Klosterbrauer in Köln

Die Christianisierung Mitteleuropas ging Hand in Hand mit der Verbesserung und Professionalisierung der Braukunst. Obwohl auch schon bei den heidnischen Germanen fleißig Bier gebraut wurde, hatte dieses Getränk kaum etwas gemein mit den Bieren, welche im Laufe der Jahrhunderte besonders von den Mönchen deutscher und anderer Klöster entwickelt wurden. Besonders Irische Mönche hatten im 7. und 8. Jahrhundert begonnen, das Christentum nach Germanien zu bringen und erste Klöster zu gründen. St. Columban - auch er war ein irischer Mönch - erbaute im 7. Jahrhundert ein Kloster am Bodensee, natürlich mit einer Klosterbrauerei. Anscheinend war das dort gebraute Bier so gut, daß der fromme Ordensmann eine schriftliche Reglementierung für den Genuß des beliebten Gerstensaftes erließ. Frei übersetzt lautete sie: "Halte Maß in Speis und Trank, dann wirst du alt und niemals krank". Ein Spruch, der auch heute noch seine Gültigkeit hat.

Auf weltlicher Seite organisierte und perfektionierte Kaiser Karl der Große das allgemeine Brauwesen mit viel Geschick und Durchsetzungsvermögen. Er führte professionelle Braumeister ein, welche über Land zogen, Neulinge anlernten und Qualitätskontrollen durchführten. Die Mönche in den Klöstern ihrerseits kultivierten die Braukunst immer weiter mit viel Sachverstand und Phantasie. Da sie ihr geliebtes flüßiges Nahrungsmittel auch während der Fastenzeit nicht missen wollten, brauten sie das Bier für diese Zeit noch stärker ein, um damit ihren durch das Fasten geschwächten Körper zu stärken, denn "Flüssiges bricht Fasten nicht!" So entstand das Starkbier.

Aber auch sonst waren die Mönche sehr experimentierfreudig. Man braute Bier aus allem, was auf dem Felde wuchs, inklusive Hafer und Hirse. Zum Würzen des Bieres verwendete man fast alles. Neben Honig würzte man mit: Wermut, Nelken, Salbei, Fenchel, Wacholder, Schafgarbe und Kirschblüten, aber auch dem Extrakt von Baumrinden und Ochsengalle.

Im Kloster von St. Gallen wurden in drei Klosterbrauereien permanent drei Sorten Bier gebraut: Starkbier, Haferbier und Dünnbier. Es wurde auch nicht nur für den eigenen Klosterbedarf gebraut, sondern es wurden auch Pilger, Reisende und fahrendes Volk kostenlos mit Bier versorgt. Die Qualität des Klosterbräu war allen anderen Bieren turmhoch überlegen. Das hatte mehrere Gründe: 1. Die Braugerste war von besonderer Güte; 2. die Mönchc konnten sich ausschließlich mit dem Brauen beschäftigen, und 3. aufgrund ihrer Bildung und Kenntnisse waren sie in der Lage, die Brauerei wissenschaftlich zu betreiben. Vor allem die Benediktiner-Mönche, schon von ihrer Ordensregel her den handwerklichen Tätigkeiten gegenüber aufgeschlossener als die anderen Orden, betrieben die bekanntesten deutschen Klosterbrauereien, wie St. Gallen und Weihenstephan. Hier wurde auch nachweislich schon ab 1150 mit Hopfen gebraut.

Um diese Zeit bekamen viele Klöster das Privileg, das selbstgebraute Bier auszuschenken, gegen "Bares" versteht sich. Das erregte oft den Neid und die Mißgunst der städtischen Zunftbrauer, welche sich mit allen Mitteln gegen diese mit vielen Wettbewerbsvorteilen versehenen Konkurrenten, zur Wehr setzten. Mit dem Anwachsen von Macht und Ansehen der großen Städte spitzten sich diese Konflikte zwischen Klöstern und Stiften einerseits und den Brauerzünften andererseits zu. Während der gesamten reichsstädtischen Zeit gab es auch in Köln zwischen beiden Gruppen immer wieder Rechtsstreitigkeiten und Reibereien. Die Französische Revolution mit der Auflösung der Klöster und gleichzeitiger Einführung der Gewerbefreiheit beendete diesen Streit.

Von den vielen Klosterbrauereien blieben nur einige wenige übrig, diese speziell in Bayern. Die bekannteste von ihnen ist vielleicht das Kloster Andechs bei München, welches auch heute noch ein hervorragendes Starkbier braut. Eine rechte "Fastenspeise" würden die Mönche sagen. Die Namen vieler Klosterbrauereien blieben allerdings erhalten, nachdem die Betriebe von weltlichen Brauern weitergeführt wurden. Paulaner, Franziskaner und Augustiner sind nur einige Beispiele. Auch der Name der Benediktiner, die sich wohl am meisten um die Braukunst verdient gemacht haben, blieb der Nachwelt als Markenzeichen erhalten; doch paradoxerweise nicht für Bier, sondern für einen französischen Kräuterlikör. Doch sollten Sie in Zukunft einmal auf das Bild des zechenden Mönches stoßen, welches heutzutage in vielen Kneipen hängt, lächeln Sie nicht abschätzig, sondern denken Sie daran, wie viel Gutes wir diesen frommen Männern verdanken .


Die ehemaligen Kölner Kloster- und Stiftsbrauer


In einer Braumetropole wie Köln dem "Hilligen Kölle" durften natürlich auch echte Klosterbrauereien nicht fehlen. Obwohl es eine Mönchsbrauerei (Franziskaner) an Minoriten und die Brauerei "Zu den weißen Frauen" (Maria im Kapitol) gab - so richtig klösterlich war nur die Alexianer-Anstalt-Brauerei auf dem Mauritius-steinweg. Hier brauten, die Alexianer. Der Volksmund nannte sie "Die Lungenbrüder". Die Alexianer- oder Lungenbrüder trugen ihren Namen nach einem "Haus zur Lunge", welches in seinem Wappen zwei Lungen zeigte. Dieses Haus in der Lungengasse erhielten die frommen Brüder im Jahre 1306 von einem Johann von Creyvelt (aus Krefeld) zum Geschenk.

Ihr Kloster lag ursprünglich am Neumarkt mit einem weiteren Zugang von der Lungengasse her. Die französischen Revolutionstruppen lösten 1802 das Kloster wie alle anderen Kölner Klöster auf und versteigerten das Anwesen. Die "Lungenbrüder" hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Kranke zu pflegen und die Toten zu begraben - eine so wichtige Aufgabe, daß nicht einmal die Franzosen es wagten, diesen Orden aufzulösen. Die Alexianer sind somit die einzige kirchliche Glaubensgemeinschaft, die in Köln kontinuierlich seit dem Mittelalter ihren barmherzigen Dienst verrichten konnte, wenn auch seit der französischen Besatzungszeit in Zivil. Im Jahre 1827, nachdem die Franzosen schon lange abgezogen waren, übernahm die Armenverwaltung die völlig verwahrlosten Gebäude am Mauritiussteinweg und übergaben sie 1829 im Tauschverfahren den Alexianerbrüdern. Die Brüder pflegten auch Pensionäre. Diese, oft wohlhabende Rentner, wollten natürlich nicht auf ihr tägliches Bier verzichten. Deshalb brauten die Brüder für sich und ihre Gäste. Im Brauereiregister ist die Gründung der Alexianer-Anstalts-Brau-erei für das Jahr 1828 eingetragen. Eingestellt wurde die Klosterbrauerei 1901, als die Alexianer aus der Stadt nach Lindenthal umzogen. Als sie 1902 in ihr neues Haus an der Bachemer Straße, das heutige Hildegardis-Krankenhaus, umzogen, übernahm die Stadt Köln die Brauerei und braute hier das Bier für ihre benachbarten städtischen Krankenhäuser in der Cäcilienstraße.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erstand eine auswärtige Brauerei die Braueinrichtung der Alexianer und transportierte sie ab. Anschließend diente das Gebäude verschiedensten Zwecken. Die Kölner Kunstgewerbeschule war hier bis 1926 untergebracht, danach die Rheinische Musikschule. Heute ist das Ende der 80er Jahre sorgsam restaurierte Barockgebäude besser als die neue "Wolkenburg" und als das Heim des Kölner Männer-Gesang-Vereins bekannt.

Die Brauerei der Minoriten (Franziskaner), das "Münchenbräues", sie lag an der östlichen Ecke der Straße An der Rechtschule, genannt, zählte noch als letztes Haus unter Nr. 155 zur Hohestraße. Bis 1797 und bis zur Einführung der neuen Numerierung hieß es unter Nr. 4493 "Zur Hohen Schmiede". Es war damals von Peter Gottfried Boecker, welcher als Wirt des "München-Brauhaus" aufgeführt wird, und Wilh. Heinrich Boecker, dem Kanonikus an St. Andreas, bewohnt. Das Haus bildete mit dem jetzt noch vorhandenen Hause Hohestraße 153 einen rechten Winkel. Sein Einfahrtstor war etwa dort, wo heute das Hotel Königshof steht. Das "München-Brauhaus" wurde zur Zeit des Museumsbaues zur Verbreiterung der Straße abgerissen, und so ist das jetzige Eckhaus am Richartzplatz, welches der Stadtgemeinde Köln gehört, auf einem kleinen Teil dieser ehemaligen Brauerei erbaut. Der letzte Eigentümer, von welchem die Stadt Köln es zwecks Niederlegung erwarb, hieß Joh. Paul Boecker und war ein Sohn des obengenannten Peter Gottfried Boecker. Der ebenfalls erwähnte Kanonikus Boecker war lange Jahre bei der Gymnasialverwaltung beim Schul- und Stiftungswesen tätig und lebt noch heute in vieler Gedächtnis.

Die ganze Nordseite dieser bis Drususgasse gehenden Straße, welche bis zur Einführung der neuen Numerierung im Jahre 1811 einfach "Bei dem Laurentianer-Gymnysium" und nicht "An der Rechtschule" hieß, bestand nur aus dem genannten "München-Brauhaus", welches mit alten Nr. 4493 bezeichnet war. Die daran anstoßenden ausgedehnten Ökonomiegebäuden des ehemaligen Minoritenklosters und das angrenzende bis zur Ecke der Drususgasse gehenden Laurentianer-Gym-nasium, hatten die alte Nr. 4492 und später die neuen Nummern 3-9. Das Terrain der genannten Gebäude ist nach Fertigstellung des Museums teils in die Verbreiterung der Straße "An der Rechtschule" und der Drususgasse, teils in den Grünanlagen des Museums aufgegangen.

Im mittelalterlichen und reichsstädtischen Köln gab es 70 Klöster und Stifte und 16 Hospitäler, die alle das Brauprivileg besaßen und es teilweise auch nutzten. Einige von ihnen hatten es aber auch verkauft, wie die z.B. Franziskanerinnen von S. Clara, die es an den späteren "Bier-Esel" weitergegeben hatten. Andere nutzten es, um "etwas nebenbei" zu verdienen, da die Klöster und Stifte keinerlei Biersteuer zu zahlen hatten und so billig anbieten konnten. Auf diese Weise geriet das Brauamt bald mit Klöstern, bald mit Hospitälern im arge Konflikte. So z.B. im Jahre 1589 mit dem Minoritenkloster "wegen seines Brauhens"; im Jahre 1594 mit dem Pastor von St. Severin wegen Brauens und Ausschenkens von Bier; im Jahre 1598 mit den Herren von St. Margarethen am Dom (Maria ad gradus), denen die Amtsrichter das Brauhaus durch den Gewaltrichter (die damalige Polizei) "zuklaustern" ließen. Erwähnt wird auch: anno 1797 den 30. Mai sind der Bannerherr und die Amtsmeister der Brauerzunft – in puncto des Bieres im Hospital in der Wahlegaß - gewesen sind, wobei 3 Reichstaler 6 Albus verzehrt wurden. Es war dies das ehemalige St. Quirins-Hospital des Konvents in der Waisenhausgasse. Zum Eklat kam es mit den Mönchen vom Kloster am Weidenbach, das von Heinrich Hardefust gestiftet worden war. Die Mönche verdienten normalerweise ihr Brot durch das Abschreiben von Büchern. Als die Buchdruckerkunst das Abschreiben verdrängte, verloren sie ihre Einnahmequelle und verlegten sich aufs Brauen. Das taten sie so erfolgreich, die Kloster- und Stiftsbrauereien zahlten keine Biersteuer, daß der Rat ein Brauverbot gegen sie durchsetzte. Nachdem die Mönche das zuerst nicht beachteten und weiter brauten, entzog der Rat dem Kloster den Schutz, was quasi einem rechtslosen Zustand gleichkam. Die brauenden Mönche vom Weidenbach resignierten und stellten von nun an den "Freibier"-Verkauf ein.

In einer von den Zünften so stark geprägten Stadt wie Köln konnten sich auf die Dauer keine echten Kloster- oder Stiftsbrauereien entfalten, da der Druck der handwerklich betriebenen privaten Brauereien zu stark war. Aber trotzdem sollte man den Anteil den die Klöster an der Entwicklung der Braukunst haben niemals unterschätzen. (FM)

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de