0,2-Stange wird vom kommenden Jahr an vielerorts fünf bis zehn Cent teurer
Biertrinker müssen für ihr Kölsch demnächst tiefer in die Tasche greifen. In zahlreichen Gaststätten wird die 0,2-Stange ab Januar fünf bis zehn Cent teurer werden. Das liegt nicht allein an der Erhöhung der Mehrwertsteuer: Alle Kölner Brauereien haben Preiserhöhungen von etwa 6 bis 12 Euro pro Hektoliter beschlossen. Der Kölner Verbund, zu dem die Kölsch-Marken Sion, Gilden, Sester, Kurfürsten und Küppers zähle; änderte seine Konditionen bereits vor mehreren Wochen. Als Gründe nennen die Bierbrauer veränderte Marktbedingungen. So hätten hohe Energie- und Rohstoffpreise zu einem deutlichen Anstieg der Produktionskosten geführt.
Für eine Stange Kölsch müssen Biertrinker bald tiefer in die Tasche greifen. Denn bis zum Jahreswechsel wollen viele Brauereien die Preise anheben. Die Stange Kölsch wird nach Branchenschätzungen im Schnitt fünf bis zehn Cent teurer, ein Kasten Bier kostet im Handel bald 50 bis 60 Cent mehr.
Die Brauerei Früh hat ihre Preiserhöhung für den 27. November angekündigt. „Unsere letzte Erhöhung war im April 2004“, sagt Marketingleiter Dirk Heisterkamp und erklärt die Erhöhung mit gestiegenen Energiekosten. Der Endpreis sei „nicht endgültig geklärt“, so Heisterkamp, „der Stangenpreis wird vermutlich von 1,50 Euro auf 1,55 Euro steigen.“ Beim „Kölner Verbund“, der unter anderem die Marken Sion und Gilden Kölsch vertreibt, wurden die Preise für die Gastronomen um zehn Euro pro Hektoliter erhöht, sagt Verbundchef Wolf-Dieter Kölsch. Ein Kasten Gilden soll sich um 50 bis 60 Cent verteuern. Energie-, Transport- und Personalkosten seien deutlich gestiegen. „Die letzte Preiserhöhung ist vier Jahre her. Ich denke, das ist vertretbar“, sagt der Verbundchef.
Auch die Dom-Brauerei will die Preise um rund fünf Prozent anheben. Gaffel erhöht die Fassbier-Preise um gut fünf, die Flaschenbierpreise um drei Prozent, so Sprecher Michael Busemann. Kleinere Brauhäuser wie Päffgen und das Weißbräu wollen vorerst beim Stangenpreis von 1,30 Euro bleiben.
In der Südstadt entsteht neuer Wohnraum für bis zu 1000 Menschen
Ein neues Quartier mit Modell-Charakter entsteht ab Mitte 2007 auf dem Gelände der ehemaligen Dom-Brauerei : Die „Kölner Dom Gärten“.
Die Abbruchbagger sind im Dauereinsatz und zum Ende des Jahres wird nicht mehr viel übrig sein von der ehemaligen Dom-Brauerei. Mitte des nächsten Jahres werden dort auf einem knapp fünf Hektar großen Areal 350 Stadthäuser, Wohnungen und Gewerbeeinheiten entstehen. Die Bezirksvertretung hat die Offenlage der Bebauungspläne einstimmig und ohne weitere Diskussion verabschiedet.
Im vergangenen Jahr hat die Kölner Dom Gärten Projektentwicklungs-GmbH und Co. KG das Gelände der Dom-Brauerei AG gekauft. Ein hochwertiges Quartier für Wohnen und Arbeiten mit viel Grün soll zwischen der Alteburger und der Schönhauser Straße entstehen. Auch das Umfeld der Koblenzer Straße soll vom Industrie- in ein Wohngebiet umgewandelt werden im Rahmen der „Grüntangente Süd“, die sich dort künftig entlang ziehen soll mit Anbindung an den Vorgebirgspark, den Friedenspark und an das Rheinufer.
Die Bauherrn und Investoren stellen sich eine „Symphonie aus Stein, Grün, Wasser und Licht“ vor und wollen einen „bürgernahen und lebenswerten Wohn- und Arbeitsraum“ im Kölner Süden für bis zu 1000 Menschen schaffen, wie es bei der Kölner Dom Gärten GmbH heißt. Selbst aus der Vogelperspektive soll sich das Areal überwiegend grün präsentieren: Geplant sind Dachgärten und -terrassen. Wasserflächen zwischen den Häusern sollen die Bebauung auflockern.
„Wir möchten erstmals in Köln eine neue Form und Qualität des Wohnens und des Arbeitens in der Stadt liefern“, sagen die Dom Gärten-Gesellschafter, Klaus Pfleiderer und Hermann J. Kempis. Dazu soll auch ein breites Spektrum an „Home-Services“ für die Bewohner gehören, ergänzt die Dom Gärten-Sprecherin Anné Gräfin Pálffy-Schwarzkopf. Im Klartext heißt das: Wer mag, kann sich den Kühlschrank befüllen, den Dachgarten bewirtschaften, das Auto zum Waschen fahren lassen von ausgewählten Dienstleistern. Das Modellprojekt sei deutschlandweit einmalig.
Höchstens fünfgeschossig soll die Bebauung sein. Eine Senioren- und Kindereinrichtung ist vorgesehen. Auf den Grundstücken, die an die Schönhauser Straße angrenzen, sind Gewerbebauten geplant, etwa für einen Feinkostladen, für eine Reinigung oder ein Fitnesscenter. Im Eckbereich Alteburger Straße / Schönhauser Straße soll es wieder Außengastronomie geben. Die Autos sollen in Tiefgaragen verschwinden.
Die Alteburger Straße soll neu gestaltet und in eine verkehrsberuhigte Allee mit einer Baumreihe umgewandelt werden. Die Schönhauser Straße wird als Verbindung zwischen Rheinuferstraße und Bonner Straße durchgängig vierspurig ausgebaut. In einer Bürgerversammlung, die voraussichtlich im Dezember stattfindet, soll das Konzept öffentlich vorgestellt werden. Zudem ist ein Bürgertelefon eingerichtet, bei dem sich Anlieger und Interessierte unter der Nummer 0221 / 9 48 85 16 informieren können.
Na denn Prost: Statistisch trinkt jeder Jugendliche und Erwachsene in Deutschland eine kleine Flasche Bier am Tag. Das entspricht 0,35 Litern - hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Im gesamten vergangenen Jahr trank damit jeder Bundesbürger ab einem Alter von 15 Jahren aufwärts durchschnittlich 129 Liter des Gerstensafts. In diese Rechnung haben die Statistiker auch Biermischungen mit einbezogen.
Insgesamt geht die Lust auf Pils, Kölsch oder Alt immer weiter zurück. Noch im Jahr 2004 hatte jeder Deutsche ab 15 Jahren zwei Liter jährlich mehr konsumiert, vor zehn Jahren waren es sogar noch 156 Liter. Nach Angaben des Verbands privater Brauereien ist der Bierkonsum in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig hätten die deutschen Brauereien ihre Werbeeinnahmen vervierfacht. „Das zeigt, dass die Werbeintensität keinen Einfluss auf den Gesamtkonsum hat“, sagte Verbandspräsident Gerhard Ilgenfritz im Vorfeld der Fachmesse für die europäische Getränkewirtschaft, Brau Beviale, in Nürnberg.
Insgesamt ließen die Konsumenten in Deutschland 2005 rund 91,4 Millionen Hektoliter Bier durch ihre Kehlen rinnen, rund zwei Prozent davon floss in Form von Kölsch. Mit mehr als 60 Prozent liegt Pils in der Gunst der Verbraucher unangefochten auf vorn. Eingerechnet ist in den Absatz auch importiertes ausländisches Bier, aber nicht alkoholfreies Bier und oder der meist ebenfalls alkoholfreie Malztrunk.
Für das Gesamtjahr 2006 rechnen die deutschen Brauer mit einem moderaten Plus und einem stabilen Bierkonsum (diesmal ohne die Mischgetränke) von 115 Litern pro Kopf. Diese Zahl ist allerdings auf alle Bürger - also vom Kind bis zum Greis - umgelegt. Damit trinken die Bundesbürger fast soviel Bier wie Mineral- und Heilwasser. Denn an letzterem nippen die Deutschen nicht gerade: Im vergangenen Jahr verleibten sie sich laut dem Branchenverband VMD 128 Liter ein.
In den ersten neun Monaten haben die mehr als 1250 Brauereien in Deutschland 1,2 Prozent mehr Bier produziert als im Vorjahr. Der sehr wechselhafte Verlauf der ersten neun Monate zeige, dass Biertrinken sehr stark von der Witterung und von speziellen Anlässen abhänge. Nach einem sehr langen und kalten Winter sei das Defizit im
Nach zwei Jahren mit Ernteausfällen überprüfen die Brauereien ihre Preise
Die Preise für Gerste sind in Deutschland rasant in die Höhe geschnellt. „Je nach Region haben sie sich seit Juni fast verdoppelt“, sagt Peter Röhrig von der NRW-Landwirtschaftskammer. In NRW hielte sich die Preissteigerung aber noch in Grenzen. Eine Tonne kostet in unserem Bundesland nun 130 statt 107 Euro je Tonne. „Nach zwei Jahren mit schlechten Ernten fehlt eine Million Tonnen auf dem deutschen Markt“, so Röhrig. Nicht nur das Wetter ist schuld: Weil sich der Anbau von Gerste zuletzt weniger lohnte, hätten die Landwirte die Flächen reduziert, sagte Röhrig.
Der Mangel trifft auch die Bierbrauer, denn die Braugerste ist der Rohstoff für Malz. „Grundsätzlich kann auch das Bier teurer werden, wenn die Rohstoffpreise steigen“, sagt Jürgen Witt, Geschäftsführer beim Brauereiverband NRW. „Doch darüber entscheiden die Brauereien selbst.“ Das hat beispielsweise die Radeberger-Gruppe, zu der auch sechs Kölsch-Marken wie Sion gehören, noch nicht getan. „Der Preis wird bei uns im Haus für jede Marke einzeln geprüft“, sagt Radeberger-Sprecherin Birte Kleppin. Derzeit liefen Gespräche mit den Handelspartnern, zu denen auch die Mälzer gehören. Ob es zu einem Engpass bei der Bierproduktion mangels hochwertiger Gerste kommen wird, war aus der Branche nicht zu erfahren.
Dom-Brauerei und Jochen Köhler schließen Vergleich
Jahrelang haben sie prozessiert und schmutzige Wäsche gewaschen: Die Dom-Brauerei und ihr ehemaliger Vorstandsvorsitzender Jochen Köhler. Jetzt ist Schluss damit.
Auf Anraten von Richterin Brigitta Fox (62) vom 18. Zivilsenat beim Oberlandesgericht haben die Streithähne einen Vergleich geschlossen. Der kommt allerdings Köhler (68) teuer zu stehen.
Der ehemalige Sonnenkönig aus der Südstadt muss 793.000 € Schadenersatz an die Brauerei zahlen. Wegen Verletzung von Geschäftsführerpflichten. Gleichzeitig verzichtet Köhler auf 427.000 € Versorgungsbezüge bis Ende 2006.
Trotzdem hat Köhler genug zum Leben: Ab 1.1.2007 zahlt ihm die Brauerei ein fettes Ruhegehalt von 10.735,87 €.
Bereits 2003 hatte Dom Köhler verklagt (Az. 82 O 185/03). Sein inzwischen zurückgetretener Nachfolger Walter Baldus reichte 2005 eine weitere Klage ein. Unter anderem, weil Köhlers Fahrer während der Arbeit den Hund Gassi führen und Köhlers Rasen mähen musste.
„Der gestern geschlossene Vergleich entspricht aber im Wesentlichen der erstinstanzlichen Verurteilung vom 1. Oktober 2004“, so OLG-Sprecher Hubertus Nolte am Donnerstag zu EXPRESS.
Dom-Sprecher Michael Schürger wollte die Entscheidung nicht kommentieren. Die Dom-Aktionäre müssen dem Vergleich noch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen. Danach muss Köhler die knapp 800.000 € auf einen Rutsch überweisen.
Ex-Chef zahlt 793 000 Euro - Verlust im laufenden Jahr hat das Grundkapital der Brauerei zur Hälfte aufgezehrt
Die Kölner Dom-Brauerei und ihr langjähriger Vorstand Jochen Köhler haben einen Schlussstrich unter ihren Rechtsstreit gezogen. Beide Seiten hätten einem Vergleichsvorschlag des Oberlandesgerichts Köln zugestimmt, heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung der Brauerei. Köhler zahle an Dom 793000 Euro und verzichte auf Versorgungsansprüche von 427000 Euro bis zum 31.12..2006. Mit dem Vergleich seien alle gegenseitigen Ansprüche abgegolten, heißt es. Köhler hat aber offenbar Versorgungsansprüche ab dem 1. Januar 2007. Doch dazu und zu Einzelheiten des Vergleichs wollte die Brauerei nichts sagen.
Dom und Köhler ringen seit Jahren vor Gericht. Unter anderem hatte Dom dem Ex-Chef Pflichtverletzung vorgeworfen. Das Unternehmen hatte außerdem Schadenersatz verlangt, weil er Dom-Mitarbeiter für private Zwecke eingesetzt haben soll. Köhler verlangte eine Prämie von Dom.
Abgesegnet werden muss der Vergleich noch von einer Dom-Hauptversammlung. Die tritt wohl noch in diesem Jahr zusammen. Sie wird ohnehin einberufen, weil Dom den Verlust der Hälfte des Grundkapitals angezeigt hat. Nach einer Kapitalerhöhung Ende September sind der Gesellschaft zwar 630 528 Euro zugeflossen. Durch den bis zum 7. November entstandenen Verlust sei das Grundkapital von 472 896 Euro jedoch wieder über die Hälfte verbraucht, schreibt Dom in einer anderen Ad-hoc-Mitteilung.
Das Unternehmen sei „am Rand der Insolvenz", hatte der inzwischen ausgeschiedene Köhler-Nachfolger Walter Baldus auf der Hauptversammlung im Juli gesagt. Neben einer dort beschlossenen Kapitalerhöhung würde wohl eine weitere Kapitalerhöhung nötig.
Steinbrück und die Länder machen Front gegen EU-Pläne für höhere Steuer
Deutschland will EU-Vorgaben für eine höhere Biersteuer verhindern. Dies betonte Finanzminister Peer Steinbrück gestern in Übereinstimmung mit seinem tschechischen Kollegen Vlastimil Tlusty. Da eine geplante EU-Richtlinie für Alkoholsteuern nur einstimmig beschlossen werden kann, hoffen beide Länder, Ausnahmen durchsetzen zu können. Das Argument, dass mit der höheren Biersteuer der Alkoholmissbrauch bekämpft werden könnte, ließ Steinbrück nicht gelten: „Aus der Sicht von vielen Menschen ist Bier kein Alkohol, sondern ein Nahrungsmittel". Auch der Bundesrat lehnte eine Erhöhung der Biersteuer ab.
Nach dem Skandal um das „Ekel-Kölsch“ von Päffgen samt Polizei-Anzeige wegen Magenbeschwerden gibt das Kölner Umwelt- und Verbraucherschutzamt jetzt Entwarnung:
„Päffgen-Kölsch war weder schlecht noch gesundheitsgefährdend“, so Sprecherin Ursula Gutowski. „Allerdings wurde ein »Fehlton« festgestellt, der den muffigen Geschmack erklärt.“ Grund sind die mikrobiologischen Veränderungen durch die Wildhefe.
Vor wenigen Tagen hatten die Lebensmittelkontrolleure nach diversen Gästebeschwerden wegen des seifig-salzigen Geschmacks und einer Strafanzeige jeweils einen halben Liter Päffgen-Kölsch im Brauhaus an der Friesenstraße sowie im Restaurant Max Stark im Kunibertsviertel entnommen.
Walter Baldus scheidet nächste Woche aus
Trotz intensiver Sanierungsbemühungen ist der Fortbestand des Unternehmens ernsthaft gefährdet.
Drei Jahre nach der Bestellung von Walter Baldus zum Alleinvorstand der Dom-Brauerei AG trennt sich das Unternehmen von seinem Manager. Vom 1. November anwird der erst im April 2006 zum Finanzvorstand berufene Achim Zweifel - er war vorher Mitglied des Aufsichtsrates auf der Arbeitgeberseite - das Unternehmen leiten, teilt die Brauerei mit.
Baldus hatte schon kurz nach dem Amtsantritt seinen langjährigen Vorgänger Jochen Köhler heftig attackiert und mit einer ganzen Reihe von Gerichtsverfahren (unter anderem mit dem Vorwurf der Untreue und der Bilanzfälschung) überzogen. Tatsächlich ist der Dom-Brauerei dabei in den beiden ersten Verfahren rund eine Million Büro an Schadensersatz zugesprochen worden. Die entsprechenden Urteile des Landgerichts Köln sind bislang aber nicht rechtskräftig geworden. Zum aktuellen Stand der anhängigen Gerichtsverfahren wollte der Sprecher der Dom-Brauerei am Freitagnach-mittag keine Angaben machen.
Die finanzielle Lage der Dom-Brauerei ist nach wie vor prekär, obwohl Baldus das eigene Brauereigelände in der Kölner Südstadt mit dem Dom-Brauhaus und der Verwaltung verkaufte, um die Bankschulden abzubauen und eine Insolvenz zu verhindern. Die Produktion wurde Anfang 2006 zur Erzquell-Brauerei nach Bielstein verlagert. Trotzdem macht das Unternehmen weiter Verluste. Auf der Hauptversammlung im Juli beschlossen die Aktionäre auf Antrag des Vorstand seine Herabsetzung des Kapitals von zehn Millionen auf 394 000 Euro. Bis zum Jahresende sollte das Kapital dann wieder heraufgesetzt werden. Auch dies reicht aber zur Sanierung offenbar nicht aus: Auf der Hauptversammlung kündigte Baldus an, dass 2007 eine weitere Kapitalerhöhung nötig werden könne.
Dem Juristen Baldus waren in der Branche Defizite beim Biervertriebnachgesagt worden. Tatsächlich ging der Absatz von Dom und den anderen Kölsch-Marken aus dem
Haus (Rats und Giesler) seit seinem Amtsbeginn überdurchschnittlich zurück. So brachen die Verkäufe2004 um sieben Prozent und 2005um weitere 5,7 Prozent ein. Zuletzt verlor die Brauerei auch noch die Kölner Messe und die Dorint-Hotels als Kunden. In diesem Punkt will die Dom-Brauerei nun offenbar massiv
gegensteuern: Als Geschäftsführer für den Vertrieb wurde jetzt Wolfgang Feidner verpflichtet, der bereits früher einmal kurz bei Dom beschäftigt war und zuvor viele Jahre beim „Kölner Verbund" (mit den Kölsch-Marken Gilden, Sion, Küppers, Sester und Maximilian) in leitender Position gearbeitet hatte.
Die kriselnde Dom-Brauerei bekommt zum 1. November einen neuen Chef. Achim Zweifel, der das Vorstandsressort Finanzen leitet, wird Alleinvorstand. Von Vorstandschef Walter Baldus trennt sich Dom „in bestem Einvernehmen“. Aufsichtsratschef Graf Dürckheim dankte Baldus „für seine verdienstvolle Tätigkeit“, heißt es in einer Mitteilung. Baldus bleibe für das Unternehmen für Sonderaufgaben tätig, widme sich im Übrigen neuen Aufgaben in der Brauwirtschaft. Geschäftsführer der Dom-Brauerei GmbH Produktion und Vertrieb wird Wolfgang Feidner, der vom Kölner Verbund kommt.
PÄFFGEN-KRIMI
Warum schmeckte Kölns Kult-Kölsch „Päffgen“ wochenlang nach Salz und Seife? Wer war der Übeltäter? Die Kripo ermittelt, das Verbraucherschutzamt ebenfalls. Jetzt scheint der Krimi gelöst.
EXPRESS liegt das Gutachten der Kölner Getränke-Prüfstelle „Laboratus“ vor, von der sich die Päffgen-Brauerei in eigenem Auftrag testen lässt.
Diplom-Ingenieur Thomas Zoll ist sicher: „Fremdhefen, die überall durch die Luft schwirren, haben vor mehr als vier Wochen im Gärkeller das Bier befallen und Kohlenhydrate – sprich Zucker – zersetzt. Bier ist ein idealer Nährboden für solche Hefen. Dabei entstanden Abbauprodukte, die auf der Zunge muffig und salzig schmecken können.“
Immerhin: Die Gesundheit der Gäste sei nie in Gefahr gewesen. „Im Bier können keine gesundheitsgefährdenden Keime wachsen. Eine Erkrankung des Konsumenten mit Auftreten von Übelkeit und Durchfall ist auszuschließen“, heißt es.
Mit Hilfe des Mikrobiologen kämpfte Päffgen um seinen guten Ruf und Geschmack: „Durch Umstellungen in der Brautechnik und eine zusätzliche Reinigung des Gärkellers konnten weitere Angriffe der Fremdhefen abgewehrt werden“, so Thomas Zoll. „Das Bier hat nun wieder den gleichen Geschmack wie gewohnt.“
Angesichts der Kritik von Gästen und anderen Brauerei-Chefs schäumt Rudolf Päffgen: „Wir brauen hier kein Computer-Bier! Wir sind eine kleine Hausbrauerei und geben uns alle Mühe, das in den Griff zu kriegen.“
Doch der Krimi geht weiter. Denn auch das Kölner Verbraucherschutzamt nahm Proben. Wie lautet hier die Analyse? „Die Proben sind in unserem Labor in Koblenz“, so Sprecherin Ursula Gutowski. „Das Ergebnis kommt Dienstag.“
Das Päffgen in der Friesenstraße. Ein Kultbrauhaus Kölns. Aber ausgerechnet hier gab es Ekel-Kölsch (BILD berichtete). Tagelang beschwerten sich Gäste über einen sonderbaren, seifig-miefigen Kölsch-Geschmack.
Franz H. (54) aus Köln: „Ich | habe dort am Samstag Kölsch getrunken. Das schmeckte ekelI haft. Als ich nicht bezahlt habe, i hat mich der Köbes auch anstandslos gehen lassen’
Brauerei-Chef Rudolf Päffgen begründete die Geschmacksänderung mit der schlechten Gerstequalität in diesem Jahr. Da alle Brauer ihr Getreide aus dem Umland beziehen, sind Kölsch-Liebhaber verunsichert: Gibt es noch mehr Ekel-Kölsch? BILD fragte bei anderen Brauern nach. Sie zweifeln die Päffgen-Erklärung an, wehren sich!
Gaffel-Chef Heinrich Becker: „Die Gerste war durch die Hitze nicht so ergiebig. Die Qualität ist leicht vermindert, hat aber keinen Einfluss auf die Kölsch-Qualität. Die Gerste aus dem Kölner Raum ist sogar besser als im gesamten Bundesgebiet“
Dom-Brauerei-Chef Walter Baldus: „Wir überprüfen ständig die Qualität. Natürlich ändert sich die des Getreides. Das muss man ausgleichen. Oder die Lieferung zurückgeben. Wenn ich merke, dass etwas nicht in Ordnung ist, darf man das Kölsch nicht rausgeben."
Wolf Dieter Kölsch, Chef Kölner Verbund (Sion, Gilden, Zunft): „Es ist wenig Gerste geerntet worden, die unseren Qualitätsansprüchen genügt. Es gibt aber genügend Gerste, um leckeres Kölsch brauen“
Reissdorf-Chef Michael von Rieff: „Jede Malzlieferung wird bei uns im Labor geprüft. Stimmt die Qualität nicht, wird sie zurückgeschickt. Jeder Hektoliter wird vor Abfüllung auch überprüft. Der Kunde hat ein Anrecht auf Topqualität.“
BILD erfuhr: In der Päffge Brauerei wurde zuletzt bei Iaufendem Betrieb umgebaut und modernisiert. Hat darunter das Kölsch gelitten ?
Kripo und Verbraucherschutz ermitteln. Päffgen-Sprecher Dünge „Uns liegt ein Laborbericht vor. Unser Kölsch ist einwandfrei.“
Muffig, salzig, seifig – so schlecht wie in letzter Zeit schmeckte das „Päffgen“-Kölsch wohl noch nie. Bisher hagelte es „nur“ Beschwerden von vielen enttäuschten Gästen. Doch jetzt kommt es für Brauerei-Chef Rudolf Päffgen noch schlimmer: Kripo und Verbraucherschutzamt haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet!
Jede Menge Klagen von verärgerten Gästen, „Gästebuch“-Beschwerden im Internet, am Wochenende Besuch eines Polizisten samt Lebensmittel-Kontrolleur im Restaurant „Max Stark“, das „Päffgen“ ausschenkt. Was ist da los?
„Die Qualität der Gerste war in diesem Jahr enorm schlecht“, wehrt Brauerei-Chef Rudolf Päffgen gegenüber EXPRESS ab. „Erst war es monatelang heiß und dann fing es bei der Ernte an zu regnen. Dadurch kam es bei den Malzlieferanten zu Engpässen.“ Und Päffgen gibt zu: „Das Zusammenspiel von Gerste, Malz und Hefe und Vergärung ist unglücklich gelaufen.“
Schnell laufen – nämlich auf Toilette – musste Silvia Brenner. Die Angestellte war am Wochenende Gast im „Max Stark“ und bekam nach zwei Kölsch Brechreiz und Durchfall: „Unglaublich, dass dieses Bier trotz Kenntnis der Köbesse weiter ausgeschenkt wurde“, sagt sie. „Deshalb erstattete ich Strafanzeige.“
Nach dieser „Anzeige wegen einer Straftat nach dem Lebensmittelbedarfgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch“ ermittelt die Kripo gegen Päffgen. Ursula Gutowski vom Umwelt- und Verbraucherschutzamt: „Wir ermitteln auch in der Sache. Ein Kollege hat das Bier schon probiert. Aber wir werden noch eine Probe nehmen.“
Doch das wird vielleicht gar nicht mehr nötig sein: Seit Mittwoch hat das Päffgen-Kölsch endlich wieder seinen guten, alten Geschmack. Rudolf Päffgen und Braumeister Uwe Wißkirchen versprechen: „Wir haben die richtige Mischung gefunden!“
Das Waldorf Astoria gleich gegenüber dem Central Park an der Park Avenue ist eins der berühmtesten Hotels der Welt - auf jeden Fall das berühmteste von New York. Promis wie Mariah Carey, Sting oder Heidi Klum lieben es, hier zu essen. Auch Queen Elizabeth II. und die englische Königsfamilie, zahlreiche US-Präsidenten oder Mafia-Boss Lucky Luciano waren schon da.
Es gibt aber jetzt auch einen lokalpatriotischen Grund für den Besuch im Waldorf Astoria: In der für 5,5 Millionen Dollar renovierten Dinner-Lounge „Peacock Alley" steht seit neuestem frisches Gaffel-Kölsch auf der Karte.
Alles Gaffel in New York? In seinem Biergarten „Loreley" schenkt der ehemalige Kölner Gastronom Michael Momm (46) schon seit drei Jahren Kölsch vom Eigelstein aus. Und auch Hennes VE. wechselte vom Rhein an den Hudson: Gaffel-Chef Johannes Becker brachte dem eingefleischten FC-Fan eine originalgetreue Nachbildung mit: Hennes in Gips.
Zu Lebzeiten wurde seine Kneipe als „letzte Oase der Menschlichkeit" bezeichnet. Im „Lommi" hielten Manager, Politiker, Studenten und Arbeiter ihren Klaaf, zischten Päffgen. Wirt Hans Lommerzheim starb im letzten Sommer. Aber seine Kneipe lebt l weiter. Das hat Brauerei-Chef Rudolf Päffgen entschieden. Noch in diesem Jahr wird „Lommi" im Stil der 50er wiedereröffnet.
Derzeit prüfen Architekt und Statiker, wie das alte Gebäude en Detail zu sanieren ist. „Wir wollen das Gebäude komplett erhalten", so Päffgen. Die Fassade wird nicht verändert. Selbst der Schriftzug „Gaststätte" und „Dortmunder Aktien Bier" bleibt hängen.
„Wir haben den Gastraum abgesichert, damit bei den Sanierungsarbeiten nichts kaputt geht. Stühle. Tische. Theke und Wände bleiben wie früher. Wir wollen das urige Flair erhalten. Alles soll an Lommi erinnern."
Ansonsten wird alles auf den neuesten technischen Zustand gebracht. Moderne Küche, neue Toiletten, neue Leitungen. An eine neue Heizung ist nicht gedacht. „Die Lück wärmen sich selbst", schmunzelt Rudolf Päffgen. Auch an der Gastraum-Größe wird nichts verändert. Es bleibt bei 40 Sitzplätzen. Päffgen-Kölsch wird wie gewohnt vom Fass gezapft. Es bleibt bei der kleinen Speisekarte mit Lommis berühmten dicken Koteletts. Rudolf Päffgen hat das Gebäude von Witwe Annemie Lommerzheim erworben. „Wir führen die Regie. Es kommt ein uriger, kölscher Wirt rein. Den hab ich schon im Auge“
Übrigens: Geplant ist auch ein kleiner Biergarten. Dafür muss dann der Flachbau nebenan weichen.
Kölner Verbund erhöht die Preise für Flaschen- und Fassbier um 5 Prozent
Am 1. September steigen die Bierpreise. Der Kölner Verbund (Gilden, Küppers, Kurfürsten, Sion, Sester) bestätigte der Rundschau, dass das Kölsch um fünf Prozent teurer wird. Die Erhöhung betreffe Flaschen- wie Fassbier. Grund seien Kostensteigerungen. Der Hotel- und Gaststättenverband rechnet fest damit, dass die Gastronomen die Preiserhöhung an die Gäste weitergeben und manche auch schon die Erhöhung der Mehrwertsteuer berücksichtigen werden. Bier wird anders als andere Lebensmittel mit dem vollen Satz von künftig 19 Prozent belegt. Ein Glas Kölsch würde durch die jetzt anstehende Erhöhung rechnerisch um fünf bis sechs Cent teurer; den Wirten bleibt es überlassen, ob sie auf volle zehn Cent aufrunden.
Kölschtrinker müssen bei vielen Marken künftig tiefer in die Tasche greifen. Die Kölner Verbund Brauereien GmbH (Gilden, Küppers, Kurfürsten, Sion, Sester) wollen den Preis nach Worten ihres Geschäftsführers Wolf-Dieter Kölsch zum 1. September um 5 Prozent erhöhen. Betroffen von der Preissteigerung seien Flaschen- wie Fassbier. „2002 haben wir zum letzten Mal die Preise erhöht, seitdem sind die Kosten spürbar gestiegen“, unterstreicht Kölsch.
Über kurz oder lang, davon ist insgesamt auszugehen, werden viele andere Brauereien nachziehen. Bei der Privatbrauerei Gaffel ist nach Angaben eines Sprechers derzeit zwar kein Anstieg des Flaschenbierpreises geplant, der aber auch erst im letzten Jahr erhöht worden war. Über eine Erhöhung des Fassbierpreises werde nachgedacht. „Wir werden keine Vorreiterrolle übernehmen, aber den Markt sehr genau im Auge behalten“, sagt Michael Schürger, Sprecher der Kölner Dom-Brauerei.
„An der Theke wird heftig diskutiert“
„Jede Preiserhöhung tut weh, auch wenn damit zu rechnen war“, sagt Christoph Becker, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Nordrhein des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Gerade die Erhöhung des Bierpreises ist ein schwieriges Thema, an der Theke wird darüber heftig diskutiert.“ Dennoch seien die meisten Gastronomen sicherlich gezwungen, die Preiserhöhung an die Gäste weiterzugeben.
Becker glaubt, dass manche Wirte nun „in einem Abwasch“ bei der Kalkulation auch schon die zum 1. Januar geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer berücksichtigen werden. Bier wird von da an mit dem vollen Satz von künftig 19 Prozent belegt. Ein Glas Kölsch würde durch die jetzt anstehende Erhöhung rechnerisch um fünf bis sechs Cent teurer.
In Nordrhein-Westfalen wird mehr Bier als in Bayern produziert. Studie: Kölsch ist gesund
Kommen ein Kölner, ein Düsseldorfer und ein Dortmunder in eine Bierpinte. Der Kölner bestellt ein Kölsch, der Düsseldorfer ein Alt und der Dortmunder eine Limo. Die beiden Rheinländer sind perplex und fragen, warum Limo? Sagt der Dortmunder: „Wenn Ihr kein Bier trinkt, trinke ich auch keins." Damit ist der stille Kampf zwischen den beiden obergärigen Spezialitäten vom Rhein und dem untergärigen Export von der Emscher hin¬reichend beschrieben, was nicht heißen soll, dass Kölsch und Alt bierselige Kumpels sind. Vie¬mehr geht es bierernst zu.
Bekannt wurde Dortmund als die nordrheinwestfälische Bierhochburg schlechthin. Aber das Export-Bier hat viel von seiner früheren Beliebtheit verloren. In NRW liegt Pils mit 77 Prozent Marktanteil unangefochten an erster Stelle. Im vorigen Jahr wurden nur noch 359 888 Hektoliter
Export gebraut, aber gut 17,4 Millionen Hektoliter Pils, 2,4 Millionen Kölsch und 1,9 Millionen Hektoliter Alt. Insgesamt produzierten die über 40 nordrhein-westfälischen Großbrauereien, zu denen zum Teil mehrere Braustätten gehören, 22,5 Millionen Hektoliter Gerstensaft. Damit schlagen sie so ganz nebenbei das bierselige Bayern.
Längst blickt das Kölsch über den Dom hinaus, sogar ins Düsseldorfer Alt-Feindesland. Mitten im landeshauptstädtischen Medienhafen lässt zum Beispiel die Gaffel-Brauerei ihr helles Obergäriges jeden Monat mit rund 150 Hektoliter aus dem Zapfhahn des Brauhauses fließen. Das kölsche Gebräu gibt es aber auch in den USA. Allein in New York führen 145 Kneipen den Saft aus Köln. Und im Jahre 1997 entdeckten Freiburger Wissenschaftler sogar, dass Kölsch den Blutdruck und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt sowie die Nierentätigkeit anregt -vorausgesetzt natürlich man trinkt nicht zu viel.
Aber auch Düsseldorf hat längst das Ausland entdeckt. Die kleine aber feine Altstadtbrauerei Uerige exportiert ebenfalls in die USA. Nicht nur in Dortmund, Köln und Düsseldorf wird Bier hergestellt. Im lippischen Detmold haben zum Beispiel drei Damen das Sagen. Renate Strate und ihre Töchter Simone und Friederike führen in Detmold ihre Privatbrauerei und haben sich mit ihrem Detmolder Pilsener samt nostalgischem Bügelverschluss in der einst von Herforder und jetzt von Krombacher umkämpften Region als Spezialität etabliert. Auch die Privatbrauerei Iserlohn hat sich als regionale Brauerei am Markt gehalten.
Die Bier-Riesen sitzen mit Oetker in Bielefeld oder mit der Radeberger-Gruppe in Dortmund. In der gesamten Branche tobt ein Übernahmekampf. Gekauft wird, was zischt und schäumt. Die feinen Kleinen haben es schwer, wenn die dicken Finanzfässer anrollen. Darunter sind auch bekannte Namen wie die allerdings aus Rheinland-Pfalz stammende Bitburger Brauerei, die ihrerseits vor rund zwei Jahren die Pilsmarke König kaufte. Viele nordrhein-westfälische Brauereien sind auch am Ball, Sponsoring genannt. Vorneweg dribbelt Bitburger, denen man zwischen 17 bis 18 Millionen Euro für das Sportmarketing nachsagt, gefolgt von Krombacher unweit von Olpe mit 14 bis 15 Millionen. Auch Warsteiner in Warstein nahe Arnsberg spielt wie Veltins aus dem Sauerland in den oberen Rängen der Sponsoring-Liga. „Auf Schalke" heißt heutzutage Veltins-Arena. Also: Bier aus Nordrhein-Westfalen ist immer mit im Spiel.
1991
Krupp-Hoesch kündigt an, den Konkurrenten Thyssen überneh¬men zu wollen. Das Vorhaben wird 1999 realisiert.
In NRW, vor allem bei Paderborn, grassiert die Schweinepest.
Doppelerfolg für das Revier: Dortmund gewinnt die Champions League, Schalke den UEFA-Pokal.
Wenn es kein Morgen gäbe - was würden Sie in ihren letzten Stunden trinken? Wetten, dass Kölner „Kölsch“ und Düsseldorfer „Alt“ bestellen, während Amerikaner schlicht ein Bier wählen? Das ist bei Meinungsumfragen an Stammtischen einfach herauszufinden. Schwieriger zu beantworten ist die Frage nach dem Warum. Ein Fall für Kölner Wissenschaftler: Ein Team des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität nahm sich des Themas an und untersucht die tiefere Bedeutung von Kölsch und Alt für die Kölner und Düsseldorfer. Und es kam zu einem Ergebnis, das eingefleischten Kölschfans das Glas beschlagen lässt: „Die Vorlieben für regionale Bierprodukte leiten sich aus deren symbolischer Bedeutung für unsere kulturelle Identität ab, weniger aus deren objektivem Geschmack“, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Marchlewski.
„Bier ist Bier, und Schnaps ist Schnaps“ heißt es im Sprichwort. Doch Institutsleiter Professor Detlef Fetchenhauer und seine Forscher wollten es genauer wissen. In Experimenten mit rund 400 Testpersonen fanden sie seit 2005 heraus: Die Hälfte der Kölner können ihr zum Test vorgesetztes Kölsch bei der Vorgabe der Antwortalternativen Kölsch oder Altbier nicht identifizieren (50 Prozent Trefferquote). Selbst bei gleichzeitiger Blindverkostung beider Biersorten liegt noch über ein Drittel der Teilnehmer falsch. Reihenversuche der beschwingten Art.
Konsum im Angesicht der Endlichkeit
Doch dann kommt es knochentrocken: Viele Kölner empfinden es als Todsünde, zum Alt zu greifen, haben die Wissenschaftler bemerkt. Die Ursache sei nicht allein ein „Jeföhl“, sondern wurzele tief in unserer Psyche: „Wir haben allgemein untersucht, welchen Zusammenhang es zwischen dem Effekt des Bewusstseins der eigenen Sterblichkeit mit dem regionalen Konsumverhalten gibt“, sagt Sozialpsychologe Marchlewski. Die Transzendenz des Pittermännchens.
Doch es kommt noch dicker: „Grundlage ist das Paradigma der Terror-Management-Theorie. Es geht davon aus, dass sich jeder erwachsene Mensch mehr oder weniger permanent seiner eigenen Sterblichkeit bewusst ist.“ Der Gedanke an den Tod sei eine unbewusst wahrgenommene Bedrohung des Selbstwertgefühls. „Man reagiert dann ethnozentrischer, versucht, seine eigene Gruppe, Region aufzuwerten“, so Marchlewski. Bier und Todesahnung, das hat wohl jeder schon gespürt, der sich nach sechs Stunden Karnevalssitzung im Sartory am Biertresen festgeklammert hat.
Warum Kölner und Düsseldorfer einen so ausgeprägten Lokalpatriotismus entwickelten, hänge möglicherweise mit dem schwierigen Verhältnis der Deutschen zur Nation zusammen. „Nationalstolz wird eher auf die Region, sogar Städte übertragen.“ Kölsch-Trinken wäre also eine der psychologischen Waffen, mit denen Individuen sich (auch) mental stärken: „Funke, opjepass! Sehr zum Wohle.“
Doch die Wissenschaftler sehen die Sache bierernst und belegten die Ergebnisse durch Experimente mit zwei Test- Gruppen. Nur die Teilnehmer einer Gruppe wurden mit „Fragen nach dem Tod“ konfrontiert, ehe sie ein Glas Bier (Kölsch oder Alt) verkosten sollten. Und siehe da: Die Kölner mochte ihr Kölsch noch lieber als die „neutralen“ Testpersonen in der Kontrollgruppe. Allerdings: Probierten Kölner ein Alt, das ihnen als angebliches Kölsch serviert wurde, bewerteten sie dieses genauso gut wie ein echtes Kölsch.
„Der Konsum regionaler Biersorten scheint dazu beizutragen, den Leuten Sicherheit zu geben angesichts des Grauens vor der eigenen Sterblichkeit“, fasst der Sozialpsychologe zusammen. Sozialforschung - ein Grund mehr zum nächsten Kneipenbesuch.
Wenn Sie mal dringend jemanden brauchen, der Ihnen beim Klaviertragen hilft, fragen Sie doch mal beim immer freundliche Servicepersonal vom „Haus Unkelbach", aber bitte nur außerhalb der Karnevalszeit. Denn zu den jecken Tagen stemmen die Jungs mal eben sieben volle Kränze Kölsch auf einmal. Doch auch außerhalb der Karnevalszeit lässt es sich hier gut aushalten, vor allem im Biergarten hinter dem Haus. Denn auch das Essen ist preiswert, wie es sich für ein Haus mit Brauereiausschank gehört. Haus Unkelbach, Luxemburger Str. 260, Tel. 41 41 84.
Im kommenden Februar feiert: das LUX sein zehnjähriges Jubiläum. Das ist wohl auch der Grund dafür, weshalb der Laden im Herbst für zwei Wochen schließen wird, damit alles von oben bis unten renoviert werden kann. In dieser Zeit muss der Stammgast dann auf den LUXemburger oder auch den halven Hahn verzichten. LUX, Luxemburger Str. 206,Tel. 44 28 17
Beim „Sion em Keldenich" steht an der Theke der Student neben dem Geschäftsmann und dem Hartz-IV-Empfänger. Das gibt’s leider nicht mehr so oft in Köln. Damit es nicht so anonym zugeht, steht auch immer auf der Tafel geschrieben, wer denn heute hinter der Theke steht. Ab einen Euro gibt’s bereits Frikadellen und Metthappen, das Essen ist ansonsten so umfangreich mit reellen Portionen, wie man es aus Brau- häusern eben gewohnt ist. Sion em Keldenich, Weyertal 47,Tel. 44 46 04.
Wie wär’s denn mit indischem Curryhuhn mit Früchten, Mandel- reis, Buttererbsen und Nachtisch für 2,25 Euro? Dann müssten Sie am Mittwoch in der Mensa an der Zülpicher Straße vorbei schauen. Wenn Sie kein Student sind, liegt der Gästepreis bei 4,35 Euro, was auch okay ist. Hier gehen werktags ab 11.30 Uhr mehr als 15000 Essen über den Tisch. Wenn Sie allerdings lieber ein Kölsch trinken möchten, haben Sie in Sülz und Klettenberg viele Möglichkeiten.
Neben einer der umfangreichsten Cocktailkarten der Stadt mit vielen Eigenkreationen ist man im Bilderschreck auf eine andere Sache stolz: Die bisher 26 verhängten Hausverbote, damit allein stehende Frauen hier ohne Belästigung den Abend genießen können. Bilderschreck, Königswinterer Str. 1,Tel. 460 06 44.
IMMER WENIGER EINHEIMISCHE BINDEN DIE SCHÜRZE UM
Er gilt als bodenständig, frech und zuweilen miesepetrig – und genau das lieben die Kölschfans aus Köln und aller Welt an ihrem kölschen Köbes.
Bloß: So kölsch ist der Köbes gar nicht mehr. „Es gibt kaum noch waschechte Kölner, die Köbes werden wollen“, stellt Bruno Turchetto vom Brauhaus Sion fest.
Im Sion versorgen 21 Köbesse ihre Gäste mit Obergärigem. Doch von denen wurden gerade mal vier in Köln geboren. „Früher war das anders“, bestätigt der Köbes-Chef. „Vielleicht haben gebürtige Kölner keine Lust auf den Job. Aber Hauptsache, den Gästen geht es gut. Und die lieben unsere Jungs.“
Trotzdem: Das Aussterben des kölschen Köbes kann einen nicht kalt lassen. Im Päffgen sind von 20 Köbessen 6 Kölner, in der Malzmühle von 12 immerhin 5. Im Gaffelhaus am Alter Markt ist unter den 10 Köbessen aber sogar nur ein gebürtiger Kölner – Minusrekord.
„Der Köbes hat einen noch schwierigeren Job als ein normaler Kellner, vor allem, was die Arbeitszeiten angeht“, erklärt Geschäftsführer Hans-Peter Schick. „Das wollen sich viele nicht antun.“
Doch so ganz stimmt auch das nicht – denn kein Brauhaus klagt über Köbesmangel. Doch die kommen aus Niedersachsen, Berlin und mit ein wenig Glück aus dem Rheinland.
Ein Phänomen, das auch Bruno Haumann, Vorstand beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und gleichzeitig Geschäftsführer im Brauhaus Peters, kennt. Er versucht, dem Trend entgegenzuwirken. „Ich lege Wert darauf, dass mindestens die Hälfte meiner Köbesse Kölner ist“, sagt er. „Und das gelingt uns auch. Es ist zwar mühevoller, aber es lohnt sich.“
Warum, erklärt KölnTourismus-Geschäftsführer Karl-Heinz Merfeld: „Eine Schürze kann sich sogar ein Nordlicht umbinden. Aber den typisch derb-kölschen Humor, der den Köbes berühmt gemacht hat – und mit dem wir ja auch werben –, kann man nur haben, wenn man in dieser Stadt geboren wurde. Diese Originalität geht verloren.“
Doch nicht nur die Herren der Schöpfung sind vom Aussterben des kölschen Köbes betroffen: Im Bieresel gibt es nur „Köbesinen“ – aber auch hier: Nur 3 von 12 stammen aus Köln…
Die Brauer verzeichnen Steigerungen von zehn Prozent
In der heißen Phase der Fußball-WM wächst die Spannung und damit der Durst, und Kölns Brauer strahlen um die Wette. Karnevalistische Ausmaße hat der Kölsch-Konsum während der Weltmeisterschaft angenommen. Schluckspechte sorgten dafür, dass der Umsatz seit Mai monatlich im Schnitt um fast zehn Prozent gestiegen ist. Seit Mai deshalb, weil viele Händler damals schon begannen, Vorräte zu horten.
Die Euphorie und das Wetter macht Heinrich Becker, Mitinhaber der Gaffel-Brauerei (bei der die Laster Schlange stehen), verantwortlich dafür, dass es so gut läuft. Zuweilen gibt Gaffel „nur volle Fässchen raus, wenn leere reinkommen" , in der Abfüllanlage wurden Sonderschichten gefahren. Renner sind hier die 0,33-Liter-Flasche und die Fünf-Liter-„Dose". Bierbüchsen seien wegen des Pfands „so gut wie tot". Die Nachrichtenagentur meldet: „Besonders im Trend liegen Biermischungen." „Nicht in Köln, auf keinen Fall", kontert Becker.
„Wir sind dankbar für die Leistungen der deutschen National- mannschaft", versichert Dirk Heisterkamp, Leiter für Marketing und Verkauf bei Früh, wenngleich er auch einräumt, dass das Wetter seinen Beitrag zum erfolgreichen Geschäftsverlauf beiträgt. Bei den Fässchen werde es ab und an ein wenig eng, „derzeit steht das Zurückbringen nicht an erster Stelle". Und so sieht sich Früh zuweilen gezwungen, bei den Großhändlern vorbeizufahren und „Leergut" einzusammeln.
Im Brauhaus Sion in der Altstadt freut sich Restaurantleiter Friedhelm Schefzig zwar auch über gute Umsätze, der Kölsch-Konsum aber sei nicht sprunghaft gestiegen: „Es ist zu warm." Schefzig: ,Wir haben hier eine Sonderlage mit einer ganz kleinen Terrasse. Beim Spiel Deutschland-Argentinien saß da kein einziger Gast, drinnen waren 300." Und auch die haben den Umsatz angekurbelt.
Während Kneipen außerhalb des direkten Fan-Bereichs in der Innenstadt teilweise deutliche Umsatzrückgänge verzeichnen, freut sich das „Getränke Schlößchen" an der Vogelsanger Straße über Zuwächse von 60 bis 70 Prozent. „Normalerweise wären wir jetzt schon im Sommerloch, jetzt erleben wir gerade das Gegenteil", erklärt der Inhaber Predrag Samarzija.
Die Brauer verzeichnen Steigerungen von zehn Prozent
In der heißen Phase der Fußball-WM wächst die Spannung und damit der Durst, und Kölns Brauer strahlen um die Wette. Karnevalistische Ausmaße hat der Kölsch-Konsum während der Weltmeisterschaft angenommen. Schluckspechte sorgten dafür, dass der Umsatz seit Mai monatlich im Schnitt um fast zehn Prozent gestiegen ist. Seit Mai deshalb, weil viele Händler damals schon begannen, Vorräte zu horten.
Die Euphorie und das Wetter macht Heinrich Becker, Mitinhaber der Gaffel-Brauerei (bei der die Laster Schlange stehen), verantwortlich dafür, dass es so gut läuft. Zuweilen gibt Gaffel „nur volle Fässchen raus, wenn leere reinkommen" , in der Abfüllanlage wurden Sonderschichten gefahren. Renner sind hier die 0,33-Liter-Flasche und die Fünf-Liter-„Dose". Bierbüchsen seien wegen des Pfands „so gut wie tot". Die Nachrichtenagentur meldet: „Besonders im Trend liegen Biermischungen." „Nicht in Köln, auf keinen Fall", kontert Becker.
„Wir sind dankbar für die Leistungen der deutschen National- mannschaft", versichert Dirk Heisterkamp, Leiter für Marketing und Verkauf bei Früh, wenngleich er auch einräumt, dass das Wetter seinen Beitrag zum erfolgreichen Geschäftsverlauf beiträgt. Bei den Fässchen werde es ab und an ein wenig eng, „derzeit steht das Zurückbringen nicht an erster Stelle". Und so sieht sich Früh zuweilen gezwungen, bei den Großhändlern vorbeizufahren und „Leergut" einzusammeln.
Im Brauhaus Sion in der Altstadt freut sich Restaurantleiter Friedhelm Schefzig zwar auch über gute Umsätze, der Kölsch-Konsum aber sei nicht sprunghaft gestiegen: „Es ist zu warm." Schefzig: ,Wir haben hier eine Sonderlage mit einer ganz kleinen Terrasse. Beim Spiel Deutschland-Argentinien saß da kein einziger Gast, drinnen waren 300." Und auch die haben den Umsatz angekurbelt.
Während Kneipen außerhalb des direkten Fan-Bereichs in der Innenstadt teilweise deutliche Umsatzrückgänge verzeichnen, freut sich das „Getränke Schlößchen" an der Vogelsanger Straße über Zuwächse von 60 bis 70 Prozent. „Normalerweise wären wir jetzt schon im Sommerloch, jetzt erleben wir gerade das Gegenteil", erklärt der Inhaber Predrag Samarzija.
NEUERÖFFNUNG ERST 2007?
Jetzt im Sommer, so verkündete Brauerei-Chef Rudolf Päffgen vor kurzem, wolle er Kölns legendäre Kult-Kneipe „Lommerzheim“ in Deutz wiedereröffnen.
Doch die umfangreichen Bauarbeiten in dem ruinösen Gebäude an der Siegesstraße nehmen viel mehr Zeit in Anspruch als geplant. „Im Sommer nächsten Jahres wird wohl erst eröffnet“, so ein Päffgen-Vertrauter zum EXPRESS. „Da ist ja noch so viel zu tun…“
Vor genau einem Jahr starb Hans Lommerzheim im Alter von 74 Jahren. Sein Tod war eine Tragödie. Denn mehr als 45 Jahre lang stand er wacker tagein, tagaus in seiner urigen Kneipe, schenkte Kölsch aus und servierte seine berühmten, dicken Koteletts.
Lange hatte sich das Kölner Original auf seinen wohlverdienten Ruhestand gefreut – doch nach nur sechs Monaten erlag „Lommi“ im Urlaub einem Herzinfarkt.
Der erste Todestag am Mittwoch – für Witwe Annemie wird er ganz schwer: „45 Jahre lang waren wir überall so beliebt. Jetzt bin ich mit meiner Trauer ganz allein…“
Wer Lommi gedenken möchte: Am kommenden Freitag findet in der Deutzer Pfarrkirche St.Heribert das Jahresgedächtnis statt.
Humulus lupulusfür die Welt
Auf der Fahrt von Nürnberg nach München, im Donau-Isar-Hügelland, fallt der Blick auf etwas Wunderliches. Wo Wälder und Wiesen sein müssten, ist die Natur zwischen Holzstangen von exakt gezogenen Schnüren eingesperrt, als habe sich ein landwirtschaftlich begabter Riese nach seiner Vorstellung einen Garten angelegt. Derselbe Riese, der in anderen Landstrichen diese rotierenden weißen Windräder aufgestellt hat, damit sich seine Riesenkinder vor Langeweile nicht die ganze Zeit mit ihren Riesenfingem in ihren Riesennasen bohren müssen. Dazu sind diese Vorrichtungen nämlich da. Nur in unserer Realität erscheinen sie als Kraftwerke zur ökologischen Stromerzeugung. Aber diese endlosen Reihen gigantischer Rankhilfen, an denen sich ein verwunschenes Märchenkraut ungehemmt nach oben windet, sind ein Rätsel.
Und was für Namen die Orte fragen. Dieser da an der Gabelung von A 9 und A 93 heißt Wolnzach. Nicht Wolznach, nein Wolnzach. Alles sieht aus wie überall in Oberbayern. An der Ortseinfahrt ein Markendiscounter, in der Ortsmitte das Postamt und der runde Kirchturm, hierein Eiscafe, da eine Pizzeria. Und dort ein stattliches Hotel, das ländlichen Komfort verspricht. Aber diese Zaubergärten... In Wolnzach wird der Reisende mit seinen Fragen nicht alleine gelassen. Er erfährt alles über diese rätselhafte Pflanze, die ihm schon so oft begegnet ist, ohne dass er es gemerkt hat. Ihr ist hier ein Museum gewidmet. Die Gaststätten tragen ihren Namen. Sie ernährt hier alle.
Humulus lupulus. Gehört zur Familie der Hanfgewächse, der Ordnung der Rosenartigen, der Unterklasse der Rosenähnlichen, der Klasse der Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrigen und der Abteilung der Bedecktsamer. Der echte Hopfen. Ohne ihn kein Bier. Wolnzach liegt in der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt.
14221 Hektar, die von 1297 Pflanzbetrieben bewirtschaftet werden. Exakt bis in acht Meter Höhe, denn die psychoaktiv wirkende Pflanze wächst bis zu 35 Zentimeter an einem Tag. Ohne die Hallertau, die zwei Drittel ihrer Erzeugnisse exportiert, wäre diese Fußball-Weltmeisterschaft eine völlig andere Angelegenheit. Selbst der WM-Sponsor Budwei-ser braucht deutschen Hopfen, sonst würde sein Produkt noch fader schmecken.
Für Wolnzach ist die WM eine feine Sache. Alleine in Deutschland hat sie den Bierkonsum in den letzten beiden Wochen um etwa 10 Prozent gesteigert und damit der aktuellen Hopfenmisere entgegengewirkt - einer Mischung aus stagnierendem Bierdurst und sinkendem Rohstoffpreis, der schon einige Hopfenbauern in der Gegend zum Aufgeben gezwungen hat.
Wolnzach ist aber noch mehr. Ruhig vor allem. Und alt. 756 wird es in einer Gründungsurkunde als Wolamotesaha erwähnt. Das ist noch ein urkeltischer Begriff und bedeutet: Wasser des Wolamot. Wolnzach existierte also schon in vorrömischer Zeit. Seit 1726 steht hier ein Kloster. Am 12. Februar 1929 wird im Ortsteil Hüll mit minus 37,8 Grad Deutschlands bis heute bestehender Kälterekord gemessen. Wer Fußball live schauen will, tut das in Wolnzach zu Hause oder im Hotel Hallertau, wo ein Großbildschirm steht. Aber richtig laut wird es hier nicht Der Wolnzacher ist gemütlich und eher still. Wahrscheinlich liegt es an der beruhigenden Wirkung des Humulus lupulus.
Jetzt ist es endgültig: Lommerzheim wird auferstehen, und zwar noch möglichst dieses Jahr. Wie Brauereichef Rudolf Päffgen der Rundschau bestätigte, ist er sich über den Verkauf der Gaststätte mit der Witwe von Gastwirt Hans Lommerzheim, Annemie Lommerzheim, einig geworden. Ebenso wurde mit dem langjährigen Bewohner des linken Nachbarhauses, einem 95-jährigen Herrn, der dort lebenslanges Wohnrecht genießt, aber schon längere Zeit nicht mehr dort lebt, eine einvernehmliche Lösung gefunden. Auf dem Nachbargrundstück, berichtete Päffgen, möchte er gern einen kleinen Biergarten einrichten: Lommi in der Kneipe und nebenan an der frischen Luft.
Der ursprünglich ins Auge gefasste Termin „Sommer 2006“ wird sich allerdings nicht halten lassen. Vor einer Wiedereröffnung müssen die Nebenbereiche geltenden Bestimmungen entsprechend hergerichtet werden. „Der Architekt arbeitet fleißig“, sagte Päffgen. Er hat keinen Zweifel, dass eine Konzession erteilt wird, auch wenn - was die „Lommi“-Fans natürlich möchten - die Gaststätte selbst „in der seit eh und je gewohnten Erscheinung“ erhalten bleibt, „mit aller Patina“.
Viele Gedanken hat sich Päffgen um die Person des Wirtes gemacht. Natürlich kann man Hans Lommerzheim nicht imitieren, man kann es noch nicht einmal versuchen. Rudolf Päffgen liegt aber daran, jemanden zu finden mit Liebe zu dem Objekt, jemanden, der sich damit und mit dem besonderen Päffgen-Kölsch identifiziert. Er hat auch schon einen Wirt im Auge. Wenn man ihn nach dem Namen fragt, ist Päffgen allerdings derzeit so schweigsam, wie es einst Lommi war.
München - Bierselig ist Peter Hahn praktisch von Berufs wegen. Deshalb liegt es nahe, dass der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes im Gerstensaft und Fußball zwei deutsche Leidenschaften sieht, die sich zur Weltmeisterschaft nahezu idealtypisch verbinden. Die WM sei „eine Traumflanke für die Marke Deutschland“, sagt der Lobbyist mit Blick auf den schäumenden Konsum der Fans. Auf den Weltfußballverband Fifa ist er jedoch nicht gut zu sprechen. Der habe sich über seine Markenrechte eine Lizenz zum Gelddrucken verschafft und versuche, deutsche Brauer dabei auszuschließen. Denn Fifa-WM und Bier darf nur werblich in Zusammenhang bringen, wer dafür ordentlich zahlt. Im Falle der WM war das die US-Brauerei Anheuser-Busch, die wie andere Großsponsoren der Fifa dafür 40 Millionen Euro überweist. Wer das Werbeverbot nicht achtet, muss damit rechnen, vor den Kadi gezerrt zu werden. „Diktatorische Stilmittel und Sonnengott-Gehabe“, sagt Hahn zu dieser Praxis.
Findige deutsche Brauer haben dennoch Wege gefunden, die von der Fifa aufgebauten Werbehürden zu umdribbeln. Viele der 1274 heimischen Brauereien hätten andere Reizworte abseits von Fifa und WM gefunden, um sich an das Megaereignis anzuhängen, weiß Brauerbund-Sprecherin Birte Kleppien. So habe die Privatbrauerei Bischoff in Winnweiler ein nach der deutschen Fußball-Ikone benanntes „Fritz-Walter-Bier“ auf den Markt gebracht, um ins Spiel zu kommen. Walter König, Geschäftsführer beim Bayerischen Brauer-Bund, kann spontan sechs weiß-blaue Brauereien nennen, die zur WM ein eigens gebrautes oder entsprechend umetikettiertes Bier unter Namen wie „Fußballfieber“, „Teamspirit“ oder „P11“ brauen. Elf Flaschen im Träger hat zwar noch keiner angeboten, aber ein Fünf-Liter-Partyfass im Fußballdesign gibt es im Freistaat durchaus zu kaufen. Vertrieben wird meist nur regional, entsprechend der Struktur des einzigartig zersplitterten deutschen Braumarkts, sagt König. Nach dem, was er so hört, „läuft Fußballbier gigantisch“. Zu juristischen Reibereien mit der Fifa ist es seines Wissens noch nicht gekommen. Dazu gäben die Brauer aber wohl auch keine Angriffsfläche. Das bestätigt Fritz Weideneder vom gleichnamigen Bräu in Tann. „Goal“ heißt das Helle, das das Familienunternehmen „aus dem tiefsten Niederbayern“, wie Weidenender selbst formuliert, den Fans anbietet. „Wo eine Großbildleinwand steht, läuft es sagenhaft“, sagt der Unternehmer. In normalen Kneipen sei es weniger fantastisch.
Das Fanbier mit dem Kronenkorken im Fußballdesign wolle man tunlichst im Sortiment halten, auf alle Fälle aber zur Fußballeuropameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz sowie zur WM 2010 in Südafrika wieder ausschenken, dann möglichst auch in den bundesweiten Fan-Schwerpunkten. Dieses Mal komme „Goal“ über regionale Verbreitung nicht hinaus. Die einzige deutsche Brauerei, die es in die Bannmeile der Fifa um WM-Stadien geschafft hat, ist Bitburger. Das hat einen besonderen Grund. Schon in den 90er Jahren habe Bitburger einen Markenrechtsstreit gegen Anheuser-Busch gewonnen, erzählt Bitburger-Sprecher Dietmar Henle. Die US-Brauer, Nummer drei der Brauriesen weltweit, wollten hierzulande mit ihrer Hauptmarke „Bud“ aktiv werden. Bitburger und die Gerichte sahen aber eine zu große Verwechslungsgefahr mit der Marke „Bit“ und untersagten das. Seitdem hat Anheuser-Busch in Deutschland ein Markenproblem und ist praktisch nicht am Markt präsent. „Die hatten 40 Millionen Euro an die Fifa bezahlt, durften in Deutschland aber eigentlich nicht werben“, beschreibt ein Branchenkenner zur Lage der US-Brauer vor der WM. Mit Bitburger wurde deshalb ein Kuhhandel geschlossen:
Die drittgrößte Braugruppe Deutschlands erlaubt Anheuser-Busch, mit „Bud“ auf die Werbebanden der WM-Stadien und damit vor millionenfaches TV-Publikum in aller Welt zu gehen. Dafür sind 30 Prozent des in den Stadien gezapften Gerstensafts „Bit“. Vor allem aber trat Anheuser-Busch die nationalen TV-Werberechte an Bitburger ab. Henle klingt berauscht. „23 Millionen private TV-Zuschauer beim Spiel Deutschland - Polen, dazu zwölf Millionen beim Public Viewing“, sagt er. Und alle hätten sie die Bitburger-Spots gesehen. Das mache sich bezahlt. Schon im Mai, angeheizt von der vorgeschalteten Werbung, sei der Absatz um zwölf Prozent auf 445 000 Hektoliter Bier gestiegen. Im Juni setze sich der Trend fort.
Ob auch Anheuser-Busch auf seine Kosten kommt, ist unbekannt. Die US-Brauerei hat in Deutschland keinen Vertreter, der Rede und Antwort stehen könnte. Ein Insider meint, hierzulande sei Bier im internationalen Vergleich viel zu billig, die Rendite niedrig und die Konkurrenz groß. Man sei nur daran interessiert, bei TV-Übertragungen weltweit ins Bild gerückt zu werden.
Der Tag danach: England spielt Kricket im Rheingarten. Schweden zieht langsam gen München. Und die Gastronomen jubeln.
Was macht der englische Fan nach dem Match seines Teams gegen Schweden? Kricket spielen. Mark, Dirren und Paul haben ihre Ausrüstung mitgebracht und schlagen im Rheingarten ein paar Bälle. Locker, ohne übermäßige Anstrengung. „Die Nacht war lang“, sagen die Jungs aus Birmingham, die heute Richtung Holland weiterreisen wollen. „Wir haben mit den Schweden gefeiert.“ Weitere Erklärungen sind nicht nötig.
Wer nach dem Spiel noch nicht die Heimreise angetreten hat, der lässt es ruhig angehen am Tag danach. Einige liegen im Rheingarten, dösen oder studieren die heimische Tagespresse, andere stärken sich in den Altstadt-Lokalen, viele haben schon wieder ein Bier auf dem Tisch. Die Stadt atmet durch. Tom, Matts und Chris stehen unrasiert auf dem Alter Markt. Wann sie in der Nacht zuvor in ihre Zelte am Rheinufer gekrochen sind, können die drei Studenten nicht mehr so genau sagen. Für sie geht´s jetzt weiter nach Budapest und Kroatien - „und zum Viertelfinale kommen wir zurück nach Deutschland“. Viertelfinale? Dazu muss England aber doch erst das Achtelfinale gegen Ecuador überstehen? Die Frage können die drei nicht so recht verstehen.
Den Dom haben sie fast alle gesehen, das war es dann aber auch meist mit dem kulturellen Engagement. „Wir wollen heute Nachmittag noch ins Schokoladenmuseum“, haben sich Tom, Alan, Carl und Michael aus Essex immerhin vorgenommen. Dan Cers ist einer der wenigen Schweden, die sich gestern noch - am Trikot erkennbar - in der Altstadt aufhielten. Der Mann aus der Nähe von Stockholm ist ein Glückspilz: Er reist heute weiter nach München - mit Tickets für das Achtelfinale gegen Deutschland in der Tasche. „Ich bin ganz zufrieden“, sagt er schmunzelnd.
Das sind auch zahlreiche Gastronomen in der Altstadt, die während der WM, vor allem aber zum England-Schweden-Spiel ein gutes Geschäft gemacht haben. „Das war besser als Karneval“, sagt Anette Bastian, Mitarbeiterin im „Haus Zims“ am Heumarkt, direkt neben der „Public-Viewing“-Fläche. Um sechs Uhr am Mittwochmorgen haben die letzten Gäste das Lokal verlassen. „Die zwei Tage, an denen die Engländer hier waren, haben sich echt gelohnt“, sagt ein anderer Altstadt-Wirt. „Die saufen weg, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Und das „ohne Theater, ohne Stress“.
Georg Schäfer von der Privatbrauerei Gaffel kann das bestätigen. „Im Moment ist jeden Tag Weiberfastnacht oder Rosenmontag“, sagt der Geschäftsführer für Marketing und PR. Der Verkauf von Flaschen und Fünf-Liter-Dosen habe zur WM „signifikant zugelegt“. Im Gaffel-Haus am Alter Markt, wo der Dienstag sonst „ein eher schwacher Tag“ sei, habe sich der Umsatz zum England-Spiel in etwa verdoppelt. „Wir könnten im nächsten Jahr wieder eine WM vertragen“, sagt Schäfer. Auch Michael von Rieff, Geschäftsführender Gesellschafter der Reisdorf-Brauerei, ist „sehr zufrieden mit dem Geschäft“. So gingen die neuen Zehn-Liter-Fässchen „weg wie warme Semmeln“.
Die WM-Dauerparty sorgt bei den Brauereien für absolute Rekordabsätze mit zweistelligen Steigerungsraten. „Das toppt sogar das Hochgeschäft im Karneval“, so Wolf-Dieter Kölsch von den Kölner Verbund Brauereien.
Deren Marke Gilden wird auf den Kölner WM-Festen mit den Großleinwänden ausgeschenkt. Allein für das Deutschland-Spiel und das Duell der beiden „trinkfesten Nationen“ England gegen Schweden in Köln wurden in drei Sonderschichten insgesamt 600.000 Liter abgefüllt. Das entspricht drei Millionen Kölsch in Stangen.
„Der Absatz im Gaffel-Haus war höher als Rosenmontag“, meldet auch die Privatbrauerei: „Alle Produkte laufen wie verrückt.“
Vor den Spielen deckten sich die Zehntausende Fans an Büdchen mit Kölsch ein, so dass die Kiosk-Inhaber nicht mehr mit der Kühlung nachkamen. Der Reissdorf-Brauerei, die überwiegend in Flaschen abfüllt, brachte dies einen Rekordumsatz.
Rekordumsätze bei WM - Jetzt haben die Brauereien ein Luxusproblem
Kölsch-Alarm rund um den Dom: Hilfe, uns gehen die Fässer aus. Die WM beschert den Brauern Rekordumsätze. Bei Gaffel sind alle 140000 Fässer und 490000 Kisten im Umlauf. Chef Johannes Becker: „Wir waren zwei Tage ausverkauft. Momentan bekommen unsere Kunden nur noch Kölsch, wenn sie uns leere Fässer und Flaschen abliefern. Dabei sind alle verfügbaren Reserven im Einsatz, die wir sonst nur Karneval brauchen." 70000 Engländer, 20000 Schweden und mehr als 100000 siegestrunkene Deutsche stürmten am Wochenende Kneipen und Büdchen. Reissdorf, Markführer im Flaschenbier, verzeichnete einen Umsatz-Rekordtag.
Auch bei der DOM-Brauerei ist der Fässervorrat fast erschöpft. Dort hat man während der WM einen Notdienst eingerichtet, damit Wirte Tag und Nacht bestellen und beliefert werden können. Marketing-Chef Michael Schürger:
„Es standen sogar Kneipen auf dem Trockenen. Das Haus Berger in Rodenkirchen wurden an beiden WM-Wochenenden regelrecht leergetrunken. Es brummt richtig. Wir haben einen Umsatzanstieg um mehr als 20 Prozent."
Peter Büscher, Chef des „Poller Fischerhaus" (Reissdorf-Kölsch), der von englischen Fans seit Tagen von morgens bis nachts belagert wird: „Die Fans waren alle super drauf, trinkfest, wollten nur feiern. Einen Tag haben die alle Fässer ausgetrunken. Kollegen konnten mir aber zum Glück aushelfen." Gaffel-Chef Becker: „Der Umsatz ist besser als im Karneval. Seit acht Tagen setzen wir das Doppelte um. Das Wetter und die Euphorie helfen uns. Am Aachener Weiher wurden an einem Tag 50 Hektoliter Kölsch (25000 Gläser) gezapft, Das ist sonst nur in einem Monat möglich.
Bonner Forscher sammelte Hunderte rheinische Ausdrücke für Bier
Sie gehen an die Theke und bestellen ein Kölsch? Pah, wie profan! Wir Rheinländer können das doch viel einfallsreicher! Die schönsten, liebevollsten und witzigsten Bezeichnungen fürs kühle Blonde hat jetzt der Bonner Sprachforscher Peter Honnen gesammelt.
Dabei stellte sich heraus: Besonders einfallsreich waren die Rheinländer, wenn es darum ging, Ausdrücke für ihr Lieblingsgetränk - das Kölsch - zu finden. „Das ist ein regelrechter Code unter den Biertrinkern!"
So wundert sich auch wohl kaum ein Wirt, wenn er aufgefordert wird: „Gib ma ne Vase rübber!"
Und wenn ein Gast ein „Hefeteilchen" bestellt, dann wird er nicht zur nächsten Bäckerei geschickt. Seit 20 Jahren erforscht der Wissenschaftler im Auftrag des LVR die rheinische Sprache. „Die ist ja so ein Zwischending -viele Rheinländer sprechen keinen Dialekt mehr, aber auch kein Hochdeutsch", weiß der 52-Jährige. „Deshalb haben sich in vielen Regionen besondere Ausdrücke eingebürgert oder entwickelt." Die sammelte er vier Jahre lang mit einer groß angelegten Fragebogenaktion. „Ich bin auch über Land gefahren und habe die Leute direkt angesprochen."
Hefekaltschale, Hopfenblütentee, Diskussionswasser, Maurerbrause, - wenn’s ums Bier geht, kennt die Phantasie keine Grenzen. „Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass man so etwas Alltägliches interessant macht", vermutet Honnen.
So wird aus einer simplen Bierdose eine „Hunderterschraube" und aus einem Six-pack eine mit Stolz getragene „Herren-Handtasche"...
Verein plant Brunnen mit Halbrelief des unvergessenen Wirtes
Hans Lommerzheim war schon zu Lebzeiten sein eigenes Denkmal. Jetzt soll die Erinnerung an den unvergessenen Gastwirt, der seine unvergleichliche Kneipe in der Siegesstraße in Deutz Ende 2004 nach 45 Jahren schloss und ein halbes Jahr darauf 74-jährig starb, mit einem Denkmal wach gehalten werden. Genauer gesagt, geht es um einen Brunnen, den der voriges Jahr gegründete Verein „... ein Denkmal für Lommi!" stiften will. Mehr als 50 Mitglieder gehören dem Verein derzeit an; sie zahlen 30 Euro Beitrag und treffen sich zu drei oder vier Veranstaltungen im Jahr. Sogar eine Internetseite gibt’s. Vorsitzender Peter Mees, selbst ein Düxer Jung und viele Jahre Gast bei Lommi, rechnet allerdings damit, dass die Verwirklichung, sofern sie erreicht wird, rund zwei Jahre für den Instanzenweg braucht. Als Standort könnte sich der Verein beispielsweise den Von-Sandt-Platz in Deutz vorstellen: „Dazu brauchen wir die Genehmigung von Bezirksvertretung und Rat." Außerdem muss geklärt werden, wie dort ein Wasseraiischluss geschaffen werden kann.
„Da muss natürlich - leider -Wasser statt Bier fließen", sagt Mees. Einen Entwurf für den Brunnen gibt es noch nicht, und Mees will der Diskussion im Verein keinesfalls vorgreifen. „Vielleicht entscheiden wir uns für eine Gestaltung nach dem Vorbild unseres Vereins-logos, das Hans Lommerzheim mit einem Bierkranz zeigt, das Ganze als Halbplastik beispielsweise aus GUSS oder Stein auf einem Sockel." Eine Vollplastik scheide aus Kostengründen aus. Mees rechnet mit Kosten von etwa 8000 Euro inklusive Installation.
Die Flasche Kölsch vom Büdchen. Die Kiste Bier aus dem Supermarkt. Oder nachts von der Tanke. Wenn es nach der Europäischen Union in Brüssel geht, soll damit bald Schluß sein. Kein Kölsch mehr am Büdchen. Ein neuer Fall von EU-Irrsinn!
„Der Plan sieht vor, daß der Verkauf von Kölsch und Bier nur noch über gekennzeichnete Abgabestellen abgewickelt und reglementiert wird. Wie in England und Schweden", erklärt Heinrich Becker, Vizepräsident des Deutschen Brauer-Bundes.
Damit soll der Verkauf kontrolliert, Jugendliche am Erwerb gehindert werden. Becker befürchtet: „Das könnte sicher zu großen Umsatzeinbußen führen."
Doch damit nicht genug: Derzeit diskutiert die EU weitere Maßnahmen, um den Alkoholmißbrauch einzudämmen. Becker: „So soll das Abgabealter von Kölsch wie bei hochprozentigen Getränken generell auf 18 Jahre angehoben werden."
Wie bei Zigaretten sollen die Flaschen-Etiketten mit Warnhinweisen versehen werden. Zudem soll Obergäriges mit erheblich höheren Steuer belegt werden. Wie bei Alcopops. Becker: „Das führte aber eher dazu, daß Jugendliche sich die Getränke jetzt selbst mixen."
Auch bei der Bier-Werbung sind Sanktionen geplant. 400 Millionen Euro geben deutsche Brauer jährlich für Werbung aus. Jetzt wird in Brüssel über Werbebeschränkungen nachgedacht. Birte Kleppien, Brauer-Bund-Pressesprecherin: Jede Werbung soll vor Veröffentlichung von Suchtpräventionsinstitutionen geprüft werden. Das käme einem Werbeverbot gleich."
Nur noch 18 Tage bis zur Fußball-WM. Aber nur wenige Fans werden die 64 Spiele im Stadion verfolgen können. Daher bereiten sich die Kölner Kneipen jetzt auf das Mega-Ereignis vor, bauen ihre Läden zu kleinen Fußball-Stadien um. Und mit BILD wird es dann wirklich für die Gäste zur WM-Arena! Sieben Kriterien (siehe Checkliste) müssen die Kneipen dafür erfüllen, damit Preis, Angebot und Leistung den Fans schmecken.
„Bei uns sind die Fans gut aufgehoben", versprechen Horst Groos und Francesco Maugeri. Vor wenigen Tagen haben sie ihr „Kalker Kultbistro“ (Peter-Stühlen-Straße 118 bis 120) eröffnet. Nicht nur drinnen kann der Fußballfan Spiele auf einer Leinwand verfolgen. Horst Groos: „Auch im Biergarten haben wir eine Leinwand. Er ist teilüberdacht, bietet Platz für rund 200 Personen“
Der absolute Knüller aber sind die Preise: Das 0,2 Kölsch Marke Reissdorf kostet 70 Cent, das 0,3-Glas gibt es für 1,05 EURO. „Kein Sonderpreis für die WM. Das bleibt so", versprechen die Wirte. Knabberzeug stellen sie natürlich auch bereit.
Alle Kneipen, die den Qualitätsansprüchen genügen, werden mit dem „BILD WM-Kneipe"-Logo ausgezeichnet.
CHECKLISTE FÜR DIE WIRTE
Wer 7mal mit Ja" antwortet, bekommt die Auszeichnung „BILD-WM-Kneipe"
* Von jedem Sitzplatz aus haben die Gäste Sicht auf den Bildschirm oder die Leinwand. * Jedes WM-Spiel wird übertragen. Das heißt: Die Kneipe ; hat jeden Tag geöffnet. * Die WM-Spiele werden alle MIT Ton übertragen. * Das Bier kostet nicht mehr als 1,40 Euro(0,2l), 2,10 (0,3 l), 2,20(0,33 l) * Kein Gast wartet länger als zehn Minuten auf sein Getränk. Bei Spitzen-Spielen ; (z. B. der deutschen Nationalelf) wird die Zahl der Service-Kräfte erhöht. * Auf den Tischen steht kostenloses Knabberzeug, zum Beispiel Salzstangen. * Analysen und Interviews nach Spielen werden übertragen.
Spitzenvertreter der Wirtschaft und der Gewerkschaften hoffen auf gute Zusammenarbeit.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK), der Dachverband der Kölner Arbeitgeber und der DGB haben sich positiv über die Wahl des Wirtschaftsdezernenten Norbert Walter-Borjans (SPD) geäußert. IHK-Hauptgeschäftsführer Herbert Ferger würdigte den künftigen Spitzenbeamten am Freitag als „Wirtschaftsexperten mit einschlägiger Erfahrung“. Walter-Borjans habe „in seinen bisherigen beruflichen Stationen als Wirtschaftsstaatssekretär gut mit den IHKs zusammengearbeitet“. Die Kammer gehe „daher grundsätzlich von einer guten Zusammenarbeit“ aus.
Für den Wirtschaftsstandort Köln wäre es allerdings besser gewesen, wenn der Rat den Dezernenten mit
einer großen Mehrheit gewählt hätte, so Ferger. Ebenso wie die IHK riefen die Arbeitgeber Köln die großen Fraktionen dazu auf, vertrauensvoll mit dem Wirtschaftsdezernenten zusammenzuarbeiten. Die Arbeitgeber betonten ihre Bereitschaft zu einer „konstruktiven Zusammenarbeit“. DGB-Chef Wolfgang Uellenberg van Dawen sagte, der Ex-Staatssekretär habe sich „umsichtig und sachkundig für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen eingesetzt“.
Unterdessen hat Walter-Borjans ein „Sofortprogramm“ vorgestellt, das er nach seinem Amtsantritt (voraussichtlich 15. Juli) umsetzen will.Der Dezernent will in den ersten 100 Tagen mit „100 für die Kölner Wirtschaft wichtigen Akteuren“ sprechen.
Ein „Außenwirtschaftskonzept“: In den für Köln wichtigen Regionen der Welt soll gezielt geworben werden - mit Material, das auf die jeweilige Region zugeschnitten ist.Nach für die Wirtschaft wichtigen Entscheidungen wird der Verlauf dieser Vorhaben „öffentlich nachvollziehbar dokumentiert“. Das erzeuge „Umsetzungsdisziplin“.
Der Wirtschaftsdezernent „steht mit seinem Namen für den Unternehmensservice“. Er will sich als „Anlaufstelle“ auch bei auswärtigen Unternehmen bekannt machen.Die Verwaltung erstellt eine Adress-Datei mit internationalen Top-Managern, die einen Bezug zu Köln haben (Studium etc.). Diese erhalten regelmäßig einen Newsletter „aus der Heimat“. Als SympathieWerbung soll es nach Art der „Ständigen Vertretung“ in Berlin Kölsch-Kneipen in allen Erteilen geben.Gemeinsam mit der Industrie sollen „Netzwerke“ gebildet werden, um junge Unternehmen besser fördern zu können.
Mit Hilfe der IHK soll das „große wissenschaftliche Potenzial in Köln“ stärker mit der Wirtschaft verzahnt werden.In Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und Betriebsräten will sich der Dezernent beizeiten um Unternehmen kümmern, die sich in einer Krise befinden.Bessere Abstimmung mit den benachbarten Städten und Kreisen. „Klärung von Konkurrenzfeldern“ ebenso wie Aussagen zu Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
Die Verwaltung soll prüfen, welche Gelder der EU mit Beginn der neuen Förderphase 2007 nach Köln fließen könnten.
Der 59 Jahre alte Ministerpräsident von Schleswig-Holstein erhielt die Auszeichnung aus den Händen des Präsidenten des Deutschen Brauer-Bundes, Dr. Richard Weber. Die Ehrung erfolgte während eines Abendempfangs mit 150 Gästen in „Peters Brauhaus". Carstensen zeichne sich aus durch seinen „unbändigen Optimismus, die umwerfende Lebensfreude und die Begeisterung für das deutsche Bier", sagte Weber in seiner Laudatio. Den Titel tragen bislang Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, Manuel Andrack („Harald Schmidt Show"), Ministerpräsident Peter Müller, Moderatorin Barbara Schöneberger, Schauspielerin Jessica Schwarz sowie die Ex-Bundesminister Wolfgang Clement und Norbert Blüm.
Auf den großen WM-Partys vor den Großleinwänden soll das Kölsch in Massen fließen. Seit Wochen kämpfen die Brauereien für den Zuschlag.
EXPRESS erfuhr: Gilden hat das Rennen gemacht!
„Wir haben die mündliche Zusage bekommen", so Gilden-Chef Wolf-Dieter Kölsch zum EXPRESS. Die Brauerei wird somit den Gastronom Hans Flock beliefern, der den kompletten Ausschank übernimmt.
Für diese Ausschank-Lizens soll Flock eine sechsstellige Summe gezahlt haben. Dies wollte er nicht kommentieren.
Er redet lieber über die WM-Partys: „Am Roncalliplatz werden vorraussichtlich sechs Getränke-Wagen stehen, ebenso am Heummarkt. Dazu einer am Alter Markt." Für Essen ist auch gesorgt.
„Am Roncalliplatz gibt es vier Gourmet-Tempel mit Scampis, Wok-Gerichten und eventuell auch Sushi."
Rustikaler wird es auf dem Heumarkt. In vier Buden werden Pommes, Champignon-Pfannen und Grillwurst angeboten.
Was kostet ein Kölsch?
Flock: „Ein 0,3-Becher etwa 2,50 €."
Drink doch (k)eine met
Wie heißt es bei den Bläck Fööss doch so schön? „Drink doch eine met, stell dich nit esu ahn…“
In den Brauhäusern kann das Befolgen der netten Einladung aber zu echten Schwierigkeiten führen: In Düsseldorf wurde ein Köbes entlassen, weil er mit den Gästen trank. Und auch in fast allen Kölner Brauhäusern herrscht Alkoholverbot!
Drink doch keine met – für Geschäftsführer Hans-Peter Schick im Kölner Gaffelhaus ist das eine Selbstverständlichkeit. Seit vielen Jahren wird das Alkoholverbot hier sogar in den Arbeitsverträgen festgehalten.
Die Mitarbeiter finden’s gut: „Wenn ich mir vorstelle, dass ich an jedem Tisch ein Kölsch mittrinken müsste… Ich möchte nicht sternhagelvoll über die Terrasse torkeln.
Die Gäste wollen auch nicht von einem Betrunkenen bedient werden“, so eine Gaffel-Kellnerin. „Wenn ich eingeladen werde, trinke ich Wasser oder Cola.“
Auch im Früh am Dom muss der Köbes ein Kölsch ablehnen. Geschäftsführer Hilger Urlichs: „Bei uns gilt seit zwölf Jahren absolutes Alkoholverbot! Das ist arbeitsrechtlich festgelegt, wer dagegen verstößt, wird sofort gefeuert.“
Genauso sieht das auch Josef Schwartz, Geschäftsführer der Malzmühle: „Bei uns herrscht seit 15 Jahren Alkoholverbot, weil zuviel Kölsch falsches Abrechnen begünstigt. Dann vergessen die Köbesse aufzuschreiben, haben am Schluss eine Differenz im Portemonnaie – das wollen wir nicht. Wenn sie eingeladen werden, können sie sich gerne den Betrag, den ein Bier kostet, als Trinkgeld aufschreiben.“
Auch bei Sion herrscht Alkoholverbot – seit über 20 Jahren. Ein Sion-Köbes: „Das finde ich richtig. Manche können es vertragen, manche nicht – und die meisten einfach nicht…“
Individueller ist die Regelung im Peters Brauhaus. „Wir haben zusätzlich zum Arbeitsvertrag ein Team-Concept mit rechtsverbindlichen Spielregeln“, erklärt Geschäftsführer Bruno Haumann. „Da ist festgelegt, wo, wann und wieviel unsere Köbesse trinken dürfen. Kommt die Einladung von einem Gast, den sie bedienen, dürfen sie sie annehmen. Das Kölsch auf Ex zu kippen, ist allerdings tabu – unsere Köbesse sollen den Gästen die kölsche Trinkkultur vermitteln – mit Zuprosten und Abtrinken.
Zwei bis drei Kölsch am Abend, dann ist Schluss. Schließlich muss ein Köbes jederzeit seine Tische bedienen können und darf keinen Gast vernachlässigen. Wer sich daran nicht hält, der muss mit einem totalen Alkoholverbot rechnen!"
Kleines Plus für Kölsch, aber ein dickes Minus für Alt im ersten Quartal 2006.
Die Bierspezialität Kölsch liegt inzwischen deutlich vor der Alt-Konkurrenz aus Düsseldorf und vom Niederrhein. Im ersten Quartal 2006 wurden nach den Zahlen des Brauereiverbandes NRW 567000 Hektoliter Kölsch produziert. Das war ein Plus von 0,9 Prozent - „trotz eines miserablen März", wie der Kölner Verbands-Chef und Gaffel-Mitinhaber Heinrich Becker sagte. Alt kam nur noch auf 354 000 Hektoliter, das waren 12,8 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Von der Fußball-WM mit den fünf Spielen in Köln erwarten die Kölsch-Brauer keinen nennenswerten Mehrabsatz. Weiter unklar ist, ob zur öffentlichen Übertragung auf Großbildschirmen Kölsch ausgeschenkt wird. Der „Kölner Verbund" (unter anderem mit Sion und Gilden) hat sich bei der Stadt beworben, aber nur einen deutlich unter der geforderten „utopischen" Summe liegenden Betrag geboten, sagte Verbund-Chef Wolf-Dieter Kölsch. Man habe aber bislang nichts von der Stadt gehört.
Der Kölner Brauerei-Verband hat im Internet eine Kölsch-Bier-Bibliothek eingerichtet. 120 Beiträge informieren ausführlich etwa über die Bier-Geschichte, das typisch kölsche Brauhaus und über einzelne Brauereien.
Kölner Brauerei-Verband richtete umfassende Internet-Bibliothek ein
Was Sie schon immer über Kölsch wissen wollten - jetzt können Sie es erfahren: In einer Internet-Bibliothek hat der Kölner Brauerei-Verband alles Wissenswerte rund um das Obergärige zusammengestellt. Franz Mathar, Kölsch-Experte und Autor mehrerer Bücher zum Thema, hat für die gut 120 Aufsätze von den Anfängen bis zur Zukunft der Kölsch-Braukunst namhafte Autoren gefunden; -So kommen etwa der 1998 verstorbene Braumeister Hans Sion, Päffgen-Braumeister Udo Kaufmann, aber auch Stadtarchivar Manfred Huisken zu Wort. „Mehr als 50000 Besuche im Monat auf der Website des Brauerei-Verbandes haben uns Mut gemacht, die Texte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", erklärt Mathar. Hier einige Kostproben:
Bier mit Strohhalm: Bereits vor 6000 Jahren tranken die Sumerer ein Getränk aus gemälzter Gerste und Wasser namens „Sikaru", allerdings mit Strohhalmen.
Tierische Namen: Vom Hasen bis zum Stockfisch - tierische Namen für kölsche Brauhäuser waren im späten Mittelalter schwer im Trend. Vegetarisch ging’s in der „Rübe" zu.
Kölsch ist gesund. Es ist sogar amtlich: Kölsch-Trinken ist gesund. Eine Studie zeigte, dass Kölsch den Blutdruck senkt, den Magnesiumgehalt im Blut hebt und die Nierentätigkeit anregt - bei maßvollem Konsum.
80 Millionen Liter: Mehr als 80 Millionen Liter Bier haben die Kölner im Jahr 1907 getrunken, das macht 175 Liter pro Kopf. Der Reichsdurchschnitt lag sage und schreibe 50 Liter niedriger. 2005 tranken die Deutschen im Schnitt 115 Liter Gerstensaft.
Trinkgelage
Ordentlich „versackt" ist Kaiser Maximilian I. 1505 im Zunfthaus der kölschen Brau¬er. Neun Stunden verbrachte der Regent dort und versetzte prompt den Bürgermeister. Offizielle Erklärung: Durch Regen verhindert.
Das Sönnche lacht - und die Kölner strömen ins Freie: Rappelvolles Haus gestern überall da, wo die Sonnenstrahlen hinkamen. Von ihrer Inlineskate-Tour erholten sich Michael (29) und Hanni (29) bei leckerem Kölsch im Biergarten am Aachener Weiher: „Das schmeckt doch draußen am besten. Und bei der Sonne kommen auch die
schönen Frauen wieder raus. "
Sonnenfreuden auch bei den Freundinnen Susanne (28) und Wayma (26): Die genossen ihren ersten Openair-Milchkaffee des Jahres. Wayma: „Wir mussten ja lange genug drauf warten. Wir hoffen, dass das so bleibt." Nur ihr Baby Salahdin weiß noch nicht, was es von den grellen Strahlen halten soll...
Bauarbeiten bei „Lommi" lassen Fans der Kultkneipe hoffen, dass neues Leben in das Deutzer Lokal einkehrt und das Päffgen-Kölsch wieder fließt. Blätternder Putz, nikotinverfärbte Wände - so kennen und lieben die Gäste „Lommerzheim" an der Siegesstraße. Nach der Schließung der Kneipe Ende 2004 und dem Tod des legendären Wirts Hans Lommerzheim Mitte 2005 hatte Brauereichef Rudolf Päffgen stets sein Interesse an der Übernahme der Kneipe des ehemaligen Päffgen-Köbes bekundet. Er sprach sich dafür aus, den Charakter der Kneipe samt Namen soweit möglich zu erhalten. Erforderlich sei es wohl, unter anderem Sanitäranlagen und Küche zu sanieren. Offiziell wird es erst nächste Woche Informationen geben, doch spricht alles dafür, dass „Lommi" nach der Übernahme durch Päffgen bald wieder öffnet.
Keine Angst. Auch wenn die Bauarbeiter rund um Architekt Jan Opgenoorth seit gestern Schutt aus dem „Lommerzheim" tragen - die Traditionskneipe bleibt, wie sie war. Abgeblätterte Farbe, verwitterte Fassade und reichlich Patina. Auch der Name „Lommerzheim" soll erhalten bleiben.
Das hat Rudolf Päffgen, der das Kult-Lokal nach dem Tod von Hans Lommerzheim (74) im Juli letzten Jahres jetzt übernahm, versprochen. Eröffnung des neuen, alten Lommis soll noch diesen Frühling sein.
Eine Runde Kölsch spendierte Früh-Gesellschafter Hermann R. Müller (l.)f als OB Fritz Schramma (r.) gestern Morgen auf den roten Knopf drückte und den Heinzelmän- nchenbrunnen vor dem Brauhaus, auf das er stolz zeigte, wieder in Betrieb nahm. 4500 Euro übergab Müller für den Jahresunterhalt. „Wir machen das aus sozialen Gründen und nun schon im dritten Jahr - weil die Stadt so schwach auf der Brust ist.
"Viele der 85 Kölner Brunnen sind stillgelegt worden. Nur 15 kann sich die Stadt leisten, 18 sprudeln dank Sponsoren. Im Winter ist der neugotische Heinzelmännchenbrunnen, einer der ältesten und berühmtesten, von der Stadt umgebaut worden. Anstelle von frischem Trinkwasser plätschert hier nun kraft einer Umwälzpumpe der einmal eingefüllte Inhalt von etwa zwei Kubikmetern.
Brauhaus Früh sponsert den Betrieb des Brunnens mit 4500 Euro.
Kurz nach 11 Uhr gestern Vormittag hieß es „Wasser marsch", anschließend gab es Kölsch. Oberbürgermeister Fritz Schramma und Hermann R. Müller, Geschäftsführer der Cölner Hof bräu. Josef Früh KG, standen am Heinzelmännchenbrunnen vor dem Brauhaus Früh und prosteten sich zu. Schramma bedankte sich im Namen der Stadt bei Müller. Dessen Unternehmen sponsert auch in diesem Jahr den Betrieb des 1899 vom Kölner Verschönerungsverein gestifteten Brunnens.
4500 Euro lässt sich Früh das sanfte Plätschern kosten, das von einer Umwälzpumpe erzeugt wird -der Brunnen ist auf wassersparende Technik umgerüstet worden. Wegen ihrer angespannten Finanzlage kann die Stadt nur 15 ihrer 85 Brunnen in Eigenregie betreiben, für die anderen braucht sie Sponsoren. Gerade mit Blick auf die bevorstehenden Großereignisse - vor der Fußball-WM marschieren am 21. April die Müll-Menschen von HA Schult auf der Domplatte auf- sei das Engagement der Früh-Brauerei hoch zu bewerten, sagte Schramma. Zu Füßen der in Sandstein gehauenen Heinzelmännchen blühen hunderte Stiefmütterchen - gepflanzt von der Stadtgärtnerei. Um sie und die anderen Blumen vor Schneckenfraß zu schützen, haben die Gärtner statt Rindenmulch geröstete Kakaoschalen ausgestreut. Sobald die Temperaturen steigen, könnte es am Brunnen ungewohnt zart duften.
Wieviel darf ein Kölsch kosten? „Alles unter einem Euro ist irrsinnig, da kann man nicht von leben“, murren die meisten Wirte.
Kann man doch! Das beweist der Fall von Gurdial Singh mit seiner Kneipe „Bei Bruno“. Seit August 1995 besitzt der gebürtige Inder seine Kneipe in Mülheim – und seitdem kostet die Stange Gaffel bei ihm 0,80 Cent, früher 1,60 Mark.
„Es geht alles, wenn man will“, sagt der Wirt. „Man darf halt als Chef nicht rumsitzen und nur das Personal beaufsichtigen sondern muss selbst mit anpacken“, erzählt er. „Ich führe die Kneipe selbst, bin mein eigenes Personal. Meine Frau putzt morgens und das war’s. Ich habe also keine weiteren Kosten.“
Am Hungertuch nage er nicht – auch wenn die meisten Kneipiers behaupten, Kölsch unter einem Euro zu verkaufen treibe jeden Wirt früher oder später in den Ruin.
„Bei mir geht’s doch auch seit 11 Jahren!“, sagt Singh. Wie der 50-Cent-Wirt vom „Haus Regent“ ist aber auch er weder an eine Brauerei noch an einen Lieferanten gebunden.
Das Billig-Kölsch: Leider eine Ausnahme. EXPRESS machte eine große Umfrage (siehe „Mehr Info” – Box) und stellte fest: In ganz wenigen Kneipen zahlen die Gäste 1,20 Euro, die meisten verkaufen die Stange für 1,30 € – bei vielen kostet’s aber auch mehr.
Spitzenreiter sind die Hotels mit bis zu 2,80 € (Excelsior Ernst). Das Argument dort: Man zahlt auch das Ambiente mit, ein Hotel ist edler als eine Kneipe.
Eines steht aber fest: Die Billig-Wirte ziehen den Zorn der Mitkonkurrenten auf sich. Martin Seul („Zum Köbes“): „Wenn wir könnten, würden wir die Preise doch auch senken. Es geht aber nicht, sonst machen viele pleite.“
Die 50-Cent-Kölsch-Kneipe „Haus Regent“ in Mülheim (siehe „Mehr Info”-Box): Sie ist Thekengespräch Nummer eins. Auch bei den Wirten. Denn die sagen: Das ist totaler Irrsinn, fast schon Selbstmord. Wobei es ähnliche Tendenzen gibt: Auf der Subbelrather Straße gibt’s das Frischgezapfte bis Ende des Monats für 80 Cent. Eine Aktion der Kneipen „Neue Post“ und „Zur alten Post“. Der Kampfpreis ist ein Lockmittel. „Daran verdient man nicht mehr viel“, so René Krantz von der „Alten Post“. „Was der Wirt in Mülheim macht, ist irrsinnig“, sagt er. Damit auf der Subbelrather Straße kein Preiskrieg ausbricht, hat er sich mit dem Wirt der „Neuen Post“ auf 80 Cent geeinigt: „Normalerweise kostet die Stange einen Euro, und das ist schon haarig.“
Alles für einen Euro gibt’s in der „Hartz-IV“-Kneipe am Quartermarkt. Das Konzept: „So günstig wie möglich, aber nicht billig“. Im Gegensatz zum „Haus Regent“, wo Wirt Ertugrul Demir seinen Umsatz durchs Essen reinholen will, kosten hier auch Frikadelle, Tagessuppe und Wurst mit Kartoffelsalat nur einen Euro.
Rüdiger Riesen, Geschäftsführer der „Kulisse“ in Kalk, verkauft sein Kölsch für 1,20 Euro. Er meint: „Das ist die Schmerzgrenze. Außerdem: Wer so billig ist, der zieht die Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger an. Das will ich nicht.“
Heinrich Becker vom Kölner Brauereiverband sieht dem 50-Cent-Vorstoß gelassen entgegen: „Das sind Eintagsfliegen, damit überlebt man nicht lange“, so sein Urteil. „Ich bin mir sicher, dass der die Preise fix wieder anhebt, denn er verkauft weit unterm Preis, das kann nicht gut gehen.“
Von 50 Cent bis zwei Euro: Der Kölschpreis variiert von Kneipe zu Kneipe, von Brauhaus zu Brauhaus. Aber wo wird er sich in Zukunft einpendeln? Heinrich Becker: „Ich denke so bei 1,20 bis 1,50 Euro. Alles darunter ist unrealistisch.“
Das Mekka der Kölschtrinker liegt ab sofort in Mülheim. Und zwar in der Regentenstraße. Seit Ende März gibt’s hier das Frischgezapfte für läppische 50 Cent. Und „Haus Regent“-Wirt Ertugrul Demir verspricht: „Das bleibt auch so!“
Am 17. Dezember hat Demir (40) das „Haus Regent“ übernommen. Da kostete die Stange Reissdorf bei ihm 1,10 €. Schon damals kein schlechter Preis. Trotzdem: Die Theke blieb meist leer. „Viele können sich so ’nen Kneipenabend einfach nicht mehr leisten“, weiß der Wirt. „Da saßen dann so drei oder vier Leutchen an der Theke.“
Also rechnete der 40-Jährige hin und her, senkte den Preis dann um 60 Cent – ein Preis wie vor 25 Jahren. Jetzt ist die Bude rappelvoll. Acht Cent verdient er nach eigener Aussage pro Glas, das Bier bezieht er von einem Lieferanten in Vingst. „Ich zahle fast 80 Euro fürs 50-Liter-Fass.“ Dafür werden jetzt aber pro Abend drei bis vier Fässer angeschlagen – „früher ging oft nicht mal eines weg.“
Die Gäste finden’s toll, so wie der Kegelclub „De Laachduve“. Seit sechs Jahren kegeln sie im Keller des „Haus Regent“ – so billig wie jetzt sind sie dabei aber noch nie weggekommen. „Super, das merkt an wirklich nachher am Geldbeutel“, freut sich Elfi Morschhäuser (73).
Die rüstigen Damen haben auch schon ordentlich Mundpropaganda betrieben – und Elfis Enkel Christian ist total begeistert. „Das werden wir natürlich ausnutzen und uns am Wochenende vor der Disco hier schon mal warmtrinken“, so der 21-Jährige.
Günther Multerer (54) wohnt neben der Kneipe, meint begeistert: „Der Kölschpreis ist der Knaller. Und Frank Vieregge (40) ergänzt: „Ich bin arbeitslos, hab’ nicht so viel Geld. Aber zu dem Preis kann man sich das ein oder andere Kölsch erlauben.“
Mittlerweile hat sich das Super-Angebot in der Regentenstraße rumgesprochen und Demir kann sich vor Gästen kaum retten. Glück für ihn, dass die Sperrstunde abgeschafft wurde. Demir: „Wir machen erst zu, wenn der letzte Gast geht. Und das passiert jetzt nicht mehr vor vier Uhr.“
Wiener Schnitzel steht in vielen Ländern auf den Speisekarten, Kölnisch Wasser kommt nicht nur vom Rhein, und auch andere Herkunftsbezeichnungen sind längst verwässert. Anders ist es mit dem Kölsch. Diese Kölner Bierspezialität darf nur aus Köln kommen. Lediglich einigen namentlich genannten, auswärtigen Brauereien ist es gestattet, ihr Obergäriges auch Kölsch zu nennen. So wurde es im Namen des Volkes schon vor mehr als 25 Jahren in verschiedenen Prozessrunden entschieden und so haben es die Kölsch-Brauer 1986 zusätzlich in einer vom Kartellamt abgesegneten, so genannten Kölsch-Konvention festgelegt.
Anders als etwa das Alt aus dem rivalisierenden Düsseldorfer Raum ist Kölsch also nicht nur ein Name für eine Biersorte, sondern eine echte Herkunftsbezeichnung. Damit ist Köln gelungen, was rhein-abwärts den Brauereien aus Düsseldorf und Umgebung verwehrt bleibt: Sich vor „Imis", vor auswärtigen Nachahmern zu schützen. Dies und die Heimatverbundenheit der Kölner hat für die Brauereien glasklare wirtschaftliche Vorteile. Während der Biermarkt schon seit nahezu 30 Jahren schrumpft, schwankt der Kölsch-Absatz zwar leicht, hat sich aber bei einem Niveau von 2,5 bis 2,6 Millionen Hektoliter gefestigt. Damit ist der Markt inzwischen größer und vor allem stabiler als das Geschäft mit dem Alt-Bier, das in früheren Jahren stets besser lief als die Kölner Spezialität. Der Alt-Ausstoß dürfte 2005 erstmals unter der Zwei-Millionen-Hektoliter-Marke sein.
„Im Rheinland gibt es noch glückliche Hähne", verriet einst die Werbung der Früh-Brauerei mit dem Abbild eines Zapf-Hahns. Ebenso wie der Flaschenöffner als „Ehrenvorsitzender der Kölner Besteckschublade" gehört der Holzhahn zur Grundausstattung nahezu jeder privaten Party. Gefeiert wird mit der Spezialität des „Pittermännchens", dem Fässchen mit zehn Liter Kölsch, das noch einige größere Geschwister mit 15 oder 20 Litern Inhalt für den Hausgebrauch hat. Zu dieser Kölner Eigenart kommt, dass Pils in der Gastronomie der Dom-Stadt nichts zu suchen hat. Kölsch beherrscht die Tresen zu nahezu 100 Prozent. Zusammen genommen beschert dies den Brauern einen ungewöhnlich hohen Fassbier-Anteil von 44 Prozent des Ausstoßes. Die im ungleich härteren Preiskampf stehenden Gebinde Flasche und Dose haben beim Kölsch einen Anteil von nur 56 Prozent. Allerdings schwankt dies zwischen den einzelnen Brauereien sehr stark. Immer noch gibt es traditionsreiche Betriebe wie die Gaffel-Brauerei mit einem Fassbier-Anteil von 70 Prozent oder Päffgen, wo das Bier nur in den eigenen Brauhäusern ausgeschenkt oder im Pittermännchen verkauft wird.
19 Brauereien mit ihren 20 Biermarken gehören dem Kölner Brauerei-Verband an. Keine andere Stadt hat mehr Braustätten in ihren Mauern. Andererseits lässt sich Kölsch nicht nur rund um den Dom verkaufen. In vielen deutschen Universitätsstädten und sogar im benachbarten Düsseldorf hat das helle Obergärige in den kleinen 0,2-Liter-Stangen (Gläsern) Liebhaber gewonnen. Die Gaffel-Brauerei verkauft ihr Bier seit etwa zwei Jahren sogar an Fans in New York. Zehn Prozent des Kölsch-Ausstoßes, so schätzen Kenner des Marktes, werden inzwischen außerhalb der klassischen Kölsch-Region getrunken.
Die Konzentration der Biermarken auf weniger Betriebe hat indessen auch vor dem Kölsch nicht Halt gemacht. Neben dem Marktführer, der Privatbrauerei Heinrich Reissdorf, deren Ausstoß auf mindestens 660 000 Hektoliter geschätzt wird, rangiert die Oetker-Brauerei mit ihrem Kölner Verbund. Darunter summieren sich die Marken Sion, Gilden, Kurfürsten, Küppers, Maximilian, Sester und Hansa, deren Ausstoß seit längerem schrumpft und inzwischen auf unter 600 000 Hektoliter angesetzt wird. Neben den Kultmarken Reissdorf und Gaffel wird in Köln allerdings auch Sion aus dem Oetker-Verbund zu den Wachstunissorten gezählt.
Klar ist, dass neben Wasser nur Hopfen und Malz für das Kölsch verwendet werden darf. So sieht es das deutsche Reinheitsgebot vor. Und so haben es die Kölner Brauer in der Kölsch-Konvention für ihr Obergäriges bestätigt. Das heißt so, weil sich die Hefe im Gärprozess schäumend an der Oberfläche absetzt. Im Gegensatz hierzu zieht sie beim untergärigen Pils nach unten.
Die WM kann kommen! Denn kist endlich die Bierversorgung gesichert. Statt lauwarmem Flaschenbier oder Mogelpackung in der Kneipe zapft der Fan jetzt zu Hause selbst, eiskalt und bis zum Eichstrich! Die Zapfanlage, die auf jede gängige Fassgröße passt und mit einem eingebauten Kühlkömpressor ausgestattet ist, ist eine der vielen Neuigkeiten der Haushaltsmesse "Domotechnica". Gestern wurde die Fachmesse, die bis Donnerstag läuft eröffnet.
Der neue Besitzer des Geländes will dort Einfamilienhäuser errichten und Kleingewerbe ansiedeln
Beliebter Biergarten wir geschlossen, Brauerei-Museum soll erhalten werden.
Karneval wird noch mal richtig auf den Putz gehauen. Anschließend locken Aktionstage und Abende mit kölschem Amüsemang" - bis am 31. März die Zapfhähne zugedreht werden und die Lichter ausgehen. Dann endet nach 25 Jahren die Geschichte eins der beliebtesten Brauhauser im Süden der Stadt -das Dom-Brauhaus an der Alteburger Straße macht zu. Auch das angeschlossene Brauereimuseum, in dessen Kellergewölbe die Besucher auf eine Zeitreise durch die Braugeschichte geschickt wurden und beim Blick auf 300 Reklame-Tafeln sehen konnten, wie einst für Gerstensaft geworben wurde, gehört ab 1. April der Vergangenheit an. Gleichzeitig sind die Tage des zum Brauhaus gehörenden Biergartens an der Schönhauser Straße gezählt, wo es sich im Sommer Tausende Gäste unter schattigen Kastanien, knirschenden Kies unter den Füßen, gut gehen ließen.
Den rund 20 fest angestellten Mitarbeitern ist zum 31. März gekündigt worden. Die Mehrzahl habe man in andere Betriebe vermitteln können, sagt der Pressesprecher der Dom-Brauerei, Michael Schürger. Die Firma werde versuchen, den übrigen Kollegen ebenfalls zu einem neuen Arbeitsplatz zu verhelfen. Mit dem Dom-Brauhaus, das vormals zur Küppers Brauerei gehörte, verlieren auch die Organisatoren der ,,Kölsche Weihnacht im Brauhaus" und des ,,Kölsch Milljö" ihre Spielstätte. Diese Veranstaltungen finden künftig im Eltzhof in Wahn statt.
Der Verkauf des rund 35.000 Quadratmeter großen Braugeländes im Sommer 2005 an eine Investorengruppe war Teil des Sicherungskonzepts der Dom-Brauerei AG, die kurz vor der Insolvenz stand. Mit dem Erlös hat die Brauerei Bankverbindlichkeiten getilgt. Seit Beginn dieses Jahres lasst das Traditionsunternehmen, dessen Konsolidierung inzwischen abgeschlossen ist, seine drei Marken Dom, Giesler und Rats Kölsch nach eigener Rezeptur im Lohnbrauverfahren bei der Erzquell Brauerei in Wiehl-Bielstein herstellen.
Die Entscheidung, sich von dem Brauhaus zu trennen, sei dem Unternehmen nicht leicht gefallen, beteuert Sprecher Schürger. Das gediegene Mobiliar des Brauhauses soll in andere Gaststatten integriert wer¬den, ,,immerhin beliefern wir 2500 Betriebe" (Schürger). Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es in Köln mittelfristig ein neues Dom-Brauhaus geben wird. Nur wann und wo, sagt Schürger nicht, dazu sei es noch zu früh. Die Museums-Exponate werden zwischengelagert. ,,Sie sollen den Kölnern nicht verloren gehen", verspricht Schürger. Das gleiche gelte für die Sudkessel aus dem Biergarten, ,,verschrottet wird nichts".
Das Dom-Brauhaus werde definitiv abgebrochen, weil dies im Vertrag mit der Brauerei so festgelegt sei, sagte Hermann J. Kempis, Gesellschafter der Kölner Dom-Garten (KDG), die das gesamte Brauereigelände erworben hat. Er konne sich neben den dort geplanten Einfamilienhausern, Eigentumswohnungen und ,,dezenten Kleingewerbebetrieben" gut einen schönen Gastronomiebetrieb vorstellen, in den etwa auch das bisherige Brauerei-Museum integriert werden könne. Allerdings müsse dafür ein geeigneter Betreiber gefunden werden, sagte Kempis. Für einen Biergarten - zumal in der derzeitigen Größenordnung - sehe er bei der geplanten Bebauung aber nur wenig Chancen.
Radeberger will mit weiteren Zukäufen seine Marktführung festigen
Die aus der Frankfurter Binding-Brauerei entstandene Radeberger KG, eine Tochter der Oetker-Gruppe, erwartet auch für die Zukunft einen weiter rückläufigen Biermarkt in Deutschland. „Er wird um etwa ein Prozent jährlich schrumpfen“, sagte Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer in Düsseldorf. Man könne die Rahmenbedingungen - eine älter werdende Bevölkerung, die weniger Bier trinkt - nicht verändern. Zwar sei es in diesem Markt „leicht, Menge zu schinden: Der Preis muss nur tief genug sein.“ Radeberger sei mit entsprechenden Erfahrungen bei der DAB in Dortmund aber „reingefallen“ und habe daraus gelernt. Statt Kapazitäten „an Billigstanbieter zu verhökern, haben wir sie lieber vom Markt genommen“, sagte Kallmeyer. Unter anderem mit der Schließung von Brauereien in Berlin und Dortmund habe man innerhalb von fünf Jahren acht Millionen Hektoliter an Überkapazitäten abgebaut. Verzichtet habe man auch auf eine Million Hektoliter mit billigen Handelsmarken. Die neue Strategie der Gruppe laute „Marge statt Menge“.
Kallmeyer kann sich vorstellen, dass es zu einer Wiederbelebung der Einweg-Bierdose kommen wird. Für diesen Fall sei man mit fünf bereits vollständig abgeschriebenen Dosenabfülllinien gerüstet, sagte der Radeberger-Chef. In Deutschland insgesamt halte der Trend zu Billigbieren an. Tendenziell sinke der Bierpreis. Angesichts der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung machten sich jetzt aber viele Brauer Gedanken über eine Preiserhöhung. Entscheidungen erwartet er im Mai oder Juni.
Im abgelaufenen Jahr ging der Inlands-Bierabsatz der Radeberger-Gruppe um fünf Prozent auf 13 Millionen Hektoliter zurück, während es auf dem deutschen Markt insgesamt nur einen Abbau um 0,8 Prozent gab. Kallmeyer sieht für den überproportionalen Rückgang im eigenen Haus im Wesentlichen zwei Gründe: zum einen das weitere Vordringen von Billigbieren und zum anderen die „eigene Verletzbarkeit“: Die Konkurrenten hätten die zweijährige Phase der Eingliederung des im Februar 2004 übernommenen Brau-und-Brunnen-Konzerns in die Radeberger-Gruppe dazu genutzt, dem Marktführer Anteile abzujagen. „Das war bei einer Fusion von zwei fast gleich großen Brau-Gruppen unvermeidlich.“ Die Integrationsphase sei aber abgeschlossen, und Radeberger werde sich jetzt wieder auf den Verkauf und auf Wachstum konzentrieren. Der Marktanteil in Deutschland soll von derzeit knapp 15 bis auf etwa 20 Prozent steigen. Dazu sollen besonders starke Marken aus dem eigenen Bereich, aber vor allem auch Zukäufe beitragen. Man befinde sich mit großen und mittleren Brauereien bereits in Übernahmegesprächen, sagte Kallmeyer.
In jeder deutschen Region sollen die eigenen Verkäufer etwa zehn Biermarken des Konzerns absetzen. Dabei ergänzen lokale Spezialitäten wie Kölsch oder Schlösser Alt die nationalen Marken. In der Brauerei in Köln-Mülheim werden die eigenen Kölsch-Marken Sion, Gilden, Sester, Küppers, Kurfürsten und Peters hergestellt. Die Kölschmarken, so Kallmeyer, hätten zum Teil deutliche Wachstumsraten erzielt - und insbesondere Sion sei „eine fantastische Marke“. Die größten Biermarken des Konzerns sind Radeberger mit 1,8 Millionen Hektolitern und Jever (1,1 Millionen). Aus Dortmund kommen mit insgesamt elf Marken drei Millionen und aus Leipzig zwei Millionen Hektoliter.
Kölsch am weißen Haus
Na dann Prösterchen, Mr. Präsident! Gaffel-Chef Johannes Becker und der Exil-Kölner Michael Momm, Chef des Brauhauses „Loreley“ auf der Lower East Side von New York, planen ihren nächsten Coup: Sie wollen die amerikanische Hauptstadt Washington D.C. aufmischen und mit reichlich Kölsch, Halvem Hahn und „Sour Kraut“ versorgen.
In der Nähe des Weißen Hauses soll demnächst eine Dependance der „Loreley“ eröffnen. Kölsch für US-Präsident George W. Bush also. „Jedenfalls gibt es in ganz Washington D.C. bloß ein deutsches Lokal – und das ist reichlich angestaubt“, weiß Johannes Becker.
„Und allein von Frankfurt aus wird die Stadt täglich sechsmal angeflogen. Gäste gäbe es also sicherlich genug.“ Einen Bierverleger hat Becker auch: den New Yorker Ed Raven, der allein im Big Apple 40 Kneipen und Bars mit Kölsch vom Kölner Eigelstein beliefert.
Köbesse und Kölner reagieren unterschiedlich auf die Düsseldorfer Initiative
Die Altbier-Attacke auf Köln: Der Düsseldorfer Brauhaus-Chef Karl-Heinz Gatzweiler (52) will noch in diesem Jahr eine Altkneipe in Köln eröffnen. Dafür sucht er ein Lokal in der Südstadt oder in Uninähe und einen renommierten Kölner Gastronom, der es betreibt.
Doch was sagen die Kölner zu dem Frontalangriff auf die Stammstadt der rheinischen Bierkultur? Wie reagieren die Köbesse auf die dunkle Bedrohung? EXPRESS machte die Altstadt-Probe.
Im Brauhaus Sion sind die Köbesse Sebastian Kauder (30) und Zeljko Kalfic (38) nicht begeistert: „Das ist eine blöde Idee“, zürnt Kauder. „Es kann keinen vernünftigen Kölner Gastronomen geben, der dabei mitspielt!“
Sein Kollege findet die Idee zwar auch bescheuert, aber: „Ich glaube, dass der Plan aufgehen könnte“, so Kalfic. „Schließlich kommen neben den Touristen ja auch viele Düsseldorfer nach Köln. Da gibt es bestimmt viele Leute, die mal Lust auf ein Alt haben.“
Den beiden Köbessen allerdings käme kein Tropfen des Gebräus über die Lippen. Anders reagieren die Kölner auf der Straße und in den Kneipen. Eleonore Monke (30) findet die Idee, eine Altkneipe in Köln aufzumachen, gut: „Da würde ich auf jeden Fall hingehen.“
Und auch andere, die gern mal ein Bier trinken, hätten gegen ein Alt nichts einzuwenden. Doch bevor Karl-Heinz Gatzweiler sein „Original Schlüssel“ Alt in Köln ausschenken kann, muss er erst mal Partner finden, die sich das auch bei eisigem Gegenwind aus der Branche trauen.
Sieht Köln bald ganz Alt aus?
Kölner, wappnet euch: Karl-Heinz Gatzweiler, Chef der Düsseldorfer Hausbrauerei Schlüssel, will in Köln eine Kneipe aufmachen. Und was es da nur geben kann, steht fest: Original Schlüssel Altbier.
Ja, sind wir im Wald hier? Für 2006 hat Gatzweiler (51) die Attacke fest geplant: „Ich suche einen renommierten kölschen Gastronomen, der unsere Fahne hochhält und ein Lokal in der Südstadt oder in Uni-Nähe.“
Es ist womöglich die Rache für den erfolgreichen Kölsch-Angriff der Brauerei Gaffel, die im Mai letzten Jahres die Kölschkneipe „Eigelstein“ im Düsseldorfer Medienhafen eröffnete. „Das zeigt, dass die Düsseldorfer weltoffen und liberal sind“, erklärt der Düsseldorfer Hausbrauereichef. „Und das sind die Kölner doch wohl erst recht!?“
Damit hat Gatzweiler natürlich Recht. Aber ob die kölsche Weltoffenheit so weit geht, in der Stammstadt der Rheinischen Bierkultur etwas anderes als Kölsch zu akzeptieren, darf wohl bezweifelt werden.
Auch Gaffel-Chef Heinrich Becker gibt Original Schlüssel Alt in Köln keine Chance: „Das kann nicht funktionieren“, sagt er knapp. „Kölsch ist eine Institution, mit der sich die Kölner identifizieren wie mit dem Dom.“
Unterstützt wird die Alt-Attacke selbstredend von Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU): „Ich finde es richtig, dass endlich mal Kultur nach Köln kommt“, meint er.
Jobsi Driessen, Präsident des Düsseldorfer Prinzenclubs, klatscht in die Hände: „Dann können wir Karnevalisten ohne Reue einen Abstecher nach Köln machen. Wir kommen mit dem ganzen Club zur Eröffnung!“
Die wird nicht Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) vornehmen. „Wenn das mit der Altkneipe klappt, zeigt das, wie tolerant wir sind“, sagt er. „Aber es erwartet hoffentlich keiner, dass ich die eröffne.“
Die Kölner seien reif, über ihre Geschmacksschatten zu springen, findet Gatzweiler, dessen Großonkel schon 1936 im „Birrebäumche“ am Ursulaplatz Alt ausschenkte: „Da die Altbierkultur von der Geschmacksvielfalt lebt, baue ich auf unser ganz spezielles, würzig-mildes »Original Schlüssel«-Alt. Parallelen zum Kölsch gibt’s eh: Beide Biere sind obergärig.“
Die Kölsch-Revolution im Fasteleer: Statt (teurem) Weinzwang gibt’s im Kristallsaal der Kölnmesse ab sofort Kölsch (EXPRESS berichtete). Notorische Theken-Gänger sollen künftig mitschunkeln - eine Neuerung, die in der Karnevals-Szene heiß diskutiert wird. Bier im Saal - das gibt Klo-Chaos, meint Peter Schmitz-Hellwing, President der Willi-Ostermann-Gesellschaft:
,,Spätestens nach drei Stunden geht dann die Rennerei auf die Toilette los. Man trinkt viel mehr, wenn das Fässchen auf dem Tisch steht, einige geben zu viel Gas und sind dann zu schnell betrunken." Keine Panik vor der
WC-Rennerei hat hingegen Manfred Wolff von der Nippeser Bürgerwehr. „Die Leute sind einfach zufriedener, wenn es Kölsch im Saal gibt.“ Schunkel-Freuden mit Kölsch-Genuss will sogar die ehrwürdige Ehrengarde testen. Die will das Pittermännchen im Saal in diesem Jahr zum ersten Mal ausprobieren,
beim Mummenschanz im Sartory. Sprecher Manfred Damaschke: „Bei Bällen funktioniert das eher als bei Sitzungen.“ Die Roten Funken sehen im Kölsch-Ausschank Brauchtumspflege. Sprecher Dieter Szary: „Das ist ein kleiner Schritt zurück zum Ursprung.“ Und prost...
Gaffel spendete 7.000 Euro für die Rundschau-Altenhilfe
Einen weiteren Beweis ihrer Großzügigkeit hat die Gaffel-Brauerei gleich zu Beginn dieses Jahres geliefert: Gaffel-Mitinhaber Johannes Becker erhöhte die Spende, mit der das Unternehmen die Rundschau-Altenhilfe DIE GUTE TAT traditionell bedenkt, auf 7000 Euro. Im Gaffel-Haus am Alter Markt überreichte er den Scheck an Rundschau-Herausgeber Helmut Heinen, der sich im Namen der bedürftigen Menschen, denen das Geld zugute kommt, herzlich bedankte. Die Gaffel-Brauerei Becker & Co. ist der Altenhilfe seit Jahrzehnten eng verbunden.
Sie eröffnet dort ein neues Brauhaus. Mit der Fertigstellung sei frühestens Ende September zu rechnen, so Thomas Deloy, Produktmanager des Unternehmens. Dann wird es nicht nur das Brauhaus sondern auch einen Biergarten in exponierter Lage geben: auf dem Bahnhofsvorplatz mit Blick auf den Dom.
Früh-Brauerei: Differenzen mit langjährigem Erfolgspartner um Werbeetat
Die Zeiten bester Bierlaune wegen der preisgekrönten Werbung sind vorbei. Die „Cölner Hofbräu Früh“ und die Düsseldorfer „Fröhling Werbeagentur“ gehen nach 15 gemeinsamen Jahren getrennte Wege. Die Differenzen sind auch beim Kölsch nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Während die Kölner Agentur „Counterpart“ nun an der Fortsetzung der vielgerühmten Plakatserie arbeitet - die erste Überraschung soll s Karneval geben, sogar mit freien Textern der bisherigen Kampagne -, packt Michael Fröhling über die Trennung aus: „Es ging ums Geld.“
Früh habe plötzlich viel weniger bezahlen wollen, sagt der Agentur-Chef. „Versuchen Sie mal vom Köbes ein Kölsch, das 1,80 Euro kostet, für 40 Cent zu bekommen.“ Der Bruch auf dem Höhepunkt des Erfolges hängt laut Fröhling mit dem neuen Marketing- und Vertriebsleiter von Früh, Dirk Heisterkamp, zusammen. „Mit seinem Vorgänger, Hans Engels, der 40 Jahre bei Früh war, hat die Chemie gestimmt.“ Zum Schluss sei es auch mit den Früh-Chefs Hermann R. Müller und Alexander Rolff nicht mehr gelaufen. Heisterkamps Ankündigungen (wir berichteten), die Marke Früh „näher an den Kölner und seine Lebensart“ bringen zu müssen, hat Fröhling tief getroffen. „In Köln soll Früh also nicht bekannt genug sein? Vielleicht muss auch noch der Kölner Dom in Köln bekannt gemacht werden?!“ Die Argumentation sei „lächerlich“.
Fröhling, der schon für Krombacher, Guinness und Pilsner Urquell arbeitete, erhielt gerade neue Aufträge von Aral und Nikon. Sein Erfolg mit den Kinospots (unvergessen die listigen Erdmännchen, die sich von einem Nashorn ein Fass Früh öffnen lassen) und der roten Plakatserie ist auch bei Früh unbestritten. „Die beliebte Plakatserie soll noch besser werden“, kündigte Heisterkamp an. Auch Judith Dobner, die Etatdirektorin von Counterpart, die bereits mit Schlösser Alt und Brinkhoff zusammenarbeitete, lobte das „schöne Stück Werbung“. Es solle nun aber „mehr geschehen als Plakate und Großleinwände“. Internet und Regionalzeitungen will sie einsetzen. „Der Kernmarkt von Früh greift gerne zu anderen Marken. Ich darf das böse Reiss-Wort nicht nennen“, spielt Dobner auf Reissdorf an. „Erden“, will sie die Werbung. Das verheißt „Aktionen und Gewinnspiele, die die Kölner einbinden“. Plakatiert werde nicht mehr mit der alten „Wucht“.
Konrad Beikircher übrigens, der exzellente Beobachter der kölschen Sprache, fand die bekannte Kampagne „esu jet von Kölsch“. Texte wie „Das ist der Kölner Filz“ über einem Bierdeckel zum Anschreiben seien „Kabinettstückchen des rheinischen Humors“.
Brauerei Früh spendet 10 000 Euro für Projekt der Anna-Freud-Förderschule
Die Weichen, für die mittlerweile fünfte Spende der Cölner Hofbräu P. Josef Früh waren schnell gestellt. „Wir wollten einfach mal sehen, ob wir einen günstigeren Weg finden für unsere Spende. Das uns dargestellte Projekt ist gut und dient der Entwicklung der Schüler", zeigte sich Hermann R. Müller, Geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei, in der Anna-Freud-Schule, eine Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, zufrieden mit dem Verwendungszweck. Sogar so zufrieden, dass er die Spende kurzerhand auf 10.000 Euro verdoppelte.
„Was an anderen Schulen der Regelfall ist, ist bei uns leider nur mit großem Aufwand zu leisten“, erklärte Lehrer Frank Hoppmann den Vertretern des Unternehmens die Probleme bei einem Schüleraustausch. Denn Verbindungen zu Partnerschulen in Göteborg, Gent und Belfast bestehen zwar Ein immenser personeller und finanzieller Aufwand ist jedoch erforderlich, um die behinderten Schuler dann vor Ort im Ausland betreuen zu können. Das neue Projekt soll dieses Problem nun beseitigen, auch wenn die Schüleraustausche deshalb nicht eingestellt werden.
Per Video zur 1 Partnerschule
Mittels eines, Video-Meetings" soll künftig der Austausch mit den Partnerschulen erleichtert werden. Eine Arbeitsgruppe von drei bis fünf Schülern soll dabei vor einem Laptop sitzen. Bild und Ton werden über Mikrofon und Webcam per Internet an die Partnerschule übermittelt. Der Vorteil: ,,Die Arbeitsgruppe im Ausland kann dann in Echtzeit auf Fragen oder Bemerkungen reagieren." Neben einer Belebung des Unterrichts können die Schüler so auch Erfahrungen mit neuen Medien machen und ihre Englischkenntnisse verbessern. - Unsere Schüler sind, selbst bei einem guten Schulabschluss, auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar. Dazu tragen auch Vorurteile und Unsicherheit bei den Unternehmen bei", erklärte Schulleiter Ludwig Gehlen. Partnerschaften mit Kölner Firmen, bei denen die Schüler dann Betriebspraktika und möglicherweise sogar eine Ausbildung machen können, sollen dem ebenso abhelfen, wie die Schulabschlüsse. Denn die Müngersdorfer Schule ist die einzige Angebotsschule für körperbehinderte Schüler in NRW, die im Sekundarbereich I einen Realschulzweig aufweist und mit einer gymnasialen Oberstufe zum Abitur führt.
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.