Es gibt verschiedene markante Kölner Wirtshäuser, die keine Brauhäuser waren; trotzdem sind sie mit der Stadt- und Bierhistorie so eng verknüpft, daß es eine Unterlassungssünde wäre, nicht über sie zu berichten. Die "Ewige Lampe" war ein solcher Platz, wo sich so viele wichtige und bemerkenswerte Zeitgenossen beim Bier oder Wein trafen, daß sie als Brennpunkt einer sozialen Epoche anzusehen ist.
Friedrich Wilhelm Simon machte sich 1835 als Faßbinder und Weinzäpfer selbständig und kaufte das Haus Trankgasse 1. In dem aus dem Jahre 1366 stammenden schmalen Gebäude eröffnete er einen Weinzapf, das Haus verlor seinen Treppengiebel und erhielt eine modernere Fassade. Weil im Lokal bis in den Morgen die Lichter nicht ausgingen, hatte es rasch den Namen "Ewige Lampe`' weg. Verliehen hatte ihn der Dichter Karl Cramer, ein beliebtes und beleibtes Original seiner Zeit.
Über den Betrieb im Haus "Ewige Lampe" wissen wir vergleichsweise mehr als von anderen Häusern, dank Hermann Beckers Buch "Altkölnische Wirtshäuser". Becker war der Sohn des Kulturkritikers der "Kölnischen Zeitung", in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Mittelpunkt einer illustren Stammtisch-Gesellschaft von Intellektuellen und Industriellen, die sich regelmäßig im Haus "Ewige Lampe" trafen. Mit bierseliger Heimattümelei hatte das nichts zu tun, hier war der Geist und nicht das Gemüt gefragt. In der Gründerzeit des Bierhauses "Ewige Lampe" waren es noch Typen wie Cramer oder der "Professor" Peter Wahlen, ein des Lesens und Schreibens kaum kundiger Kappesbauer und Naturphilosoph, die in der Wirtschaft den Ton angaben. Die Liste späterer Gäste liest sich wie ein "Who is Who" des Jahrhunderts. Mit überwiegend liberalem oder "linkem" Einschlag: Karl Marx verkehrte hier im aufregenden Revolutionsjahr 1848, als er in Köln die "Neue Rheinische Zeitung" herausgab, und mit ihm der redegewaltige Sozialist Hermann Becker, der "rote Becker", später Oberbürgermeister. Ferdinand Freiligrath ist hier gesehen worden und der Dichter des Deutschlandliedes, Hoffmann von Fallersleben, der mit dem Verleger der "Kölnischen Zeitung" im Haus "Ewige Lampe" seinen Redakteursvertrag begoß. In der von Simon Meister ausgemalten Wirtschaft saßen als "Schobbestecher" und "Schwammbälch" ("Dicke Bäuche") die Herren Farina und Mülhens, der Dichter DeNoel und der Schriftsteller Weyden, die Kapellmeister und Komponisten Conradin Kreutzer und Ferdinand Hiller. Karl Cramer soll hier dem in seine Heimatstadt gereisten Jacques Offenbach die Idee zu "Orpheus in der Unterwelt`' vermittelt haben.
Die Mischung von Prominenz zeigt schon, daß die "Ewige Lampe" mehr eine Ideenfabrik als ein Revoluzzer-Lokal gewesen ist. So lesen wir denn auch bei Hermann Becker: "Sie war selbst dann, als die politischen Wogen in Köln am höchsten gingen, ein neutraler Boden, auf dem sich radikale und gemäßigte Anschauungen mit reaktionären friedlichen begegneten.
Nach 1870 wurde die "Ewige Lampe" umgebaut, um einige Nebenhäuser erweitert und schließlich mit dem benachbarten "Hotel de l'Europe" zu jenem bekannten Hotel-Restaurant vereinigt. Der Komplex lag an der Stelle, wo heute die Straße Andreaskloster von der Komödienstraße abzweigt. Das Haus lag an dem wichtigen Straßenbahngabelung, wo sich Marzellen- und Komödienstraße treffen. Man konnte von hier aus den Eigelstein und die Nordstadt, den Hauptbahnhof, den Dom und das Rheinufer, ebenso wie den Ring und den Neumarkt direkt erreichen. Die Trankgasse von einst war im übrigen gesäumt von hochherrschaftlichen Bauten. Unter anderem stand hier der "Kölner Hof", das prächtige Gästehaus der Erzbischöfe. Ihr Name weist darauf hin, daß über sie ursprünglich die Pferde zur Tränke am Rhein hinuntergeführt wurden. Wie das Beispiel "Ewige Lampe" zeigt, tranken hier später nicht nur die Pfere....? (FM)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.