Jeder, der schon mal ins Aggrippa-Bad gegangen ist, um ein erfrischendes Bad zu nehmen, kennt das schöne alte Haus mit dem imposanten Doppelgiebel schräg gegenüber dem Bad. Es war früher die äußerste östliche Ecke des alten Griechenviertels. Leider ist dieses für Köln so typische "Kleine-Leute-Quartier" durch die Zerstörungen des letzten Krieges und den Bau der Nord-Süd-Fahrt aus dem städtischen Zusammenhang gerissen worden. Es fristet abseits der geschäftigen Innenstadt ein fast beschauliches Dasein am Rande. Zu Zeiten, als ganz in der Nähe die immer belebte Sternengasse existierte, war auch in dieser Gegend ein lebhaftes Kommen und Gehen. Hier pulsierte das kölsche Leben genau so intensiv wie im "Vringsveedel" und rund um den Eigelstein.
Was der Griechenmarkt (es gibt den Großen und den Kleinen) mit dem Volk der Griechen zu tun hat, ist umstritten. Eine Deutung führt zurück zu der Kaiserin Theophanu, Mutter Ottos III., die 991 starb und in St. Pantaleon beigesetzt wurde. Die oströmische Kaisertochter soll eine ganze griechische Handwerker- und Künstlerkolonie im Schatten von St. Pantaleon angesiedelt haben. Darauf könnte der Name Griechenpforte hinweisen. Historiker verweisen aber auch auf die Wurzel "Crieg" (Krieg), und das nicht von ungefähr, denn im Jahre 1371 wurde am Griechenmarkt der Kölner Weberaufstand blutig niedergeschlagen.
Am Großer Griechenmarkt, wo übrigens auch das Geburtshaus von Jacques Offenbach stand, findet sich das Haus "lm Bachem", das nach dem Bombenkrieg allein noch aus der Trümmerwüste ragte. Das Haus wurde, wie die Maueranker im Doppelgiebel ausweisen, im Jahre 1590 erbaut. Der Ursprung der Besiedlung liegt im Saphirshof (Hof Bachem), einem Stadthof mit großem Garten. Es waren die Stadtgüter des Adels und der Klöster, welche über den größten Landbesitz innerhalb der Stadtmauer verfügten. Hier wurde neben "Kappes und "Schavou" auch Wein angebaut, der aber jahrgangsabhängig dem Bier nie Konkurrenz machen konnte. Zwar tranken die Reichen meistens Wein, der ja zu dieser Zeit ein Luxus war, das Bürgertum und die niederen Schichten bevorzugten jedoch das preiswertere Bier. Die große Zahl der Braustätten in der Stadt macht diese Tatsache beson-ders anschaulich. Das Haus "Im Bachem" war eine dieser kleinen Hausbrauereien.
An das Haus aus dem Ende des 16. Jahrhunderts schloß sich ein kleines Seitenhaus an, welches auf unserem Foto aus dem Jahre 1910 leider nicht zu sehen ist. wie lange "Im Bachem" ein Brauhaus bestand, ist nicht bekannt. Der erste bekannte Brauer war Heinrich Bechem (1838). Er betrieb die Brauerei bis zum Jahre 1849. Dann übernahm ein Brauer namens Peter Josef Weber für acht Jahre bis 1857 das Haus. Jakob Röttgen (von 1857 bis 1861) und Josef Schätzgens (von 1861 bis 1872) folgten nach. Der letzte Brauer Peter Wolter (von 1872 bis 1880) beendete die Brautradition "lm Bachem" am Großer Griechenmarkt. Auf dem Foto beherbergt das Haus die Restauration von Gottfried Metternich. Das Kölsch-Bier stammte aus der Brauerei Creischer am Barbarossaplatz. Auf einem anderen Foto aus dem Jahre 1920 macht das Haus bereits einen sehr verwahrlosten Eindruck.
Heute ist das wiederhergestellte Haus "Im Bachem" leider kein Brau- oder Gasthaus mehr, aber eines der am besten restaurierten alten Traditionshäuser Kölns, die der zweite Weltkrieg übrig ließ. Es gehört in eine Reihe der noch vorhandenen repräsentativen Kölner Brauhäuser: Das Gaffel-Haus "zur Bretzel" am Alter Markt, das "Haus Balchem" an der Severinstraße und das Haus "zum St. Peter" am Heumarkt. (FM)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.