Zunft-Brauerei

Erzquell Brauerei Bielstein, die Heimat des Zunft-Kölsch


Kölsch nur aus der Rheinmetropole? Von wegen - im traditionsreichen oberbergischen Ort Bielstein wird schon seit 1900 Bier gebraut, bereits an der Ortseinfahrt liest man "Bierdorf Bielstein". Hier hat die Erzquell Brauerei Bielstein als "höchstgelegene Kölschbrauerei der Welt" ihre Braustätte. Darf Kölsch nicht nur in den Stadtgrenzen Kölns gebraut werden? Im Prinzip richtig, doch genießen die traditionsreichen Brauereien im Umland, die sich schon immer auf das helle Obergärige spezialisiert haben, einen Bestandsschutz.

Seit vier Generationen im Familienbesitz wurde die Brauerei im Jahr 1900 als "Adler Brauerei GmbH" gegründet und am 5. September 1900 verließ das erste in Bielstein hergestellte Bier die Brauerei. "Aus der Not geboren" - diese Redewendung trifft im wahrsten Sinne des Wortes auf die Gründung der Erzquell-Brauerei vor über 100 Jahren zu. Die Spinnerei und Reißerei von Ernst Kind und seinem Schwager Karl Kattwinkel geriet Ende des 19. Jahrhunderts in eine wirtschaftliche Schieflage. Ernst Kind wagte dann trotz seiner 50 Jahre noch einmal den Neuanfang. Mit den vorhandenen Reserven wandelte er die Fabrik in eine Brauerei um.

Die Kunst des Bierbrauens lernte Kind in der bayrischen Brauerschule Weihenstephan. Seinen späteren Neffen Fritz Ehrlicher stellte er als Braumeister ein. Um Quellwasser ins Brauhaus zu leiten, musste zunächst eine mehrere Kilometer lange Wasserleitung gebaut werden. Die 1897 gegründete Wiehltalbahn war ideal, um die notwendigen Rohstoffe angeliefert zu bekommen, gleichzeitig konnte das Bier abtransportiert werden. Am 5. September 1900 verließ dann das erste Bier der Adler-Brauerei GmbH - so der damalige Name - das Sudhaus in Bielstein. 15.000 Hektoliter Bier wurden im Gründungsjahr gebraut, doppelt soviel Gerstensaft war es bereits 1913.

Im Ersten Weltkrieg gab es Umsatzeinbußen, prompt stellte sich Ernst Kind auf die neue Situation ein Alu-Bestecke für die Soldaten und Laubmehl für die Heerespferde wurden statt Bier produziert. 70-jährig schied Kind 1920 aus der Unternehmensleitung aus. Schwiegersohn Carl Haas, Großvater des heutigen Firmenchefs Axel Haas, übernahm die Geschäftsführung. 1936 wurde die Adler-Brauerei in eine KG umgewandelt, nachdem man einige Jahre zuvor eine Mehrheitsbeteiligung an der Siegtal Brauerei Burgmann & Wildenberg übernommen hatte. Doch nicht nur die Gesellschaftsform, auch der Name änderte sich Weil in Köln ein weiteres Unternehmen unter dem Namen "Adler" firmierte, hieß die Brauerei aus dem Oberbergischen ab sofort "Bielsteiner Brauerei".

Nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Produktion 1948 wieder an. Werner Haas übernahm die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung wurden umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen und mit "Zunft Kölsch" eine neue Marke etabliert. Die Kooperation mit der Schwesterbrauerei in Siegtal führte zum seit 1979 beibehaltenen Namen Erzquell Brauerei. Nachdem Axel Haas in diesem Jahr die Geschäftsführung der Siegener Braustätte übernommen hatte, wurde er 1983 nach dem Tod seines Vaters auch Geschäftsführer für den Standort Bielstein. In den 80-er Jahren gab es weitere Investitionen in die Fass- und Flaschenabfüllerei, Höhepunkt war das neue kupferne Sudhaus, das 1987 in Betrieb genommen wurde.

Das Herzstück der Brauerei bildet seit eh und je das Sudhaus mit den kupfernen Kesseln. Hier wird aus den Rohstoffen Wasser, Gerstenmalz und Hopfen Zunft Kölsch und Erzquell Pils eingebraut. In riesigen Gärtanks entwickelt das Bier unter Zugabe von Hefe seinen vollendeten und typischen Geschmack. Bei tiefen Temperaturen reift es im Lagerkeller langsam heran und klärt sich zur vollkommenen Geschmacksabrundung. In der Filtration wird das Bier schonend kristallklar gefiltert.

"Qualitätssicherung und -kontrolle sind in unserem Hause oberstes Gebot", erläutert Haas. Vom Sudhaus bis zur Abfüllung werde Zunft Kölsch im hauseigenen Labor ständig kontrolliert. In der KEG-Abfüllung werden die Fässer für die Gastronomie vollautomatisch gereinigt, kontrolliert und befüllt. Bis zu 40.000 Flaschen pro Stunde können in der modernen, vollautomatischen Flaschenabfüllanlage gereinigt, kontrolliert, befüllt, etikettiert und in Kästen verpackt werden. Frisch aus der Abfüllung wird dann der Gerstensaft verladen und in die Gastronomie und den Handel gebracht.

Nicht nur in der Flasche kommt Zunft Kölsch gut an, auch im Gastronomiebereich ist der zünftige Schluck ein Renner 40 Prozent des Gesamtausstoßes von über 200.000 Hektolitern werden an die Restaurants, Bistros und Cafés der Region abgegeben. Für die Beliebtheit spiele die Wahl des Wassers auch eine bedeutende Rolle, erläutert Marketingleiter Oliver Pack, hier bedient man sich aus einer eigenen Quelle nahe der Brauerei frisches, weiches und klares Wasser.

"Auch für uns ist das heute nicht alltäglich, denn in den 100 Jahren haben wir verschiedene Biersorten produziert, aber noch kein Bier-Mischgetränk", erklärte Brauereichef Haas 2001 bei der Präsentation von BLACK, dem ersten Kölsch-Mixgetränk, dass eine deutsche Brauerei auf den Markt brachte. Als "tolles neues Geschmackserlebnis für die junge Generation" kam es auf den Markt, zwei Jahre lang hatten die Braumeister an dem neuen Produkt getüftelt und entwickelt. "Wir haben lange überlegt und geforscht, sind aber nun überzeugt, die optimale Mischung gefunden zu haben", frohlockte Haas.

Auf dem Markt der Mischgetränke habe sich in den letzten Jahren sehr viel getan, erklärte der Brauerei-Chef, "da gibt es ein sehr starkes Wachstum". Er ist sicher, dass Kölsch sich zum Mischen besonders gut eigne, weil es leicht und bekömmlich sei, zudem erfrischend. "Die Zielgruppe ist natürlich die Jugend, die ja immer sehr innovativ ist, aber auch die Autofahrer, denn mit 2,4 Prozent Alkohol zählt es zu den alkoholarmen Erfrischungsgetränken." Nachdem Erzquell 2002 in Aspen/Colorado für sein Zunft Kölsch den begehrten goldenen "World Beer Cup" der Association of Brewers in der Kategorie "Cologne Style" - 71 Juroren hatten 1.173 Biere von 379 Brauereien aus 38 Ländern beurteilt - verliehen bekam, stellte das Unternehmen letztes Jahr ein weiteres Mixgetränk vor Zunft Radler, eine Mischung aus Kölsch und Zitronenlimonade. "Seit längerer Zeit hatten unsere Braumeister bereits die Rezepturen für das Radler in der Schublade", bestätigt Brauereichef Dr. Axel Haas. "Das wussten auch unsere Kunden und so sind wir durch die insgesamt verstärkte Nachfrage nach alkoholhaltigen Erfrischungsgetränken zur Entscheidung gelangt, unser Zunft Radler auf den Markt zu bringen."

Mit 2,4 Volumenprozent Alkoholgehalt zählt es zu den alkoholarmen Erfrischungsgetränken und wird in einer 0,33 Liter "Longneck"-Flasche verkauft. Das ursprüngliche Radler, Bier mit Zitronenlimonade, ist bereits seit 100 Jahren bekannt und mittlerweile als Klassiker aus dem Sortiment der Gaststätten und Getränkemärkte nicht mehr wegzudenken. Der Münchener Wirt Franz Xaver Kugler gab Anfang des 20. Jahrhunderts dem Radler seinen Namen, als er auf seiner Kugler-Alm den zahlreichen radfahrenden Gästen ein aus Mangel an Gerstensaft zur Hälfte mit Zitronenlimonade versetztes Bier als eigens für die Radfahrer erfundenes "Radlermaß" verkaufte.

Und seit einiger Zeit bietet die Erzquell-Brauerei zusätzlich zu ihrem bekannten Sortiment ihre Hauptprodukte unter dem Motto "Eine Legende kehrt zurück" auch wieder in einer 0,5 Liter-Bügelflasche im neuen und modernen 16-er Kasten an. Die Bügelflasche war ursprünglich das erste Bierflaschenformat und wurde erst Mitte der 60-er durch die Kronkorken verdrängt. Lediglich eine Marke blieb bei der Bügelflache, die durch die Comicfigur Werner Brösel wieder populär wurde. Die Retrowelle habe auch die Bierflasche erfasst, erklärte Werbeleiter Oliver Pack, und damit habe die Bügelflasche einen echten Kultstatus bei den Biertrinkern bekommen. "Sie passt heute besser denn je in den Markt, auf dem für die Verbraucher neben der Produktqualität auch eine trendige Verpackung eine große Rolle spielt", ist sich Haas sicher. Im Unterschied zur Produktion vor 30 bis 40 Jahren werden die Bügel aber nicht per Hand geschlossen, sondern mit einer hochmodernen Maschine. Als einzige Brauerei der Region lässt die Erzquell-Brauerei es seitdem wieder "ploppen".

Ihren guten Namen verdankt die Brauerei sicher auch ihrem großen Engagement im Bereich Kultur, Sport und Bildung So verleiht sie schon seit sieben Jahren den Erzquell-Förderpreis für hervorragende Diplomarbeiten im Fachbereich Informatik an der Fachhochschule Köln, Campus Gummersbach, spendet statt Weihnachtsgeschenke an die Kunden zu verteilen lieber für soziale Zwecke und sponsert sowohl den Handball-Kreispokal als auch die Ü32-Kreismeisterschaft im Fußball. Sie richtet seit 20 Jahren den Zunft Kölsch-Lauf von Köln nach Bielstein aus und hat mit ihrer Brauerei Open Air-Konzertreihe in den Wiehlauen hinter der Brauerei eine feste kulturelle Veranstaltung etabliert. Neben den Bläck Fööss, den Höhnern, BAP oder Guildo Horn sowie lokalen Vorbands traten hier schon viele international bekannt Künstler wie Manfred Mann, die SAS Band, Status Quo, T.Rex, Sweet und Slade, The Hollies, Hot Chocolate, die Weather Girls und Creedence Clearwater Revisited auf.

Brauereichef Dr. Axel Haas sieht die Brauerei heute auf einer soliden Basis. Es gelte weiterhin, die regionale Kompetenz von Erzquell zu stärken und die Geschäftspolitik im Sinne eines Familienunternehmens weiter zu betreiben, weil darauf das Vertrauensverhältnis zu den Geschäftspartnern beruhe.

Auch in der derzeit sicherlich nicht einfachen wirtschaftlichen Situation konnte Erzquell mit seinem Hauptprodukt "Zunft Kölsch" seine Marktposition als eine der führenden Kölsch-Brauereien festigen und ausbauen. "Wir konnten bei vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen erleben, wie eng die Verbraucher mit unserer Brauerei und unseren Spezialitäten verbunden sind." In konsequentem Marketing und Vertriebspolitik sieht Haas weitere Gründe für die erfreuliche Entwicklung seines Hauses. "Als heimische Brauerei brauen wir mit einer engagierten Mannschaft und modernster Technik erstklassige Bierspezialitäten. Unser Markt ist die Region, in der wir uns mit unterschiedlichsten Aktivitäten engagieren - das soll auch in Zukunft so bleiben."

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de