Wo heute das Gasthaus "Em Krützche" steht, befand sich bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das gleichnamige ehemalige Brauhaus. Hier war bis zu ihrer Verlegung die Abfahrtsstelle der Köln-Bonner Rheinuferbahn. Die Straße lag, bis zur Entfernung der Stadtmauer am Rheinufer, in einer Gasse direkt hinter der hohen Mauer. 1649 als Brennhaus gegründet, erhielt es Das Straßenstück Am Frankenturm in der Fortsetzung vom Bollwerk zählt nur ganze drei Häuser. Das mittlere, das heutige "Krützchen" hieß seit 1589 "Zum Schwanen", später erhielt es seinen heutigen Namen. Die Straße wiederum hat ihren Namen nach einer der Torburgen der Stadtbefestigung zum Rhein hin, dem Frankenturm, der lange Zeit der Stadt als Kriminalgefängnis diente.
Das alte Haus stammte aus dem 17.ten Jahrhundert und war in den Augen der Denkmalpfleger eine der am einheitlichsten erhaltenen Hausanlagen jener Zeit. Es trägt die Jahreszahl 1649 an seiner interessanten Fassade mit dem gotischen Stufengiebel. Die Doppeltür und der Löwenkran, die Gitterfenster und die Zwischengeschoßfenster waren besonders schöne Beispiele des damaligen Baustils.
Seinen Name stammte von der in der gegenüber befindlichen Rheinmauer angebrachten Kreuzigungsgruppe hinter dem alten Zollamt, das seinen Eingang am Bollwerk hatte. Diese Kreuzigungsgruppe wurde, bei der Niederlegung der Rheinmauern aus Anlaß der ersten Entfestigung Kölns bei der Erweiterung der Hafen- und Kaianlagen, auf der Domterrasse hinter dem Springbrunnen vom "Drügge Pitter" untergebracht und so der Nachwelt erhalten. Im Jahre 1841 errichtete Ambrosius Schmitz hier eine Hausbrauerei, die allerdings 1878 wieder eingestellt wurde. Der letzte Brauer hieß Joh. Jos. Schmitz. Lange Jahrzehnte war das Haus vorigen Jahrhundert im Besitz der bekannten Kölner Juristenfamilie Schmitz, aus der viele tüchtige Männer im Rechtsfach hervorgegangen sind. Danach betrieb das Haus für kurze Zeit ein Kölner Wirt namens Moll, und 1911 ging es in den Besitz des bekannten Wirtes Wilhelm Schwan über, der das große Anwesen innen und außen gründlich im altkölschen Bürgerstil instand setzen ließ, sodaß es ein "Schmuckkästchen`' wurde. Besonders sehenswert waren die Renaissance Theke, das typische "Hängestüffchen". Das Haus unterstand, wie so manche andere Schankstätte, dem Provinzial-, Heimat- und Denkmalschutz. Hier fühlte sich der Kölner wohl. Auch Kölner Originale wie das "Fleuten-Arnöldchen", der hier seine Tournee durch die Rheinufer-Kneipen machte und die Gäste mit seinem Flötenspiel unterhielt, gehörten zu den Stammgästen.
Im Krieg schwer beschädigt, wurde das heute noch eine gute Kölner Adresse. Denn Haus im alten Stil wieder aufgebaut. 1987 es hat einen gastronomischen Ruf, der wurde es noch einmal restauriert, es er weit über Köln hinaus geht. Auch wenn folgte sozusagen die letzte "Feinpolitur". sich während der Touristen-Saison die Das nun wiedererbaute Gasthaus "Em Menschenmassen durch die Kölner Altstadt wälzen, herrscht hier ein gewisses Klima der Ruhe, eine Oase der Gastlichkeit besonders den anspruchsvollen Gast Verweilen einlädt. Seine Inneneinrichtung war ein Kleinod Kölner Gasthauskultur, sehenswert vor allem die Decke und die geschnitzte Treppe. Den alten "Beichtstuhl, das Thekenhäuschen , gibt es heute leider nicht mehr.
Heute präsentiert sich "Em Krützche" wieder im altem Glanze. Es wird hier zwar Kölsch gesprochen, aber leider nicht mehr trunken. Bei aller berechtigten Liebe zu den herben Bieren aus der Eifel, sollte man doch die Toleranz aufbringen, und dem heutigen Gast, der Köln und seine Spezialitäten kennenlernen will, (zusätzlich) auch kühles Kölsch anzubieten. (FM)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.