Obwohl manche Gäste schon jahrelang regelmäßig in einigen Kölner Brauhäusern verkehren, haben sie trotzdem noch nie bewusst von dieser Einrichtung Kenntnis genommen. Es ist die Muttergottesfigur, die jedoch meist unscheinbar in einem Winkel des Gastraumes ihre schützende Hand über anwesenden Gäste hält. Denn regelmäßig Maria, die Mutter Gottes, war seit Jahrhunderten die am meisten verehrte Heilige der Katholischen Christen, ganz besonders zwischen Rhein und Maas. Unzählige Marienstatuen, sakrale Abbildungen auf Altären und Namensgebungen für Kirchen und Klöstern findet man hier noch heute. Natürlich waren im "Hilligen Köln" die Marienkirchen besonders prächtig. Auch die vielen Marienfeste von Maria-Lichtmeß, Maria-Geburt, Maria-Ablass, Maria-Empfängnis, Maria-Himmelfahrt waren fester Bestandteil des katholischen Kirchenjahres. Die Wallfahrten und Prozessionen zu Maria-Himmelfahrt waren Glanzlichter der rheinischen Marienverehrung und wurden entsprechend begangen. Dass bei diesen Gelegenheiten auch immer reichlich Kölnisches Bier floß, sei hier nur am Rande erwähnt.
In Köln waren der Gottesmutter die Kirchen Maria-Himmelfahrt, Maria im Kapitol, Maria Lyskirchen, Maria in der Schnurgasse, jetzt Maria im Frieden und die wundertätige "Schwarze Muttergottes" in der Kupfergasse geweiht. Auch die Kirche Maria ad Gradus (Zu den Stufen) hinter dem Domchor an den Stufen zum Rhein hin, war eine der bekanntesten Marienkirchen Kölns. Sie war zwar eine der wichtigsten Stifts- kirchen der Stadt, wurde aber trotzdem im Jahre 1817 gesprengt, um den Blick auf die Umgebung des der Vollendung entgegen gehenden Kölner Domes frei zu machen.
Die Marienabbildungen in Köln waren ebenso prächtig, wie zahlreich. Die "Rheinischen Madonnen" waren weit über Kölns Grenzen hinaus bekannt. Die berühmteste Madonna ist wohl das von Stephan Lochner geschaffene "Altarbild der Stadtpatrone" von 1445, dessen glanzvoller Mittelpunkt selbstverständlich Maria mit dem Jesuskind ist. Ihr huldigen die Heiligen Drei Könige, aber doch schon etwas im Hintergrund. Das Bild war das Altarbild der Ratskapelle, von wo es 1809 in den Dom wechselte, wo es seitdem unter dem Namen "Dombild" weltberühmt ist. Weitere bekannte Mariendarstellungen sind die "Mailänder Madonna" auch im Dom, die Schiffermadonna in Maria Lyskirchen und die "Thronende", heute im Schnütgen-Museum.
Neben den vielen künstlerischen Mariendarstellungen gab es allerdings auch vielen die einfachen Statuen, die der Heiligen Maria als wichtiger Schutzpatronin geweiht waren. Sie befanden sich meist an den Ecken der Außenfront in Höhe der ersten Etage über dem für das Kölner Wohnhaus typischen Zwischengeschoß. Sie thronten auf kleinen schmuckvollen Podesten und wurden von oben her durch eine Muschel, dem Pilgerzeichen geschützt. Eine der schönsten befand sich am Brauhaus "Zur Stadt Coblenz" am Rheinberg. Obwohl die Brauer in St. Peter von Mailand einen eigenen Schutzpatron besaßen, konnte dieser "italienische" Heilige nie die dem rheinischen Volksglauben so vertraute Gottesmutter Maria ersetzen.
Das bekannte Brauhaus "Zum Marienbildchen" trug diesen seinen Namen von der Marienfigur an seiner Fassade. Die Brauerei wurde im letzten Weltkrieg zerstört und nachher nicht mehr aufgebaut. Durch die totale Zerstörung Kölns, vor allem der Altstadt, verschwanden die "Marienbildchen" fast vollständig von den Häuserfronten. Den traditionreichen Namen "Zum Marienbildchen" übernahm nach dem Kriege ein bekanntes Feinschmeckerlokal auf der Aachener Straße und das "Kleine Marienbildchen", eine urgemütliche Gastwirtschaft in Lindenthal.
Nur einige wenige Kölner Brauhäuser retteten die Tradition der "Marienbildchen" in die Nachkriegszeit hinüber. Waren sie vor dem Zweiten Weltkrieg fester Bestandteil jeden zünftigen Brauhauses, so befinden sich noch heute "Marienbildchen" nur noch in den Brauhäusern bei Sion - Unter Taschenmacher, bei Früh – Am Hof und bei Päffgen in der Friesenstraße. Letzteres Brauhaus verfügt sogar, wie in alter Zeit, über ein "Ewiges Licht" unter der Marienstatue, das allerdings dem heutigen technischen Standard entsprechend permanent elektrisch betrieben wird.
Elektrisch oder nicht, die "Marienbildchen" gehören zu einem Brauhaus, wie der Mostert zum Halven Hahn. Es wäre zu wünschen, daß mehr Brauhäuser den alten Brauch wieder übernehmen würden, der die Kölner Brauhaus-Kultur so attraktiv und unverwechselbar macht. Und nebenbei erhält man zusätzlich noch etwas "Segen von oben", was ja bekanntlich auch noch niemand geschadet hat. (FM)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.