Vom Familien-Bräues zur Aktienbrauerei

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Ende einer Ära - Aufhebung des Zunftzwanges durch die Franzosen

Das Brauhaus "Zur Zweipann" trug seinen Namen wegen der zwei Sudpfannen, die es besaß.
Das Brauhaus "Zur Zweipann" trug seinen Namen wegen der zwei Sudpfannen, die es besaß.

Mit der Französischen Revolution und der gleichzeitigen Verbreitung der neuen Ideen von Einheit, Gleichheit , Brüderlichkeit, begann auch für die Stadt Köln und das Rheinland eine neue Zeit. Als die Revolutionstruppen im Jahre 1794 kampflos in Köln einmarschierten, wurden sie vom größten Teil der Bevölkerung freudig begrüßt. Das änderte sich aber schnell, als man merkte, daß diese Soldaten keine idealistisch Gesinnten Befreier, sondern in ihrer Mehrzahl eher egoistische Okkupanten waren. Trotzdem waren die Neuerungen, die sie einführten, ein für das in 400 Jahren dahindämmernde reichsstädtische Köln ein heilsamer Schock. Besonders drei ihrer Maßnahmen sollten sich für Wirtschaft und Handel als wahre Lokomotiven erweisen: 1. Die im Jahre 1798 verfügte Aufhebung der Zünfte und Einführung der Gewerbefreiheit - 2. Die im Jahre 1802 durchgeführte Säkularisation, die Übernahme des katholischen Kircheneigentums durch die Regierung - 3. Die Einführung des französischen Rechtssystems, des "code civil" im Jahre 1804, der für eine weitgehende Rechtssicherheit sorgte und später auch in Teilen von Preußen übernommen wurde.

Im Jahre 1815 übernahmen nach dem Niedergang der Napoleonischen Ära die Preußen die Macht am Rhein und nun begann eine stürmische Zeit für Wirtschaft und Handel. Zwar entwickelte sich die neue Zeit für das Braugewerbe erst langsam und allmählich, Köln zählte 1827 etwa 110 kleine Haus-Brauereien mit durchschnittlich zwei Beschäftigten (Meister und Brauer-Bursch), die "Wieß" und "Brung' (ungefiltertes Obergäriges) brauten. Erste industrielle Brauversuche machte bereits im Jahre 1838 der Brauer Thomas Ehemann mit einer "untergärigen Baierischen Bierbrauerei" in der Thürmchensgasse 19, nahe dem Rheinufer. Diese Brauerei ging später (1873) in der Cöln-Niedermendiger Actien-Brauerei auf.


Aufbruch in ein neues Zeitalter - die industrielle Revolution

Doch die industrielle Revolution stand schon in den Startlöchern und die für das Brauwesen wichtigen geistigen Väter, Louis Pasteur (1854) mit seinen Erkenntnissen über den Gärungsablauf, Carl von Linde, Erfinder der künstlichen Kühlung (1873) und Emil Christian Hansen, dem es gelang, eine Bier-Hefe zu züchten, welche die Herstellung immer gleicher Bier-Qualität garantierte (1883), waren bereits geboren oder hatten ihre Erfindungen schon gemacht. Mitentscheidend für das Gelingen des industriellen Umbaus der Brauereien waren aber vor allem Großunternehmer wie Gabriel Sedlmayr jr. (Spatenbräu, München), die Brauer-Dynastie Jacobsen (Carlsberg, Kopenhagen), und Anton Dreher, Wien, der als erster ein modernes untergäriges Massenbier braute und dessen Brau-Imperium als das größte der Welt galt. Alle diese Wirschaftspioniere waren miteinander bekannt und befreundet, ein bereits damals funktionierendes Europa (WEU) ohne Euro-Bürokratie.

Um das Jahr 1850 begann es dann richtig. Die Stadt Köln zählte damals in ihren noch durch die mittelalterlichen Befestigungen eingeengten Mauern 100.000 Einwohner und etwa 120 Brauereien. Der gewonnenen Krieg 1870/71 gegen Frankreich und die damit verbundene Reichsgründung lösten einen wahren Gründungs-Boom aus. Der brachte auch das Brauergewerbe in Schwung. Den ersten industriellen Schub gab die Einführung der von James Watt erfundenen Dampfmaschine als Energiequelle in den Produktionsablauf. Gabriel Sedlmayr jr. Besitzer der Spaten-Brauerei in München und Förderer Carl von Lindes, blieb diese Tat vorbehalten. Der zweite Schub entstand durch die von Linde erfundene und 1873 erstmals vorgestellte Kühlmaschine, die eine ganzjährige industrielle Herstellung von großen Mengen Bier erlaubte. Das rapide Anwachsen der Stadt und der ständige Zuzug von Arbeitskräften für die neugegründeten Fabriken erforderte auch die Fabrikation großer Mengen an Bier, um den Feierabend-Durst der Menschen zu löschen. Gebraut wurden nun vor allem, dem Mode-Geschmack entsprechend, untergärige Biere wie Pilsener, Münchner Helles, Export und sogenanntes Lager-Bier. Die Erfindung und der Ausbau des Eisenbahnnetzes in ganz Deutschland erlaubte es außerdem, Bier in alle Teile des Landes, selbst über große Entfernungen hinweg zu verschicken.


Die Aktienbrauereien - mehr Bier mit modernen Mitteln

Doch bevor die nun technisch möglichen und dringend benötigten Brauereien geschaffen werden konnten, mußte das hierzu nötige Kapital besorgt werden. Es wurde Fremdkapital in Form von Aktien bereitgestellt, das es auch vor allem branchenfremden Finanzkreisen erlaubte, sich am Wachstum und dem damit entstehenden Profit zu beteiligen. In Köln entstand damals die bis heute andauernde Marktstruktur, kleine und mittlere Farnilien-Betriebe und große als Aktien-Gesellschaft geführte Industrie-Betriebe. In neuester Zeit verwischen sich zwar die Formen, aber das Grundmuster ist im allgemeinen noch heute so gültig.

Die Hirschbrauerei in Köln Bayenthal war der Vorgänger der heutigen Dom-Brauerei.
Die Hirschbrauerei in Köln Bayenthal war der Vorgänger der heutigen Dom-Brauerei.

Diese wirtschaftliche Entwicklung hatte nätürlich nicht nur Vorteile, die Nachteile spürten die unterkapitalisierten Klein-Betriebe, die traditionellen obergärigen Hausbrauereien bald mit aller Härte. Ein Brauhaus-Sterben begann, dem viele jahrhundertealte Hausbrauereien zum Opfer fielen. Berühmte Namen wie die Brauhäuser "Zum Holz", "Zur Rübe," und "Zurn Esel" verschwanden aus der Kölner Brau-Landschaft. Bis zur Jahrhundertwende verringerte sich die Zahl der Hausbrauereien um die Hälfte. Dafür entstanden immer mehr industrielle Brau-Betriebe, die nach modernen Fabrikationsmethoden große Mengen an untergärigem Bier herstellten.

Ein typisches Beispiel einer solchen Neugründung war die "Cölner Actien Brauerei in Alteburg am Rhein". Wer heute den Bayenthalgürtel in Richtung Rheinufer fährt, ahnt nicht, daß hier rechter Hand vor ca. 80 Jahren Kölns erste und größte industrielle Brauerei stand. Optischer Mittelpunkt war die auf dem Gelände gelegene "Alteburger Mühle", eine Windmühle, deren Turm-Torso heute noch zu sehen ist (An der Alteburger Mühle Nr. 6). Im Mittelalter war diese Gegend Kirchenland von St.Severin und ging nach der Französischen Revolution in private Hände über. Zuerst als "Gut Alteburg" und "Englischer Park" genutzt, erwarb 1813 Ludwig Böcking das Gut und errichtete hier den ersten industriellen Betrieb, eine Knochenmühle und Kalkbrennerei. 1845 kaufte dann Paul Joseph Hagen das Grundstück. Er besaß schon mehrere andere Grundstücke weiter südlich, unter anderem den Gutshof, den r nach seiner Tochter "Marienburg" nennt. Das Grundstück an der Alteburger Mühle wurde fortan auch industriell genutzt.

Hier gründete im Jahre 1873 die Cölner Actien-Bier-Brauerei einen Braubetrieb für untergäriges helles Tafelbier, hochfeines Lagerbier, dunkles Export-Bier, aber auch (in kleinen Mengen) für obergäriges Kölsch-Bier. Das in unmittelbarer Nähe am Rhein gelegene Wasserwerk lieferte das Brauwasser und war wohl auch ausschlaggebend für die Standortwahl. Der Zeitzeuge Wilhelm Scheben schreibt im Jahre 1880 über das Unternehmen: "Die bedeutendste Brauerei im Kölner Bezirk ist die Rheinische Brauerei-Gesellschaft Alteburg bei Köln (wie sie ab 1876 firmierte). Dieselbe entrichtete im Jahre 1878/79 an Brausteuer 48.592 M; sie liefert ein gesuchtes Fabrikat und steht, was ihre Betriebseinrichtungen betrifft, auf der Höhe der Gewerbe-Entwicklung". Die Steuersumme galt für einem Ausstoß von etwa 50.000 hl und entsprach somit einer Mark für 100 l was wiederum einem Pfennig pro Liter und 0,3 Pfennig pro Glas Kölsch bedeutete. Die Betriebsanlagen der Brauerei brannten im Jahre 1892 fast vollständig ab, wurden bis zum Jahre 1894 wiederhergestellt und durch eine moderne Malzfabrik komplettiert. In der Zeit um die Jahrhundertwende bis zum Ende des 1.Weltkrieg florierte die Rheinische Brauerei-Gesellschaft Alteburg. Dann, bedingt durch Krieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten, übernahm ab 1918 die Hirsch-Brauerei AG (heute Dom-Brauerei) im benachbarten Bayenthal das Unternehmen. Im Jahre 1920 wurde der Braubetrieb eingestellt, 1927 wurden die Gebäude abgerissen und durch eine Villenbebauung ersetzt.

Ein anderes Beispiel wirtschaftlicher Entwicklung war der Versuch kleiner, aber innovativer Hausbrauer, in die Phalanx der kapitalstarken Großen einzudringen, war die "Germania-Brauerei von Joseph Stauff" auf der Bonner Straße 324. Brauereien und Brauhäuser waren speziell in der Stadt Köln und ihrem Umland ständige Spekulations- und Handelsobjekte. In manchen Brauhäusern wechselten die Besitzer schneller als die Köbesse. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts bis um die Jahrhundertwende. Viele träumten damals vom schnellen Reichtum und riskierten finanziell Kopf und Kragen. Allerdings war auch der unternehmerische Einsatz gewaltig. Die sogenannten "Gründerjahre" produzierten viele heute noch weitbekannte Unternehmen. Es wurde geplant und gebaut in nie dagewesenen Dimensionen. Die Kölner Brauerfamilie Stauff ist für den Trend dieser Zeit geradezu ein Parade-Beispiel. Ihre ""Wirtschafts-Story," begann im Schatten von Maria Lyskirchen auf dem Holzmarkt Nr.19. Hier am Rheinufer übernahm der Brauer Joseph Stauff im Jahre 1857 eine kleine Hausbrauerei von einer Witwe Schüller. Dieses Unternehmen muß ihm in kurzer Zeit so viel Gewinn eingebracht haben, daß er schon nach zwei Jahren eine weitere Brauerei nebst einem Doppelhaus auf der Severinstr. 199 erwerben konnte. Die Hausbrauerei auf dem Holzmarkt lief inzwischen lustig weiter und wurde 1861 von Quirin Stauff übernommen und bis 1865 von diesem weitergeführt. Dann hatte auch Quirin Stauff genug verdient, um eine neue Brauerei auf der Severinstr. 66 zu kaufen. Der hafennahe Holzmarkt hatte sich als wahre Goldgrube für die Stauffs erwiesen. Nun wurde auf der verkehrsreichen, gewinnträchtigen Severinstraße gebraut. Man wollte ganz nach oben. Joseph Stauff, der Gründer blieb mit seiner Brauerei bis zum Jahre 1888 im Hause Severinstr. 199. Doch zwischenzeitlich, im Rausch der Gründerjahre zog es auch ihn noch hinaus in die Vororte. Hier gab es billiges Bauland und Platz in Hülle und Fülle. Auch die Lage für seine neue Dampfbrauerei, die er im Jahre 1878 an der Bonner Straße Nr. 324 im Vorort Arnoldshöhe erbaute, war vielversprechend.

Foto-Kollage der Brauerei Heinrich Reissdorf mit Belegschaft aus dem Jahr 1902.
Foto-Kollage der Brauerei Heinrich Reissdorf mit Belegschaft aus dem Jahr 1902.

An der belebten Hauptstraße Köln-Bonn war immer etwas los. Hier kehrten die Fuhrleute, die ihre Fracht in die Stadt gebracht hatten, ein. Hier löschten die "Kappesbure' aus dem Vorgebirge ihren Durst, wenn sie ihre Ware in Köln losgeworden waren, und an Sonn- und Feiertagen pilgerten die Kölner in Scharen über die schattige Allee hinaus aus dem Severins-Viertel am ‘Dude Jüdd’ vorbei ins Grüne. Hier konnten die Städter an schönen Sommerabenden im Biergarten sitzen oder im großen Saal Billard und Karten spielen.

Hier war, wie man heute sagen würde, immer der "Bär los' ' Und Joseph Stauff braute sein Bier dazu. Im Jahre 1888 zog sich Joseph Stauff nach dreißigjähriger Tätigkeit aus seiner Brauerei in der Severinstraße zurück. Ein Jahr danach, im Jahre 1889, übernahm sein Sohn Heinrich auch die Brauerei an der Bonner Straße.

Heinrich Stauff, nun schon die zweite Brauergeneration, legte jetzt erst richtig los. Er modernisierte und vergrößerte, baute ein neues Haupthaus direkt an der Straße und nannte das Unternehmen in vaterländischem Stolz "Germania Brauerei von Heinr. Stauff". Die "Germania" brachte es zwar zu einem gewissen Ansehen, doch den großen Durchbruch erreichte sie nie. So schloß sie denn auch bereits nach nur sechzehn Betriebsjahren und wurde 1905 von der Konkurrenz, der Adler/Hirsch-Brauerei sang- und klanglos geschluckt. So wie der Germania ging es in jener Zeit vielen Neugründungen. Aber auch die "'großen"" hatten ihre Sorgen und es entstand ein ständiges Kommen und Gehen auf dem Kölner Biermarkt, das durch Fusionen noch intensiviert wurde.

Kleinere Bestellungen werden im Kölschen Brauhaus direkt und mit der Hand gezapft
Kleinere Bestellungen werden im Kölschen Brauhaus direkt und mit der Hand gezapft


Die Bier-Flaschen schaffen den großen Durchbruch.

Nun hätten alle Erfindungen und Modernisierungen wenig genützt, wenn es nicht gelungen wäre, den Fluß des nun in Strömen fließenden Bieres so zu kanalisieren, daß er auch jedermann erreichen konnte. Hatte man früher sein Bier in der benachbarten Kneipe getrunken oder mit der offenen Kanne zum schnellen Verzehr ins Haus geholt, so bot sich mit der industriellen Massenfertigung von Bierflaschen die Möglichkeit, Bier portionsweise und zeitlich unabhängig zuhause zu konsumieren.

Mundgeblasene Bier-Flaschen hatte es schon (in Belgien und Holland bereits seit Mitte des 18. Jahrh.) gegeben, die meist verkorkt oder versiegelt waren. Doch sie waren schon durch den hohen Herstellungs-Preis nur begrenzt einsetzbar und auch die Verschlußtechnik war aufwendig und selten perfekt. Zwei Erfindungen sorgten für die Lösung beider Probleme. Im Jahre 1875 erfand der Berliner Karl Dietrich den Bügelverschluß mit Porzellellan-Kappe und Gummi-Dichtung, der eine optimale Lösung darstellte und teilweise heute noch in Gebrauch ist (z.B. Maximilian-Kölsch). Flaschen hatte man bereits von 1886-1889 in Pittsburgh/USA in einem halbautomatischen Verfahren hergestellt. In USA wurde auch der vollautomatische Owens-Rundläufer mit 15 Flaschen-Blasstationen erfunden (1898). Diese Automaten wurden knapp zehn Jahre später (1908) bei Apollinaris in Sinzig in Betrieb genommen. Die Gerresheimer Glashütte gründete zur selben Zeit in Berlin die "Euro-Flaschen-Fabrik', die eine Jahresproduktion von 140 Millionen Bierflaschen angab. Wie wichtig das Thema Flaschen-Bier in dieser Zeit war, dokumentiert sich in der Tatsache, daß der spätere Reichskanzler Stresemann seine Doktorarbeit über diese Thema schrieb.

Dieses Werbeplakat für "echt Kölsch" zeigt auf seiner rechten Seite die Abildungen der Brauhäuser aller Mitglieder der Werbegemeinschaft.
Dieses Werbeplakat für "echt Kölsch" zeigt auf seiner rechten Seite die Abildungen der Brauhäuser aller Mitglieder der Werbegemeinschaft.

Die flächendeckende Einführung der maschinell gefertigten Bierflaschen führte nach kurzen Anfangsschwierigkeiten, die Verbraucher konnten sich nur sehr schwer an das Flaschenpfand gewöhnen, zu einer enormen Steigerung der Bier-Produktion. Um dem Mißbrauch durch Fremdabfüllung minderwertigen oder gepanschten Bieres vorzubeugen, gingen die Brauereien dazu über, ihre Firmen- und Markennamen ins Glas prägen zu lassen. Dieser Tatsache und dem Fleiß vieler Sammler verdanken wir heute einen genauen Überblick über das Bier-Angebot jener Anfangszeit.

In einigen Kölner Brauereien werden auch heute noch traditionelle Holzfässer abgefüllt.
In einigen Kölner Brauereien werden auch heute noch traditionelle Holzfässer abgefüllt.

An den Hausbrauern ging diese Entwicklung weitgehend vorbei, weil sie nach wie vor nur in Fässern abfüllten, wie das heute in Köln nur noch die Obergärige Hausbrauerei Päffgen praktiziert. Ansonsten hat sich die Bierflasche als Haupt-Produktträger auf der ganzen Linie durchgesetzt. Das Gefälle zwischen den beiden Anbietern, private Klein- und Mittelbetriebe und Konzern-Brauereien, blieb davon unberührt. Was passierte denn sonst noch Wichtiges in den Jahren der industriellen Revolution im Köln vor der Jahrhundertwende? Im Jahre 1858 wurde im Gasthof Firmenich in der Altstadt zum ersten Mal der später berühmt gewordene "Rheinische Suurbrode' im "Krüstchen' serviert. Der historischen Wahrheit zu Liebe muß gesagt werden, daß es sich dabei um 'Trap-Trap', Pferdefleisch gehandelt hat. Betrüblich anzumerken, daß 1862 das Brauer-Zunfthaus auf der Schildergasse verkauft und später (1927) abgerissen wurde. Der Brauer, Chronist und Reformator der St. Peter von Mailand Bruderschaft ' Wilhelm Scheben, verstarb im Jahre 1895 nach langem segensreichen Wirken für die Brauer und ihre Bruderschaft.


CHRONOLOGISCHE LISTE DER KÖLNER AKTIENBRAUEREIEN:

  1. Bergische Löwenbrauerei AG, Höhenhaus 1890
  2. Balsam Brauerei AG, Mülheim 1908
  3. Mülheim-Niedermendiger Actien-Brauerei, 1887
  4. Adler Brauerei Actien Gesellschaft, Ehrenfeld 1896
  5. Cölner Aktien Bier-Brauerei, Alteburg b.Cöln 1873
  6. Cöln-Niedermendiger Actien-Brauerei, Cöln 1873
  7. Hitdorfer Brauerei M.Friede jun. AG, Cöln 1904
  8. Germania-Brauerei AG, Mülheim 1899
  9. Kalker Brauerei-Adien Gesellschaft, Kalk 1888
  10. Hirsch-Brauerei Cöln AG, Bayenthal 1900
  11. Kölner Union-Brauerei AG (später Hubertus), 1913
  12. Wicküler-Küpper Brauerei AG, Köln 1964


MITTELSTÄND. BRAUEREI-GRÜNDUNGEN UM 1900:

  1. Joh. Barth Bierbrauerei u. Malzfabrik, Höhenberg 1884
  2. Colonia-Brauerei GmbH, Nippes 1899
  3. Friedr. Winter GmbH (später Richmodis-Bräu), 1891
  4. Feldschlößchen-Brauerei von Hennig & Naumann, Vorstadt Nippes 1878
  5. Aposteln-Bräu Pet. los. Früh, Köln (Aposteinstr. 19) 1895
  6. Pet. los. Früh, Cöln (Am Hof 12) 1904
  7. Ernst Günther, Berl. Weißbier-Brauerei, Cöln 1896
  8. Hansa-Brauerei August Thelen, Cöln 1891
  9. Brauerei los. Heckmanns, Sülz 1878
  10. Gürzenich-Bräu, Heinr. Hilgers, Cöln 1909
  11. Brauerei Gebr. Päffgen, Cöln 1883
  12. Brauerei Heinrich Reissdorf, Cöln 1894
  13. Obergärige Brauerei in der Gaffel GmbH, Cöln (Eigeistein) 1899
  14. Brauerei Chr. Sünner sen., Kalk 1860
  15. Rhenania-Brauerei GmbH, Ehrenfeld 1900
  16. Cölner Bürgerbräu (später Gereonsbräu), Cöln (Friesenstr.) 1894
  17. Brauerei Peter Zündorf ( später Brauerei Sester), Ehrenfeld 1896


Literaturnachweis:

Decker, Hermann - Köln vor 60 Jahren/Altkölnische Wirtshäuser - Rheinland-Verlag, Köln, 1922 -
Ditgen, Peter - Köln auf alten Ansichtskarten - Kölnisches Stadtmuseum, 1995 -
Fuchs, Peter - Chronik zur Geschichte der Stadt Köln/Band 2 - Greven Verlag, Köln, 1991 -
Hagspiel, Wolfram - Stadtspuren/ Köln: Marienburg - Band 1 - J.P.Bachem Verlag, Köln 1996 -
Jackson, Michael - Das große Buch vom Bier -Hallwag Verlag, Bern und Stuttgart, 1977 -
Klersch, Stockhausen, Vinz, Berg - Köln und sein Bier 1346/1946, Kölner Brauerei-Verband, Köln, 1946 -
Mathar, Franz - Erste Kölner Bierzeitung - 16/6 Die Kölner Aktienbrauereien, 23/6 Am Tag als die Germania........ 29/8 Die Cölner Actien-Brauerei, Alteburg am Rhein - Hausbrauerei Päffgen, 1985-95 -
Mathar, Franz - Spiegel, Rudolf - Kölsche Bier und Brauhäuser, Greven, Köln, 1989 -
Wirges, Helmut - Biergeschichte zwischen Rhein und Erft - Bienen-Verlag, Frechen-Bachem, 1994 -


Die Entwicklung der Brauereien nach 1800

Die Industrialisierung des Kölner Braugewerbes in der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts, ließ in und um Köln eine Anzahl von großen Aktien-Brauereien entstehen, welche die Masse der Industriearbeiter mit Bier versorgen konnten. Aber auch mittlere Betriebe nutzten die neuen bahnbrechenden Erfindungen, um ihre Kapazität zu erweitern.


Die Gebäude, die Belegschaft und der Fuhrpark der Sünner-Brauerei um 1900

Foto-Kollage von C.Scholz, C.Photograph in Köln-Deutz. Größe: 110 x 84 cm (gerahmt), - Leihgabe der Sünner-Brauerei.
Foto-Kollage von C.Scholz, C.Photograph in Köln-Deutz. Größe: 110 x 84 cm (gerahmt), - Leihgabe der Sünner-Brauerei.

Eine beliebte Firmen-Selbstdarstellung der Brauereien in dieser Zeit waren die Foto-Kollagen. Auf ihnen zeigte man alles, was man hatte. Der Gründerstolz der Brauer erlaubt uns heute eine genaue Inventarisierung eines Unternehmens dieser Epoche.


Vogelschau-Zeichnung der Brauerei Gebr. Sünner. Seifloh,H.

Seifloh, H. - 1891, kolor. Lithographie Größe: 84,5 x 68,0 cm (in Passepartout gerahmt), Leihgabe der Sünner-Brauerei.
Seifloh, H. - 1891, kolor. Lithographie Größe: 84,5 x 68,0 cm (in Passepartout gerahmt), Leihgabe der Sünner-Brauerei.

Der Text auf dem Passepartout: Zechen-Brauerei Gebr.Sünner - Kalk. Aus einer Hausbrauerei, die der kölner Brauer Christian Sünner 1830 an der Deutzer Freiheit Nr. 3 gegründet hatte und die 1859 nach Kalk verlegt wurde, hatte sich diese Brauerei entwickelt. "Zur Zeche" hieß das stattliche Gartenrestaurant der Brauerei an der Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie K. Außerdem bestand in Kalk eine zweite industrielle Groß-Brauerei, die Kalker Brauerei A.G. von Bardenheuer.


Funktionsschema-Tafel einer industriellen Brauerei

Aus: Rolf Lohberg - Das große Lexikon vom Bier, Scripta-Verlags-GmbH, Stuttgart 3. Aufl. 1984.

Eine genaue bildliche Beschreibung des Brauvorgangs vom Schroten des Malz bis zum Abfahren des fertigen Bieres.


Die Gebäude der Malzfabrik Kalscheuren

Postkarte von 1927, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.
Postkarte von 1927, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.

Die 1908 gegründete Balsam-Brauerei AG fusionierte im Jahre 1919 mit der Bergischen Löwen Brauerei AG.


Balsam-Bergische Löwen-Brauerei AG, Köln-Mülheim und Höhenhaus

Postkarte von 1927, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.
Postkarte von 1927, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.

Die 1908 gegründete Balsam-Brauerei AG fusionierte im Jahre 1919 mit der Bergischen Löwen Brauerei AG.


Gruß von der Alteburger Brauerei

Postkarte von 1901, Th. Uhrmacher, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.
Postkarte von 1901, Th. Uhrmacher, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.

Die Cölner Aktien Bier-Brauerei, Alteburg b.Cöln war die älteste Aktien-Brauerei Kölns. Sie wurde bereits im Jahre 1873 gegründet und später von der Hirsch Brauerei (heute Dom) übernommen und 1918 stillgelegt. Auf dem Foto sind die Brauerei und das Direktionsgebäude an der Alteburgerstraße abgebildet.


Gruss von der Alteburger Muehle, Köln a/Rhein

Postkarte um 1900, Kunstanstalt Reisinger & Co. Köln, Leihgabe Sammlung H.Becker.
Postkarte um 1900, Kunstanstalt Reisinger & Co. Köln, Leihgabe Sammlung H.Becker.

Die Karte stammt aus dem zur Brauerei gehörenden Ausflugslokal "Alteburger Mühle", das um den Turm-Torso einer ehemaligen Windmühle am Rheinufer gebaut war.


Hitdorfer Brauerei M.Friede jun. AG. Cöln, 1932

Geschäfts-Briefbogen, Leihgabe Sammlung Schmitz-Otto.
Geschäfts-Briefbogen, Leihgabe Sammlung Schmitz-Otto.

Die Hitdorfer Brauerei entstand am St. Catharinengraben unmittelbar am Rheinufer. Ihre Brauanlagen in Hitdorf bestanden bis 1938.


Mälzerei und Brauerei Börsch & Hahn - Mülheim a/Rhein und Niedermendig

Geschäfts-Briefbogen von 1918, Leihgabe Sammlung H.Becker.
Geschäfts-Briefbogen von 1918, Leihgabe Sammlung H.Becker.

Diese Brauerei, die 1870 gegründet wurde nannte sich ab 1887 Mülheim-Niedermendiger Aktien Brauerei und Mälzerei, die dann 1918 von der Adler Brauerei übernommen wurde. Börsch & Hahn besaßen natürliche Felsen-Kühlkeller in den Basaltsteinbrüchen von Niedermendig, bis die Maschinen-Kühlung diese überflüßig machten.


Hirsch-Brauerei AG, Köln-Bayenthal, 1938

Geschäfts-Briefbogen, Leihgabe Sammlung Schmitz-Otto.
Geschäfts-Briefbogen, Leihgabe Sammlung Schmitz-Otto.

Der Briefbogen zeigt die Brauerei-Anlagen an der Tacitusstraße, wo sie sich in modernisierter Form bis heute befinden.

Mittelständ. Gründungen Kölner Brauerei-Unternehmen um 1900

Neben den großen Aktien-Brauereien enstanden in Köln auch eine Reihe von mittelständigen Unternehmen, welche die Zeichen der Zeit verstanden und sich die neuen Techniken nutzbar machten.


Obergärige Bier-Brauerei Franz Dünwald

Postkarte von 1911, Graph. Kunstanstalt und Druckerei Rudolf Schwaringer, Cöln- Nippes. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte von 1911, Graph. Kunstanstalt und Druckerei Rudolf Schwaringer, Cöln- Nippes. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Die Brauerei Franz Dünwald war der Vorgänger der späteren "Richmodis-Bräu" Brauerei Friedr. Winter GmbH, einer der wenigen unzerstört erhaltenen Innenstadt-Brauereien. Sie wurde vor kurzem nach Porz verlegt, wo sie heute weiter produziert.


Inneres der Dombrauerei von Jean Sion, Unter Taschenmacher 5

Foto-Postkarte von 1918, Verlag J. Boeren, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.
Foto-Postkarte von 1918, Verlag J. Boeren, Köln - Leihgabe Sammlung H.Becker.

Auf der Karte ist links neben dem Kölner Dom eine Innenansicht des im 2. Weltkrieg zerstörten Obergärigen Brauhauses Unter Taschenmacher 5, von Jean Sion. Die Dom-Brauerei, wie sie bis 1938 hieß, wurde später in Altstadt-Bräu Joh. Sion umbenannt.


Aposteln-Bräu Pet. Jos.Früh, Köln, Apostelnstr. 19

Postkarte von 1898, Lith. v. M. DuMont Schauberg, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte von 1898, Lith. v. M. DuMont Schauberg, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Der Aposteln-Bräu wurde 1895 von Pet. Jos. Früh gegründet, der später durch sein Brauhaus am Hof 12 bekannt wurde. Doch schon nach drei Jahren verkaufte er es wieder an Heinr. Bädorf und eröffnete 1904 das Brauhaus in Domnähe.


Pet. Jos. Früh, Cöln, Am Hof 12.

Original-Photographie aus den 20er Jahren, Leihgabe Sammmlung H. Becker.
Original-Photographie aus den 20er Jahren, Leihgabe Sammmlung H. Becker.

Die 1904 gegründete Brauerei für Obergäriges Bier nannte sich auf dem Foto Kölner Hofbräu P.Jos.Früh. Das Brauhaus am Dom war eines der beliebtesten in Köln und besaß einen guten Ruf, der sich bis heute erhalten hat.


Gastwitschaft und Berl. Weissbier-Brauerei Ernst Günther, Köln

Postkarte um 1900. Verlag H.Kottke, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte um 1900. Verlag H.Kottke, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Welche kuriose Blüten die Kölner Brauer-Szene um die Jahrhundertwende trieb, zeigt die 1896 gegründete "Weissbierbrauerei von Ernst Günther". Sie sorgte sehr wahrscheinlich dafür, daß die preussischen Militärs in der Kölner Garnison nicht auf ihr heimatliches Bier verzichten mußten.


Hansa-Brauerei August Thelen, Köln

Postkarte um 1900. AS, Reisinger & Co., Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Die Hansa-Brauerei wurde 1891von August Thelen gegründet. Sie bestand bis 1920 und wurde als Gaststätte weitergeführt. Ihre Gebäude in der Krefelder Straße sind bis heute noch erhalten.


Obergärige Bierbrauerei Päffgen, Köln - Friesenstr. 64

Postkarte um 1900. Kunstanstalt Ludwig Meister. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen
Postkarte um 1900. Kunstanstalt Ludwig Meister. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen

1883 gründete Hermann Päffgen die Brauerei in einer alten Lagerhalle zwischen Klapperhof und Friesenstraße. Bereits vorher hatte er es mit einer Brauerei in der Sternengasse versucht, die günstigeren Räumlichkeiten bewogen ihn dann aber zum Umzug. Die Brauerei besteht noch heute, obwohl das Vorderhaus und die Braustätte im 2.Weltkrieg schwer zerstört waren. Das "Päffgen" ist heute eine Institution unter den Kölner Brauhäusern.


Brauerei Heinrich Reissdorf, Severinstr. Nr.51 & St Magdalenen Nr.28, Köln

Postkarte 1898, H. Rechtermann, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte 1898, H. Rechtermann, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Vor über 100 Jahren, im Jahre 1894 gründete Heinrich Reissdorf seine Brauerei in der Severinstraße. Hier befanden sich mehr als ein Dutzend Brauereien. Die Karte informiert darüber, daß bei der Produktion ein "Kühlschiff von 8500 l" verwendet wurde. Die Brauerei braut heute ein Vielfaches davon und gehört zu den 24 noch bestehenden Kölsch-Marken.


Gürzenich-Bräu, Obergäriges Brauhaus Heinr. Hilgers, Cöln

Foto-Postkarte von 1935, Ed. Hölzermann, Köln a. Rh. Leihgabe Sammlung Erhard Schlieter

Die 1909 gegründete Brauerei an der Kl.Sandkaul 4-6, bezog sich in ihrem Namen auf den gegenüberliegenden Gürzenich. Sie war auch als die "Bier-Insel" bekannt, die beim Durchbruch der Gürzenichstraße vom Heumarkt zur Schildergasse entstanden war.


Brauerei Lenzen, Eigelstein 41, in Köln

Postkarte von 1898. H. Rechtmann, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte von 1898. H. Rechtmann, Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Das Brauhaus "Zur Leisten" am Eigelstein wurde 1302 erstmals erwähnt. Im 17.Jahrhundert entstand ein Neubau, der im 2.Weltkrieg zerstört wurde. Aus der Brauerei Lenzen ging 1899 die Gaffel-Brauerei hervor.


Brauerei Gebr. Sünner, Cöln-Deutz. Gegründet 1838

Foto-Postkarte um 1900, Carl Schulz, Photograph, Cöln-Deutz -Leihgabe Sammlung H.Becker.
Foto-Postkarte um 1900, Carl Schulz, Photograph, Cöln-Deutz -Leihgabe Sammlung H.Becker.

Das Foto zeigt das Stammhaus der Brauerei Sünner, die hier am Mindener Bahnhof in unmittelbarer Rheinnähe bis 1860 gebraut hat. Trotz der Verlegung der Eisenbahn und den Bau der Deutzer Brücke, beendete erst der 2.Weltkrieg die Tradition dieses Brauhauses.


Brauerei für obergäriges Bier Lambert Gatzweiler, Köln - vorm. Conrad Vogel

Postkarte von 1913, Kunstanstalt Ludwig Meister, Köln - Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte von 1913, Kunstanstalt Ludwig Meister, Köln - Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Die alte Brauerei an der Ursulakirche ging durch viele bekannte Kölner Brauerhände (Winter, Bardenheuer, Esser, Vogel) bis sie bei Lambert Gatzweiler landete, der das Haus modernisierte und es zu einer Kölner Institution machte. Der 2.Weltkrieg beendete diese Tradition. In der Mittelstraße wurde das "Birbäumche" 1952 als Brauhaus weitergeführt, ehe es 1960 seinen Betrieb einstellte.


Gruss aus dem Bürgerbräu Köln, Friesenstrasse

Postkarte 1910. AS, Reisinger & Co., Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte 1910. AS, Reisinger & Co., Köln. Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Der 1894 gegründete Bürgerbräu, später Gereonsbräu, lag genau wie die Brauerei Päffgen zwischen Friesenstraße und Klapperhof. Sie betand bis 1918 und besaß in der Stadt mehrere gutgehende Brauerei-Schankstätten.


Im ("dreckeligje") Kaiser, Obergärige Bier Brauerei, (1900)

Postkarte von 1900, Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.
Postkarte von 1900, Leihgabe Sammlung Peter Ditgen.

Der legendäre Kaiser in der Ehrenstraße 74 existiert heute als Supermarkt. Hier, wo man sich Mitte des vorigen Jahrhundert die Gründung des Ehrenfeld ausdachte, war einer der bekanntesten Kölner Brauhäuser. Die Gebäude der Brauerei sind als Reste bis heute erhalten. Das Grundstück zwischen Ehren- und Palmstraße war lange Zeit eine bekannte Kölner Hausbrauerei.

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de