Brauhaus "Zum Leysten" und Privat-Brauerei "Zur Gaffel"

Vom Brauhaus "Zum Leysten" zur Privat-Brauerei „Zur Gaffel“


Wenn man über Bierbrauen zwischen Rhein und Maas schreibt, ist es selbstverständlich, sich mit der historischen Struktur der Braumetropole dieser Region zu befassen, der Braugeschichte der Stadt Köln. Nun ist dieses Thema so umfangreich, daß es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, und so beschränkt sich dieser auf einen sehr spezifischen Aspekt. Es ist die Geschichte der Entwicklung einer Braustätte von der kleinen Hausbrauerei "Zum Leisten" auf dem Eigelstein zu Köln zu einer der namhaften Privatbrauereien, der Gaffel-Brauerei Becker & Co. Aus einer, man könnte sagen, "Kleinst-Brauerei", die ausschließlich für den eigenen Hausgebrauch braute, wurde ein nach modernsten technischen Maßstäben produzierendes Unternehmen.

Doch beginnen wir bei den Anfängen der Kölner Brauhistorie, die uns den Hintergrund für die folgende Geschichte liefern. Geht man heute vom Dom aus in Richtung Norden, so durchquert man das Quartier rund um den Eigelstein. Dieses Viertel ist neben dem Severinsviertel typisch Kölsches Milieu, wo zwischen den Straßen "Unter Krahnenbäumen" und der Weidengasse das echte Herz von Köln schlägt. Hier am Ende der römischen Nord-Süd-Achse zogen die Römer von ihrer Provinzhauptstadt in ihre Standorte nach Neuss und Xanten. Vom lateinischen Wort aquila (der Adler) leitet sich auch der Name Eigelstein her, denn die Adler waren die Heerzeichen der römischen Legionen. Doch die Römerstadt ging nur bis zum Nordtor an der heutigen Straße "An der Burgmauer", dessen Überreste man ja noch auf der Domplatte bewundern kann. Im Mittelalter wanderte die Stadtgrenze durch die ständige Erweiterung des Stadtgebiets stetig nach Norden. Die Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert schloß dann mit der großen Stadtmauer und dem Eigelsteinstor die Straße endgültig ab. Doch das Viertel im Norden war bis weit ins 19. Jahrhundert immer eines, das vor allem landwirtschaftlich genutzt wurde, wie dies noch der preußische Stadtplan von 1830 ausweist.

Die konkrete Kölner Biergeschichte beginnt erst im frühen Mittelalter. Die ersten schriftlichen Zeugnisse über einen Bierbrauer in Köln finden wir im Schreinsbuch (Grundbuch) des Bezirks Niederich um das Jahr 1170. Hier wird beim Verkauf eines Hauses ein Ezelin bruere (Ezelin, der Brauer) erwähnt. Ab diesem Datum werden immer wieder Brauer und Brauhäuser namentlich aufgeführt, so auch 1302 das erstmalig genannte Brauhaus Zum Leysten auf dem Eigelstein. Im Mittelalter wurde der Eigelstein dann auch eine Straße der Brauhäuser. Das lag vielleicht an den zahlreichen Studenten, die ab der Gründung der Kölner Universität im Jahre 1388 in den benachbarten Bursen - wie die damaligen Studieranstalten genannt wurden - studierten. Aber auch an den vielen "Konventen" im Viertel, in denen die auswärtigen Studenten wohnten und ihre Freizeit verbachten. Die Bursa trium coronarum der Jesuiten in der Marzellenstraße, Vorläuferin des späteren Dreikönigs-Gymnasiums am Türmchenswall, war eine der berühmtesten. Die Brauer vom Eigelstein versorgten die Studenten ,anders wie ihre geistlichen Lehrer, mit den geistigen Getränken.

Als das älteste Brauhaus auf dem Eigelstein wird, wie bereits vorher erwähnt, in den Schreinsbüchern des Bezirks Niederich im Jahre 1302 das Haus Zum Leysten als braxatoria supra Monticulum (die Brauerei über dem Hügelchen) erwähnt. Es ist die Stelle, wo heute in der Gaffel-Brauerei nach fast 700 Jahren noch immer Bier gebraut wird. Im Nachbarhaus ist in einem alten Stadtplan (Keussen) eine Malzmühle ausgewiesen, was das Bestehen einer Brauerei nur noch untermauert. Dieses Brauhaus Zum Leysten war Urzelle einer lebhaften Braukultur auf und um den Eigelstein. Insgesamt weist das Kölner Brauer-Kataster für den Eigelstein seit 1838 die stolze Zahl von 18 Brauereien auf, inklusive der ebenfalls zum Viertel gehörenden Braustätten rund um St. Kunibert, St. Ursula, der Johannis-, Maximinen- und Marzellenstraße. Eine wahrhaft gigantische Menge, der Bierdurst der Studenten muß gewaltig gewesen sein. Einige dieser Gasthäuser haben bis heute überlebt.

Die Neuzeit mit ihren vielen technischen und wirtschaftlichen Neuerungen veränderte auch das Gesicht des bis ins 18. Jahrhundert ländlich geprägten Eigelsteins. Eine dieser unternehmerischen Pioniertaten war der Bau der Eisenbahn und die Trassenführung quer durch die Stadt zum Hauptbahnhof am Dom. Dabei wurde die gewachsene Einheit des Eigelstein-Viertels erstmals rigoros zerstört, genau wie später noch einmal, als man die Nord/Südfahrt quer durchs Quartier - und die vielleicht kölscheste aller Kölner Straßen Unter Krahnenbäumen - schlug und damit ein Stück Stadtkultur dem wachsenden Autoverkehr opferte. Viele klangvolle Brauernamen sind seitdem verschwunden und ihre Geschichte lebt höchstens noch in einer Gaststätte weiter.

Doch eine aktive Brauerei ist trotz allem erhalten geblieben, die Gaffel-Brauerei Becker & Co. Nachdem hier an dieser Stelle bereits seit dem Mittelalter gebraut wurde, geriet die Braustätte Zum Leysten etwas in Vergessenheit. Neu gegründet wurde die Brauerei unter dem Namen Zum "Brüsseler Hof" von Gottfried Joseph Schumacher im Jahre 1822, nach dem Abzug der Franzosen aus Köln. Sie bestand bis 1857 unter diesem Betreiber. Nach seinem Tod übernahmen die Geschwister die Brauerei, die sie 1859 an Reinhard Joseph Appell weiterverkauften. Seine Witwe führte den "Brüsseler Hof" bis 1874. Von 1874-1888 wurde der Brüsseler Hof nur als Gaststätte betrieben. 1888 beginnen wieder neue Aktivitäten unter dem Brauer Adam Lenzen, zehn Jahre lang als Hausbrauerei. Nach Adam Lenzen versuchte sich der später im Severinsviertel sehr erfolgreiche Heinrich Reissdorf ein Jahr lang (1899) als Brauer auf dem Eigelstein. Dann beginnen die erfolgreichen Jahre der Familie Becker in der obergärigen Brauerei am Eigelstein, die nun In der Gaffel genannt wurde, nach den alten Kölnischen Kaufmanns- und Handwerkervereinigungen, die jahrhundertelang die Geschicke der Stadt Köln leiteten. - Ein traditionsreicher Name für eine traditionsreiche Braustätte. Denn der Begriff Gaffel führt unmittelbar zurück auf einen der bedeutendsten Tage in der Kölner Stadtgeschichte. Es war der 14. September 1396, an dem der berühmte "Verbundbrief" in kraft trat. An diesem Tag wurden die Patrizier gestürzt und die Bürger übernahmen die Herrschaft in der Stadt. Das politische Leben wurde demokratisiert, d.h. die Macht auf 22 politische und gewerbliche Kooperationen übertragen, auf die Gaffeln und auf die Zünfte, die in Köln damals Ämter genannt wurden. Die Gaffeln und Ämter (darunter auch die Brauer) besiegelten den Verbundbrief mit ihrer Unterschrift und erhielten die politische Verantwortung in der Stadt. Diese übten sie auch bis zur Beendigung der reichsstädtischen Zeit durch die Französische Revolution aus.

Ursprung der Familie Becker ist der Ort Thenhoven bei Köln-Worringen, wo der Großvater der heutigen Eigentümer einen Landhandel unterhielt. Dazu betrieb er einen Holz- bzw. Baustoffhandel mit einer angeschlossenen Dachziegelei in Worringen und eine Brauerei in Dormagen, das heutige Brauhaus zur Garde. Diese beiden Unternehmen wurden von den Brüdern des Gründers Heinrich Becker geleitet. Sie machten das Brauhaus am Eigelstein 41 zu einem beliebten Platz für alle Kölner, sein ausgezeichnetes obergäriges Bier und seine gute Küche waren stadtbekannt.

1918 wurde das Vorderhaus bzw. der Brauerei-Ausschank auf dem Eigelstein sehr aufwendig umgebaut und die Inneneinrichtung modernisiert. Die dekorativ mit vaterstädtischen Motiven bemalte Fassade erhielt den Charakter eines alten Zunfthauses. Das Äußere des Brauhauses hatte sich dem Namen der Brauerei In der Gaffel bestens angepaßt. In der Sonderbeilage des Kölner Tageblatts vom 15. Dezember 1929 über die Kölner Brauhäuser hieß es damals wörtlich "... heute wird im Brauhaus "In der Gaffel" ein mit den neuzeitlichen Brauereieinrichtungen hergestelltes süffiges hochprozentiges Glas Kölsch verabreicht, das einem bei bestens zubereiteten Speisen so zunftgerecht schmeckt wie anno dazumal". Weiterhin ist in einer Zeitungsannonce der obergärigen Brauerei "In der Gaffel" zu lesen Größte Kölner Hausbrauerei für obergäriges Bier, mit den modernsten Maschinen und Einrichtungen ausgerüstet, empfiehlt ihr aus den edelsten Rohstoffen gebrautes hochprozentiges, bestens abgelagertes Gaffel-Bräu "Echt Kölsch" - Produktionsfähigkeit der Brauerei beträgt 20.OO0 Hektoliter jährlich.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lag die Bierherstellung kaum über 5.000 Hl pro Jahr. Dann aber - nach der totalen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau der Brauerei im Jahre 1950 - wurde erstmals die Jahreskapazität von 10.000 Hl erreicht. Im Jahre 1962 wurde die 100.000 Hl- und 1972 die 200.000 Hl-Grenze überschritten. Heute sind es mehr als 360.000 Hl Gaffel-Kölsch, die jährlich gebraut werden, davon werden 2/3 als Faßbier abgefüllt.

Ein neues Gasthaus steht jetzt besonders im Augenmerk der Brauer vom Eigelstein, denn längst ist das ehemalige Brauhaus Zum Leysten an historischer Stelle neu entstanden aIs Gaffel-Haus am Kölner Altermarkt. Liebevoll spricht man jetzt von ihm als dem Tor zur Kölner Altstadt, und in der Tat hat der Altermarkt seit dem Mittelalter von sich Reden gemacht. Man nannte ihn vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg den "Cölnischen Markusplatz". Doch dies nicht wegen seiner Tauben, sondern weil der Altermarkt früher ein zentraler Umschlagplatz für Waren, Weisheiten, Gerede und Gerüchte war – "Et jolde Böddemche", wie ihn die alten Kölner nannten. Hier steht - im Schatten des mächtigen Rathausturmes - das Gaffel-Haus, nun das älteste Gebäude am Markt - ein historisches Kleinod seiner Epoche. Erstmals erwähnt wird das Haus im Jahre 1215. Das große Gebäude Ecke Alter Markt/Lintgasse hieß Zur Briezele am Apfelmarkt, denn der befand sich damals direkt vor der Haustür.

Im Jahre 1580 erwarb der Steinmetz Benedikt von Schwelm die nördliche Haushälfte. Die Jahreszahl ist noch heute auf den Mauerankern der Fassade zu sehen.. Benedikt von Schwelm ist als Erbauer des Zwillingsbaus anzusehen, wie er sich noch heute darbietet. Während der nördliche Teil zunächst den Namen Zur Brezel weiterführt, trägt der südliche Teil später den Namen Zum Dorn (1630), dann später auch den Namen Zur goldenen Sonne (1767). Hermann von Weinsberg, Ratsherr, Jurist, Stadtchronist des 16. Jahrhunderts nennt das Doppelhaus ein Kleinod. Wenn auch mit dem Bauherrn um drei Ecken verwandt, Benedikt von Schwelm war der Schwiegervater seines Neffen Gottschalk - hat sein Urteil Gewicht. Nach vielen kleinen baulichen Veränderungen und mehrfachem Eigentümerwechsel rettete sich das Haus in seiner alten Form in die Neuzeit. Erhalten blieb die Tafel mit der Inschrift "Dies hous steit in Gottes hand - zo der bretzel bin ich genannt".

Allerdings nagte auch an der "Brezel" der Zahn der Zeit 1913 erfahren wir aus einem Bericht der Denkmalpflege, wie gefährdet unser Kleinod war Nur die festgefügte, in Eichenfachwerk gezimmerte Scheidewand zwischen beiden Häusern sowie die gut verankerten Balkenanlagen "haben den Einsturz der Häuser verhütet". Den Bemühungen des Oberbürgermeisters Wallraf und des Beigeordneten Rehorst war es zu verdanken, daß das Kleinod nicht abgerissen, sondern von Grund auf restauriert wurde. Dazu wurden (1910 bis 1912) die Frontwände abgetragen. Die Werksteine wurden beim Abbruch numeriert und - soweit verwendbar - wieder eingesetzt; die Hauptfassade erhielt wieder ihr ursprüngliches Bild. Die stützende Fachwand fiel weg, dafür wurden die Erdgeschoßpfeiler verstärkt. Die ehemaligen Geschoßhöhen - obwohl nicht im Einklang mit der Bauordnung - blieben erhalten. Die Stadt hatte den Bau zum Zweck der Restaurierung angekauft und verkaufte ihn im erneuerten Zustand an die Bäckerinnung, die gerade auf der Suche nach einem neuen Heim war. Die Namensgebung Zur Brizel oder Zur Brezel ist somit nicht auf die Bäckerinnung zurückzuführen, sondern geschah bereits über 600 Jahre früher.

Im Zweiten Weltkrieg sank der Altermarkt - wie fast die gesamte historische Bausubstanz Kölns - in Schutt und Asche. 1943 brannte die Brezel, von Bomben getroffen, völlig aus. Als einziger historischer Bau am Altermarkt bewahrte er jedoch das Mauerwerk in voller Höhe. Ab 1947/48 mußten an dem Bauwerk umfangreiche Sicherungsarbeiten durchgeführt werden - ständig bedroht vom Einsturz. Die endgültige Restaurierung dauerte dann auch bis spät in die fünfziger Jahre. 1955, als der bauleitende Architekt wieder einmal einen Beihilfeantrag an den Stadtkonservator stellte, standen den geforderten DM 39 000 gerade noch DM 4050 aus dem laufenden Etat gegenüber! Doch wie sagt der Kölner "Et hätt noch immer jot jejange" und so ist das Haus Zur Brezel heute der repräsentative Brauereiausschank der Privatbrauerei Gaffel, die damit seit 1986 inmitten historischer Umgebung in einem der ältesten und schönsten Häuser Kölns präsent ist. (FM)

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de