Kern und Herzstück Kölner Braukultur sind die vielen Brauhäuser, in denen man das obergärige Kölsch-Bier direkt vom Faß auf den weißgescheuerten Holztisch bekommt. Obwohl in einigen Fällen durch die Expansion des Biermarktes die Brauereien an den Stadtrand verlegt werden mußten, und das Bier nicht mehr im Hause gebraut wird, ist die Institution Brauhaus mit ihrem typisch kölschen Flair bis heute erhalten geblieben. Dieses Flair ist eine speziell kölsche Mischung aus Mann und Frau, alt und jung, arm und reich, unbekannt und prominent. Auch der Köbes, der Brauhaus-Kellner und die schlanken Kölschgläser, der Bierkranz und der Zappes gehören dazu wie das Salz in der Suppe. Man ißt und trinkt, diskutiert und philosophiert - die klassenlose Gesellschaft auf Kölsche Art, das Brauhaus als Ergebnis kaufmännisch und handwerklich geprägter demokratischer Stadtkultur.
Die Keimzelle dieser Lebensart und ihre ersten Protagonisten lebten im Schatten des Domes, denn hier, in der Bechergasse, wohnte der erste Brauer, der in der Kölner Stadtgeschichte erwähnt wird: Im Jahre 1164, als man die Gebeine der Heiligen Drei Könige feierlich in die Stadt brachte, befand sich unter den vielen, die entlang des Prozessionsweges ihre Waren feilboten, auch der "Medebruwer (Brauer) Henricus von der Bechergezzen". Nur einen Steinwurf von der Bechergasse entfernt liegt auch die traditionsreiche Straße "Unter Taschenmacher", wo sich heute das obergärige Brauhaus "Sion" befindet. Diese Gegend zwischen Dom und Rathaus ist älteste Kölner Kulturlandschaft. Hier grenzte der von den Erzbischöfen regierte Immunitätsbezirk, die "Hacht", an das von Handwerkern und Händlern (fast) demokratisch geführte Stadtgebiet, alles innerhalb der sehr wehrhaften Stadtmauern.
Doch wenden wir uns der Historie von "Unter Taschenmacher" zu. Diese Straße, die entlang der römischen Stadtmauer an der Rheinseite verlief, lag noch innerhalb der alten Römerstadt am Ufer des Hafens. Die östliche Straßenseite war unbebaut, hier stand die Stadtmauer, deren Reste sich noch heute in den Häusern gegenüber dem Brauhaus finden. Durch die erste Stadterweiterung im Jahre 948, als die ehemalige Römersiedlung bis zum Rheinufer ausgedehnt wurde, kam auch die ehemals vorgelagerte Rheininsel, die heutige Altstadt, zum Stadtgebiet. In dem nun entstandenen neuen Viertel lagen Alter Markt, Heumarkt und die vielen anderen kleinen Märkte. In dieser lebendigen Marktgegend haben die Händler sicher ein erfrischendes Bier geschätzt, so wie man es in den Straßen rundum gebraut hat. Doch den Ton im Viertel gaben die Handwerker an, wie man es noch heute an den Straßennamen "Unter Goldschmied", "Sporergasse" und "Unter Taschenmacher" ersehen kann. Die Straße "Unter Taschenmacher" hieß im 12. Jahrhundert "Rindshuderen" (Rindshäutern); hier wurden die Rinderhäute zu Leder verarbeitet. Später wurde man dann etwas vornehmer und nannte sich "Inter corduanarios", was "bei den Korduanleder-Verarbeitern" hieß. Hier wurde jetzt Feintäschnerei betrieben, ein Handwerk welches geachtet und einträglich war.
Ihre stadtgeographische Bedeutung erhielt die Straße dadurch, daß sie der Verbindungsweg zwischen dem erzbischöflichen Palast am Dom und dem Rathaus der Stadt war. Geht man heute vom Dom aus in die Straße hinein, wo sich im Hintergrund stolz der Rathausturm zum Himmel erhebt, so fällt einem am Eingang der schöne Bau des Hauses "Saaleck" auf. Dieses massive Gebäude mit seinen filigranen Ecktürmchen war ein Kauf- und Handelshaus, welches sich in seiner Form an den Gürzenich anlehnte. Es wurde im Jahre 1461 erbaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Krieg aus den alten Steinresten in seiner heutigen Form wieder errichtet.
Die bedeutendere Seite der Straße "Unter Taschenmacher" war die westliche, aus den vorher genannten Gründen. Betrachten wir diese Straßenseite Haus für Haus, so umfaßte sie in ihrer mittelalterlichen Form die heutigen Hausnummern 3-15, also sieben Gebäude. Die Häuser verfügten in alter Zeit nicht über Hausnummern, sondern besaßen meistens schmückende Namen, die entweder auf den Eigentümer oder ein hervorstechendes Merkmal, wie einen Turm, ein Wappen oder einen Beruf, hinwiesen. In einer alten Kultur- und Handelsstadt wie Köln es ist, entwickelte sich schon sehr früh ein kommunales Katasteramt, man registrierte alle An- und Verkäufe von Immobilien in einem Gemeinderegister. Im "Hilligen Köln" war diese Gemeinde natürlich die katholische Pfarrgemeinde. Im Falle "Unter Taschenmacher" war dies die Pfarre St. Laurenz, die Patronatskirche der Stadtführung. Sie stand direkt gegenüber dem Rathaus am Laurenzplatz.
Beginnen wir im Haus neben dem Eckhaus "Saaleck" (Nr. 13). Es hieß "Haus Scharpensteyn" und gehörte im Jahre 1282 einem Theod. Lapicida. Es war das kleinste Haus in der Straße. Das zweite Haus (Nr. 11) nannte sich recht ländlich "Zum Ferken", ebenso wie sein erstgenannter Besitzer im Jahre 1200 Henricus Porcos (Schwein). Später erwarb es ein Rudolf vom Stessenhof. Der Stessenhof war der Bauernhof des erzbischöflichen Vogts, und er lag gegenüber dem Rathaus. Das dritte Haus (Nr. 9) in der Straße hieß "Zum roten Schildt", der Besitzer war Gerardius Gultleiht, genannt "Kerzegoytleyt"; er war Kerzwörter, was soviel wie Kerzenmacher heißt, in der Pilgerstadt Köln bestimmt ein einträglicher Beruf. Das vierte Haus (Nr. 7), Lichtenstein oder Leyttinsteyn genannt, muß als Doppelhaus mit dem Nachbarhaus (Nr. 9) geführt worden sein, denn auf alten Zeichnungen haben beide Häuser nur einen Eingang. Vermutlich handelte es sich bei diesem Gebäude um den zugebauten Weg zum Pütz(Brunnen)hof hinter den Häusern an der Straße.
Das für die Kölner Brauhaus-Historie wichtigste Gebäude ist das Haus Unter Taschenmacher Nr. 5 "Zum roten Ochsen", auch "Kusins Haus" genannt. Im Schreinsbuch von St. Laurenz heißt es im Jahre 1318 zu diesem Haus: Domus Kusini (ad Kusinum), que modo Medebruyrs dic. (in qua moratur Joh. brexator medonis). Die Übersetzung lautet: Das Haus zu den Kusins, welches Medebruyrs genannt wird, (in dem Johann der Bierbrauer wohnt). Im Haus Unter Taschenmacher Nr. 5 wohnte im Jahre 1318 Johann der Bierbrauer und braute an dieser Stelle Bier. Da das Braurecht immer an das Haus und nicht an eine bestimmte Person gebunden war, kann man sicher davon ausgehen, daß mindestens seit dem Jahre 1318 an dieser Stelle das Brauhaus Unter Taschenmacher besteht.
Das letzte Haus in der Straße (Nr. 3) hieß "Zum gülden Swert" und schloß die Straßenzeile ab. Vergleicht man eine Zeichnung aus der Sammlung von Franz Anton Kreuter aus dem Jahre 1840 mit alten Fotografien der Straße aus der Zeit vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, so kann man die architektonische Entwicklung von "Unter Taschenmacher" bis in unsere Tage weiterverfolgen. Selbst heute, nach dem kompletten Wiederaufbau der Westseite, erkennt man den Duktus der alten Häuseraufteilung von einst.
Sehr wichtig im mittelalterlichen Köln waren seine Brunnen, die Mensch und Tier mit frischem Wasser versorgten. So gehörte auch zu jeder Braustelle selbstverständlich ein eigener Brunnen, denn schon damals wußte man wie heute, daß zu einem guten Bier auch gutes wasser nötig ist. Der Brunnen, auf gut kölsch "Pütz" genannt, war so wertvoll und wichtig, daß er stets von mehreren Familien genutzt wurde. Beim Brauhaus "Unter Taschenmacher" befand er sich im sogenannten "Pützhof" hinter dem Hause, und wurde vom Brauer "Zum Mühlenheim", Kleine Budengasse, mitbenutzt. Beide Brauhäuser hatten einen separaten Zugang zum Brunnen. Außerdem gab es noch einen von der Straße "Am Hof" aus, der sich bis in unsere Tage erhalten hat, das "Pützgäßchen" neben dem Hotel "Europa" am Hof. Der frühere Pützhof dient heute als Parkplatz für die umliegenden Geschäftshäuser, einen "Pütz" gibt es hier und heute nicht mehr.
Doch zurück zur Geschichte des Brauhauses "Unter Taschenmacher". Im Brauerregister aus dem Jahre 1838 taucht auch das Haus Unter Taschenmacher Nr. 5 wieder auf. Sein damaliger Besitzer und Brauer hieß Christian Peter Herbertz. Er braute hier bis zum Jahre 1852. Dann übernahm es Adam Jüsgen bis 1879 und nach ihm sein Sohn Joseph Jüsgen bis 1885. Der Brauer Jüsgen war ein Bruder des Inhabers der Neumarktbrauerei, Ecke Thieboldsgasse (später Restaurant "zum goldenen Schlüssel"). Ihm folgte der Brauer Louis Kivernagel, der die Brauerei und das Brauhaus zehn Jahre lang bis 1895 führte. Nach Kivernagel übernahm Anton Vetten bis 1901 das Brauhaus Unter Taschenmacher Doch dann kehrte die Familie Jüsgen für kurze Zeit in die Brauerei zurück. Jean Jüsgen braute hier bis zum Jahre 1904. Er war es auch, der um die Jahrhundertwende das alte Brauhaus in "Dombrauerei" umbenannte, ein Name, der wegen der Nähe des Domes ausgezeichnet paßte. Denn gebraut wurde in der Brauerei hinter dem Brauhaus bis zur Zerstörung im Jahre 1943. Die jahrhundertealten Bierkeller befinden sich noch bis heute unter dem Brauhaus, werden aber jetzt anderweitig genutzt. Nach einem kurzen Zwischenspiel, während dem Josef Schwartz von der Malzmühle die Brauerei Unter Taschenmacher betrieb, begann die Ära der Familie Sion. Ab 1912 machte der Brauer Jean Sion das Brauhaus zu einem der beliebtesten bürgerlichen Treffpunkte in der Kölner Altstadt. Die echten Kölschen nannten es liebevoll "Et Dombräues" oder "Em Sion". Viele Anekdoten verbinden sich mit diesem beliebten Brauhaus, wo Arbeitsleute und Ratsherren sich mit Handwerkern und Beamten trafen. Leider verstarb Jean Sion bereits 1915, und eine Erbengemeinschaft führte das Brauhaus bis zum Jahre 1928, während Hans Sion noch seine Ausbildung zum Dipl. Braumeister machte und im Ausland erste Erfahrungen sammelte.
Im "Dombräues", Unter Taschenmacher, zwischen Rathaus und Dom war von 1928-1936 Inhaber der Brauereibesitzer Georg Risch, der die Witwe seines Vorgängers Jean Sion geheiratet hatte. Er brachte neuen, frischen Wind in das alte Brauhaus und war bei den Gästen sehr beliebt. Er war ein tüchtiger Brauereifachmann, der aber auch eine gute Küche führte. Er betrieb das im Inneren schmuck und gediegen ausgestattete Bräues im echten alten Kölner Stil und hatte damit den Erfolg auf seiner Seite. Seit 1936 war dann Hans Sion für die Brauerei und das Brauhaus verantwortlich. Er hatte mit einem Brau- und Jurastudium eine gute Ausbildung genossen und unter seiner Regie florierte das Unternehmen bis zu seiner völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Das Haus wurde bereits bei dem ersten Bombenangriff auf Köln im Jahre 1942 getroffen und war nicht mehr nutzbar. Denn Rest besorgten die Bombenangriffe zu Ende des Krieges.
Der Krieg und die Mangelwirtschaft verhinderten einen schnellen Wiederaufbau. Doch nach dem Ende des Infernos, das die Stadt Köln heimsuchte, begann Hans Sion, jetzt wieder Chef des Unternehmens, so schnell es Besatzung und Währungsreform zuließen, mit einem neuen Anfang. Einer Hütte folgte ein zweistöckiger kleiner Neubau. Der komplette Auf- und Umbau umfaßte dann im Laufe der letzten Jahrzehnte ein Brauhaus, das sich heute zwischen Unter Taschenmacher 5-11 ausbreitet. Die hinteren Räume wurden nach und nach zu einem schmucken kölschen Brauhaus ausgestaltet, das heute ca. 500 Gästen Platz bietet.
Seinem Elan und Aufbauwillen verdankt das Brauhaus "Unter Taschenmacher" seine wiedererstandene heutige Form. Auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kölner Brauerei-Verbandes stellte er die Weichen für den ungeahnten Aufschwung des obergärigen Kölsch-Bieres. Dies und viele andere Verdienste trugen ihm den Ehrentitel "Vater des modernen Kölsch" ein. Inzwischen hat die nächste Generation, Hans Georg Sion, das Regiment übernommen und weitere Maßnahmen zum Auf- und Ausbau des Brauhauses ergriffen. Die Innenräume wurden weiter ausgebaut und in der alten Tradition gestaltet. Für Küche und Keller ist seit einigen Jahren die Betz-Gastronomie zuständig, die mit viel Engagement die Geschicke des Brauhauses "Unter Taschenmacher" leitet. Denn man es auch im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen im Braugewerbe gegeben haben, mögen sich auch die Baulichkeiten durch Zerstörung oder den Zahn der zeit gewandelt haben, der Geist der guten Kölner Brauertradition lebt nun seit mehr als sechs Jahrhunderten in diesem Hause, dem Brauhaus "Unter Taschenmacher" in Köln am Rhein.
Nachdem das beliebte Sion-Kölsch lange Jahre im Lohnbräu von den Brauereien Früh und Malzmühle gebraut wurde, erwarb die Marke Altstadt-Bräu Johann Sion 1993 die ehemalige Hubertus-Brauerei in Müngersdorf, wo für einige Jahre Sion-Kölsch gebraut wurde, ehe die Brauerei einem neuen Wohn- und Bürogebäude weichen mußte. Die Traditionsmarke Sion-Kölsch wird seitdem im "Kölner Verbund" in der Braustätte Köln Mülheim hergestellt. Doch trotz allen Wechsels und vieler wirtschaftlicher Veränderungen hat diese urkölsche Marke nichts von ihrem Charme und ihrem guten Ruf eingebüßt, den sie seit vielen Jahrzehnten in und um Köln herum genießt. Der Kern dieser guten alten Tradition aber ist das Brauhaus Unter Taschenmacher, wo sich die Kölner und ihre Gäste nach wie vor sehr wohl fühlen, gerne einkehren und sich an einem guten Glas Kölsch erfreuen. (FM)
07.01.12, 07:03h
Von Bernd Rosenbaum
Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an. In vier Wochen soll das erste Bier fließen.
Frechen - Jetzt wird es langsam ernst für Braumeister Peter Trunz und seine beiden Söhne Thomas und Ralph: Am Freitagnachmittag setzten sie die erste Maische im neuen Sudhaus am Frechener Bahnhof an.
In vier Wochen, am 3. Februar, soll hier ab 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung des neuen Brauhauses das erste Bier fließen. Ausgeschenkt werden dann das naturtrüb ungefilterte Bier „Lokstoff“ und das nur noch mit einer leichten Hefetrübung versehene „Finchen“. Beides sind obergärige Sorten, die Braumeister Peter Trunz, der 44 Jahre in der Hüchelner Urstoff-Brauerei tätig war, eigens für das Brauhaus kreiert.
Bis zum fertigen Gerstensaft gibt es aber noch viel zu tun. Im Gastraum des aufwändig sanierten Bahnhofsgebäudes muss noch der Holzboden verlegt werden, auch die Theke fehlt noch. Doch dafür hängen noch ein paar Erinnerungsstücke aus vergangenen Tagen als Dekoration an den Wänden, darunter auch Peter Trunz' alter Meisterbrief.
Auch auf den erfahrenen Bierbrauer wartet noch Arbeit. Nach der Hauptgärung, die etwa zehn Tage dauert, muss er noch das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten finden, damit das neue Bier seinen eigenen, typischen Geschmack bekommt. Insgesamt etwa vier Wochen dauert es, bis aus der Maische das fertige Bier geworden ist.
10.12.11 10:19h
Von Annika Leister
Neu-Kölner erfahren bei einer Brauhausführung nicht nur viel über die rheinländische Brauerei-Tradition, sondern knüpfen auch Kontakte und erzählen, was sie hier schon erlebt haben. Die perfekte Veranstaltung für Imis.
Innenstadt - Ein Imi in Köln hat es wahrlich nicht leicht: Nicht nur die Sprache der Eingeborenen ist unverständlich und selbst nach jahrelanger Übung kaum zu erlernen, auch an die kulturellen Eigenheiten muss man sich erst einmal gewöhnen. "Bei uns kann man an Karneval auch ohne Verkleidung vor die Tür gehen. Hier ist das unmöglich", erzählt Carsten Schulten den anderen Imis im Brauhaus "Zur Malzmühle" von seiner ersten Begegnung mit dem größten kölschen Brauchtum, dem Karneval. Vor drei Jahren ist er aus dem Münsterland nach Köln gezogen - der Liebe wegen. Seine Freundin Katja studierte hier. Der Gas/Wasser-Installateur suchte sich eine neue Stelle und zog ebenfalls um.
Eine Frau, die neben den beiden sitzt, wagt den Praxistest: Sie fragt den Köbes, ob sie noch ein Kölsch haben darf. "Dat kommt von alleine, dat weißte doch." Nein, das wisse sie nicht. "Na, dann weißt' es jetzt." Dabei ist das kein Imi, der die herzlich-raue Abfuhr erteilt bekommt. Claudia Heithorst ist mit Köln allzu gut vertraut. Bis auf zwei Jahre, die sie in der Nähe von Mainz gewohnt hat, hat sie ihr gesamtes Leben hier verbracht. Die zwei Jahre reichten, um ihr zu zeigen, wie schwer es in einer anderen Stadt sein kann, Kontakte zu knüpfen: "Wir hatten nette Kollegen und Nachbarn. Aber in andere Kreise hineinzukommen, war sehr schwer." Aus dieser Erfahrung heraus initiierte sie in diesem Jahr die Gründung eines Vereins, der die "Integration von Neukölnern", so die Selbstdarstellung, fördert. Die "Rheinland-Agentur" will von nun an regelmäßig Imis und Alteingesessene zu Führungen, Kulturveranstaltungen oder geselligen Abenden zusammenbringen. Am Premierenabend geht es ins Brauhaus. "Wir wollen, dass die Leute zusammenkommen. Aber sie sollen auch etwas zu sehen und erleben haben", so Heithorst.
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Kölner Braukunst seit dem 15. Jahrhundert
Deswegen führt der Biersommelier Detlef Rick Carsten, Katja und 20 andere Besucher durch die Produktionshallen der angeschlossenen Brauerei. Von ihm erfahren sie, dass die Braukunst im Rheinischen schon seit dem 15. Jahrhundert existiert und dass sich durch den Kölner U-Bahn-Bau die Qualität des Grundwassers so verschlechtert hat, dass das Wasser fürs Bier nicht mehr aus dem hauseigenen Brunnen, sondern aus der Wasserleitung kommt. Doch das Wasser spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle im 21 Tage währenden Gärprozess des Bieres. Wichtiger sind die anderen Zutaten: Erst das Zusammenspiel von Hopfen, Malz und Hefe sorgt für den typisch herben Geschmack, erläutert Rick. Die Imis werden von der Eingangstür bis zu den Abfüllbändern durch die Brauerei geführt, vorbei an riesigen Metallbehältern. Sie dürfen einen Blick in den Maischbottich werfen, aus dem es stickig riecht, und von Station zu Station Fragen stellen. Die Frage "Was ist Alt?" lässt Ricks Augenbrauen zwar in die Höhe schießen. Dennoch erklärt er bereitwillig, dass das Düsseldorfer Konkurrenzgetränk ganz einfach aus dunklerem Malz hergestellt wird. Auf diese Weise kommt die verschiedene Färbung der obergärigen Biersorten zustande. Gemeinsam haben beide außerdem einen Feind: "Beim Abfüllen verdirbt Sauerstoff den Geschmack. Deswegen werden die Fässer vorher mit Kohlenstoffdioxid ausgespült."
Neue Bekanntschaften zwischen Kölsch und halvem Hahn
Nach einer Stunde ist die fachkundige Führung vorüber und der zweite Teil des Abends beginnt: Imis und Alt-Kölner nehmen am Tisch in der Schänke Platz. Die Karnevalslieder kann Carsten Schulten inzwischen alle auswendig, erzählt er. Besucher, die mit den hiesigen Sitten nicht vertraut sind, weisen er und seine Freundin Katja lieber auf die Eigenheiten in der Gastronomie hin, bevor sie ausgehen. "Damit sie wissen, dass auch ohne Bestellung Nachschub kommt. Und dass die Köbesse nicht immer freundlich sind", so der 33-Jährige. Zwischen Kölsch und halvem Hahn schließen Carsten und Katja neue Bekanntschaften. Zum Beispiel mit Lucienne Willems, die nach 25 Jahren kaum noch als Imi zu bezeichnen ist. Einige Dinge in Köln waren ihr von Anfang an vertraut: "Ich komme aus der Nähe von Maastricht. Da ist der Menschenschlag ähnlich. Die Leute sind einfach fröhlich und feiern gern." Die 60-jährige Niederländerin kann sich jedoch nur allzu gut daran erinnern, wie verzweifelt sie am Anfang im Straßenverkehr war: "Diese Brücken! Selbst mit Karte bin ich regelmäßig falsch gefahren und war - schwups - auf der anderen Rheinseite", erzählt sie lachend. Eigentlich ist auch sie der Liebe wegen nach Köln gezogen. Die Ehe ist inzwischen geschieden, die Liebe zu Köln aber ist geblieben: "Ich gehe zum Beispiel regelmäßig ins Hänneschen-Theater", verrät Lucienne, während sie auf ihre Bestellung wartet: Himmel un Ääd.
Kostenfreie Veranstaltung am 12. Januar 2012
Die nächste Veranstaltung der Rheinland-Agentur findet kostenfrei am 12. Januar um 17.30 Uhr statt. Imis und Altkölner besichtigen das historische Gebäude des Oberlandesgerichts am Reichensperger Platz und die ehemalige Oberpostdirektion. Um verbindliche Anmeldungen per E-Mail wird gebeten.