Kölsch ist anerkannte Bier-Spezialität (1970-1980)

Kölsch ist anerkannte Bier-Spezialität (1970-1980)

von Franz Ludwig Mathar



...Wo lagen denn die Wurzeln in der Produktgestaltung des modernen Kölsch, was für Überlegungen standen dahinter?


"Ich möchte hier einmal festhalten, unser Bestreben war ein helles hopfenbetontes obergärige Vollbier zu entwickeln, was das etwas dunklere, mehr süße Kölsch alten Typs ablösen sollte, Das ging natürlich nicht von heute auf morgen und es mußten viele verschiedene Menschen, aus Technik und Vertrieb erst einmal überzeugt werden. Denn das neue Bier war ein vollkommen neues Produkt, an das sich auch der Konsument erst gewöhnen mußte. Als ich in München studierte, war fast das gesamte Bier dunkel. Wenn die von hellem Bier sprachen, war das eine ganz große Ausnahme. Das ist auch ein Hinweis, den habe ich bisher gar nicht so beachtet, daß wir uns mit dem Kölsch nach dem zweiten Weltkrieg auf ein helles Bier konzentriert haben, war das eine mutige Entscheidung. Es war zum Glück so, daß dies die einheitliche Auffassung war.


...Wie sollte dann ein echtes Kölner Brauhaus geführt werden?


"Diese Dinge, wie eine persönliche Ansprache, die muß man pflegen. Jedes Brauhaus muß eine Seele haben, sonst ist es nur ein Bier-McDonald und die sind dann auch beliebig austauschbar. Ich begrüße, daß Päffgen, die Malzmühle und verschiedene andere das noch pflegen. Das liegt bei uns und bei Früh etwas anders, die Lage und die andersgeartete Kundschaft vertragen das nicht so ganz. Im Brauhaus Früh verkehrten ja schon immer mehr Touristen. Wenn man auf das Land kommt und fragt was ist Kölsch, sagen die immer Früh. Die Leute aus dem Umland waren darauf eingestellt, wenn sie nach Köln kamen, gingen sie "zum Früh". Eine Marke wird natürlich heute modern gemanagt und produziert, aber das Dach darüber muß menschlich bleiben. Ein gutes Beispiel ist der Name Dr. Oetker in Bielefeld. Jeder weiß dort, daß es noch eine Familie Oetker gibt, das gibt der Marke etwas menschliches.


...Wie weit ist Kölsch denn im Rheinland verbreitet. Wo beginnt es und wo hört es auf ?


"Da habe ich eine eigene Definition, von "Süd-Rhein-Westfalen" bis "Nord-Rheinland-Pfalz". Es ist in etwa das frühere Kurköln, die Ahr bis Koblenz und auf der anderen Seite das Gebiet noch bis Erpel, Unkel, Linz, da ist ungefähr das Ende. Durch die Neuaufteilung der Bundesländer, die etwas willkürlich war, wurden das Rheinland, unser Stammgebiet auf zwei Bundesländer aufgeteilt. Eine genaue Abgrenzung gibt es heute natürlich nicht, den Kölsch gibt es heute auf Sylt und in Südtirol, in Berlin und auf den Balearen. - Aber das ist ja nicht schlimmes.


...Gibt es Wiederholungen in den wirtschaftlichen Abläufen in unserer Zeit ?


"In einem Protokoll der Berliner Brau-Akademie von 1904 war ein Referat eines Brauers aus Franken, das damit begann: "Meine Herren, wir leben in einer merkwürdigen Zeit. Die Leute wollen Bier ohne Alkohol, Zigarren ohne Nikotin und Ehen ohne Kinder. Sie wollen gerne etwas tun aber für ihr Tun nicht einstehen" - der Schreiber dieser Zeilen war ein weitblickender Mann. In den alten Geschäftsberichten fand man öfters den Satz, die Konkurrenz ist schuld, weil sie nicht nachgezogen hat, die Rohstoffe oder das Futter für die Pferde waren zu teuer. Oder das Bier kam nicht mehr so richtig an, weil es neue gesetzliche Bestimmungen gab und Ähnliches mehr. Ich habe mir einmal die Zeit genommen, diese alten Berichte durchzulesen. Die entschuldigenden Sätze - in Variationen - waren etwas, was sich immer wiederholt hat. Für die Alten, die das alles miterlebt haben, waren es alte Hüte. Für die Neuen ist in gewissen Sinne alles neu oder "Es ist alles schon einmal dagewesen". Doch ich sage immer jedem der es hören will: Einen guten Rat anzunehmen, das ist das billigste Kapital, das man sich verschaffen kann.


...Wie wurde nun Kölsch zur anerkannten Bier-Spezialität?


"Das Kölsch ist für mich mehr als Wasser und Alkohol. Das ist Identifikation, Ambiente und Heimatduft. Ich sage immer, der Duft von einem Sauerbraten ist der Geruch von gebratenen Stück Fleisch. Aber man riecht und assoziiert da viel mehr. Das ist der Duft von einem Stück Heimat und Kölscher Gemütlichkeit., da sind Erinnerungen mit Verbunden und vieles mehr.


....Gab es verschiedene Modelle um die Marktführerschaft des Kölsch durchzusetzen?


"Reissdorf hat im Gegensatz zu anderen mehr Faßbier und davon wird auch mehr als Zweidrittel von Großhändlern vertrieben. Die hatten das unverschämte Glück, zu einem Zeitpunkt X mit kapitalkräftigen Großhändlern zusammenzukommen. Sie haben in der Innenstadt nur ganz wenige eigene Kunden, die sie direkt beliefern. Sie haben aber mehrere finanziell starke Großhändler, die auch gleichzeitig potente Pilsbrauereien vertreten. Diese wiederum hat ein Vertriebssystem, das in Deutschland heute (1990) für Brauereien ziemlich einmalig ist, denn die haben früher genauso gehandelt wie Markenartikler, die einen Regierungsbezirk oder ein bestimmtes Gebiet unter Vertrag haben. Da durfte kein anderer reinliefern und das haben sie beihalten können. Es bestand ebenfalls eine Vereinbarung zwischen Bitburg und der König-Brauerei, daß die sich auch die Gebiete in der Bundesrepublik aufgeteilt haben. Bitburg lieferte nur im Süden und König nur im Norden. Der Main war die Grenze und das haben die beiden jahrzehntelang einhalten. Nun hatte die König-Brauerei nachher in Baden-Baden Eigentum und ging dann auch in den Tessin, da hatte sie auch eine Menge Geschäfte. Heute haben sie auch dort Großhändler. Die Bitburger ist zwar später auch mit einzelnen Objekten nach Norden gegangen, die beiden haben sich aber immer irgendwie arrangiert. Es sind ja zwei Privatfamilien, die untereinander persönlichen menschlichen Kontakt haben. Das darf man nicht vergessen. Diese Dinge hätten wir in Köln auch praktizieren können. So zum Beispiel die Dom-Brauerei hätte ihren ganzen Ausstoß hier in Köln an einen einzigen Großhändler verkaufen können. Zu Lebzeiten des alten Vaters Harzheim, der war darauf ganz scharf, daß nur er das Kölsch verkaufen könnte. Das wollte er schon mit der Sester-Brauerei machen, aber die Dom hat dem Harzheim nur zwischen 20.000 und 25.000 Hektoliter Bier pro Jahr geliefert - im Tank. Mathias Harzheim war einer der ersten, der als Allein-Importeur für Pilsner Urquell mit den Tankstransporten anfing. Wir haben damals zusammengesessen und gesagt, daß kann doch nicht gut gehen. Wir hatten ja noch immer unsere Lagerkeller im Gedächtnis, mit den Holzfässern. Dann haben die Importeure das Bier aus der Tschechoslowakei hier rübergeholt und vom Tankfahrzeug in einen Tank, und dann vom Tank ins Faß und in Flaschen abgefüllt.. Das war für uns alle erst einmal gewöhnungsbedürftig, heute ist das eine Selbstverständlichkeit und stört keinen mehr.


...Warum sind die Kölner nie mit Kölsch in den Export gegangen?


"Weil gutes Bier immer nur um den Brauereischornstein herum getrunken werden soll - sagen die Traditionalisten. - Aber Spaß beiseite, es tut mir auch immer weh, wenn ins benachbarte Ausland komme, wo auch gestandene Biertrinker wohnen und nirgendwo eine Flasche Kölsch sehe, aber viel Bitburger. Das kommt wahrscheinlich aus der Vergangenheit. Die Wicküler waren ja der Vorreiter für das Flaschenbier, und das Flaschenbier ist ja dann doch die erste Station um in einen Markt einzudringen, dann kommen erst die Gaststätten mit dem Faßbier. Ich bin der Meinung, das hat daran gelegen, daß wir bei dem Flaschenbier mit dem Kölsch immer sehr zögerlich waren. Bei den Braumeistern gab es da Bedenken bezüglich der Haltbarkeit, die sagten: "Obergäriges in der Flasche, das klappt nie." Auch die Filter und so etwas, das gab es ja noch nicht und da hatte man immer Angst. Aber heute tut sich doch noch immer nichts. Auch das Liefern von Kölsch in den Osten (1990) hat seine Tücken, ich meine, wenn die in einem Jahr neue Maschinen haben, können die genau so gut Bierbrauen wie wir. Das Braugewerbe ist die einzige Branche die drüben im Osten wieder schnell Tritt fassen wird. Deshalb sollten wir uns hier um unsere eigenen Dinge kümmern, und nicht wie einige Brauereien, die zur Zeit in diese Gegenden ausschwirren, die sind heute schon dabei wieder zurückzuschwirren. "Drüben, jenseits der Grenze in Holland haben die auch ein Gefühl für solche Empfindungen. Es wird ja immer darauf hingewiesen, daß wir das Land im letzten Krieg überfallen und viel Schaden angerichtet haben. Wenn man sagt, man kommt aus Deutschland, bleiben die meistens sehr reserviert, aber wenn man sagt man kommt aus "Keulen", hat man sofort Kontakt. Selbst bei den "steifen" Holländern aus Zeeland, wenn man sagt, daß man aus "Keulen" kommt, ist man dort akzeptiert, ist man in der Familie. Ich vermute, weil wir ja alle "Niederdeutsche" sind. In meiner Kindheit fuhren wir viel nach Holland an die See in die Ferien. Ich hatte immer das Gefühl, daß die Holländer uns Deutschen gegenüber eine gewisse Reserviertheit zeigten, bis man sich dann angefreundet hatte, dann war es gut. Die Holländer trinken nicht soviel Bier, obwohl Heineken die größte Brauerei Europas ist. Aber das geht hauptsächlich in den Export. Als ich in Brüssel war, hat mir ein Mann von Heineken gesagt, wenn sie irgendwo auf der Welt, wo es Export-Bier gibt und nicht ihr Bier, bekommen sie von mir 100 Dollar. Ich habe immer wieder gesucht, aber es war immer Heineken dabei.

Ich hatte auch zu den belgischen Brauern gute Kontakt. Ich frage mich heute nur, warum wir nie in den belgischen Ostkantonen mit den Kölsch reingegangen sind, oder zu den Holländern in die Provinz Limburg. "Besonders mit den belgischen Brauereien und ihrem damaligen Präsidenten Martens hatte ich einen guten Kontakt. Ich frage mich heute, warum wir nie in die Belgischen Ostkantone, das Gebiet um die Städte Eupen, Malmedy und St. Vith, hineingegangen sind? Die Entfernung kann es ja nicht sein, denn man ist ja viel schneller von Köln aus in Maastricht, als in Dortmund.

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de