Personal - Wirt, Köbes und Zappes

 

August Sander: Portrait eines Kölner Gastwirts

Fotografie. Um 1925. © SK Stiftung Kultur, Die Photograph. Sammlung - August Sander Archiv, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2001
Fotografie. Um 1925. © SK Stiftung Kultur, Die Photograph. Sammlung - August Sander Archiv, Köln/VG Bild-Kunst, Bonn 2001

Am Bild des Wirtes, der sich im Sonntagsanzug in "Chefpose" hat fotografieren lassen, wird sehr deutlich, daß er vor allem der Chef des Hauses war. Damit ist er keine typische Erscheinung der 'Kölschen Weetschaft'. Natürlich gab es aber auch bekanntere Vertreter seines Metiers.

 

Anton Hubert Scheben ("Schäbens Tünn") vor dem ausgebrannten Kloster Knechtsteden.

Foto des Ölgemäldes eines unbekannten Malers, ehemals in der "Zweipann". Um 1870. - Rh BA, Nr.41 947
Foto des Ölgemäldes eines unbekannten Malers, ehemals in der "Zweipann". Um 1870. - Rh BA, Nr.41 947

"Schäbens Tünn", ein Neffe des Reorganisators der Petrus-von-Mailand-Bruderschaft Wilhelm Scheben, der das Brauhaus "Zur Zweipann" auf <der Breiten Straße führte, war nicht nur als Wirt beliebt (und großzügig!), sondern hat sich auch Verdienste um die Erhaltung des Klosters Knechtsteden erworben, das sein Großonkel, der ehemalige Knechtstedener Kanoniker Winand Kayser, 1810 gekauft hatte, um es wieder aufzubauen. Theodor Töller, der "reinliche Dores", führte das "Haus Töller" in der Weyerstraße 96, dem nur wenige Jahre eine Brauerei angeschlossen war, in sehr persönlicher Art. Allerdings trieb er seinen Hang zur Sauberkeit und vor allem zur Ordnungsliebe oft so weit, daß er ihm nicht nur seinen Spitznamen verdankte, sondern auch den einen oder anderen Schabernack, den ihm die Gäste spielten. Die juxige "Urkunde" wurde ihm 1894 zusammen mit einer Schnupftabakdose überreicht; daß uns heute ihr Ausstellungsdatum mit dem antisemitischen Zungenschlag besonders unangenehm berührt, hat man vor 100 Jahren noch nicht geahnt.

 

Theodor ("Dores") Töller. "Urkunde für Dores Töller" vorm Stammtisch "Schött noch ens op", vom 9.11.1894.

Foto nach Original im Besitz des Hauses Töller.

Der erste Kölner Köbes? (um 1180)

HAStK, - Schreinskarte Niederich 8 - (Reproduktion des Ausschnittes, III, 14 und 15). - Druck: Hoeniger II, III 14-15, S.120.

Auf dieser Schreinskarte, einer Art mittelalterlichem Grundbuchblatt, ist verzeichnet, daß der Bierschenk Burkhard ein Haus bei der Kirche St. Maximin je zur Hälfte dem Stift Mariengraden und dem Gerhard minutor schenkt. Hinter diesem "Burkardus dator cervisie" mag sich ein Schankwirt, vielleicht sogar der erste bekannte Kölner Köbes verbergen.

 

Der Zappjung.

Postkarte. Um 1905. Entwurf: R.Schüler, Köln-Verlag von Hoursch & Bechstedt, Köln - (Kölner Eigenarten, No.8). Sammlung Dr. Erhard Schlieter
Postkarte. Um 1905. Entwurf: R.Schüler, Köln-Verlag von Hoursch & Bechstedt, Köln - (Kölner Eigenarten, No.8). Sammlung Dr. Erhard Schlieter

 

Köbes und Zappjung.

Postkarte. Um 1904. Verlag von J.G.Schmitz'sche Buchh., Köln. Sammlung Dr.Erhard Schlieter

In Kölner Brauhausgaststuben wird man vom "Köbes" bedient; der "Zappes" zapft und gibt an den "Köbes" weiter oder schenkt direkt aus. Der Anlaß zur Benennung aller Brauhaus-"Kellner" mit der rheinischen Kurzform des Vornamens Jakob ist unklar. Daß der "Köbes" und der "Zappes" eines Ursprungs sind, zeigt sich schon an der bis auf die Geldtasche gleichen Kleidung. Der Zweizeiler "Doh maachen se mem Pilsener ´su n Gedöns; Kölsch Wieß! gelt Mechel, das ´get Schöns!" ist als Werbung für das starker auswärtiger Konkurrenz ausgesetzte Kölner Bier zu verstehen.

 

Hans Schwartz: "Bürger von Köln, wahret Eure Rechte...."

Postkarte. 1926. Sammlung Heinrich Becker, Köln.
Postkarte. 1926. Sammlung Heinrich Becker, Köln.

Mit der Postkarte von Hans Schwartz wandten sich die Kölner Brauereien öffentlich gegen die Gefahr einer Erhöhung der Getränkesteuer durch die Kommune. Der dort dargestellte Köbes trägt in einer Hand den "Kranz", den man schon länger benutzte. Gleichzeitig transportiert er drei "Stangen" auf der offenen rechten Handfläche, was selbst nach dem 1.Weltkrieg noch üblich war.

 

Willy Key: Albert, der Köbes.

Federzeichnung als Buchillustration. - In: Heinz Magka. Das Haus Töller. Köln 1937, S.37 UStBK -Sign.: 1 K 169

Köbes Albert ist hier mit einem "Kranz" voller "Stangen" (Kölschgläser) abgebildet. Das Tablett mit Schnapsgläsern, das er zusätzlich trägt, ist eher ungewöhnlich.

 

Köbes-Zeichnung mit einem \/ierzeiler in Kölsch.

In: August Hoursch. Kölsche Krätzcher. - Feldausgabe. Köln 1942. S.36. - UStBK. - Sign.: RhL/v231/58.

Selbst in den Kölschen Krätzchen wurde der Köbes verewigt. Der anonyme Vierzeiler, der schon auf der Postkarte mit dem 'Zappjung' steht, wurde für diese unsignierte Köbes-Zeichnung passend abgewandelt.

 

Der Elferrat der Ehrengarde, als Köbese verkleidet.

Foto. 1950. Ehrengarde-Archiv, Köln.
Foto. 1950. Ehrengarde-Archiv, Köln.

Das Auftreten des Elferrats der Ehrengarde im Jahre 1950, also unmittelbar nach dem 2.Weltkriege, als "Köbese" macht noch einmal deutlich, wie volkstürmlich diese Figur in Köln ist und wie sehr sie als "typisch kölsch" empfunden wird. Das Foto entstand im Brauhaus Töller, wo diese traditionelle Karnevalsgesellschaft damals tagte.

 

Friedrich Pollads: Das Unwesen der Kellnerinnenwirtschaften in Köln. 2.Aufl. Köln 1891

UStBK.-Sign.: RhKG 144²

Zwar kannten die Brauhäuser bis in die jüngere Vergangenheit ausschließlich männliche Köbesse, aber in etlichen Bier und Weinlokalen arbeiteten auch im 19.Jahrhundert schon Kellnerinnen. Diese mehrfach aufgelegte Schrift moralischer" Art verfolgte das Ziel, dem Einsatz weiblicher Bedienungen entgegenzusteuern, weil sie generell als "Animierdamen" angesehen wurden. Die Überzeugung vom allgemeinen kulturellen Niedergang verband sich hier mit dem Vorwurf an alle in der Gastronomie tätigen Frauen, ihre (ausschließlich männlichen) Gäste finanziell und moralisch in den Untergang zu führen. Die Rolle, die die männlichen Gäste wie der Alkohol dabei spielten, wurde bezeichnenderweise nicht thematisiert.

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de