zeigt im Wappenschild 2 gekreuzte Malzschaufeln, bewinkelt von 4 Rosen.

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