Ein Bier prägt seine Stadt

(Copyright:Deutscher Brauer-Bund e.V)
(Copyright:Deutscher Brauer-Bund e.V)

Bodenständig und modern, geprägt von ehrwürdigen Traditionen ebenso wie von Weltoffenheit und Ungezwungenheit, das ist Köln - und das ist auch die Kölsch-Kultur, die heute wieder ein fester Bestandteil der Kölschen, sowie der Rheinischen Lebensart ist, nachdem sie im letzten Weltkrieg durch die fast totale Zerstörung der Stadt für lange Zeit verloren gegangen war. Heute erlebt sie in den wiedererstandenen Kölschen Brauhäusern eine echte Renaissance.

Kölsch ist die Sprache und das Bier. Es kommt klein, aber fein auf Theke und Tisch, frischgezapft und gekrönt von festem, weißem Schaum - eine Freude für Auge und für den Gaumen. Charakteristisch und in seiner Art auch einmalig ist das Trinkgefäß: die schlanke "Stange", das Glas mit dem Eichstrich bei 0,2 Liter. Meistens "vom Bock" aus dem Faß gezapft bringt es der Köbes an die Tische oder der Wirt an den Tresen. Doch auch aus der Flasche schmeckt es – gutgekühlt – hervorragend.

Ein oder mehrere Glas Kölsch, in geselliger Runde getrunken, regen das Gespräch und - den Appetit an. Die kulinarischen Spezialitäten, die man zum obergärigen Bier genießt, sind - wie könnte es anders sein – ebenfallsdeftig und echt kölsch: Der "Halve Hahn" ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Beim "Halven Hahn" handelt es sich - und das wissen inzwischen auch viele Nichtkölner- um ein Röggelchen (Roggenbrötchen) mit einer Scheibe Holländer Käse und Butter. Für den Kenner eine wahre Delikatesse und zusammen mit dem Kölsch eine traumhafte Kombination, die auch verwöhnteste Gaumen zufriedenstellt.

Serviert werden all diese guten Dinge in zahlreichen Kölsch-Kneipen und in den vielen urgemütlichen Brauhäusern vom "Köbes"(Jakob), wie der Brauhauskellner allgemein gerufen wird. Auch er ist ein Stück unverwechselbare Kölsch-Kultur. Er war ursprünglich einmal der Brauersbursch, der tagsüber in der Brauerei arbeitete und abends im Brauhaus die Gäste bediente. Sein Markenzeichen ist der typische "Kranz", ein Tragegerät für 10 bis 15 Kölschgläsern, "Stangen" genannt, die er unaufgefordert auf an den Tisch bringt. Seine Arbeitskluft sind eine lange Schürze, eine blaue Strickjacke und die sprichwörtliche entwaffnende Schlagfertigkeit, gegen die kein Kraut und keine Argumente gewachsen sind. Denn in Köln ist der Köbes König.

Verbale Fähigkeiten bringt der Kölsch Genuß natürlich auch beim Gast zum Blühen. Er beflügelt die Unterhaltung, zumal das Kölsch am besten dort schmeckt, wo sich die Menschen "knubbeln", das heißt eng zusammen sitzen. Man akzeptiert und versteht sich einfach. Und so wird an Theken und blankgescheuerten Braubaus-Tischen in ungezwungener Atmosphäre auch schon mal Politik, Kultur oder ein Geschäft gemacht. Klassenlos und völlig ohne Dünkel - echt kölsch eben. Doch auch im gesellschaftlichen Bereich ist das Kölsch allgemein akzeptiert. Ein alter Brauhausgänger hat vor kurzem den wahren Satz geprägt: "Im Brauhaus ist der einzige Platz, wo Eltern ihre Söhne und Töchter treffen". Eine Erkenntnis, die den Generationen übergreifenden Charakter der Brauhäuser kennzeichnet.Die Kölschen Brauhäuser sind in den letzten Jahrzehnten wieder in altem Glanz erstanden und gelten heute bei Einheimischen und Gästen als feste Institution. Viel dazu beigetragen hat die sprichwörtliche Markenvielfalt. Hier kann man – wenn man will - ohne größere Wege zurücklegen zu müssen die verschiedensten Marken probieren. Jede Marke legt Wert auf ihre eigene Rezeptur und die echten Kölsch-Kenner können auch die einzelnen Biere auseinander halten. Doch alle sind von hervorragender Qualität und so gilt auch beim Kölsch der alte Spruch: "Beim Kölsch ist immer das nächste das beste". Denn das heutige Produkt Kölsch hat in den letzten Jahrzehnten vor allem qualitativ und technisch einen großen Fortschritt gemacht ohne die alten handwerklichen Tugenden zu vernachlässigen.

Und das geht schon ziemlich lange so, denn in Köln wird seit mehr als 1000 Jahren gebraut in ehrwürdiger Tradition, strengen Regeln folgend. Schon in alten Chroniken wird Köln denn auch als das Bierhaus der Hanse bezeichnet. Die Zunft der Brauer genoß in der mittelalterlichen Stadt höchstes Ansehen und war ausgesprochen einflußreich. Noch heute sind Kölns Brauer eine Klasse für sich. In der Domstadt gilt - über das Reinheitsgebot von 1516 hinaus - die 1986 beschlossene Kölsch Konvention, eine freiwillige Selbstverpflichtung der zwanzig Kölsch-Brauer. Mit bindender Wirkung ist hier festgelegt, daß Kölsch nur in Köln und einigen genau bestimmten Brauereien der Umgebung gebraut werden darf. Alle Kölsch-Brauer haben sich zur strikten Einhaltung der Regeln verpflichtet und das Kölsch genau definiert. Es ist ein helles, obergäriges, hopfenbetontes Vollbier. Ähnlich detaillierte Festlegungen sind letztlich nur vom Champagner bekannt. Jeder, der das große Bier im kleinen Glas genießt, kann also sicher sein, daß er nur beste Qualität bekommt - und nur aus Köln. Übrigens legt die Konvention auch etwas für den Namen des Bieres fest, was manchem Werbeberater gar nicht in den Kram paßt: Kölsch ist Kölsch - und sonst gar nichts! - weder "Premium", "Echt" noch "Original". Denn Kölsch in Köln ist und bleibt etwas ganz Besonderes: ein unverwechselbares Stück Stadt-Kultur. (FM)

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de