Brauhaus "Zum Salzrümpchen"

Dieser Teil der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Domes, war einer der kulturellen Mittelpunkte des mittelalterlichen Köln. Hier spürt man noch heute den "Genius loci" - diesen unbestimmbaren Geist, der einen Ort umgibt, an dem in früheren Zeiten einmal Wichtiges gedacht und gemacht worden ist. Er vermittelt den Menschen ein Gefühl von der Historie und den Personen, die daran beteiligt waren. Denn wo heute die Hauptverwaltung des größten deutschen Senders, des Westdeutschen Rundfunks steht, wo gegenüber im Museum für Angewandte Kunst alte und neue Designer ihre Werke zeigen, hier war schon vor sehr langer Zeit der Geist von Wissenschaft und Kunst zuhause. An dieser Stelle lernten die Studenten der alten Universität von 1388 die Juristerei. Daher auch der Name "An der Rechtschule". Gegenüber, in der Laurentianer Burse, bereiteten sie sich auf das Studium vor. Hier lebte und lehrte der große Kirchenlehrer Dun Scotus und in unserer Zeit entwickelte Adolf Kolping, der Gesellenvater, seine katholische Sozialphilosophie.

In Bursen und Konventen wohnten Lehrer und Studenten gemeinsam. Doch sie haben nicht immer nur studiert, hier flossen bestimmt hin und wieder auch Bier und Wein. Wo heute das Hotel Königshof steht, befand sich bis zum teilweisen Abriß des Klosters das Kloster-Bräues der Franziskaner, genannt das "München-Brauhaus".

Im Jahre 1241 wird das Haus "Salzrump"- gelegen an der Römergasse - erstmals genannt. als es durch Johann von der Lintgassen vom Kloster St. Mauritius abgekauft wurde. 1286 ist vom "Salzrump" die Rede, als von einem "Backhaus``, gelegen oberhalb der Mühle (ultra pistrinum). 1296 wird vom "Salzrumpi. gesagt: Nahe bei der Kirche Maria zum Oertchen gelegen, sei er von Klein St. Martin an Johann Bischof in Erbleihe abgegeben worden. Im Jahre 1313 finden wir ihn wiederum als "Bäckerei Salzrump". Nach wiederholtem Besitzerwechsel wurde 1487 das Anwesen in zwei Häuser geteilt. Eines der Häuser wurde im Jahre 1589 von dem Brauer Michael Hermann aus Speyer für 1000 Goldtaler gekauft, der darin eine Brauerei betrieb. Sie nannte sich "Brauhaus zum Salzrump`' und bestand über Jahrhunderte hinweg. Über die Herkunft des Namens "Zum Salzrümpchen", der heute noch in einem Lokal am Salierring fortlebt, gibt es verschiedene Darstellungen. Am wahrscheinlichsten ist der Hinweis auf das nahegelegene Salzmagazin in der Römergasse. Der letzte zünftige Brauer, der auch gleichzeitig Hauptmann der Bürgerwehr war, hieß Petrus Fuhrath.

Im Jahre 1838, also nachdem die Preußen in Köln das Regiment übernommen hatten, braute hier der Brauer Peter Wilhelm Lauvenberg. Ihm folgte ein Jahr später der Bierbrauer Anton Werners. Dieser betrieb die Brauerei fast dreißig Jahre bis 1867. Dann übergab er sie an seinen Sohn Johann Jacob Werners. Auch dieser führte den Braubetrieb lange Jahre erfolgreich bis 1896 - das Bier vom "Zum Salzrümpchen`` war bekannt und beliebt. Nach seinem Tode übernahmen ihn seine Erben, welchen die Brauerei aber nicht so am Herzen gelegen haben kann. Denn im Jahre 1898 wurde der Braubetrieb eingestellt und die Hirsch-Brauerei Cöln aus Bayenthal eröffnete hier eine Brauereigaststätte, die sowohl einen Spezialbier-Ausschank als auch ein Restaurant beherbergte. Vor allem Geschäftsleute der nahen Einkaufsstraßen pflegten hier ihr Bier zu trinken. Das Haus war in ganz Köln bekannt und beliebt, besonders in den 20er Jahren verkehrte hier viel Sportprominenz, besonders die Schwimmer und die Turner.

Auch dieses alte Kölner Brauhaus wurde im Zweiten Weltkrieg ein Opfer der Bomben. Wo früher einmal Genuß und Geselligkeit gewohnt hatten, blieben nur noch rauchende Trümmer. Nach dem Krieg wurde das "Zum Salzrümpchen" nicht mehr aufgebaut. Der WDR erwarb das Grundstück zur Errichtung eines Erweiterungsbaus für sein Funkhaus am Wallrafplatz. In doppelstöckigen Kellern befinden sich die Studios für die täglichen Sendungen. Viel Stahl und Glas - alles etwas unterkühlt. Viel neue Kultur rumdherum: Museen, Galerien, antike Möbel und Graphiken, ansonsten Büros und Geschäfte. In der Cafeteria des Museums kann man im wunderschönen Innenhof blicken und bei einem Glas Kölsch die Stille genießen. Das hätten die Studenten der alten Studieranstalt bestimmt auch gemocht, ebenso wie die Franziskaner Mönche, die hier ja selbst einmal ein eigenes kleines Brauhaus in ihrem benachbarten Kloster um die Ecke hatten, an der Stelle, wo die Herren Wallraf und Richartz, Namensgeber des Museums, heute hoheitsvoll vom Sockel blicken. (FM)

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de