Brauhäuser und Wirtschaften: Typische Innengestaltung


 

Kölner Bierhaus "Ein Krüzzge" am Frankenturm 3

Fotographie. Um 1900. - In: Aus dem Alten Köln. - Eine Sammlung älterer Profanbauten und Strassenbilder. - Köln 1900 ff. 1.Lieferung, Taf.1.UStBK-Sign.:Rh fol533
Fotographie. Um 1900. - In: Aus dem Alten Köln. - Eine Sammlung älterer Profanbauten und Strassenbilder. - Köln 1900 ff. 1.Lieferung, Taf.1.UStBK-Sign.:Rh fol533
Federz. Um 1910. - KSM Gr. Slg. Nr.1950/145/481.
Federz. Um 1910. - KSM Gr. Slg. Nr.1950/145/481.
Fotographie. Um 1930. - Reproduktion nach: Theo Felten und Peter Paul Pauquet: Köln: Dein hohes Bild. Wittlich 1952 (S.34)
Fotographie. Um 1930. - Reproduktion nach: Theo Felten und Peter Paul Pauquet: Köln: Dein hohes Bild. Wittlich 1952 (S.34)

Die drei Abbildungen bieten die seltene Möglichkeit, den Zustand des Schankraumes eines Kölner Brauhauses über mehrere Jahrzehnte hinweg zu betrachten. Wie die älteren Darstellungen zeigen, gab es vor dem 1.Weltkrieg keine Theke, sondern das Bier wurde aus im Hausflur aufgebockten Fässern gezapft, wie es heute noch üblich ist. Die hintere Tür, Wendeltreppe und Galerie im ersten Stock zeigen, daß es sich immer noch um einen Flur mit Treppenhaus handelte. Die ältere Fotografie, die so exakt Anheissers Zeichnung entspricht, daß sie als Vorlage gelten muß, zeigt einen altertümlichen und unordentlichen Raum; auf Feltens jüngerer Fotografie ist er bis zur Sterilität ordentlich und enthält an Stelle der provisorischen Zapfstelle eine Art "Thekenschrank" mit einer Zapfanlage, aber immer noch keine Theke für die Gäste.


 

Josef Passavanti: Kölnische Wirtschaft "Lölgen",Hohe Pforte 8.

Aquarell. 1905. - KSM, - lnv.Nr.1912/256.

Das Brauhaus "Zum Grin", Bank/Lölgen, hatte einen dem "Krützge" vergleichbaren Schankraum. Links befindet sich das "Thekenschaaf', rechts das Faß, diesmal mit "Zappes", und auch die Treppe weist den Raum als Hausflur aus. Hier wurde um 1880 der "Halve Hahn" erfunden.

Lit.: Zum Grundriß vgl. Vogts, Bd.1, S.74, Abb.41.


 

August Sander: Innenansicht des Schankraumes einer Kölschen Wirtschaft

Fotografie. Um 1930. August Sander Archiv/SK-Stiftung Kultur.
Fotografie. Um 1930. August Sander Archiv/SK-Stiftung Kultur.

In dieser bislang nicht identifizierten Gastwirtschaft präsentierte sich der Schankraum noch in der Zwischenkriegszeit so, wie er im "Krützge" vor dem 1.Weltkrieg gewesen war: Mit "Thekenschaaf" und "Spülbüttchen" unter den aufgebockten Fässern statt einer Zapfanlage.


 

Josef Stolzen: Kinder holen Bier im Brauhaus

Federzeichnung um 1910. In: August Hoursch. Kölsche Krätzcher. Auswahlbd. 7.Aufl. Köln um 1930, S.49, Privatbesitz.
Federzeichnung um 1910. In: August Hoursch. Kölsche Krätzcher. Auswahlbd. 7.Aufl. Köln um 1930, S.49, Privatbesitz.

Zwei kleine Kinder holen aus dem Schankraum eines Brauhauses, den man nur ausschnittweise sehen kann, einen Krug Bier für den häuslichen Verzehr, der ihnen von einem als "Zappes" fungierenden Köbes gefüllt wird. Besonders deutlich sichtbar ist die provisorisch wirkende Aufstellung der Fässer. Während man in manchen Brauhäusern wohl vornehmlich aus atmosphärischen Gründen weiterhin aus Holzfässern zapft, hat die hier gezeigte Form des Aufbockens der Fässer mittlerweile überall einer festeren Installation weichen müssen.


 

Hans Schwartz: Brauhausszene. Um 1914.

In: Köln amüsiert sich - Der Führer durch's lebensfrohe Köln. - Köln 1914. - UStBK. - Sign.: RhKG 131.

Vom "Thekenschaaf' aus, einem typischen Bestandteil der Kölnischen Wirtschaft, das auch "Beichtstuhl" oder "Kontörchen" genannt wird, hatte der Wirt einen guten Überblick über das Geschehen im Hausflur wie in der Gaststube. Die Benennungen weisen darauf hin, daß es gleichzeitig auch Abrechnungs- und Beschwerdestelle war und dem Spirituosenverkauf diente. Heute verfügen nur noch wenige Häuser über einen "Beichtstuhl' und selbst dort erfüllt er oft nur noch rudimentär seine traditionelle Funktion.

13.01.2012: Frechener Bahnhof - Das erste Bier wird gebraut

07.01.12, 07:03h

Von Bernd Rosenbaum


Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.

Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.

In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.

Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.

Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.


Quelle: www.rundschau-online.de

13.01.2012: Der Bier-Sommelier kennt sich aus

10.12.11 10:19h

Von Annika Leister


Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.


Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.


Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert

Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."


Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn

Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.


Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012

Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.


Quelle: www.ksta.de