LEIPZIG - In Deutschland sollen Bier und Wein teurer werden. Das sieht der Entwurf der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) für ein Nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention vor. Die deutschen Steuersätze für Bier und Wein seien im europäischen Vergleich niedrig, "so dass in der Konsequenz auch die Einzelhandelspreise im europäischen Vergleich relativ niedrig sind", heißt es in dem Papier, wie die "Leipziger Volkszeitung" (Samstagausgabe) berichtet. "Dies trägt auch dazu bei, dass der Erwerb und der Konsum von Alkoholika für die meisten Menschen -insbesondere auch für Jugendliche - leicht verfügbar sind."
FDP: Schluss mit dieser Symbolpolitik
Preisanhebungen infolge von Steuererhöhungen könnten einen "unmittelbaren und relevanten Effekt auf die Senkung des Alkoholkonsums ausüben", schreibt Bätzing in dem rund 40 Seiten dicken Entwurf.
Die FDP kritisierte Bätzings Vorschlag, der eine deutliche Anhebung der Bier- und Weinpreise zur Folge hätte. "Diese Verbots- und Symbolpolitik der Bundesregierung muss ein Ende haben", sagte der ernährungs- und verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, der Zeitung. "Weitere Steuererhöhungen auf Bier und Wein belasten Wirtschaft und Verbraucher." Er sprach sich für Aufklärungsprogramme und Informationskampagnen aus.
(ddp)
Von PHILIPP J. MECKERT
Er ist eine lebende Legende. Er ist der weltweit älteste aktive darstellende Künstler. Er ist im 106. Lebensjahr – und jetzt verrät Jopie Heesters dem EXPRESS, was sein Methusalem-Geheimnis ist: „Ich trinke jeden Tag mein Kölsch!“
Abend für Abend steht der fast erblindete Heesters in Hamburg auf der Bühne des Winterhuder Fährhauses, als Kaiser Franz Joseph im Singspiel „Im Weissen Rössl“, nahm dort sogar seinen siebten Bambi entgegen. Jetzt läuft nächste Woche mit viel Tamtam auch noch Til Schweigers große Kinokomödie „1 1/2 Ritter“ an. Mit dabei: Jopie Heesters! Woher hat er nur diese Kraft? Die Antwort ist so kurz wie ein schneller Schluck: Kölsch!
EXPRESS erreicht Jopies Ehefrau Simone Rethel (beide heirateten 1992) an der Elbe: „Also mein Mann trinkt am liebsten Gaffel. Hier in Hamburg-Eppendorf, wo wir zurzeit wohnen, gibt es einen kleinen Edeka-Markt. Da kaufe ich immer ein paar Flaschen für meinen Jopie ein.“ Die Schauspielerin weiter: „Wir trinken auch zuhause am Starnberger See am liebsten aus Kölschgläsern, auch Saft oder Wasser. Die sind so schön handlich.“
Täglich ein Bierchen. Das, so versprechen Ärzte, schützt das Herz, verhindert Nierensteine, fördert die Aufnahme von Sauerstoff im Organismus. Wichtig, um vital zu bleiben.
Jetzt darf sich Jopie bald über eine neue „Kölsch-Connection“ freuen: Die Gaffel-Brauerei will ihrem ältesten Kunden zu Weihnachten einen Kasten Kölsch unter den Baum legen. „Heesters ist ja sogar noch fünf Jahre älter als unsere Brauerei“, betont Firmenchef Heinrich Philipp Becker. „Das macht uns besonders stolz.“
Beim Kölsch-Konvent ziehen Gastgeber Heinrich Becker und Bestseller-Autor Manfred Lütz gegen Alkohol-Restriktionen und „Gesundheitswahn“ zu Felde. Die Absatzzahlen geben den Brauern allerdings Anlass zur Sorge.
Von Rainer Rudolph
Köln - Kölsch ist „schlicht und ergreifend das beste Bier auf unserem Planeten“. Was die Kölsch-Trinker schon mit der Muttermilch verinnerlicht haben, sprach Heinrich Becker, der Vorsitzende des Kölner Brauerei-Verbandes, beim 23. „Kölsch-Konvent“ im Hotel Excelsior Ernst zur Begrüßung der 200 geladenen Gäste aus. „Kölsch ist ein Stück Heimat, ein Stück Identität und Freundschaft“, lobte Becker.
Dennoch plagen auch die Kölsch-Brauer große Sorgen. Tranken die Deutschen vor vier Jahren noch 118 Liter Bier pro Jahr und Kopf der Bevölkerung, so waren es in diesem Jahr sechs Liter weniger. „Im Kölsch-Markt verlieren wir mit circa 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zwar unterproportional“, sagte Becker, aber der Wind wehe den Brauern kräftig ins Gesicht, „der Druck auf den Braukessel steigt“. Schuld daran seien Berlin und Brüssel, die „mit Sektierern, Weltverbesserern und Sittenwächtern“ gegen Alkohol-Produzenten und -Konsumenten zu Felde zögen.
Rettet das Lebenselixier!
Auch die Empfehlungen des Drogen- und Suchtrates der Bundesregierung, die höhere Steuern, aufgedruckte Warnhinweise und das schrittweise Senken der Promillegrenze umfassen, sieht Becker als existenzbedrohlich. Dabei habe der Alkoholismus seine wahren Wurzeln in Fehlern der Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik. Demgegenüber verteidigten die Brauer das „Kölsch als Lebenselixier“ und „die Freiheit, ungesund zu leben“.
Eine bessere Überleitung zum Festredner hätte es kaum geben können, denn auch Manfred Lütz, Kölner Mediziner und Bestsellerautor („Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“), wehrt sich gegen „die Diätsadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult“ und traf dabei nicht nur bei den Brauern auf offene Ohren. Auch Finanzminister Helmut Linssen, Innenminister Ingo Wolf, Regierungspräsident Hans Peter Lindlar, IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer und Oberbürgermeister Fritz Schramma sprachen mit vielen anderen Prominenten dem Getränk aus der schlanken Stange zu.
Der „Kölsch-Konvent“ geht auf das Jahr 1985 zurück, als die 24 Kölsch-Brauereien, die im Kölner Brauerei-Verband zusammengeschlossen sind, sich verpflichteten, die Kölner Getränkespezialität in jeder Hinsicht zu schützen und zu ehren. Ein Gelöbnis, das jedes Jahr mit einem „Brauer-Mahl“ beim „Konvent“ gefeiert wird.
Das Konzept ist vollkommen neu im Kölner Karneval: Beim Kölschfest (13.-24. Februar 2009 am Südstadion) können die Jecken zum ersten Mal in Köln eine kölsche Karnevalsparty im Riesen-Zelt feiern. Der Eintritt ist kostenlos, das Kölsch mit 1,80 Euro bezahlbar und ein Programm wie bei einer Karnevalssitzung gibt es auch nicht - stattdessen spielt die Kapelle Helmut Blödgen kölsche Stimmungsmusik nonstop.
Die Veranstaltung stellt schon alleine aufgrund der puren Menge an Jecken, die mit Kölsch versorgt werden wollen (5000 passen in das Zelt), eine ziemliche Herausforderung für die Veranstalter da. Doch Kölschfest-Chef Konstantin Brovot hat vorgesorgt und als gastronomischen Leiter den Münchner Harald Cyriacus engagiert, der über reichlich Erfahrung als Gastronomie-Chef im Hofbräu-Festzelt verfügt.
DÜSSELDORF - Die Wirte in Nordrhein-Westfalen haben weiter sinkende Umsätze zu beklagen. Wie das Landesamt für Statistik am Montag in Düsseldorf mitteilte, hatte das Gastgewerbe zwischen Rhein und Weser im September 2,8 Prozent weniger in der Kasse als im Vorjahresmonat. Die Inflation eingerechnet, sanken die Umsätze sogar um 5,3 Prozent. Das wirkt sich auf die Beschäftigtenzahl aus: Im September arbeiteten 0,9 Prozent weniger Menschen in der Branche als ein Jahr zuvor. Insgesamt sanken die Erlöse des Gastgewerbes in den ersten neun Monaten um 0,6 Prozent. Unter Berücksichtigung der Preisentwicklung lagen die Einbußen insgesamt bei 3,1 Prozent. (dpa)
Von CHRISTIAN WIERMER
Köln – Der Dauer-Krieg zwischen den Gaffel-Brüdern zerrt an den Nerven der Brauereimitarbeiter. Jetzt zieht Geschäftsleiter Wilfried Schwab (50) die Konsequenzen: Nach 16 Jahren wirft er hin!
Für die Bier-Branche ist Schwabs Entscheidung ein Paukenschlag. Er zählte zu den wichtigsten Managern innerhalb der Kölsch-Brauerei, war für Vertrieb, Finanzen und Controlling zuständig.
Und genau das brachte ihn in eine Zwickmühle: Im Prozess der Brüder Heinrich (62) und Johannes Becker (58) musste er als Zeuge erklären, wie es zu zweifelhaften Betriebsausgaben kommen konnte. Um keine Falschaussage zu machen, musste er dabei auch die Eigentümer belasten.
Schwab gibt gegenüber EXPRESS zu, dass diese Situation für ihn „alles andere als einfach“ gewesen sei. Und „dass es Entwicklungen innerhalb der Brauerei gegeben hat, die mich zur Kündigung brachten“. Gemeint: der ewige Bruder-Krieg.
Wilfried Schwab: „Der Arbeitsvertrag läuft am 31.12. aus. Ich bin mit 50 Jahren in einem Alter, in dem man noch einen beruflichen Schritt machen kann.“ Die Nachfolge soll laut Brauerei intern geregelt werden.
Was unter vielen Gästen „Em Golde Kappes“ bislang nur als Gerücht diskutiert wurde, ist jetzt Gewissheit: Vor dem Kölner Amtsgericht wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Kneipengänger im Veedel treibt die Sorge um.
Von Jan Wördeweber
Nippes - Das Mühlen-Kölsch läuft wie eh und je. Die deftigen Brauhaus-Spezialitäten aus der Küche schmecken wie immer. Und auch die Köbesse versprühen den gewohnten Charme, als sei nichts passiert. Doch was unter vielen Gästen „Em Golde Kappes“ bislang nur als Gerücht diskutiert wurde, ist jetzt Gewissheit: Vor dem Kölner Amtsgericht wurde das Insolvenzverfahren eröffnet (AZ: 72 IN 367 / 08).
Schon vor 1913, als der Nippeser Wirt Matthias Becker das bekannte Lokal an der Ecke Neusser Straße / Einheitsstraße eröffnete, soll an diesem Ort Bier ausgeschenkt worden sein - seit Jahrhunderten, heißt es. Nun haben die Kneipengänger im Veedel Sorge, dass es damit bald vorbei sein könnte. „Der Betrieb läuft zunächst einmal wie gewohnt weiter“, erklärt ein Mitarbeiter. Mehr will er nicht sagen, das gelte auch für Inhaberin Mathilde D Agnolo.
Wie und warum dieser alteingesessene Betrieb in derartige Schwierigkeiten geraten konnte, ist für die meisten Stammgäste nicht zu erklären. Der Schankraum war dem Augenschein nach immer gut besetzt, vor allem wenn auf dem benachbarten Wilhelmplatz Markt ist, sitzen bei schönem Wetter viele Gäste schon vormittags draußen beim Kölsch.
„Dieser Ort ist nichts für Leute, die mit der kölschen Bürgerlichkeit als solches nichts am Hut haben. Hier werden keine Cocktails getrunken“, schrieb ein Gast ins Internet. „Em Golde Kappes“, das steht für helles Licht, alte, knarrende Holzböden, Karnevalsmotive an den Wänden und Neppeser Klaaf. Wird es damit bald vorbei sein?
Mit Blick auf das laufende Verfahren wollte sich der zuständige Insolvenzverwalter, Holger-René Bruckhoff, gestern gegenüber der Rundschau nicht näher zur Sache äußern. Nur so viel: „Ich bin zuversichtlich, dass an dieser Stelle das traditionsreiche Unternehmen unverändert fortgeführt werden wird.“
Die Eigentümer der Brauerei bekämpfen sich erbittert vor Gericht. Am Dienstag erzählt ein Zeuge, was er als Privatchauffeur der Chefs so alles auf Brauereikosten erledigt hat: Zum Beispiel einem Inhaber-Sohn frisches Gaffel zu einer Uni-Party zu transportieren.
Von Willi Feldgen
KÖLN - Lange ist er Tankzüge gefahren, dann hat er zehn Jahre als Privatchauffeur für die Chefs von Gaffel gearbeitet - doch seit eineinhalb Jahren muss er seine Brötchen im Lager der Brauerei und als Staplerfahrer verdienen. Seinen privilegierten Job hat er verloren, ohne dass er dafür einen Grund sieht. „Man hat mich auf das Abstellgleis gestellt. Natürlich bin ich darüber verärgert“, sagte der 58 Jahre alte Zeuge am Dienstag im Gerichtsverfahren Becker gegen Becker vor dem Landgericht.
Gaffel-Mitinhaber Johannes Becker klagt gegen seinen Bruder Heinrich. Ziel ist, den Bruder als Geschäftsführer der Brauerei absetzen zu lassen und möglichst selbst wieder in diese Position zu kommen - nachdem er im vergangenen Jahr als Geschäftsführer abgesetzt worden war. Inzwischen haben sich zwar die Eigentumsverhältnisse geändert: Heinrich hat die Mehrheit übernommen und nun das Sagen im Unternehmen. Doch Minderheitsaktionär Johannes mag nicht locker lassen.
Es geht also um einen Bruderzwist - und dabei spielt der frühere Chef-Fahrer eine wichtige Rolle. Die Brüder werfen sich - unter anderem - gegenseitig vor, dass viele Arbeitsstunden zwar privat veranlasst waren, aber auf Kosten des Betriebs abgerechnet wurden. Bei der Verhandlung am Dienstag wurde deutlich, wie es in einem vermögenden Kölner Familienunternehmen so zugehen kann: Der Fahrer - nebenbei auch angelernter Handwerker - war den Familien von Johannes und Heinrich Becker vielfältig zu Diensten: in seiner Arbeitszeit renovierte er für den Sohn des einen auch Geschäftsräume, die für die Nagelstudio-Kette des Nachwuchses vorgesehen waren und brachte dem Sohn des anderen frisches Gaffel-Kölsch für eine Uni-Party nach Paris. Mit einem Kleinbus fuhr er eine Becker-Tochter in ihre neue Wohnung nach Mailand und organisierte für den Sohn des Bruders Umzüge von Berlin nach Köln und Koblenz.
Die Porsches versorgt
Auch in den Privathäusern von Heinrich und Johannes selbst gibt es - auf Kosten der Brauerei - stets allerhand zu erledigen: Beim einen wird das Schwimmbad neu abgedichtet und die Garage verputzt, beim anderen werden die Straße gefegt, das Laub gekehrt, die Hunde gehütet und die Porsches mit Wäsche und Kraftstoff versorgt. Dem einen renoviert er zehn Tage lang das Bad im Ferienhaus in Südfrankreich, für den anderen beaufsichtigt er wochenlang Handwerker während der Umbaumaßnahmen in seiner Junkersdorfer Villa.
Richter Frank Czaja muss mehrfach nachfragen, für wen nun genau einzelne Arbeiten erledigt wurden: „Wir haben hier so viele Beckers“, sagt er entschuldigend. Seinem Appell einer außergerichtlichen Einigung kamen die Brüder bislang nicht nach - und so wird die Beweisaufnahme fortgesetzt: dabei wird demnächst darüber debattiert werden, ob private fünfstellige Handy-Kosten als beruflich veranlasst abgerechnet wurden und wie es einer Person möglich sein kann, zur gleichen Zeit Geschäftsessen sowohl in New York als auch in Köln einzunehmen. Prominente des Kölner Wirtschaftsleben sind als Zeugen in Aussicht gestellt.
Streit in der Familie gehört unter den Brauern der Stadt offenbar zum guten Ton. Große und kleine Zwistigkeiten werden immer wieder auch in den Gerichtssälen der Stadt ausgetragen.
Von Willi Feldgen
KÖLN - Ob es eine Gemeinheit der internen Marketing-Abteilung war (deren Chef erst vor wenigen Tagen gefeuert wurde) oder nur unfreiwillige Komik? Ein Spruch auf der aktuellen Bierdeckel-Serie der Gaffel-Brauerei heißt: „Die Familie ist das Wichtigste im Leben. Trinken Sie Brüderschaft.“
Angesichts der beiden großen Anteilseigner der Brauerei, Heinrich und Johannes Becker, klingen diese wohlfeilen Werbesätze wie reiner Hohn. Die seit vielen Jahren verfeindeten Brüder meiden einander wie die Pest. Sie gehen sich aus dem Weg, wo es nur eben möglich ist. Anfang dieses Monats ging es nicht - da saßen sich die beiden, die im Jahr 50 Millionen Liter Gaffel-Kölsch verkaufen, vor Gericht gegenüber und ließen ihre Anwälte schweres Geschütz auffahren: getürkte Spesenabrechnungen, üble Nachrede und die gegenseitige Absetzung als Geschäftsführer sind Themen, die zu solchen Gelegenheiten in aller Öffentlichkeit verhandelt werden. „Trinken Sie Brüderschaft“ hat in diesem Umfeld kaum eine Chance.
Bier ist offenbar noch dicker als Blut. In der Kölner Brauerszene heißt es nämlich vor Gericht nicht nur „Becker gegen Becker“, sondern auch schon mal „Päffgen gegen Päffgen“. Rudolf Päffgen, der Brauereichef aus der Friesenstraße, hatte seinem Bruder Max vor Jahren untersagt, die Gaststätte am Heumarkt in der Kölner Altstadt weiterhin „Päffgen“ zu nennen. Der Hintergrund: In dem Lokal am Heumarkt war 30 Jahre lang Päffgen-Kölsch ausgeschenkt worden. Als Maxens Sohn Maximilian dann aber eine eigene Brauerei in Lohmar eröffnete, kündigte Max seinem Bruder den Liefervertrag und schenkte seitdem statt Päffgen das „Obergärige Pfaffen“-Bier seines Sohnes aus. Den eingeführten werbewirksamen Namen „Päffgen“ für das Haus am Heumarkt wollte Max allerdings behalten. Nachdem der Streit vor Gericht mit einem Vergleich endete, der es Max Päffgen erlaubt, die Gaststätte unter dem Namen "Ausschank der Brauerei zum Pfaffen Max Päffgen" zu führen, bekundete Maxens Frau Ilka, das Päffgen-Kölsch ihres Schwagers schmecke „medizinisch“.
Damit sind freilich noch längst nicht alle relevanten Hintergründe des Kölsch-Werbespruchs „Die Familie ist das Wichtigste im Leben“ abgehandelt. Ein langjähriger Alleinvorstand der Dom-Brauerei zum Beispiel hatte nach Erkenntnissen Kölner Gerichte die Familie mitunter höher geschätzt als seinen Arbeitgeber: Eine Sekretärin wurde für private Immobiliengeschäfte des Brau-Managers eingespannt, der Fahrer musste Brötchen holen, den Hund ausführen und den Vorgarten kehren. Zwei Dutzend „Dienstflüge“ des Chefs nach Mallorca dienten angeblich dem Aufbau des Dom-Kölsch-Vertriebs auf der Ferieninsel. Dort residierte der Alleinvorstand in der eigenen Finca, um - wie großherzig - die Brauerei nicht mit unnötigen Hotelkosten zu belasten. 4,2 Millionen Euro klagte die Brauerei schließlich von ihrem ehemaligen Chef als Schadenersatz ein. Nach jahrelangen Prozessen einigten sich die Parteien außergerichtlich - ohne Schuldanerkenntnis des ehemaligen Chefs. Die Dom-Brauerei erhielt einen Teil des eingeklagten Schadens ersetzt, darf ihre früheren Vorwürfe an die Adresse des pensionierten Chefs aber nicht wiederholen.
Auch bei Früh - Nummer drei der Kölsch-Marken hinter Reissdorf und Gaffel - hing in diesem Jahr der Haussegen schief: Der Miteigentümer der Früh-Brauerei, Rudolf Müller, war nicht gerade amüsiert, als in diesem Jahr eine neue Billig-Kölsch-Marke auf den Markt kam. Das „Traugott-Simon-Kölsch“ vom Getränkehändler trinkgut erinnerte in Aufmachung (rot / weiß) und grafischer Gestaltung unübersehbar an die fast doppelt so teure Früh-Kölsch-Flasche. Das war schon ärgerlich genug, schlug dem Fass aber noch nicht den Boden aus.
Pikanter war folgendes Detail: Zur Produktion ihres neuen Kölsch war trinkgut auf eine Brauerei in Köln angewiesen, denn Kölsch darf - bis auf ganz wenige festgelegte Ausnahmen - nur innerhalb der Kölner Stadtgrenzen gebraut werden. Fündig wurden die Handelsmanager bei der nicht ausgelasteten Sünner-Brauerei in Köln-Kalk. Die ging mit der Produktion des neuen Kölsch auf Konfrontationskurs zum großen Wettbewerber Früh. Dabei ist die Brauerei in Kalk ein ganz besonderer Wettbewerber von Früh: Ingrid Müller-Sünner ist nämlich die Gattin von Früh-Mitinhaber Rudolf Müller.
Was die Brauerei-Chefin dabei geritten hat, ist nicht bekannt. Möglicherweise ist es eine einfache kölsche Devise: Jeschäff es Jeschäff. Zu hören ist allerdings, dass Sünner nach diesem merkwürdigen Deal zumindest zeitweise aus den Regalen einiger Getränkehändler ausgelistet wurde. Im Fall Sünner gegen Früh kam es allerdings nicht zum Äußersten: Der Zwist des Kölner Brauer-Ehepaars wurde nicht vor Gericht, sondern innerhalb der Familie beigelegt.
- Kölsch in der heute bekannten Form wird seit etwa 100 Jahren gebraut. Derzeit produzieren etwa rund ein Dutzend Unternehmen im Rheinland dieses Bier.
- 1997 wurde die Biersorte zu einer geschützten regionalen Spezialität erklärt. Damit ist Kölsch EU-weit eine geschützte Herkunftsbezeichnung wie etwa auch Champagner oder Cognac.
- Die 1985 im Bundesanzeiger veröffentlichte "Kölsch-Konvention" legt fest, welches Bier sich Kölsch nennen darf. So muss es sich unter anderem um ein obergäriges, helles Vollbier handeln. Es darf nur innerhalb des Kölner Stadtgebietes gebraut werden - bis auf wenige Ausnahmen: Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Konvention bereits existierende Kölsch-Marken außerhalb von Köln genießen Bestandsschutz.
- Die Gaffel-Brauerei ist ein 1908 in Köln gegründetes Familienunternehmen. Somit feiert die Marke Gaffel in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen.
- Der Firmenname leitet sich von dem alten kölschen Wort für Gabel ab. Die Bezeichnung "Gaffel" stand im Mittelalter in Köln für die politische Vereinigung von Zünften und Bürgern.
- Mit einer Jahresproduktion von 500.000 Hektolitern liegt Gaffel hinter Reissdorf und vor Früh auf Platz zwei der Kölsch-Erzeuger. Marktführer ist das Unternehmen in der Gastronomie, wo im Großraum Köln etwa 5.000 Kneipen und Gaststätten beliefert werden. Unter den Fassbier-Anbietern rangiert Gaffel bundesweit auf Platz sechs.
- Unter anderem wird Gaffel in einer deutschen Kneipe an der Chinesischen Mauer und in rund 80 New Yorker Gaststätten ausgeschenkt. So muss man im Waldorf Astoria für eine Flasche des Kölner Bieres 13,50 Dollar hinlegen.
- Im Jahre 2003 wurde in Deutschland erstmals mehr Kölsch als Altbier gebraut und verkauft. Die jährliche Kölsch-Produktion beträgt laut Kölner Brauerei-Verband rund 2,3 Millionen Hektoliter - dies entspricht etwa 23 Millionen Kästen mit je 20 Halbliterflaschen.
- Bundesweit kam Kölsch im Jahr 2006 laut AC Nielsen auf einen Marktanteil von 2,2 Prozent. Fürs Kölner Stadtgebiet wird dieser allerdings auf über 90 Prozent geschätzt, in der erweiterten Region auf etwa 50 Prozent. (ddp/bs)
Das „Brauhaus zur Malzmühle“ feiert seinen 150. Geburtstag. Die prominentesten „Mühlen-Kölsch“-Trinker waren Konrad Adenauer und Bill Clinton. Das Traditionshaus beweist auch an der Spitze Sinn für Tradition.
Von Norbert Ramme
Innenstadt - Den 17. Juni 1999 werden das Gastronomen-Ehepaar Gaby (51) und Josef Schwartz (53) wohl nie vergessen. „Das war und bleibt unser persönliches Highlight.“ An dem Abend spazierte der damalige US-Präsident Bill Clinton, der im Rahmen eines G-8-Treffens in Köln weilte, in das kölsche Brauhaus am Heumarkt. In Polohemd und dunklem Jackett setzte er sich mit dem Bonner US-Botschafter John C. Kornblum an einen braunen Holztisch und bestellte - nachdem er sich zuvor vergewissert hatte, dass das Fleisch nicht von einem Pferd, sondern vom Rind stamme - eine Portion rheinischen Sauerbraten mit Klößen und Apfelkompott. Dazu natürlich ein Kölsch. Und es soll der Satz gefallen sein: „Ich bin ein Kölsch.“
Für den US-Präsidenten blieb es bei dem einen, er stieg anschließend auf Cola um. Doch für die Malzmühle wurde der Sauerbraten zum Renner. „Noch heute kommen Touristen aus aller Welt, vor allem aber Amerikaner auf der Durchreise, und wollen am Clinton-Tisch sitzen“, erzählt Gaby Schwartz. Einmal hatte gar eine Gruppe von 30 Japanern jeweils das Clinton-Menü bestellt. „Mit dem Sauerbraten-Teller und je einem Kölsch und einer Cola in der Hand stellten die sich vor dem Tisch, an dem Clinton vor neun Jahren gesessen hatte, zum Gruppenfoto auf. Das war schon schräg.“
Und somit eine weitere Anekdote in der inzwischen 150-jährigen Geschichte des Familienbetriebs, den Gaby und Josef Schwartz nun in der vierten Generation leiten. Und die fünfte steht schon in den Startlöchern. Im Duett wollen ihre beiden Töchter Melanie (25) und Jenny (23) einmal die Traditionsbrauerei und das Gasthaus weiterführen.
Die Malzmühle war 1858 im Haus Heumarkt 6 - das Patrizierhaus war im frühen Mittelalter ein Klosterhof der Abtei Wesel mit kleiner Hausbrauerei - von Hubert Koch, einem Urururonkel des heutigen Besitzers, als „Bier und Malzextrakt-Dampfbrauerei“ gegründet worden. Damals galt der Heumarkt als Umschlagplatz für den Kornhandel. Dort stand die städtische Rats-Malzmühle, die Brauer mit geschrotetem Malz aus Weizen und Gerste versorgte. Nach der Rezeptur des Gründers, die dessen Sohn Jakob Anfang des 20. Jahrhunderts patentieren ließ, wird in der Mühlen-Brauerei heute noch „Koch’sches Malzbier“ gebraut und in Flaschen abgefüllt. Dieses Malzbier wurde bei der Weltausstellung 1888 in Ostende mit sieben Goldmedaillen ausgezeichnet und war seinerzeit „besonders von ärztlicher Seite hoffenden und stillenden Frauen sowie Blutarmen als wertvolles Nähr- und Kräftigungsmittel empfohlen“.
Jakob Koch war es dann auch, der 1912 die Dampfbrauerei an Gottfried Joseph Schwartz verkaufte, der sie in „Obergärige Brauerei zur Malzmühle“ umbenannte. Unter seiner Regie entwickelte sich die Malzmühle zu einer der beliebtesten Hausbrauereien Kölns. Nach dem Tod von Hubert Josef Schwartz (zweite Generation) 1944 regelte die Witwe Sybille Schwartz die Geschäfte. Köln war fast völlig zerstört, und vom historischen Gebäude der Malzmühle stand nur noch das Eingangsportal. Das wurde in den Wiederaufbau integriert. Ab 1948 wurde wieder Bier verkauft, 1952 die Schankstuben neu eröffnet. Zum 100-jährigen Bestehen übernahm mit Theodor Josef und Anneliese Schwartz 1958 die dritte Generation die Leitung. Nach dem Unfalltod des Mannes vier Jahre wurde die Witwe Kölns erste Braumeisterin sowie die erste Frau an der Spitze der Innung. Bis zu ihrem Tod 1995 blieb die moderne Technik weitgehend vor der Tür. „Was man hat, hat man, war ein Wahlspruch meiner Mutter, die stets auf Barzahlung bestand“, erinnert sich Josef Schwartz.
Die Pensionen werden nur mit Verzögerung gezahlt, der Absatz bricht weiter ein. Die Dom-Brauerei steckt in der Krise. Eine Entspannung ist nicht in Sicht:
Für 2008 wurde eine zweite Kapitalerhöhung angekündigt.
Von Willi Feldgen
KÖLN - Die Aktionäre der Dom-Brauerei waren zur Hauptversammlung diesmal an den Stadtrand geladen worden: in den Eltzhof nach Porz-Wahn. Dass Vorstand, Aufsichtsrat und Redner dort im Halbdunkel saßen und standen, war symptomatisch für das Unternehmen: Hier drohe ja, „dass mittel- oder auch kurzfristig die Lichter ausgehen“, fasste ein Aktionärssprecher seine Eindrücke über die Geschäftsentwicklung zusammen.
Tatsächlich hatte Alleinvorstand Achim Zweifel den Anteilseignern zuvor ganz überwiegend erschreckende Neuigkeiten mitgeteilt: Wie schon 2006 und 2007 ging auch im ersten Halbjahr 2008 der für den Erfolg entscheidende Fassbierabsatz weiter zweistellig, nämlich um 11,6 Prozent, zurück. Eine Wende sei für 2008 nicht mehr zu erwarten.
Nach der im März 2008 gefällten Entscheidung des Mehrheitsaktionärs VdB (Vertriebsgesellschaft deutscher Brauereien), in Aussicht gestellte liquide Mittel nur noch insoweit zur Verfügung zu stellen, wie sie für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs unbedingt erforderlich sind, wurde der Handlungsspielraum des Vorstands extrem eingeschränkt: unterschriftsreife Verträge für neue Absatzstätten mussten storniert und Pläne für einer Brauerei-Neubau zu den Akten gelegt werden. Der Liquiditätsengpass wurde so groß, dass monatlich fällige Pensionszahlungen „zum Teil nur mit erheblicher Zeitverzögerung ausgeführt werden konnten“, sagte Zweifel.
Eine Kapitalerhöhung zur Vermeidung der „sich abzeichnenden Zahlungsunfähigkeit der Dom AG“ verschaffte dem Unternehmen im Juli nur wenig Luft: Es sei abzusehen, dass noch 2008 die Hälfte des eben erst erhöhten Kapitals verbraucht sei und deshalb auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine weitere Kapitalerhöhung beschlossen werden müsse, kündigte Zweifel an. Die Alternative „zur Vermeidung einer Insolvenz“ sei nur noch der Verkauf von Vermögenswerten. Auch künftig könne zudem die pünktliche Zahlung der Pensionen „nicht gewährleistet werden“.
„Welche Überlebenswahrscheinlichkeit hat denn die Gesellschaft?“, fragte eher rhetorisch Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger. Christian Graf Dürckheim-Ketelhodt, Aufsichtsratsvorsitzender der Dom-Brauerei AG, und der Vorstand gaben darauf eine nicht unbedingt optimistische Antwort: Auch die neue Kapitalerhöhung diene alleine dazu, die weitere Zahlung an die Pensionäre der Gesellschaft sicherzustellen, hieß es.
Dürckheim wies darauf hin, dass „der Großaktionär nicht so begeistert“ von der Geschäftsentwicklung der Brauerei sei. Schließlich sei es ein Risiko, „ständig neues Geld in die Firma zu stecken“. Auch das Jahr 2009 werde für die AG „nicht weltbewegend“ werden.
Weil es keine Chance auf eine neue eigene Braustätte gibt, hat sich der Vorstand entschlossen den Lohnbrauvertrag mit der Erzquell-Brauerei in Bielstein bis Ende 2015 zu verlängern und die unternehmenseigenen Kölsch-Marken Dom, Rats und Giesler dort künftig auch abfüllen zu lassen.
Eine positive Stimme aus dem Kreis der Aktionäre gab es auch: Marcus Sühling von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wertete es als erfreulich, dass die Gesellschaft immer noch existiere: „Davon bin ich vor zwei Jahren nicht ausgegangen“, sagte er.
Vor 100 Jahren wurde in Köln doppelt so viel Bier getrunken wie im restlichen Deutschland. Damals produzierten die hiesigen Brauer nicht das heutige Kölsch, sondern „Wieß“ - sowie Exportbier und Pils. Der Siegeszug des „blanken“ Kölsch begann erst in den 1950er Jahren.
Von Carl Dietmar
Köln - In den letzten Augusttagen des Jahres 1908 schlug eine Meldung außerhalb Kölns hohe Wellen: Ein Hobbystatistiker - Profis gab es damals noch nicht - hatte ausgerechnet, dass der durchschnittliche kölsche Trinker (in der Regel männlich, Arbeiter) mit 287 Litern pro Jahr mehr als das Doppelte an Bier konsumierte als die übrigen Untertanen Kaiser Wilhelms II. - die begnügten sich nämlich mit gerade mal 115 Litern. Mediziner und Frauenvereine nahmen diese ernüchternden Zahlen zum Anlass, generell den Alkoholmissbrauch in der Arbeiterschaft anzuprangern - in Köln selbst zuckte man müde mit den Schultern: Bier galt hierzulande seit alters her als Nahrungsmittel.
Gruit- und Hopfenbier
Schon im Mittelalter war Köln ein Zentrum des deutschen Brauwesens - die Brauerzunft wird zwar erst 1396 im Verbundbrief erstmals erwähnt, man geht aber davon aus, dass die Brauer sich schon lange vorher berufsständisch organisiert hatten. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gab es 21 Brauer, die in einem Dreijahres-Rhythmus abwechselnd zwei verschiedene Biersorten herstellten, das Gruitbier, ein Gerstenbier mit Kräuterwürzsud, und das Hopfenbier.
Daneben werden schon Brauer erwähnt, die ein neues, in Holland entwickeltes Bier produzierten, das lager- und transportfähige Keutebier; 1471 wurden diese Brauer in die Zunft aufgenommen. Im selben Jahr wurde die „Keuteakzise“ als Biersteuer eingeführt, die die städtischen Einnahmen über die „Weinakzise“ bald übertreffen sollte. 1494 produzierten 64 Brauereien 65 000 Hektoliter Keutebier - damit hatten sich Bierkonsum und -produktion innerhalb eines Jahrhunderts verdoppelt: Jeder erwachsene Kölner trank damals etwa zwei Hektoliter Bier pro Jahr - als wichtige Flüssigkeitszufuhr über den ganzen Tag hinweg, denn das Wasser aus den Brunnen, den „Pützen“, war ungenießbar.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Brauerzunft sollte bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit anhalten. Zu schaffen machte den Brauern immer wieder die verbreitete Unsitte, „schwarz“ gebrautes Bier an den Mann zu bringen. Mehrfach ging der Rat gegen „Heckenzapfer“ und „Afterwirte“ vor, die gepanschtes Bier verkauften. Zudem gab es in Melaten, Nippes und Rodenkirchen „Dollbierschänken“, wo das Bier viel billiger angeboten wurde - nicht selten kehrten die Kölner in diesen Kaschemmen ein, um betrunken, „doll“, nach Haus zurückzutorkeln.
1797 wurde die Brauerzunft - wie alle anderen Zünfte - von den Franzosen aufgelöst, der Zusammenhalt der Brauer blieb aber gewahrt, weil ihre geistliche Bruderschaft bestehen blieb. Im 19. Jahrhundert bildete sich dann jene Brauhauskultur der „altkölnischen Weetschaff“ heraus, auf die man in Köln noch heute stolz ist. Doch trotz gegenteiliger Behauptungen mancher Bierhistoriker, die lautstark tönen, seit 600 Jahren würde man in Köln nichts anderes als Kölsch trinken: Nicht das heutige Bier wurde damals gepichelt, sondern ein obergäriges, helles, äußerst bitteres, fast schaumloses Getränk, das „Wieß“, das Kölner Nationalgetränk.
„E Wieß un e Röggelche met Kies“, so lautete die gängige Bestellung - wenn man überhaupt bestellen musste, denn in der Regel brachten die Brauburschen dem Gast sofort ein Glas an den Tisch.
Köbes im Wollwams
Der Köbes im blauen Wollwams, den breiten Gürtel mit der Geldtasche um die Hüfte, war eine ebenso typische Erscheinung wie das „Kontörchen“. Das Wieß wurde als „Steh- und Sitzschoppen “ angeboten, das billigere Stehglas für den eiligen Gast im Flur, während der „sesshafte“ Gast in das einzige Wirtshauszimmer schritt, ein niedriges, oft schmales Gelass mit tabakgeschwärzter Decke. Der helle Tannenboden war mit Sand bestreut, an jeder Seite stand eine Reihe blank gescheuerter Tische mit strohgeflochtenen Stühlen. Auf der Flurseite befand sich der Sitz der Dame des Hauses, „Kontörchen“ genannt, ein Kassenhäuschen im Chorherrenstil.
Mit dem Übergang zur industriellen Bierproduktion, mit der Gründung von „Actienbier-Gesellschaften“ begann der Niedergang der kleinen Braustätten mit so klangvollen Namen wie „Zum langen Gang“, „Auf Rome“ oder „Em rude Bräues“, die selten mehr als 3000 Liter Jahreskapazität hatten. Dank moderner Kühltechniken wurde fortan auch in Köln untergäriges Bier gebraut; das „Wieß“, erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts „Kölsch“ genannt, wurde nur noch in Hausbrauereien produziert, die aber, sich dem Verbrauchergeschmack anpassend, auch Exportbier, Pils und - man möchte es kaum glauben - Alt auf den Markt warfen (wovon heute natürlich niemand etwas mehr wissen will). Dass über der urkölschen Gaststätte Lommerzheim der Schriftzug „Dortmunder Actien-Bier“ prangt, belegt eindrucksvoll, dass der gemeine Kölner Zecher all dieses „unkölsche“ Gesöff bedenkenlos in sich hineinschüttete.
Der Siegeszug des „blanken“ Kölsch, jenes hellen Bieres, das wir heute trinken, begann erst in den 1950er Jahren. 1957 betrug der Kölsch-Anteil an der Gesamtproduktion der Kölner Brauer noch weniger als ein Viertel (210 000 Hektoliter von insgesamt 861 000 hl), 1972 waren es bereits mehr als drei Viertel (1,9 Mill. hl von 2,3 Mill. hl). Heinrich Becker, Chef der Gaffel-Brauerei und Vorsitzender des Kölner Brauerei-Verbandes, erklärt das mit der allmählichen Rückbesinnung auf kölsche Traditionen, die sich ja auch im Liedgut, etwa der Bläck Fööss, zeigte. „Letztlich aber“ - Becker sagt es mit Stolz - „hat sich die gute Qualität des Kölsch durchgesetzt.“ Im Gegensatz zu 1908 trinkt der Kölner heute aber nicht mehr Bier als die „Restdeutschen“ - etwa 100 Liter im Jahr.
So kann man Köln-Gäste auch vergraulen: Ein Köbes des "Gaffel am Dom" weigerte sich, zwei Neuankömmlingen eine Tasse Kaffee zu servieren. "Wir können nur Bier" beschied er den verdutzten Gästen, und überhaupt gebe es Kaffee nur, wenn man zuvor gegessen habe.
Von HELMUT FRANGENBERG
Innenstadt - Wir erinnern uns an den Kulturkampf um die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der ein Wahrzeichen in Form einer Reibekuchenbude weichen musste. Mit Stolz war auf das typisch Kölnische dieses einzigartigen Willkommensgrußes verwiesen worden: „Reibekuchen 3,50 Mark“ statt „Willkommen in der Weltstadt mit Herz“ in großen Lettern - das war sympathisch. Und heute?
Den Gruß zum Willkommen könnte in nicht wenigen Fällen ein Kellner eines der Lokale übernehmen, die neuerdings die Platzfläche zu privatem Geschäft nutzen dürfen. Nur scheint nicht jeder dieser Aufgabe gewachsen zu sein. „Zwei Kaffee, bitte“, trugen zwei gut gelaunte Reisende einem Mitarbeiter des „Gaffel am Dom“ auf, nachdem sie mit Gepäck aus dem Bahnhof an dem einladenden Tisch Platz genommen hatten. „Da sind Sie falsch hier“, lautete die Antwort des Mannes, der sich offenbar für einen typisch kölschen Köbes hält.
„Haben Sie keinen Kaffee?“ „Doch. Aber Kaffee bringe ich nur nach einem Essen; hier trinkt man Bier“, lautete die Antwort - zur Mittagszeit, zu der vielleicht nicht jedem der Sinn nach Alkohol steht. „Gehen Sie doch woanders hin“, war sein bierernster Rat an die völlig verdutzten Gäste. „Andere können Kaffee viel besser als wir. Dafür können wir Bier.“ Und Sie können uns mal, mögen die Reisenden gedacht haben, als sie völlig entgeistert den Tisch verließen.
Der Bahnhofsvorplatz ist ein öffentlicher Platz, der allen Kölnern gehört. Warum sollten sie einem Lokal gestatten, hier Tische aufzustellen, wenn Kellner bei Köln-Gästen mit Unverschämtheiten und Ungastlichkeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen?
„Ich hätte als Gast ebenfalls verärgert reagiert“, sagt Alexander Della Marina, Geschäftsführer von „Gaffel am Dom“. Ihm sei bewusst, dass sein Haus an dieser exponierten Stelle „die kölsche Gastronomie“ präsentiere. Deshalb habe ein Köbes witzig und schlagfertig zu sein. Aber „typische Schnoddrigkeit muss tabu sein.“ Bis zu allen Mitarbeitern hat sich das wohl noch nicht herumgesprochen. Vielleicht sollte man solange die Tische wieder verbannen und doch ein Schild mit Willkommensgruß aufhängen. Das kann wenigstens kein dummes Zeug reden.
Mehr als 150 Kölner Kneipen und Kulturschaffende protestieren mit der Aktion „Kneipenkultur gegen rechts - Kein Kölsch für Nazis“ gegen die rechtsextreme Partei "Pro Köln" und den von ihr geplanten "Anti-Islamisierungskongress", zu dem Rechtsextreme aus ganz Europa anreisen wollen.
Von Helmut Frangenberg
Köln - Es kann nicht sein, dass hier wieder die rechte Soße hochkommt“, sagt Betsy Robinson. Die Wirtin des „Kornbrenner“ in Nippes ist sich sicher, dass die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ mit ihrem „Kongress“ „ihr wahres Gesicht zeigt“. Deshalb habe sie sich der Aktion angeschlossen.
Die Idee, sich als Wirte politisch zu positionieren, war Sabine Baumgart vom „Q-Hof“ und Peter Zimmermann von der „Lotta“ am Tresen gekommen. Daraufhin seien die Kollegen angesprochen worden. „Nur eine Kneipe, die wir angefragt haben, hat abgelehnt. Der Wirt wollte keine Politik machen“, berichtet Zimmermanns „Lotta“-Kollege Markus Hemkem. 87 Kneipen haben sich bislang angeschlossen, darunter zahlreiche Lokale in Ehrenfeld. „Gerade in unserem Stadtbezirk müssen wir ein Zeichen setzen“, sagt Manuel Preuten von den „Hängenden Gärten“.
Teil des Protestes ist eine große Plakataktion, ein gemeinsamer Auftritt im Internet sowie 100 000 mit dem Slogan bedruckte Bierdeckel. Schwerpunkt soll eine kulturelle Aktionswoche vom 12. bis 18. September sein, bei der Künstler und Kulturinitiativen Programme in den Kneipen bestreiten wollen. Bislang stehen 67 auf der Unterstützerliste, darunter Kölner Musiker aus dem Umfeld des „Humba e.V.“ oder die Initiative „Loss mer singe“.
Die Kneipen rechnen damit, dass sich weitere Kollegen und Künstler der Initiative anschließen werden
Mit der Fahrt ins Oberbergische löste das Kölner Stadtoberhaupt ein Versprechen ein, dass er Zunft-Chef Axel Haas beim Biwak der Roten Funken gegeben hatte. Schramma entpuppte sich durchaus als Sympathisant des oberbergischen Bieres.
Von Michael Fenstermacher
Oberberg - Auf einem Schild wurde Axel Haas nicht getragen, als er am Freitagabend Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma empfing. Aber das Bild drängte sich auf, als er Schramma als den „Herrscher über ganz Kölsch“ begrüßte. Damit zog der Chef der Zunft-Kölsch-Brauerei eine Parallele zum Häuptling Majestix, der mit seinen tapferen Comic-Galliern der römischen Übermacht trotzt. Schließlich leiste seine Brauerei seit Jahrzehnten erfolgreich Widerstand gegen die Vorherrschaft der Domstädter auf dem Gebiet des Kölschbrauens.
Mit seinem Besuch in Bielstein bewies Fritz Schramm, dass er die Sache mit dem unbeugsamen Widerstand sportlicher sieht als Julius Cäsar in den Asterix-Heften. Schließlich ist die Herstellung der obergärigen Spezialität den Bielsteinern durch die Kölsch-Konvention ganz offiziell erlaubt. Derzeit ist Zunft Kölsch die einzige Sorte, die außerhalb von Köln entsteht.
„Der Besuch lag mir am Herzen“, betonte Schramma, der durch den Rundgang zusammen mit seinen Büroteam ein Versprechen einlöste, das er Axel Haas bei einer Begegnung im Biwak der Roten Funken gegeben hatte. Vor seiner Zeit als Bürgermeister hat Fritz Schramma mit dem Bürgerverein Ossendorf schon einmal die Brauerei besucht und Gefallen am oberbergischen Bier gefunden.
Vor der von Braumeister Jürgen Köppe geführten Besichtigung, an der auch Wiehls Bürgermeister Werner Becker-Blonigen teilnahm, hatte die Kölner Reisegruppe Schloss Homburg besucht. Auch von diesem Ausflug zeigte er sich beeindruckt. „Über die Wehrhaftigkeit der Oberberger sind wir jetzt informiert“, berichtete Schramma. Bei den Ausführungen zum Brauverfahren bewies er durch Zwischenfragen sein Expertenwissen.
Gesetzestreue Nichtrauchergastronomie oder Schlupfloch Raucherclub - in Bickendorf haben die Raucher ganz klar den Kampf um die Lufthoheit über den Theken für sich entschieden. Als Nichtraucher findet Wolfgang Heister in Bickendorf keine rauchfreie Kneipe.
Von Kirsten Boldt
Ehrenfeld - Gesetzestreue Nichtrauchergastronomie oder Schlupfloch Raucherclub - in Bickendorf haben die Raucher ganz klar den Kampf um die Lufthoheit über den Theken für sich entschieden. Zumindest in allen Kneipen im Dreieck zwischen Sandweg, Erlenweg, Venloer Straße und Rochusstraße. Und das macht Wolfgang Heister sauer. Der 56-Jährige wohnt Unter Bergamotten und muss nun entdecken, dass seit Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes ein rauchfreies Kölsch an einer Theke um die Ecke für ihn nicht drin ist: „Dafür muss ich schon ganz weit laufen.“ Kölsch gibt’s natürlich schon. „Aber ich muss mich jedes Mal in eine Raucherclub-Mitgliederliste eintragen.“ Und genau das will der streitbare Bickendorfer nicht: „Ich habe mir doch nicht das Rauchen abgewöhnt, um jetzt als Nichtraucher mit meiner Unterschrift Raucherclubs zu unterstützen. Das ist völlig verrückt. So einen Blödsinn mache ich nicht mit.“
Die Zigaretten hatten den Speditionskaufmann fast das Leben gekostet. Zeitweise inhalierte er mehr als zwei Packungen am Tag. Bis er kaum noch laufen konnte. Als die Ärzte vor fünf Jahren eine verstopfte Vene im Bein noch mal retten konnten, stoppte er den Tabakkonsum von jetzt auf gleich. „Da will ich doch nicht gezwungen werden, mit meinem Namen für diese hirnrissige Gesetzeslücke zu stehen.“ Das macht er auf einem Kneipenrundgang durch Bickendorfs Sträßchen auch Annelie Hemmersbach klar, die gerade die Tür zur Wohnzimmeridylle „Em Rondellchen“ öffnet. Mit vier Minuten zum Akazienweg wäre das die nächstgelegene Theke. Ist aber jetzt ein Raucherclub. „Ja, et es ävver esu“, stöhnt die Bedienung, die den Nachbarn schon lange kennt. „Du musst dich eintragen. Dat ist dat Gesetz. Aber ohne Raucher gehn wir nun mal kaputt.“
Andere Theken stehen am Sandweg, ebenfalls nur vier, fünf, sechs Minuten zu Fuß von seiner Wohnung entfernt. Aber „Op d’r Höh“ ist auf der Höhe der Zeit - als Raucherclub. „Im Stübchen“, ein paar Schritte weiter, wird kräftig geschmaucht. In fünf Minuten Entfernung am Häuschensweg: der Dorfkrug - ein Raucherclub.
Auf 150 Metern Venloer Straße drängen sich vier Gaststätten. Drei sind fest in Raucherhand. Darunter der „Bickendorfer Hof“, ein Restaurant mit Kölschtheke und mehreren Speisesälen. „Das Nichtrauchergesetz ist Quatsch, wenn auch so große Esslokale Raucherclubs werden“, ereifert sich Heister. Wirt Rolf Döring will auf diese Gäste nicht verzichten: „Es geht nicht ohne.“ Im hinteren Bereich des Restaurants hat er einen kleinen Nichtraucher-Teil reserviert. Für Familien, die qualmfrei essen wollen. Aber auch in der Raucherclub-Zone dürfen Eltern mit ihren Kindern sitzen, wie die Bedienung erzählt. Dabei ist Kindern und Jugendlichen der Zutritt zu Raucherclubs verboten. „Das gilt auch für Kinder in Begleitung ihrer Eltern“, sagt dazu eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums. Offenbar ist Düsseldorf von Bickendorf aus weit weg. Wer an diesem Stück Venloer Straße ungeräuchert sein Essen genießen möchte, kann das nur nebenan im Gasthaus „Sasse“.
Als Heister in der Gaststätte „Lindenblüte“ der qualmenden Herrenriege an der Theke von seiner Erkrankung erzählt und die Gründe für seine Unterschriftsverweigerung erläutert, wird das Revier lautstark verteidigt. „Das Gesetz ist Diktatur“ und „Raucher-Stasi“, so schallt es ihm entgegen. Dann schiebt der Wirt Christes Paliantis noch eine Begründung für die Umwandlung nach, die fast jeder Raucherclub-Vorsitzende auf Lager hat: „Das Problem ist, dass das Nichtraucherschutzgesetz nun mal nicht strikt ohne jede Ausnahme gilt.“
Das hat einen Entscheidungsspielraum geschaffen, den alle Kneipen schnell genutzt haben, der aber auch bei den wenigen Speiselokalen in Bickendorf Nachdenken auslöst. Für Heister ist „Unter Kirschen“ als Nichtraucher-Restaurant unmittelbar in seiner Nachbarschaft noch ein Lichtblick, ebenso das „Haus Dackweiler“ am Häuschensweg. Da prangt am Eingang die mit rotem Balken durchgestrichene Zigarette, das offizielle Nichtraucherschild. „In beiden Lokalen kann man sehr gut essen“, schwärmt er. „Das wär auch nicht gut, wenn da geraucht würde.“ Doch Helene Dackweiler sieht das schon ein wenig anders. Sie hat erleben müssen, dass Stammgäste zu einem Restaurant weiterzogen, das sich offiziell zwar als Nichtraucher-Lokal ausgibt, sich jedoch herumspricht, dass der Besitzer offenbar ein Auge zudrückt, wenn im Speisesaal die Luft bläulich wird. „Wenn die Raucher unter unseren Stammgästen zur Konkurrenz abwandern, dann bleibt auch mir nichts anderes übrig, als ein Raucherclub zu werden.“
Mal eben ein Kölsch in der Kneipe trinken? Nur für Mitglieder! Einen Kaffee in der Mittagspause? Erst mal Aufnahmeformular ausfüllen!
Von FLORIAN JOCHAM
Kein Witz, sondern Realität in hunderten Kölner Raucherclub-Gaststätten.
Peter Hilbrecht (64, Nichtraucher), traute seinen Augen nicht. Als er in seiner Stammkneipe „Center-Schänke“ in Chorweiler mal eben ein Kölsch bestellen wollte, hielt ihm Wirt Jupp einen Zettel hin: „Wir sind jetzt ein Raucherclub. Bitte ausfüllen!“
Vor dem Bier erst mal Beitritt – egal ob Raucher oder Nichtraucher. Im „Aufnahmeformular“ des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes musste Hilbert seinen Namen, Adresse, Geburtsdatum angeben und das ganze unterschreiben.
Nun ist er in der City-Schänke nicht nur Stammgast – sondern auch Mitglied des Dehoga-Raucherclubs „Mensch. Kultur. Kneipe“. Kostenlos und zeitlich unbefristet – und er bekommt was zu trinken. „Das ist doch zum Verrücktwerden. Wenn ich den Wisch nicht ausfülle, muss ich vor die Tür!“ Außerdem sorgt er sich: „Wenn ich im Laufe der Zeit in zig Lokalen meine Daten lassen muss, woher soll ich wissen, was damit gemacht wird?“
Das Problem sind nicht die Raucherclubs, sondern das Gesetz, heißt es dazu bei der Kölner Dehoga. „Einige hundert Gaststätten haben sich durch unsere Initiative zum Raucherclub erklärt. Die dürfen halt nur noch Mitglieder reinlassen. Dafür müssen die mit den Daten erfasst sein“, so Mathias Johnen von der Dehoga.
Kamil Zaremba (28), Inhaber des „Lorbass“ in der Antwerpener Straße, findet am Antragsformular sogar gute Seiten: „Seitdem wir das unter den Gästen austeilen, ist die Kommunikation viel intensiver geworden.“
Von Willi Feldgen
KÖLN - Richter Frank Czaja machte im Landgericht auch am Freitag einen vergeblichen Versuch, die Brüder Heinrich und Johannes Becker zum Einlenken zu bewegen: „Ich erwarte nicht, dass Sie sich hier in die Arme fallen und sagen, es ist alles erledigt“, sagte er. Die Übernahme der Mehrheit der Gaffel-Brauerei durch Heinrich Becker zeige aber doch, „dass relativ klare Verhältnisse geschaffen wurden“. Eine detaillierte Beweisaufnahme sei vielleicht gar nicht nötig und auch nicht unbedingt hilfreich, sagte Czaja. Er erinnerte daran, dass in diesem Fall viele Mitarbeiter der Brauerei über interne Vorgänge im Unternehmen aussagen müssten: „Das wird für die wohl auch nicht ganz einfach sein.“
Der Richter wies darauf hin, dass allein in der Frage der umstrittenen Bewirtungskosten „uns Hunderte von Zeugen ins Haus stehen.“ Das erste gute Dutzend von ihnen wartete bereits vor dem Saal - doch aus Zeitmangel wurden die meisten ohne Befragung entlassen.
Kernpunkt der Auseinandersetzungen ist die Frage, in welchem Umfang die beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Brauerei private Ausgaben auf Kosten des Betriebs abgerechnet haben. Johannes Becker, im vergangenen Jahr seines Postens als Geschäftsführer enthoben, möchte nun erreichen, dass das Gericht auch seinen Bruder absetzt. Die Vorwürfe werden allerdings wechselseitig erhoben, so dass es bei der Entscheidung des Gerichts letztlich darauf ankommt, die Schwere der möglichen Vergehen zu bewerten.
Dutzende Aktenordner
Die konkreten Vorwürfe füllen Dutzende Aktenordner im Gerichtssaal. Da geht es etwa darum, ob bei der Abrechnung einer Tankquittung der zusätzlich gekaufte Mars-Riegel vom Betrieb bezahlt wurde. Themen sind aber auch die Bezahlung privater Umzüge, Renovierungen, Blumengrüße, Handy-Rechnungen, die Pflege privater Swimmingpools sowie Restaurantbesuche.
Ein Mitarbeiter der Brauerei stand offensichtlich zur besonderen Verfügung der beiden verfeindeten Brüder. Seine Arbeitsstunden notierte er auf einer Liste jeden Tag unter den Rubriken „Johannes Becker privat“, „Heinrich Becker privat“, „Veranstaltungen“ und „Sonstiges“. Die Bezeichnung „privat“ sei aber keineswegs ein Hinweis darauf, dass es sich bei den hier angegebenen Stunden um Arbeiten für die privaten Interessen der Eigentümer handle, erläuterte der Chef der Gaffel-Buchhaltung, Wilfried Schwab. Vielmehr sei es so, dass nur die entsprechenden Arbeitsaufträge von den beiden Eigentümern „persönlich“ erfolgt seien. Eine Überprüfung, ob der Einsatz des Mitarbeiters für private oder betriebliche Zwecke erfolgte, habe es nicht gegeben, sagte Schwab. In einzelnen Fällen - etwa bei der Renovierung eines Wohnhauses - sei aber klar gewesen, dass die Arbeiten nur den Privatinteressen dienten.
Am Rande des Prozesses wurde deutlich, dass Johannes Becker vor acht Wochen angeboten hat, dem Bruder seinen Anteil von 38 Prozent an der Gaffel-Brauerei zu verkaufen. Die Verhandlungen vor Gericht seien seitdem unterbrochen worden, um Heinrich Becker die Gelegenheit zu geben, die Finanzierung dafür sicherzustellen. Dies sei ihm aber offenbar nicht gelungen. Heinrich hatte stattdessen in dieser Woche 24 Prozent der Gaffel-Anteile von seinem Cousin Philipp übernommen und damit seinen Anteil erstmals auf eine Mehrheit von 68 Prozent aufgestockt.
Heinrich Becker hat nun die Mehrheit in der Gaffel-Kölschbrauerei: 24 Prozent der Anteile hat er von seinem Neffen Philipp gekauft. Von den drei Standorten der Brauerei soll bald einer und langfristig auch ein zweiter geschlossen werden. Zehn Arbeitsplätze fallen weg.
Von Willi Feldgen
„Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen“, sagt Heinrich Becker über den überraschenden Deal mit seinem Neffen Philipp. Dem hat er 24 Prozent der Gaffel-Anteile abgekauft und hält damit nun 62 Prozent an der Kölsch-Brauerei: „Jetzt können wir mit einer Stimme sprechen“, sagt er erleichtert. In den vergangenen Jahren hatte es in der Führung von Gaffel erhebliche Probleme und Reibungsverluste gegeben. Die verfeindeten Brüder Heinrich (61) und Johannes Becker (58) machen sich gegenseitige Vorwürfe und tragen ihre Streitigkeiten auch vor Gericht aus - der nächste Termin vor dem Landgericht, zu dem diverse Zeugen aus dem Unternehmen und der Familie als Zeugen geladen sind - ist für den morgigen Freitag vorgesehen.
Johannes - er hält 38 Prozent - war als Geschäftsführer von den beiden anderen Anteilseignern abgesetzt worden. Er möchte nun vor Gericht erreichen, dass auch sein Bruder abgesetzt wird und begründet das unter anderem damit, dass Heinrich zum Nachteil des Unternehmens Privatausgaben über den Betrieb abgerechnet habe. Ähnliche Vorwürfe gibt es allerdings auch in der Gegenrichtung.
Die öffentlichen Auseinandersetzungen hatten dazu geführt, dass die finanzierenden Kreditinstitute (Kreissparkasse, Sparkasse Köln / Bonn sowie Kölner Bank) unruhig wurden und auf eine tragfähige Lösung des Konflikts drangen. Bis vor kurzem galt deshalb auch ein Verkauf der Brauerei an einen der großen nationalen Wettbewerber als Option für die Zukunft von Gaffel. Mehrere Unternehmen gaben Gebote ab. Der höchste Preis - angeblich rund 30 Millionen Euro - erschien den Eigentümern aber als zu niedrig. Deshalb verschwanden die Verkaufpläne erst einmal wieder in der Schublade.
Heinrich Becker sieht den Zwist inzwischen etwas gelassener als noch vor wenigen Monaten: „Ich selbst bin ja ein Auslaufmodell“, sagt er lächelnd. In den kommenden zwei Jahren will er die Geschäftsführung sowieso abgeben - unabhängig davon, was die Gerichte entscheiden sollten. Nach seinem Rückzug werden die Interessen der Eigentümer in der operativen Leitung der Brauerei komplett von seinem Sohn Heinrich Philipp (31) übernommen, der bereits seit September 2007 als geschäftsführender Gesellschafter in dem Kölner Traditionsunternehmen tätig ist, das seit exakt 100 Jahren der Familie Becker gehört. Den Kauf der neuen Anteile habe er aus eigenen Mitteln bezahlt, sagt Heinrich Becker. Einen Kredit habe er nicht aufnehmen müssen. Der Preis habe sich am höchsten Kaufangebot für Gaffel orientiert. Für den Kauf verwendet hat Heinrich Becker offenbar auch den Erlös aus dem Anfang Juni bekannt gegebenen Verkauf seiner Anteile an den Kohlensäurewerken Carbo.
Mit der Mehrheit an der Brauerei Gaffel lassen sich nun aus Sicht von Vater und Sohn strategische Pläne einfacher umsetzen: „Wir verdienen zwar im Moment noch gut. Aber der Markt wird auch angesichts steigender Rohstoff- und Energiekosten schwieriger und die Konkurrenz härter“, sagt Heinrich Philipp Becker. Er glaube aber an die Marke und an die Zukunft des Unternehmens. Gaffel müsse jedoch, um zu gleichen Preisen wie etwa die wichtigsten Wettbewerber Früh und Reissdorf produzieren zu können, langfristig seine Kosten senken, aber auch investieren. So werde die Abfüllung - derzeit in Bilderstöckchen und Porz - auf Porz konzentriert. Entsprechende Investitionen in eine neue Flaschenabfüllanlage, in Technik und Infrastruktur sind dafür erforderlich. Den Banken seien diese Pläne bereits präsentiert worden. „Sie haben von einem sehr schlüssigen Konzept gesprochen“, sagt Heinrich Philipp Becker. Langfristig sollen sogar Verwaltung und Produktion aus dem Eigelstein im Kölner Zentrum an den Stadtrand nach Porz verlagert werden. Durch die Zusammenlegung werde es „zwangsläufig zu betriebsbedingten Freistellungen“ kommen, teilt die Brauerei mit. Die Rede ist von zehn der derzeit 136 Mitarbeiter. „In erster Linie sind Arbeitnehmer betroffen, die Anspruch auf Altersteilzeit haben haben“, sagt Becker. Man bemühe sich mit dem Betriebsrat um eine sozialverträgliche Lösung.
In der Auseinandersetzung mit ihrem Bruder beziehungsweise Onkel hoffen die geschäftsführenden Gesellschafter auf eine „Befriedung“. Es wäre wünschenswert, sagt Heinrich Becker, wenn „das, was wir hier kompetent erarbeitet haben, im Einvernehmen zum Wohl der Mitarbeiter, der Brauerei und der Gesellschafter umgesetzt werden könnte“.
Die Gaffel-Brauerei ist mit einem Jahresausstoß von rund 50 Millionen Litern die Nummer zwei in Köln - hinter Reissdorf und vor Früh. Im laufenden Jahr (bis Ende Mai) sei der Absatz leicht um 0,8 Prozent zurückgegangen, sagt Heinrich Becker. Das Minus der Kölschbrauer insgesamt habe im selben Zeitraum 4,5 Prozent betragen.
Auf Zack“ zu sein ist für einen Köbes wichtig, denn er ist am Umsatz beteiligt: Zehn Prozent bekommt er und das Trinkgeld dazu. Davon lässt sich leben, wenn die Bude brummt - und das ist in den Brauhäusern meist der Fall.
Im Rheinland ist die Wirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Bei keiner anderen deutschen Biersorte ist der Fassbier-Anteil so hoch. Jedes zweite Kölsch wird aus dem Fass gezapft - und zwar traditionell in der Kneipe, im Brauhaus oder im Biergarten. Der Rheinländer genießt sein Bier offenbar besonders gern im geselligen Umfeld.
Kölsch wird in Köln gebraut. Das ist als Grundregel in der „Kölsch-Konvention“ der Brauer festgelegt und sogar gerichtlich bestätigt. Ausnahmen gibt es nur für wenige Brauereien in der Region, die eine längere Tradition des Kölsch-Brauens nachweisen konnten. Im größeren Umfang machen das heute nur noch Ganser in Leverkusen und die Erzquell-Brauerei in Bielstein. Letztere produziert im Oberbergischen traditionell ihr Zunft-Kölsch und seit einiger Zeit als Lohnbrauer auch Dom- und Giesler-Kölsch.
Heute produzieren zehn Brauereien rund 20 Kölsch-Marken. Marktführer sind die drei großen Familienunternehmen Reissdorf, Früh und Gaffel. Mehr Kölsch kommt nur aus Mülheim, wo die zur Oetker-Gruppe gehörende Bergische Löwen-Brauerei allerdings gleich eine ganze Armada von Kölsch-Marken herstellt: etwa Sion, Sester, Gilden, Küppers, Peters und Kurfürsten (ehemals Bonn). Kleinere Hausbrauereien sind Päffgen und Malzmühle. Abgerundet wird das Bild mit den Marken Sünner, Heller, Bischoff und Stecken.
Die fünf größten Kölsch-Brauereien halten insgesamt einen Marktanteil von über 90 Prozent und brauen gut zwei Millionen Hektoliter Kölsch. Das sind immerhin eine Milliarde 0,2-Liter-Stangen pro Jahr.
Stimmungsvoll feierten sie in Müngersdorf die 0:3-Niederlage in Kaiserslautern und den soundsovielten Wiederaufstieg. Doch die Bierdusche für Christoph Daum war wohl des Guten zu viel
Von Carl Dietmar
Stimmungsvoll feierten sie in Müngersdorf die 0:3-Niederlage in Kaiserslautern und den soundsovielten Wiederaufstieg. Doch die Bierdusche für Christoph Daum war wohl des Guten zu viel: Als der gerade mit seinem Lieblingslied „Marmor, Stein und Eisen bricht“ kundtun wollte, dass er dem FC die Treue hält („nimm den goldenen Ring von mir“), entleerte ein vorwitziger Kicker sein XXL-Kölsch-Glas auf dem Haupt des Heilsbringers. Daum verließ ziemlich erbost das Stadion - um uns Fans wie zur Strafe einen zermürbenden Verhandlungsmarathon durchleiden zu lassen. Im Live-Ticker des „Express“ verfolgten wir am Mittwoch den „Tag der Entscheidung“: 10.15 Uhr - Daums Ehefrau Angelica bringt den Journalisten Kaffee und Hanuta, 15.05 - ein weißer Golf fährt vor, 17.45 - ein Mann wirft einen Pizza-Zettel in den Briefkasten, 18.03 - Angelica sammelt die Kaffeetassen wieder ein. Endlich dann, um 23.06 Uhr: Der Messias tritt vor das Geißbockheim und verkündet: Ich bleibe! Halleluja!
Im Daum-Durcheinander ging eine Meldung fast unter, in der es um andere Spitzenleistungen ging: Die beiden bedeutendsten weiblichen Intellektuellen kommen aus Köln - es sind, wer ahnte es nicht - Elke Heidenreich und Alice „Emma“ Schwarzer. Nach welchen Kriterien dieses Ranking vorgenommen wurde, kann uns letztlich piepegal sein. Über Schwarzer chauvihaft zu lästern, ist ja längst aus der Mode gekommen; neulich überreichte ihr gar der Ober-Macho Harald Schmidt den Ludwig-Börne-Preis (wofür auch immer). Von Heidenreich wissen wir, dass sie viele Bücher gelesen hat und oft die kölsche Muse Mariele Millowitsch trifft, um sich an einem Fläschchen Eierlikör zu laben. Uns Kölnern ist zudem unvergesslich, wie Heidenreich forderte, die marode Oper kurzerhand abzureißen. Ein Grund mehr zum Lobpreis der Stadt und ihrer klugen Frauen: Köln - Hauptstadt der Abrissbirnen und der Niederlagen-Bejubler, Hochburg des weiblichen Intellektualismus’. Hoch die Tassen!
Schwer durchschaubar
Mit geballter B-Prominenz sucht ein Kölner Sender am Wochenende das Städtchen Hückeswagen heim. Der malerische Ort im Bergischen hatte in einem schwer durchschaubaren, NRW-weiten Wettbewerb (Titel: „Der WDR schenkt sich einer Stadt“ oder so ähnlich) die Nase vorn. Nun müssen sich die Bewohner einen ganzen Tag lang von Breuckmann, Böttinger, Basta und Bap beschallen lassen - es werden sogar Autobahnen gesperrt. Welchen Rang Köln beim Run auf das WDR-Geschenk einnahm, ist nicht bekannt, unter die ersten zehn haben wir es unverständlicherweise nicht geschafft. Doch in diesem Fall sollten wir gelassen unter Beweis stellen, dass wir wirklich gönnen können: Bierdusche für Hückeswagen!
Die Anwohner drohen mit einer Klage gegen die Gastronomie-Genehmigung auf dem Grün. Der Neusser Landschafts- architekt Georg Penker besteht auf seinem Urheberrecht und befürchtet „einen Dammbruch“.
Von ANDREAS DAMM
Der Streit um die von der Stadtverwaltung genehmigte Außengastronomie im Rheingarten nimmt an Schärfe zu. Anwohner der Altstadt werfen der Behörde einen Rechtsbruch vor und drohen mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht. Der Neusser Landschaftsarchitekt Georg Penker, nach dessen Plänen der Rheingarten entstanden ist, besteht auf seinem Urheberrecht: „Der Rheingarten muss so bleiben, wie er ist“, forderte er im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Das Ordnungsamt hat der Dom-Brauerei als Pächterin des Stapelhauses gestattet, auf einem schmalen Grünstreifen zum Rhein hin ein Dutzend Tische aufzustellen. Die Fläche für den Freiluftbetrieb ist rund 25 Meter lang und zwei Meter breit. Die Tische sollen auf einem an das Gebäude angrenzenden Podest stehen, das der Pächter errichten will. Nach Auffassung des Rechtsdozenten Joachim Groth, langjähriges Mitglied der Bürgerinitiative Alter Markt / Heumarkt / Rheingarten, hätte das Ordnungsamt den Biergarten jedoch keinesfalls genehmigen dürfen. „Das ist glatter Rechtsbruch“, sagt er.
Die Verwaltung habe die Außengastronomie auf Grundlage eines seit Jahren überholten Bebauungsplans erteilt, beschwert sich Groth. Die Bestimmungen stammten aus der Zeit vor der Sanierung des Rheingarten. Der zustimmende Bescheid „auf Basis eines sachfremden Bebauungsplans ist rechtswidrig und nichtig - die Stadt muss ihre Genehmigung zurückziehen“.
Sollte das nicht geschehen, erwägen Anwohner eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Sie wollen ihre Beiträge zur Sanierung der Altstadt und zur Anlage des Rheingartens zurückfordern. Einige Hauseigentümer hätten mehr als 20 000 Euro gezahlt. Durch die Sanierung sei das Gelände planungsrechtlich eine Erholungszone geworden, „eine öffentlich zugängliche Freifläche“. Altstadtbewohner Groth sieht die „Gefahr einer vollständigen Kommerzialisierung und Privatisierung“. Möglicherweise hat die Stadtverwaltung gegen die eigenen Richtlinien für Außengastronomie im Rheingarten verstoßen, die erst im Februar 2007 erlassen worden sind. In diesen Bestimmungen dürfen auf der jetzt genehmigten Fläche für die Dom-Brauerei keine Tische und Stühle aufgestellt werden.
Die Stadt habe bei ihrer Entscheidung einen Ermessensspielraum, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Robert Kilp. Im Falle der Dom-Brauerei hätten alle vorgeschalteten Dienststellen den Antrag befürwortet; das Stadtplanungsamt, das Grünflächenamt, das Straßenamt, die Bauaufsicht, die Denkmalschutzbehörde sowie die Feuerwehr. Und auch „die Landschaftsarchitekten haben grünes Licht gegeben“, betont Kilp. Deren Einverständnis sei maßgeblich gewesen für die Bewilligung.
Diese Auskunft verwundert. Denn Penker selber will von einer Zustimmung nichts wissen. „Das geht nicht, was die vorhaben“, findet er und warnt vor „einem Dammbruch“, dem weitere Teile des Rheingartens zum Opfer fallen könnten. Der Wunsch nach mehr Außengastronomie „ist aus Sicht der Wirte zwar verständlich - aber es gibt auch ein übergeordnetes Interesse“.
Die Stadtverwaltung hat der Dom-Brauerei eine Genehmigung erteilt, die einige Politiker für fragwürdig halten. Ratsmitglieder kritisieren die Erweiterung der Freiluft-Gastronomie und den enormen "kommerziellen Druck", die begrenzten Flächen geschäftlich zu nutzen.
Von ANDREAS DAMM
Die Stadtverwaltung hat sich den Unmut von Ratspolitikern zugezogen, weil sie einem Restaurant-Inhaber erlaubt, im Rheingarten auf einem Podest ein Dutzend Tische aufzustellen. Eine Erweiterung der Außengastronomie sei an diesem Ort nicht erwünscht, hieß es in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung.
Was die Stadtverwaltung getan habe, sei „ausgesprochen unsensibel und ungeschickt“, kritisierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Barbara Moritz. CDU-Fraktionsvize Karl Jürgen Klipper schloss sich der Rüge ausdrücklich an. „Es tut ein bisschen weh.“ Der Rheingarten werde im Sommer „sehr, sehr stark genutzt“, sagte Moritz. Schon jetzt gebe es nicht allzu viel Platz. Nach der Genehmigung für die Dom-Brauerei, der Pächterin des Stapelhauses, sei zu befürchten, dass weitere Gastronomen ihre Biergärten vergrößern wollen. Es gebe enormen „kommerziellen Druck“, die Flächen im Rheingarten geschäftlich zu nutzen.
Die Grünen hatten eine Anfrage zu dem Thema gestellt. Baudezernent Bernd Streitberger sprach von einem „großen Missverständnis“. Die Genehmigung gelte nicht für die Rasenfläche zwischen Stapelhaus und Uferpromenade, sondern für den gepflasterten Weg entlang des Gebäudes; dieser befinde sich noch vor der Hochwasserschutzmauer. Die Genehmigung des zwei Meter breiten Podests sei abgestimmt mit der Denkmalpflege und dem Ordnungsamt. Er selber, räumte Streitberger ein, sei jedoch nicht informiert gewesen über den Vorgang.
Von SANDRA EBERT und KRISTIN SEIDEL
Sie versteckten sich vor den Bomber-Angriffen im Keller, spielten in den Trümmern: Nach der EXPRESS-Serie über die letzten Kriegstage in Köln meldeten sich viele Kölner, die die Zeit hautnah miterlebten.
Im EXPRESS berichten drei unserer Leser, wie sie als Kinder den Krieg in Köln er- und überlebten. Einer von ihnen ist Fritz Creischer, heute 73.
Sein Vater Wilhelm betrieb eine eigene Brauerei mit Gaststube am Barbarossaplatz, hatte eine Filiale in Aachen. Auch die spätere Dom-Brauerei gehörte zum Familienbesitz und wurde vom Großonkel betrieben.
Sogar während des Krieges wurde in der Brauerei Wilhelm Kreischer Kölsch gebraut, „für die Bonzen – das musste mein Vater machen!“ In den Bombennächten versteckten sich Familie, Freunde, Nachbarn im Brauereikeller.
Im Juni 1943 passierte es: „Wir wurden verschüttet – wir hatten 70 Personen im Keller, und zum Glück haben alle überlebt!“
Der 5. März 1945, der letzte Bombenangriff auf Köln, war das Ende für die Familienbrauerei: „Das Haus wurde schwer getroffen, wir mussten fliehen. Der ganze Lagerkeller war noch voll mit Bier – das haben dann die amerikanischen Soldaten geklaut. Tagelang lagen die betrunken auf dem Barbarossaplatz!“
Der kleine Fritz und seine Familie hatten Glück, schafften es noch so gerade raus aus Köln: „Hinter uns stürzte die Mülheimer Brücke zusammen.“
Die Kölner Privatbrauerei Gaffel wird jetzt doch nicht verkauft und bleibt im Familien- besitz. Die Angebote der Konkurrenz entsprachen nicht dem erwarteten Kaufpreis. Der interne Streit ist aber noch nicht gelöst.
Von WILLI FELDGEN
Köln - Die Privatbrauerei Gaffel bleibt in Familienbesitz. Darauf verständigten sich die Mehrheitsgesellschafter Heinrich Becker und sein Neffe Philipp Becker. Sie halten zusammen 62 Prozent. „Wir sind davon überzeugt, dass die Marke im Privatbesitz große Zukunftschancen hat“, sagt der Dritte im Bund, Heinrich Philipp Becker. Er führt zusammen mit seinem Vater Heinrich (61) die Brauerei als Geschäftsführender Gesellschafter in der vierten Generation, hält bislang aber lediglich 0,1 Prozent der Gaffel-Anteile.
Seit der im Juni 2007 erfolgten Ablösung des Gesellschafters Johannes Becker (58), Bruder von Heinrich Becker, als Geschäftsführer der Brauerei, wird in der Brauerei eine Lösung der Gesellschafterverhältnisse angestrebt. Dabei war die Prüfung eines möglichen Verkaufs eine Option. Interessierte Brauereien - dazu sollen etwa Krombacher, Bitburger und Radeberger gehört haben - hatten in den vergangenen Wochen Gelegenheit, für die zweitgrößte Kölsch-Marke Kaufangebote abzugeben. „Sie entsprachen aber nicht unseren hochgesteckten Vorstellungen“, sagt Heinrich Philipp Becker.
Unklarheit über die Zusammenarbeit
Unklar ist, wie es in dem erbitterten Streit zwischen den Geschwistern Heinrich und Johannes Becker weitergeht. Ein für den 9. Mai angesetzter Termin vor Gericht werde möglicherweise überflüssig, weil sich bis dahin beide Seiten noch einigen könnten, hieß es am Montag in der Brauerei. Streitpunkte sind Einsetzung und Absetzung von Familienmitgliedern in der Gaffel-Geschäftsführung und gegenseitige Vorwürfe angeblicher Verwendung von Firmenvermögen für private Zwecke.
Heinrich Becker will die Gaffel-Brauerei nur noch gut ein Jahr lang leiten. Als Nachfolger kommt wohl vor allem sein Sohn Heinrich Philipp in Frage. „Ich kann mir durchaus vorstellen, diesen Part zu übernehmen“, betont der. Dieser Zweig der Familie möchte Johannes Becker dessen Minderheitsanteile gerne abkaufen. „Es kann aber auch sein, dass die jetzige Konstellation weiter Bestand hat“, sagt Heinrich Philipp.
Gaffel hat nach eigenen Angaben in den ersten drei Monaten 2008 die Marktposition ausgebaut. Während der Kölschmarkt im 1. Quartal 2008 um 2,5 Prozent zurückging, habe Gaffel Kölsch seinen Absatz um 2,4 Prozent erhöhen können. Zudem sei Gaffel Anfang April Vorreiter bei einer in Handel und Gastronomie problemlos durchgesetzten Erhöhung der Bierpreise gewesen, sagt Heinrich Becker. Er gehe davon aus, dass die großen Wettbewerber Reissdorf und Früh diesem Schritt bald folgen werden.
VON WILLI FELDGEN
Großer Auflauf im neuen Gaffel am Dom: Zur offiziellen Eröffnung des Brauhauses am Dienstagabend waren rund 1000 Gäste geladen. Mittwoch ging es gleich weiter mit den „Gaffel-Festtagen“ am Dom.
Großer Auflauf im neuen Gaffel am Dom: Zur offiziellen Eröffnung des Brauhauses am Dienstagabend waren rund 1000 Gäste geladen. Bei der Rede zum Fassanstich sorgte Oberbürgermeister Fritz Schramma mit einem Appell an die beiden zerstrittenen Gaffel-Brüder Heinrich und Johannes Becker auch gleich für Aufsehen: „Setzt euch noch einmal zusammen. Es geht um eine starke Marke und um 140 Arbeitsplätze in dieser Stadt.“ Gemeint war damit der bevorste hende Verkauf der Brauerei, weil sich die Brüder nicht auf eine gemeinsame Führung des Unterneh mens einigen können. Obwohl sich die Beckers auch an diesem Abend nichts zu sagen hatten, war die Stimmung bei den Gästen durch weg positiv. Betriebsleiter Alexander Della Marina begrüßte unter anderem Zoodirektor Theo Pagel , Fernsehkoch Gerd Krebber, Ex- Schiri Walter Eschweiler und Fest komitee-Vize Joachim Wüst.
Am Mittwoch ging es gleich weiter mit den „Gaffel-Festtagen“ am Dom. Zur Präsentation der EM-Artikel wollte Gaffel-Produktmanager Thomas Deloy eigentlich Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) und Patrick Helmes (1. FC Köln) begrüßen. Eine pikante Situation, weil beide noch um den letzten Stürmerplatz im Aufgebot der Nationalelf kämpfen. Doch Helmes ließ sich entschuldigen. Stattdessen kam Lothar Matthäus. „Das hat nichts mit der Trainerdiskussion zu tun. Im Rahmen meiner Ausbildung an der Sporthochschule hospitiere ich beim FC“, so der Weltmeister von 1990, ehe er seine ganz persönlichen EM-Favoriten bekanntgab: „Deutschland und Frankreich sind im engsten Kreis, mein Geheimtipp ist aber Spanien.“ (bas)
Es herrscht reger Betrieb in der Brauerei Heller im Kwartier Lateng, die acht Mitarbeiter füllen eine Flasche nach der anderen. Aber nicht nur das geschieht in Handarbeit, sondern...
Es herrscht reger Betrieb in der Brauerei Heller im Kwartier Lateng, die acht Mitarbeiter füllen eine Flasche nach der anderen. Aber nicht nur das geschieht in Handarbeit, sondern auch der traditionelle Bügelverschluss wird noch von einem Mitarbeiter aufgesetzt. Nur die Etiketten klebt eine restaurierte Maschine aus den 60er Jahren auf.
Heller ist die kleinste innerstädtische Brauerei, erst seit 20 Jahren wird hier Kölsch gebraut. Über die Jahre kamen dann sogar ein eigenes Wiess und ein Weizen hinzu. Neben diesen drei Stammbieren gibt es im „Hellers“ aber auch immer wieder Sonderproduktionen wie momentan das „Maibock“. Für den Sommer ist sogar ein eigenes Pils geplant. „Einzigartig ist, dass bei uns alle Biere nur mit Zutaten aus ökologischem Anbau gebraut werden“, betonte Brauereichef Hubert Heller.
Wie das funktioniert, was der Unterschied zwischen ober- und untergärig gebrautem Bier ist, und warum das eine Bier bitterer als das andere ist, all das erklären der Brauereichef und seine Mitarbeiter beim ersten Tag der Offenen Tür am 26. April zwischen 14 und 18 Uhr. Für einen Euro pro Getränk können nach der Führung alle Produkte gekostet werden. Der Erlös wird der Herz-Jesu-Kindertagesstätte gespendet. Wer am Samstag keine Zeit hat, kann bei „Hellers“ auch eine private Führung für fünf Euro pro Person buchen. (das)
Es kann der Liebste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Bruder nicht gefällt.
Wer bei den „Gaffel“-Brüdern Heinrich und Johannes Becker allerdings der „Böse“ ist, weiß keiner so genau. Seit Jahren liegen die beiden im Zwist – warum, weiß auch keiner mehr so genau. Derzeit tobt der Kampf um die Familienbrauerei.
Ein erster Schritt Richtung Friedenstaube scheint jetzt gemacht: Für uns ließen sich die Bierbrüder erstmals wieder gemeinsam fotografieren – mit Fritz Schramma in der Mitte.
Der OB will schlichten, appellierte auch bei der offiziellen Eröffnung des „Gaffel am Dom“ wieder an den Familiensinn: „Wenn ich das nicht mache, wer dann? Die sollen sich mal bei einem Kölsch zusammensetzen.“
Dazu wären beide Brüder auch bereit. Heinrich Becker: „Also, an mir liegt das nicht.“ Und Johannes Becker: „Also, an mir liegt es auch nicht.“ Der erste Satz – so weit, so gut. Ab dem zweiten wird es dann wieder heikler.
Heinrich Becker: „Allerdings weiß ich nicht, wie ich mit ihm ein Kölsch trinken gehen soll. Er redet einfach zu viel.“ Johannes Becker: „Ich hab aber wieder Sachen gehört, die mein Bruder über mich erzählt hat.“ Allen Zweiflern zum Trotz soll es bis nächste Woche einen familieninternen Gaffel-Aussprachegipfel geben. Mutter Colonia würde es freuen…
Nichts hat ihn erschüttern können. Die weltweiten Proteste beim olympischen Fackellauf nicht. Die Mahnungen des IOC-Präsidenten Jacques Rogge auch nicht, China möge doch bitte die moralischen Verpflichtungen in der Menschenrechtsfrage einhalten. Peter Berger resümiert die Woche.
Von Peter Berger
Nichts hat ihn erschüttern können. Die weltweiten Proteste beim olympischen Fackellauf nicht. Die Mahnungen des IOC-Präsidenten Jacques Rogge auch nicht, China möge doch bitte die moralischen Verpflichtungen in der Menschenrechtsfrage einhalten. Und dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nicht zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele nach Peking kommen wird - Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao macht für all diese Proteste die „drei bösen Kräfte Separatismus, Terrorismus und Extremismus“ verantwortlich.
Bisher. Doch jetzt wird der Staatschef ins Grübeln kommen - auch wenn Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma im Gegensatz zum UN-Generalsekretär und der deutschen Bundeskanzlerin ihm und der Partnerstadt Peking bei der Eröffnungszeremonie im August keinen Korb geben und sich stattdessen brav auf die Tribüne setzen wird.
Dennoch: Hu Jintao mag es drehen und wenden, wie er will. Die Krise ist da - weil der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Kölner Stadtrat, Alfred Schultz, das Lavieren satt hat. Für den Fall, dass China seine Tibet-Politik nicht radikal ändert, droht Schultz mit der Absage des sonst bei Köln-Besuchen in Peking üblichen Kölsch-Abends. Nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann? Olympische Spiele ohne musikalische Abordnung aus Köln. Ohne Rabaue und Marita Köllner. Keine Karnevalsschlager im Pekinger Gaffel-Haus, keine FC-Hymne an der Großen Mauer. Insofern ist der Schultz-Vorschlag durchaus ein Beitrag zur Einhaltung der Menschenrechte. Irgendwie nur blöd, dass die Tibeter von einem Kölsch-Boykott so gar nichts haben.
Freiheit des Trinkens
Natürlich werden Kölns Bierbrauer sofort protestieren. Die Kölsch-Konvention dürfe nicht zu politischen Zwecken missbraucht werden, die Freiheit des Trinkens eines nach dem Reinheitsgebot hergestellten hellen, hochvergorenen, hopfenbetonten, blanken obergärigen Vollbieres sei unantastbar. Lieber Alfred Schultz! Wir sind uns ganz sicher. Hu Jintao wird einlenken. Und Sie werden vom Dalai Lama empfangen. Und Fritz Schramma kann endlich mal ganz entspannt ein Stadion besuchen. In Peking. In Köln hat er dabei ja immer Stress.
Die erste Neugier ist verflogen,die alten Stammgäste erobern die Deutzer Kneipe wieder
Von STEFAN VOLBERG
„Einmal“, erinnert sich Kajo Weyer (61), „haben wir eine Kegeltour gemacht. Angefangen haben wir bei Lommerzheim, dann sind wir irgendwo hingefahren ins Bergische Land zum Kegeln, und abends sind wir zum Schluss wieder zu Lommerzheim gekommen. Dann haben wir alle überlegt: Wo war’s am schönsten? Natürlich bei Lommi.“
Solche Geschichten können sie aus der Erinnerung alle erzählen, die einst Stammgast in der Siegesstraße waren. Kajos Kollege Hans Haehn (57) aus dem Sozialamt, Außenstelle Mülheim, weiß noch eine besondere Episode zu berichten. Da hat er Hans Lommerzheim zum Lachen gebracht - zum Lachen! „Der kriegte aus der Küche einen Streuselkuchen angereicht. Das stand nicht auf der Speisekarte; wahrscheinlich war der Kuchen von seiner Frau. Lommi fragte mich, was ich denn gern essen würde. Ich habe geantwortet: Dann möchte ich auch so einen.“ Der legendär verschlossene Wirt hat sich damals tatsächlich ein Lachen abgerungen.
Noch mal Kajo Weyer: Mit einem englischen Gast aus der Deutzer Jugendherberge ist er bei Lommi ins Gespräch gekommen. Wie alle Gäste in der Kneipe war auch der Engländer von der sympathischen Sorte; man war gleich auf derselben Wellenlänge, so dass der wildfremde junge Mann nach Hause nach Ensen, dann zu einem Ausflug nach Königswinter und auf den Drachenfels eingeladen wurde: „Einfach aus einer Lommi-Laune heraus.“ Einmal hat Kajo den Wirt auch gefragt: „Ist die Bratwurst denn auch frisch?“ Antwort: „Überlejen Se mal: am Sonntag!“
Genug der Erinnerungen: Jetzt ist man beim Nachfolger Frank Glitscher zu Gast. Die beiden sind zum ersten Mal seit der Neueröffnung hier. „Hier hat sich nit viel verändert“, bemerkt Haehn befriedigt. „Die Ketchupflaschen sind voll, die Glühlampen ausgetauscht, aber sonst. . .“ Ein Blick auf die Speisekarte: Munsterkäse und Romadur gab es früher nicht, warme Knoblauchwurst auch nicht, stellen die beiden Fachmänner fest, aber die Koteletts à 600 Gramm. Die kosten mit Röggelchen als Beilage recht bescheidene acht Euro.
„Lommi hat sich damals auch schon über den Preis positioniert beim Essen und beim Trinken. Das Gebäude“, stellt Karl Heinz Pflock nüchtern fest, „sah vergammelt aus, aber was auf den Tisch kam, war erste Sahne.“ Allerdings: Das Kölsch, weiß er, kostete Ende 2004 zur Zeit der Schließung 1,10 Euro („Lommerzheim hätte lieber glatt einen Euro genommen, der hasste Kleingeld“), heute kostet es 1,40 Euro.
Gar nicht angetan ist Pflock von den Röggelchen: „Denen ist ja nicht mal mit Aufwärmen zu helfen. Das sind Päffgen-Röggelchen, nicht wie bei Lommerzheim.“ Also enttäuscht? „Ach, das sind doch Kleinigkeiten. Das Päffgen-Kölsch ist das beste der Welt, und ich bin sauzufrieden. Wichtig ist, dass es Kneipen gibt, die eine Identität haben.“
Kurt Richenzhagen (40) hat sich zur Kundenbetreuung in der Kneipe verabredet. Wie, ohne Krawatte? „Das ist nicht so förmlich“, lacht er. Also hat er sich nicht so arg überwinden müssen für den Termin bei Lommi? „Es gibt Schlimmeres.“ Wohl wahr.
Wie Wolfgang Hucklenbruch sind viele Gäste geduldig, wenn s um das Warten auf den Einlass um 16.30 Uhr geht. Um halb fünf schwillt dann die Menge auf 30 Leute an, zehn Minuten später sind es 80, die sich zwangsläufig auch auf das neue Kellergewölbe verteilen müssen. Wie etwa bei den Arbeitskollegen Andreas Funken und Karl-Heinz Oster. „Nett sind die Jungs, die hier kellnern und servieren“, sind sie sich einig. „Die sind nicht so zickig wie in einigen Brauhäusern.“ Funken lobt: „Optimal!“ Bei Lommerzheim ist also die Normalität wieder eingekehrt. Andere werden sagen: der normale Wahnsinn.
Gedränge in der Deutzer Siegesstraße: Um Punkt 11 am Donnerstag öffnete „Lommis“ Witwe Annemie die frisch restaurierte Traditions-Gaststätte. 60 Ungeduldige hatten auf dem Trottoir von „zehn bis null“ heruntergezählt.
Gedränge in der Deutzer Siegesstraße. 60 Ungeduldige auf dem Trottoir zählen laut von „zehn bis null“. Punkt 11 Uhr öffnet Annemie Lommerzheim , Witwe des legendären Hans, die Kneipentür der frisch restaurierten „Gaststätte Lommerzheim“. Das Volk strömt in das kleine Lokal - vorneweg alte Stammgäste, die eine Figur des Bier-Erfinders Gambrinus hineintragen. Frank Glitscher , der neue Wirt der alten Kultkneipe, zapft und zapft - tatkräftig unterstützt von seinen Köbessen, die den Gerstensaft servieren. Und die unfassbar dicken Koteletts, die Miriana Miladovic in der ultramodernen Küche auf mehreren Gasflammen gleichzeitig brät. Acht Jahre lang hat sie schon „beim Lommi“ gebrutzelt. Brauerei-Inhaber Rudolf Päffgen , der das erste Pittermännchen auf dem Fahrrad mitgebracht hat, freut sich über den Andrang: „Wollen mal hoffen, dass der Laden läuft“, schmunzelt er. „Nein, ist das schön. Als ob die Zeit stehen geblieben wär“, entfährt es Georg Arnold (72), der 30 Jahre lang beim „Lommi“ eingekehrt ist. Annemie Lommerzheim hat derweil „ihren“ alten Holzbock fürs Fass entdeckt und erklärt die „DAB“-Reklame über der Eingangstür: „Meine Schwiegermutter Gertrud Lommerzheim hat hier, bevor der Hans kam, das Dortmunder Aktien-Bier ausgeschenkt.“ (jb)
Die legendäre Kneipe Lommerzheim in Deutz macht wieder auf. Am Donnerstag geht’s los. Mit Päffgen-Kölsch, faustdicken Koteletts - und das alles im alten Ambiente. Die Fans freuen sich.
Von BASTIAN EBEL
Der Wasserfleck an der Decke ist noch vorhanden, das Hirschgeweih an der Wand grüßt die Gäste beim Hereinkommen und der Holzboden knarzt immer noch wunderbar nostalgisch: Am Donnerstag um elf Uhr ist es so weit - dann wird in der Kult-Gaststätte Lommerzheim das erste Kölsch seit mehr als drei Jahren fließen. „Es sind nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen“, sagt der neue Chef-Köbes Frank Glitscher (44) beim Probelauf am Dienstag. „Das neue Kassensystem ist erprobt. Jetzt können wir anfangen.“ Neues Kassensystem? Bei Lommi hat es außer Deckel und Bleistift keins gegeben. Einladungen zur Neueröffnung hat Glitscher übrigens nicht verschickt. „Der Name ist Werbung genug.“
Als der mittlerweile verstorbene Wirt Hans Lommerzheim nach mehr als 50 Jahren am 28. Dezember 2004 die Türe zum letzten Mal hinter sich zumachte, fiel die Stammkundschaft in tiefe Trauer. Lommi war längst zur Kultfigur geworden. Ein Geheimnis seines Erfolgs: die faustdicken und dennoch herrlich krossen Koteletts „frisch us d’r Pann“. An deren Qualität muss sich der neue Chefkoch Georg Hermes messen lassen. „Wir braten mit drei Sorten Fett und ausschließlich in der Pfanne“, sagt er. Das erste Geschmacksurteil nach dem Probe-Kotelett: alles wie immer.
Für die Kneipe stimmt das nicht so ganz. Im Gewölbekeller, den vorher kein Mensch kannte, finden jetzt 60 Gäste Platz. Das wird die Schlangen vor der Türe hoffentlich ein wenig verkürzen. Auf alten Cola-Kisten, gepolstert mit ausgefransten Telefonbüchern, wird künftig keiner mehr sitzen müssen - oder dürfen. Ansonsten hat Rudolf Päffgen das rustikale Ambiente nicht verändert. Kaum zu glauben, dass der Umbau eine hohe sechsstellige Summe verschlungen hat. Eine Investition, die sich mit Sicherheit auszahlen wird. Schließlich hängt Lommis Wahlspruch immer noch über dem Tresen: „Ein Volk, das seine Wirte nicht ernähren kann, hat es nicht verdient, sich eine Nation zu nennen.“
Einen ersten Eindruck von der „neuen“ Kneipe verschaffte sich auch Lommi-Witwe Annemie . „Ich freue mich über die Neueröffnung“, sagt sie etwas wehmütig. „Man muss auch zurücktreten können. Aber wenn ich mich so umschaue, dann kommen Erinnerungen doch hoch.“ Als Geschenk brachte sie Frank Glitscher ein Bild aus dem Jahr 1956 mit, das Hans Lommerzheim mit seinen Kollegen aus dem Päffgen-Stammhaus in der Friesenstraße zeigt. „Ich weiß noch nicht, ob ich regelmäßig komme. Das muss sich zeigen.“ Ihr Stammplatz ist auf jeden Fall reserviert: Direkt rechts neben der Theke an der Heizung ist ein Schild mit ihrem Namen angebracht.
Die Auferstehung einer Kult-Kneipe
Von PHILIPP MECKERT
Der Mensch ist erst tot, wenn niemand mehr an ihn denkt, sagte Bertolt Brecht. Insofern wird Hans Lommerzheim, der legendäre Päffgen-Wirt aus Deutz wohl ewig leben.
In den Herzen der Kölner, in den Erinnerungen seiner Gäste. Auch am Dienstag, bei der inoffiziellen Wiedereröffnung des Kult-Lokals, war er da – der Geist von Lommi…
Von vergilbten und abblätternden Wänden schaut das Kölner Original aus Ölgemälden und alten Schwarz-Weiß-Fotos auf den Schankraum herab oder wird in Gedichten von seinem Stammtisch verewigt: „Der Lommi kommt, der Tag, der geht. Kommt alle rein, dass ihr es seht…“
Wenn man dann an den uralten Tischen Platz nimmt und seinen Blick schweifen lässt über die dunklen Holzvertäfelungen und die Hirschgeweihe hin zum Tresen, dann ist er vielen wieder vor Augen: Lommi, wie er stumm durch das rappelvolle Lokal schreitet, Päffgen ausschänkt, verschwindet, mit dicken Koteletts aus der Küche kommt, am Tresen steht und zapft.
„So, das Kölsch läuft wieder in der Siegesstraße“, ruft Frank Glitscher, der neue Wirt und Nachfolger – und durchschneidet die andächtige Stille. Für Glitscher, der nach dem Abitur fünf Jahre in der Malzmühle und 18 Jahre im Päffgen arbeitete, ist seine Berufung „eine sehr große Ehre, in die Fußstapfen dieses großen Vorgängers zu treten. Ich bin mir der Bürde bewusst, die auf mir lastet.“
Der Unterschied zwischen beiden: „Viele sagen, ich rede an einem Abend mehr als Lommi in einem Monat. Dabei war er nie wirklich stumm. Er war nur stets sehr konzentriert.“
Inhaber Rudolf Päffgen investierte schätzungsweise mehr als eine halbe Million Euro in den Umbau samt Gewölbekeller, der modernsten Bauvorschriften entspricht, innen jedoch anmutet, als wäre die Zeit stehen geblieben. Nach drei Jahren und drei Monaten geht es nun wieder los: Ab Donnerstag um elf Uhr ist geöffnet.
Nach drei Jahren öffnet das Lommerzheim in Köln-Deutz wieder seine Kneipentüren. Als neuer Wirt tritt der Päffgen-Wirt Frank Glischer in die Fußstapfen des legendären Kneipiers Hans Lommerzheim.
Von STEFAN VOLBERG
Es ist alles genau so wie früher. Bei Lommerzheim hat sich so gut wie nichts verändert. Sogar die Telefonnummer ist geblieben - aber wer braucht die schon: Zu Lommi geht man einfach hin, genießt das Päffgen-Kölsch, das herzhafte Essen und das einzigartige Drumherum. Denn das kann man ab Donnerstag wieder. Die beliebte Kneipe in der Siegesstraße 18 in Deutz macht morgen wieder auf. „Es ist sehr schön“, lobte gestern Annemie Lommerzheim bei der Vorbesichtigung.
Genau genommen hat sich doch das eine oder andere getan, seit Hans und Annemie Lommerzheim ihre Gaststätte an Silvester 2004 endgültig geschlossen haben (der Wirt starb im Juni 2005). Nachfolger ist Frank Glitscher (44), wie einst Lommi Köbes im Päffgen-Stammhaus. Neu ist die moderne Kasse, die Edelstahltheke (alt die Zapfanlage), die vorgeschriebene Fluchtwegkennzeichnung über den Türen, alle Leitungen (um nicht die alte Tapete öffnen zu müssen, wurde die Elektroinstallation vom Hausflur aus erneuert, wie Brauereichef Rudolf Päffgen erzählt).
Komplett neu ist zudem die vergrößerte Küche, der Gewölbekeller mit Platz für 68 Personen, zu dem Architekt Jan Op Gen Oorth im Hof eine sehr bequeme Treppe als Zugang anlegen ließ. Die Toiletten wurden modernisiert, das neue Bierkühlhaus mit Platz für 80 Fässer à 30 Liter (Op Gen Oorth: „Das reicht für ein langes Wochenende“) dient mit einer Wand als Schallschutz für die Anwohner, denn an der Siegesstraße entsteht ein Biergarten mit 60 Plätzen. Dessen Eröffnung ist für Mai geplant.
Geblieben ist die Speisekarte mit dem Klassiker, dem Riesenkotelett, das künftig je nach Beilage 9 bis 11,50 Euro kosten soll, wiedergekommen ist Mirjana Milardovic, die mit Küchenchef Georg Hermes in der Küche tätig ist. Die Öffnungszeiten sind wie immer: 11 bis 14 und 16.30 bis 24 Uhr, Dienstag ist Ruhetag.
Im Keller darf nicht geraucht werden, wohl aber im ebenerdigen Gastraum. Dort ist die Optik geblieben wie gehabt. Es kam sogar, wie Päffgen erzählt, eigens ein Spezialist aus Bamberg, um den großen Wasserfleck an der Decke zu restaurieren. Warum hat es bis zur Eröffnung so lange gedauert? „Vieles“, erzählt Hausherr Päffgen, „war Handarbeit. Einfacher wäre ein Abriss gewesen. Wir haben zum Beispiel jede Fuge tief auskratzen und erneuern lassen: Das Haus hat nur noch aus Gewohnheit gehalten.“ So krachte etwa die Treppe ein, als der Elektriker auf den ersten Stock klettern wollte.
Eine Sache liegt Päffgen noch am Herzen. Am Donnerstag wird er den Gambrinus vom Stammhaus in der Friesenstraße wieder nach Deutz an seinen angestammten Platz an der Theke zurückbringen. Anderes wie etwa die beiden Eishockeyschläger, das FC-Trikot oder etliche Lommi-Sprüche an der Wand hatten Fans an sich genommen. „Es wäre schön, wenn diese Devotionalien wieder zurückkehren würden“, sagt Päffgen.
Nicht weniger als ein Kölner Wahrzeichen soll das neue Brauhaus „Gaffel am Dom" werden, verspricht Geschäftsführer Wilfried Schwab, immerhin ist es nach der Früh-Brauerei das größte Kölns und hat den größten Schankraum. 500 Personen haben auf 750 Quadratmetern Platz. In heller und freundlicher Atmosphäre, für die vor allem die bunte Glasdecke sorgt, können täglich bis zu 1600 Personen verköstigt werden. „Dabei steht nicht nur Kölsch auf unserer Karte", erklärt Betriebsleiter Alexander Della Marina. „Wir legen auch viel Wert darauf, gute Weine und Champagner anzubieten." Den Halven Hahn gibt es selbstverständlich auch,
wobei das Brot vor Ort gebacken wird und der Gouda im Brauereikeller reift. „Die zweijährige Bauzeit hat sich gelohnt", freut sich Mitbetreiber Bernd Tschirschnitz. „Wir haben hier direkt am Hauptbahnhof ein modernes Brauhaus, das sich auf alte Werte der Kölner Gastronomie besinnt."
„Gaffel am Dom“ eröffnet im früheren „Alt-Köln“ Innen und außen insgesamt 1450 Plätze
Zuerst in den Dom oder sofort ein Kölsch? Vor dieser Frage dürften nicht wenige Köln-Besucher stehen, wenn sie künftig den Hauptbahnhof verlassen. Denn: In den nächsten Tagen eröffnet das „Gaffel am Dom“ mit einem zweiten Eingang am Bahnhofsvorplatz - und 300 Plätzen für eine attraktive Außengastronomie.
Zwei Jahre hat der Umbau des ehemaligen „Alt-Köln“ in der Trankgasse gedauert. Voraussichtlich in der nächsten Woche dürfen die Gäste endlich kommen. Sobald die Stadt grünes Licht gibt, fließt der Gerstensaft in durstige Kehlen.
Mit holzvertäfelten Wänden, Holzboden und blanken Tischen, zwei langen Theken sowie einem 700 Quadratmeter großen Schankraum, den ein 27 Meter langes, farbiges Glasdach mit Tageslicht versorgt, präsentiert sich das Lokal im traditionellen Brauhaus-Stil. 1150 Gäste finden allein innen Platz, 900 davon im großen Schankraum. Hinzu kommt im Erdgeschoss ein weiterer Raum für 150 Gäste, ein zweiter im Obergeschoss mit zusätzlichen 100 Plätzen. Das Gaffel-Kölsch (0,2 l) wird für 1,45 Euro ausgeschenkt, wer möchte, kann gleich ein Fünf-Liter-Holzfässchen zum Selberzapfen bestellen. Und: Als Souvenir oder für den Genuss zu Hause können die Gäste einen Zwei-Liter-Siphon zum Mitnehmen erwerben.
Auf der Speisekarte stehen die typischen Brauhaus-Gerichte, vom Halven Hahn über das 400 Gramm Kutscher-Kotelette bis zu den Rievkooche. 150 Mitarbeiter, darunter 80 fest angestellte, werden im „Gaffel am Dom“ beschäftigt, das die Gaffel-Brauerei gemeinsam mit dem Gastronomie-Getränkegroßhändler Lütticke & Tschirschnitz betreibt. Als Betriebsleiter zeichnet Alexander Della Marina verantwortlich, früher Manager im Stadion-Restaurant „12. Mann“. Von Sonntag bis Donnerstag ist das Brauhaus von 11 bis 23 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag von 11 bis 2 Uhr; warme Küche bis 23 Uhr. (KE)
Päffgen-Köbes Frank Glitscher macht die Deutzer Kult-Kneipe wieder auf. Noch ein paar Handwerksarbeiten, dann fließt in der Siegesstraße wieder das Kölsch.
Von JÖRK BÖHNK
Eine Deutzer Legende macht wieder auf - in Kürze, wenn der neue Holzboden rechtzeitig fertig wird. Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit beim „Lommi“ in der Siegesstraße das letzte Päffgen gezapft wurde. Am 28. Dezember 2004 schloss Hans Lommerzheim , der dort 50 Jahre hinter dem Tresen gestanden hatte, zum letzten Male die Pforte. Der knorrige Wirt starb wenig später - im Juli 2005, im Alter von 74 Jahren. Der neue „Lommi“ heißt Frank Glitscher, ist 44 Jahre, Vater zweier Söhne (8 und 10) und seit 18 Jahren Köbes im Brauhaus „Päffgen“ an der Friesenstraße.
„Ne echte Müllemer Jung“, der heute in Sülz wohnt.
Glitscher, „ne staatse Käl“ mit knapp zwei Metern Körpergröße, will „Lommi“ nicht kopieren. Nichtsdestotrotz wird vieles in der neuen Kneipe, die es bis in japanische Reiseführer geschafft hat, so sein wie es früher war. Der achtarmige Deckenleuchter, die Hirschgeweihe an der holzgetäfelten Wand, die Backsteintheke. Nur die Mini-Küche, in der „Lommi“ seine faustdicken Koteletts brutzeln ließ, ist jetzt doppelt so groß und technisch auf dem neuesten Stand. „Wir werden außerdem täglich einen frisch zubereiteten Eintopf anbieten. Dazu Würste aller Art. Brat-, Knoblauch-, Blut- und Leberwurst vom »Schlömer« in Rodenkirchen. Gute deutsche Hausmannskost eben“, sagt Glitscher.
Das alles wird der neue „Lommi“ auf keinen Fall alleine stemmen können. Deshalb werden zehn Leute in der Küche und im Service für ihn arbeiten. Einen Ruhetag wird es nicht geben - Hans Lommerzheim hatte dienstags immer dicht. Und noch eine gute Nachricht. Beim „Lommi“ gibt es künftig doppelt so viel Platz. „Unter der Kneipe gibt es einen alten Gewölbekeller. Den haben wir hergerichtet und dort ist jetzt Platz für 60 Gäste.“
Glitscher weiß, welches Erbe er antritt. Er erinnert sich selbst gern an die Zeiten, als er noch Gast bei „Lommi“ war. „Der hat mich gefragt: »Un, wat mät et Stammhus en d’r Friesenstroß?«“ An ein Lommi-Anekdötchen erinnert sich Glitscher besonders gern: „Ein fein gekleideter Düsseldorfer verlangte energisch nach einem Kölsch. Daraufhin ließ sich der »Lommi« extra viel Zeit. Und entgegnete dann trocken: »He ticken de Uhren anders«.“
Beim Blick durchs Kneipen-Fenster erlebt man ein Deja vu. Der neue „Lommi" ist fast der alte „Lommi" (Geplante Eröffnung im April). BILD schaute schon rein.
Die gemauerte Backstein-Theke, dunkle Holzvertäfelung, kitschige Hirschgeweihe und Lampen an der Wand, die Küchentür mit Durchreiche, der Holz-Fußboden - alles wie früher. Selbst die Eingangstür mit Fensterfront, der Schriftzug „Gaststätte" und die Reklame „Dortmunder Aktienbier" hängt noch draußen.
Lediglich die Lampen überm Tresen wurden erneuert. Bald werden Tische und Stühle wieder aufgestellt. In Kölns Kultkneipe ist die Zeit stehen geblieben. Wie es Brauerei-Chef Rudolf Päffgen 2006 versprochen hatte: „Ich will das urige Flair erhalten. Alles soll an Lommi erinnern. Es ist eine Ehreerbietung an die Familie.“
Hinger dr Britz hat sich allerdings alles verändert.
Neue Elektro und Wasserleitungen. Die Toiletten und die Küche wurden komplett saniert, Außenfassade restauriert. Ein Ring- und Zuganker stabilisiert das Gebäude. Das angrenzende Flachdachhaus wich einem Biergarten. Einfach himmlisch - Lommi open air.
In Kürze weed in Düx och Widder jezapp. Dann jitt et Päffgen-Kölsch vum Fass un janz janz decke Koteletts uss dr Pann. Bernd Götting vom Ordnungsamt: „Das Bauaufsichts nimmt in den nächsten Tagen die Schlussabnahme vor. Dann können wir in kürzester Zeit die gaststättenrechtliche Erlaubnis erteilen. Dann steht der Eröffnung nichts mehr im Wege." Un do drupp freut sich janz Kölle...
Absatz 2007 fast auf Vorjahresniveau
Die Kölner Gaffel Brauerei hat im vergangenen Monat mit über 55 000 Hektolitern einen Rekordabsatz erzielt. Auch mit 2007 zeigte sich die Privatbrauerei „sehr zufrieden“. Während der Gesamtmarkt für Kölsch um sieben Prozent auf rund 2,5 Millionen Hektoliter schrumpfte, betrug das Minus bei Gaffel 4,1 Prozent, teilte das Unternehmen gestern mit. Gaffel verkaufte 360 000 Hektoliter Kölsch. Mit alkoholfreiem und alkoholreduziertem Kölsch sowie Lager habe der Absatz bei insgesamt knapp 500 000 Hektoliter und damit leicht unter Vorjahr gelegen. „Trotz des schlechten Sommers und fehlender Impulse der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben wir uns im vergangenen Jahr bestens behauptet“, sagte Heinrich Philipp Gaffel, Geschäftsführender Gesellschafter der Privatbrauerei. Mit einem Marktanteil in der rheinischen Gastronomie von 26 Prozent sieht sich Gaffel als Marktführer. Der Anteil im Handel stieg im vergangenen Jahr um 0,5 Punkte auf 18 Prozent.
In Deutschland ging der Bierabsatz 2007 laut Statistischem Bundesamtes um 2,7 Prozent auf 103,9 Millionen Hektoliter zurück. Der Absatz von Biermischgetränken legte um 18,1 Prozent auf 4,2 Millionen Hektoliter zu. Sie sind inzwischen mit vier Prozent am Bierabsatz beteiligt. (raz)
Köln/Düsseldorf - Die Kölner werden lachen, für die Düsseldorfer ist es eine Horror-Nachricht: Ihr Altbier sei in Wahrheit nichts anderes, als dunkel eingefärbtes Kölsch! Das behauptet jedenfalls das Münchner Branchen-Magazin „Inside" über die Marke Schlösser Alt Und sorgt damit für mächtig Wirbel bei den Brauern.
Der Hintergrund der Bier-Posse: Schlösser gehört zur Radeberger-Gruppe. Deren Tochter „Kölner Verbund" braut in Köln unter anderem die Marken Sion, Gilden, Küppers und Peters.
Die, so will „Inside" herausgefunden haben, stammen alle nur noch aus einem einzigen Kölschsud, werden mit so genanntem „Farbebier" entsprechend getönt.
Aber dann der Schock für die Düsseldorfer: „Schlösser Alt wird ebenfalls in Köln hergestellt, aus demselben Einheitskölschsud. Der wird dunkler gefärbt, dann in Tanklastern zur Abfüllung nach Dortmund gebracht." Und das würde dann als „Altbier" nach Düsseldorf transportiert und dort an der längsten Theke der Welt so getrunken. Bei Schlösser ist man empört. Chef Peter Kapfer: „Die Behauptung, Schlösser Alt werde in Köln hergestellt, entbehrt jeglicher Grundlage und ist falsch. Die Darstellung weisen wir entschieden zurück. Hergestellt werden wir in Dortmund. Von Schlösser-Braumeistern nach der Originalrezeptur von 1873."
Die beiden obergärigen Biere Alt und Kölsch haben das gleiche Brauverfahren. Aber im Gegensatz zu Köln ist es in Düsseldorf Brauch, Alt über geröstete Braugerste herzustellen. Das verleiht dem Altbier seine dunkle Farbe und gilt als Qualitätsmerkmal.
Die Farbe kann man aber auch durch die Beimischung von „Farbebier" bekommen. Ein durch spezielles Kochverfahren stark konzentriertes Bierextrakt. Es entspricht dem Reinheitsgebot, aber nur bedingt dem Qualitätsanspruch. Es soll geschmacksneutral sein.
Der Kölsch-Schock in der Altbier-Stadt - er wird an den Theken sicher noch lange für Gesprächsstoff sorgen. Prost!
Die Düsseldorfer sind entsetzt: Seit Jahren trinken sie Ihr Alt von Schlösser. Jetzt behauptet ein Branchenblatt: Das Alt an der längsten Theke der Welt ist eigentlich ein Kölsch.
Sie sehen aus wie Bomben, dabei löschen sie nur den Durst: Jetzt flogen ein Dutzend 10 000-Liter-Tanks für das neue Mega-Brauhaus „Gaffel am Dom" ein, Mitte Februar soll das ehemalige „Alt Köln" an der Trankgasse eröffnen, Gaffel setzt sich damit nach fast zweijährigem Umbau ein Denkmal im Herzen Kölns: 30 Jahre Mietvertrag, 3000 Quadratmeter groß, ein Millionen-Investment mit Platz für mehr als 1000 Gäste. 160 Leute, darunter 40 Köbesse, haben schon ihre Arbeitsverträge. Demnächst kommen 12 000 Gläser, 15 000 Geschirrteile, 30 000 Bestecke.
Überproduktion, schlechte Ernten und Preise unter den Produktionskosten - vielen Jahre lang haben die deutschen Hopfenpflanzer über ihre missliche Lage geklagt. Die Brauindustrie konnte die Preise diktieren, schließlich ist sie mit großem Abstand der wichtigste Abnehmer des „grünen Goldes". Doch jetzt dreht sich der Spieß um: Die Bestände gehen zur Neige.
Von Friederike Redwitz
DÜSSELDORF. Plötzlich schwebt das Damoklesschwert leerer Hopfenlager über den Brauereien. Sollten sie ihre Bestände nicht auffüllen können, könnte es schon bald Engpässe bei der Bierproduktion geben.
Ein Grund dafür ist die Stilliegung von Anbauflächen. In den vergangenen 10 Jahren sei die weltweite Anbaufläche um rund ein Drittel auf knapp 50 000 Hektar zurückgegangen, sagt Stephan Barth, Geschäftsführender Gesellschafter von Hopfenhändler Job. Barth & Sohn. Deutschland steuert zwar noch immer rund ein Drittel zur weltweiten Hopfenproduktion bei und gehört damit zu den wichtigsten Anbaugebieten überhaupt. Doch auch hierzulande verringerten die Pflanzer ihre Anbauflächen um mehr als 20 Prozent auf 17200 Hektar. Insgesamt schätzt Barth das Umsatzvolumen des weltweiten Hopfenmarktes auf 600 bis 700 Mill. Euro.
Parallel zur Verknappung der Hopfenanbauflächen stieg die Bierproduktion an - denn auch wenn die Deutschen laut Statistik die Lust am Bier verlieren, finden vor allem die Asiaten immer mehr Gefallen daran. Allein von 2003 bis 2006 stieg die weltweite Bierproduktion einer Erhebung von Händler Barth zufolge um rund 15 Prozent auf knapp 1,7 Mrd. Hektoliter.
Schlechte Ernten verschärften die Situation zusätzlich. „Hopfen ist inzwischen ein rares Gut", sagte ein Sprecher des Deutsche Brauer-Bundes. Schuld an der Misere ist seiner Meinung nach die EU, die die Rodung von Hopfengärten im Kampf gegen die Lebensmittelüberproduktion durch Subventionen unterstützte. „Das verzerrt den Markt und sorgt für eine Verknappung wichtiger Rohstoffe." Immerhin: Seit 2005 bekommen die Pflanzer für gerodete Flächen keine EU-Gelder mehr, sagt Josef Grauvogl, Geschäftsführer des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbands.
Die Folgen der Rodung oder Stilllegung von zahlreichen Hopfengärten werden jedoch erst jetzt so richtig spürbar: Momentan schaffen es die Brauereien nicht, ihren Bedarf an Hopfen aus der aktuellen Ernte zu decken und müssen auf Lagerbestände zurückgreifen. „Bislang haben die deutschen Brauereien noch genügend Hopfen für ihr Bier, aber die Konkurrenz durch Einkäufer aus dem Ausland wächst", sagt ein Sprecher des Brauer-Bundes. Hopfenhändler Barth spricht bereits von einer „strukturellen Unterversorgung" auf dem Hopfenmarkt.
Die Lösung heißt „Vorvertrag". In der Branche ist es üblich, den Ertrag schon vor der Ernte zu verkaufen. Auf diese Weise gewinnt der Landwirt die nötige Zukunftssicherheit, um größere Investitionen zu wagen und etwa die Anbaufläche zu erweitern. „In den letzten Jahren waren die Hopfenpreise jedoch so niedrig, dass viele Brauereien keine Notwendigkeit für Vorverträge gesehen haben und stattdessen auf die günstigen Konditionen auf dem Freihopfenmarkt gehofft haben", sagt Händler Barth. Jetzt müssen sie dafür bezahlen: Aufgrund des knappen Angebots sind die Preise für Freihopfen, also Hopfen, der nicht bereits durch Vorverträge verkauft wurde, je nach Sorte schon um bis zu 400 Prozent gestiegen.
Das Ergebnis: „Die Brauereien schließen Vorverträge in einem bisher nicht bekannten Ausmaß ab", berichtet Stephan Barth. Momentan wird bereits über die Ernte 2014 verhandelt, damit die Bierliebhaber nicht in ein paar Jahren auf dem Trockenen sitzen.
Eine Brauerei und das Festkomitee starten eine Kampagne gegen Alkoholmissbrauch. Das Plakat vermittelt keine Nüchternheitsbotschaft, setzt aber ein Zeichen gegen Alkoholexzesse.
Von BASTIAN EBEL
Ist es scheinheilig, wenn eine Brauerei zum maßvollen Genuss von Alkohol aufruft? „Nein“, sagt Thomas Deloy, Produktmanager bei der Privatbrauerei Gaffel. „Wir sind ein Familienunternehmen mit 140 Mitarbeitern und uns dadurch der Verantwortung bewusst.“ Gemeinsam mit Festkomitee-Präsident Markus Ritterbach stellte Deloy gestern die Kampagne „Maßvoll, statt Maß voll. Kölsch bewusst genießen“ im Karnevalsmuseum vor. Ab sofort ist auf rund 2500 Plakaten an Bussen und Häuserwänden ein Clown zu sehen, der zwar schon ein paar Bier getrunken hat, jetzt aber kein weiteres mehr in die Hand nimmt.
„Kölsch trinken passt in das aktuelle Motto: Kölsch ist Kultur, aber wenn man sich damit zuschüttet, hat das nichts mehr mit Kultur zu tun“, meint Markus Ritterbach. Zu der ungewöhnlichen Partnerschaft mit der Brauerei sei es auf Initiative von Gaffel gekommen. „Ich finde es gut, sich gegen den Alkoholmissbrauch zu positionieren. Scheinheilig wäre es, wenn man im Karneval keinen Alkohol mehr trinken dürfte. Das ist an der Realität vorbeigedacht“, so Ritterbach weiter. Das Festkomitee habe das Kooperationsangebot eines Schnapsherstellers ausgeschlagen. „Das passt nicht zu uns. Beim Kölsch ist das eine andere Sache, weil es zum Karneval dazugehört“, findet Ritterbach. Brauereimanager Thomas Deloy betont: „Unser Geschäft machen wir mit solcher Werbung keineswegs kaputt. Wir verstehen uns als Premiummarke und haben mit Koma-Saufen und ähnlichen Exzessen nichts zu schaffen.“
Den Spagat in der Brauereiwerbung sieht Anne Kreft, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention bei der Drogenhilfe Köln, eher gelassen. „Es geht bei der Kampagne ja auch um Brauchtum. Wenn das Alkoholtrinken zu einem regionalen Ritual gehört, ist das auch in Ordnung.“ Grundsätzlich sei jede Aufforderung zu maßvollem Genuss positiv. „Dass sich die Brauerei an der Kampagne beteiligt, könnte ein Geschmäckle haben. Aber der Fokus liegt auf dem Brauchtum, so dass ich mir da keine Sorgen mache.“
Wie Karneval auch ohne Alkohol Spaß macht, zeigt in dieser Session bereits zum neunten Mal die „Jeck Dance“-Party, die an Weiberfastnacht auf dem Neumarkt gefeiert wird. Dort können Jugendliche sich von 13 bis 21 Uhr amüsieren - ohne Alkohol. Die Fete ist Teil der Aktion „Keine Kurzen für Kurze“, die Festkomitee, Stadt, Paritätischer Wohlfahrtsverband und weitere Träger ausrichten und finanzieren.
Markus Ritterbach steht der Zeltveranstaltung allerdings nicht unkritisch gegenüber: „Wir müssen prüfen, ob wir überhaupt die Zielgruppe erreichen. Man kann keinem 16-Jährigen verbieten, ein Kölsch zu trinken. Außerdem ist es meistens so, dass die 18- bis 22-Jährigen auffällig werden. Und diese Gruppe erreichen wir bei »Jeck Dance« nicht.“
Ganz offen spricht der Festkomiteepräsident die Kosten an: „Wir investieren viel in die Veranstaltung. Wenn aber der Ertrag zu gering ist, muss man über das Konzept diskutieren.“ Diesmal solle die alkoholfreie Party noch wie gewohnt stattfinden, aber im Sommer werde man über neue Ideen sprechen.
In der Malzmühle gibt es eine kuriose Tradtion. Der bei Jecken heiß beliebte Abend ist stets eng und gemütlich. Bis das Dreigestirn anrückt und Seine Tollität den ersten Bierdeckel in die Gegend feuert. Dann bricht das Inferno los.
Von STEFAN VOLBERG
Ehe nicht der Prinz das Bombardement eröffnet hat, verläuft der Abend in gewohnten Bahnen. Gut, es geht bedeutend voller zu als sonst in der Brauerei Zur Malzmühle: Auf den regulär 80 Plätzen tummeln sich 110 Leute (plus Musik!), und Gastwirt Josef Schwartz meint: „Da kann man die Sardinen in der Dose beneiden“, aber eng ist ja gemütlich. Man testet schon mal, wie das Kölsch schmeckt, erzählt sich die Neuigkeiten aus dem Karneval und ist ansonsten ruhig und entspannt. Bis das Dreigestirn anrückt und Seine Tollität den ersten Bierdeckel in die Gegend feuert. Dann bricht das Inferno los.
Die drei Herren des Dreigestirns haben einen satten Vorrat an Bierdeckeln, die anderen Beteiligten müssen die Bieruntersetzer horten, ehe sie ins Geschehen eingreifen können. Am Ende des Tages, schätzt der frühere Prinzenführer Helmut Urbach, liegen mehr als 5000 Bierfilze auf dem Boden, und das Aufräumen dauert für die Brauhausmannschaft eine Stunde. Hat das noch irgendwas mit dem „Kulturgut“ Karneval zu tun, wie es im Sessionsmotto besungen wird? Möglicherweise nicht. Aber es macht allen Beteiligten unglaublich Spaß.
Malzmühlenwirt Josef Schwartz bekam vor einiger Zeit einen Anruf von Köln-Ticket mit der Frage, wann denn bitte der Vorverkauf für die Veranstaltung beginne; man habe bereits hunderte Voranmeldungen. Schwartz staunte. Des Rätsels Lösung: Nachdem ein Fernsehsender über das alljährliche Ereignis berichtet hatte, hagelte es Anfragen. So ist jetzt Gelegenheit klarzustellen: Bierdeckel als Eintrittskarten (zum Preis von 40 Euro für Essen und alle Getränke) gibt es nur über Helmut Urbach („ich bin Kölns kleinste Verkaufsstelle“). Der letzte Bierdeckel wurde für Montag, 14. Januar 2008, bereits im März 2007 verkauft.
Urbach ist der Urheber des Treffens, das er 1999 eigentlich zur Feier seines Zehnjährigen als Prinzenführer organisiert hatte. Da ging es ausgelassen zu, und irgendwann warf irgendwer den ersten Deckel. Da wurden alle wie die Kinder, unter anderem auch - man mag es sich kaum vorstellen - der frühere Festkomitee-Präsident Hans-Horst Engel. Es gelten strenge Spielregeln: Keiner soll so werfen, dass irgendjemand verletzt wird. Und das ist bislang noch immer gut gegangen (FK-Chef Markus Ritterbach hatte einmal einen Bierdeckel in der Stirn stecken, aber das war das Produkt eines genialen Maskenbildners). Gläser sind allerdings schon mal dahingegangen.
Wenn der Raum voll ist, gehen immer noch auch 30, 40 Mann Musik rein: Die stehen dann auf Tischen, Stühlen und Bänken. Honorar gibt s keines, dafür bewirten die 110 Auserwählten sie auf ihre Rechnung. Während des Auftritts ruhen natürlich die Bierdeckel: „Die Musik soll ja nicht zur Nebensache werden“, betont Urbach. Nicht Pflicht, aber sehr erwünscht ist Kostümierung. So sah man auch Peter König, einst Präsident des Comitees Düsseldorfer Carneval, in der Malzmühle einmal im Kostüm: Er hatte ein Tutu an.
Meist geht es sehr lustig und lebhaft zu. Einmal war es aber auch mucksmäuschenstill im Saal. Und das war, als „Buba“, der gewichtige 91er Prinz Heinz-Ludwig Busbach, plötzlich an dem schweren Kronleuchter hing. Gott sei Dank hat er gehalten, der Leuchter.
Ein wenig fehl wirkten sie ja schon am Platz, die beiden Pferde auf dem Haitestreifen der Aachener Straße. Doch dass Schimmel Luisa und Rappe Felix in Braunsfeld genüsslich ihr Futter zu sich nahmen, hatte einen guten Grund: Die offizielle Eröffnung des Brauhauses „Gaffel im Marienbild" stand an. Im 18. Jahrhundert
diente das historische Gebäude als Postkutschenhaltestelle, gestern sollten lediglich Luisa und Felix mitsamt der 100 Jahre alten Postkutsche an vergangene Zeiten erinnern. Nach über zweimonatigem Umbau präsentiert sich das Marienbild nun ais uriges Brauhaus. „Wir wollten dem Kölner Westen wieder ein richtiges Brauhaus schenken", sagte Betriebsleiter Gunnar Gehring, während die geladenen Gäste die erste Lokalrunde Kölsch genossen. 220 Leute finden in den Lokal nun Platz, neu ist neben dem feinen Eichenboden auch der komplette Thekenbereich. Zufrieden mit der Eröffnung zeigten sich die Besitzer Matthias Kolvenbach und Günter Wißmann.
Täglich von 11.30 Unr bis 23.30 Uhr bietet das Brauhaus viele Kölner Spezialitäten, Schmankerl ist der sonntägliche „Famiiiedesch", der „muffele wie bei d’r Mamm" verspricht. Und auch Luisa und Felix verließen ihren Stellplatz noch, sie kutschierten Gaffel-Geschäftsführer Heinrich Becker nach der Eröffnung gemütlich nach Hause.
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.