Kölsches Brauhaus - Funktion und Eigenart

Das Kölsche Brauhaus, auch die "Kölsche Weetschaft" (Wirtschaft) genannt, ist die zweite Heimat des Kölners. Traditionsgemäß ist die "Weetschaft" der Platz, wo man sich bei einem Glas Kölsch trifft, um zu "verzälle", zu "poltisiere" oder zu "klünjele", der Lieblingsbeschäftigung vieler Kölner und natürlich dazu "jet müffele un jet süffele". Das ist die wahre Kölsche Lebensart, und Kölsch vom Faß ist Pflicht, am liebsten im Brauerei-Ausschank oder in einer Hausbrauerei getrunken. Die Einrichtung dieser Institution ist nicht luxuriös, aber gediegen. Die Wände sind mannshoch holzgetäfelt und mit Kleiderhaken versehen. An den weiß gescheuerte Holztischen stehen Holzstühle mit gebogenen Buchenlehnen. Auf den Tischen die Speisekarte, ein Aschenbecher und der "Mostertspott" mit frischem Senf. Die Fenster sind bleiverglast, dadurch ist die "Weetschaft" immer etwas im Dämmerlicht. Das mag damit zusammenhängen, daß der brave Bürger erst am Abend sein Kölsch trinkt. Doch die Bleiverglasung verschafft ihm die Illusion schon am Morgen. Von der Decke hängt ein schmiedeeiserner Leuchter, an den zu Weihnachten der "Atsventskrantz", und direkt anschließend zu Karneval die Luftschlangen gehangen werden.

Die Dekoration der Räume besteht aus Familienfotos, Zeichnungen und Stichen mit vaterstädtischen Motiven oder ausnahmsweise in den Monaten mit "R" dem Hinweis: "Heute frische Muscheln" oder "Heute Reibekuchen!" Kölsch trinkt man normalerweise im Sitzen. Besonders Eilige sollen in der Schwemme schnell eins trinken, obwohl das sehr ungemütlich ist. Entgegen anderslautenden Aussagen ist in der Kölschen Weetschaft der schönste Platz nicht immer an der Theke, sondern am Tisch. Zu einer Weetschaft gehören Stammgäste und Laufkundschaft. Den echten Stammgast erkennt man daran, daß er vom Köbes mit seinem Familiennamen angeredet wird: "Noch e Kölsch, Herr Heppekausen?"

Es gibt einige goldene Regeln zum Thema: einen ausgeben. Der Stammgast bestellt an seinem Tisch eine Runde. Die anderen Tischgäste revanchieren sich natürlich mit einer Runde. Und so entsteht dieses muntere Hin und Her, was einen dann immer so spät ins Bett kommen lädt. Manchmal trinkt der Köbes einen mit, er muß sich aber nicht revanchieren. Dem Wirt gibt man nie einen aus, er seinerseits nur einmal im Jahr: zu Neujahr. Die Stammgäste einer guten Kölschen Weetschaft bilden immer einen sozialen Querschnitt: Da sitzen der pensionierte Bundesbahn-Obersekretär mit Gattin neben dem progressiven Jungfilmer und diskutieren leidenschaftlich über die Normgröße von Hämchen oder über die. Qualität von "Decke Bunne". Überhaupt spielt das Essen eine große Rolle. Man erwartet in einer Weetschaft Gutbürgerliches, keine Fisematenten. Leider sind in den letzten Jahren einige Standardgerichte von der "Kölschen Foderkaat" verschwunden: "Flönz met Öllig", Soleier, "Limenör" (Limburger Käse), "Fuustekies" (Mainzer Käse) und die "Beste Levverwoosch" (Leberwurst).

Erhalten geblieben sind uns solche Delikatessen wie: Rievkooche, Matjes, Röggelche mit Kies, Himmel un Äd, Hämche met soure Kappes, Decke Bunne met Speck, Pannekooche, Aäze-, Bunne-, Linsezupp (natürlich mit Essig) und anderes mehr. Schwelgen wir also noch ein wenig in der Vergangenheit. Vor der Jahrhundertwende beschäftigten gute Brauhäuser einen Lohndiener, der den Stammgast zu später Stunde nach einigen Glas Kölsch und der nötigen "Bettschwere" sicher nach Hause brachte. Uber diese Lohndiener gibt es zahlreiche sehr witzige Anekdoten. Die vielleicht typischste: Der beschwipste Herr Schmitz wird vom "Schäng" (Jean), dem Lohndiener, nach Hause gebracht. Auf dem Nachhauseweg liegt neben dem Trottoir ein Betrunkener "en dr Sood". Schmitz hat Mitleid mit dem armen Kerl und bittet den ihn stützenden Lohndiener: "Schäng (Jean), stell mich ens grad an de Mur un helf dem arme Mann ens op." – Geteiltes Leid ist eben halbes Leid.

Viele nützliche Einrichtungen sind heute aus der "Kölschen Weetschaft" verschwunden, zum Glück nicht überall. Das "Thekenschaaf", auch "Beichtstuhl" genannt, gehört dazu. Dieses kleine verglaste Häuschen, früher oftmals reich verziert, ist der Platz, wo der "Baas" die Biermarken vom Köbes sammelt, die Schnäpse und Zigarren ausgibt. In seinem Köln-Buch schreibt Edmund Renard 1907 über das Brauhaus-Thekenschaaf: "Bei diesen kleinen Brauereien, die nur für den Schankbetrieb und den Kleinverkauf arbeiten, wird die Diele der Raum für die Faßbank, Aufenthalt der Zapfjungen und Verkauf außer dem Hause: zwischen Diele und daneben liegender Wirtsstube wird ein verglaster Erker mit Zahltischen und Doppelbank für Wirt und Wirtin eingebaut. Dieser Einbau ermöglicht die gleichmäßige Kontrolle von Wirtsstube und Diele."

Es gibt diese praktische Einrichtung auch heute noch in einigen Brauhäusern wie zum Beispiel in der Hausbrauerei Päffgen und einigen anderen. Hier hat sich vieles erhalten oder wurde neu belebt was früher einmal überall üblich war, zur Freude des Gastes, der Sinn für Tradition und Qualität hat. Und es scheint, diese Sorte Gäste wächst von Tag zu Tag. (FM)

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de