...Wo erlebten Sie die "Stunde Null" und den sogenannten Zusammenbruch?
"Ich bin bei Kriegsende zwischen Tirol und dem Rheinland immer hin- und hergegondelt, weil hierhin ja meine Familie evakuiert war. Bei Kriegsende waren wir auf der Fahrt zurück nach Köln. Dann hat uns der Volkssturm in Kirchheim-Teck auf der Autobahn angehalten. Sie befahlen, Ich sollte mich in Kirchheim-Teck zum Einsatz melden. Mein Mitfahrer hatte auch seine Familie in Tirol, er war Ingenieur bei der Union-Kraftstoff AG und deshalb vom Wehrdienst freigestellt. Ja, sagt er aber, ganz pflichtgetreu, dann fahren wir doch in Kirchheim-Teck ab und melden uns. "Bis du jeck", habe ich gesagt, wie fahren jetzt in Richtung Köln oder Godesberg. Wir sind anfangs mit Äther gefahren, dann hatten wir keinen mehr aber wir hatten noch Zigaretten. Wir haben uns dann an die Militärwagen herangehangen, soweit wie die fuhren, damit wir Benzin sparen konnten. Wir sind bis Mainz gekommen und auch noch über den Rhein. Dann war aus, es kam noch Groß-Alarm. Wo gehen wir denn jetzt hin und lassen wir die Kiste einfach stehen, sagte mein Weggefährte? Ich sagte, am besten und am sichersten ist eine Kaserne. Wir gingen also in eine Kaserne und da haben wir uns zum Schlafen hingelegt. Auf einmal morgens flötete es: "Alles aufstehen- jemand krank? Was wollen denn diese schäbigen Zivilisten hier"? Da habe ich gesagt: "Schäbige Zivilisten, das möchte ich überhört haben, wir sind nämlich zum Volkssturm einberufen!" Darauf der Feldwebel: "Hier gibt es für Sie nichts zu fressen, hier gibt es auch kein Frühstück", sagte er. Wir waren froh und nichts wie raus aus der Kaserne und nichts wie weg!. Wir wußten auch nicht, steht der Wagen noch oder nicht mehr, aber er stand noch. Wir hatten aber fast kein Benzin mehr. Nach drei bis vier Kilometern sagte ich: "Menschenskind, Richard, halt mal an, da vorne ist was los". Da waren einige Landser, die liefen hin und her. Ich raus und was war? die Landser waren am "schwarzschlachten". Nachdem sie uns erblickt hatten und merkten, daß wir ihr ungesetzliches Treiben beobachtetet hatten, sagten sie uns an, ihr könnt aber nichts abhaben. Da sagte ich: Das will ich auch nicht, aber ich halte nur "de Schnüß", wenn ihr einen Kanister Benzin rausrückt". Gesagt, getan und wir fuhren weiter. Wir sind dann genau bis Remagen gekommen und sind dort gegen einen Panzer gefahren. Wir sind zwar nur schrittgefahren, aber es war ja alles verdunkelt. Die Panzer lagen vor der Remagener Brücke und auf einmal machte es "Peng" und wir stießen vorne gegen einen dieser "Riesen Dinger". Die Landser kamen und beschimpften uns wieder als schäbige Zivilisten! Wir mußten aber aus gutem Grund den Mund halten. Vorne am Auto war natürlich alles kaputt, der Propeller war kaputt, das Wasser lief heraus. Mein Mitfahrer war Ingenieur und verstand deshalb von Autos mehr als ich. Ich sagte aber zu ihm, Richard, das ist ganz egal, wir müssen hier heraus. Benzin hatten wir ja noch. Ganz langsam sind wir dann in Richtung Bonn gefahren. Auf einmal sah ich, daß da Häuser standen, es war Mehlem. Wir sind ausgestiegen und sahen Licht. Das war ja damals eine Seltenheit. So sind wir dann nach Godesberg gekommen. In derselben Nacht, habe ich noch bei Ria angerufen und gefragt, ist die "Partei" noch da, was von ihr verneint wurde. Wir sind in dieser Nacht mit dem Wagen noch auf den Godesberger Güterbahnhof gefahren und haben gesehen, was da los war. Es war 8enzin noch zu haben, das haben wir dann auch geholt und anschließend noch Rübenkraut. Wir haben tagelang Rübenkraut gegessen, bis ich kein Rübenkraut mehr sehen konnte. Die andere Rheinseite ist ja dann erst 14 Tage später erobert worden. Man hat sogar noch durch die Front telefonieren können. Es gibt eben immer noch einen Ausweg. Ich habe im angeheiterten Zustand ja immer den Hitler imitiert: "Zehn Jahre Nationalsozialismus haben das deutsche Volk nicht in die Knie zwingen können, und diese Brücke hier in Remagen, das wird die Entscheidung zum Endsieg werden" - und so ist es ja auch gekommen. Die Brücke wurde von den Amerikanern, wie später in einem Holywood-Film zu sehen war, nach verlustreichen Kämpfen genommen. Danach war hier im Rheinland der Spuk vorbei. Auf Rheinwiesen bei Sinzig hatten die Amerikaner ca.300.000 deutsche Kriegsgefangene zusammengetrieben und in einem provisorischen Camp untergebracht. Die hygienischen Zustände und die Verpflegung waren katastrophal, das anzusehen war mit das schlimmste, was ich im Krieg erlebt habe. Wir sind von Godesberg aus mehrmals da hingefahren und haben etwas Eßbares und Zigaretten über den Zaun geworfen. Was da stattgefunden hat ist nur schwer zu beschreiben. Die deutschen Kriegsgefangenen lagen da tagelang ohne Essen im Dreck und haben teilweise sogar wie die Tiere "Gras gefressen", manche haben für eine Zigarette ihren Trauring abgegeben, das kann man sich heute gar nicht vorstellen. Es war das Ende des Krieges, der einmal mit "Wir fahren gegen Engeland" begonnen hatte. Zu meinem "Fahrer" Richard und mir gesellte sich noch ein gewisser Malzkorn. Der war ein "Organisations-Genie" und war bei Kriegsende irgendwie in Godesberg hängen geblieben. Als die ersten amerikanischen Panzer kamen sind wir drei dann raus auf die Straße, wir hatten auch zum Schutz einen Revolver in der Tasche, denn man wußte ja nie. Das war schon eine seltsame Zeit, in der man bewaffnet über die Straße schlich. Wir haben uns durchgeschlagen bis zur Ria Maternus und dann kamen auch schon die ersten Amerikaner. Die besetzten Godesberg und schossen wie wild durch die Gegend, obwohl der "Feind" schon längst auf der anderen Rheinseite war. Königswinter wurde erst 14 Tage später besetzt, Godesberg war der sogenannte "Ruhekessel", wo die Amis sich regenerieren sollten. Das haben die auch ausgiebig getan. Die Amerikaner requirierten Spirituosen und später wollten sie Wein haben. Die Ria und ihr Vater haben dann auch etwas Wein zur Verfügung gestellt. Damit wollten sie mit den Amis tauschen. "Ja was denn"? Ich fragte Ria Maternus. "Margarine gegen Wein?". Nein sagte sie, "ich esse doch nur gute Butter". Wir sind dann ins Haus gegenüber gegangen. Währenddessen schossen die Amerikaner noch immer über den Rhein. Gegenüber von Rias Restaurant war ein Haus, das bewohnte eine Frau Hede, die war ein "tolles Haus". Wir sind mit ein paar Flaschen Wein rüber. Auf einmal kamen auch die ersten Amerikaner rein. Mit Walkie-Talkie und Maschinengewehr im Anschlag. Der Vater von der Hede steht oben, kommt die Treppe runter, sieht die Uniformen und sagte, Heil Hitler! Wir boten ihnen Wein an, trotzdem waren sie natürlich vorsichtig. Deshalb mußten die Frauen den Wein erst vorkosten, die Amis dachten vielleicht, der Wein wäre vergiftet. Die Gegenpropaganda war auch bei denen nicht ohne Wirkung geblieben. Der Richard Malzkorn war zwar verwundet aber konnte das auch wunderbar spielen, Dr. Malzkorn nannte er sich, obwohl keinen Titel besaß. Er war Oberkellner oder so etwas ähnliches. Aber kurz und gut, damals hat das keinen gestört. Der konnte jede Rolle spielen und das perfekt. Der ist den Amerikaner gegenüber aufgetreten wie "Graf Koks" obwohl er kein Wort Englisch sprach und die haben das "gefressen". Manchmal sagte er: "Ich geh organisieren". Ja, sagte ich dann, Menschenskind, wie willst Du das machen? Ach, sagte er, das machen wir schon. Er ging weg und kam dann mit einem Rucksack voll wieder. Ich fragte ihn, Malzkorn, was hast Du da in dem Rucksack? Das darfst Du nicht fragen, sagte er. Wir fuhren einmal nach Bonn und besuchten Juden, die ich geschützt hatte, Davids hießen die, das weiß ich heute noch, und packte dort seinen Rucksack aus. Er hatte alles mögliche darin. Vor allem Wein, aber auch andere Lebensmittel. Er war Oberkellner und Koch gewesen, und so hat er sich direkt an den Herd gestellt und hat mit den Sachen, die er mitgebracht hatte, gekocht. Ich weiß gar nicht, woher er die ganzen Sachen alle hatte. Wie das Essen so schön fertig war und der Wein gerade eingeschenkt, da kommt er herein und sagte zu den Davids: ich muß Ihnen etwas unangenehmes sagen. Die SS-Brigade Totenkopf ist wieder über den Rhein gesetzt". Die haben dann natürlich nichts mehr gegessen, denen ist der Appetit vergangen. Wir hatten uns gemütlich hingesetzt und als wir gut gegessen hatten sagte er auf einmal, jetzt muß ich aber sehen, was los ist. Dann kam er wieder und sagte, sind zurückgeschlagen worden. Jetzt hatten wir aber nichts mehr zu essen und konnten nur noch eine Flasche Wein trinken. Am anderen Morgen sind wir mit dem Fahrrad wieder los, da hatte er den Rucksack schon wieder voll. Fragte ich ihn, Richard, was hast Du denn da in dem Rucksack? Sagte er, das mußt du nicht fragen. Genauso wie er die Ria Maternus bestohlen hat, so hatte er jetzt auch die Davids bestohlen. Er war ein Mann ohne jeden Skrupel. Er konnte kein richtiges englisch, aber er konnte den amerikanischen Tonfall prächtig imitieren. Einmal hat er sogar amerikanische Uniformen angeboten, die hatte er sich irgendwo "organisiert". Was er damit vor hatte, habe ich nie erfahren. Ich fragte den Richard Malzkorn einmal: "Wie kommst Du eigentlich immer an den Wein"? Später habe ich es erfahren, er hatte den Weinkeller des alten Maternus geplündert und den Wein in der Regenrinne versteckt. Da kam natürlich kein Mensch drauf. Doch das alles galt damals nicht als Diebstahl in dem heutigen Sinne. Der allgemeine Eigentumsbegriff war in dieser Zeit des totalen Umbruchs relativ abhanden gekommen. Die allgemeine Not und der Hunger waren groß und viele Gegenstände, vor allem wenn sie "Parteigenossen" gehörten, waren herrenlos. Die Versorgung der Bevölkerung war zusammengebrochen und jeder wollte überleben. "Organisieren" war das Wort des Jahre 1945. Bei den ersten Amerikaner die kamen, da war ein deutscher Jude als Offizier, der hieß eigentlich Kohn, nannte sich aber Collins, der hatte das Kommando. Wir haben mit den amerikanischen Soldaten rege Geschäfte gemacht. Eines Tages sind wir dann auch wieder mit Wein und anderem bestückt zu Collins in die Unterkunft gegangen, auf einmal schellt es und die Militärpolizei stürmte herein. Die Amerikaner verschwanden hinten im Hof über die Mauer weg, wir blieben. Da kam die Militärpolizei, sah uns mit den getauschten amerikanischen Zigaretten und verhafteten uns. Wir wurden abgeführt und wem wurden wir dann vorgeführt, dem Mister Collins.
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.