Der Eigelstein ist ein Teil der alten römischen Heerstraße, die sich durch das Rheinland von Süden her bis hinauf nach Xanten zieht. Hier in der Gegend gab es jeher eine stattliche Reihe florierender Brauhäuser Eines davon war das Haus Eigelstein 121-123. Als erster Brauer wird hier im Jahre 1797, zum Ende der Zünfte, Mathias Lölgen im Brauhaus "Zum Elephant" genannt. Er war für die Brauerzunft Hauptmann der Bürgerwehr. Bis 1841 übernahm Friedrich Brückmann das Brauhaus, das er "Zur Stadt Aachen" nannte und nahm den Braubetrieb wieder auf. Zweiundzwanzig Jahre braute er hier im Schatten der Eigelsteintorburg. Dann nahm er einen Partner in das Unternehmen, das jetzt Brückmann & Eichholz hieß. 1871 übernahm der eine der Partner, der Brauer Nikolaus Eichholz, das alleinige Regiment, allerdings nur für zwei Jahre.
Als nächster Besitzer firmiert im Jahre 1873 Arnold Brentges, der bis 1879 die Brauerei führte. Dieser übergab dann an Albert Odenthal der die Brauerei nach der benachbarten Gasse Im Stavenhof in "Stavenbräu" umbenannte. Der Name "Staven" leitet sich ab vom Stavenhof, einem bäuerlichen Anwesen, das im Mittelalter vor den Toren der Stadt - nach der letzen Stadterweiterung allerdings innerhalb der Stadtmauer- Ländereien bewirtschaftete. Die Straße Im Stavenhof ist in Köln bekannt als "dr Stüverhoff". Dort wurde das historisch älteste Gewerbe der Welt ausgeübt. Das Umfeld prägte sicherlich auch das Image des alten "Stavenbräu", aber das Brauhaus hat heute sein eigenes Flair, ist in der Gegend anerkannt und wird von den Bewohnern des Viertels, auch wegen seiner deftigen Küche, angenommen.
Nach Arnold Brentges übernahm Albert Odentbal die Brauerei, der sie von 18791903 führte. Ihm folgte Peter König von 1903-1907. Ab 1907 kam das Brauhaus in den Besitz der Familie Baum. Mathias Baum leitete im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts zuerst die Brauerei "zum roten Ochsen`' am Turmmarkt und das Brauhaus "Em halve Mond" in der Thieboldsgasse". Nach dem Tode des Vaters 1912 übernahm im selben Jahre der Tradition folgend sein Sohn Peter Baum jun. die Brauerei und baute sie zu einem echt kölschen Brauhaus aus und nannte es "Em Kölsche Boor".
Peter Baum muß unter seinen Berufskollegen ein anerkannter Mann gewesen sein, denn um 1920 war er Präsident der St. Peter von Mailand Bruderschaft - Cölner Brauer-Corporation. Es ist denkbar, daß er den Namen "Stavenbräu" änderte wegen seiner gedanklich negativen Verbindung zum Stavenhof. Jedenfalls leitet sich der Name "Em Kölsche Boor`' ab vom Bildnis des wahrhaften kölschen Bauern, das seit 1891 an der Eigelsteintorburg ganz in der Nähe zu sehen ist.
In den 20er Jahren, nach dem Ersten Weltkrieg, kamen schwere Zeiten für die Kölner Hausbrauereien. Einen harten Stoß erlitt das Kölner obergärige Bier besonders während der Kriegsjahre infolge der Herabsetzung des Alkoholgehalts auf zwei Prozent, so daß der Biergenuß schließlich nahezu völlig einschlief, bis endlich im Frühjahr 1921 wieder Friedensbier- zwölf bis dreizehnprozentig - gebraut und damit die "Trinklage" mit einem Schlage wieder von Grund auf geändert wurde. Die Brauhäuser, auch der "Kölsche Boor" füllten sich wieder, und das alte, gemütliche Leben stellte sich wieder ein.
Im Zweiten Weltkrieg wurde "Em Kölsche Boor" stark beschädigt, aber trotzdem nach Kriegsende ein Jahr von Besatzungstruppen beschlagnahmt. Anschließend wurde er so renoviert und ausgebaut, wie er heute zu sehen ist. Das ehemalige Sudhaus auf der Seite zum Stavenhof hin wurde zu Wohnungen umgebaut. In den 70er und 80er Jahren geriet das Brauhaus "Em Kölsche Boor", nachdem sich die Sozialstruktur des Viertels stark verändert hatte, etwas in Vergessenheit. Anfang der 90er Jahre wurde dieser Teil des Eigelstein sowohl baulich als auch gastronomisch aufgewertet. Neue Gaststätten, Cafés und Bistros entstanden, das Publikum wurde jünger und die Gegend erholte sich zusehends. In diesem Umfeld gewann auch "Em Kölsche Boor" alte Freunde zurück und neue hinzu. (FM)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.