Das Brauhaus "Zum Thurm" lag in der Herzogstraße und gehörte zur benachbarten Pfarre St. Kolumba. Hier ist es auch im Schreinsbuch zu finden. Die erste Eintragung über die Existenz eines Brauhauses in der Herzogstraße findet sich im Jahre 1277. In normale Sprache übersetzt ergibt sich folgender Sachverhalt: 1277 erwirbt der Brauer Theodor de Sligen das Brauhaus auf der Herzogstraße an der Ecke zum Perlenpfubl, gegenüber der Steitzeuggasse, von einem Henricus Koch in Erbpacht. Da wir wissen, daß das Braurecht immer an das Haus (die Immobilie) und nicht an die Person gebunden war, ist es sehr wahrscheinlich, daß hier bereits vorher ein Brauhaus bestand. 1283 erwirbt Thilmann de Sligen, Sohn Theodor de Sligens, das Brauhaus. 1296 Schenkung des Anwesens durch Thilmann de Sligen an das Hl. GeistHaus, Hospital und Pilgerherberge am Domhof.
Die Witwe Elisabeth de Sligen, wiederverheiratet mit dem KürschnerJohann de Cleve, bestätigt 1305 die Schenkung.1319 nimmt Winand, der Brauer "Vom roten Löwen", das Brauhaus in Erbpacht. Das Haus führt aber weiterhin den Namen Theodor de Sligens. 1420 taucht zum ersten Mal für das Brauhaus (domus braxatoris) Theodor de Sligens der Hausname "Zum Turm" auf.1455, wird Reynart von Villke als Pächter genannt. Eigentümer und Vergeber der Erbleihe ist nach wie vor das Hl.-Geist-Haus. 1491 Jacob von Brügge ist jetzt Besitzer des Brauhauses "Zum Turm". 1563 wird das Brauhaus "Zum Turm" im Buche des berühmten Köiner Chronisten Hermann von Weinsberg erwähnt. Soweit die detalllierten Aufzeichnungen in den Schreinsbüchern der Pfarre St. Kolumba. Wiedererstanden ist in seiner alten Herrlichkeit das Turmbräu von Franz Dünwald in der Herzogstraße, Ecke Perlenpfuhl. An der Stelle des jetzigen Hauses standen um 1200 zwei Steinhäuser. Hier wohnte Theodor Sligen, braxator (Brauer), der 1277 das Anwesen von Henricus Jocus (Koch) in Erbpacht nahm, es 1278 niederlegte und an seiner Stelle ein Brauhaus mit Zubehör errichtete. Nach seinem Erstbesitzer hieß das Haus "zom Siven", bis, zum ersten Male in einer Urkunde vom Jahre 1455, auch die Bezeichnung 2zo deme Toren" (zum Turme) vorkam. Die Familie Dünwald stammte, wie ihr Name schon besagt, aus Dünwald und ist seit 1588 in den Listen der Kölner Brauerzunft nachweisbar.
Später bescherte uns Wilhelm Scheben in seiner Geschichte der Zunft der Brauer recht interessante Angaben bezüglich der Familie Dünwald.1587: "Ich habe gefunden, daß die meisten, welche sich im Laufe der Zeit dem Brauergewerbe zugewandt haben, vom Lande herstammten und bald bei ihrer Aufnahme auch nur der Vorname mit dem Geburtsort eingeschrieben wurde. Später fiel das Wörtchen "van" weg und der Ortsname wurde Familienname. So hat "Rultger Duinwalt sein Amt und Broderschaff gewonnen op St. Antonius Dag 1588". Unter den Brauern von 1592 bis 1595 finden sich die Namen von Ludtwich und Hefrmann Duinwald (1587, Josep Duinwaldt (1593), Geudert und Joist Duinwaldt (1587). In der französischen Zeit war das Haus mit der Nummer 5059 im Besitz des Kaufmannes Eickel, der mit Brabanter Spitzen handelte. Die "Brauerei`' verschwand für mehr als ein Jahrhundert aus der Herzogstraße.
Im Jahre 1907 erwarb Franz Dünwald das Haus und schenkte hier nach erfolgreichem Umbau "Echt Kölsch an althistorischer Stätte". In einer für damalige Verhältnisse modernen Brauerei braute Franz Dünwald bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918. Dann ruhte der Braubetrieb bis zum Jahre 1924. Nach längerer Unterbrechung infolge der Beschlagnahmung durch die feindliche Besatzung und nachfolgender Scherereien hatte dann der Brauer Carl Errens den Betrieb des "Turmbräues" im Jahre 1924 wieder aufgenommen. Ob er hier auch braute ist ungewiß, da bereits im selben Jahre Franz Dünwald den "Thurmbräu" wieder übernahm und auch bis 1930 als GmbH führte. Dann kam der Großbrauer Friedrich Winter von schräg gegenüber aus dem berühmten Brauhaus Winter auf der Schildergasse und "schluckte" die Brauerei. Vier Jahre war Stillstand in der Herzogstraße, bis die Brauerei Winter hier im Jahre 1943 den Richmodis-Bräu gründete. Die Brauerei überstand einigermaßen intakt den zweiten Weltkrieg und produzierte- unter verschiedenen Eigentümern - weiter hier in der Kölner Innenstadt ihr Richmodis Kölsch. Die Brauerei wurde 1996 samt Verwaltung nach Porz ausgelagert. Im Jahre 1998 übernahm die Gaffel-Brauerei das Unternehmen.
Der Name Richmodis stammt aus einer alten Kölner Sage: Im 14. Jahrhundert lebte in Köln am Neumarkt der Adelige Mengis von Aducht mit seiner Gattin Richmodis. Als die Pest nach Köln kam und Tausende hinwegraffte, starb auch, nachdem sie nur drei Tage zu Bett gelegen hatte, die junge schöne Richmodis von Adocht. Man brachte sie zum benachbarten Friedhof von St. Aposteln. Da der Rat Angst vor weiterer Ansteckung hatte, wurde die Verstorbene noch in der Nacht ohne Totenwache und Seelenamt sofort beerdigt. Der Totengräber jedoch hatte bemerkt, daß die Tote noch zwei wertvolle Ringe am Finger trug und um den Hals eine wertvolle Kette. In der Nacht versuchte er deshalb, mit einem Spießgesellen Richmodis im Grabe zu berauben. Beide schlichen sich heimlich im Schutze der Dunkelheit auf den Friedhof von St. Aposteln und öffneten den Sarg. Bei dem Versuch, der Toten den Ring vom Finger zu drehen, erwachte die Scheintote, stieß einen tiefen Seufzer aus und richtete sich auf. Die beiden dreisten Diebe erschraken darüber so sehr, daß sie sich Hals über Kopf vom Gottesacker machten. Als die wiederbelebte Richmodis den Ernst ihrer Lage erkannte, lief sie mit wehendem Totenhemd vom Friedhof nach Hause.
Dort klopfte sie gegen die verriegelte Pforte und bat um Einlaß. Da der herbeigeeilte Knecht glaubte, der Geist seiner verstorbenen Herrin stehe vor der Haustür, rannte er ins Haus und weckte seinen Herrn. Doch dieser, der ja seine tote Frau im Sarg gesehen hatte, wollte - genau wie sein Gesinde - nicht glauben, was seine Frau da vor der Tür rief: Sie sei nicht tot, sondern lebendig begraben worden. Als dann noch die Pferde im Stall laut zu wiehern anfingen, sagte der ungläubige Ehemann: "Eher kommen meine beiden Rösser die Treppe hinauf, als daß vor der Tür meine noch lebendige Gattin ist." Doch kaum hatte er das gesagt, als die beiden Schimmel schon die Treppe hinauf polterten, in sein Zimmer eindrangen und ihre Köpfe wiehernd zum Fenster hinausstreckten. Nun schaute auch Mengis von Aducht hinaus auf die Straße und sah seine bleiche Frau vor der Tür weinend im Mondlicht stehen. Da löste sich die Furcht und ihn übermannte plötzliche Freude. Er stürzte auf die Straße und schloß seine geliebte Richmodis in die Arme. Das alles geschah der Sage nach im Jahre 1357. Das Ehepaar lebte gemeinsam noch viele Jahre und hatte eine Schar von Kindern. An das Ereignis erinnert heute noch am Neumarkt die Nachbildung eines Kölner Hausturms, aus dessen Fenstern zwei Schimmel ihre Köpfe stecken, genau wie auf dem Markenzeichen des Richmodis-Kölsch. (FM)
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Kern und Herzstück Kölner Braukultur sind die vielen Brauhäuser, in denen man das obergärige Kölsch-Bier direkt vom Faß auf den weißgescheuerten Holztisch bekommt. Obwohl in einigen Fällen durch die Expansion des Biermarktes die Brauereien an den Stadtrand verlegt werden mußten, und das Bier nicht mehr im Hause gebraut wird, ist die Institution Brauhaus mit ihrem typisch kölschen Flair bis heute erhalten geblieben. Dieses Flair ist eine speziell kölsche Mischung aus Mann und Frau, alt und jung, arm und reich, unbekannt und prominent. Auch der Köbes, der Brauhaus-Kellner und die schlanken Kölschgläser, der Bierkranz und der Zappes gehören dazu wie das Salz in der Suppe. Man ißt und trinkt, diskutiert und philosophiert - die klassenlose Gesellschaft auf Kölsche Art, das Brauhaus als Ergebnis kaufmännisch und handwerklich geprägter demokratischer Stadtkultur.
Die Keimzelle dieser Lebensart und ihre ersten Protagonisten lebten im Schatten des Domes, denn hier, in der Bechergasse, wohnte der erste Brauer, der in der Kölner Stadtgeschichte erwähnt wird: Im Jahre 1164, als man die Gebeine der Heiligen Drei Könige feierlich in die Stadt brachte, befand sich unter den vielen, die entlang des Prozessionsweges ihre Waren feilboten, auch der "Medebruwer (Brauer) Henricus von der Bechergezzen". Nur einen Steinwurf von der Bechergasse entfernt liegt auch die traditionsreiche Straße "Unter Taschenmacher", wo sich heute das obergärige Brauhaus "Sion" befindet. Diese Gegend zwischen Dom und Rathaus ist älteste Kölner Kulturlandschaft. Hier grenzte der von den Erzbischöfen regierte Immunitätsbezirk, die "Hacht", an das von Handwerkern und Händlern (fast) demokratisch geführte Stadtgebiet, alles innerhalb der sehr wehrhaften Stadtmauern.
Doch wenden wir uns der Historie von "Unter Taschenmacher" zu. Diese Straße, die entlang der römischen Stadtmauer an der Rheinseite verlief, lag noch innerhalb der alten Römerstadt am Ufer des Hafens. Die östliche Straßenseite war unbebaut, hier stand die Stadtmauer, deren Reste sich noch heute in den Häusern gegenüber dem Brauhaus finden. Durch die erste Stadterweiterung im Jahre 948, als die ehemalige Römersiedlung bis zum Rheinufer ausgedehnt wurde, kam auch die ehemals vorgelagerte Rheininsel, die heutige Altstadt, zum Stadtgebiet. In dem nun entstandenen neuen Viertel lagen Alter Markt, Heumarkt und die vielen anderen kleinen Märkte. In dieser lebendigen Marktgegend haben die Händler sicher ein erfrischendes Bier geschätzt, so wie man es in den Straßen rundum gebraut hat. Doch den Ton im Viertel gaben die Handwerker an, wie man es noch heute an den Straßennamen "Unter Goldschmied", "Sporergasse" und "Unter Taschenmacher" ersehen kann. Die Straße "Unter Taschenmacher" hieß im 12. Jahrhundert "Rindshuderen" (Rindshäutern); hier wurden die Rinderhäute zu Leder verarbeitet. Später wurde man dann etwas vornehmer und nannte sich "Inter corduanarios", was "bei den Korduanleder-Verarbeitern" hieß. Hier wurde jetzt Feintäschnerei betrieben, ein Handwerk welches geachtet und einträglich war.
Ihre stadtgeographische Bedeutung erhielt die Straße dadurch, daß sie der Verbindungsweg zwischen dem erzbischöflichen Palast am Dom und dem Rathaus der Stadt war. Geht man heute vom Dom aus in die Straße hinein, wo sich im Hintergrund stolz der Rathausturm zum Himmel erhebt, so fällt einem am Eingang der schöne Bau des Hauses "Saaleck" auf. Dieses massive Gebäude mit seinen filigranen Ecktürmchen war ein Kauf- und Handelshaus, welches sich in seiner Form an den Gürzenich anlehnte. Es wurde im Jahre 1461 erbaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Krieg aus den alten Steinresten in seiner heutigen Form wieder errichtet.
Die bedeutendere Seite der Straße "Unter Taschenmacher" war die westliche, aus den vorher genannten Gründen. Betrachten wir diese Straßenseite Haus für Haus, so umfaßte sie in ihrer mittelalterlichen Form die heutigen Hausnummern 3-15, also sieben Gebäude. Die Häuser verfügten in alter Zeit nicht über Hausnummern, sondern besaßen meistens schmückende Namen, die entweder auf den Eigentümer oder ein hervorstechendes Merkmal, wie einen Turm, ein Wappen oder einen Beruf, hinwiesen. In einer alten Kultur- und Handelsstadt wie Köln es ist, entwickelte sich schon sehr früh ein kommunales Katasteramt, man registrierte alle An- und Verkäufe von Immobilien in einem Gemeinderegister. Im "Hilligen Köln" war diese Gemeinde natürlich die katholische Pfarrgemeinde. Im Falle "Unter Taschenmacher" war dies die Pfarre St. Laurenz, die Patronatskirche der Stadtführung. Sie stand direkt gegenüber dem Rathaus am Laurenzplatz.
Beginnen wir im Haus neben dem Eckhaus "Saaleck" (Nr. 13). Es hieß "Haus Scharpensteyn" und gehörte im Jahre 1282 einem Theod. Lapicida. Es war das kleinste Haus in der Straße. Das zweite Haus (Nr. 11) nannte sich recht ländlich "Zum Ferken", ebenso wie sein erstgenannter Besitzer im Jahre 1200 Henricus Porcos (Schwein). Später erwarb es ein Rudolf vom Stessenhof. Der Stessenhof war der Bauernhof des erzbischöflichen Vogts, und er lag gegenüber dem Rathaus. Das dritte Haus (Nr. 9) in der Straße hieß "Zum roten Schildt", der Besitzer war Gerardius Gultleiht, genannt "Kerzegoytleyt"; er war Kerzwörter, was soviel wie Kerzenmacher heißt, in der Pilgerstadt Köln bestimmt ein einträglicher Beruf. Das vierte Haus (Nr. 7), Lichtenstein oder Leyttinsteyn genannt, muß als Doppelhaus mit dem Nachbarhaus (Nr. 9) geführt worden sein, denn auf alten Zeichnungen haben beide Häuser nur einen Eingang. Vermutlich handelte es sich bei diesem Gebäude um den zugebauten Weg zum Pütz(Brunnen)hof hinter den Häusern an der Straße.
Das für die Kölner Brauhaus-Historie wichtigste Gebäude ist das Haus Unter Taschenmacher Nr. 5 "Zum roten Ochsen", auch "Kusins Haus" genannt. Im Schreinsbuch von St. Laurenz heißt es im Jahre 1318 zu diesem Haus: Domus Kusini (ad Kusinum), que modo Medebruyrs dic. (in qua moratur Joh. brexator medonis). Die Übersetzung lautet: Das Haus zu den Kusins, welches Medebruyrs genannt wird, (in dem Johann der Bierbrauer wohnt). Im Haus Unter Taschenmacher Nr. 5 wohnte im Jahre 1318 Johann der Bierbrauer und braute an dieser Stelle Bier. Da das Braurecht immer an das Haus und nicht an eine bestimmte Person gebunden war, kann man sicher davon ausgehen, daß mindestens seit dem Jahre 1318 an dieser Stelle das Brauhaus Unter Taschenmacher besteht.
Das letzte Haus in der Straße (Nr. 3) hieß "Zum gülden Swert" und schloß die Straßenzeile ab. Vergleicht man eine Zeichnung aus der Sammlung von Franz Anton Kreuter aus dem Jahre 1840 mit alten Fotografien der Straße aus der Zeit vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, so kann man die architektonische Entwicklung von "Unter Taschenmacher" bis in unsere Tage weiterverfolgen. Selbst heute, nach dem kompletten Wiederaufbau der Westseite, erkennt man den Duktus der alten Häuseraufteilung von einst.
Sehr wichtig im mittelalterlichen Köln waren seine Brunnen, die Mensch und Tier mit frischem Wasser versorgten. So gehörte auch zu jeder Braustelle selbstverständlich ein eigener Brunnen, denn schon damals wußte man wie heute, daß zu einem guten Bier auch gutes wasser nötig ist. Der Brunnen, auf gut kölsch "Pütz" genannt, war so wertvoll und wichtig, daß er stets von mehreren Familien genutzt wurde. Beim Brauhaus "Unter Taschenmacher" befand er sich im sogenannten "Pützhof" hinter dem Hause, und wurde vom Brauer "Zum Mühlenheim", Kleine Budengasse, mitbenutzt. Beide Brauhäuser hatten einen separaten Zugang zum Brunnen. Außerdem gab es noch einen von der Straße "Am Hof" aus, der sich bis in unsere Tage erhalten hat, das "Pützgäßchen" neben dem Hotel "Europa" am Hof. Der frühere Pützhof dient heute als Parkplatz für die umliegenden Geschäftshäuser, einen "Pütz" gibt es hier und heute nicht mehr.
Doch zurück zur Geschichte des Brauhauses "Unter Taschenmacher". Im Brauerregister aus dem Jahre 1838 taucht auch das Haus Unter Taschenmacher Nr. 5 wieder auf. Sein damaliger Besitzer und Brauer hieß Christian Peter Herbertz. Er braute hier bis zum Jahre 1852. Dann übernahm es Adam Jüsgen bis 1879 und nach ihm sein Sohn Joseph Jüsgen bis 1885. Der Brauer Jüsgen war ein Bruder des Inhabers der Neumarktbrauerei, Ecke Thieboldsgasse (später Restaurant "zum goldenen Schlüssel"). Ihm folgte der Brauer Louis Kivernagel, der die Brauerei und das Brauhaus zehn Jahre lang bis 1895 führte. Nach Kivernagel übernahm Anton Vetten bis 1901 das Brauhaus Unter Taschenmacher Doch dann kehrte die Familie Jüsgen für kurze Zeit in die Brauerei zurück. Jean Jüsgen braute hier bis zum Jahre 1904. Er war es auch, der um die Jahrhundertwende das alte Brauhaus in "Dombrauerei" umbenannte, ein Name, der wegen der Nähe des Domes ausgezeichnet paßte. Denn gebraut wurde in der Brauerei hinter dem Brauhaus bis zur Zerstörung im Jahre 1943. Die jahrhundertealten Bierkeller befinden sich noch bis heute unter dem Brauhaus, werden aber jetzt anderweitig genutzt. Nach einem kurzen Zwischenspiel, während dem Josef Schwartz von der Malzmühle die Brauerei Unter Taschenmacher betrieb, begann die Ära der Familie Sion. Ab 1912 machte der Brauer Jean Sion das Brauhaus zu einem der beliebtesten bürgerlichen Treffpunkte in der Kölner Altstadt. Die echten Kölschen nannten es liebevoll "Et Dombräues" oder "Em Sion". Viele Anekdoten verbinden sich mit diesem beliebten Brauhaus, wo Arbeitsleute und Ratsherren sich mit Handwerkern und Beamten trafen. Leider verstarb Jean Sion bereits 1915, und eine Erbengemeinschaft führte das Brauhaus bis zum Jahre 1928, während Hans Sion noch seine Ausbildung zum Dipl. Braumeister machte und im Ausland erste Erfahrungen sammelte.
Im "Dombräues", Unter Taschenmacher, zwischen Rathaus und Dom war von 1928-1936 Inhaber der Brauereibesitzer Georg Risch, der die Witwe seines Vorgängers Jean Sion geheiratet hatte. Er brachte neuen, frischen Wind in das alte Brauhaus und war bei den Gästen sehr beliebt. Er war ein tüchtiger Brauereifachmann, der aber auch eine gute Küche führte. Er betrieb das im Inneren schmuck und gediegen ausgestattete Bräues im echten alten Kölner Stil und hatte damit den Erfolg auf seiner Seite. Seit 1936 war dann Hans Sion für die Brauerei und das Brauhaus verantwortlich. Er hatte mit einem Brau- und Jurastudium eine gute Ausbildung genossen und unter seiner Regie florierte das Unternehmen bis zu seiner völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Das Haus wurde bereits bei dem ersten Bombenangriff auf Köln im Jahre 1942 getroffen und war nicht mehr nutzbar. Denn Rest besorgten die Bombenangriffe zu Ende des Krieges.
Der Krieg und die Mangelwirtschaft verhinderten einen schnellen Wiederaufbau. Doch nach dem Ende des Infernos, das die Stadt Köln heimsuchte, begann Hans Sion, jetzt wieder Chef des Unternehmens, so schnell es Besatzung und Währungsreform zuließen, mit einem neuen Anfang. Einer Hütte folgte ein zweistöckiger kleiner Neubau. Der komplette Auf- und Umbau umfaßte dann im Laufe der letzten Jahrzehnte ein Brauhaus, das sich heute zwischen Unter Taschenmacher 5-11 ausbreitet. Die hinteren Räume wurden nach und nach zu einem schmucken kölschen Brauhaus ausgestaltet, das heute ca. 500 Gästen Platz bietet.
Seinem Elan und Aufbauwillen verdankt das Brauhaus "Unter Taschenmacher" seine wiedererstandene heutige Form. Auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kölner Brauerei-Verbandes stellte er die Weichen für den ungeahnten Aufschwung des obergärigen Kölsch-Bieres. Dies und viele andere Verdienste trugen ihm den Ehrentitel "Vater des modernen Kölsch" ein. Inzwischen hat die nächste Generation, Hans Georg Sion, das Regiment übernommen und weitere Maßnahmen zum Auf- und Ausbau des Brauhauses ergriffen. Die Innenräume wurden weiter ausgebaut und in der alten Tradition gestaltet. Für Küche und Keller ist seit einigen Jahren die Betz-Gastronomie zuständig, die mit viel Engagement die Geschicke des Brauhauses "Unter Taschenmacher" leitet. Denn man es auch im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen im Braugewerbe gegeben haben, mögen sich auch die Baulichkeiten durch Zerstörung oder den Zahn der zeit gewandelt haben, der Geist der guten Kölner Brauertradition lebt nun seit mehr als sechs Jahrhunderten in diesem Hause, dem Brauhaus "Unter Taschenmacher" in Köln am Rhein.
Nachdem das beliebte Sion-Kölsch lange Jahre im Lohnbräu von den Brauereien Früh und Malzmühle gebraut wurde, erwarb die Marke Altstadt-Bräu Johann Sion 1993 die ehemalige Hubertus-Brauerei in Müngersdorf, wo für einige Jahre Sion-Kölsch gebraut wurde, ehe die Brauerei einem neuen Wohn- und Bürogebäude weichen mußte. Die Traditionsmarke Sion-Kölsch wird seitdem im "Kölner Verbund" in der Braustätte Köln Mülheim hergestellt. Doch trotz allen Wechsels und vieler wirtschaftlicher Veränderungen hat diese urkölsche Marke nichts von ihrem Charme und ihrem guten Ruf eingebüßt, den sie seit vielen Jahrzehnten in und um Köln herum genießt. Der Kern dieser guten alten Tradition aber ist das Brauhaus Unter Taschenmacher, wo sich die Kölner und ihre Gäste nach wie vor sehr wohl fühlen, gerne einkehren und sich an einem guten Glas Kölsch erfreuen. (FM)