Köln am Rhein um 1810

von Ernst Weyden


Die große Mehrzahl der Bürger ging zu Bier. Die kölnischen Stamm-Bierhäuser hatten ein charakteristisches Merkmal, über den halben Türen, den Gattern, kölnisch Gadern, hing in der Tür ein halbrunder aus weißen Weiden geflochtener Korb, den man fortschob, wollte man eintreten - es war der Hopfenkorb, der in den größeren Brauereien den Grinkopf zierte. In den selbst von den deftigsten Bürgern besuchtesten Bierhäusern herrscht patriarchalische Einfachheit. Schwere eichene Schragen Tische, klobige Bänke, eiserne Leuchter mit kupfernen Aufsätzen, an denen die Lichtschere mit einer Kette befestigt, tragen dampfqualmende Unschlitt-Lichter, deren spärliche Flammen mit Mühe gegen den Tabakdampf ankämpfen. Ein ungewisses Helldunkel herrscht in jeder Bierstube.

In jedem ordentlichen Bierhause ist aber eine allgemeine Gaststube und eine Herrenstube. Dort qualmt der AB-Reuter aus kurzen irdenen Stummeln, "Nasenwärmern", "Mutzöhrcher", oder "Havannah vor dem Hahnentor oder im Weyerkühlchen gezogen"; hier wird echter Holländer aus langen irdenen Pfeifen oder Meerschaumköpfen geraucht, mit denen man einen großen Luxus treibt. Am Kaufhause, dem Gürzenich, sieht man bei Tage immer einige Karrenbinder herumlungern, welche neue Meerschaumköpfe einrauchen. Wie sorgsam sind dieelben, nimmt man sie mit in die Bierhäuser, in Leder eingenäht, in Seide gewickelt.

Das Jahr 1811 beglückten uns die Franzosen mit dem kaiserlichen Regie-Tabak, der im "Blankenheimer Hof" auf dem Neumarkte fabriziert wurde. Ich habe noch am Südende des Altenmarktes einen alten Mann brandmarken sehen, weil er, wenn ich nicht irre, zwei, sage zwei Pfund Rauchtabak geschmuggelt hatte. Noch steht es lebendig vor meiner Seele, wie eine Goldschmiedsfrau auf dem Altenmarkte dem Greisen, als er nach dem Pranger geführt wurde, einen hohen silbernen Becher mit warmem Weine darreichte. In diese Zeit fallen auch die französischen "Auto dafés" der englischen Waren, die in haushohen Haufen vor dem kölnischen Hofe in der Trankgasse und auf dem Rathausplatze verbrannt wurden.

Nur aus steinernen, eine Maß haltenden Kannen mit zinnernem Deckel wird in den Bierhäusern das Bier getrunken. Die vornehmeren, vermögenden Bürger, so die Stammgäste bei Lölgen in der Weidengasse, führten ihre Schoppengläser in niedlichen Körbchen bei sich, so auch das Reibchen mit der "Beschot" - der Muskatnuß (man rieb über das Bier Muskat). Es gab da Knupp, eine Art Doppelbier (alt und jung verschnitten), Alt, Steckenalt, Märzer, Jung und Half un Half. Im Winter trinkt man Jung, im Sommer Alt. (von Kölsch ist hier noch keine Rede). Kartenspiel um geringen Einsatz: Sibbe Schröm oder Tuppen, Tarrock oder Jasten wie die Spiele heißen, bilden die gewöhnlichste Unterhaltung. Gleich allen Reichsstädtern, wo jeder Bürger zu allem, was das Stadtregiment angeht, seinen Senf zu geben gewohnt, ist der Kölner ein Freund von Kannegießern; aber die eiserne Zuchtrute der Franzosenherrschaft legt den politischen Kannegießern in der Zeit, von der ich rede, ein gewaltiges Schloß vor. Man kümmert sich daher um die Politik wenig oder gar nicht, und die hier unter der strengsten Vormundschaft der Regierung Ersatz-Stoff Blätter, wie die Postamts Zeitung, das Intelligenzblatt, die französischen Zeitungen Journal General, Mercure du Departement de la Roer (wozu Köln gehörte), wahre Journal-Zwerglein, haben der Abonnenten so viele, daß ein (Zeitungs)Träger, Joh. Wilh. Vianden, sie alle bedienen kann.

Als mit der deutschen Zeit die 1802 gegründete, aber 1809 durch Napoleonischen Machtspruch unterdrückte "Kölnische Zeitung" am 16. Januar 1814 - am 14. hatten die Franzosen unter Sebastiani die Stadt verlassen - wieder neu ins Leben trat und mit ihr der "Welt- und Staatsbote" und der "Verkündiger am Rhein" konkurrierten, hatte der Kölner noch immer eine angeborene Scheu vor der Öffentlichkeit, und nicht selten hörte ich als Kind, wenn ein Kaufmann oder ein Kleinhändler irgendeinen Artikel durch die Zeitung zur Anzeige brachte, das Publikum auf seine Waren aufmerksam machte: "No, dae muß och wahl bahl der Schlössel op de Döhr steche, oder enpacke." Man braucht nur einen BIick in das damals bei M.DuMont-Schauberg erscheinende "Feuille d'affiches, annonces et avis de Cologne" zu werfen, welches ein paarmal die Woche erschien und außer dem Zivilstande meist amtliche Anzeigen enthält.

Ist auch der reichsstädtische Zwang und Brauch natürlich aufgehoben, so wird doch in den Bierhäusern noch hier und da am alten Herkommen gehalten. Gewisse Klassen, Schinder und die "Packane" oder Gewaltrichtsdiener (Vorläufer der Polizei) mußten ihr Bier auf der Hausflur trinken, und zwar aus einer Kanne ohne Deckel, aus der ein Stück geschlagen. Verlief sich ein Mitglied irgendeiner Bauerbank in ein Bierhaus in der Stadt, mußte es die Lichter putzen. Lohkuchendampf in den Straßen kündigt ein Bierhaus an, denn vor jeder Tür brennt, nach altem Brauch, in einer in den Türpfosten oder in die Treppenwand gehauenen Öffnung ein Lohkuchen zum Anzünden der Pfeifen. Im Sommer standen vor den Türen der Bierhäuser der Torstraßen Eimer mit Wasser zum Trinken der Vorübergehenden. Einem Knaben oder Minderjährigen, wenn er sich je vermessen hätte, ohne Begleitung die Schwelle eines Bierhauses zu überschreiten, wurde nicht nur nicht gezapft, er ward mit Schimpf und Schmach, man schlug ihn wohl mit dem Spüllumpen um den Mund, hinausgejagt.

An Werkeltagen wie an Sonntagen folgt der Bürger aber streng der Bürgerglocke ("Feierabend"!), die im Winter um10 Uhr, im Sommer um 11 Uhr zum Aufbruch mahnt. "Der Kaspar brummt", hieß es, gab die Domglocke: das Zeichen, und auch wohl "der Östges brummt", weil ein Adjunk dieses Namens den mit der französischen Invasion aufgehobenen Gebrauch der Abendglocke wieder eingeführt hatte.

Sonntags, nach der Messe, erlaubt sich der Handwerker ein Schnäpschen, ein "Kleikännche Klore". "Blôh Jâhn" nennt der Kölner den gewöhnlichen Kornbranntwein, Erdäpfelfusel kannte man noch nicht. Jede Nachbarschaft hat ihr bestimmtes (Schnaps)Haus; so waren in meinem Geburtsdistrikte berühmt: "Dat Helle Kaentche" und "Müller' s am Hof". Für die besseren Klassen gab es Kaffeehäuser, besonders für die Franzosen, die ohne Cafes gar nicht denkbar, und klingen noch die Namen des Italienischen Kaffeehauses an der Höhlenecke und das Mainzer Kaffeehaus an St. Laurenz in meiner Erinnerung als die besuchtesten. Der Nachmittagsgottesdienst, Vesper, Predigt und Komplet wird selten versäumt und streng darauf gehalten, daß die Kleinen die "Kinderlehre" besuchen, die im Dome vor zwei Uhr eingeläutet wurde.

Im Frühjahr, Sommer und Herbst geht der Bürger sonntags mit seiner Familie vor das Tor, "vör de Pôhz", auf den Graben, "op der Grave", und läßt im Herbste den Kleinen den fliegenden Drachen, "dae gepappte Vujel" (Pattevujel), steigen. Wie groß war aber die Angst, die Not, wurde man bei solchen Spaziergängen vom Abende überrascht; Hals über Kopf lief man, um vor Torsperre in die Stadt zu gelangen, um das Sperrgeld nicht zu zahlen, das aber nur an den Haupttoren erhoben wurde und einen Stüber betrug. Die Wohlhabenden machen wohl einen Abstecher nach Deutz ins Marienbildchen oder besuchen eines der wenigen Gartenlokale, wie das Kümpchen, den Mordhof an Gereon, den Jakordengarten, wo Wein geschenkt wird. Uns Kindern waren es Jubeltage, wird an einem Spieltage in einem Wingert zum Weck-und-Milch-Essen gegangen, oder hat die Kappesbäuerin, welche die Milch und das Gemüse liefert, die Mefrau mit den Kindern zur Kirmes eingeladen.

An den Wintersonntagnachmittagen oder an den hohen Festtagsonntagen, wo es unschicklich auszugehen, wurde von den älteren Leuten, besonders von den Mafrauen und Juffern, in der Handpostille oder in dem Leben der Heiligen gelesen. Bei dieser Lektüre spielte die Pitschbrille eine Hauptrolle, deren Gläser aber meist so taub, daß man nichts durch dieselben sehen konnte; sie mußte doch auf der Nase sitzen, sah man auch über dieselbe hinweg. Gewöhnlich diente die Pitschbrille auch als Lesezeichen.

Der gesellschaftliche Ton war schlicht und herzlich, gegen vornehmere Personen und besonders geistliche Herren ein wenig zeremoniös; doch konnte dies nicht stören, da das Formelle bald der herzlichen Weise weichen mußte, so daß sich ein jeder bald im kölnischen Kreise heimisch fühlte. Und dies auch selbst bei den vornehmsten und reichsten Ständen, bei welchen die herkömmlichen deutschen Höflichkeitsformen der leichteren französischen Gesellschaftsweise schon hatten weichen müssen, ohne jedoch der biederen Herzlichkeit den mindesten Abbruch zu tun. Laune und Scherz in Rede und Lied war der gesellschaftlichen Kreise Würze, ihnen war kein Kölner abhold.

Das Familienleben trägt sich auch auf das Nachbarleben über. Unter Arm und Reich, Vornehm und Gering wird treue Nachbarschaft gehalten. Mit wahrer Hingebung und Freude unterstützt der Nachbar den Nachbarn; die rührendsten Beispiele könnte ich davon aus meiner Kindheit erzählen. An gegenseitiger Freude wie Leid der Nachbarn nimmt die ganze Nachbarschaft den wärmsten Anteil. Ist ein geringerer Bürger krank, eine Bürgersfrau in den Wochen, wie wird da in allen Häusern geköchelt, was wird da nicht zusammengetragen, und mit welcher herzlichen Lust wird gespendet. Die ärmeren Bürgerfrauen wissen, daß sie bei Mefrau So und So, oder Mijuffer So und So immer Trost und Hülfe in der Not des Augenblicks finden können. An Sommerabenden sitzen die Bürger alt und jung auf der Straße vor den Türen; es bildet die Nachbarschaft in munterer Unterhaltung, auch wohl bei heiteren Liedern, gleichsam eine Familie.

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de